Briefe an die Leser | September 2011


Und, Rapper Samy Deluxe!

Du siehst also nach dem Tod von Amy Winehouse kaum Chancen, mit Deinem neuen Album »SchwarzWeiß« auf Platz 1 der deutschen Charts zu landen: »Der Fall zeigt, daß man sich nicht nur mit den lebenden Konkurrenten mißt. Wenn so eine Person stirbt, hat sie eben die ersten drei Plätze der Charts sicher.« Na, dann weißt Du doch, was jetzt zu tun ist.

Prost!

Titanic

Deike Diening, c/o »Tagesspiegel«!

Die Diskussion über Gewalt im öffentlichen Nahverkehr nahmen Sie zum Anlaß, sich auf in den Berliner Untergrund zu machen, genauer: Sie fuhren mehrere Stationen lang mit der U-Bahn, »um kurz vor zehn Uhr abends«, also praktisch schon nach Einbruch der Dunkelheit! Die beschriebene Szenerie ist beängstigend: »Die Augen schließen. Die Zeitung entfalten. Simsen. Dumm anmachen. Sich totstellen. Sich vergessen. Sterben auch?« Nein: Zum Glück sind Sie unterwegs mit einem »Antigewalttrainer« und »Ninjutsu-Kämpfer«, nämlich »Philip Dao, 38« – »mit wem sonst sollte man U-Bahn fahren in diesen Tagen?« Da kann es nämlich richtig brenzlig werden: »Als eine lärmende Gruppe Jugendlicher samt Getränken den Wagen verläßt, sacken die anderen Passagiere erleichtert in ihre Sitze zurück. In sich selbst versunken schaukeln die Körper der bunten Sommermenschen 2011 aufgereiht in einem dieser endlosen Waggons wie Algen im Wasser.« Uff, das war knapp, »denn im Gegensatz zum Vollkasko-Leben der Autofahrer in ihren schützenden Karossen ist der U-Bahn-Fahrgast zurückgeworfen auf seinen eigenen Körper, auf dessen Ausstrahlung und manchmal sogar auf seine Kraft.«

Deike Diening! Wenn Sie sich von den Strapazen Ihrer Abenteuerreise erholt haben, gehen Sie doch mal aufs Ganze und besuchen Sie, vielleicht in Begleitung eines Fremdenlegionärs, eine jener legendären Berliner Tanztee-Veranstaltungen, wo in sich selbst versunkene Herbstmenschen samt Getränken wie Algen im unruhigen Wasser über die Tanzfläche wirbeln, jederzeit bereit zu sterben.

Bleibt solange in der Vollkasko-Karosse:

Titanic

Hey, Kochbar.de!

Dein Rezept für »Hähncheninnenfilets« klingt ja sehr geschlechtsausgewogen, aber warum dann ausgerechnet mit »Stangenspargel«? Ach, da nimmt man den aus der Dose?

Darauf einen Eierlikör:

Titanic

Liebe »Welt kompakt«!

Ein Bild, auf dem der Sänger und Entertainer Achim Mentzel vor seinem Pool steht und einen Kescher ins Wasser hält, mit der Unterzeile »Der Sänger und Entertainer Achim Mentzel steht vor seinem Pool und hält einen Kescher ins Wasser« zu versehen ist vielleicht nicht die hohe Schule des Journalismus. Aber Du bringst die Sache damit exakt auf den Punkt. Und dafür wollen wir Dich ausnahmsweise loben.

Schreibt Dir einen Brief und will Dich ausnahmsweise loben:

Titanic

»Neon«, ewiges Autistenblatt!

