Briefe an die Leser | August 2011


Und, werter Weltgeist!

Wie wir der Badischen Zeitung entnehmen, wird in Offenburg über fünf Hinterzimmerbordelle gestritten, »die keine baurechtliche Genehmigung haben, ein solches Gewerbe zu betreiben«. Und wer seitens der Stadt Offenburg tut diese Causa öffentlich kund? Ortsvorsteher Daniel Geiler.

Sauber!

Titanic

Otto von Habsburg!

Nun sind Sie also doch noch vor Ihrem hundertsten Wiegenfest in die Wiener Kapuzinergruft eingefahren, um die nächsten tausend Jahre zwischen den bombastischen Zinksärgen Ihrer Altvorderen hinzubringen. Und das ging so: Nach alter Tradition pochte Ihr Hofmarschall dreimal an die Pforte der Gruft, ein Kapuziner rief von drinnen: »Wer da?« Und der Hofmarschall antwortete mit der korrekten Nennung Ihrer Namen und Titel: »Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius, Kaiserlicher Prinz, Erzherzog von Österreich, Königlicher Prinz von Ungarn!« Worauf der Kapuziner von drinnen rief: »Den kennen wir nicht!« Doch siehe, als Ihr Hofmarschall dann aus der Rolle fiel und es beim zweiten Mal damit probierte: »Ein verhinderter Thronfolger, der fast hundert Jahre lang ersatzweise den demokratischen Politiker mimte, dessen Talent von General Franco entdeckt und von Franz Josef Strauß befördert wurde, eine windige, wehleidige, aufgeblasene Person, die sich bei berechtigter Kritik gleich als verfolgter Jude halluzinierte, kurz, ein alter Wirrkopf und Wichtigtuer, der jetzt endlich den Schnabel hält«, da ging das Tor zur Gruft auf, und – ja, okay, war leider nicht so. Weil ein Hofmarschall derer von Habsburg natürlich auch im Jahre 2011 alle Faxen mitmacht. Und artig den richtigen Text aufsagt: »Ein armer Sünder.« Haha!

Viel Spaß mit der modernden Despotencamarilla!

Titanic

Chapeau, Welt online!

Da hast Du ja am 10. Juli fast ein bißchen Aufklärung betrieben, als Du die beiden Schlagzeilen »Rüstungsexporte: Waffen made in Germany weltweit höchst begehrt« und »Innenminister Friedrich: ›Wer den Tod liebt, der kann ihn haben‹« so kunstvoll nebeneinander plaziertest. Wie bitte? Soll nicht wieder vorkommen?

Dachte sich schon:

Titanic

Wow, Unterhaltungsgenie Thomas Gottschalk!

Kurz vor Deinem letzten regulären »Wetten, daß..?«-Auftritt auf Mallorca hast Du, um eine verlorene Stadtwette einzulösen, als DJ am Ballermann ganze dreißig Minuten lang ohne Pause so dermaßen heiße Tanzflächenfeger wie »Satisfaction« (Rolling Stones, 1965) oder »Black Betty« (Ram Jam, 1977) aufgelegt bzw. von Deinem Vize-DJ, dem Mallorcakönig Jürgen Drews, auflegen lassen. Und das Schöne daran ist, so gabst Du danach – wie immer beneidenswert selbstzufrieden – in die Fernsehkamera kund: »Das Schöne ist ja, daß das nicht nur da funktioniert, sondern ich war ja vor ein paar Monaten auch beim Seniorenheim-Fasching, da war genau die gleiche Stimmung, und da hat Black Betty auch funktioniert!«

Tja, Thomas, das ist eben das wirklich Schöne am Älterwerden: Wenn man erst mal selbst so langsam, aber todsicher zur Altersgruppe der Heiminsassen gehört, wie soll es da dann auch noch Generations- bzw. Musikgeschmacksprobleme geben? Dubstep oder Metalcore hört man beim Seniorenheimfasching schließlich erst in 50 Jahren!

Bis dahin, munter bleiben:

Titanic

CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär!

