Briefe an die Leser | November 2016


Na, Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies?

Schon Pläne für Silvester? Wie sieht das Sicherheitskonzept aus? »Es wird darum gehen, einen Spagat zwischen fröhlichem Feiern und einem Auftritt der Polizei zu meistern, der als nicht zu martialisch wahrgenommen wird.«

Na, dann will mal hoffen, daß Ihnen niemand unaufgefordert in den Schritt faßt: Titanic

Königin Silvia von Schweden!

Wie Sie dem Tagesspiegel erzählten, können Sie sich nach Ihren eigenen Erfahrungen an der innerdeutschen Grenze gut in die Situation von Flüchtlingen hineinfühlen. Im Alter von 13 Jahren wurden Sie im Taxi von Volkspolizisten angehalten, und Ihr in Brasilien ausgestellter Paß wurde bei der Kontrolle zunächst nicht anerkannt. Das sei eine »entsetzliche Situation« gewesen. »Daran denke ich jetzt immer, wenn ich die Flüchtlinge sehe: Es erinnert mich daran, daß man plötzlich in eine Situation geraten kann, in der man keine Kontrolle hat und nicht versteht, was vor sich geht.«

Uns scheint, Sie verstehen auch heute noch nicht, was vor sich geht. Aber solange die genau wie Sie damals als gut betuchtes Werksdirektorentöchterchen die halbe Welt bereisenden Flüchtlingskinder wohlbehalten durch die Grenzposten chauffiert werden, behütet und sorgenfrei Privatschule, Abitur und Studium durchlaufen, einen echten Thronfolger kennenlernen und ehelichen und fortan als Monarchen ein Leben in Saus und Braus führen, fügt sich am Ende dann doch alles zum Guten. Und wenn sie nicht bereits vorher in Syrien oder Afghanistan weggebombt wurden, im Mittelmeer jämmerlich ersoffen oder in ihrer neuen Heimat von einem völkischen Mob angezündet oder totgeschlagen worden sind, dann leben sie noch heute.

Ende der Märchenstunde. Titanic

Und was nur, Sigmar Gabriel,

mag noch alles in Ihnen stecken? Der Spiegel berichtet, bei Ihrem Besuch in Teheran hätten Sie »den Raufbold in sich« an Bord des Luftwaffen-Airbus gelassen, um dann statt dessen »den Unterhändler in sich« zu entdecken. Sind Sie am Ende gar eine sozialdemokratische Matrjoschka? Wir fürchten jedoch, daß Sie, so sehr Sie auch suchen mögen, den Kanzler in sich nicht mehr finden werden. Den hatte Mutti zum Frühstück, weiß Titanic

Immer wieder Sie, Gabriel!

Anläßlich Ihres an Schmählichkeit kaum zu überbietenden Iran-Besuchs faßten Sie die neben dem ganzen Wirtschaftsgemauschel pflichtschuldig beurteilte Menschenrechtslage mit diesen Geräuschen in Richtung Ihrer Gastgeber zusammen: »Sie haben eine andere Beziehung zum Status der Religion. Sie haben außenpolitisch einen anderen Blick auf die Welt, etwa bei Syrien. Sie sehen den Konflikt zwischen Israel und Palästina anders.« Sie sehen die Bevölkerungspolitik im Dritten Reich anders, sie sehen die Wichtigkeit einer atomar betriebenen Neugestaltung der Erdoberfläche anders – so kann man die Teheraner Räuberbande natürlich auch sehen bzw. sich auf dem allerbilligsten Ticket aus der Affäre ziehen. Und wissen Sie was? Nicht einmal Ihre Gastgeber wollten Sie für diesen zäpfchenartigen Vortrag richtig gut leiden: Schon am nächsten Tag waren alle Termine abgesagt, Ihre Versprechungen, für ein paar verkaufte Schrott-VW gnädig über kranweise aufgeknüpfte Homos hinwegzusehen, dankend ausgeschlagen. Freilich, Sie sehen das bestimmt nicht als neuerliche Selbstdemütigung einer komplett entkernten Sozialdemokratie. Sie sehen die Begriffe Anstand und Würde anders. Sie haben biologisch einen anderen Blick auf die Notwendigkeit Ihrer eigenen Fortexistenz. Aber schön, daß wir mal drüber gesprochen haben, nicht?

Rechnung folgt! Titanic

Und aber, »Bild«!

Diese Hauptschlagzeile: »Große Liste: Neger und Schmarotzer – so sieht es in Ihrer Stadt aus«, war die nicht ein bißchen, na ja, direkt? Und wär’ es nicht viel unverfänglicher gewesen, die Volksfremden und Blutsauger durch zivile Etiketten zu ersetzen, etwa: »Asyl und Hartz IV – so sieht es in Ihrer Stadt aus«? Und hast Du das, alte Demokratin, deswegen auch gemacht?

»Gut«!

Enteignet Dich gelegentlich trotzdem: Titanic

Teppichhaus Preungesheim!

Dein »gründliches und biologisches … Reinigungsverfahren« sorgt angeblich dafür, »daß selbst alte Teppiche wie neu aussehen« – und Deine neuen Teppiche sehen aber selbstverständlich auch wie neu aus, oder? Oder sind die alt und gereinigt?

Mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität: Titanic

Heyho, Avocados!