Schon länger beobachten wir, wie sich zwischen all Deine süßlichen Beziehungsgeschichten immer öfter auch Ausflüge ins pornös Hardcoremäßige mischen. Aus schierem Überdruß am redaktionellen Eiapopaia von »Ist dein Freund treu?« und »Küssen über Skype«? Aus purer marktwirtschaftlicher Berechnung? Nein und nein! Klarheit schafft die Nachbesprechung des Artikels »Dann hat er mich von hinten genommen«: »Selten zuvor hat ein Neon-Artikel so viele Leserreaktionen ausgelöst wie die Geschichte ›Dann hat er mich von hinten genommen‹ in der letzten Ausgabe.« Der hochinvestigative Ansatz: fünf, sechs verklebte Paare direkt nach dem Pudern zu interviewen und zu fragen, wie sie’s fanden. »Die Paare für diese Geschichte zu finden hat über drei Monate gedauert. Sie leben in Städten wie Münster, Dortmund oder Berlin. Sie haben kein Geld dafür erhalten, aber fürs Mitmachen danken wir ihnen.« Dem selbstlosen, gewissermaßen karitativen Einsatz dieses Dutzends nun fotobekannter Paare und Deinem, Neon, im gleichen Heft erschienenen Mitarbeiterverzeichnis haben wir es zu verdanken, daß sie nun endlich öffentlich ist: die offizielle Liste der fünfzig abscheulichsten Menschen der Welt.

Dafür dankt inniglichst:

Titanic

Mitch Winehouse!

Eine ungenannte Quelle berichtete der britischen Tageszeitung The Sun, Sie vermuteten, Ihre Tochter sei an den Folgen einer dreiwöchigen Alkoholabstinenz gestorben.

Wissen Sie, Zufälle gibt’s! Denn genau auf diesen kreuzgefährlichen Zusammenhang trinkt seit Jahren täglich:

Titanic

Verehrte Linda de Mol!

Da Sie im nächsten Frühjahr beim Privatversender SAT1 die neue Show »The Winner is…« mit sage und schreibe 64 Casting-Kandidaten moderieren werden, möchten wir Sie, das pseudocharmante Rudicarelldeutsch Ihrer »Traumhochzeit«-Shows aus den 90ern noch im Ohr, auf eine winzige, aber nicht unwichtige sprachliche Feinheit hinweisen: Im Deutschen bedeutet der Ausdruck »Ganz gut!«, mit dem Sie so gern die Hochzeitskleiderwahl und andere Höchstleistungen Ihrer Kandidaten bewertet haben, mitnichten eine Steigerung im Sinne von »ganz besonders gut«, sondern vielmehr ein »naja solala gut« beziehungsweise eigentlich nur »mittelmäßig« bis »bescheiden« bis, ehrlich gesagt, »unter aller Sau«.

Und auch, wenn das in Ihrer kommenden Jury-Arbeit gewiß meist die passende Beurteilung wäre, Linda, so benutzen Sie doch bitte zum Abloben Ihrer zukünftigen Castingkretins die aktuellen deutschen Top-Lobpreisungen »Hammer!«, »hammergeil« oder halt »Gänsehaut pur!« (Dieter Bohlen).

Veel geluk:

Titanic

Hey, Paul McCartney!

Da haben nun also Journalisten aus Rupert Murdochs finsterem Presseimperium Ihr Telefon angezapft und Ihre Gespräche belauscht, was Sie eine »abscheuliche Verletzung der Privatsphäre« nennen. Überraschend sind solche Machenschaften nicht – wohl aber Ihre Reaktion. Sollten Sie, Sir Paul, dessen Karriere seit 1970 ja überschaubar interessant verläuft, nicht froh sein, daß Sie heutzutage überhaupt noch jemand hören will?

Hello, goodbye:

Titanic

»Taz«-Kolumnist Deniz Yücel!

Erst mit einem konsequenten Schlampen-Scherz die eigene Chefredakteurin zu Rechtfertigungsinterviews zwingen, dann mit einer soliden Anti-Deutschland-Kolumne den Rassismus des Taz-Publikums zum Vorschein bringen und v.a. die Taz gelegentlich lesenswert machen: Das ist schon eine ganz schöne Leistung.

Weiter so:

Titanic

Du, MDR,

warnst zu später Stunde vor toten Dachsen auf der Autobahn. Aber sind denn überhaupt noch genügend Trabbis unterwegs, die mit den Biestern kollidieren könnten?

Grüße nach Mitteldeutschland:

Titanic

Tanja Dotterweich!

