Briefe an die Leser | Oktober 2009


Denk mal, Linkspartei!

Wenn Deine Wahlplakate auf Dein politisches Programm für die Zeit nach der Bundestagswahl schließen lassen, dann sind wir aber mal sehr gespannt: Erst »Reichtum für alle«, dann »Reichtum besteuern!« –
also, von Wirtschaftskreisläufen verstehst Du was!
Bleibt dann doch lieber arm:

Titanic

Aber warum, »SZ« et mult. al.,

verwendet Ihr, wenn Ihr über die mittlerweile entlassene NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze und Ihre »Drehbuchaffäre« um unter falschem Namen von ihr und ihrem Mann verfaßte und von ihr für den NDR angekaufte Drehbücher berichtet, fast immer dieses eine Foto von ihr?
Etwa um damit mahnend an eine der ragenden Produktionen aus lang vergangener Zeit des seitdem so doll verflachten deutschen Fernsehens, »Die toten Augen von London«, zu erinnern?
Wüßte gern der Klaus-Kinski-Gedächtniskreis c/o

Titanic

Och, Berlusconi!

Nur weil der Staatsanwalt Antonio Di Pietro behauptete, Sie hätten einen an der Waffel und sollten sich einer psychiatrischen Behandlung unterziehen, wurden Sie gleich launig: »Es genügt zu betrachten, was ich in 15 Monaten Amtszeit getan habe, um zu begreifen, daß ich nicht krank, sondern Superman bin!« Bei allem gerechten Ärger, caro: So leicht gibt man doch nicht seine geheime Identität preis!
Es schickt schon mal ein Päckchen Kryptonit:

Titanic

Marcel Reif!

»Als der liebe Gott Mineiro fragte, ob er die Ohren lieber ganz nah am Kopf haben wolle oder Fußballspielen können, hat er sich für Fußball entschieden.« Ganz schön ulkig, Reif, ganz schön ulkig. Aber was halten Sie davon: Als der liebe Gott Marcel Reif fragte, ob er lieber ein kompetenter Fußballkommentator oder ein herablassender Dampfplauderer werden wolle, hat der Marcel Reif geantwortet: »Was wagst du Wurm, mich anzusprechen?« Gut, nicht?
Stets mit den Ohren ganz dicht dran:

Titanic

Und wenn Du, Deutsche Post,

einen Brief, in dem Du Dich für den Verlust eines Einschreibens entschuldigst, mit folgendem Absatz beendest: »Wir freuen uns, wenn die Leistungen unseres Unternehmens bei der Beförderung Ihrer Sendungen künftig wieder Ihren Erwartungen entsprechen« – entgeht Dir da nicht evtl. eine gewisse Zweischneidigkeit in der Formulierung?
Erwartungslose Grüße:

Titanic

Liebe Renate!

Vor 30 Jahren, im Herbst, da taten Sie etwas sehr Schönes, Gutes und Wahres: Sie abonnierten TITANIC, von der ersten Nummer an. Und die Jahre gingen ins Land, und Kohl kam und ging wieder, und Honecker ging und kam nicht wieder, und die rotgrüne Saubande kam und ging, um dem Merkel Platz zu machen, und es wurde Winter und Frühling und Sommer und wieder Frühling, und mal waren Sie glücklich und mal waren Sie unglücklich, aber jeden Monat, kurz vor dem letzten Freitag, lag eine druckfrische TITANIC in Ihrem Briefkasten.
So lange, liebe Renate, hat außer Ihnen niemand durchgehalten: eine Abonnentin der ersten Stunde, wie es, das wissen unsere Archive, keine zweite mehr gibt. Sie sind die älteste, die treueste und deshalb auch: die Beste.
Glauben Sie’s ruhig!
Und zwar Ihrer alten treuen

Titanic

Stefan Raue!

Sie mußten im Wahlblog des ZDF einen Anachronismus beklagen: »Die Rede ist von der Vision einer ›bürgerlichen Mehrheit‹, von ›bürgerlichen Parteien‹… Doch schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hielt ein kluger Soziologe wie Werner Sombart derartige Begrifflichkeiten für längst überholt. Das gilt erst recht für die Gesellschaft der Bundesrepublik, in der die Vorstellungen von Schichten, Klassen und sozialen Gruppen immer undeutlicher und verschwommener wurden. Die Bildungssysteme wurden immer durchlässiger, der soziale Aufstieg vieler durchlöcherte die Grenzen zwischen Bürgern und Arbeitern, die deutsche Gesellschaft sortierte sich neu.« Freilich möchte man Ihrem klugen Soziologen entgegenhalten, daß noch so verschwommene Vorstellungen von einer Sache kein Beweis gegen ihre Existenz sind und ein »Aufstieg« halt doch so was wie einen Rangunterschied signalisiert; aber wozu die Mühe, wo Sie bürgerliches Leben – Klassen gibt’s ja nicht mehr – doch eh nur noch in der Kulturpolitik von »Freiburg, Tübingen, Konstanz oder Stuttgart« finden können. »Und dort regieren häufig: die Grünen. Bürgerlich?«
Und diese letzte Frage, Stefan Raue, läßt immerhin den Schluß zu, daß nicht nur die Bildungssysteme reichlich durchlässig sind; bzw. nicht ganz dicht.
Ihre Bürgerschrecken von

Titanic

Daß man, Jan Drees,

Peter »Fehlfarben« Heins Büchlein »Geht so« nicht genug loben kann, da sind wir ja voll mit Ihnen d’accord. Aber bei Ihrer Buchempfehlung auf Eins Live haben Sie sich, wie das Zitat daraus in der Taschenbuch-Neuausgabe von Heins Buch belegt, an der Metaphernsalatbar den Teller doch etwas zu voll geschaufelt: »Hein bringt das Punkding zurück ins blaß gewordene Literaturspielfeld, Gott sei Dank!«
»Ein blasses Feld« war nämlich der Grass und nicht der Hein, gell?
Wissen die jungen blassen Punkdinger von der

Titanic

Kurz nachgefragt, »Süddeutsche«!