Laut der Welt am Sonntag seid Ihr »das Trendfood der Gegenwart«, weshalb Euch das Blatt völlig zu Recht die erste Seite seines »Stil & Reisen«-Teils freiräumte – die Indizienkette ist schließlich lückenlos. Nicht nur, daß es »ganze Blogs« gebe, die sich »ausschließlich« Euch widmeten, und die Sandwich-Kette Subway Euch »im Sommer vergangenen Jahres als neue Zutat« eingeführt habe, nein, noch viel schlagender: »Sogar Edeka wirbt damit, Avocados im Sortiment zu haben.«

Sogar Edeka? Hammer! Dann paßt mal bloß auf, geschätzte Avocados, daß Euch schillernde Geheimtips wie Paprika, Bananen oder Möhren nicht den Rang ablaufen, für die macht sich Edekas Werbung nämlich schon seit langem stark!

Und sorry, liebe Avocados, aber falls da wirklich ein neues superhottes Trendfood der Zukunft heranwächst, solltet Ihr es wenigstens nicht aus der Welt am Sonntag erfahren müssen, sondern aus Titanic

Schön, Tim Cook!

Auf einer Veranstaltung in Utah schwätzten Sie neulich unter anderem über Augmented Reality und versprachen, »AR-Erlebnisse« zu haben werde in Zukunft für viele Menschen so normal sein »wie drei Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen«.

Drücken wir die Daumen, daß auch noch innerhalb der Lebensspanne eines durchschnittlichen Coltanminenarbeiters der Tag kommt, an dem für diesen drei Mahlzeiten so normal sein werden wie ein »AR-Erlebnis«, wobei AR wahlweise steht für »Ausgebeuteter Roboter«, »Afrika-Raubzug« oder einfach nur »Aaaaaahh, Rückenschmerzen!«.

Sieht leider schwarz: Titanic

Sie, Pfarrer Friedrich Laker,

haben in Dortmund einen evangelischen Gottesdienst für Tiere abgehalten. Dem Deutschlandfunk erklärten Sie, »daß so ein Tier ein Wesen ist, ein Lebewesen, mit eigenem Wert und eigener Würde. Und das wollen wir gerne auch sinnlich umsetzen dann, bei so einer Veranstaltung in der Kirche.« Natürlich sind Sie pro Tierschutz und bieten auf Kirchenfesten veganes Essen an. Allerdings sollen Sie dann nur geeigneten Tieren den Zutritt zur Kirche erlaubt haben, also solchen, die nicht aggressiv auf andere Tiere reagieren.

An diese Ausladung jedoch, Laker, werden sich Löwe, Tiger und Krokodil gerne erinnern, wenn der Meeresspiegel steigt und auch Sie vor der Arche stehen! Aber im Gegensatz zu Ihnen werden die Viecher Sie aufs Boot bitten, schon ganz sinnlich erregt, dort mitnichten dem Veganismus zu frönen, prophezeit Titanic

Und wo wir grad dabei sind, »Süddeutsche«:

Das Wörtchen »flux«, das wir wiederholt bei Dir haben lesen müssen, das gibt es nicht. Nimmst Du’s bitte flugs zur Kenntnis? Und geradezu kabarettistisch fehlformulierte Fragen wie »Welche Gefühle gingen da in Ihnen vor?«, die möchten wir gleichfalls nimmer lesen, weil uns sonst nämlich die wütende Hutschnur hochgeht.

Reiß Dich doch mal zusammen. Titanic

Huhu, Faz.net!

»Kommt ein Benziner und Diesel Verbot?« frugst Du jetzt Dich und uns, und da fragen wir gern retour: Ist der Text Computer kaputt? Oder ist das jetzt halt Recht Schreibung?

Grüße vom Satire Magazin Titanic

Howdy, Chief Kerr Putney!

Nachdem Ende September in Charlotte, North Carolina, mit Keith Lamont Scott erneut ein schwarzer Amerikaner von der Polizei erschossen worden war, verteidigten Sie als Polizeichef von Charlotte-Mecklenburg die Schützen: Scott sei mit einer Pistole in der Hand aus seinem Auto ausgestiegen, und erst nachdem er der Aufforderung, die Waffe fallen zu lassen, nicht nachgekommen sei, hätten Ihre Beamten in einem Akt der Selbstverteidigung die tödlichen Schüsse auf ihn abgegeben. Eine Pistole, betonten Sie gegenüber CNN, habe Scott in der Hand gehalten, und keinesfalls ein Buch, wie seine Familie behauptet.

Und das verstehen wir nun nicht, Putney: The pen is mightier than the sword, dieses geflügelte Wort haben Sie doch sicherlich auch schon gehört. Frei übersetzt heißt das: Ein Buch, gefüllt mit vielen, vielen mit einem pen oder seinen Nachfolgern geschriebenen Seiten, ist mächtiger als eine Wumme. Eine weapon of mass destruction geradezu. Und wer möchte es da ein paar Polizisten verübeln, daß sie, wenn schon völlig unterbewaffnet, wenigstens schneller sein wollten?

Peng-peng! Titanic

Jürgen Todenhöfer, altes IS-Flittchen!

