Briefe an die Leser | Mai 2014


Buon giorno, Frank Schätzing!

Der Held Ihres neuen Romans »Breaking News«, der eine mörderische Intrige im Nahen Osten aufdeckt, heißt Tom Hagen. Genau: Tom Hagen. So wie jener Consigliere der Corleones im Weltbestseller »Der Pate« von Mario Puzo, der in den Filmen von Robert Duvall gespielt wird. Hut ab, Schätzing, Sie wissen eben, in welcher Liga Sie spielen!

Doch was kommt als nächstes? Eine unerschrockene Reporterin namens Scarlett O’Hara, die in Südafrika dafür sorgt, daß die Erinnerung an Mandelas Haftzeit nicht von Winden verweht wird? Oder ein weiterer, ebenso unerschrockener Reporter namens Harry Potter, der dem Zauber der Historie auf der Spur ist? – Aber nein, das geht natürlich nicht. Literarische Magie ist ja nicht so Ihre Sache. Sie sind eher der Experte für ratternde Klischees wie aus der Maschinenpistole, eine Sprache, die sich in Betonschuhen zum Fluß zu schleppen scheint, und große Zahlen auf allerlei Konten. Insofern paßt der Name des Mafia-Buchhalters doch prima!

Gruß ohne Pferdekopf und -fuß: Titanic

Und wenn, Tim Neshitov (»SZ«),

die Russen an einem jeden 9. Mai das »Lied des Sieges« singen, was singen sie dann? Doch hoffentlich kein Lied, das den Sieg der Kommunistischen Partei über die faschistischen deutschen Mordbrenner feiert: »Wenn es ein Lied gibt, bei dem jeder in Rußland (und sehr viele in der Ukraine) innehalten [sic], ob Putingegner oder Putinwähler, ein Lied, das den Sieg über Adolf Hitler in einfache Worte faßt, den Sieg der Menschen, nicht den der kommunistischen Partei, dann ist es dieses Lied … Es wird am 9. Mai gesungen, wenn die Enkel von Stalins Henkern und die Enkel von Stalins Opfern sich versöhnen, wenn die wenigen noch lebenden Veteranen sich ihre Medaillen an die Brust heften und auf die Straße gehen.«

Viele, lieber Herr Neshitov, sind gestorben, damit irgendwann ein »Lied des Sieges« angestimmt werden konnte und 70 Jahre später ein gebürtiger Russe (*1982) in der deutschnationalen Presse »Opfer« und »Henker« exklusiv mit jenem Stalin zusammendenkt, der den Großvätern süddeutscher Führungsredakteure beim geschäftsmäßigen Henken von Millionen russischer Untermenschen in den Arm gefallen ist. Und natürlich besteht Journalismus darin, sich immer da hinzustellen, wo’s warm rauskommt, und was sollen Ihnen die Sieger von gestern, wenn die Sieger von heute Ihre Miete zahlen; aber Obacht: Vielleicht begegnet Ihnen mal einer der wenigen noch lebenden Veteranen und heftet Ihnen eine Medaille ins Gesicht dafür, daß der größte Tag der Sowjetunion Ihnen bloß Anlaß für totalitarismustheoretische Ferkeleien in der Feindpresse ist.

Unversöhnt: Titanic

»5. Bad Homburger Poesie- & Literaturfestival«!

Weißt Du, was uns an Deinem Programm mit zehn Lesungsveranstaltungen Ende Mai/Anfang Juni am allerbesten gefällt? Daß dort nur Schauspieler wie Iris Berben, Senta Berger, Martina Gedeck, Dominique Horwitz, Sebastian Koch und Esther Schweins auftreten. Und keine Poeten oder Literaten – die nerven schließlich nur!

Nicht nur Dich, auch uns: Titanic

Huhu, Ina Groll (alias Kitty Blair)!

Ihnen als stramm deutschnationaler Ex-Pornodarstellerin hat die NPD wegen Ihrer Erwachsenenfilme und vor allem der darin gut ausgeleuchtet zu sehenden Schleimhautkontakte mit offensichtlich Nichtariern Hausverbot für alle ihre Veranstaltungen erteilt. Vollkommen verständlich ist die Ablehnung, die die NPD Ihnen entgegenbringt, jedoch nicht, wenn man z.B. Ihr Interview mit dem rechten Blog »Sache des Volkes« liest: »Tatsache ist folgende, daß Dinge in meiner Vergangenheit passiert sind und gelebt wurden, die nicht immer zu meinem Vorteil in der gegenwärtigen Situation sind, steht ganz außer Frage. Und natürlich bereue ich gewisse Dinge, die von mir gelebt wurden; nichtsdestotrotz aber bin ich ein positiv eingestellter Mensch, der aus jeder Situation ein Maximum an Erfahrung in sein kollektives Bewußtsein aufnimmt und damit arbeitet. Ich möchte da auch nicht unbedingt wertend mit mir selbst umgehen, aber gewisse Dinge waren einfach nicht vorbildlich, wie andere damit umgehen, kann ich nicht beeinflussen, aber auch meine Vergangenheit in der Pornobranche ist ein Teil von meinem Leben, aber eben Vergangenheit.«

»Nicht vorbildliche« »Dinge«, die »in der Vergangenheit gelebt« wurden, die Sie auch »bereuen«, die Sie als »positiv eingestellter Mensch« aber in Ihr »kollektives Bewußtsein« aufnehmen und »damit arbeiten«, Vergangenheit ist »eben Vergangenheit«: wenn die Nazis noch ganz bei Trost wären – was sie natürlich nicht sind, sonst wären sie ja keine –, hätten sie Ihnen alle Türen für eine glänzende Karriere in der Bewegung, auch über den Unterleib hinaus, öffnen müssen.

