Briefe an die Leser | November 2007


»Dresdner Morgenpost«!

Deine Schlagzeile vom 2.10.: »Polizei erschießt Selbstmörder« läßt zwei Interpretationen zu: Entweder hat die Polizei einen Toten noch viel tiefer in den Hades geschickt, oder ihr war vorher schon hundertprozentig klar gewesen, daß der Mann sich umbringen würde, und wollte ihm einen Gefallen tun.

Is’ aber eigentlich auch egal, was?

Titanic

Max Schradin!

In einem Interview auf der Webseite Ihres Arbeitgebers 9live halten Sie für den interessierten Leser doch einige Überraschungen parat, wobei die größte tatsächlich sein dürfte, daß Sie sich in Ihrer Funktion als 9live-Anrufanimierclown tatsächlich als Moderator begreifen. Und als hätte das in Anbetracht Ihrer tatsächlichen Fähigkeiten im Bereich Moderation: »Da ist die Uhr. Da ist die Uhr! Und wissen Sie was, um halb wird hier was passieren, so dermaßen!« nicht schon genug Aua-Potential, gehen Sie noch einen Schritt weiter und tun, was perspektivlose TV-Clowns halt so tun: »Ich lasse das alles auf mich zukommen. Wenn überhaupt, könnte ich mir eine Sendung vorstellen, die direkt auf mich zugeschnitten ist, in der Tradition von Pocher, Elton oder Raab.« Aber, Max Schradin, nun ist es ja so, daß man über Pocher, Elton oder Raab sagen kann, was man möchte – aber Pocher, Elton oder Raab sind halt immer noch Pocher, Elton oder Raab. Sie hingegen sind halt nur, äh, sind halt nur der, der, na, äh, der Depp da, der Dings – und »moderieren« schließlich bereits eine Sendung, die direkt auf Sie zugeschnitten ist!

Nicht traurig sein.

Titanic

»Westfälische Rundschau«!

Am 30. August d.J. hast Du ellenlang über Biotechnologie berichtet, am Beispiel einer Diplomandin, die mit Darmkrebszellen herumfuhrwerkt, hast dabei reichlich blumig von bösartigen und unsterblichen Killerzellen gesprochen wie vom hehren Sinn, der dem Ganzen zugrundeliege, nämlich, daß die Krebsforschung die personalisierte Therapie anstrebe usw. – und wie heißt die tapfere Diplomandin nun aber mit Nachnamen? So: »Forschung hin oder her, Gentek ist dann doch fasziniert von dem Bösen« – und dieser Satz, Westfälische Rundschau, ist dann doch ein Fall für den Nationalen Ethikrat!

Meint

Titanic

Großer Vorsitzender Beck!

Dem SWR vertrauten Sie an: »Es muß in einer demokratischen Partei möglich sein, daß man über die eine oder andere Frage bei Übereinstimmung in den Grundlinien auch mal unterschiedlicher Meinung sein kann.« Sicher, klar, aber Sie wissen schon, wie’s dann weitergeht? Man läßt allerlei Meinungen zu, gesteht Fehler in der Vergangenheit ein, rehabilitiert die Abweichler – und am Ende ist das ganze schöne Imperium kaputt. Fragen Sie doch einfach mal den Genossen Gorbatschow!

Rät Ihnen Ihre:

Titanic

Billy Wilder sel.!

Wir vermuten, daß Sie da oben auf Ihrer Wolke alles sehen, und so dürften Sie bemerkt haben, daß es da eine gewisse Veronica Ferres gibt, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erwähnt, daß Sie, verehrter Billy Wilder, ihr, der Ferres, überströmende Sinnlichkeit und also außergewöhnliche Eignung für die Leinwand bescheinigt hätten. Nun wissen wir, daß im Alter neben anderen Dingen auch die Urteilskraft nachläßt, aber dennoch wollen wir nicht glauben, daß ein Mann, der unter anderem mit Audrey Hepburn, Marylin Monroe oder Hildegard Knef gearbeitet hat, diese westfälische Kartoffel mit so einem Urteil geadelt haben könnte. Deshalb wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie sich mit einem himmlischen Zeichen melden würden. Kann ruhig ein Blitz sein!