»Kein ›Shitstorm‹ der Welt, keine Morddrohung, kein schlampig recherchierter Spiegel-Artikel werden mich von meinem Lebensmotto abbringen: Solange ich eine Stimme habe, werde ich schreien: Frieden, um Himmels Willen Frieden!« Fürwahr, das ist echte Mannhaftigkeit! Sich nicht einmal von schlampig recherchierten Spiegel-Artikeln vom Lebensmotto abbringen zu lassen – alle Achtung! Dumm dabei nur: Solange Leute wie Sie eine Stimme haben und überall herumschreien, kann es für alle anderen leider keinen Frieden geben.

Wie im Himmel so auch auf Erden: Titanic

Arrrr, Christopher Lauer!

In einem Spiegel-Artikel über den Auf- und Abstieg der Piratenpartei durften Sie über Ihre Anfangszeit im Berliner Abgeordnetenhaus und Ihren späteren Austritt aus der Partei schreiben und beendeten Ihren Text selbstbewußt so: »Ob Politik eine Sucht ist, werde ich manchmal gefragt. Dann denke ich: Was ist das für eine Frage? Mein Kumpel Igor Levit ist ein arschgeiler Konzertpianist. Der wird auch nicht gefragt, ob er klaviersüchtig ist. Er liebt einfach seinen Job, seine Berufung. Zack. So ist es auch bei mir, immer noch«.

Tja, Lauer, warum werden nun Sie auf eine mögliche Politiksucht angesprochen, nicht jedoch der »arschgeile Konzertpianist« auf eine Klaviersucht? Wir erklären’s Ihnen gerne: Ein professioneller Konzertpianist kann gut spielen, während Sie, um bei Ihrem Vergleich zu bleiben, eben auch ganz gerne mal kräftig danebenhauen. Manchmal sind’s bei Ihnen gar so viele schiefe Töne, daß überhaupt keine Melodie mehr erkennbar ist. Wenn Sie dann zwischenzeitlich noch Orchester und Instrument wechseln, kann der ein oder andere schon mal annehmen, daß etwas anderes als »Liebe zum Job« Ihr Antrieb ist.

Aber wissen Sie was? Sie müssen uns auch gar nicht unbedingt verraten, was es ist. Klimpern Sie einfach weiter fröhlich vor sich hin, ob nun bei Axel Springer, in der Berliner SPD oder in der Suchtklinik. Irgendwer wird Ihnen bestimmt zuhören, nicht jedoch Ihre jetzt schon tinnitus-geplagten Musikpädagogen von Titanic

Hoi, Brixen in Südtirol!

Bei Dir streitet man darüber, ob im sog. Elefantenlabyrinth Deiner Hofburg zwecks Umweltschutz und leichterer Pflege Hanf statt Mais angepflanzt werden soll, allerdings bloß männlicher.

Dabei würde der sehr übersichtlich angelegte Irrgarten mit weiblichem Hanf viel besser funktionieren!

Irrt sich niemals: Titanic

»Liebe« Böhse Onkelz!

In Vorabkommentaren zu Eurem neuen Album kündigt Ihr eines der Lieder so an: »Der Song zum Autofahren, Fenster auf, Sommer, Fuß auf Gaspedal, aber das Thema ist doch etwas ernster.«

Ja, so ein Fuß-auf-Gaspedal-Song hat noch gefehlt. Den kann Euer Sänger schön laut mitsingen, wenn er wieder einmal mit 230 Sachen auf der Autobahn Leute zu Krüppeln fährt und sich dann aus dem Staub macht. Oder geht es um ein doch etwas ernsteres Thema? So etwas wie Aufrichtigkeit, Anstand oder Wahrheit vielleicht? Dafür seid Ihr ja berühmt. Titanic

Crazy shit, Maschmeyer, Claassen & Co.!

Das ist doch mal ’ne Show: Zwei Erzgauner, die sich gegenseitig vor Gericht zerren wollen, zum Gaudium aller von Ihnen Beschissenen wahrscheinlich. Und selbst nur interessierte Banditenbeobachter wie wir erfreuen sich daran, wie Ihr Großhalunken Euch gegenseitig des naheliegenden Verdachts der Untreue oder schlichter Verleumdung beschuldigt.

Früher beste Betrügerfreunde, ein schnauzbärtiger Möchtegern-Gutausseher-Riese mit Versicherungsbetrüger-Dackelblick, ein stirnglatziger Rosa-Schweinchen-Mund-Zwerg sowie Claassens Ehegeschäftsfrau Annette, über die der Gentleman schweigt, ohne zu genießen.

Fehlt eigentlich zu unserem Glück nur noch die Dingsbums, dem Maschmeyer seine, die Ferres! Als Überraschungszeugin vielleicht?

Voller Hoffnung: Titanic

Als rundum gut, Ursula von der Leyen (CDU),

ist das Ansinnen Ihres Verteidigungsministeriums zu bezeichnen, einen »Verhaltenskodex« zum »Umgang mit Informationen« auszuarbeiten. Nach Zeitungsberichten sollen demnach Beamte und Soldaten »jeden informellen Kontakt« zu Journalisten und Parlamentariern vermeiden, egal, ob es »im Rahmen von persönlichen Treffen oder am Rande von Empfängen und Veranstaltungen« ist.