Empfiehlt Ihnen Renationalsozialisierungsmaßnahmen für Sie: Titanic

Und übrigens, Richter!

Früher, bei der FAS, waren Sie mal ein gedankenvoller Kunsthistoriker, Architekturkritiker und Kulturbeobachter; heute, als alleweil viser Big-Apple-Kulturchecker für die Konkurrenz, reicht’s meist nur zu Geschwätz. Wie kam’s? Zuviel Pastrami? Die anstrengenden Insidernächte zwischen Williamsburg und Meatpacking District? Oder einfach besoffen von der eigenen Bedeutung als Welthauptstadtbewohner? Aber waren Sie das nicht in Berlin schon?

Gruß aus Frankfurt-Bockenheim: Titanic

Peter Richter (»Süddeutsche«)!

So absolut nötig und allerhöchste Zeit es war, sich auf der Vorderseite des Wochenendteils in der launigen Art eines New Yorker Kulturkorrespondenten für die Legalisierung von Cannabis auszusprechen, aber nicht, weil man’s gern hat, sondern weil einem »eine Kifferfolklore schon rein ästhetisch auf den Wecker geht, die sich bis dahin als Widerstandsbewegung aufführen darf« – eine Kifferfolkore, die man freilich problemlos umgehen kann, wenn man nicht auf 500 launigen Druckzeilen darüber Beschwerde zu führen plant –, so konsequent wäre es aber von den Kollegen gewesen, die Rückseite desselben Wochenendteils nicht der sich als Widerstandsbewegung aufführenden Nervensäge Ai Weiwei zur Verfügung zu stellen; für deren Legalisierung es, rein ästhetisch, halt gleichfalls allerhöchste Zeit wäre.

Was einem alles so auffällt, wenn man bekifft ist! Titanic

Also wirklich, Altphilologen!

Euer ewiges Gejammer, daß Ihr nicht wißt, an welcher Seite diese neuartigen Klappcomputer aufgehen und wo man nun das Internet reinstecken kann und daß der Akku immer leer ist – das ist doch mittlerweile schon ein Laptopos.

Griecht am Boden vor Lachen: Titanic

Fritz J. Raddatz!

Auf »Welt online« lamentierten Sie über eine von Ihnen diagnostizierte »Nachahmungswut«, die sich darin zeige, daß alle tätowiert sind, bunte Schuhe tragen und ihr Basecap verkehrtherum aufsetzen. Vor allem letzteres läßt darauf schließen, daß der Artikel schon seit gut 20 Jahren in Ihrer Schublade geschlummert hat, bevor Sie sich endlich entschlossen, der Öffentlichkeit ihre angebliche Gleichförmigkeit vorzuhalten. »Herr Meyer will partout aussehen wie Herr Lehmann, Frau Schulz wie Frau Müller.« Nur noch wenige widersetzten sich dieser Uniformierung, und selbstverständlich seien Sie dabei. »Also sind wir wenigen, die wir kein weißes T-Shirt unterm offenen Hemd tragen, Verfemte. Also ist der großartige Romancier Mosebach, weil er ein Einstecktuch benutzt, ein Paria.« Und Sie schließen für sich daraus: »Da bin ich aber gerne und unter allen Umständen begeisterter Überzeugungsaußenseiter.« Hätten Sie das nicht noch griffiger formulieren können? Zum Beispiel so: Herr Raddatz will partout aussehen wie Herr Mosebach.

Sieht aus wie Titanic: Titanic

Sagen Sie mal, Bischof Dröge (Berlin),

Ihre Predigten, sind die eigentlich – mitreißend?

Entrückt: Titanic

Liebster Volker Kauder, Fraktionschef!

Über Gott und die Welt plauderten Sie neulich mit dem blöden Focus, fanden zwischendrin aber auch warnende Worte. Der »Wettbewerb mit den asiatischen Staaten« z.B. sei nur dann zu gewinnen, wenn man eine erfolgreiche Bildungspolitik betreibe, denn für die Deutschen gelte folgender Merkspruch: »Wer nix im Boden hat, muß es in der Birne haben.« Prima, Kauder: Wie gut hat’s da im Umkehrschluß der Asiat! Sein Boden proppenvoll mit Gold, Silber und Seltenen Erden, sein Kopf so angenehm leer, daß es gerade noch zum Plagiieren reicht. Oder der Italiener: Nix im Boden, nix in der Birne, dafür aber ordentlich Zunder in der Hose und la dolce vita mit Antipasti und Rotwein. Nur der Deutsche müht sich ab, muß erst aufs Gymnasium, dann an die Uni und schließlich, am schlimmsten, in die CDU, wo er wie Sie, Kauder, sein Kauderwelsch und seine depperten Kalendersprüche in unerträglichstem Badener Dialekt pausenlos aus der prall aufgepumpten Birne plätschern läßt, freudlos und verklemmt.

Singt lieber ein Loblied auf Sitzenbleiber und Schulabbrecher: Titanic

Menschenskind, Ikea!

Mit Sorge lasen wir, daß Du einige Deiner herzallerliebsten Baldachine für Kleinkinder wegen »Strangulationsgefahr« zurückgerufen hast. Wir verstanden dann auch, warum Du die Stoffdächer seit jeher »Betthimmel« nennst.

