Briefe an die Leser | Juli 2007


Berliner!

Mit wachsendem Widerwillen ­lesen wir v. a. in der feuilletonismusverarbeitenden Industrie immer wieder ­Loblieder auf Eure charmante Kodderschnauze, Euren verschmitzten Lakonismus etc., und Ihr lest es und glaubt es und fühlt Euch im Recht. Aaaber: Wenn Ihr z.B. als Fahrkartenverkäufer schon auf die harmlose Erkundigung »Ich möchte mit meinen Freunden gern ein Wochenende durch Berlin gondeln« mit »Ich auch, ich auch« antwortet, so hat das mit Kodderschnauze, Lakonismus usf. gar nicht mehr viel zu tun; eher schon mit Arschkrampigkeit.

Also damit aufhören, ja?

Befiehlt:

Titanic

Ikea!

Deine Klobürste »Viren«: müßte die nicht genaugenommen – »Bakterien« heißen?

Hihi!

Titanic

»Eine attraktive Mischung«, Philipp Stölzl,

»aus Zeitgeschichte und melodramatischem Abenteuer« nennen Sie Ihr neuestes Filmprojekt »Nordwand«, dessen Story sich, wie die Süddeutsche berichtet, am angebl. tragischen, tatsächlich aber bloß tödlichen Erstbesteigungsversuch der ­Eiger Nordwand 1936 orientiert. Damit die derart desorientierte Story nicht gleichfalls am Berg den Tod findet, lesen Sie abends die Klettererinnerungen von Riefenstahls Leni und gucken deren Filme weg; und wissen hinterher, daß man bei der Beurteilung des Dritten Reiches den sportlichen Aspekt nicht vernachlässigen dürfe: »Die Lust am Risiko war damals eindeutig größer.«

Ja. Hm. Dochdoch. Das kann man so sagen!

Trotzdem lieber risikofrei:

Titanic

Brandauer, Klaus Maria!

Dem Tagesspiegel erzählten Sie neulich, was Sie an der Zusammenarbeit mit jungen Schauspielern so reizt: »Ich habe es gern, wenn ich in einem Ensemble arbeiten kann, in dem alle Altersstufen vertreten sind: sehr alte Hasen, weniger alte Hasen und ganz junge Anfänger. Das ist auch ästhetisch sehr angenehm. Jüngere Leute sehen einfach besser aus als Alte. (Brandauer stampft wütend auf.) Das bedeutet nicht, daß junge Leute interessanter sind – davon kann keine Rede sein. Aber sie sind einfach schöner. Sie sind erotisch zugänglicher als ältere Herrschaften.«

Und gerade letzteres, lieber Klaus Maria, möchten wir bezweifeln – zumindest, wenn sich ältere Herrschaften wie Sie diesen jungen Hasen ganz interesselos nähern. Sie sind nämlich inzwischen auch sehr alt und sehen dementsprechend einfach schlechter aus, das ist ästhetisch sehr unangenehm. Da können Sie noch so wütend aufstampfen!

Ihre alten Anfänger auf der

Titanic

Und worum, Möhrchen,

ging’s diesmal auf Deiner Improvisationsbühne namens Spiegel online? Um den Gipfel, logo: »Die Burgherren samt Fräuleins in der militärisch gesicherten Festung, Pech und Schwefel gut gebunkert, draußen die anstürmenden Volksmassen mit modernen Mistgabeln, die – mangels Wassergraben – am Zaun rütteln und kriegerische Verwünschungen ausstoßen. Symbolische Politik, hilflose Gesten auf beiden Seiten. Die einen kommen nicht rein, die anderen nicht raus. Die drinnen produzieren heiße Luft, die draußen lassen Dampf ab. Pffft pfffft, puff puff. Oder doch knallknall pengpeng?«

Wenn Du uns, Möhrchen, fragst: Knallknall pengpeng!

Bis gleich:

Titanic

Claus Strunz!