»Ein exklusives Oberschicht-Event, organisiert über geheime Mail-Listen und soziale Netzwerke wie Facebook«: Das ist das »Diner en blanc«, zu dem sich weißgekleidete junge Schnösel bei Champagner und 3-Gänge-Menü im Freien verabreden. »Womit mal wieder«, schreiben Sie im Focus, »bewiesen wäre, daß das Internet kein Hort des Bösen ist« – weil es dafür sorgt, daß der blasierte CSU-Nachwuchs bei seinem exklusiven Gekungel schön unter sich bleibt?

Wir hegen da unsere berechtigten Zweifel!

Der Hort des Guten:

Titanic

Was Sie, Johanna Adorján,

in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unter dem schnittigen Titel »DSK Lation« aus New York über Dominique Strauss-Kahn zu berichten wußten, hat uns erstaunt: »Er dreht sich nicht um. Von hinten sieht es aus, als lächele er.«

Das möchten wir aber genauer wissen: Wie können Sie von hinten sehen, ob einer vornerum lächelt? Grinst der so breit, daß sich die Mundwinkel im Genick zusammenziehen? Oder sehen Sie, was Sie fühlen und ahnen? Das würde auch das tragische Finale Ihrer Kolumne erklären: »Seine Frau beschleunigt ihre Schritte, und gemeinsam verschwinden die beiden im Haus. Durch die Tür ist hinten im Raum eine Traube bunter Luftballons zu sehen, die ratlos unter der Zimmerdecke hängt.«

Wodurch, Frau Adorján, unterscheiden sich ratlose Luftballons von, sagen wir, wohlberatenen? Und wie stellen Sie diesen Unterschied fest? Rutschte Ihnen der alte Film »Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos« von Alexander Kluge unter die Schädeldecke? Oder doch eher Nena: »Daß so etwas von so was kommt, von 99 Luftballons«? So viele Fragen geben Sie uns auf: Können Sie auch Kaffeesatz? Und falls wir Ihnen einmal begegneten, Frau Adorján: Sieht das dann von vorne aus, als ob Sie hinten lächelten?

Immer neugierig:

Titanic

Sehr verehrter Günter Grass,

wieso sagen Sie immer wieder so Sachen, wo man sich hinterher gar nicht fragt, wieso das zuvor noch keiner zu sagen gewagt hat? Wie wir der Nordwest-Zeitung entnehmen, hoffen Sie solche Sachen sogar: »Günter Grass (83) hofft, daß im Frauenfußball weiterhin das Sportliche im Vordergrund steht.« Aber Herr Grass, was sehen Sie denn im Hintergrund lauern? Das Sexuelle? Trikottausch und Tangahöschen? Die Brutalisierung? Blutgrätschen und Kopfstöße? Das vielleicht doch nicht, aber was Ihnen zufolge droht, ist die »zu starke Kommerzialisierung«, weil dann der Frauenfußball seinen »noch dominierenden sportlichen Charakter verlieren« würde. Und wie gefährlich das Kommerzstreben werden kann, das haben Sie ja am eigenen Schreiben erlebt, das längst seinen einst dominierenden literarischen Charakter verloren hat. Oder wollten Sie schon immer bloß reich und berühmt und geschwätzig werden?

Das wäre eigentlich vergleichsweise sympathisch, jedenfalls Ihrer

Titanic

Artigster Gruß, Jan Schaumann!

Sie sind Etikettetrainer in Berlin und raten einem Leser der Süddeutschen Zeitung, der sich beim Abendessen bei seinem neuen Chef »möglichst korrekt verhalten« will, zu diesen Gastgeschenken: »Ein schöner, ruhig etwas ausgefallener Blumenstrauß und eine Flasche guter Wein. Fragen Sie die Floristin nach den verwendeten Zutaten, dann haben Sie bei der Übergabe gleich ein passendes Thema.« Und: »Achten Sie darauf, daß Ihre Strümpfe keine Löcher haben, falls Sie die Schuhe ausziehen sollen und keine Gästeslipper bereitstehen.« Hm, was mögen wohl die Zutaten zu einem schönen, ruhig etwas ausgefallenen Blumenstrauß sein? Eventuell schöne, ruhig etwas ausgefallene Blumen? Und was ist, wenn man die Hose ausziehen soll und keine Gästehose bereitsteht? Darf man dann kündigen? Oder muß man dem Chef die Fresse polieren?