Mit paradiesischem Gruß: Titanic

Russische Soldaten, Towarischi!

Euch möchten wir herzlich beglückwünschen zu der Idee, einfach ohne Hoheits- und Rangabzeichen irgendwo einzumarschieren, so daß keiner dahinterkommt, wer da jetzt genau eigentlich Krieg führt und ob überhaupt. Das ist fantastisch! Wenn das Eure Kollegen aus den anderen Ländern jetzt auch noch machen würden, dann könntet Ihr Euch einfach alle, sagen wir mal, in der Sahara treffen und so lange gegenseitig vor die Mappe schlagen, bis Ihr alle umgefallen seid. Damit wäre dann endlich der Weltfrieden gesichert.

Freuen sich die Pazifisten von der Titanic

Yo, »Aspekte«-Team!

In einer Eurer letzten Sendungen hattet Ihr die Rapperin Sookee eingeladen, die mit ihren recht queeren Texten ein angenehmes Antidot zu all dem testosterongeschwängerten Müll darstellt, der den deutschen Hip-Hop sonst so überschwemmt. Im Kurzinterview fragtet Ihr Sookee, augenscheinlich ehrlich erstaunt, weshalb es denn so wenige Musikerinnen in dem Genre gebe, und die Gefragte gab ebenso brav die altbekannten Antworten (alles von testosterongeschwängertem Müll überschwemmt etc.). Dann kam der männliche Rapperkollege Marteria hinzu, nahm kurz für ein Gespräch auf der Couch Platz, um u.a. eine hanebüchene, testosterongeschwängerte Rechtfertigungsrede für Bushido zu halten, und performte alsdann auf der Bühne gleich zwei Tracks hintereinander – während Sookee auf der Couch weiterhin zum Zuschauen verdonnert war. Kann es also sein, daß Ihr die Antwort auf Eure dumme Frage schon kennt?

Falls nicht, gibt gern Auskunft: Titanic

Musikproduzent Thomas Stein!

Helene Fischer, so erzählten Sie der Bunten, sei im Gegensatz zu Andrea Berg »so elegant angezogen, daß keine Frau befürchten muß, ihr Mann könne sich zu der Blondine hingezogen fühlen«. Uns wird damit jetzt endlich klar, warum wir uns kaum retten können vor sexuellen Angeboten: Wir sehen aus wie die letzten Penner!

Hihi! Nur ein Spaß Ihrer eleganten Blondinen von Titanic

Heda, Jan Kleihues!

Sie sind der Architekt des neuen Gebäudes für den Bundesnachrichtendienst in Berlin. Zur Teileröffnung der neuen Schnüffler-Bleibe bestritten Sie in einem Interview mit »Deutschlandradio Kultur«, vor Jahren einmal gesagt zu haben, die neue BND-Zentrale erinnere von oben an ein Arschgeweih. »Ich habe das nie gesagt, sondern das hat eine bezeichnenderweise blonde Mitarbeiterin gesagt.« Wobei wir, Kleihues, Ihre seltsame Verteidigung nicht richtig verstehen: Erstens sieht das Gebäude von oben einfach aus wie ein Arschgeweih. Und ist es, zweitens, bei Ihrem Hang zu nazimäßiger Bau-Gigantomanie in Ihrem Büro etwa nicht Einstellungsvoraussetzung, blond zu sein?

Dann wären aber enttäuscht: Ihre blauäugigen Bauherren von der Titanic

Schamhaare, Christine Kaufmann,

liegen Ihnen am Herzen. Bzw. in noch borstigerer Metapher: »Christine Kaufmann (69) ebnet dem Schamhaar das Comeback!« So schreibt es die Bild und zitiert aus Ihrem neuen Buch »Lebenslust«, worin Sie Für und Wider des wichtigen Themas weise abwägen: »Kein wucherndes Gestrüpp«, aber auch kein »Kahlschlag wie mit dem Mähdrescher« dürfe dort herrschen, sondern, wie überall, das Gesetz der Mäßigung und des Mittelweges. Deshalb Ihre Empfehlung: »Die Schambehaarung sollte wie ein kleiner Garten gepflegt werden.« Aha. Soll heißen: für Artenvielfalt da unten sorgen? Das Genitalhaar als Naherholungsgebiet nutzen? Und im Sommer die Kinder drin spielen lassen?

Kongenitale Grüße von Titanic

Dich, »Bild«-Reporter Claas Weinmann,

hat Dein Arbeitgeber Ende März auf die Geisterroute des Fluges 370 von Malaysia Airlines geschickt. Das Protokoll konnte Deine Leserschaft wenig später nachlesen. »00:33 Uhr: Ich sitze auf Platz 29A, neben dem Notausgang. Durchsage von der Kabinen-Crew: ›Wir heißen unsere Gäste herzlich willkommen.‹« Blanke Ironie, Weinmann: Hier werden Passagiere begrüßt, während andere noch nicht einmal verabschiedet worden sind!