Der Satz »Die besondere Verantwortung Deutschlands für Israel erfordert Offenheit, nicht Zurückhaltung«, der dick auf Deiner Kommentarseite hing, verstehen wir den richtig? Weil Deutschland der Rechtsnachfolger des Staates ist, der sämtliche Juden ermorden wollte und dabei ziemlich weit vorankam, haben wir zu dem Staat, der deswegen nötig wurde, eine Art Eltern-Kind-Beziehung, bei der wir den jüdischen Bälgern einen Gefallen tun, wenn wir sie maßregeln? Und wär’s also, Süddeutsche, nach den berühmten tausend Jahren schwarzbrauner Pädagogik nicht besser, das Schulmeistern sein zu lassen?
Fragt offen:

Titanic

Roland Berger!

Anläßlich der auslaufenden Abwrackprämie prophezeiten Sie der deutschen Autobranche düstere Zeiten: Einer »Studie« Ihres Partners Ralf Landmann zufolge sind trotz staatlicher Hilfen mehr als 90000 Arbeitsplätze in Gefahr, und Sie als weltweit tätiger Unternehmensberater müssen’s schließlich wissen. Für so was hat man seinen Rechner auf dem Schreibtisch stehen, daß er einem die Zahlen addiert, die man der Autoindustrie betr. Stellenabbau wahrscheinlich sowieso anheimgestellt hat – eigentlich eine naheliegende Idee, wenn man schon überall als betriebs-wirtschaftlicher Brutalstsanierer unterwegs ist, die Summe seiner Kahlschlagratschläge anschließend als volkswirtschaftliche Prognose zu verkaufen.
In stiller Bewunderung:

Titanic

Sie, Joachim Kaiser,

haben ja nun dankenswerterweise jahrelang Frieden gehalten, sei’s aus Altersweisheit oder ob einer vielleicht doch irgendwo im Keller schlummernden Leiche à la Jens oder gar Grass, und kein Mensch hatte was dagegen. Warum also mischen Sie jetzt in der SZ im »Kehlmanndiskurs« (Regietheater doof oder nicht) all Ihr manieriertes Hochbildungsgefasel noch einmal auf? »So armselig und subaltern es sich ausnimmt, wenn im hohem Stil oder in Versen verfaßte Werke entschlossen modernisiert, trivialisiert, aufs Niveau zotiger Umgangssprache heruntergeholt werden?… Dem ›Tannhäuser‹ Ljubinows im Paris des 19. Jahrhunderts fehlte grotesk die Sündenlast, welche der Besuch des Venusbergs für das mittelalterliche Tugendsystem bedeutete … In Prousts elegantem Paris hätte man sich amüsiert«, brummschrummdibumm. »Diejenigen Regisseure wiederum, die sich dabei befriedigen, gewisse Sagenhelden in Nazi-Uniformen zu stecken oder in alten Germanen SS-Leute zu erspüren – sie müßten wiederum einen Umkehrschluß in Kauf nehmen, den sie kaum bedenken. Wenn Ödipus eigentlich Hitler war, dann auch Hitler Ödipus« – genau. Denn wenn Hitler ein Schwein war, dann ist ein Schwein ja automatisch – Hitler!!
Was immerhin dem Vegetarismus die Grundlage entzieht, nicht wahr.
Grüße aus unserem eleganten Frankfurt:

Titanic

Peter Hintze!

Seit Sie im November 1998 als CDU-Generalsekretär demissionierten, interessiert sich im Prinzip kein Aas mehr für Sie. Das ist höchst ungerecht, und so haben Sie jetzt als Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt eine »nationale Mondmission« für schlappe 1,5 Milliarden Euro avisiert: Spätestens 2015 soll ein Roboter zum Mond geschossen werden, der dort »entweder rollend oder krabbelnd« die berechtigten deutschen Interessen wahrnehmen, sprich: die deutsche Flagge einrammen soll. Wir können Sie bei diesem ehrgeizigen Projekt nur unterstützen: Mondfahrt tut not! Nur die Details scheinen uns optimierungsfähig: Warum unbemannt? Warum sollte der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt diese Herausforderung nicht persönlich übernehmen? Dadurch könnte man nebenbei die Kosten halbieren, indem man den Rückflug streicht. Sie bleiben einfach oben und halten für uns die deutsche Fahne hoch; ginge das? Ein kleiner Schritt für Sie, ein großer für Deutschland!
Lalelu:

Titanic

Tillmann Prüfer (»Zeitmagazin«)!