Auf Facebook hast Du per Veranstaltungs-Manager zum »Leck-mich-am Arsch-Tag« aufgerufen, an welchem einem »alles egal sein, die Wohnung vermüllen, das Geschirr sich stapeln, die Wäsche sich häufen« dürfe – und zwar unter dem Motto: »egal was ihr machen wollt TUT ES Ohne auf andere Rücksicht zu nehmen.«

Aber Tanja, das klingt für uns nach ganz normalem Studentenalltag. Seit wann braucht’s dafür Veranstaltungen? Ach, auch egal:

Titanic

Sie da, Leser,

bringen Sie mal folgende sechs Begriffe in einem sinnvollen Satz unter: »Breakdance, Rentnerinnen, Wolfenbüttel, Kosovo, Award, RTL«. Und zwar in der vorgegebenen Reihenfolge. Was heißt: Das geht nicht?! Das geht. Bewiesen hat das die Oldenburger Nordwest-Zeitung unter der Überschrift »Aus den TV-Studios«, und der Satz geht so: »Für seinen Film über Breakdance-Unterricht für Rentnerinnen in Wolfenbüttel hat der aus dem Kosovo stammende Schüler Besnik Salihi den ›Com.mit Award für Integration‹ von RTL gewonnen.«

Das ist kein sinnvoller Satz? Was soll das denn heißen? Das ist ein Satz, über den man ein ganzes Frühstück lang nachdenken kann!

Guten Appetit dabei wünscht:

Titanic

Lieber Eckhard!

Stünden wir am Wasserhäuschen
jetzt mit Dir so auf ein Päuschen
sängen wir, was hier bloß steht:
»Siebzig? Ewig unverweht!

Alwin Streibl, Alfred L.,
Lattern, Hammer; evendöll
Rösselmann. Und Moppel, der
nicht gut fickte, bitte sehr!

Jackopp, Kloßen, wie sie heißen
Duschke (grad mal weg zum Scheißen)
und nach ANO-Ladenschluß
nimmt ein Brüderpaar den Bus.

Kuddernatsch und Ämtertropfen
Wandrer, die an Kirchlein klopfen
Hemingway, Du weißt es, yeah!
Und der Igel Charly Mä.

Welten, Zauber. Maß der Dinge.
Chrrn und aaah! Was soll, gelinge
Flegel Dir im Daseinsstroh!
Geht in Ordnung? Sowieso!«

Gratulierend grüßt Dich
aus Herzensgrund

Deine Titanic

Wenn Du, »Süddeutsche Zeitung Magazin«,

Deine Rubrik »Kosmos« China widmest, darf darin natürlich Ai Weiwei nicht fehlen: »Ou bao hou shen, ›Entlassung auf Kaution bei laufenden Ermittlungen‹ nennt sich Ai Weiweis sehr fragwürdige neue Freiheit.«

Geheimnisvolles Reich der Mitte! Entlassung auf Kaution bei laufenden Ermittlungen, darauf kann auch nur der gelbe Mann kommen, im freien Westen gäbe es so etwas nie!

»Zou bled zuhm shei sen, ›Beflissene Idioten, die in den Sommerferien unbeaufsichtigt das Heft vollmachen dürfen‹« nennt sich das wohl in München.

Grüße aus dem Bundesland des Lächelns:

Titanic

Sie mal wieder, Geißler!

Da hatten Sie die Stuttgarter Konfliktparteien in aller Unschuld gefragt, ob sie »den totalen Krieg« wollten, statt fanatischem Zustimmungsgeschrei allseits nur Empörung geerntet und sich geschickt aus der Affäre gezogen, indem Sie im Deutschlandfunk behaupteten, das Goebbels-Zitat gar nicht zu kennen. Clever!

Ein paar Tage später indes gaben Sie der Berliner Morgenpost ein Interview. Die Zeitung war so freundlich, Sie zu jenem Thema nicht zu befragen, sondern nur zur parteiinternen Kritik am Erscheinungsbild der CDU und ihrer Kanzlerin, die Sie wiederum vehement gegen ihre Kritiker verteidigten: »Diese Leute sollen mal jemanden vorschlagen, der es besser kann und richtig macht. Da hört man immer nur Bahnhof.«

Und da dachten wir uns: Klar, Geißler, Sie hören ja seit einiger Zeit immer und überall nur Bahnhof. Aber wissen Sie, was wir hören, wenn wir Bahnhof hören? Wir hören Deportationszüge, hören Viehwaggons, hören Rampe, Vernichtungslager und einen Krieg, totaler und radikaler, als wir ihn uns überhaupt vorstell… – aber, ach, davon hatten Sie alter Stationsvorsteher ja noch nie gehört.