Um ergänzenden Rat bittet:

Titanic

Achtung, Landwirte!

Im baden-württembergischen Ehingen hat eine Kuh am Pfingstsonntag einen 83jährigen Bauern aufgespießt, als er einen Weidezaun reparieren wollte. Die Rente mit 67 wird auf dem Land offenbar strenger überwacht als in der Stadt – demnächst lieber den Junior schicken!

Eure Jungbauern auf der

Titanic

Und wo wir Dich, Benedikt XVI.,

gerade in einem Filmchen sehen durften, das zeigt, wie Du auf einem I-Pad herumpatschst und so eine neue Vatikan-Webseite »launchst«, fällt uns ein, daß wir Dich seit dem Start der »Vatikan-App« schon fragen wollten, ob für Euch da unten in Rom eigentlich auch Apples strenge »In-App-Purchase«-Regelung gilt, d.h. die Verpflichtung, alle Angebote außerhalb des Programms, auf die es hinweist, auch im Programm selber zum Kauf anzubieten? Und wenn ja, kassiert Apple auch auf Ablaßzahlungen seine üblichen 30 Prozent?

Oder gilt hier, wie schon seit den letzten zwei Millennium-Upgrades: Alles Vatikan, nichts muß?

Titanic

André Stephan!

Sie, mittlerweile gefeuerter Wahlkampfmanager der Berliner Grünen, sind betrunken Auto gefahren und haben bei der Festnahme tüchtig randaliert. War das schon ein erster Vorbote von Schwarz-Grün?

Gut zu wissen!

Titanic

Ach herrje, Amnesty International,

habt Ihr das gehört? Als ob Ihr mit Guantánamo & Co nicht schon genug zu tun hättet, prahlt jetzt auch noch das Kernforschungszentrum CERN im Naturfoltermagazin Nature Physics ganz unverhohlen damit, »309 Anti-Wasserstoffatome für bis zu 1000 Sekunden, fast 17 Minuten, in der Magnetfalle festgehalten« zu haben! Und »daß bei fast jedem Experiment jetzt auch schon ein Anti-Atom eingefangen« werden könne! Verdammt noch mal, da bricht einem doch schon beim Frühstücksei das Herz entzwei, oder? Kümmert Euch!

Eure Anti-Atom-Freunde von der

Titanic

Liiiebe Äiimi Weinhaus…

…Laß’s doch! … Laß’s doch einfach! … Höa doch entlich auf dammidd! … Mach doch entlich Schluß middiesm Au-ma-zwischnduich-nüchdern-sein-Wolln! … Daßßß wirrdoch nix! … Laß’sss! … Unn sauf einfach duich – unn guuudisss! … Unn dann raufauf die Bühne unn runterfalln unn ßurügg ins Bedd oder bess’r gleich gaanich mehr rausausm Bedd odr einfach gleich rein inni Gosse, isssoch egaaal! … Mid imma ssswei Bromille ißaßoch allsss ganßegaaal! … Unn daßissja grad das Schöööööne d’dran, odrrrr?

Cheeeeers!

Titan-hick!

P.S.: Ach, Amy... Da wollen wir Dir gute Ratschläge erteilen, und was machst Du? Knipst zwischen Redaktionsschluß und Hefterscheinen endgültig das Licht aus. Dabei bist Du doch nicht nur eine beseelte Musikerin gewesen, sondern auch unsere letzte große Exzeß-Referenz. Und nun läßt Du uns zurück mit einem Kater und - ja, mit wem? David Hasselhoff? Margot Käßmann? Trotzdem besten Dank für alles.

Guten Tag, Steffen Seibert!