Zwar wissen wir, daß man es, wenn man eine Stil-Kolumne für die Werbebeilage der Uhren-, Schmuck- und Modeindustrie schreibt, nicht so genau mit journalistischer Sorgfalt nehmen muß; aber für lustige Unfälle sind wir natürlich sofort zuständig: »Das Motiv zeigt die beiden ersten Menschen auf dem Mond, Louis Armstrong und Edwin Aldrin«, weil Sie nämlich eigentlich Buzz Lightyear und Edwin Moses meinten. Oder Lance Armstrong!
What a wonderful world!
Ihre Oberprüfer auf der

Titanic

Und apropos, Sportartikelhersteller Jako!

Nach der großen Empörungswelle, die durch die Blogs und Zeitungen schwappte, hast Du Deine Rechtsanwälte zurückgerufen und Dich dafür entschuldigt, daß Du einem Blogger für seine despektierlichen Äußerungen gut 5000 Euro Abmahngebühren abknöpfen wolltest. Aber warum eigentlich? »Jako war schon immer das Aldi oder Lidl unter den Sportausrüstern«, hatte der Fußballblogger geschrieben, und das war doch tatsächlich der reine Quatsch. Denn Aldi und Lidl kennt nun wirklich jeder – Dich, Jako, aber kein Schwein!
Immer schön sportlich:

Titanic

Sie, Bernhard Bueb,

Ihres Zeichens Ex-Direktor der Elitesonderschule Schloß Salem, erklärten am 4. September im Rahmen der überhaupt sehr einfallsreichen Welt online-Serie »Wen ich nicht wähle«, unter keinen Umständen Ihr Kreuzchen bei der Linkspartei machen zu können (wegen der »Torheiten in ihrem Programm«), während die übrigen vier Parteien sich Ihrer Meinung nach »in ihren Programmen kaum« unterscheiden und genau deswegen für Sie »prinzipiell wählbar« sind: »Die Wahl zwischen CDU und SPD gleicht einer Wahl zwischen Lidl und Aldi.« Genau, Bueb – denn für die wirtschaftliche und ökologische Ausbeutung von Drittweltländern, die beherzte Beschneidung von Arbeitnehmerrechten und gegenseitiges Abkupfern auf Billigstniveau stehen ja nun beide gleichermaßen!
Ihre Wahlbeobachter auf der

Titanic

Elke Vogel (dpa)!

Wenn man für eine Nachrichtenagentur über Filme schreibt, von der Sache aber nichts versteht und deswegen in seiner Rezension lieber auf das ausweicht, was man wohl für einen moralischen Diskurs hält, dann kommt Ergötzliches bei raus: »Auch wenn Quentin Tarantinos ›Inglourious Basterds‹ lebenden Nazi-Soldaten Hakenkreuze in die Stirn schnitzen, kann sich der Zuschauer einer gewissen Genugtuung nicht erwehren. Dabei begibt man sich mit solchen Rachegelüsten natürlich auf die gleiche Ebene wie die Täter – Gewalt mit Gegengewalt zu erwidern war noch nie die beste Lösung, obwohl Tyrannenmord zweifellos sinnvoll sein kann.«
Zweifellos, Frau Vogel, bloß: Welche Rachegelüste auf gleicher Ebene hatten die Nazis noch gleich? Gegenüber dem Polacken, weil der sie einfach so überfallen hat? Oder dem Juden, weil der ihre Kinder fraß? Und hätte Stalin also besser, statt den Nazi-Soldaten in den faschistischen Arsch zu treten, nicht mit Gegengewalt geantwortet und Auschwitz unbefreit gelassen?
Das sind so Fragen!
Unbefreit:

Titanic

Wespen!

In dringender Sache, die uns, aber ebenso Euch betrifft, möchten wir Euch hiermit friedlich ermahnen, auf daß es nächsten Sommer besser werde: Euer angesichts von Rührei mit Speck, Croissants, Obstsalat und Kirschschorle hysterisches Hin- und Her- und Vor- und Zurück- und insbesondere Ins-Gesicht-Gefliege sieht nicht nur anstrengend aus, es ist auch sinnlos und gefährlich und gereicht außerdem weder Euch noch uns zum Vorteil. Setzt Euch, Wespen, doch mal in Ruhe hin und eßt und trinkt wie andere Leute auch. Schon wären alle zufrieden. Na?
Eure Utilitaristen von der

Titanic

Lieber Manfred Schiedermair!

Wir wissen nicht, was Derdaoben gerade für Vertragsprobleme oder hochverzwickte Gesellschafterverwicklungen auf dem Schreibtisch hat, daß er ohne Ihren Rechtsbeistand nicht auszukommen scheint. Schwer zu sagen, warum er Sie vorläufig einbestellt hat; vielleicht braucht er ja auch nur jemanden zum Rauchen. Wir wissen nur eines: Ohne Ihre kluge Beratung bei der Gründung, ohne Ihren nimmermüden Einsatz, Ihren unverzagten Beistand beim Kampf gegen unsere Verleger – ohne Sie, lieber Herr Schiedermair, hätte es uns so nie gegeben und gäbe es wohl auch nicht mehr. Dafür unseren ewiglichen Dank.
Den wir aber gerne ausweiten zu einem General- und Universaldank für die vielen Tricks und Kniffe, die Sie uns auch noch so ganz nebenher beibrachten: Wie man z.B. jemanden persönlich begrüßt, dessen Namen man gar nicht kennt; wie man aus Kriminalromanen Rechtsexpertisen machen kann; wie man selbst in absoluten Nichtraucherräumen innerhalb von Sekunden einen Aschenbecher hingestellt bekommt. Und was nicht alles mehr. Wenn aber mal unsere Gesichter gar zu sehr hingen, dann gab es doch immer zuverlässig den einen, den advocatus angeli, der dann mit so leiser wie entschiedener Stimme und unverkennbar rheinischem Einschlag das Zauberwörtchen »Stimmung« sagte. Einfach so, und nur einmal.
Das, lieber Herr Dr. Schiedermair, werden wir Ihnen nie vergessen.
Stimmung!
Ihre