Tuff, tuff, tuff, die Eisenbahn:

Titanic

Joffe, Josef!

Was halten Sie eigentlich von der Lesart, der Massenmord von Oslo sei ein politisches Attentat? Dem Tagesspiegel haben Sie’s verraten: »Diese Lesart ist schlimmer als infam; sie ist falsch. ›Politisch‹ wird’s erst bei Lenin, Hitler und Stalin: wenn hinter dem Massenmord Doktrin, Bewegung und Führer stehen.« Falsch wäre folglich die Lesart, die Attentate auf Kennedy, Lincoln oder Erzherzog Franz Ferdinand seien politisch gewesen. Politisch wäre, verstehen wir Sie richtig, ein Mord eigentlich nur dann, wenn der Führer selbst oder irgendein gleichrangiger Unsympath ihn befohlen hat. So daß summa summarum die Hitlerattentate Handlungen irrer Einzeltäter oder vielmehr insgeheim vom Führer selbst befohlen – nein, Joffe, lassen Sie uns lieber bei dieser einen Lesart bleiben: Es ist nie gesund, Ihnen auf den verschlungenen Pfaden jener Gebilde zu folgen, die Sie so unbekümmert Ihre »Gedanken« zu nennen belieben.

Schlimmer als infam:

Titanic

An alle TV- und Radiosprecher!

Libyen wird nicht »Lübien« ausgesprochen. Doppeldank:

Titanic

Hoppla, AnNa R. und Peter Plate!

Was haben wir uns erschrocken, als Ihr uns neulich per Pressemitteilung »Rosenstolz: ›Wir sind am Leben‹« entgegenkrähtet. Im Detail ging es dann nur wieder um einen dieser neuen Tonträger, die zu veröffentlichen Ihr leider nicht müde werdet. Aber gut, wir haben die Botschaft verstanden: Ihr seid am Leben. Deshalb unsere Bitte: Meldet Euch in dieser Angelegenheit erst wieder, wenn sich an dem Zustand etwas Fundamentales geändert hat. Denn schlechte Nachrichten gibt’s auch so schon genug.

Danke!

 

Titanic

Hilf uns, »Bild«!

Wenn wir, und die Götter mögen dies verhindern, uns irgendwann anschickten, ein Schwerverbrechen zu begehen und uns dafür späterhin strafrechtlich zu verantworten hätten – wie bitte sollten wir uns dann angemessen vor Polizei und Gericht präsentieren? Zu lächeln verbietet sich von selbst, und ganz richtig kommentiertest Du den zufrieden strahlenden A. Breivik mit der empörten Zeile: »Hier grinst die Killer-Bestie!« In Tränen ausbrechen darf man allerdings auch nicht (»Wie ein Hosenscheißer: Straßenbahn-Prügler flennt vor Gericht«). Keine Regung zu zeigen evoziert die üblichen Sätze über »eiskalte Mienen«, und wenn sich einer gleich unkenntlich macht, brüllst Du: »Wieso darf sich ein Frauenmörder so feige verstecken?«

Wie also zeigt man sich stil- und würdevoll vorm Kadi? Soll man konsterniert gucken? Es hieße dann bestimmt gleich wieder: »Hier guckt die Bestie konsterniert!« Sich ein Katzengesicht aufmalen? Ratzfatz ist man ein »Gaga-Teufel«. Wie man’s dreht und wendet, als Übelst-Täter entkommt man Deinen scharfen Urteilen nur schwer. Und wenn dieses Wissen künftige Massenfoltersexmordmonster von ihren Taten zurücktreten ließe, man müßte Dir ja fast schon dankbar sein.

