Briefe an die Leser | November 2007


»Dresdner Morgenpost«!

Deine Schlagzeile vom 2.10.: »Polizei erschießt Selbstmörder« läßt zwei Interpretationen zu: Entweder hat die Polizei einen Toten noch viel tiefer in den Hades geschickt, oder ihr war vorher schon hundertprozentig klar gewesen, daß der Mann sich umbringen würde, und wollte ihm einen Gefallen tun.

Is’ aber eigentlich auch egal, was?

Titanic

Max Schradin!

In einem Interview auf der Webseite Ihres Arbeitgebers 9live halten Sie für den interessierten Leser doch einige Überraschungen parat, wobei die größte tatsächlich sein dürfte, daß Sie sich in Ihrer Funktion als 9live-Anrufanimierclown tatsächlich als Moderator begreifen. Und als hätte das in Anbetracht Ihrer tatsächlichen Fähigkeiten im Bereich Moderation: »Da ist die Uhr. Da ist die Uhr! Und wissen Sie was, um halb wird hier was passieren, so dermaßen!« nicht schon genug Aua-Potential, gehen Sie noch einen Schritt weiter und tun, was perspektivlose TV-Clowns halt so tun: »Ich lasse das alles auf mich zukommen. Wenn überhaupt, könnte ich mir eine Sendung vorstellen, die direkt auf mich zugeschnitten ist, in der Tradition von Pocher, Elton oder Raab.« Aber, Max Schradin, nun ist es ja so, daß man über Pocher, Elton oder Raab sagen kann, was man möchte – aber Pocher, Elton oder Raab sind halt immer noch Pocher, Elton oder Raab. Sie hingegen sind halt nur, äh, sind halt nur der, der, na, äh, der Depp da, der Dings – und »moderieren« schließlich bereits eine Sendung, die direkt auf Sie zugeschnitten ist!

Nicht traurig sein.

Titanic

»Westfälische Rundschau«!

Am 30. August d.J. hast Du ellenlang über Biotechnologie berichtet, am Beispiel einer Diplomandin, die mit Darmkrebszellen herumfuhrwerkt, hast dabei reichlich blumig von bösartigen und unsterblichen Killerzellen gesprochen wie vom hehren Sinn, der dem Ganzen zugrundeliege, nämlich, daß die Krebsforschung die personalisierte Therapie anstrebe usw. – und wie heißt die tapfere Diplomandin nun aber mit Nachnamen? So: »Forschung hin oder her, Gentek ist dann doch fasziniert von dem Bösen« – und dieser Satz, Westfälische Rundschau, ist dann doch ein Fall für den Nationalen Ethikrat!

Meint

Titanic

Großer Vorsitzender Beck!

Dem SWR vertrauten Sie an: »Es muß in einer demokratischen Partei möglich sein, daß man über die eine oder andere Frage bei Übereinstimmung in den Grundlinien auch mal unterschiedlicher Meinung sein kann.« Sicher, klar, aber Sie wissen schon, wie’s dann weitergeht? Man läßt allerlei Meinungen zu, gesteht Fehler in der Vergangenheit ein, rehabilitiert die Abweichler – und am Ende ist das ganze schöne Imperium kaputt. Fragen Sie doch einfach mal den Genossen Gorbatschow!

Rät Ihnen Ihre:

Titanic

Billy Wilder sel.!

Wir vermuten, daß Sie da oben auf Ihrer Wolke alles sehen, und so dürften Sie bemerkt haben, daß es da eine gewisse Veronica Ferres gibt, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erwähnt, daß Sie, verehrter Billy Wilder, ihr, der Ferres, überströmende Sinnlichkeit und also außergewöhnliche Eignung für die Leinwand bescheinigt hätten. Nun wissen wir, daß im Alter neben anderen Dingen auch die Urteilskraft nachläßt, aber dennoch wollen wir nicht glauben, daß ein Mann, der unter anderem mit Audrey Hepburn, Marylin Monroe oder Hildegard Knef gearbeitet hat, diese westfälische Kartoffel mit so einem Urteil geadelt haben könnte. Deshalb wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie sich mit einem himmlischen Zeichen melden würden. Kann ruhig ein Blitz sein!