Manche mögen es schließlich heiß, z. B. Ihre

Titanic

»Bremer Nachrichten«!

Einen Artikel zu geplanten Modernisierungsmaßnahmen an Bremer Schulen hast Du überschrieben mit »Schulen werden ungebaut« – chapeau! Anschaulicher kann man die Bildungsmisere nun wirklich nicht auf den Punkt bringen.

Untriebig:

Titanic

Und Dir, Bayerische Schlösserverwaltung,

gefiel es also, als Touristenauf­seher und, nun ja, -führer in der ­Befreiungshalle Kelheim ausgerechnet einen Herren zu bestallen, der auf den guten Namen Schicklgruber hört? Damit er weg ist von der ­Straße und sein Auskommen nicht als Postkartenmaler suchen muß?

So ist’s recht!

Titanic

Von wegen, »Süddeutsche Zeitung«,

Joch des Spitzenmediums Internet! Von wegen Diktatur des höhepunktfixierten Online-News-Getickes und -Gehackes! Von wegen hammerharter Servicejournalismus! Nämlich vielmehr besinnlich und gemütlich hast Du uns mit einer Edelfederpreziose des Titels »Taschenbillard« umgarnt: »… attraktiv und sinnlich-sexy … von zartestem Flaum … so weich, so zart, so ›smooth‹ … Widerstand beim sachten Darüberstreichen … in jungfräulicher Scham … die winzigen Härchen geben den Eindruck von Wärme … heiße Sonne … Jugendpelz abgeschabt … Schwellung und Schmerz … hinter gewaltigen Knöterichdickichten ein großes Holzkontor … schauten nach Säuen und Ferkeln … sackweise … der Vater liebte es, die kühle Glätte über den kugeligen Körpern in seiner Jacken- oder Hosentasche zu fühlen … Handschmeichler und Fingerspielsteine … Freundinnen greifen nach Kastanien und können sich kaum satt streicheln … wird knotig-hart … Kastanientracht abgeschüttelt … rot leuchtenden Edelstein … trunken vom Schatzfinderglück … steckte sie in seine Hosentasche und spielte genußvoll mit ihnen …« –

– aah … jaaa … so haben wir’s doch gern … Und ja noch viel lieber, als Du, Süddeutsche, durch diese Deine herbstwindschief dahergeraunte und allergoldigst auf die Nuß bzw. halt an die »dunkelrote Pracht« gehende Nachsommerbetrachtung samt hochpoetischer Geschlechtssymbolik die Entzauberung des langsamen, des sinnlichen, des sexy-smoothen Erlebnisjournalismus durch den blanken Quickie in der Virtualwelt fast vollkommen vergessen machst.

Noch trunken vom Schatzfinderglück:

Titanic

Reinhard Helling!

In Ihrer Eigenschaft als Literaturkritiker haben Sie in der FAZ dem Verlag Kein & Aber empfohlen, möglichst bald eine Übersetzung der Briefe aus dem Nachlaß Truman Capotes zu veröffentlichen, und Sie haben Ihren Ratschlag mit dem Argument begründet: »Die enthalten feinsten Klatsch und Tratsch aus dem Treppenhaus der New Yorker Literaturszene – süchtig machend wie Kartoffelchips.« Diese Briefe wären, wie Sie vermuteten, auch auf dem hiesigen Buchmarkt »echte Knaller«.

Seien Sie doch bitte so freundlich, Ihrerseits so flott wie möglich Nägel mit Köpfen zu machen und zum Focus überzuwechseln. Oder zur Bunten oder einem anderen Medium, das auf kartoffelchipsfressende Knalltüten wie Sie nur gewartet hat. Wären Sie so gut? Wir würden hier sonst den Überblick verlieren, und das haben wir nicht so gerne.