»1:27 Uhr: Abendessen: Es gibt Hühnchen-Sandwich und Erdnüsse. ›Das wird das letzte gewesen sein, was die MH370-Passagiere bekommen haben‹, denke ich.« Außer vielleicht, Weinmann, Todesangst oder Ohnmachtsanfälle? Weiter: »2:26 Uhr: Turbulenzen. Die Anschnallzeichen leuchten, die Flugbegleiter kontrollieren mit Taschenlampen, ob unsere Gurte angelegt sind.« Oje, Weinmann, ist Deiner Maschine etwa auch etwas zugestoßen? Aber wer hat dann den Bild-Artikel geschrieben? »4:54 Uhr: Das Licht geht an, das Frühstück wird ausgeteilt. Es gibt Shrimps in roter Currysauce, dazu Reis. ›Das werden die Passagiere von MH370 nicht mehr bekommen haben‹, denke ich.« Das stimmt wohl leider. Immerhin: Als kleiner Trost mag dienen, daß die Unglückspassagiere nicht auch noch Dich, Weinmann, in ihren Reihen ertragen mußten. Aber wenn die Spesenkasse noch ein paar Euro hergibt, dann reise doch bitte bei Gelegenheit mit dem American Airlines-Flug 11 über New York nach Los Angeles, nimm den ICE 884 von Hannover nach Eschede oder setze mit einer Nachbildung der Estonia von Tallinn nach Stockholm über.

Drückt dann kräftig die Daumen: Titanic

Klaus Kocks!

Als PR-Legende, Dauertalkshowgast und Schnauzbart der Herzen – würden Sie uns bitte einen Gefallen tun und mit dem TV-Humormann Guido Cantz eine Agentur gründen? »Kocks & Cantz Inc.« oder so ähnlich? Mit Geschäftsort in den USA fürs internationale Standing?

Bitte!

Wäre heiß auf jedes Ihrer Events: Titanic

Mensch, Boris!

Da liegt man nun mit kaputter Hüfte im Krankenhaus, nicht ganz so weggetreten wie Schumi, aber eben doch in diesem angeborenen, lebenslangen Halbkoma, hat nichts mehr außer seinem Smartphone, bei dem auch schon langsam der Akku abkackt, und dann twittert man mit letzter Geisteskraft: »Ich bin einfach nur traurig für den Mensch Uli #Hoeness!«
Traurig hingegen für den einfachen Mensch Boris #Titanic!

Lieber Harald Staun (»FAS«)!

In Ihrem ansonsten gar nicht schlechten Artikel über den Haßprediger Akif Pirinçci machen Sie einen seltsamen Vorschlag: »Womöglich ist in der Tatsache, daß so ein reaktionäres Gedankengut in den bürgerlichen Zeitungen und im Fernsehen nicht adäquat repräsentiert wird, tatsächlich eine strukturelle Schieflage zu erkennen. Und vielleicht könnte man die Erregung der alten weißen Heteromänner wirklich am besten dadurch abkühlen, indem man sie aus den Schmuddelecken des Internets auf die großen Bühnen des gesellschaftlichen Diskurses holt.« Also zu den tausend anderen alten weißen Heteromännern mit dem reaktionären Gedankengut? Wie sollen die denn abkühlen bei dem ganzen Gedränge? Wäre nicht, nun ja, Sibirien der adäquatere Ort? Dort ist es schön kühl, und genug Platz gäb’s ja auch.

Fragt aus der papiernen Schmuddelecke: Titanic

Was wir, Süddeutsche.de,

noch nicht so richtig verstanden haben: Wenn Du über einen Deiner unvermeidlichen Live-Ticker zum Streik der Lufthansa-Piloten »Brutalstmöglicher Streikauftakt« schreibst, ist das dann dialektisch im CDU-Sinne gedacht? Also so, wie weiland im Jahr 2000 Schreckgesicht Roland Koch als Parteichef und Ministerpräsident in der Spendenaffäre der hessischen CDU »brutalstmögliche Aufklärung« versprach – und dann das Gegenteil stattfand? Willst Du, Süddeutsche.de, mithin mitteilen, in Wirklichkeit sei der Streikauftakt mit 3800 gestrichenen Flügen doch läppisch und milde ausgefallen? Oder hältst Du es, wie wir vermuten, doch eher mit dem Neoliberalismus, ähnlich der restlichen deutschen Presse, und somit jeden Streik für ein unbotmäßiges Aufbegehren von übergeschnappten und gewalttätigen Angestellten?

Ticker uns das doch mal, bittet zärtlichstmöglich: Titanic

Unbekanntes Schlitzohr c/o Vatikan!

Das war ja eine entschieden clevere Idee, Dir Deine heiße Ware nicht namentlich an Dich persönlich schicken zu lassen, sondern ganz allgemein an die Poststelle des Papstsitzes, auch wenn der Zoll die Sendung ärgerlicherweise schon am Leipziger Flughafen abgefangen hat. Und nachgerade genial muß man es wohl nennen, wie Du die 14 Kondome mit einer Kokainfüllung hast tarnen lassen.

Chapeau! Titanic

Ach, Mönchengladbach!

Gerade hatte uns die Netz-WAZ mit der Nachricht deprimiert, Du gehörtest neben anderen, meist nordrhein-westfälischen Städten zu den Regionen »mit den schlechtesten Lebensbedingungen in Deutschland. Nur in Frankfurt/Oder lebt es sich noch schlechter als in Mönchengladbach und Herne«, da erreichte uns wenige Tage später per »Rheinische Post online« die frohe Botschaft: »Die beste Versorgung für Patienten mit Depressionen gibt es einer Studie zufolge in Nordrhein-Westfalen. Besonders gut wird in Remscheid und Mönchengladbach behandelt.«

Und prompt dachten wir versöhnt: Ach, wie sich bei Dir letztlich alles auf das glücklichste fügt, Mönchengladbach!

Mit einem lachenden und einem weinenden Augenzwinkern: Titanic

Ave »Handelsblatt«!