Daß Ihnen und Ihrer BamS die Proteste gegen den G8-Gipfel nicht gefallen haben, wundert uns wenig; ebensowenig, daß Sie klare, fettgedruckte Worte dafür gefunden haben: »Die Massenproteste gegen den G8-Gipfel sind zynisch, falsch und gefährlich … Die Demonstranten verstehen sich als ›Globalisierungsgegner‹ – ein Begriff, der mit naiv noch charmant beschrieben ist … In Heiligendamm treffen sich Politiker, die es in der Hand haben, die Lebensverhältnisse ganzer Kontinente zu verbessern. Für Millionen Menschen in Afrika und Asien ist das G8-Treffen eine Konferenz der Hoffnung. Wer diese Konferenz verhindern will, versündigt sich an denen, für deren Zukunft er angeblich kämpft.«

Aber sehen Sie, Claus Strunz: Wenn wir Ihre zynischen, falschen und gefährlichen Kommentare lesen, die mit naiv noch charmant beschrieben sind, dann müssen wir auch Ihren einleitenden Worten widersprechen: »Es ist angenehm, in einem Land zu leben, in dem jeder seine Meinung frei äußern darf.« Das ist es manchmal eben nun wahrlich nicht.

Jedenfalls nicht für immer noch ein bißchen weniger Ihre

Titanic

Glückwunsch, Dieter Hildebrandt (SPD)!

Zu Ihrem Achtzigsten wurden Sie ja mal wieder hübsch mit Lob beworfen und vielkehlig zur großen alten Dame desjenigen Klamauks ernannt, der sich politisches Kabarett nennt; und nachdem Ihnen eine Schar von Gratulanten aus der herrschenden Klasse die Ehre gegeben hatte, ­durfte dann Ihr kongenialer Nachfolger Bruno Jonas im Radio gestehen, daß Sie ihm im Alter sogar noch »bissiger, unversöhnlicher und schärfer« erschienen als früher.

Mensch, Dieter: Wo soll das denn noch hinführen? Immer noch bissiger und schärfer und unversöhnlicher werden – vielleicht gelingt Ihnen dann sogar mal eine echte Kritik an den bestehenden Verhältnissen. Bis dahin aber bitte gesund und immer schön kritisch bleiben! Ohne Sie würden die da oben nämlich bestimmt machen, was sie wollen, und das fürchtet niemand mehr als Ihre

Titanic

Abermals, n-tv!

Im Kampf um die Gunst der jungen Zuschauer gehst Du ja ganz schön weit: »Putin disst Merkel«, so lautete jüngst Deine Schlagzeile, damit auch die Kids Deine coolen Facts ganz easy checken. Wir freuen uns schon auf Deine kommenden Headlines: »Endgeile Revanche: Merkel kackt Putin an«, »Fetter Mindfuck für Madeleines Eltern« und ­»Krasse Scheiße: Deutsche Soldaten hat’s gefetzt«.

Yo:

Titanic

Radrennfans,

die Ihr derzeit so irritiert auf ­Eure ehemals großen Vorbilder blickt – jetzt mal unter uns: Es war doch völlig offensichtlich, daß im Radrennsport die letzten Jahrzehnte auf Biegen und Brechen gedopt wurde. Denn, schaut mal: Woher hätten die Radfahrer denn sonst immer genauso schnell fahren können sollen wie die Motorräder?

Titanic

Es ist, Dirk Peitz,

doof, aber leider wahr: Wie ein Popjournalist aussieht, erkennt man meistens daran, wie er über Mädchen schreibt: »Es ist doof, aber leider wahr: Wie eine Band ist, erkennt man meistens daran, wie die Mädchen beim Konzert in der ersten Reihe aus­schauen. Es gibt Dicke-und-häßliche-Mädchen-Bands (Tokio Hotel), Dicke-und-traurige-Mädchen-Bands (Coldplay), Dünne-und-häßliche-Mädchen-Bands (alles mit Rock’n’Roll). Und es gibt Bands wie Rooney«, deren erste Reihe derart atemberaubend besetzt sei, daß Sie, wenn wir Ihr trübes Textlein in der Wochenend-SZ richtig verstanden haben, beim nächsten Konzert der Band dort ebenfalls zum Schieben, Drängeln und Drücken bereitstünden. Was aber machen Sie, Peitz, wenn diese Spitzenweiber keine Lust darauf haben, sich von einem Popjournalisten des Typs Dicker-und-hornbrilletragender- Glatzkopf (Süddeutsche Zeitung) nach Junggesellenstammtischart durchkategorisieren und anschließend die Hucke vollschwitzen zu lassen? Die wenigen Resthaare ausraufen? Eine dickere Hornbrille kaufen? Oder noch mehr essen?