Dankeschön.

Titanic

Groß, Petra Gerster,

war unsere Freude, als Sie in Ihren sonst so tristen ZDF-Nachrichten eine Meldung über den Prozeß gegen Manfred Kanther wg. CDU-Schwarzgeld verlasen und dabei das aussprachen, was eher Wunsch denn Wirklichkeit war: Kanther ­habe, so Sie, »im ersten Verfahren 18 Jahre Haft« – aber da revidierten Sie schon: »pardon: Monate« bekommen, und diese, spachen Sie ganz korrekt ­weiter, dann auch noch auf Bewährung und nun in der endgültigen Revision die obligatorische Geldstrafe etc. – aber diesen einen lichten Moment, Frau Gerster, den rahmen Sie sich ein, ja?

Obligatorische Grüße:

Titanic

Sagen Sie mal, Arabella Kiesbauer!

Diese Ihre Autobiographie, dieses Büchlein mit dem letztlich völlig zutreffenden Titel »Mein afrikanisches Herz« – ist das nicht am Ende ein bißchen zu brav, zu wenig werbewirksam auch und an Kerngeschäft und Zielgruppe vorbei? Wäre also »Arabella: Irre, ich bin Negerin!« nicht zielführender gewesen? Und »Herz der Finsternis« ehrlicher?

Mit Schwarzen-Humor:

Titanic

Sie, Reich-Ranicki,

wurden in Ihrer FAS-Rubrik gefragt, ob Robert Gernhardt einer der größten deutschen Lyriker sei, worauf Sie antworteten: »Solche Superlativfragen sind sehr beliebt, doch in den meisten Fällen ergeben sie so gut wie nichts«, was nicht heißt, daß man damit nicht noch ein paar hundert Zeilen vollmachen könnte: »Aber da liegt die Frage nach Robert Gernhardt. Ist er nun einer der größten deutschen Lyriker? Nein, es wäre natürlich unsinnig, ihn zusammen mit Goethe, Hölderlin oder Heine zu nennen, mit Eichendorff, Brentano und Mörike. Das meint auch nicht die Briefschreiberin aus Berlin. Geht es ihr um das zwanzigste Jahrhundert? Da kommt wohl für den Platz 1 vor allem Brecht in Betracht. Doch ­sollte man nicht übersehen, daß manche Literatur­kenner hier eher Benn ins Gespräch bringen würden. Nach 1956 (in diesem Jahr starben Benn und Brecht) wird das Feld weniger übersichtlich. Man könnte an einige Namen erinnern: Peter Huchel, ­Günter Eich, Paul Celan, Ernst Jandl, Ingeborg Bachmann, die alle nicht mehr leben, und noch ­einige andere« usw. usf. Stellt sich nur und wieder mal die Frage nach Ihrem Wert als Kritiker. Sind Sie ­etwa ­einer der größten deutschen Kritiker? Nein, es wäre natürlich unsinnig, Sie in einem Atemzuge mit Lessing, Schlegel oder Heine zu nennen. Aber das meinen Sie bestimmt auch nicht. Geht es um das zwanzigste Jahrhundert? Da kommt wohl für den Platz 1 vor allem Karl Kraus in Betracht. Doch sollte man nicht übersehen, daß manche ­Kenner hier eher Kurt Tucholsky oder Her­mann Gremliza ins Gespräch bringen würden. Aber da liegt die Frage nach Marcel Reich-Ranicki. Nun ja, am ehesten sind Sie wohl mit dem Rechtschreib- und Grammatikprogramm unseres Computers vergleichbar: Neuem nur sehr eingeschränkt zugänglich, spucken Sie immer wieder und un­ermüdlich Bekanntes aus, lassen sich dabei nur sehr schwer abstellen und sind hochgradig nervtötend, na ja, was haben Sie erwartet!