Als wir vor kurzem Ihre Twitter-Präsenz besuchten, wo Sie als leibhaftiger Merkelsprecher tagtäglich Ihre elefantösen Nichtigkeiten ins Universum zu blasen pflegen – da wurde uns, inmitten all des bitterkalten PR-Geschnatters (»Bundesregierung freut sich und wünscht viel Erfolg!«), plötzlich doch ganz herzenswarm. Was lasen wir da nämlich, unterm Rubrum »Similar to @RegSprecher«? Genau: Tazgezwitscher, Spiegel, Tagesschau, ZDF, Sascha Lobo, Extra3, Bundesverfassungsgericht und all die üblichen Verdächtigen. Wozu dann aber, Seibert, der ganze Propagandaaufwand – wenn die alle schon mehr oder minder regierungseigene Betriebe sind?

Fragt Sie und sich:

 

Titanic

Telekom!

Was mußten wir da in der Taz lesen: Du willst »drei der sieben bislang männlichen Vorstandsmitglieder künftig mit Frauen besetzen«? Aber ist das nicht verdammt nah dran an einer dieser geschäftsschädigenden Sex-Sausen, wenn sich da demnächst Frauen auf Deinen Vorstandsmitgliedern herumflegeln?

Eventuell ein bißchen neidisch:

Titanic

Markus Ückert vom Zollamt Lörrach!

Im Zeitungsinterview sprachen Sie über Ihre Arbeit: »Zunächst einmal: Die Personen, die wir kontrollieren, nennen wir Zollbeteiligte. (…) Den Begriff ›Verhör‹ gibt es bei uns nicht. Wir nennen das Informationsgespräch. (…) Tatverdacht spielt überhaupt keine Rolle. Wir machen verdachtslose Kontrollen.« Wenn ein »Zollbeteiligter« allerdings »nicht kooperiert«, vermuten Sie durchaus, er könnte »was verstecken«. Dann wird aus der verdachtslosen Kontrolle ruckzuck eine verdachtsgeleitete. Und wenn nach einem kurzen Informationsgespräch beim Zollbeteiligten kein »Gesinnungswechsel« eintritt? »Die Kollegen können bestimmte Griffe anwenden und (…) bei Gegenwehr fixieren.«

Prima. Gibt’s dann endlich auch wieder »Verhöre«, »unmittelbaren Zwang« und »massive Schmerzzufügung«?

Nur fürs erste beruhigt:

Titanic

RTL-Mittagsmagazin »Punkt 12«!

Könnte Euer Hollywoodreporter Frank Fastner nicht für noch mehr Beiträge verantwortlich zeichnen? Es ist einfach zu köstlich, wenn Katja Burkhard ihn anmoderiert.

Bitte, bitte, bitte!

Eure Fischersfritzchen von der

Titanic

Auch Sie, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg),

mochten die atomare Katastrophe im japanischen Fukushima nicht ignorieren und beantworteten daher die Frage »Was ist Pfingsten?« in Ihrer diesjährigen Pfingstpredigt so: Pfingsten sei »die Energieoffensive Gottes für uns Menschen«, Pfingsten mache »die Kraftquelle der Kirche, die entscheidende Kraftquelle unserer Welt sichtbar«, Pfingsten komme »einer Energiewende gleich«.

Und das lief, wie Sie uns erinnern, so ab: »Die Menschen in Jerusalem kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus; sie horchten auf, liefen zusammen, wurden neugierig. Sie spürten: Da tut sich etwas Neues auf. Da ist eine Kraft am Wirken, die Menschen verändert, verwandelt und antreibt.« Und in den Jüngern schließlich »wird eine Energie frei, die sie alle Angst und Zaghaftigkeit überwinden läßt. Mit Zivilcourage und Mut verkünden sie: Jesus, den ihr ans Kreuz geschlagen habt, lebt.«

Zollitsch! Soll das etwa heißen, wir sollten es mit Holzpellets statt mit Atom versuchen?

Hosianna!

Titanic

Junge und gut ausgebildete Griechen!

Ihr müßt ja tatsächlich verzweifelt sein, wie uns die FAZ berichtete: »Viele Griechen glauben nicht mehr daran, daß ihr Land den Weg aus dem Abgrund findet. Vor allem die jungen und gut ausgebildeten entscheiden sich daher für das Ausland: ob Schweiz oder Dubai, ist ihnen egal, Hauptsache weg.« Und für Eure Schicksalsgenossen in Italien heißt es dann bald wohl: ob Lamborghini oder Ferrari, Hauptsache Auto.