Leider wahr:

Titanic

»Tagesspiegel«!

Daß wir angesichts der ja quasi wöchentlichen Funde von verwahrlosten Kindern und gefrosteten Baby­leichen in Deinem weiteren Einzugsgebiet nun nicht ständig nur mit vor das Gesicht geschlagenen Händen durch die Gegend laufen können, das sehen wir ja ein. Aber ist ­es nicht doch ein bißchen viel Pragmatismus, auf der Titelseite in der Rubrik »Matthies meint« gleich in der Überschrift zu fordern: »Kinder? Nur mit neuem Kühlschrank«?

Fröstelnd:

Titanic

Wenn, Nachrichtenjournalisten,

hr Fatah-Kämpfer in Eurem Online-Schreib oder Sende-Sprech neuerdings gern auch mal »Fatah-Bewaffnete« nennt, ist dann damit zu rechnen, daß beispielsweise Soldaten zur See bei Euch künftig Marine-Besegelte heißen, jemand, der von seinem Arzt zum Zweck der Prophylaxe eine Spritze bekommt, ein Arzt-Geimpfter wird und einer, der entweder Doofmist produziert oder ihn von Kollegen abschreibt, demnächst als Arschquatsch-Behämmerter in einem Satiremagazin steht?

Überlegt’s Euch halt mal.

Ende der Durchsage:

Titanic

Michel Friedman!

»Es widert mich an! Erik Zabel und Aldag, der Sportdirektor von T-Mobile: Sie machen weiter, als wäre nichts geschehen.«

Sie kennen den alten Spruch vom Glashaus und der Panzerfaust?

Jedenfalls bitte weiter »so«:

Titanic

Frank Pagelsdorf!

Mit dem FC Hansa Rostock sind Sie jetzt wieder Erstligatrainer, und wo Werner Lorant, Trainer Ihres letzten Zweitligagegners Unterhaching, großspurig angekündigt hatte, sich im ­Falle des Klassenerhalts eine Glatze zu scheren, liebäugelten Sie lt. Presse und im Aufstiegsfall mit derselben Maßnahme. Da eine Glatze in Rostock nun wirklich nicht auffällt: Wär’s da nicht mutiger, sich mit einem bunten Iro in die heimische Fankurve zu begeben?

Viel Glück!

Titanic

Ulf Poschardt!

In einem Ihrer wie immer schwer staatstragenden Vanity-Fair-Editorials widmeten Sie sich unter dem Titel »Keine Zukunft für Schlaue?« dem Umstand, daß immer mehr Deutsche Deutschland verlassen, und im Kern lief Ihre Analyse darauf hinaus, daß Dumme und Faule nach Deutschland strömen, während die Klugen und Fleißigen gehen.

Wenn uns unsere Erinnerung nicht täuscht, kamen Sie von der Zürcher Weltwoche zu Ihrem Metropolenmagazin, das niemand braucht. Weshalb wir Ihrer These teils sogar zustimmen.

Bleibt aber die Ausnahme!

Verspricht

Titanic

Sie, stets verehrte Lisa Fitz,

ob Ihres messerscharfen Verstandes auch als die Paris Hilton des deutschen Kabaretts bekannt, ließen uns während einer Klimadiskussion diese Erkenntnis zuteil werden: »Der 11. September war unser schlimmstes Jahr.« Da Sie das so persönlich äußerten, möchten wir Ihnen nicht widersprechen. Aber doch tröstend ergänzen: auch eines der kürzesten.