Ihre Kritiker auf der

Titanic

Daß Sie, Nico Fickinger,

gegen einen gesetzlichen Mindestlohn sind, alldieweil sonst »ein ökonomisches Desaster« drohe bzw. die »Verriegelung der Lohnstrukturen nach unten keine neuen Arbeitsplätze, sondern nur neue Arbeitslose produzieren wird«, gerade bei den Briefzustellern, die mit rd. 1000 Euro netto halt auch grotesk überbezahlt sind, ist das eine, durchaus FAZ-typisch Verriegelte; das andere, daß Sie neben Ihrem Job als FAZ-Parlamentskorrespondent einem sog. Institut zur Zukunft der Arbeit angehören, das ein von der Deutschen Post gefördertes »unabhängiges« Forschungsinstitut ist und dessen Direktor Zimmermann sowohl ein naturgemäß dezidierter Gegner eines gesetzlichen Mindestlohns als auch Ihr, Fickinger, Doktorvater; und daß Sie dabei heißen, wie Sie heißen, das dritte, dann schon restlos Einleuchtende.

Weiterhin gut Schuß wünscht

Titanic

»Stella Tate«!

Daß Du und Deine Spammerkolleginnen und -kollegen Eure mehr oder minder phantasievollen Pseudonyme neuerdings auch mal in Anführungszeichen setzt und so augenzwinkernd deren Fiktionalität signalisiert, finden wir ja eigentlich ganz charmant. Aber wenn Du uns schreibst: »Enlarge your ›penis‹« – dann ist definitiv Schluß mit lustig!

»Grüße«:

Titanic

Du wiederum, Lidl,

behauptest unverdrossen: »Wir machen die billigen Preise!« Und das, Lidl, ist natürlich Unfug. Billig sind allenfalls Deine Mitarbeiter, allen voran, gemessen am Ergebnis, Deine Texter.

Macht die billigen Witze:

Titanic

Gottschalk!

»Gottschalk: Was mich am TV nervt« –

gut, daß das mal einer sagt. Und dann auch noch ein ausgewiesener Fachmann!

Mit Dank und Gruß:

Titanic

Eine »Vorzeigelinke«, Andrea Nahles,

hat der Dr. Klitschko, aber nicht die SPD. Sie jedenfalls sind garantiert keine. Auf die Frage von Welt ­online, ob das Wort »Kapitalist« für Sie ein Schimpfwort sei, wußten Sie zu antworten: »Ja klar. Kapitalist, das ist ein negativer Begriff. Ein Kapitalist ist jemand, der die gesellschaftlichen Interessen hinter seine eigenen Profit­interessen stellt. Im Gegensatz dazu sind Unternehmer positive Akteure in unserer Gesellschaft. Sie beuten nicht aus, sondern ermöglichen Wertschöpfung und Arbeitskräfte.«

Dabei kann, Frau Nahles, doch jeder mindestens bei Wikipedia nachlesen: »Im Marxismus bezeichnet das Wort ›Kapitalist‹ eine Person, die über Produktionsmittel verfügt. Um sein Leben zu fristen, muß er seine Fähigkeit zur Arbeit nicht (wie der Proletarier) verkaufen. Vielmehr zieht er aus deren lebendiger Arbeit Profit bzw. Einkommen, das er vor allem zur erweiterten Akkumulation seines Kapitals nutzt, ggf. zur Beschaffung weiterer Produktionsmittel verwendet.« Und nach §14 Abs. 1 BGB ist ein Unternehmer »eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft, die bei Abschluß eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt«.

Das ist, in nüchternen Worten, alles. Alles andere, positive Aktion in der Gesellschaft und so, ist lediglich die ganz gewöhnliche, seit Parteigründung bekannte und mit marxistischem Vokabular nur ein bißchen rasselnde »Dagegen, aber nicht ernsthaft, hey, war doch nur Spaß!«-Adabei-Position der SPD.