Titanic

Sie dagegen, Giulia Siegel,

haben zwar keinen Macker, wie wir im Privatfernsehen ausführlich miterleben durften, geben jetzt aber ein Buch mit unbedingt nötigen Sextips heraus, z.B. als Expertin für Orgasmusverzögerung: »Übe mit Handarbeit. Hol dir einen runter, stoppe kurz, bevor du kommst, warte, bis sich der größte Druck gelegt hat, und mach dann weiter. Irgendwann hast du’s so drauf.« Wir dagegen, Frau Siegel, bleiben lieber bei den alten Methoden – und denken, verzögerungshalber, einfach an Sie.
Geübte Grüße:

Titanic

Ihnen, Gaddafi,

haben Frau und Sohnemann gepetzt, daß sie in der Schweiz kurzzeitig festgenommen wurden, woraufhin Sie nun vor der UN-Vollversammlung formell beantragt haben, die Schweiz aufzulösen und das Staatsterritorium der Eidgenossen auf die Nachbarländer zu verteilen. Weil Sie uns damit als Mann gelten, der sowohl Geist wie auch Mut vereint, die politische Landkarte der Welt zu ändern, wollten wir Ihnen berichten, daß wir nun schon zum wiederholten Male nicht ins Münchner P1 eingelassen wurden; und Sie deshalb bitten, bei den UN gleich mitzubeantragen, daß das P1 aus dem Hoheitsgebiet der Bundesrepublik ausgestanzt und zu einer Enklave Afghanistans gemacht wird. Oder von uns aus Libyens!
Besten Dank im voraus:

Titanic

»In«, »Bunte online«,

war lt. Deiner allzeit goldenen In & Out-Liste, deren In-Teil übrigens hälftig aus schlecht versteckter Werbung besteht, vor allem irgend so eine Obstbrühe, deren Reinerlös irgendwohin gespendet wird und die deshalb als »Charity-Saft« angepriesen wurde. Dein Weltrettungsgedanke in Ehren, aber weißt Du, Bunte, altes Schmutzblatt: Nach unserer Erfahrug gibt es nur ein Getränk, mit dem die Welt wirklich besser wird. Nämlich Korn!
Grüße von Deinen Charity-Trinkern auf der

Titanic

Und kann es sein, Werder Bremen (Fußball),

daß Deine Ersatzspieler den aktuellen Sponsorenspruch auf der Trikotbrust: »So geht Bank heute« gar nicht so gut finden?
Deine erste Wahl

Titanic

Reinhold Beckmann!

Vom Bahnprospektchen Mobil haben Sie sich unter dem Titel »Mittler und Macher« ein erquickendes Porträt auf den Leib schreiben lassen; von Ihrem unbändigen Verlangen, »Erkenntnisse und Einsichten zu vertiefen« und die »Person hinter der öffentlichen Maske« zu entlarven, ist dort ebenso die Rede wie von Ihrer »hervorschnellenden Eindringlichkeit« und »psychologischen Neugier« als Moderator. Als Ihr famoses soziales und politisches Engagement gepriesen wird, können Sie Ihren Kampf für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem sogar persönlich begründen: »Ich komme vom Land – relativ einfache Verhältnisse, zu Hause gab es keine Bibliothek, kein Klavier.«
Was Sie, Beckmann, nicht sagen: Wo die Privatbibliothek fehlt, ist die brennende Mülltonne schließlich nicht weit, und die Tatsache, daß Sie es aus Ihrer scheint’s Halbwelthölle überhaupt rausgeschafft haben, um so erstaunlicher – zumal bei Ihnen im Oberstüble die Verhältnisse ja nach wie vor relativ einfach sind!
Mit psychologischer Eindringlichkeit:

Titanic

Aus gegebenem Anlaß, Jürgen Rüttgers,

mal ein kurzer Vergleich zwischen dem Arbeitsethos des Rumänen und dem des Rheinländers: 1970, Sie hatten gerade mal Ihr Abitur gemacht und sich an der Uni eingeschrieben, landete der nur zwei Jahre ältere Peter Maffay mit »Du« seinen ersten Nummer-eins-Hit. Und in den Folgejahren, während Sie im Studentenwohnheim flegelten, verdiente Maffay mit »Du bist anders«, »Samstagabend in unserer Straße«, »Josie«, »Es war Sommer« und vielen anderen Liedern längst sein eigenes Geld. Es folgten: 1979 Promotion zum Dr. iur., ab 1980 Landesvorsitzender der Jungen Union Rheinland, 1985 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Erftkreis (Sie) und »Und über sieben Brücken mußt Du gehn«, »Eiszeit«, »Karneval der Nacht«, »Sonne in der Nacht« sowie fünf (!) Nummer-eins-Alben (Maffay).
Und deswegen kann heute auch wer nur am Düsseldorfer Flughafen den Flugzeugen hinterherschauen, die dahin unterwegs sind, wo Peter Maffay längst in seiner Finca lebt?
Na sehen Sie.