Ihre Zeitforscher von der

Titanic

Deutsche Popsänger!

Nachdem wir einer Ankündigung des Diogenes-Verlages entnahmen, daß das neue Album des Schweizer Sängers Stephan Eicher nicht nur – wie üblich – Lieder aus der Feder seines Kumpels Philippe Djian enthält, sondern auch drei Songtexte von Martin Suter, fragen wir uns, ob dieses Beispiel nicht auch bei Euch Schule machen sollte: »Wolfgang Petrys Comeback-Album mit Lyrics von Martin Walser und Günter Grass«, »Elfriede Jelinek schreibt neue Hitsingle für Xavier Naidoo« oder »Grönemeyer macht seltsame Geräusche aus Texten der Nobelpreisträger Orhan Pamuk, Imre Kertész, Gao Xingjian und José Saramago« – wäre das nicht ein vielversprechender Weg aus der Krise Eures Marktes? Hochliteratur geht schließlich immer, wie niemand besser weiß als die Bestsellertypen von

Titanic

Sie wiederum, Susanne Fröhlich,

wurden von der Frankfurter Rundschau als »B-Prominenz« tituliert, kündigten daraufhin umstandslos Ihr Rundschau-Abo und verlangten brieflich eine Richtigstellung dahingehend, Sie seien bei Gott keine B-Prominenz, sondern A-Prominenz durch und durch. Und genau so reagieren ja A-Prominente auf Presseanwürfe, nicht wahr: beleidigt, trotzig, notfalls mit dem Rechtsanwalt. Haben Sie auch mit dem Fuß aufgestampft und geheult: »Ich will aber keine B-Prominenz sein! Ich will A-Prominenz sein! A-ha-ha-ha-haaaa!!«?

Das hätte zu gerne gesehen:

Titanic

Gewohnt eloquent, Ildikó von Kürthy,

haben Sie im wie nichts notwendigen Brigitte-Dossier »Hauptsache schön?« festgestellt: »Das hast du davon, wenn du mit einem Supermodel auf ’nen Drink gehst. Die sieht sogar von hinten noch besser aus als du von vorn.« Und abgesehen davon, daß wir es fast bewundernswert finden, wie Sie mit solchen immer und immer wieder variierten Weisheiten die Emanzipation der Frau im Alleingang und gegen Millionengage in Grund und Boden schreiben – es gibt auch Sätze, die sogar von hinten noch besser sind als Ihre von vorn. Gucken Sie mal: »Dabei schaut er mir ausgerechnet in die Augen und ich frage mich, ob die Straffung von Schlupflidern wohl von meiner Krankenkasse übernommen werden würde.« Wie klug, elegant und anmutig sich dagegen selbst noch ».trewsnegalkeb tsi dnatsuZ neuarF reD« ausnimmt!

Unnachgiebig:

Titanic

Monika Harms!

Für eine Generalbundesanwältin zeigten Sie jüngst im Spiegel-Interview erstaunlich viel Augenmaß, was das sog. Sicherheitspaket der Bundesregierung betrifft: »Deshalb bin ich überzeugt davon, daß die Online-Durchsuchung notwendig ist – nicht, um etwa Wirtschaftsstraftaten aufzuklären, sondern in einem engumgrenzten Deliktfeld« – na, dann sind wir ja beruhigt! Wir fürchteten nämlich schon, daß ­unsere zahlreichen geheimen Milliardendeals, unsere Riesenabfindungen für zwielichtige Ex-Mitarbeiter, unsere schwarzen Konten in Übersee, unsere kleinen Geldgeschenke an ausgesuchte Parlamentarier, unsere geheimen Monopolbildungen und all unsere illegalen Börsenabsprachen jetzt unter verschärfter Beobachtung stünden. Wie gut also, daß die Bundesanwaltschaft die richtige Balance nicht verliert, den Kernbereich privater Lebensgestaltung weiter schützt! Und genau dorthin tritt, wo’s weh tut: nach unten nämlich.