Deine Herzlos-Reporter von der

Titanic

An Deiner Stelle, Wahrsagerin Cassandra,

hätten wir die Geschichte mit dem elfjährigen Jungen, der aus dem Kettenkarussell fiel und direkt in Deinem Wohnwagen landete, nicht unbedingt im Fernsehen ausgeschlachtet. Jedenfalls nicht so, wie Du das Ganze in der »Aktuellen Stunde« des WDR zum besten gabst: »Ich saß jetzt hier, denk an nichts Böses, peng, klatsch, Wagen gewackelt, großer Knall, lag auf einmal das kleine Kind hier bei mir im Wagen drinne.« Wäre da nicht zumindest eine kleine Wahrsagerinnenlüge drin gewesen? So etwas wie: »Ich sach grad noch, irgendwie hab ich das Gefühl, hier wird gleich etwas – peng, klatsch und schon…«

Wünscht trotzdem weiter gutes Gelingen:

Titanic

Beste Dr. rer. nat. Merkel (CDU),

Ihrem wohltemperierten Gemüt gemäß forderten Sie jüngst zur Bewältigung der Eurokrise »einen kontrollierten und beherrschten Prozeß aufeinanderfolgender Schritte«. Was aber wäre der Gegenentwurf – ein unkontrollierter Prozeß gleichzeitiger Schritte?

Vollzog einen solchen nach dem letzten Trinkhallenbesuch:

Titanic

Ebay-Kleinanzeiger!

Für Gäste während des Papstbesuchs in Freiburg Ende September hast Du dieses Angebot: »Zwei Übernachtungen auf selbst mitgebrachter Schlafmöglichkeit in Kinderzimmer (ca. 16 qm), Benutzung des Badezimmers inklusive, 700 Euro.« Prima Sache, aber warum so großzügig? Da wäre doch mehr drin: zwei Übernachtungen in selbst mitgebrachten vier Wänden, Benutzung der öffentlichen Bedürfnisanstalt am Hauptbahnhof inklusive, 700 Euro. Da wird’s im Kinderzimmer nicht so eng, sagen Dir die Gastfreunde von der

Titanic

Bonjour, Berliner FDP!

Jetzt ist er da, der Wahlkampf in der Hauptstadt. Und wo andere Parteien auf das Mitleid der Wähler setzen, indem sie ihre Kandidaten herzeigen, verlaßt Ihr Euch hauptsächlich auf die Überzeugungskraft Eurer Inhalte. So beantwortet Ihr z.B. auf einem Plakat die Frage »Wie steht die FDP zur Integration?« mit: »Wir finden, daß es eine nette Geste wäre, in Paris nach ›Croissants‹ statt nach ›Schrippen‹ zu fragen.«

Damit wir Euch richtig verstehen: Bedeutet das im Umkehrschluß, daß Franzosen in Berlin Schrippen statt Croissants kaufen sollten, weil das sonst eine unfreundliche Geste wäre? Und was ist mit uns Deutschen? Müssen wir jetzt auch immer diese blöden deutschen Schrippen kaufen, um nicht im eigenen Land zu desintegrieren?

Vous êtes fous!

Titanic

Telekom, Teuerste!

Um Deine dröge Internetseite wieder mal ein bißchen aufzuputschen, verfielst Du letztens auf einen weiblichen Rückenakt, dessen Arsch vom spärlichen Bewuchs einer Stranddüne diskret verhüllt wurde – sehr reizvoll! Nur, Telekom, wenn Du neben das Foto von der Nackerten schreibst: »Hier ist nackt sein erwünscht«, und darunter: »An diesen Stränden in Europa können FKK-Freunde auch ohne Bikini und Badehose die Natur genießen« – dann, Telekom, denkt sich der zwar notgeile, indes partiell noch zurechnungsfähige Betrachter womöglich: Ja, Himmelherrgottarschundzwirn, haben denn die FKK-Freunde Europas bis jetzt die Natur mit Bikini und Badehose genossen? Und kommt womöglich auf den Trichter: Auf dieser Seite wird auch den Telekom-Kunden, die schon bis aufs Hemd ausgezogen wurden, noch das Geld aus der Tasche gezogen!