Gleichfalls nüchtern:

Titanic

»Bild«!

»So kämpft Italien gegen Magersüchtige« – fehlt eigentlich nur noch »Aidskranke endlich ausgerottet«, und die Welt wäre wieder in Ordnung.

Kämpferisch:

Titanic

Von wegen, Wellness-Hotel Pausnhof!

»Im Pausnhof können Sie sich das ganze Jahr über verwöhnen lassen« – klaro, und wahrscheinlich genau­so wie früher sich das Taschengeld wegnehmen lassen, ein paar Arschtritte kassieren, Kaugummi in die Haare gepappt bekommen und ­danach zusehen müssen, wie die anderen auf unsere Sunkist-­Tüte springen – »Wellness« pur!

Nach Diktat zum Diktat:

Titanic

Und danke auch, Medien,

daß wir zum Abschied E. Stoibers noch einmal seine schönsten Versprecher lesen durften, meist unter brüll­komischen Überschriften wie »Stoibers gestammelte Werke«; aber daß dieser eminente Komiker die ­steuer- und erb­rechtliche Anerkennung homosexueller Paare mit Teufels­anbetung verglich, die National­sozialisten in erster Linie für Sozialisten hielt, politische Gegner als ­Ratten und Schmeißfliegen beschimpfte, für die Verschärfung des Asylrechts trommelte, sich überhaupt bei jeder Gele­genheit als christlich-abendländischer Leitkulturhammel gerierte und trotzdem bzw. genau deshalb beinahe Bundeskanzler geworden wäre – daran muß mal wieder wer erinnern?

Gern geschehn.

Titanic

Gabriele Pauli!

Sie haben sich in Latex gezwängt, Sie haben sich in die bayerische Flagge gehüllt – vergeblich: Die einzigen, die sich entzückt zeigten, waren die Käseblätter, für die Sie diese und ­diverse andere Albernheiten aufführten. Bevor Sie sich also als nächstes hinter einem Berg Weißwürste räkeln oder ein leeres Bierfaß umschnallen, ziehen Sie zur Abwechslung doch mal mythische Register, indem Sie z. B. in einem Kleidungsstück verschwinden, das schon Helden wie dem alten Siegfried wertvolle Dienste leistete: der Tarnkappe.

Unsichtbare Grüße:

Titanic

Leonardo DiCaprio!

In einer Pressekonferenz zu Ihrem Dokumentarfilm über die Klima­erwärmung »Die elfte ­Stunde« ­ließen Sie den Satz fahren: »In einem Spielfilm ist der Regisseur Gott, in einem Dokumentarfilm ist Gott der Regisseur.« Soso. Wenn wir da korrigieren dürfen: In einem ­Dokumentarfilm über die Klimaerwärmung ist nicht Gott der Regisseur, sondern z. B. Hollywoodstars mit Yacht und Privat­flugzeug.

Da mal drüber nachdenken!

Grüß Gott:

Titanic

Sie immerhin, Tonio Mantel,

rufen als Chefredakteur der Aktuellen, eines Käseblatts also, das Dinge wie »Daniel Ducruets seltsames Liebesbekenntnis« und »das Geheimnis des zerschnittenen Brautkleids« der Gattin von »Fürst Schaumi« für Nachrichten hält, in Ihren »Montagsgedanken« dazu auf, »das Internet vom Müll (zu) befreien«, wagen sich für Ihre Leserschaft – wohl vorwiegend Altenheimbewohner im mentalen Endstadium – in die ominöse Welt des gefährlichen Internets und finden heraus, daß dort ganz schön viel Krempel zu finden ist; Fazit: »Das Internet wäre eine wunderbare Welt, könnte man es vom Müll befreien, den Spinner und Vollidioten hinterließen.«

Nicht daß wir fänden, als Chefredakteur der Aktuellen solle man sich Kategorisierungen dieser Art, die ja haarscharf an eine Zielgruppenbeschreibung Ihrer Society-Prosa grenzen (»Sylvia Leifheit: Frauchen aus Leidenschaft«), verkneifen, nein: Eher würden wir Ihnen als Chefredakteur eines Blattes, das Müll nicht nur im Internet, sondern auf kostbarem Papier verbreitet, empfehlen zu schweigen und sich still und leise zu freuen, daß es in unserer Gesellschaft auch für Spinner und Vollidioten Jobs mit deutlich zu hohem Sozialprestige gibt.