Wer schon einmal Journalisten oder Parlamentarier gesehen hat, wie sie sich bei Empfängen am Büffet aufführen, kann das nur gutheißen. Persönliche Treffen bestätigen außerdem: Die stinken. Und was die erst am Rande von Veranstaltungen anstellen! Kontaktsperre, sofort! Aber, von der Leyen, wo Sie doch an der Quelle sitzen: Könnte man die nicht einfach alle abknallen? Das wäre bestimmt auch gut für die Moral in Ihrer Truppe, vermutet Titanic

Grüezi, Dieter Meier (»Yello«)!

Ein tolles Leben haben Sie: Biorinder züchten in Argentinien, Ökowein anbauen ebendort und ansonsten zwischen Zürich, Berlin, Los Angeles und Ibiza hin- und herfliegen, wo Sie überall Wohnsitze unterhalten. Ihre Restaurants in Frankfurt, Zürich und Berlin versorgen Sie bei der ganzen Reiserei quasi aus dem Handgepäck mit dem kostspieligen Ökozeug. Und wenn Sie mal was fürs Karma bzw. den Verkauf der nächsten Platte tun möchten, bestellen Sie sich einen Preßhansel der allerbilligsten Sorte (BamS) ins Charlottenburger Penthouse und diktieren ihm bei einem Glas Cognac Nachdenkliches ins Sudelbuch: »Wenn wir mit der Welt die nächsten 20 Jahre so umgehen wie die letzten, werden wird bald einmal nach Luft und Wasser ringen.« Das verschafft Ihnen genug moralischen Puffer für die nächsten, sagen wir, 20 Transatlantikflüge, nach denen Sie mit Ihrer Familie auf der Hazienda »endlose Gespräche« führen können. Worüber? Warum nicht mal über das Verhältnis von Anspruch und Wirklichkeit?

Ooooh yeah! Titanic

Sie, Dorothee Auge,

sind Leiterin einer Grundschule in Essen-Bedingrade und lehnen die Umbenennung Ihrer Bildungsanstalt in Anne-Frank-Schule ab, denn: »Der Name paßt nicht zu einer Grundschule, da müßte man den Kindern erst den Nationalsozialismus erklären.«

Genau, so etwas kann man Grundschulpädagogen einfach nicht zumuten, die schon genug damit zu tun haben, den Kids die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen und Stillsitzen beizubringen. Und die lieben Kleinen lernen sicher noch früh genug etwas über den Nationalsozialismus, zum Beispiel von ihren Internetkumpels »Doitscher Jung« und »stoerkraft88«.

Pädagogisch überfordert: Titanic

»Süddeutsche Zeitung«!

»Weiß, reich und alt« betiteltest Du einen Artikel über das Wirtschaftsteam Donald Trumps: »Viele davon sind Milliardäre. Ausgerechnet sie sollen eine Wirtschaftspolitik für die kleinen Leute in den USA formulieren.« Zwei Wochen später aber wiederum: »Botox der Jugend – Auch in Deutschland entwickelt sich das Schimpfen über weiße alte Männer zum Volkssport. Eine kleine Polemik gegen ein trübes Vergnügen.«

Gratulation, SZ, wahlweise zum ultrakurzen Gedächtnis oder zum Talent, aus dem Nichts allertrübste Debatten zu entfachen und diese sodann im Feuilleton selbstreferentiell zu entsorgen! Das macht Dir keiner nach, nicht mal Titanic

Küßt’s die Hand, Österreicher!

Für den Fall eines »großflächigen Blackouts« habt Ihr in Eurem Parlament ein sogenanntes »Durchgriffsrecht für den Bundeskanzler« beschlossen. Stellt sich nur die Frage: Ist dieser landesweite Blackout nicht schon seit Jahrzehnten traurige Realität?

Tappt im Dunkeln: Titanic

Sauber, ARD- Morgenmagazin!

Zum Welttag der Dankbarkeit ermahntest Du Deine undankbare Kundschaft: »Oder wann haben Sie das letzte Mal Ihrer Putzfrau dafür gedankt, daß sie Ihr Klo saubermacht?« Und jetzt würde uns einfach mal interessieren, warum Du automatisch davon ausgehst, daß Deine Zuschauer allesamt Putzfrauen haben, aber bestimmt keine sind. Weil dieses niedere Personal erfahrungsgemäß das Morgenmagazin von Sat.1 schaut, wenn es um diese Uhrzeit nicht sowieso gerade Eure Redaktionsflure und Redakteurswohnungen schrubbt? Oder einfach nur mal wieder, weil Deine öffentlich-rechtlichen Mittelschichtsangestellten komplett unfähig sind, über den Kloschüsselrand ihrer eigenen Existenz hinauszuschauen?

In jedem Fall dankbar: Titanic

Hallo, Frauke Petry!

Bei Ihrer Ansprache im Cannstatter Kursaal zu Stuttgart am Tag der deutschen Einheit sollen Sie Aussagen über Deutschland als »vielfältiges, buntes Land« kritisiert haben: »Was soll man denn von diesen ganzen ›Deutschland ist bunt‹-Kampagnen halten?«, und weiter: »Bunt ist auch ein Komposthaufen.«

Bunt, Frau Petry, ist höchstens das Ballaballa-Paradies Ihrer Metaphern, ein Komposthaufen hingegen ist tiefbraun und modrig, weshalb Sie und Ihre Volksgenossen von der AfD dort ja auch bestens aufgehoben wären, meint Titanic

Lieber, schon lange mausetoter Monsieur Mitterrand!