Um ein bißchen mehr Sorgfalt beim Zutexten bittet:

Titanic

Was, Peter Ramsauer (CSU),

passiert eigentlich mit einem Berufspolitiker, der als überflüssige Knallbirne in einem nachrangigen Ministerium, nämlich dem für Verkehr und Bauwesen, geparkt wird und in der Öffentlichkeit nur gefragt ist, wenn man sich gerade über Sommerstaus echauffiert? Einem überdies, der im eigenen Ministerium nicht einmal während seines Urlaubs vermißt wird, wie Sie der Bunten selbst mitteilten: »Ich schalte sogar mein Handy die drei Wochen fast durchgehend aus. Das Ministerium arbeitet ja auf allen Ebenen perfekt weiter.«

So einer hat jedenfalls Zeit dafür, seiner jüngsten Tochter bei den Matheaufgaben zu helfen: »Ich lasse sofort Akten liegen und sehe mir die Aufgabe an – was allerdings oft zum Scheitern führt, weil ich die Angaben oft schon gar nicht mehr verstehe. Aber wir lesen das dann zusammen durch und versuchen gemeinsam, einen Lösungsansatz zu finden.«

Ausgezeichnet, Ramsauer! Keine Ahnung haben, aber gemeinsam versuchen, Ansätze zu finden, und vermutlich also mit der Tochter eine Kommission gründen, die erst mal in Erfahrung bringt, was nötig ist und was finanzierbar, um zwischen all den Auf- und Angaben Wege zur Lösung oder wenigstens Verwaltung des Problems zu finden – so holt man zu Hause nach, worin man im Beruf zu kurz kommt. Und wenn Sie damit immer noch nicht ausgelastet sind: Lassen Sie sich doch einfach zum Sonderbeauftragten für die Waschmittelbeschaffung ernennen oder zum Kanzler des Ramsauerschen Küchenkabinetts wählen!

Nur so als Lösungsansatz:

Titanic

Verdammt, Amy Winehouse!

Da geben wir Dir im letzten Heft noch den dringenden Tip, auf gar keinen Fall mit der Sauferei aufzuhören – und dann das! Wobei andererseits: Spätestens jetzt, wenn Du erfahren hättest, daß Dich die beiden volkstümlichen Schlagerbrüder »Die Amigos« mit ihrer CD »Mein Himmel auf Erden« von Platz 1 der deutschen Albumcharts gestoßen haben, zwei Discofox-Ruinen, die auch ohne Alkohol und Drogen tausendmal ramponierter aussehen, als Du es je hingekriegt hättest, Herrgott, Amy, spätestens das hätte Dir doch den Rest gegeben, oder?

Wir heben unser Glas auf Dich.

Titanic

Was, Superplayboy Hugh Hefner (85),

machen Sie denn für einen Mist? Erst läßt die gerade mal sechzig Jahre jüngere Crystal Harris die großangekündigte Hochzeit mit Ihnen platzen, dann folgt deren Nachtreten im TV, Sie könnten »höchstens einmal« am Tag, und das auch »nur zwei Sekunden lang« – das ist ja alles schon sehr zum Mitschämen. Überhaupt: Nicht zu fassen, wie lange wir Ihren öden Werdegang schon mitverfolgen mußten, vom Playboy zum Playgreis, allzeit umringt von dickbusigen Dummchen – und wie sehen Sie nun aus mit Ihrem holzschnittartigen Comicgesicht? Wie ein Kasperle! Wie Pinocchio! Wie Lothar Matthäus in hundert Jahren!

Hefner, wissen Sie, wer in unseren Augen wirklich ein vorbildlicher Playboy war? Gunter Sachs. Und warum? Weil er im Alter lieber nicht so dumm werden wollte, wie Sie es schon seit fünfundachtzig Jahren sind.

Ciao:

Titanic

Und Du, »Clap«,

bist also tatsächlich »Das People-Magazin. Für Neugierige, Eitle und Schadenfrohe«?
Da möchten wir doch mal ganz neugierig nachfragen: Wer kam denn auf die Idee, sich nach etwas zu benennen, was in Weltgegenden, in denen Leute »people« heißen, der umgangssprachliche Ausdruck für Gonorrhöe ist? Wart Ihr zu eitel, um ins Wörterbuch zu gucken? Oder hat Euch das einfach nicht gejuckt?

Schadenfroh:

Titanic

Grüß Gott, Erwin Teufel!

Was freuen wir uns, daß Sie wieder da sind! Denn wir lesen sie einfach zu gerne, die Schlagzeilen, die da lauten: »Teufel spricht vielen aus den Herzen«, »Teufel übt scharfe Kritik an CDU« oder »Teufel von Oslo legt Geständnis ab«.