In Deinem Artikel »Was einen zum guten Chef macht« besprichst Du Managementratschläge des Stanford-Professors Bob Sutton und ziehst folgendes Fazit: »Ein Chef, der seine eigenen Mitarbeiter für Versager hält, muß sich erst einmal an die eigene Nase fassen, so Sutton. Keine neue Erkenntnis: Bereits der römische Senator Titus Petronius, Autor des Romans ›Satyricon‹, gab zu bedenken: Qualis dominus, talis et servus (Wie der Herr, so auch der Sklave).«

Und das bringt die spätkapitalistischen Zustände dann doch sehr hübsch auf den Punkt.

Morituri te salutant. Titanic

So so, »Vorstandschef« Karl-Heinz Rummenigge!

Der »Uli war der Kopf, das Herz und der Bauch von Bayern München«, haben Sie den Fans im Stadionblatt Bayern Magazin zwei Wochen nach Hoeneß’ Rücktritt von all seinen Vereinsämtern geschrieben und dabei wahrscheinlich nur schwer ein Schluchzen zurückhalten können. So weit, so brav, so rummenigge. Aber welche Körperteile sind denn nun Sie beim FC Bayern, Karl-Heinz? Das Rolex-Handgelenk? Die vorbestraften langen Finger? Oder die vier Rotbäckchen vorne und hinten?

Bussi: Titanic

Gotthilf Fischer (86), Chorleiter!

Zum Erhalt des deutschen Liedguts haben Sie jetzt in Bayern einen Verein gegründet. Der Dpa sagten Sie: »Bei alten Liedern bekomme ich immer den größten Beifall. Die deutsche Kultur wird im Ausland ernster genommen als in Deutschland. Hier schämt man sich dafür.« In China »standen« dagegen »alle stramm und haben begeistert ›Freude schöner Götterfunken‹ gesungen«. Was ist, Fischer, los? Menschen in aller Welt mit drittklassigen deutschen Liedern zu behelligen haben Sie jahrzehntelang auch ohne Vereinssatzung prima erledigt. Die Hauptsache ist doch, daß alle ein bißchen strammstehen!

Lied Heil: Titanic

Na ja, Stephan Scherzer!

Demnächst soll der deutsche Ableger von Buzzfeed starten, der Online-Plattform mit ihren erfolgreichen »Schmunzellisten und Katzenbildern« (Faz.net). Dies müsse aber nicht das Ende des Journalismus bedeuten, zeigten Sie sich als Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger überzeugt und begründeten dies so: »Am Ende des Tages ist für Zeitungen und Magazine jeder eine Herausforderung, der Zeit von Menschen abruft. Die Frage ist: Wie wertig sind diese Kontakte, wie vermarktbar sind sie tatsächlich? Man muß beobachten, ob Buzzfeed sein gigantisches Netzwerk vermehrt dazu nutzen kann, um Premiumcontent aufzubauen.«

Und wissen Sie was, Scherzer? Dieser gigantische Wortschrotthaufen mit seinen mindestens sieben mausetoten Phrasen, von »Am Ende des Tages« bis »Premiumcontent«, hat uns schließlich davon überzeugt, daß der »wertige« Qualitätsjournalismus, dem Sie offiziell vorstehen, tatsächlich dem Untergang geweiht ist – und davor aber niemandem bange sein muß.

Schlimmer geht’s ja nicht!

Beobachtet: Titanic

Aber, Wladimir Putin!

Was machen Sie eigentlich nun, da Sie aus dem G8 geworfen wurden? Zurück an die Hauptschule? Abendgymnasium? Ausbildung zum Tyrannen?

Empfiehlt den Eintritt ins Berufsleben: Titanic

Zackiges Salut, Bundeswehr!

Du wirbst gerade mal wieder in zivilem Gerät wie unseren U-Bahnen für die Karriere bei Dir und preist Deine Seestreitkräfte beispielsweise mit dem Slogan »Meer als ein Beruf« an. Das ist so gelungen, daß uns wie aus der Pistole geschossen gleich noch ein paar Vorschläge eingefallen sind: Bier als ein Beruf. Zwang als ein Beruf. Dumm als ein Beruf. Nicht zu vergessen: Tod als ein Beruf. Kannst Du alle haben, diese Sprüche, Bundeswehr, versprochen.

Deine Berufswerbetexter von der Titanic

Unbekannte Notärztin!

Jetzt hacken alle auf Ihnen herum, weil Sie einem 51jährigen Toten im brandenburgischen Prenzlau eine natürliche Todesursache bescheinigt haben, obwohl die Leiche drei Stichwunden aufwies. Dabei, unbekannte Notärztin, haben Sie in einer Region, in der man den Tod natürlicherweise mit Messerstichen herbeiführt, vollkommen korrekt attestiert!

Läßt Sie nicht allein: Titanic

Miau, Akif Pirinçci!

Über »Felidae«, Ihren Katzenkrimi-Bestseller von vor 25 Jahren, schreibt die »Krimi-Couch.de«-Kritik: »Eine Geschichte von serienmäßigen Morden und religiösen Sekten … von Wahnideen und Omnipotenzphantasien … eine Tierfabel, die in einem spannenden und furiosen Finale menschliche Abgründe enthüllt.«

Wahnideen und Omnipotenzphantasien, Morde und menschliche Abgründe… Pirinçci, Pirinçci – wie autobiographisch gefärbt Ihr Schreiben damals schon war! Wenn der neueste Blick in Ihren ganz persönlichen Marianengraben jetzt allerdings auch Ihr furioses Medienfinale wäre, würde keine falsche Katzenträne verdrücken: Titanic

KiK, Textil-Diskont!