Normalerweise schreiben wir lieber an Lebende; nach der Veröffentlichung Ihrer Liebesbriefe an die jahrzehntelang geheimgehaltene Geliebte und Mutter Ihrer Tochter sei uns aber eine verspätete Bemerkung zu Ihrem Doppelleben gestattet.

Sich mit 47 in eine 19jährige zu verknallen, um sich von deren Lenden durch die 50er-Krise tragen zu lassen und die der 60er und 70er gleich mit, ist eine Sache. Sie 33 Jahre lang in Tausenden Briefen mit Sokrates-Zitaten, Shakespeare-Schmus und Klatsch über Helmut Kohls schwitzigen Händedruck zu belatschern, eine andere.

Aber was die folgende Schwerenöter-Passage betrifft: »Besitz, der mich verbrennt, aus allen Feuern der Welt, das Sprühen meines Blutes in Deinem Inneren, Deine Lust, die aus dem Vulkan unserer Körper herausspringt, Flamme im Weltall, Feuersbrunst«, möchten wir Sie postum trotzdem gern noch fragen: Wäre erst »Feuersbrunst«, dann »Vulkan«, »Alle Feuer der Welt« und abschließend diese herbeigefickte »Flamme im Weltall« nicht die bessere Reihenfolge gewesen?

Präsidiale Grüße von Titanic

Aufklärerische Öko-Postille »Schrot & Korn«!

Als Alnatura-Corporate-Publikation hast Du auch einen Ableger für die junge Bevölkerung. Und was lesen wir da in der aktuellen Ausgabe mit einigem Entsetzen? »Kinder. So schmeckt’s uns«. Weil wir unsere Kinder großzuziehen und nicht zuzubereiten pflegen, wenden wir uns angewidert ab. Doch unglücklicherweise handelt es sich bei dieser Ausgabe um ein Wendeheft, und was ist der Aufmacher auf der anderen Seite? »Kinder. So macht’s der Ökobauer«. Das wollen wir vielleicht noch weniger wissen und finden Dich, wie man’s auch dreht und wendet: geschmacklos.

Deine Kindsköpfe auf der Titanic

Günther Oettinger!

Deine unlängst geäußerte Sorge, daß Deutschland Gefahr laufe, »in zehn Jahren wieder der kranke Mann Europas zu werden«, können wir Dir nehmen. Der allerkränkste auf dem Kontinent bleibst noch mindestens zwölf Jahre Du.

Freut sich auf 2029: Titanic

Nicolaus Fest!

Was ist denn bei Ihnen los? Linksruck? Plötzlich schwul geworden? Bei einem Moslem angesteckt? Oder wie sonst sollen wir es verstehen, daß Sie, einer der letzten Publizisten im Lande, die noch stolz Reichskriegsflagge zeigte gegen die allgemeine Sozialdemokratisierung im Lande (»Ethnische Säuberungen brachten auch homogene Gesellschaften – und damit vielen europäischen Ländern Frieden und Stabilität«), nun Ihren Beitritt zur verweichlichten bis geradezu verweibischten (Petry! von Storch!) AfD erklärten. Lag’s daran, daß die Geschäftsstelle der NSDAP Ihren Mitgliedsantrag einfach nicht bearbeitet hat?

Hieb- und stichfest: Titanic

Grünen-Opa Winfried Kretschmann!

In einem Gastbeitrag für die Zeit forderten Sie Ihre Partei auf, ihre Politik »ohne Besserwissergestus« zu erklären. Und wissen Sie was, Kretschmann? Sie haben vollkommen recht! Es gibt einfach zu viele Besserwisser bei den Grünen. Einer arbeitet in Baden-Württemberg sogar als Ministerpräsident.

Grüßle Titanic

Glückwunsch, Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier,

zum »Deutschen Sprachpreis«! Statt sich nun über die 5000 Euro Preisgeld zu freuen, klagten Sie in Ihrer Dankesrede: »Wenn aber im gegenwärtigen deutschen Theater etwas geopfert wird, dann als erstes die Sprache.« Und forderten: »Im besten Fall wirft das Theater sein von keiner anderen Kunstform kommen könnendes Traum- oder auch Albtraumlicht darauf, woher der Mensch kommt, welchen Weg er gerade geht, und wie er ihn beendet. Der Schauspieler sollte die Sprache immer vor sich haben. Er sollte sich durch sie hindurchraspeln wie die Raupe durch den Kohlkopf. Der Genuß eines Kommas, die Überraschung eines Doppelpunktes, das Atemholen eines Gedankenstriches: das sind Erlebnisse, die weitergegeben werden müssen.«

Denn, ja, offenbar wissen nur noch Sprachpreisträger wie Sie, wie es sich anfühlt, das eigene, leise, aber eifrige, raupengleiche Raspeln, Blubbern und Schaumschlagen zu hören, während ein paar Meter neben Ihnen ein Gedankenstrich beim Atemholen Schauspieler mit Kohlköpfen bewirft.

Nur von Herzen kommen könnende Grüße sendet Titanic

Kleinspekulanten aka Trader!