Äußerst engumgrenzte Grüße:

Titanic

Das neue Buch, Alice Schwarzer,

ist da, die PR-Maschine läuft, und Sie wissen, was Ihr Publikum verlangt: Vorwürfe gegen »die Linke«, wie Sie und Ihre Interviewerinnen von der Zeit die rot-grüne Ex-Regierung nennen. So sei u.v.a. auch das Prostitutionsgesetz von 2002 falsch gewesen, weil es den Bordellbetreibern, aber nicht den Prostituierten helfe: »Die einzige prostituiertenfreundliche Politik wäre: keine Diskriminierung von Prostituierten, aber Verfolgung des Systems Prostitution; also der Menschenhändler, Zuhälter, Bordellbetreiber, Freier. Denn sie profitieren von der Prostitution, die Prostituierten aber enden fast immer im Elend.«

Ihre Aufzählung, Frau Schwarzer, ist unvollständig: Es fehlt die Journalistin und Zeitschriftenherausgeberin, die davon profitiert, daß sie nach eigener Aussage schon lange »keine Berührungsängste« mehr hat gegenüber Diekmanns elendem Drecksblatt, das an Bordellanzeigen so schön verdient; und die es sich überhaupt in dieser Gesellschaft, in der sich die meisten fast immer verkaufen müssen, mit einer gutdotierten Lebensstellung als Rebellin inkl. Bundesverdienstkreuz und Vorabdruck in der FAZ sehr gemütlich eingerichtet hat.

Die Geschäftsfreunde meiner Geschäftsfreunde sind meine Geschäftsfreunde:

Titanic

Westerwelle!

Das Autowrack in Rostock war noch warm, der agent provocateur noch nicht enttarnt, die Zahlen der verletzten Polizisten geisterten noch um eine Größenordnung zu hoch durch die Krawallpresse, da geiferten Sie bereits über das Ihrer Meinung nach zu lasche Zukloppen und zu milde Tränengas, denn » wer Beton­brocken auf diese Polizisten wirft, ist ein versuchter Totschläger«.

Ihnen als versuchtem Liberalen raten wir: Wenn die Versuchung zu plärren wieder zu groß wird, versuchen Sie’s mal mit ’ner kalten Dusche vom Wasserwerfer.

Titanic

Hoho, »Penthouse«!

Wie Deine Trendforscher herausgefunden haben, damit Du’s groß auf Deinen Titel drucken kannst, ist »der neue Frauentrend: Sex mit einem Macho!« Dickes Ding, na klar. Und der dadurch wie ’ne laue Kartoffel flink abservierte Trend? »Petting mit dem Ex, der Heulsuse«? Und sag nur, Penthouse, was erspähst und weißt Du nächsten Monat? »Der neue Frauen­trend: Sex mit jedem«? Oder ist’s von Dir am Ende mehr kritisch-emanzipatorisch, ja schockiert gemeint gewesen? Nö?

Dann sei der neue Frauentrend schon bald:

Titanic

Da spielen, Julia Jentsch,

Sie im Sat.1-Spitzenmovie »Frühstück mit einer Unbekannten« also das aufrichtige einfache Mädchen, das sich in einen G8-Politiker verliebt und ihn zum Gipfeltreffen begleiten darf, das sich ebenda mit unerschütterlicher Herzensgüte für die Hungernden der Welt starkmacht, das zwar die großen Zusammenhänge nicht durchschaut, das aber doch so viel mehr verstanden hat als all die bösen mächtigen Politiker, von denen, das muß auch gesagt sein, viele eigentlich in ihrem Innersten doch gute Menschen sind, die das alles so gar nicht wollen –

und schämen sich nicht? Nein? Dann müssen wir das wohl für Sie tun und uns schon vor Ihren nächsten 1a verantwortungsvollen Rollen gruseln: Vielleicht als junge Soldatin, die mutig die Menschenrechte in Afghanistan verteidigt, sich dabei in einen Taliban verliebt und auf dem Marktplatz von Kabul »Alle Menschen werden Brüder« singt? Oder als junge Tippse, die sich in ihren Chef verliebt und dann Massenentlassungen verhindert, weil das Herz halt mächtiger ist als jede Bilanz? Oder lieber die Hauptrolle in »Sophie Scholl 2 – die Rückkehr« übernehmen und sich in einen Sturmbannführer verlieben, woraufhin Dachau dichtgemacht und Hitler abgewählt wird?