Nur nicht aufhören! Ihre Teufelsanbeter von der

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Sänger Max Mutzke!

Sänger Max Mutzke!

Zum Thema Klimawandel und Verkehr klagten Sie im Interview: »Es gibt bei uns eine Verbindung, da fahr ich 10-12 Minuten mit dem Auto hin. Weil der Ort aber auf dem Berg liegt, fährt der Bus mehrere Stationen an und es dauert fast zwei Stunden. Aber da arbeiten Leute.«

Wir wissen nicht, wie der Berg, auf dem Sie wohnen, beschaffen ist und wer dort die Busrouten plant. Aber mal angenommen, Sie würden wegen der langen Busfahrt den einen oder anderen Auftritt verpassen, wäre das nicht ein weiterer Grund für die »Öffis«?

In diesem Sinne: Go green!

Titanic

 Liebe Alte,

»Drogenhandel und Abzocke von Senioren« titelte kürzlich die Braunschweiger Zeitung. Also, dass Ihr abgezockt werdet, finden wir natürlich echt doof, aber: Wie läuft es denn so mit der Rentenaufbesserung durch den Drogenhandel?

Fragt schon mal prophylaktisch: Titanic

 Sylt Marketing Gesellschaft!

Du machst auf dem Festland mit dem Slogan »Sylt macht sychtig« auf die umrissbekannte Nordseeinsel aufmerksam. Und ja, sie hat noch mehr negative Eigenschaften! Sylt ist syndhaft teuer, das Publikum dort verhält sich dynkelhaft. Ja, die ganze Ynsel ist bei genauerer Betrachtung das reinste Shythole, ein Besuch dort kompletter Unsynn!

Steht fürs nächste Brainstorming gerne bereit: Titanic

 Was ist da los, deutsche Medien?

»Die radikalen Impfgegner vom Alpthal« besuchte der Spiegel und fragte dazu mit brennendem Reporterehrgeiz bereits im Teaser: »Nun verweigerte ein Dorf gar dem Impfbus die Einfahrt. Was ist da los?« Gute Frage. Der auch die Taz nachgeht: »Im Schwarzwaldkreis Rottweil sorgen Impfgegner für gereizte Stimmung. Was ist da los?« Womöglich Ähnliches wie im Nordosten. Die B.Z.: »Was ist da los? Corona-Lage in Brandenburg doppelt so schlimm wie in Berlin«. Aber nicht nur im Zuge der Pandemie verlangt überraschender Tumult nach unverzüglicher Aufklärung: »Was ist da los? Bei Bella Hadid fließen Tränen« (N-TV); »Was ist da los? Anouar wurde bei The Voice disqualifiziert« (Berliner Kurier); »Was ist da los? NFL-Superstar schon wieder verletzt«. Gut, dass Bild sich der Sache annimmt, denn die FAZ ist gerade mit Wichtigerem beschäftigt: »Die neue Apple Watch 7 ist angekündigt, aber Garmin hält sich bei seinem Top-Produkt zurück. Was ist da los?«

Der, die, das, / wer, wie, was / wieso, weshalb warum? / Wer nicht fragt, bleibt dumm – sicherlich. Wer allerdings immer dasselbe fragt, auch.

Überfragt: Titanic

 Wie viele Achtundsechziger, Udo Knapp,

bist auch Du, je älter Du wurdest, politisch immer weiter von links nach rechts marschiert: Du warst der letzte Vorsitzende des SDS, anschließend in einem Verein namens »Proletarische Linke«, um dann in den Achtzigern auf dem rechten Flügel der Grünen zu landen und schließlich bei der SPD, und zwar eigentlich nur, damit Du was in den Kolonien werden konntest, am Ende stellvertretender Landrat. Heute kritisierst Du die Gewerkschaften dafür, dass sie nur immer wieder Lohn fordern, wie man das als einer, der nichts gelernt hat bis aufs Lamentieren, halt so macht.