Schon weg:

Titanic

Mensch, Ulf Poschardt,

schneller noch, als Wolfgang Schäuble die jüngste Steuersenkungsankündigung der Regierung wieder zerlegen konnte, bist Du in der Welt über den »ersten Coup des neuen Vizekanzlers Philipp Rösler« ganz aus dem Häuschen geraten und hast dabei pflichtgemäß die Spielverderber aus der Opposition bemosert, die Deine Begeisterung nicht teilen wollten und damit zeigten, »welch Geistes Kind sie sind«, denn: »Wer so wenig von Leistungsgerechtigkeit versteht, zerstört jedes Gerechtigkeitsgefühl.«

Aber Poschel! Wir müssen ja nicht mal auf Deine eindrucksvolle Leistung bei Condé Nast verweisen, für die Du mit der von Dir verantworteten Vanity Fair ganz gerecht baden gegangen bist und dabei satte 50 Millionen versenkt hast. Es reicht schon ein Blick auf Deine politische Analysefähigkeit – »Für die Liberalen ist dieser Vorstoß jetzt schon ein Erfolg« –, um jedes leistungsbezogene Gerechtigkeitsgefühl zu vernichten. Denn für Deine intellektuellen Totalausfälle wirst Du ja vermutlich auch noch irgendwie bezahlt.

Auf Deinen endgültig letzten Coup wartet:

Titanic

Silvana Koch-Mehrin!

Nach der Aberkennung Ihres Doktortitels gestanden Sie ein: »Meine Doktorarbeit ist nicht frei von Schwächen, nicht selten ungenau, oberflächlich und manchmal geradezu fehlerhaft.« Aha – Sie hatten aber nicht zufällig aus dem FDP-Programm abgeschrieben, oder?

Küßchen:

Titanic

Beste Frau Merkel!

Viel wird ja über Sie und Ihre liebe Not gespottet, beim Aufsagen deutscher Sätze nicht immer zu verunfallen, und die Not, sie ist halt eine große: »Was das Thema Ratingagenturen anbelangt, glaube ich, ist es wichtig, daß wir uns unsere eigene Urteilsfähigkeit nicht sozusagen wegnehmen lassen« – dabei kann man derlei Tapsigkeiten durchaus als Ausdruck harmloser Zivilität begrüßen! Mit anderen Worten: Wenn statt Goebbels Sie im Sportpalast gestanden und verkündet hätten: »Was das Thema ›totaler Krieg‹ anbelangt, glaube ich, ist es wichtig, alle potentiell Mitwirkenden zu fragen, ob sie sozusagen einverstanden sind«, es wäre doch vieles anders, ja besser gekommen.

Sozusagen auf Ihrer Seite:

Titanic

Silke Rottenberg!

Nach der überzeugenden WM-Viertelfinalleistung der deutschen Frauennationalmannschaft gegen Frankreich, als noch alles möglich schien, behaupteten Sie als ehemalige Nationaltorhüterin und ZDF-Expertin, jetzt dürften sich die Spielerinnen zur Belohnung bestimmt auch mal ein Bierchen gönnen – die seien ja schließlich alle über achtzehn –, um dann fast erschrocken nachzusetzen: »Aber alkoholfrei natürlich!« O je, Frau Rottenberg! Wenn die Mädels es also mal so richtig krachen lassen wollen, dann köpfen sie zusammen eine Flasche Clausthaler, aber natürlich nur, wenn sie volljährig sind? Wenn es da wirklich so neubiedermeierlich korrekt zugeht, berauschen wir uns um so lieber wieder an den urprolligen Weißbierströmen der männlichen Kollegen. Denn Alkohol ist, wie dritte Plätze, was für Männer und für

Titanic

»Zeit«-Herausgeber Josef Joffe!