Eine glatte Million Dollar spendierst Du also jenen Sklavenarbeitern in Bangladesch, denen letztes Jahr Deine dortige Fabrikhalle auf die Köpfe gekracht ist. Eine Million Dollar, das sind immerhin 720 000 Euro! Zwar mag mancher mäkeln, daß pro Toten (von denen es 1127 gab) und je Verletzten (2438) unterm Strich nur knapp 200 Euro bleiben – aber hey, KiK, solche Vorwürfe wären echt unfair!

Schließlich kriegen die Versehrten und Hinterbliebenen dafür in Deinen Filialen doch jeder mindestens dreißig T-Shirts, hundert Paar Socken, fünfzehn Hosen – und auch ein letztes Hemd pro Person sollte noch locker drin sein! Vielleicht sogar mit Taschen!

Fein-RIP wünscht Deinen Opfern: Titanic

Dürfen wir, werte FC Bayern-Fans,

Euer Transparent beim Spiel gegen Bayer Leverkusen, auf dem Ihr Uli Hoeneß ein »Danke Uli. Bis bald« hinterhergerufen habt, so verstehen, daß Ihr dem Patriarchen wirklich alles nachmacht und ihn bald beim Hofgang wiederzutreffen hofft?

Fragen die Schließer auf der Titanic

Und Du, »Bunte«,

fragst in der Überschrift eines Interviews mit Klaus Wowereit: »Wie bewältigen Sie all diese Krisen?« Ein kleiner Tip, Bunte: Es ist flüssig, wird in Flaschen ausgeliefert, und wenn man es trinkt, wird einem vieles einfach egal.

Hinweis Ihrer Krisenbewältiger von Titanic

Sehr verdienstvoll, Oberster Führer Kim Jong-un,

daß Sie mit Ihren Nordkoreanern die »feindliche US-Politik nicht tolerieren und vollständig vernichten« wollen, wie Sie laut Handelsblatt gelobten. Aber haben Sie denn dafür auch eine ausreichend leistungsfähige Politikvernichtungsanlage? Wir könnten Ihnen eine verkaufen: Sie heißt BER und steht gleich südlich einer Stadt, die auf »-lin« endet.

Um Ihr freundliches Angebot bittet: Titanic

Frauenzeitschrift »Lisa«!

Was hat denn Dich geritten, daß Du in Deinen Produktempfehlungen zum Frühjahr (»Wie putzig! Lustige Helfer fürs Großreinemachen«) ein Spülbürstenset vorstellst, bei dem die stilisierten Frisuren von Afroamerikanern zur Reinigung von dreckigem Geschirr verwendet werden? In Deinen Worten: »Geschirrspülmittel statt Shampoo auf die Haare: Diese Spülbürsten mit Afro-Frisur finden das echt klasse!« Und wirst Du demnächst gleichermaßen Klobürsten »Zigeuner-Art« oder Fußabtreter »Griechisch« bewerben?

Fragen die Tugendterroristen von der Titanic

Mensch, Schäuble!

»Das kennen wir alles aus der Geschichte. Mit solchen Methoden hat schon der Hitler das Sudetenland übernommen – und vieles andere mehr.« Mit diesen Worten erklärten Sie Berliner Schülern den kalten Krieg um die Ukraine. Nicht ohne anzufügen: »Deshalb müssen wir den Russen sagen, wir vergleichen euch mit niemandem. Aber ihr müßt wissen, das geht nicht.«

Putin und Hitler – der Vergleich hinkt, Schäuble! Und zwar ziemlich genau so, wie unser Propagandaminister einst hinkte! Nein, damit wollen wir jetzt selbstverständlich niemanden vergleichen. Wir meinen nur: dieses Rumpelstilzchenhafte, Verschmitzt-Diabolische, Verdruckst-Fanatische, Perfide-Verbohrte! Dieses systematische Auf-den-Kopf-stellen der offensichtlichen Realität, dieses unbeirrte Beharren auf der Parteilinie und todesmutige Verfechten der Staatsräson! Und dann dieses Sichzufriedengeben mit der ewigen Nummer zwei, dieses bescheiden-asketische Zurückstehen hinter dem Führer und Reichskanzler!

Aber abgesehen von diesen klitzekleinen Gemeinsamkeiten wollen wir wie gesagt keinerlei Vergleiche anstellen. Schon allein weil es Goebbels mit seinem Klumpfuß nie gelang, sich so geräuschlos auf Gummireifen anzupirschen.

Einbestellung des Botschafters an die Adresse im Impressum: Titanic

ZDF-Sportbubi Jochen Breyer!

Nach einem normal belanglosen TV-Geplänkel mit BVB-Trainer Jürgen Klopp, das von sogenannten Journalisten wegen irgendwas normal Belanglosem wie üblich zum »Eklat« hochtrompetet worden war, fühlten Sie sich zu folgender Klarstellung bemüßigt: »Mir tut es leid, wie es gelaufen ist. Ich könnte nicht weiter davon entfernt sein, provozieren zu wollen.« Und wissen Sie was, Breyer? Das glauben wir Ihnen aufs Wort! Andernfalls wären Sie auch kaum beim ZDF. Sie wohlerzogener Bengel, Sie!

Weit davon entfernt, provozieren zu wollen: Titanic

Apropos, »Finish PUR & KLAR Quantum«!