Befreite Grüße:

Titanic

Und Dich, oberbayerische Gemeinde Paslam,

gibt's also gar nicht? Und den Schorsch, den Max, den Alois und den Ferdi Filbinger (alle CSU) auch nicht? Alles nur erfunden und Spaß?

Realitätsmaschine Internet? Und wir sind im aktuellen Heft (S. 6) drauf reingefallen?

Schade eigentlich!

Mit Gruß an Dr. Tschabobo, Deine

Titanic

SAT.1-Chef Matthias Alberti!

Im Gespräch mit der Süddeutschen erklärten Sie per erfrischend lyrischem Vergleich, daß sich in der großen Fernsehfamilie die einzelnen Sender nicht bedrängen, vielmehr ergänzen: »Ich sehe die ARD als den Vater. Von ihm bekomme ich Information und Orientierung. Das ZDF ist die Mutter, manchmal auch die Großmutter: sehr behütet, sehr beheimatet. RTL ist der Abenteurer: Komm, wir gehen Kirschen ­klauen – einer, mit dem man manchmal besser nicht spielen sollte. ­ProSieben ist die Verführerin, die Schönste auf der Tanzfläche. Und ich würde mich dann freuen, wenn wir als die unter­nehmungslustige Freundin gelten würden – ein bißchen reifer, erwachsener. Eine Freundin, die fragt: Willst du mit zum Stones-Konzert, ich habe zwei Karten?«

Nur ungern stören wir, Alberti, Ihr trautes Idyll, aber die Verhältnisse sind doch ein bißchen komplizierter, immerhin sind ja mehrere der Mitglieder einander inzestuös zugetan: Die ARD ist nämlich in Wahrheit der verdrehte Opa, der mit zusammengeflunkerten Geschichtsanekdoten und flotten Weltkriegsstorys der ganzen Familie auf die Nerven geht; das ZDF ist seine verwirrte Frau, die die Hälfte des Quatsches noch einmal wiederholt und ansonsten erzählt, was sie beim Friseur alles in der Bunten gelesen hat; RTL ist der pubertierende Enkel, der heimlich in die Sofaecke onaniert, und Pro7 sein debiler Bruder, der mit seiner Cousine Sat.1 ein heimliches Verhältnis hat und im übrigen fragt: Willst Du stoned mit zum Konzert gehen?

So ist das nämlich!

Ihre Familientherapeuten auf der

Titanic

Jockel Fischer!

Wie unter Politikern a. D. so ­üblich, haben auch Sie eine Autobiographie inklusive Vorabdruck im Spiegel vorgelegt. So erfahren wir, daß Sie die Grünen heute als »realitätsfern, widersprüchlich, kleinbürgerlich, eitel und zänkisch« einschätzen, was Sie vermutlich nur deshalb so öffentlichkeitswirksam ausposaunen, weil Sie unheimlich geradlinig, großbürgerlich, uneitel und friedfertig sind, was sich dann so anhört: »Da saß ich nun im Aller­heiligsten der Nato, im Saal des ­Rates, war deutscher Außenminister, führte Krieg und hatte Geburtstag!« Und nicht einmal ein Yes Torty dabei! Oder sollten Sie, Jockel, umgekehrt den Krieg selber als kleines Geburtstagsgeschenk empfunden haben, als erfrischendes Stahlbad, als Jungbrunnen für ein Volk und seine Führer? Der Ihnen und uns halt gerade noch gefehlt hatte? In diesem Fall freilich müßten wir Sie in der Tat und neidlos einen Realpolitiker nennen – alle anderen Bezeichnungen können wir uns nämlich nicht leisten.