Sie fragen: »Was hat Dominique Strauss-Kahn gemeinsam mit Effi Briest, Madame Bovary und Anna Karenina?« Ja, was denn? »Die schlichte Antwort: den sündigen Sex.« Oha, das ist aber tatsächlich ganz schön schlicht – selbst für einen Zausel wie Sie! Aber einen kleinen Unterschied gibt es doch, wie Sie eingestehen: »Früher, bei Effi und Kolleginnen, war’s die unbändige Sexualität der Frau, die ins Verderben führte; heute ist es der überschießende Lust- und Machttrieb des Mannes.«

Gut, Joffe, nehmen wir einmal an, Ihr Vergleich zwischen einem realen Menschen des 21. Jahrhunderts und Romanfiguren des 19. basierte auf mehr als Ihrem überschießenden Plappertrieb: Könnte es dann nicht sein, daß die behauptete Differenz eher eine Kontinuität ist? Schließlich dienten die (von Männern erdachten) Verführungen der fiktionalen Damen doch gerade als Warnung davor, die Macht des Mannes über die Sexualität der Frau in Frage zu stellen. Für Sie allerdings zeigt sich im von Ihnen erfundenen Vergleich »ein gewaltiger Kulturwandel, der sich im Westen in unzähligen Gesetzen über properes Sexualverhalten niederschlägt. Sie gelten zwar beiden Geschlechtern, treffen in der Praxis aber die Männer.«

Gute Güte, Joffe: Was zur Hölle haben Sie für ein sündiges Sexualverhalten, daß auch nur ein westliches Gesetz Sie in der Ausübung Ihrer Lust einschränkt?

Will’s gar nicht so genau wissen, weil’s vermutlich ins Verderben führt:

Titanic

Und Du, Coca-Cola,

feierst in diesem Jahr Dein 125. Jubiläum und bedankst Dich dafür mit einer zuckersüß menschelnden TV-Werbung. »›Liebe‹ hat mehr Treffer als ›Haß‹«, säuselt es da beispielsweise zu einem Bild der Google-Startseite, und: »Während ein Wissenschaftler eine neue Waffe entwickelt, backen 1 Mio. Mütter einen Schokoladenkuchen.« Beim Weitergoogeln stellten wir allerdings fest: »Sex« hat zehnmal so viele Treffer wie »Liebe«, der Wikipedia-Artikel zu BDSM ist doppelt so lang wie der zu Freiheit, und die Rezepte für Schokokuchen stinken mit einer halben Million Google-Ergebnissen gegen anderthalb Millionen Bastelanleitungen für Bomben ganz schön ab. Isidro Gil übrigens, der ermordete Gewerkschaftsführer Deines Werks in Kolumbien, kommt auf harmlose dreizehntausend Hits. So erklärt sich uns schließlich doch noch Dein Schlußsatz: »Es gibt viele Gründe, an eine bessere Zukunft zu glauben.«

Prost:

Titanic

Dünnblaublütige Donata von Samson-Himmelstjerna!

Als Jugendsprecherin der »Vereinigung der deutschen Adelsverbände« warnen Sie uns im Jugendsprechermagazin »Jetzt.de« mit Hinweis auf von Guttenberg und seine Verfehlungen eindringlichst vor einem bösen Trugschluß, dem allerdings noch kein Mensch mit unadeligem Namen je erlegen ist: »Es ist ein Trugschluß zu denken, daß jemand mit einem adeligen Namen nie einen Fehler macht. Wir sind auch nur Menschen.« – Ja, seid Ihr vielleicht. Oder könntet Ihr zumindest noch werden. Wenn Ihr Euch eben nur ein klitzekleines bißchen mehr mentale Mühe machen könntet. Aber könnt Ihr eben nicht.

Hirnlichst:

Titanic

Grüß Gott, Johannes B. Kerner!

Im Quizteil Ihrer Sendung »Kerner« fragten Sie die Kandidaten, was denn wohl Fukushima bedeute. Des Rätsels Lösung: »Das Wort Fukushima besteht aus den Zeichen für Glück und Insel – Glücksinsel. Völlig verrückt, nach den Vorkommnissen. Nach der Katastrophe hätten die das nicht mehr so genannt.« Wer weiß, Kerner, wer weiß? Aber in dem Fall haben die »das« ja schon vorher so genannt. Werden sie’s halt umbenennen – nach den Vorkommnissen – oder auch nicht.