Titanic

Bravo, FDP!

»Arbeit muß sich wieder lohnen« – der Vollständigkeit halber hättest Du vielleicht dazuschreiben können, daß das mit der Arbeit ganz andere Leute betrifft als die, für die sich das lohnen soll. Alte Ausbeuterpartei!
Vergelt’s, wer will:

Titanic

Afghanische Schulmädchen!

Schlechte Nachrichten: »Denn einen Krieg will in Deutschland natürlich niemand mehr führen, nicht einmal dafür, daß kleine Mädchen am Hindukusch zur Schule gehen dürfen« (Berthold Kohler, FAZ, 9.9.2009). Bzw.: »Deutsche Soldaten sind dort nicht, damit afghanische Mädchen wieder zur Schule gehen können« (Horst Bacia, FAZ, 9.9.2009) –
es interessiert sich, afghanische Schulmädchen, also wieder mal kein Schwein für Euch; und wenn ein paar Eurer Landsleute aus Versehen in die Luft gesprengt werden, dann nicht einmal für Euer Recht auf Bildung, sondern allein für die »Sicherheitsinteressen« alter verpopelter Männer im fernen Deutschland.
Tut uns leid.

Titanic

Fällt Ihnen etwas auf, Meredith Haaf?

Sie sind nämlich Mitverfasserin des Buches »Wir Alphamädchen« und haben für das SZ-Magazin unter dem Titel »Hilfe, die Welt will was von uns« ganze »acht Thesen einer Betroffenen« über »die Generation der 25jährigen« aufgestellt, u.a.: »Wir sind nicht fähig, Kritik zu üben«, »Meine Generation hat keine Subkultur«, »Wir lieben unser gestörtes Körperbild« und »Wir denken nicht politisch«. Schlußerkenntnis: »Wenn wir das nicht ändern, werden wir irgendwann feststellen, daß eine andere, jüngere Generation über uns sagen wird: Sie ließen ihre Welt veröden, weil sie lieber labern wollten.«
Und zwar ausschließlich über »Generationen« und in der ersten Person Plural.
Fähig, Kritik zu üben:

Titanic

Daß, »Spiegel online«,

aus dem immergrünen Thema DDR nicht nur die üblichen Mauerschuß- und Unrechtsstaatsanekdoten herauszuholen sind, wer wüßte es besser als Du; denn auch aus der vielbekakelten Ostneigung zur Freikörperkultur läßt sich genau der Sex saugen, ohne den der ewige Crime irgendwann langweilig würde. Und Zwölfjährige, die »Eines Tages« am Nacktbadestrand vor der leidlich Älteren einen Ständer kriegen, das ist doch auch Aufklärung, nicht wahr: »Schon ein bißchen selbstbewußter suchte ich den Liegeplatz von Annikas Familie. Schon von weitem sah ich, daß Annika, als sie mich kommen sah, zu lachen begann. Unsicher grinsend legte ich mich bäuchlings neben sie in den Sand und blinzelte sie an. Auch ihre Eltern schmunzelten. Dann gingen sie ins Wasser. Annika lag auf dem Rücken, den Kopf auf ihren Arm gestützt, und redete nun ganz cool mit mir. Bei jedem ihrer Atemzüge bewegten sich die braungebrannten Brüste ein wenig auf und ab. Mir wurde ganz schwummrig, und so starrte ich abwärts zwischen ihre Beine auf die volle, dunkelblonde Schambehaarung. Ich konnte mich schon lange nicht mehr umdrehen. Ich hatte eine Erektion, die sich anfühlte, als hätte sie sich tief in den heißen Ostseesand gebohrt« –
so, Spiegel online, bohrt also ein qualitätsjournalistisches Wald- und Wichsmagazin in den feuchten Wunden der blutjungen Vergangenheit, auf daß es einem ganz schwummrig werde.
Jeden Tag ein bißchen weniger Deine

Titanic

Peter Maffay!

Auf die Frage der Berliner Morgenpost, ob Sie noch einmal mit den Rolling Stones auftreten würden, obwohl deren Fans Sie einst ausbuhten und mit Eiern bewarfen, gaben Sie den Souveränen: »Wenn, dann würde das heute anders ablaufen. Ich würde rausgehen und fragen, wer von euch hat Eier mitgebracht. Dann würden vielleicht einige Leute lachen, ihre mitgebrachten Eier auspacken und sie essen.«
Gut möglich, Maffay. Wer schließlich masochistisch genug ist, Ihre verkalkten Schlagerrockmätzchen zu ertragen, ohne sich dabei gepflegt die Seele aus dem Leib zu göbeln – den sollten auch die paar rohen Eier nicht abschrecken.
Wohl bekomm’s!

Titanic

Schwedischer Außenminister Carl Bildt!

Nach dem erfolgreichen Massenmord der Bundeswehr in Afghanistan sagten Sie: »Wir gewinnen diesen Krieg nicht, indem wir töten.« Sondern mit Hüpfburgen, Mohrenkopf-Wettessen und Kissenschlachten, weil Krieg eine Art Kindergeburtstag ist? Nun haben wir Deutsche traditionell keinen blassen Schimmer, wie man einen Krieg gewinnt, aber soviel wissen wir: Will man nicht töten, muß man das mit dem Krieg sein lassen.
Peace!