Manche mögen es schließlich heiß, z. B. Ihre

Titanic

»Bremer Nachrichten«!

Einen Artikel zu geplanten Modernisierungsmaßnahmen an Bremer Schulen hast Du überschrieben mit »Schulen werden ungebaut« – chapeau! Anschaulicher kann man die Bildungsmisere nun wirklich nicht auf den Punkt bringen.

Untriebig:

Titanic

Und Dir, Bayerische Schlösserverwaltung,

gefiel es also, als Touristenauf­seher und, nun ja, -führer in der ­Befreiungshalle Kelheim ausgerechnet einen Herren zu bestallen, der auf den guten Namen Schicklgruber hört? Damit er weg ist von der ­Straße und sein Auskommen nicht als Postkartenmaler suchen muß?

So ist’s recht!

Titanic

Von wegen, »Süddeutsche Zeitung«,

Joch des Spitzenmediums Internet! Von wegen Diktatur des höhepunktfixierten Online-News-Getickes und -Gehackes! Von wegen hammerharter Servicejournalismus! Nämlich vielmehr besinnlich und gemütlich hast Du uns mit einer Edelfederpreziose des Titels »Taschenbillard« umgarnt: »… attraktiv und sinnlich-sexy … von zartestem Flaum … so weich, so zart, so ›smooth‹ … Widerstand beim sachten Darüberstreichen … in jungfräulicher Scham … die winzigen Härchen geben den Eindruck von Wärme … heiße Sonne … Jugendpelz abgeschabt … Schwellung und Schmerz … hinter gewaltigen Knöterichdickichten ein großes Holzkontor … schauten nach Säuen und Ferkeln … sackweise … der Vater liebte es, die kühle Glätte über den kugeligen Körpern in seiner Jacken- oder Hosentasche zu fühlen … Handschmeichler und Fingerspielsteine … Freundinnen greifen nach Kastanien und können sich kaum satt streicheln … wird knotig-hart … Kastanientracht abgeschüttelt … rot leuchtenden Edelstein … trunken vom Schatzfinderglück … steckte sie in seine Hosentasche und spielte genußvoll mit ihnen …« –

– aah … jaaa … so haben wir’s doch gern … Und ja noch viel lieber, als Du, Süddeutsche, durch diese Deine herbstwindschief dahergeraunte und allergoldigst auf die Nuß bzw. halt an die »dunkelrote Pracht« gehende Nachsommerbetrachtung samt hochpoetischer Geschlechtssymbolik die Entzauberung des langsamen, des sinnlichen, des sexy-smoothen Erlebnisjournalismus durch den blanken Quickie in der Virtualwelt fast vollkommen vergessen machst.

Noch trunken vom Schatzfinderglück:

Titanic

Reinhard Helling!

In Ihrer Eigenschaft als Literaturkritiker haben Sie in der FAZ dem Verlag Kein & Aber empfohlen, möglichst bald eine Übersetzung der Briefe aus dem Nachlaß Truman Capotes zu veröffentlichen, und Sie haben Ihren Ratschlag mit dem Argument begründet: »Die enthalten feinsten Klatsch und Tratsch aus dem Treppenhaus der New Yorker Literaturszene – süchtig machend wie Kartoffelchips.« Diese Briefe wären, wie Sie vermuteten, auch auf dem hiesigen Buchmarkt »echte Knaller«.

Seien Sie doch bitte so freundlich, Ihrerseits so flott wie möglich Nägel mit Köpfen zu machen und zum Focus überzuwechseln. Oder zur Bunten oder einem anderen Medium, das auf kartoffelchipsfressende Knalltüten wie Sie nur gewartet hat. Wären Sie so gut? Wir würden hier sonst den Überblick verlieren, und das haben wir nicht so gerne.