Besten Dank auch für Deinen Werbespruch! Nein, nicht den von wegen »nutzt die Reinheit und Kraft von Aktiv-Sauerstoff«. Und auch nicht den, in dem es heißt: »reinigt kraftvoll und sorgt für strahlenden Glanz.« Nein, es geht uns vielmehr um den Satz: »Für das gute Gefühl, mit weniger schädlichen Chemikalien sauber zu spülen!« Denn »pur« hin, »klar« her – weniger schädlich ist ja bekanntlich trotzdem immer noch was? Genau!

Deine Spülschädlinge von: Titanic

Sie wiederum, Martin Schulz (SPD),

teilten in Ihrer Funktion als Präsident des Europäischen Parlaments im ARD-Interview jetzt folgendes Selbstverständnis mit: »Die Leute, die mich kennen, wissen, daß ich ein relativ ausgesprochen Klartext redender Politiker bin.«

Und was soll man sagen, Martin Schulz, Spitzenkandidat der Europäischen Sozialisten bei der Europawahl? Relativ genau so hört sich das auch an!

Ihre Klartexter von der Titanic

Sorry, Barack Obama!

Aber wenn Sie inmitten des ständigen NSA-Enthüllungsgewitters lobenswerterweise schon mal die Wahrheit zu sagen versuchen (»Die Wahrheit ist, daß ich grundsätzlich sehr scharf in Jeans aussehe«), dann sagen Sie gutgelaunter Grüßaugust doch gleich die ganze Wahrheit!

Und die ist: Ihre Jeans sehen ohne Sie sogar noch schärfer aus.

Extrem angespitzt: Titanic

Frank Elstner, alter Showhase!

Nachdem Markus Lanz verkündet hatte, daß »Wetten, daß…?« nach drei weiteren Ausgaben zum Jahresende eingestellt wird, erzählten Sie »Spiegel online«, Sie hätten bei der Nachricht »einen ziemlichen Schreck gekriegt«. Und weiter: »Ich habe mich gefühlt wie ein Boxer, der einen Tiefschlag verpaßt bekommt.«

Das, Elstner, können wir nur allzugut verstehen. Denn: Noch dreimal »Wetten, daß…?« mit Markus Lanz – das ist in der Tat eine schreckliche Vorstellung!

Geht beim Gedanken an die kommenden Sendungen schon jetzt k.o.: Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Wie viele Achtundsechziger, Udo Knapp,

bist auch Du, je älter Du wurdest, politisch immer weiter von links nach rechts marschiert: Du warst der letzte Vorsitzende des SDS, anschließend in einem Verein namens »Proletarische Linke«, um dann in den Achtzigern auf dem rechten Flügel der Grünen zu landen und schließlich bei der SPD, und zwar eigentlich nur, damit Du was in den Kolonien werden konntest, am Ende stellvertretender Landrat. Heute kritisierst Du die Gewerkschaften dafür, dass sie nur immer wieder Lohn fordern, wie man das als einer, der nichts gelernt hat bis aufs Lamentieren, halt so macht.

Dieser Weg verbindet Dich mit dem wohl dümmsten deutschen Sänger, Wolf Biermann, weshalb Du dem »alten weisen Mann« (Dein O-Ton) auch neulich so kenntnisfrei wie pathetisch zum Geburtstag gratuliertest: »Biermann hat den größten Teil seines Lebens in zwei furchtbaren deutschen Diktaturen verbracht. In beiden hat er gelitten, aber beide hat er mutig streitend und widerstehend überlebt.«

Wie man nun aber jeder Biermann-Bio entnehmen kann, hat der walrossbärtige Dödelbarde nur acht Jahre unter den Nazis und 23 Jahre in der DDR gelebt; die restlichen 53 jedoch im goldenen Westen (britische Besatzungszone, BRD und Gesamtdeutschland). Daher nun unsere Frage: Bist Du Dir, Udo Knapp, sicher, dass Du auf Deine alten Tage die Bundesrepublik Deutschland, in der Du so schöne Posten innehattest, wirklich als furchtbare Diktatur bezeichnen willst?

Wie meinen? Es stand doch bloß in der Taz, und in keiner richtigen Zeitung? Und rechnen konntest Du noch nie? Na dann, weitermachen, Udo, aber vielleicht demnächst doch ein bisschen, he, he, knapper.

Kurz angebunden: Titanic

 Liebe Alte,

»Drogenhandel und Abzocke von Senioren« titelte kürzlich die Braunschweiger Zeitung. Also, dass Ihr abgezockt werdet, finden wir natürlich echt doof, aber: Wie läuft es denn so mit der Rentenaufbesserung durch den Drogenhandel?

Fragt schon mal prophylaktisch: Titanic

 Sylt Marketing Gesellschaft!

Du machst auf dem Festland mit dem Slogan »Sylt macht sychtig« auf die umrissbekannte Nordseeinsel aufmerksam. Und ja, sie hat noch mehr negative Eigenschaften! Sylt ist syndhaft teuer, das Publikum dort verhält sich dynkelhaft. Ja, die ganze Ynsel ist bei genauerer Betrachtung das reinste Shythole, ein Besuch dort kompletter Unsynn!

Steht fürs nächste Brainstorming gerne bereit: Titanic

 Sänger Max Mutzke!

Sänger Max Mutzke!