Mit Verlaub:

Titanic

Subway (Fastfood)!

Du bist mächtig stolz auf Deine neuen Fisch-Sandwiches und hast dafür auch einen eigenen Slogan entwickelt: »F(r)isch aufgetaucht« – und da haben wir uns schon ein bißchen gewundert. Denn müßte es nicht vielmehr heißen: »Frisch aufgetau(ch)t«?

Siehste!

Deine untergetauchten System­satiriker von der

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Wolke Hegenbarth (39), Schauspielerin!

Wolke Hegenbarth (39), Schauspielerin!

Der »Gala« sagten Sie, dass Sie nach der Geburt Ihres ersten Kindes die Augen aufgemacht hätten: »Ich bin anschließend wochenlang durch die Straßen gegangen, habe die vielen Menschen gesehen und gedacht: Die sind alle geboren worden – das ist so abgefahren!«

Und, Frau Hegenbarth, was haben Sie vor Ihrer Niederkunft gedacht, wenn Sie die vielen Menschen gesehen haben? Dass die vom Himmel gefallen oder geschnitzt worden sind? Ein lauter Traum, ein kruder Witz? Wenn Sie Ihre Augen noch eine Weile offenhalten wollen: Auch die ganzen Schnitzel und Pandabären sind einmal geboren worden.

Abgefahren: Titanic

 Küss die Hand, Bad Ischl!

Du Tummelplatz der k.u.k. Schickeria im österreichischen Salzkammergut wirst nun unter dem Motto »Kultur ist unser neues Salz« eine der drei europäischen Kulturhauptstädte 2024. Herzlichen Glückwunsch! Da für uns Dein Land aber eh nur eine einzige große Fressmeile ist, fragen wir uns, welche kulinarischen Zutaten noch so ersetzt werden sollen. Ist die Wirtschaft das neue Rindfleisch? Die Wissenschaft die Zwiebel? Das Soziale der Pfeffer? Und Politik die Paprika edelsüß?

Zu diesem herzhaften Saftgulasch serviert gern den Witz als neuen Serviettenknödel: Titanic

 HEY, LAAAHAAARS!!!

In einem eher kurzen Interview mit der Tagesschau hast Du, Generalsekretär der SPD, Dich gleich dreimal desselben Stilmittels bedient. Du sagtest, dass »alle wollen, dass die Partei wieder lauter wird«, merktest, dass »es in der Partei ein großes Bedürfnis gibt, über Themen zu reden, die die Menschen interessieren. Und zwar laut über diese Themen zu reden«, und tatest kund, dass Dein Verein zwar in der Regierung bleibt, »aber auch, dass wir laut sagen, wofür die SPD steht«.

Und nun fragen wir uns, warum denn plötzlich alles so laut sein muss. Denkst Du, wer schreit, hat recht? Soll die Botschaft der SPD über die leeren Marktplätze in die Wohnungen der daheimgebliebenen Wählerschichten dringen? Oder ist die SPD, trotz Erneuerung an der Spitze, im Kern so alt, dass die Parteimitglieder selbst sozialdemokratische Kernanliegen nicht mehr registrieren, wenn man sie ihnen nicht ins Ohr schreit? Ach was, es sind ja doch alle drei.

Deine Leisetreter von Titanic

 Genial, »Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag«!

»Batterien sollen Strom speichern« ist eine Deiner Überschriften auf der Themenseite »Innovation aus Schleswig-Holstein«. Diese Süddänen scheinen ein sehr plietsches Völkchen zu sein. Als Ergänzung hätten wir noch ein paar eigene Innovationen mit potentiell ähnlich durchschlagendem Charakter: Häuser sollen vor Regen schützen, Feuer soll Wärme spenden und Bier soll betrunken machen.