Dankeschön.

Titanic

Groß, Petra Gerster,

war unsere Freude, als Sie in Ihren sonst so tristen ZDF-Nachrichten eine Meldung über den Prozeß gegen Manfred Kanther wg. CDU-Schwarzgeld verlasen und dabei das aussprachen, was eher Wunsch denn Wirklichkeit war: Kanther ­habe, so Sie, »im ersten Verfahren 18 Jahre Haft« – aber da revidierten Sie schon: »pardon: Monate« bekommen, und diese, spachen Sie ganz korrekt ­weiter, dann auch noch auf Bewährung und nun in der endgültigen Revision die obligatorische Geldstrafe etc. – aber diesen einen lichten Moment, Frau Gerster, den rahmen Sie sich ein, ja?

Obligatorische Grüße:

Titanic

Sagen Sie mal, Arabella Kiesbauer!

Diese Ihre Autobiographie, dieses Büchlein mit dem letztlich völlig zutreffenden Titel »Mein afrikanisches Herz« – ist das nicht am Ende ein bißchen zu brav, zu wenig werbewirksam auch und an Kerngeschäft und Zielgruppe vorbei? Wäre also »Arabella: Irre, ich bin Negerin!« nicht zielführender gewesen? Und »Herz der Finsternis« ehrlicher?

Mit Schwarzen-Humor:

Titanic

Sie, Reich-Ranicki,

wurden in Ihrer FAS-Rubrik gefragt, ob Robert Gernhardt einer der größten deutschen Lyriker sei, worauf Sie antworteten: »Solche Superlativfragen sind sehr beliebt, doch in den meisten Fällen ergeben sie so gut wie nichts«, was nicht heißt, daß man damit nicht noch ein paar hundert Zeilen vollmachen könnte: »Aber da liegt die Frage nach Robert Gernhardt. Ist er nun einer der größten deutschen Lyriker? Nein, es wäre natürlich unsinnig, ihn zusammen mit Goethe, Hölderlin oder Heine zu nennen, mit Eichendorff, Brentano und Mörike. Das meint auch nicht die Briefschreiberin aus Berlin. Geht es ihr um das zwanzigste Jahrhundert? Da kommt wohl für den Platz 1 vor allem Brecht in Betracht. Doch ­sollte man nicht übersehen, daß manche Literatur­kenner hier eher Benn ins Gespräch bringen würden. Nach 1956 (in diesem Jahr starben Benn und Brecht) wird das Feld weniger übersichtlich. Man könnte an einige Namen erinnern: Peter Huchel, ­Günter Eich, Paul Celan, Ernst Jandl, Ingeborg Bachmann, die alle nicht mehr leben, und noch ­einige andere« usw. usf. Stellt sich nur und wieder mal die Frage nach Ihrem Wert als Kritiker. Sind Sie ­etwa ­einer der größten deutschen Kritiker? Nein, es wäre natürlich unsinnig, Sie in einem Atemzuge mit Lessing, Schlegel oder Heine zu nennen. Aber das meinen Sie bestimmt auch nicht. Geht es um das zwanzigste Jahrhundert? Da kommt wohl für den Platz 1 vor allem Karl Kraus in Betracht. Doch sollte man nicht übersehen, daß manche ­Kenner hier eher Kurt Tucholsky oder Her­mann Gremliza ins Gespräch bringen würden. Aber da liegt die Frage nach Marcel Reich-Ranicki. Nun ja, am ehesten sind Sie wohl mit dem Rechtschreib- und Grammatikprogramm unseres Computers vergleichbar: Neuem nur sehr eingeschränkt zugänglich, spucken Sie immer wieder und un­ermüdlich Bekanntes aus, lassen sich dabei nur sehr schwer abstellen und sind hochgradig nervtötend, na ja, was haben Sie erwartet!