Was müssen wir da hören? Ihr seid gar nicht die coolen Zocker, als die Ihr Euch so gerne seht, sondern laßt Euch, von Gier und Angst getrieben, immer und immer wieder zu teuren Fehlentscheidungen hinreißen, agiert an der Börse also alles andere als vernünftig?

Wenn das so ist, haben wir einen wirklich durchdachten Aktientip für Euch. Handelt in Zukunft einfach nur noch RATIONAL! Wertpapierkennummer: 701080.

Zahlt weiterhin keine Endivie: Titanic AG

Röchel, Bundesgesundheitszentrale!

»Rauchen kann Ihr ungeborenes Kind töten.« Mag sein, aber lesen kann es doch auch nicht!

Rabääh! Titanic

Sehr geehrter Christoph Unger!

Sie sind Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das zum nationalen Einheitstag eine besondere Idee hatte: Ihre Behörde ließ einen Mikrofilm mit der ältesten bekannten Ausgabe des Grundgesetzes in einem zur Aufbewahrung von historischen Dokumenten dienenden Bergstollen bei Freiburg einlagern, oder, wie die Tagesschau twitterte: »Grundgesetz unter dem Schwarzwald versenkt.« Sie erklärten dazu, damit sei »ein Herzstück der deutschen Geschichte vor Zerstörung durch Kriege oder auch Naturkatastrophen geschützt. Die Geschichte der Deutschen und auch ein Stück weit deren Identität werden so langfristig bewahrt.«

Wir hingegen, Herr Unger, hätten es zur Bewahrung des Grundgesetzes für sinnvoller gehalten, statt dessen alles übrige, was die deutsche Identität so ausmacht, sicher und ganz, ganz tief zu vergraben.

Schon mal im Bunker: Titanic

Zugegeben, »Heise online«,

es fehlt uns an IT-Wissen für ein tiefergehendes Verständnis der allermeisten Dinge, über die Du so berichtest. Oft können wir aber wenigstens ahnen, worum es geht.

Bei Deiner Newsticker-Meldung vom 27. September aber nicht einmal das: »Google-Schutzschild rettet Blogger Krebs vor DDoS per IoT-Botnetz«. Ist das nun gut? Oder schlecht? Und was bedeutet es für uns? Kann ein Update des Virenscanners helfen? Ein Dongle vielleicht? Mehr Arbeitsspeicher? Linux?

Hilfe! Titanic

Gesundheit, »Frankfurter Allgemeine«!

Schon als wir die Schlagzeile auf Deiner Wirtschaftsseite lasen – »Arbeitnehmer stürzen TUI fly ins Chaos« –, schien es uns, als seist Du nicht nur leicht verschnupft, sondern regelrecht krank vor Ärger! Über die mehr als 500 Krankmeldungen nämlich, mit denen Flugbegleiter und Piloten den Touristikkonzern erst zur Einstellung des Flugbetriebs und dann zu allerlei Zugeständnissen bewegt hatten. Dieser in Deinen Worten »mutmaßlich illegale wilde Streik« schlug Dir, FAZ, wiederum so heftig auf den arbeitgeberfreundlichen Magen, daß Du die perfiden Blaumacher in einem eigenen Kommentar vor ernsten Konsequenzen warntest: »Mit den ganz offenkundig konzertierten Scheinerkrankungen, deren paralleles Auftreten diese Ahnung nur unterstreicht, droht den Verantwortlichen noch rechtlicher Ärger. Wenn TUI fly dies belegen kann, werden die ersten Schadenersatzklagen und Kündigungen folgen.« Ja, sicher, FAZ, wenn! Wenn aber nicht, werden diese frechen Arbeitnehmer in Bälde ganz Deutschland ins wilde Chaos stürzen und Du schließlich vor Wut und Gram platzen!

Darauf freut sich jetzt schon: Titanic

Sie, mutiger Jakob Augstein,

lassen wirklich kein lauwarmes Eisen unangefaßt. »Am Freitag wird der Friedensnobelpreisträger bekannt gegeben«, kolumnierten Sie am Tag vor der Bekanntgabe, um gleich auf Kontroverse zu steuern: »Aber überall herrscht Krieg. Ist der wichtigste Preis der Welt also überflüssig? Nein! Die Welt braucht Zeichen der Hoffnung.« Respekt! Eine blitzsaubere Verteidigung des ungeliebten und umstrittenen Friedensnobelpreises gegen die Realität – mit der Sie ja bekanntlich, nun ja, auf Kriegsfuß stehen.

Weswegen wir uns schon aufs nächste Jahr freuen, wenn Sie hoffentlich das gleiche Spiel so treiben: »Am Donnerstag wird der Nobelpreis für Medizin verliehen. Aber überall gibt es Krankheiten. Ist der wichtigste Preis der Welt also überflüssig? Nein! Mein malades Hirn braucht Hoffnung.«

Überflüssige Grüße: Titanic

Papst Franziskus!

Kürzlich erklärten Sie uns, was uns guttut: »Es tut nicht gut, sich an ein in sich geschlossenes kirchliches Mikroklima zu gewöhnen. Es tut uns gut, weite und offene Horizonte der Hoffnung miteinander zu teilen, indem wir in unserem Leben den demütigen Mut aufbringen, die Türen zu öffnen und aus uns selbst hinauszugehen.«

Und ganz besonders gut tut es, wenn es die schweren, eisenbeschlagenen Torflügel einer Kirche sind, in welcher der emotional eiskalte Hauch des Mikroklimas namens Bigotterie einen auf Dauer innerlich erfrieren ließe, nicht wahr?