Titanic

Sie sind, Quentin Tarantino,

dank eines mehrmonatigen Aufenthalts in Berlin, den sie mit Ihren »Inglourious Basterds« verbracht haben, zum Deutschlandkenner geworden: »Als ich dann mit den deutschen Schauspielern über das Drehbuch sprach, wurde mir klar: Hey, das ist auch ihre Phantasie! Offenbar denken die Deutschen seit drei Generationen fieberhaft darüber nach: Was wäre, wenn ein Hitlerattentat gelungen wäre?« Was natürlich vollkommen zutrifft: Seit Generationen beschäftigt die Deutschen kaum etwas anderes als die Frage, wie man den Hitler im Nachhinein noch loskriegt. Nach allerhand Schweigen, Verleugnen und Relativieren hat es sich zusätzlich als ganz praktisch erwiesen, ihn popkulturell einzuspannen, massenwirksam zu dämonisieren und als Begründung für einen humanitären Angriffskrieg zu nutzen; weswegen Sie jetzt »das Wunschdenken und die Mentalität der Deutschen so genau treffen« konnten: »Das Drehbuch zeigt alle als Mörder, die Nazis genauso wie Juden.«
Unter einem Bundesverdienstkreuz werden Sie da nicht wegkommen.
Beileid:

Titanic

Brigitte Zypries!

Als Bundesjustizministerin stehen Sie dafür, daß Online-Dienste Wahlergebnisse nicht vorab bekanntmachen dürfen. Derzeit werden Zuwiderhandlungen mit max. 50 000 Euro bestraft, und auf die Frage, ob man die Strafe erhöhen solle, antworteten Sie dem Deutschlandfunk, das sei nicht nötig: »50 000 Euro für sich einmal wichtig tun reicht als Strafe.« Wäre nun aber eine generelle Strafe fürs Wichtigtun nicht ein Verfahren, das übers Jahr ein feines Sümmchen in die Bundeskasse wirbeln würde? Von Althaus über Matschie bis, hehe, Zypries?
Überschlafen Sie’s mal!
Raten Ihre Wichtigtuer auf der

Titanic

mdr-Radio!

»Nach Ende des Nazi-Spuks und des DDR-Despotismus«: Daß Deine jungen Kulturradio-Esel ohne Wimpernzucken, ja geradezu fröhlich und fugendicht gedankenfrei die Neue Deutsche Ideologie ins 21. Jahrhundert fortlabern, Auschwitz zur Gespenstergeschichte und Honecker zu Saddam umlügend, muß wohl so sein, sonst wärst Du ja nicht Staatsfunk. Aber müßte es nicht evtl. trotzdem »Despotie« heißen?
Deine Nichtjournalisten von

Titanic

Und Sie, Hartmut Koschyk (CSU),

legten in Ihrem Wahlwerbespot Ihrem Hund die Worte ins Maul, er hoffe, der Wahlkampf sei bald vorbei, damit Sie wieder mehr Zeit für ihn hätten. Man solle Sie wählen, denn Sie machten »nicht nur Hunde glücklich«. Ja, Hartmut Koschyk: Wen machen Sie denn noch so alles glücklich? Ziegen? Schimpansen? Karpfen? Und was machen Sie dann in der CSU? Womöglich sind Sie gar nicht von der Christlich-Sozialen Union, sondern vom Couragierten Sodomiten-Umschwung! Das sollten Sie dann aber besser noch mal deutlich machen, nicht daß es da Ärger gibt – die sozialen Christen verstehen da nämlich wenig Spaß!
Ihre Tierfreunde auf der

Titanic

Texter!

Uns alten Hasen könnt Ihr nichts vormachen: Irgendwann habt Ihr alle mal davon geträumt, so zu sein wie Gott – oder doch wenigstens wie wir – und jeden Monat in dieser Rubrik ein paar brillante Briefe an die Leser veröffentlichen zu dürfen. Aber daraus ist natürlich nichts geworden, mangels Rückgrat, Talent und/oder Gehirnmasse. Und was tut Ihr deshalb heute? Zu Tausenden? Anstatt einem anständigen Beruf nachzugehen? Ihr saugt Euch für närrisch glitzernde Internetportale saudumme Kurztexte wie den folgenden aus den Fingern: »Carmen Electra tut’s, Tara Reid auch: Zur Urlaubszeit hüllen sich die Promi-Ladys in sexy Bikinis – und bieten den Fotografen ein gefundenes Fressen…« Beziehungsweise: »Kuß-Kanone oder Schlabber-Schreck: Unser Psychotest verrät, ob Sie das zärtliche Lippenspiel beherrschen…«
Tag für Tag so etwas absondern zu müssen, damit der Schornstein raucht und der jeweils jüngste Proseccodeckel abgestottert werden kann: Das ist schon ein Scheißleben, nicht wahr? Doch Ihr solltet nicht allzu traurig sein, denn wir gönnen es Euch.
Von Herzen!

Titanic

Kurt Kister!