Ihre Kritiker auf der

Titanic

Daß Sie, Nico Fickinger,

gegen einen gesetzlichen Mindestlohn sind, alldieweil sonst »ein ökonomisches Desaster« drohe bzw. die »Verriegelung der Lohnstrukturen nach unten keine neuen Arbeitsplätze, sondern nur neue Arbeitslose produzieren wird«, gerade bei den Briefzustellern, die mit rd. 1000 Euro netto halt auch grotesk überbezahlt sind, ist das eine, durchaus FAZ-typisch Verriegelte; das andere, daß Sie neben Ihrem Job als FAZ-Parlamentskorrespondent einem sog. Institut zur Zukunft der Arbeit angehören, das ein von der Deutschen Post gefördertes »unabhängiges« Forschungsinstitut ist und dessen Direktor Zimmermann sowohl ein naturgemäß dezidierter Gegner eines gesetzlichen Mindestlohns als auch Ihr, Fickinger, Doktorvater; und daß Sie dabei heißen, wie Sie heißen, das dritte, dann schon restlos Einleuchtende.

Weiterhin gut Schuß wünscht

Titanic

»Stella Tate«!

Daß Du und Deine Spammerkolleginnen und -kollegen Eure mehr oder minder phantasievollen Pseudonyme neuerdings auch mal in Anführungszeichen setzt und so augenzwinkernd deren Fiktionalität signalisiert, finden wir ja eigentlich ganz charmant. Aber wenn Du uns schreibst: »Enlarge your ›penis‹« – dann ist definitiv Schluß mit lustig!

»Grüße«:

Titanic

Du wiederum, Lidl,

behauptest unverdrossen: »Wir machen die billigen Preise!« Und das, Lidl, ist natürlich Unfug. Billig sind allenfalls Deine Mitarbeiter, allen voran, gemessen am Ergebnis, Deine Texter.

Macht die billigen Witze:

Titanic

Gottschalk!

»Gottschalk: Was mich am TV nervt« –

gut, daß das mal einer sagt. Und dann auch noch ein ausgewiesener Fachmann!

Mit Dank und Gruß:

Titanic

Eine »Vorzeigelinke«, Andrea Nahles,

hat der Dr. Klitschko, aber nicht die SPD. Sie jedenfalls sind garantiert keine. Auf die Frage von Welt ­online, ob das Wort »Kapitalist« für Sie ein Schimpfwort sei, wußten Sie zu antworten: »Ja klar. Kapitalist, das ist ein negativer Begriff. Ein Kapitalist ist jemand, der die gesellschaftlichen Interessen hinter seine eigenen Profit­interessen stellt. Im Gegensatz dazu sind Unternehmer positive Akteure in unserer Gesellschaft. Sie beuten nicht aus, sondern ermöglichen Wertschöpfung und Arbeitskräfte.«

Dabei kann, Frau Nahles, doch jeder mindestens bei Wikipedia nachlesen: »Im Marxismus bezeichnet das Wort ›Kapitalist‹ eine Person, die über Produktionsmittel verfügt. Um sein Leben zu fristen, muß er seine Fähigkeit zur Arbeit nicht (wie der Proletarier) verkaufen. Vielmehr zieht er aus deren lebendiger Arbeit Profit bzw. Einkommen, das er vor allem zur erweiterten Akkumulation seines Kapitals nutzt, ggf. zur Beschaffung weiterer Produktionsmittel verwendet.« Und nach §14 Abs. 1 BGB ist ein Unternehmer »eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft, die bei Abschluß eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt«.

Das ist, in nüchternen Worten, alles. Alles andere, positive Aktion in der Gesellschaft und so, ist lediglich die ganz gewöhnliche, seit Parteigründung bekannte und mit marxistischem Vokabular nur ein bißchen rasselnde »Dagegen, aber nicht ernsthaft, hey, war doch nur Spaß!«-Adabei-Position der SPD.