Tut gut, das gesagt zu haben! Titanic

Du wiederum, Jasper von Altenbockum,

hast in Deinem eilig zusammengehauenen FAZ-Kommentar nach dem Suizid al-Bakrs eine wichtige Frage gestellt: »Warum wird immer nach Fehlern der Sicherheitsbehörden gesucht, nicht nach den Erfolgen?«

Ja, warum nur? In anderen Ländern wie zum Beispiel der Türkei, Nordkorea und selbst im vielgescholtenen Islamischen Staat scheint das besser zu funktionieren.

Bleibt fragend zurück: Titanic

Sicher, Web.de,

daß der Tod des unter Terrorverdacht festgenommenen Syrers Dschaber al-Bakr die Folge eines Suizids war? Wir zweifeln jedenfalls daran, seit wir bei Dir lasen: »Nach DPA-Informationen wurde der 22jährige am Mittwoch erhängt in seiner Zelle in der JVA Leipzig gefunden. Zuvor hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet.« Wenn also Bild noch vor dem Fund des Strangulierten eben darüber zu berichten wußte: sollten wir dann auf der Suche nach Tatverdächtigen nicht mal im Hause Springer vorbeischauen?

Fände dort sicher einige Leichen im Keller: Titanic

Ey, Siebtkläßler!

Fast drei Viertel von Euch leiden gemäß einer Studie regelmäßig unter Kopfschmerzen. Das ist nicht schön. Schön ist allerdings das Aktionsbündnis, welches sich zum Zwecke kindlicher Kopfwehbekämpfung in Stellung gebracht hat: »Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen«. Wenn es nach uns ginge, sollten sich noch viel mehr körperteilorientierte Bündnisse um Eure Gebrechen kümmern: Aktion Socke etwa, für eine Kindheit ohne Blasen, Aktion Unterhose – Kindheit ohne Syphilis, vor allem aber Aktion Messer – für eine Kindheit ohne Helikopter-Eltern.

Und jetzt aber wieder ordentlich den Kopf weggeballert! Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Kurze Frage, »Taz«!

»Als er im Juli 2014 ankommt, spricht der Syrer Tarek Saad kaum Deutsch«, lesen wir in Deiner Online-Ausgabe. Und weiter: »Heute ist er deutscher Staatsangehöriger und überzeugter Sozialdemokrat.«

Sollte man, Taz, nicht vielleicht auch mal über Beispiele geglückter statt immer nur missglückter Integrationsbemühungen berichten?

Nur soʼn Gedanke von Titanic

 Je nun, Markus Feldenkirchen (»Spiegel«),

in einem als »Kolumne« bezeichneten Beitrag versichern Sie, dass Sie in den Siebzigerjahren »größtenteils noch nicht geboren« gewesen seien. Wir drücken Ihnen die Daumen, dass es Ihr Kopf wenigstens noch im Laufe unseres Jahrzehnts auf die Welt schafft.

Mit Mitgefühl für Ihre Mutter: Titanic

 Aber, »Bild«,

wo bleibt denn Deine Liebe zum blutrünstigen Detail? Bei Deiner Schlagzeile »Deutsche Fleischindustrie hackt auf Bill Gates rum«: da will man doch wissen, was schließlich draus geworden ist! Koteletts? Nackensteaks? Halb und halb?

Leg Dich gehackt! Titanic

 Sie hingegen, Thomas de Maizière,

haben der FAS ein sehr, sehr langes Interview gegeben. Zusammen mit einem alten Spezi aus der Wirtschaft (»mächtigster Aufsichtsrat der Republik«) bramarbasierten Sie über »kluge Führung und die Einsamkeit der Macht«.

Erwartbar bullshittig ging es um »Teamfähigkeit«, »flache Hierarchien« und »sein volles Potential« nutzen. Aber auch darum, »sich nicht zu wichtig zu nehmen«, um »Selbstreflexion« und ein beachtliches »Der Chef ist immer der Chef. Da beißt die Maus keinen Faden ab« aus Ihrem Munde.

Die interessantesten Sätze in diesem mit interessanten Sätzen wahrlich nicht gesegneten Gespräch waren die, als Sie zu selbstreflexiver Hochform aufliefen. Bei der Frage nach Auswahlmechanismen für höhere Ämter fiel Ihnen ein: »Es kommt auf die Konstellation an: Man muss im richtigen Moment verfügbar sein, aus dem richtigen Landesverband kommen, die richtige Härte haben, die eigene Partei muss obendrein in einer Koalition das passende Ressort ergattern. Andererseits wird kein kluger Kanzler, keine kluge Kanzlerin irgendeinen Esel zum Minister machen.«

Sind Sie sich da ganz sicher?! Und warum ist Ihnen das gleich dreimal passiert?