Deine Düsentriebs von Titanic

 Sieh an, Kai Pflaume,

die kasachische Version Ihrer Quizsendung »Wer weiß denn sowas?« finden Sie klasse. »Man versteht kein Wort. Es sieht aber sehr ähnlich aus«, sagten Sie dazu der DPA. Man versteht kein Wort? Liegt das womöglich daran, dass Kasachisch gesprochen wird und Sie Kasachisch nicht können? Ansonsten ist es ja dann genauso abgestanden wie das Original.

Weiß: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Der Schlaf der Vernunft

Neulich hatte ich einen Traum, der mir vielleicht ermöglicht, mein verpfuschtes Leben vom Kopf auf die Füße zu stellen. Mir träumte nämlich der Satz: »Die wirklich wichtigen Dinge habe ich immer ins Wurstfach getan.« Zwar gibt es in meinem Kühlschrank kein Wurstfach, aber nun habe ich eben eines dazu erklärt und, obwohl ich gar keine Wurst esse, mir ein Stück Salami gekauft, meine Steuererklärung sowie die leere Brieftasche dazugelegt, und ich muss sagen, seitdem geht es mir tatsächlich besser.

Tibor Rácskai

 Guter Vorsatz

Die unsäglichsten One-Hit-Wonder meiner Jugend (die noch dazu in den 90ern stattfand) rauf und runter streamen, um ihren Interpreten die Rente ein wenig aufzubessern.

Teja Fischer

 Gegen den Stich

Alle traditionelle Moralität habe ich hinter mir gelassen. Recht und Unrecht, Gut und Böse sind Kategorien, die für mich keine Bedeutung mehr haben. Ich beschreite nun einen Weg vollkommener sinnlicher Erfahrung, in der menschliche Kategorien zurückbleiben wie der leere Kokon eines neuen, größeren Wesens. Mögen andere mich Teufel oder Dämon zeihen, meinen Lebensstil pervers und mein Vergnügen verboten, ich lasse sie zurück wie kläffende Straßenhunde, an welchen der Moschusgeruch des Karnevals vorbeizieht. Ja, freimütig, vor aller Welt will ich meine Sünde bekennen: Ich habe Lachsbrötchen mit Marmelade gegessen.

Leo Fischer

 Analoge Kuriosität

Wenn in Turin ein Fiat 500, Baujahr 2007 mit ca. 50 km/h auf der Via Santa Giulia über einen halb losen Gullydeckel fährt, dann hört sich das exakt so an wie das Netflix-Intro.

Sascha Dornhöfer

 Praktisch

Das mittlere Alter hat auch seine Vorteile – man kann die Jungen und die Alten gleichermaßen doof finden.

Tina Manske

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 13.02.:

    Die "Junge Welt" sieht Moritz Hürtgens Gedichtband "Angst vor Lyrik" in bester TITANIC-Tradition.

  • 10.02.:

    Heinz Strunk erzählt im Interview mit dem "Flensburger Tageblatt" von seiner Bühnenshow, seinen Büchern und Kolumnen.

  • 10.02.:

    Max Goldt spricht bei "rbbKultur" über sein musikalisches Werk.

  • 04.02.:

    Christian Y. Schmidt berichtet über das Leben mit dem Corona-Virus in Peking bei radioeins und im "Freitag".

  • 03.02.:

    Die "Kronen-Zeitung", Heute.at und Oe24.at freuen sich über Österreicher auf dem TITANIC-Titel "100 Jahre NSDAP".

Titanic unterwegs
20.02.2020 Weimar, Mon Ami Max Goldt
20.02.2020 Düsseldorf, Schauspielhaus Martin Sonneborn
21.02.2020 Stuttgart, Theaterhaus Max Goldt
21.02.2020 Frankfurt, Nebbiensches Gartenhaus Oliver Maria Schmitt