Gleichfalls nüchtern:

Titanic

»Bild«!

»So kämpft Italien gegen Magersüchtige« – fehlt eigentlich nur noch »Aidskranke endlich ausgerottet«, und die Welt wäre wieder in Ordnung.

Kämpferisch:

Titanic

Von wegen, Wellness-Hotel Pausnhof!

»Im Pausnhof können Sie sich das ganze Jahr über verwöhnen lassen« – klaro, und wahrscheinlich genau­so wie früher sich das Taschengeld wegnehmen lassen, ein paar Arschtritte kassieren, Kaugummi in die Haare gepappt bekommen und ­danach zusehen müssen, wie die anderen auf unsere Sunkist-­Tüte springen – »Wellness« pur!

Nach Diktat zum Diktat:

Titanic

Und danke auch, Medien,

daß wir zum Abschied E. Stoibers noch einmal seine schönsten Versprecher lesen durften, meist unter brüll­komischen Überschriften wie »Stoibers gestammelte Werke«; aber daß dieser eminente Komiker die ­steuer- und erb­rechtliche Anerkennung homosexueller Paare mit Teufels­anbetung verglich, die National­sozialisten in erster Linie für Sozialisten hielt, politische Gegner als ­Ratten und Schmeißfliegen beschimpfte, für die Verschärfung des Asylrechts trommelte, sich überhaupt bei jeder Gele­genheit als christlich-abendländischer Leitkulturhammel gerierte und trotzdem bzw. genau deshalb beinahe Bundeskanzler geworden wäre – daran muß mal wieder wer erinnern?

Gern geschehn.

Titanic

Gabriele Pauli!

Sie haben sich in Latex gezwängt, Sie haben sich in die bayerische Flagge gehüllt – vergeblich: Die einzigen, die sich entzückt zeigten, waren die Käseblätter, für die Sie diese und ­diverse andere Albernheiten aufführten. Bevor Sie sich also als nächstes hinter einem Berg Weißwürste räkeln oder ein leeres Bierfaß umschnallen, ziehen Sie zur Abwechslung doch mal mythische Register, indem Sie z. B. in einem Kleidungsstück verschwinden, das schon Helden wie dem alten Siegfried wertvolle Dienste leistete: der Tarnkappe.

Unsichtbare Grüße:

Titanic

Leonardo DiCaprio!

In einer Pressekonferenz zu Ihrem Dokumentarfilm über die Klima­erwärmung »Die elfte ­Stunde« ­ließen Sie den Satz fahren: »In einem Spielfilm ist der Regisseur Gott, in einem Dokumentarfilm ist Gott der Regisseur.« Soso. Wenn wir da korrigieren dürfen: In einem ­Dokumentarfilm über die Klimaerwärmung ist nicht Gott der Regisseur, sondern z. B. Hollywoodstars mit Yacht und Privat­flugzeug.

Da mal drüber nachdenken!

Grüß Gott:

Titanic

Sie immerhin, Tonio Mantel,

rufen als Chefredakteur der Aktuellen, eines Käseblatts also, das Dinge wie »Daniel Ducruets seltsames Liebesbekenntnis« und »das Geheimnis des zerschnittenen Brautkleids« der Gattin von »Fürst Schaumi« für Nachrichten hält, in Ihren »Montagsgedanken« dazu auf, »das Internet vom Müll (zu) befreien«, wagen sich für Ihre Leserschaft – wohl vorwiegend Altenheimbewohner im mentalen Endstadium – in die ominöse Welt des gefährlichen Internets und finden heraus, daß dort ganz schön viel Krempel zu finden ist; Fazit: »Das Internet wäre eine wunderbare Welt, könnte man es vom Müll befreien, den Spinner und Vollidioten hinterließen.«

Nicht daß wir fänden, als Chefredakteur der Aktuellen solle man sich Kategorisierungen dieser Art, die ja haarscharf an eine Zielgruppenbeschreibung Ihrer Society-Prosa grenzen (»Sylvia Leifheit: Frauchen aus Leidenschaft«), verkneifen, nein: Eher würden wir Ihnen als Chefredakteur eines Blattes, das Müll nicht nur im Internet, sondern auf kostbarem Papier verbreitet, empfehlen zu schweigen und sich still und leise zu freuen, daß es in unserer Gesellschaft auch für Spinner und Vollidioten Jobs mit deutlich zu hohem Sozialprestige gibt.