Dieser Weg verbindet Dich mit dem wohl dümmsten deutschen Sänger, Wolf Biermann, weshalb Du dem »alten weisen Mann« (Dein O-Ton) auch neulich so kenntnisfrei wie pathetisch zum Geburtstag gratuliertest: »Biermann hat den größten Teil seines Lebens in zwei furchtbaren deutschen Diktaturen verbracht. In beiden hat er gelitten, aber beide hat er mutig streitend und widerstehend überlebt.«

Wie man nun aber jeder Biermann-Bio entnehmen kann, hat der walrossbärtige Dödelbarde nur acht Jahre unter den Nazis und 23 Jahre in der DDR gelebt; die restlichen 53 jedoch im goldenen Westen (britische Besatzungszone, BRD und Gesamtdeutschland). Daher nun unsere Frage: Bist Du Dir, Udo Knapp, sicher, dass Du auf Deine alten Tage die Bundesrepublik Deutschland, in der Du so schöne Posten innehattest, wirklich als furchtbare Diktatur bezeichnen willst?

Wie meinen? Es stand doch bloß in der Taz, und in keiner richtigen Zeitung? Und rechnen konntest Du noch nie? Na dann, weitermachen, Udo, aber vielleicht demnächst doch ein bisschen, he, he, knapper.

Kurz angebunden: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Alles richtich

Jüngst wurde ich darauf angesprochen, dass das Wort »richtig« aus logopädischer Sicht korrekterweise »richtich« ausgesprochen werden muss. Um mir meine Verwunderung darüber gar nicht erst anmerken zu lassen, entgegnete ich nur ein lässiges »selbstverständlig«.

Fabian Lichter

 Schicksalhafte Wendung

Brüche im Leben gibt es bei allen Menschen. Öfter ist es so, dass jemand nach überstandener schwerer Krankheit das bisherige Streben nach Geld und Ruhm infrage stellt und beschließt, den sinnentleerten Job im Reisebüro, in der PR-Agentur (sehr viel seltener vielleicht auch im Schlachthof) hinzuschmeißen, um nur noch zu malen, zu töpfern, zu fotografieren, einen Gemüsegarten anzulegen oder zu schreiben. Es erfolgt allerdings nicht zwangsläufig eine Neuausrichtung zum Kontemplativen, Musischen. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Fall, in dem der genesene junge Künstler seine Erfüllung als skrupelloser Miethai fand.

Miriam Wurster

 Notgedrungen einfallsreich

Mein Nachbar vergisst seit einigen Jahren regelmäßig seine Bank-Pin. Auf die Karte kann er die Pin natürlich nicht schreiben. Wie er mir vor Kurzem berichtete, hat er eine clevere Lösung für sein Problem gefunden: Um sich die Pin nicht mehr merken zu müssen, aber trotzdem nicht sein Geld zu riskieren, hat er seine Pin einfach auf den einzigen von ihm genutzten Bankautomaten geschrieben.

Karl Franz

 Trost vom Statistiker

Wenn du wieder einmal frustriert bist und denkst, du bist nur durchschnittlich begabt und mittelmäßig erfolgreich, dann wechsele doch einfach in eine andere Stichprobe!

Theobald Fuchs

 Fünfzehn Zeichen Ruhm

Es hat wohl niemand je den Wunsch, um jeden Preis berühmt zu werden, heftiger kritisiert als meine Urgroßmutter. Ich kann mich gut erinnern, dass mein Vater einmal beim Lesen der Zeitung aufschreckte und Uroma ihn fragte: »Was ist denn?« – »Der Franz ist gestorben. Ich habe gerade seine Todesanzeige gelesen.« Sie schüttelte bloß genervt den Kopf und sagte: »Die Leute machen heutzutage wirklich schon alles, um in die Zeitung zu kommen.«

Jürgen Miedl

Vermischtes

Katz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 02.11.:

    "Keinmal um die ganze Welt - Ein Pauschalreiseabend für Zurückgebliebene" - so heißt das WDR-5-Spezial mit Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert.

  • 29.10.:

    Das Bornheimer Wochenblatt berichtet vom TITANIC-Normalitätswettbewerb.

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

Titanic unterwegs
17.01.2022 Mannheim, Alte Feuerwache Max Goldt
21.01.2022 Braunschweig, Staatstheater Max Goldt
26.01.2022 Dresden, Staatsschauspiel Max Goldt
26.01.2022 Hamburg, Polittbüro Thomas Gsella