Um mal »ein wenig garstig zu sein«, ließen Sie alter Provokateur es online beim Hausblatt mal so richtig drauf ankommen: »Die Grünen haben sich zur FDP mit mitmenschlichem Antlitz gewandelt.« Starker Tobak, das. Und fast ebenso garstig wie zu behaupten, Greenpeace sei eine monopolistische Wohlfühlorganisation für Gutverdiener oder die Süddeutsche das Blatt mit den besonders kontroversen Meinungen!
Respektvoll:

Titanic

Der Feind, Franz Josef Jung,

ist überall, und man soll die Präventivkriege führen, wie sie fallen: »Durch sehr detaillierte Aufklärung … hatten wir klare Hinweise darauf, daß die Taliban beide Tanklastzüge … in ihre Gewalt gebracht haben, um einen Anschlag auf den Stützpunkt unserer Soldaten in Kunduz zu verüben. Wäre ihnen das gelungen, hätte es einen Anschlag mit entsetzlichen Folgen für unsere Soldaten gegeben. Deshalb halte ich die Entscheidung des deutschen Kommandeurs vor Ort für richtig«, nämlich die Entscheidung, einfach mal die Luftunterstützung anzufordern, welche dann dutzendweise tote Zivilisten hinterließ. Aber, Jung: Wer ist der größte Feind des Afghanistaneinsatzes? Wer unterminiert propagandistisch die Sicherheit der Truppen und fordert so den Präventivschlag geradezu heraus? Kann die Bundeswehr in Kunduz nicht erst sicher sein, wenn es heißt: »Jung verteidigt Luftangriff auf Lafontaine«?
Da mal drüber nachdenken!

Titanic

Ahoi, Piratenpartei!

Bei aller Sympathie: Paß doch bitte ein bisserl auf, welche Signale Du in die politische Logosphäre abstrahlst. Zum Beispiel der Spruch »Querwählen«, mit quergehängten Wahlplakaten. Geht gar nicht. Und affirmatives Wortgestopsel wie »Freiheit ist keine Randnotiz«. Geht auch nicht. Erinnert nämlich beides schreiend an die unheiligen Anfangszeiten grün-alternativer Moralfolklore. Und die führt, wie wir wissen, zu nichts Gutem. Nämlich zu Korruption, Angriffskrieg und Ex-Außenministern mit Pipeline-Vertrag und Villa im Grunewald.
Und die will Dir einfach nicht gönnen:

Titanic

Wenn Du, »Süddeutsche Zeitung«,

schon titelst: »Deutschland erwacht aus der Rezession«, wäre dann ein anschließendes »Krise verrecke« nicht konsequent gewesen?
Die Morgenfahne hoch:

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Im »Focus« wurden Sie – Guts-Chefin Bettina, Ehemann und DFB-Präsident Fritz Keller sowie Ihre drei Söhne – in der Reihe »Generationengespräch« über dies und das befragt, und was ein leidlich als Journalismus getarntes Alkoholwerbefeature hätte werden können, explodierte gleich zu Beginn derart, dass man glauben konnte, man läse das Transkript einer durchschnittlichen Maischberger-Sendung.

»Herr Keller, sind Sie auch Patriarch?« hob der Interviewer an, worauf es aus Ihren Mündern u.a. schallte: »Wer? Ich? Warum?«, »Ja, ja«, »Mein Mann will schon der Bestimmer sein«, »Was!? Das habe ich ja noch nie gehört«; dann, auf die Frage »Wollten Sie ihn je verlassen?« ging es weiter mit: »Eigentlich täglich«, »Ich will jetzt auch mal was sagen«, »Das stimmt einfach nicht«, »Das stimmt nicht«, »Doch« und so fort über anderthalb Spalten hinweg, und wenn der »Focus«-Mann nicht elegant zum Thema Fußball gewechselt wäre, wie lange hätte es dann wohl gedauert, bis der erste Dekanter durch die Luft geflogen wäre? Oder torkelt für gewöhnlich ein jeder von Ihnen, ein übervolles Glas schwenkend und giftige Vorwürfe speiend, in sein jeweiliges Zimmerchen? Und: Kommt so etwas täglich vor in Ihrem Weinkeller, liebe Kellers? Wie haben Sie eigentlich die Quarantäne überstanden?

Empfiehlt eine Familienaufstellung im Mineralwasser-Lager: Titanic

 Kuckuck, Daniel Kehlmann!

Von der »Sprengkapsel des Infektionsschutzgesetzes«, das wie eine »Bombe« in »unser Gesetzeswerk« eingelassen sei, faselten Sie unlängst bei denen von der »Welt« und kritisierten wieder einmal die Corona-Maßnahmen aus Angst um Ihre Freiheitsrechte. Immerhin sei eine Sterberate von 0,5 Prozent nun mal nicht die Cholera.

Und trotzdem mussten Sie, Herr Kehlmann, all das durchstehen: Da haben Sie sich in ein »ganz kleines Haus« in Montauk eingemietet, vorher einen »großen Fernseher« und eine Playstation gekauft und ausgeharrt. Ja Himmel, ist das denn überhaupt noch ein Leben? Überdies würden Sie sich in der westlichen Zivilgesellschaft nie wieder so sicher fühlen können wie früher. Was, man ahnt es, nicht das Virus und dessen Gefahren meint.

Aber was auch immer die Zukunft bringen mag, Herr Kehlmann: Wir wissen nun immerhin, dass wir uns im Falle erneuter Klopapierengpässe den Hintern guten Gewissens mit Ihren Büchern abwischen können.