Befreite Grüße:

Titanic

Und Dich, oberbayerische Gemeinde Paslam,

gibt's also gar nicht? Und den Schorsch, den Max, den Alois und den Ferdi Filbinger (alle CSU) auch nicht? Alles nur erfunden und Spaß?

Realitätsmaschine Internet? Und wir sind im aktuellen Heft (S. 6) drauf reingefallen?

Schade eigentlich!

Mit Gruß an Dr. Tschabobo, Deine

Titanic

SAT.1-Chef Matthias Alberti!

Im Gespräch mit der Süddeutschen erklärten Sie per erfrischend lyrischem Vergleich, daß sich in der großen Fernsehfamilie die einzelnen Sender nicht bedrängen, vielmehr ergänzen: »Ich sehe die ARD als den Vater. Von ihm bekomme ich Information und Orientierung. Das ZDF ist die Mutter, manchmal auch die Großmutter: sehr behütet, sehr beheimatet. RTL ist der Abenteurer: Komm, wir gehen Kirschen ­klauen – einer, mit dem man manchmal besser nicht spielen sollte. ­ProSieben ist die Verführerin, die Schönste auf der Tanzfläche. Und ich würde mich dann freuen, wenn wir als die unter­nehmungslustige Freundin gelten würden – ein bißchen reifer, erwachsener. Eine Freundin, die fragt: Willst du mit zum Stones-Konzert, ich habe zwei Karten?«

Nur ungern stören wir, Alberti, Ihr trautes Idyll, aber die Verhältnisse sind doch ein bißchen komplizierter, immerhin sind ja mehrere der Mitglieder einander inzestuös zugetan: Die ARD ist nämlich in Wahrheit der verdrehte Opa, der mit zusammengeflunkerten Geschichtsanekdoten und flotten Weltkriegsstorys der ganzen Familie auf die Nerven geht; das ZDF ist seine verwirrte Frau, die die Hälfte des Quatsches noch einmal wiederholt und ansonsten erzählt, was sie beim Friseur alles in der Bunten gelesen hat; RTL ist der pubertierende Enkel, der heimlich in die Sofaecke onaniert, und Pro7 sein debiler Bruder, der mit seiner Cousine Sat.1 ein heimliches Verhältnis hat und im übrigen fragt: Willst Du stoned mit zum Konzert gehen?

So ist das nämlich!

Ihre Familientherapeuten auf der

Titanic

Jockel Fischer!

Wie unter Politikern a. D. so ­üblich, haben auch Sie eine Autobiographie inklusive Vorabdruck im Spiegel vorgelegt. So erfahren wir, daß Sie die Grünen heute als »realitätsfern, widersprüchlich, kleinbürgerlich, eitel und zänkisch« einschätzen, was Sie vermutlich nur deshalb so öffentlichkeitswirksam ausposaunen, weil Sie unheimlich geradlinig, großbürgerlich, uneitel und friedfertig sind, was sich dann so anhört: »Da saß ich nun im Aller­heiligsten der Nato, im Saal des ­Rates, war deutscher Außenminister, führte Krieg und hatte Geburtstag!« Und nicht einmal ein Yes Torty dabei! Oder sollten Sie, Jockel, umgekehrt den Krieg selber als kleines Geburtstagsgeschenk empfunden haben, als erfrischendes Stahlbad, als Jungbrunnen für ein Volk und seine Führer? Der Ihnen und uns halt gerade noch gefehlt hatte? In diesem Fall freilich müßten wir Sie in der Tat und neidlos einen Realpolitiker nennen – alle anderen Bezeichnungen können wir uns nämlich nicht leisten.