Völlig verrückt nach Ihrem Geschnatter:

Titanic

Hey, Münchner »Abendzeitung«!

Daß »In/Out«-Listen mittlerweile völlig out sind, braucht Euch nicht zu interessieren. Wenn Ihr in Eurer Ausgabe vom 2. Juli jedoch unter »Out« das »Radeln im Regen« vermerkt, weil die »Jeans klebt und müffelt, und der Block in der Tasche ist durchweicht«, dann müßt Ihr Euch schon fragen lassen: War denn so was jemals in?

Bitte Bescheid geben!

Titanic

Ach, kommen Sie, Mathias Döpfner,

da beschweren Sie sich im SZ-Interview über die kostenlose Tagesschau-App und bringen was als Argument vor? »Es geht schlicht um die Frage, ob Qualitätsjournalismus als Geschäftsmodell noch Bestand haben wird.« Räusper… wie bitte? Qualitätsjournalismus? Döpfner, alter Schlüpferschnüffler, haben Sie vergessen, welchem Verlag Sie den Vorstandsvorsitz machen? Wir erinnern Sie gratis: Es ist Springer.

Da nich’ für: Ihre Qualitätsjournalisten von

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hotel Detva, Detva, Slowakei,

in Deiner Hausordnung schreibst Du: »Das Umssstellen der Mobel ist verboten. Bei Zuwiderhandlung Berechnen wir EUR 3,32.« Und, Hotel Detva, für EUR 6,64 darf man auch das Nachbarzimmer umräumen?

Frage für die Urlaubsplanung von Titanic

 Winfried Kretschmann!

Winfried Kretschmann!

Bei einer Debatte über Künstliche Intelligenz und Ethik beim Katholikentag in Stuttgart sagten Sie: »Ich schaue mir gern Opern auf Youtube an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt uns ja nach kurzer Zeit, sie weiß, wo mein Geschmack liegt.« Und über den Algorithmus befanden Sie: »Und dann ist er noch so raffiniert, weil er wahrscheinlich rausgefunden hat, dass ich ein Mann bin, denn ab und zu kommt ein Porno dazwischen. Und ich denke, was ist jetzt das?«

Bon, Kretschmann, aber verhält es sich nicht anders herum? Sie sind ein Mann und schauen gern Pornos auf Youporn an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt Sie ja nach kurzer Zeit und weiß, wo Ihr Geschmack liegt. Und dann ist sie noch so raffiniert und hat wahrscheinlich rausgefunden, dass Sie Opernfreund sind, denn ab und zu kommt »Tosca« oder »Fidelio« dazwischen. Und Sie denken, was ist jetzt das?

Da nicht für: Titanic

 Computercracks der ersten Stunde!

Als wir neulich die Oma ins Sanitätshaus begleiteten, vertrieben wir uns die Wartezeit mit dem Lesen der Namen von Rollatoren und staunten nicht schlecht: Es gab ein Modell »Pixel«, eins hieß »Server«, ein drittes war nach dem Prozessor »Athlon« benannt.

Da die Benennung von Gehhilfen vermutlich wie bei allen anderen Waren auch auf der Basis von Zielgruppenanalysen entsteht, fragen wir uns nun und hier auch Euch: Ist es schon so weit mit Euch? Gerade noch die Wochenenden im WDR Computerclub durchgemacht und anschließend gleich weiter zu den Kumpels, um bei den Summer Games den Joystick im Staffellauf zum Glühen zu bringen, und nun schiebt Ihr Euch nur mühsam vorwärts? Bei »Civilisation« einen Kontinent nach dem anderen erobert, jetzt inkontinent? Den ehemaligen Königen im Assembler-Programmieren musste ein Chirurg den gesplitterten Oberschenkelhals wieder zusammensetzen? Statt »Resident Evil« zocken in der Seniorenresidenz hocken?