In jeder Hinsicht ministrabel: Team Titanic

 Als Sie, Tom Bartels,

Als Sie, Tom Bartels,

im Rahmen der Übertragung des Fußballspiels Mönchengladbach gegen Dortmund an den noch nicht lange zurückliegenden Winter erinnerten und die Worte aussprachen: »Witterungsbedingt lag auch hier Schnee«, haben wir diese Aussage zunächst reflexhaft als Bartels-gängiges gedankenloses Wortgestöber beiseitegefegt, dann aber, bei vorurteilsfreiem Nachdenken, erkannt, dass Sie natürlich nachgedacht hatten: Schließlich ist es angesichts von Kunstschnee, Kunsteis, Kunstrasen und anderen Erscheinungen des künstlichen Gegenwartssports durchaus richtig, dem Publikum zu erklären, dieses Mal habe es ausnahmsweise witterungsbedingt geschneit. Schnee von gestern? Na dann.

Guten Rutsch: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Es war nicht alles gut

Als kleine Gruppe Enddreißiger mit DDR-Hintergrund diskutierten wir über die im Vergleich zu heute wahnwitzig scheinende Sorglosigkeit, mit der Eltern in dem untergegangenen Staat ihre Kinder großzogen. Beispielsweise sei es völlig normal gewesen, dass unsere Mütter, wenn sie kurz in die Fleischerei gingen, uns Babys samt Kinderwagen unbeaufsichtigt vor dem Laden stehen ließen – und hat’s uns geschadet?! Nun gut, wandte jemand in der Runde ein, er erinnere sich an die Geschichte eines bei solcher Gelegenheit gekidnappten Säuglings; worauf eine Freundin erzählte, dass auch sie und ihr Zwillingsbruder einmal Opfer einer versuchten Entführung geworden seien und die verwirrte Täterin erst Hunderte Meter vom Geschäft entfernt aufgegriffen wurde. Nach kurzem Schweigen waren wir uns dann aber doch einig, dass man es mit dem ständigen Behüten auch übertreiben könne!

Torsten Gaitzsch

 Die Zukunft der Arbeit

In der Schlange beim Bäcker schweifen die Augen zum lauten Schild: »Unser Service! Wir schneiden Ihr Brot für Sie!« In der Trägheit der verwarteten Zeit zerstreute Anagrammarbeit: Wir schneiden Sie für Ihr Brot – albern. Allerdings: Ihr Service für uns! Sie schneiden unser Brot – das wird noch kommen, auf jeden Fall.

Nis Jasper Nicolaisen

 Bleaching Lounge

Professionelle Zahnreinigung frischt nebenbei auch das Gehirn auf. Durchhängende lange Leitungen straffen sich durch die Vibrationen, Kratzgeräusche schleifen die Synapsen blank. Ich kann anschließend schwierige mathematische Aufgaben lösen, Quittungen den Kontoauszügen zuordnen etc. Deshalb erwäge ich, mir ein kleines Dentallabor mit verstellbarem Sessel und einigen Geräten anzuschaffen, inklusive automatischem Desinfektionmittelzerstäuber. Dorthin begebe ich mich morgens nach dem Kaffee etwa für fünfzehn Minuten und lasse die Geräte walten. Danach bewältige ich den Alltag mit Verve. Ich denke, nach einem Jahr dürfte ich die Investition wieder raushaben.

Miriam Wurster

 Gebongt

Mein Plan ist es, einen Roman zu schreiben, den man auch mit Kassenbons nachstellen könnte. Inspiriert wurde ich von meinem letzten Einkauf, und der Anfang steht auch schon:

Hass
DuDa
Gemüse-Auf
Dent
Ohren-?

Nun brüte ich zwischen Avocados und Ohrstöpseln nach Dusch-Das duftend bei einem Gemüse-Auflauf über dem zweiten Satz. Fortsetzung folgt nach dem Zähneputzen!

Tina (Arno Schmidt) Manske

 Klar getrennt

Anlässlich einer kulinarischen Facebook-Debatte über sog. »Weiße Nieren« bzw. »Prairie Oysters« bemerkt: Stierhoden, die es auf den Teller geschafft haben, sind nicht nur keineswegs »Innereien« – denk mal nach, Wikipedia! –, der Begriff ist insgesamt irreführend. »Ochsenhoden« muss es heißen. Ausnahme: Es hängt beim Essen noch der Stier dran.

Michael Ziegelwagner

Vermischtes

Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."
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Das schreiben die anderen

  • 29.03.:

    Das Neue Deutschland befragt Ella Carina Werner u.a. zu ihrer neuen TITANIC-Kolumne.

  • 24.03.:

    Christian Y. Schmidt erinnert in Junge Welt an Hans Kantereit.

  • 08.03.:

    Die Frankfurter Rundschau hat in Frankfurt eine Open-Air-Performance der "Volksbühne Berlin" gesehen – alle Details zur Theater-Kooperation mit TITANIC in der bald erscheinenden Aprilausgabe.

     

  • 25.02.:

    Die Junge Welt bespricht Christian Y. Schmidts "Corona Updates Bejing".

  • 23.02.:

    Spiegel und Faz berichten über das Comeback von TITANIC im Google Play Store. Mit netzpolitik.org hat Moritz Hürtgen darüber gesprochen.

Titanic unterwegs
23.04.2021 Hannover, Pavillon Max Goldt
24.04.2021 Leer, Kulturspeicher Max Goldt
25.04.2021 Norden, VHS Max Goldt
26.04.2021 Oldenburg, Theater Laboratorium Max Goldt