Mit Verlaub:

Titanic

Subway (Fastfood)!

Du bist mächtig stolz auf Deine neuen Fisch-Sandwiches und hast dafür auch einen eigenen Slogan entwickelt: »F(r)isch aufgetaucht« – und da haben wir uns schon ein bißchen gewundert. Denn müßte es nicht vielmehr heißen: »Frisch aufgetau(ch)t«?

Siehste!

Deine untergetauchten System­satiriker von der

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Dein Kindersport-Angebot, Hannover 96,

bietet laut Deiner Webseite »Sport ohne Leistungsdruck«, seine Basis bestehe aus Spaß und der Entwicklung persönlicher und kognitiver Eigenschaften. Toll, das hätten wir von einem Verein aus dem Profifußball-Kapitalismus wie Dir gar nicht erwartet! Antizipiert, wie es im Kommentatoren-Sprech heißt, hätten wir eher Internate für Fußballtalente im Grundschulalter und Sportleistungskrippen für Hoffnungsträger ab drei Monaten.

Doch schon angesichts des Mottos der Abteilung stellt sich Ernüchterung ein: »Fördern und fordern«. Damit führst Du Deine Kindersport-Sparte unter dem gleichen Leitbild wie Hartz IV, das bekanntlich alles andere als »Arbeitslosengeld ohne Leistungsdruck« ist.

Aber, Hannover 96, wo sich der Vater von Hartz IV, Gerhard Schröder, vor einigen Monaten aus dem Verein zurückgezogen hat, um einem Ausschluss zuvorzukommen, wäre es da nicht an der Zeit für ein neues Motto?

Empfiehlt Dir ein paar Einheiten Denksport: Titanic

 Ihren Senf, Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin,

zum Umstand, dass Ihr 30 Jahre altes Pony Dolly offenbar von einem Wolf gerissen worden war, gaben Sie schon dazu, als das Tier noch nicht mal die Chance hatte, Wurst zu werden. »Die ganze Familie ist fürchterlich mitgenommen von der Nachricht«, ließen Sie mitteilen. Klar, von dem Pony können Sie logischerweise nicht mehr mitgenommen werden.

Sendet Ihnen diese Nachricht mit dem Pony-Express: Titanic

 Hut ab, »Star Insider«!

Unsere Aufmerksamkeit war Dir sicher, als Du Deinen Artikel »Kluge Köpfchen: Das sind die intelligentesten Promis« mit den Gesichtern von Rowan Atkinson, Emma Watson und nun ja … Wladimir Putin bebildertest.

Du scheinst ein wirklich erfrischend offenes Verständnis davon zu haben, was einen Promi zum Promi macht: Ob mit Grimassen schneiden oder Angriffskrieg führen, alle können es schaffen, wenn sie sich nur anstrengen und eben ein kluges Köpfchen sind. Das macht uns Mut!

Stets mit Köpfchen: Titanic

 Namenloses australisches Känguru!

Du zeichnest für die erste tödliche Känguru-Attacke auf einen Menschen seit 85 Jahren verantwortlich: Dein 77jähriges Opfer hatte Dich offenbar illegalerweise als Haustier gehalten. Das darf man nur, wenn man eine spezielle Ausbildung nachweisen kann. Aber deswegen gleich töten? Hat der Mann Dich nicht artgerecht gehalten? Hat er verlangt, dass du neunmalkluge Sprüche, Binsenweisheiten und halbgare politische Witze von Dir gibst? Dich am Ende sogar verfilmen wollen?

Schön und gut, aber Gewalt sollte dennoch nicht die Lösung sein, findet Titanic

 Hey, Martin Huber (CSU)!