Und kommt es Euch eigentlich auch so vor, als sei die Lebenszeituhr ziemlich übertaktet? Titanic

 Unangenehm, »Spiegel«!

In Deinem Porträt der Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker weißt Du uns das Folgende zu berichten: »Wenn man ein paar Stunden mit Decker verbringt, kann man sich gut vorstellen, warum sie viele Freunde hat. Man kann mit ihr aufs Klo gehen und neben ihr pinkeln, ohne dass es sich komisch anfühlt.«

Damit hast Du, Spiegel, einen neuen Lackmustest für Freundschaften etabliert. Nach vielen Litern Bier haben wir unsere Freund/innen antanzen lassen und müssen nun traurig zugeben, dass es sich jedes Mal komisch angefühlt hat, vor ihnen zu pinkeln.

Leergepisst und schrecklich einsam: Titanic

 Vonovia!

In einem Schreiben an Deine Mieter formulierst Du hilfsbereit: »Uns ist bewusst, dass die Mieterhöhung für einige Mieter finanziell sehr belastend sein kann. Falls dies bei Ihnen der Fall ist, wenden Sie sich bitte an das Vonovia Mietenmanagement. Vielleicht können wir bei der Suche nach einer Lösung behilflich sein, zum Beispiel, indem wir Ihnen eine kostengünstigere Wohnung anbieten.«

Wie gutherzig, Vonovia! Du scheinst in Sorge zu sein, Du könntest zahlende Kundschaft, die sich Deine Miete nicht mehr leisten kann, endgültig verlieren. Aber kostengünstigere Wohnungen? Ernsthaft? Vermietest Du noch keine Parkbänke und Schlafplätze unter Brücken, die von ihres Wohnraums Beraubten bald aufgesucht werden müssen?

Tapeziert bereits die Hundehütte: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Kein Mitgefühl

In Leute, die keine Empathie empfinden, kann ich mich einfach nicht hineinversetzen.

Laura Brinkmann

 Fragment

Kafka war schon deshalb ein größerer Autor als Proust, weil dieser zu Lebzeiten nur einen einzigen Meisterroman nicht vollenden konnte, Kafka hingegen gleich drei unabgeschlossen ließ? Äußerst reizvolle These! Aber irgendwie unfertig …

Andreas Maier

 Frühwarnsystem

Aufgrund meines spärlichen Haupthaars merke ich stets als Erster, dass es zu regnen beginnt.

Fabio Kühnemuth

 Der Fehler im Rogen

Ich kann mir nicht helfen: Jedes Mal, wenn ich Kaviar esse, habe ich ein Störgefühl.

Lukas Haberland

 Selbsterkenntnis

Dass ich dann doch ein ziemlich verwöhntes Arschloch bin, habe ich gemerkt, als ich neben einem schlafenden Obdachlosen eine geschenkte Tüte Nachos sah und ganz kurz dachte »Was soll er damit? Er hat doch gar keinen Dip.«

Karl Franz

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Katz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 08.08.: Moritz Hürtgen und Dax Werner sprachen mi dem hr zum Thema "Sind wir alle zu ironisch?!"
  • 25.07.:

    Merkur.de fasst die Reaktionen auf einen Uwe-Seeler-Cartoon von TITANIC zusammen.

  • 23.07.:

    Tag24 berichtet, dass TITANIC den Tod Uwe Seelers für einen "fragwürdigen Witz missbraucht" hat.

  • 08.06.:

    Christian Y. Schmidt lehrt bei Arte Karambolage Wissenswertes über den Gießkannenhalter auf deutschen Friedhöfen.

  • 19.05.:

    Herausgeberchefin Ella Carina Werner verrät im Fragebogen vom Medium Magazin ihre Zukunftsideen für TITANIC.

Titanic unterwegs
16.08.2022 Berlin, Pfefferberg Theater Max Goldt
17.08.2022 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Buchpräsentation »Die große Marie Marcks«
19.08.2022 Zeven, Volksbank Gerhard Henschel
24.08.2022 Chemnitz, Villa Esche Tim Wolff