Danke dafür: Titanic

 Schöpfer der Kampagne »Werde Maler!«

Was ging uns das Herz auf – und mit uns wohl Zigtausenden ambitionierter Schulabgänger –, als wir auf Bussen und Plakaten Euren oben genannten Aufruf lasen, darunter die verheißungsvollsten Satzperlen: »Eintrittskarte in eine kreative Branche«, oder gar, wo pandemiebedingt zur Zeit so vieles den Bach runtergeht: »Meine Zukunft ist gesichert!«

Wer träumt nicht davon: endlich, und das nach offizieller Aufforderung, in die Fußstapfen von Gerhard Richter und Jonathan Meese treten, dazu Geniekult, Aktmalorgien, Koks und Heavy-Petting mit Myriaden von Musen. Doch Basel-, äh, Mumpitz: Bei genauerem Studium von www.werde-maler.de entpuppt sich die rosige oder auch polychrome Zukunft als ein billiges Trompe-l’œil, löst sich in Neo und Rauch auf. Leider seid Ihr nicht der Deutsche Künstlerbund, sondern die schnöde Innung der Maler und Lackierer. Aber sagt, ein bisschen Koks während der Achtstunden-Frühschicht gibt’s bei Euch vielleicht auch?

Fragt mit Restinteresse: Titanic

 Und Du, hyperaktives Berlin,

hast Dich bei der Entwicklung Deiner neuen Werbekampagne mal wieder nicht richtig konzentriert. Denn sonst wäre Dir doch sofort aufgefallen, dass in dem Motto »Berlin. Auch das« glatt das »noch!« fehlt.

Sieht genau hin: Titanic

 Oskar Lafontaine, alter Gourmet!

Sie waren Gesprächsgast bei der Vorstellung des neuen Sarrazinbuches über irgendwas mit Flüchtlingen und Ausländern, deren Aufenthalt in Deutschland auch Ihnen nicht behagt. Denn schließlich, so sagten Sie, sei es wenig sinnvoll, einen von hundert hungernden Menschen ins »Feinschmecker-Lokal« einzuladen, wenn die dortige Rechnung allemal dafür ausreiche, allen Betroffenen Brot zu geben.

Wohl wahr! Allerdings machte es Ihnen niemals etwas aus, in Feinschmecker-Lokale, Fünf-Sterne-Hotels, Privatjets und Luxus-Fincas eingeladen zu werden, auch wenn die Rechnungen dafür ausgereicht hätten, die ganze Wählerschaft der Linkspartei mit Brot für Jahre auszustatten.

Aber was sollten die damit auch anfangen, nicht wahr? Die können ja schließlich auch Kuchen essen!

Schenkt Ihnen immer gerne ein: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Kunst meets Frankfurt

»Einmal die Krüppel.«
»Wie bitte?«
»Na, die Krüppel-Sammlung da.«
»Mein Herr, Sie meinen unsere Ausstellung ›En passant‹? Sie möchten ein Ticket?«
»Ja, genau.«

Man fremdelte anfangs ein wenig mit den impressionistischen Skulpturen im Städel-Museum in Frankfurt.

Nicolai Hagedorn

 Prädikatenlogik im Urlaub

Dass die supergescheiten Griechen als Begründer der Logik uns weniger beschlagenen Völkern gripsmäßig stets einen Schritt voraus sind, wurde mir abermals verdeutlicht, als mir auf Kreta ein Einheimischer auf die Frage, ob das von mir anvisierte Reiseziel ein gutes sei, antwortete: »Oh yeah, it's a nice place! Everybody goes there. I have never been there.«

Cornelius W.M. Oettle

 Abwägungsfrage

Die eigenen unerfüllten Lebensträume auf seinen Nachwuchs zu projizieren, diese Möglichkeit hat man als kinderloser Mensch leider nicht. Anderseits: Ein Kind, das zu jeder einzelnen Sportunterrichtsstunde eine schriftliche Entschuldigung mitbringt, hätte womöglich ernsthafte Schwierigkeiten, was die Bewältigung der schulischen Laufbahn betrifft.

Julia Mateus

 Herbstschmerz

Ein stark übergewichtiger Mann wirbelt mittels eines höllisch laut dröhnenden Laubbläsers nasses Laub von einer Seite des Radwegs auf die andere. Er trägt rote Ohrenschützer, raucht eine krumme Zigarette und hat den Mund-Nasen-Schutz am Kinn kleben. Auf der Jeans-Kutte, die er über seiner orangefarbenen Warnweste trägt, steht »FCK WNTR«. Ich weiß, dass mir dieses Bild irgendetwas über den Zustand der Menschheit sagen will, doch ich schaffe es einfach nicht, die Botschaft zu enträtseln. Ich bin auf einmal nur noch sehr, sehr müde.

Theobald Fuchs

 Obenrum öd

Die ICE-Trasse Kassel-Würzburg liegt fast komplett unter der Erde. Das ist durchaus eine gute Idee, denn die Gegend ist so trostlos wie das Liebesleben eines Bahn-Vorstands. Für einen Zwischenhalt erbricht sich der Zug in Fulda kurz an die Oberfläche, und man erkennt auf den ersten Blick die Brillanz der Nato-Strategie aus den Achtzigerjahren: Hier also wäre der Russe damals durchs berühmte »Fulda Gap« in den Westen einmarschiert und mit seiner enormen Panzerflotte vor lauter Langeweile direkt verödet.

Peter P. Neuhaus

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EUR
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
29.10.2020 Gütersloh, Die Weberei Max Goldt
29.10.2020 Schweinfurt, Bayernkolleg Gerhard Henschel
29.10.2020 Bad Oeynhausen, Begegnungszentrum Druckerei Ella Carina Werner
29.10.2020 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Die Neue Frankfurter Schule«