Zum Thema Klimawandel und Verkehr klagten Sie im Interview: »Es gibt bei uns eine Verbindung, da fahr ich 10-12 Minuten mit dem Auto hin. Weil der Ort aber auf dem Berg liegt, fährt der Bus mehrere Stationen an und es dauert fast zwei Stunden. Aber da arbeiten Leute.«

Wir wissen nicht, wie der Berg, auf dem Sie wohnen, beschaffen ist und wer dort die Busrouten plant. Aber mal angenommen, Sie würden wegen der langen Busfahrt den einen oder anderen Auftritt verpassen, wäre das nicht ein weiterer Grund für die »Öffis«?

In diesem Sinne: Go green!

Titanic

 Was ist da los, deutsche Medien?

»Die radikalen Impfgegner vom Alpthal« besuchte der Spiegel und fragte dazu mit brennendem Reporterehrgeiz bereits im Teaser: »Nun verweigerte ein Dorf gar dem Impfbus die Einfahrt. Was ist da los?« Gute Frage. Der auch die Taz nachgeht: »Im Schwarzwaldkreis Rottweil sorgen Impfgegner für gereizte Stimmung. Was ist da los?« Womöglich Ähnliches wie im Nordosten. Die B.Z.: »Was ist da los? Corona-Lage in Brandenburg doppelt so schlimm wie in Berlin«. Aber nicht nur im Zuge der Pandemie verlangt überraschender Tumult nach unverzüglicher Aufklärung: »Was ist da los? Bei Bella Hadid fließen Tränen« (N-TV); »Was ist da los? Anouar wurde bei The Voice disqualifiziert« (Berliner Kurier); »Was ist da los? NFL-Superstar schon wieder verletzt«. Gut, dass Bild sich der Sache annimmt, denn die FAZ ist gerade mit Wichtigerem beschäftigt: »Die neue Apple Watch 7 ist angekündigt, aber Garmin hält sich bei seinem Top-Produkt zurück. Was ist da los?«

Der, die, das, / wer, wie, was / wieso, weshalb warum? / Wer nicht fragt, bleibt dumm – sicherlich. Wer allerdings immer dasselbe fragt, auch.

Überfragt: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Trost vom Statistiker

Wenn du wieder einmal frustriert bist und denkst, du bist nur durchschnittlich begabt und mittelmäßig erfolgreich, dann wechsele doch einfach in eine andere Stichprobe!

Theobald Fuchs

 Fünfzehn Zeichen Ruhm

Es hat wohl niemand je den Wunsch, um jeden Preis berühmt zu werden, heftiger kritisiert als meine Urgroßmutter. Ich kann mich gut erinnern, dass mein Vater einmal beim Lesen der Zeitung aufschreckte und Uroma ihn fragte: »Was ist denn?« – »Der Franz ist gestorben. Ich habe gerade seine Todesanzeige gelesen.« Sie schüttelte bloß genervt den Kopf und sagte: »Die Leute machen heutzutage wirklich schon alles, um in die Zeitung zu kommen.«

Jürgen Miedl

 Schicksalhafte Wendung

Brüche im Leben gibt es bei allen Menschen. Öfter ist es so, dass jemand nach überstandener schwerer Krankheit das bisherige Streben nach Geld und Ruhm infrage stellt und beschließt, den sinnentleerten Job im Reisebüro, in der PR-Agentur (sehr viel seltener vielleicht auch im Schlachthof) hinzuschmeißen, um nur noch zu malen, zu töpfern, zu fotografieren, einen Gemüsegarten anzulegen oder zu schreiben. Es erfolgt allerdings nicht zwangsläufig eine Neuausrichtung zum Kontemplativen, Musischen. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Fall, in dem der genesene junge Künstler seine Erfüllung als skrupelloser Miethai fand.

Miriam Wurster

 Alles richtich

Jüngst wurde ich darauf angesprochen, dass das Wort »richtig« aus logopädischer Sicht korrekterweise »richtich« ausgesprochen werden muss. Um mir meine Verwunderung darüber gar nicht erst anmerken zu lassen, entgegnete ich nur ein lässiges »selbstverständlig«.

Fabian Lichter

 Notgedrungen einfallsreich

Mein Nachbar vergisst seit einigen Jahren regelmäßig seine Bank-Pin. Auf die Karte kann er die Pin natürlich nicht schreiben. Wie er mir vor Kurzem berichtete, hat er eine clevere Lösung für sein Problem gefunden: Um sich die Pin nicht mehr merken zu müssen, aber trotzdem nicht sein Geld zu riskieren, hat er seine Pin einfach auf den einzigen von ihm genutzten Bankautomaten geschrieben.

Karl Franz

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 20.01.:

    In Göttingen eröffnete die große Eugen-Egner-Ausstellung im Alten Rathaus. Bilder vom Event zeigt das Göttinger Tageblatt und die Stadt Göttingen hat alles aufgezeichnet.

  • 20.01.:

    Mit Daumen und Rechenschieber erstellte Oliver Maria Schmitt in der FAZ das Horoskop fürs Reisejahr 2022, der Cartoon dazu stammt von Katharina Greve.

  • 02.11.:

    "Keinmal um die ganze Welt - Ein Pauschalreiseabend für Zurückgebliebene" - so heißt das WDR-5-Spezial mit Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert.

  • 29.10.:

    Das Bornheimer Wochenblatt berichtet vom TITANIC-Normalitätswettbewerb.

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

Titanic unterwegs
26.01.2022 Dresden, Staatsschauspiel Max Goldt
26.01.2022 Hamburg, Polittbüro Thomas Gsella
31.01.2022 Meiningen, Kunsthaus K. Greve, H&B und A. Plikat: »Corona revisited«
08.03.2022 München, Valentin-Karlstadt-Musäum »Herr Haas zeigt Hasen«