Wahrscheinlich, weil Sie Martin Huber heißen, wurden Sie, der Huaba-Martin, im Mai zum CSU-Generalsekretär gemacht. Was soll ein Martin Huber auch sonst tun in Bayern? Herzliche Glückwünsche nachträglich jedenfalls!

Als christsozialer Generalsekretär ist es natürlich Ihre wichtigste Aufgabe, für Stimmung zu sorgen. »Deutschland ist in der größten Krise seit dem 2. Weltkrieg und außer Symbolfotos vor einer Turbine ist vom Kanzler nichts zu hören und zu sehen. D ist faktisch führungslos«, twitterten Sie neulich famos. Und legten wegen des großen Erfolgs (über 600 Faves!) zwei Tage später nach: »Deutschland ist in der größten Krise seit dem 2. Weltkrieg und dabei vollkommen führungslos.«

Respekt, Huber (Martin)! Mit Ihrer digitalen Performance würden Sie auch ein Bierzelt im Metaverse zum Kochen bringen. Nur eine Frage haben wir jetzt: Im Zweiten Weltkrieg war »D« ja nun vieles, aber gewiss nicht »führungslos« … Herrscht demnach aktuell nicht eine noch größere Krise als damals?

Bitte um Antwort auf Twitter! Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Für Facebook

Vorschlag eines tiefgründigen Denkspruchs für Tierärzte: Real eyes realize real lice.

Karl Franz

 Nicht nur für Cineasten

Um unprofessionelle Anschlussfehler zu vermeiden (»Mist, schon wieder eine Videokonferenz! Welches Hemd hatte ich heute Morgen an? Mit welchem Videofilter habe ich noch mal den Wäschehaufen im Hintergrund übermalt?« oder eben auch: »Huch, wieso sind Sie denn auf einmal nackt?«), könnte man direkt eine Continuity-Agentur für Heimarbeiter gründen. Schnapsidee oder innovatives Geschäftsmodell? Oder hatte ich das im letzten Meeting schon mal vorgeschlagen?

Alexander Grupe

 Alttestamentarisch

Führende Theologen bestreiten, dass die Bibel Selbstjustiz rechtfertigt. Aber war nicht Moses im Grunde der Erste, der das Gesetz in die Hand nahm?

Wieland Schwanebeck

 Grüner Daumen

Manches im Leben fällt einem einfach in die Hände, z. B. ein umfallender Kaktus, während man morgens das Rollo hochzieht.

Ferri Bueller

 Künstliche Idiotie (KI)

Seit Youtube mir vor dem Abspielen meiner Suchanfrage »Give Peace a Chance – John Lennon« eine Werbung für den freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr zeigte, mache ich mir keine Sorgen, dass intelligente Maschinen bald schon die Macht übernehmen. Außer das war bereits ein Anzeichen für Humor.

Jürgen Miedl

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
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Das schreiben die anderen

  • 05.09.:

    TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen spricht bei 1LIVE Stories vom WDR über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" und liest daraus vor (auch bei Spotify und sonstigen Podcast-Plattformen).

  • 02.09.:

    Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet über das aktuelle Editorial der neuen TITANIC-Intendantin Patricia Schlesinger.

  • 17.08.:

    DLF Kultur spricht mit Bernd Eilert über sein Buch »Meine Île de Ré«

  • 08.08.: Moritz Hürtgen und Dax Werner sprachen mi dem hr zum Thema "Sind wir alle zu ironisch?!"
  • 25.07.:

    Merkur.de fasst die Reaktionen auf einen Uwe-Seeler-Cartoon von TITANIC zusammen.

Titanic unterwegs
08.10.2022 Baden-Baden, Kurhaus Max Goldt (mit einer Laudatio von Bernd Eilert)
08.10.2022 Köln, Klüngelpütz Ella Carina Werner
10.10.2022 Darmstadt, Centralstation Martin Sonneborn
11.10.2022 Frankfurt am Main, Club Voltaire TITANIC-Tucholsky-Gala