Längst nicht mehr neugierig:

Titanic

»Bild«

Kaum war noch der letzte Zweitgeländewagen für den Einkauf zwischendurch mit einem Deiner »Rettet unsere Erde – Ich mache mit«-Aufkleber bestückt, startetest Du auch schon die Fortsetzung der Kampagne: »Große Aktion von Bild: 100 000 Liter Gratis-Benzin zu gewinnen!«

Und für soviel Konsequenz wollten wir Dich einfach mal loben.

Macht nicht mit:

Titanic

Gefreut, Zonis,

hat uns das Ergebnis einer ­neuen Demographiestudie, daß Euch nämlich die Frauen weglaufen, daß ein großer Teil der jungen Mädchen nach Abschluß der Schule sich in den Westen absetzt und allenfalls noch zu Besuchen zurückkehrt. Denn hier wächst bzw. wichst doch wirklich mal zusammen, was zusammengehört: Nationalsozialismus und Männerwohnheim.

Selbst ist der deutsche Mann!

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

 Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

 Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

 Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

 Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Filmkunde

In Zeiten von Zoom-Konferenzen kann es nicht schaden, der Leserschaft ein wenig Nachhilfe in filmischen Fachtermini zu geben. Eine sogenannte Text-Bild-Schere zum Beispiel kann für einen visuellen Bruch und Komik sorgen. Während der Video-Sprechstunde mit meiner Internistin erzählte ich ihr zum Beispiel, dass ich seit vier Monaten nichts trinke, während sie auf eine Galerie leerer Weinflaschen hinter mir starrte. Wichtig ist auch, dass man sich bereits vor jeder Zoom-Konferenz im Klaren ist, auf welches Genre man hinaus will, sich dabei aber genug Raum offenlässt für spontane Änderungen. Meine Video-Sprechstunde hatte ich zum Beispiel eher als »Komödie« gepitcht (aktuelle Blutwerte), am Ende wurde dann aber ein ziemlich bombastischer High-Budget-Horrorstreifen daraus (Privatbehandlung).

Jürgen Marschal

 Idee für 2021: Spargelernte per Silvesterrakete

Die jungen Feuerwerkskörper werden im April ins Spargelbeet gesät, wachsen dort bis zur erntereifen Rakete. Am 5. Mai heißt es dann: DER SPARGEL SCHIESST, und zwar uns unter großem Hallo und Funkenregen direkt in die Münder. Tradition (Spargel) trifft auf Tradition (Feuerwerk), bzw. »Volksspeisung mal anders«. Noch eine kleine Gegendemo (Querfront) dazu, einem Kind fliegt ein Spargel direkt ins Auge, im Folgejahr wird es Einschränkungen geben müssen, fertig ist DAS DEUTSCHE NEUJAHR.

Elias Hauck

 Deutsch, wie es singt und kracht

Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird zunächst naiv annehmen, dass sich hinter einem Wort wie »Scheiblettenkäse« etwas unsagbar Absurdes, in der Muttersprache nur unter Zuhilfenahme sperrigster Umschreibungen Wiederzugebendes verbirgt, ähnlich gewissen japanischen oder isländischen Vokabeln, die zum Beispiel die mundwässernde Wirkung eines seit sechs Monaten im eigenen Sperma marinierten Walhodens bezeichnen. Um dann, mit wachsendem Sprachverständnis, zu begreifen, dass diese Ahnung nicht getrogen hat.

Jasper Nicolaisen

 Zieleinlauf eines Dialogs

Kundin (alte Dame): »Das ist dann schon sehr anstrengend.«
Kassiererin (ältere Dame): »Nein, ich könnte das nicht!«
Kundin: »Aber es macht auch Spaß.«
Kassiererin: »Das ist die Hauptsache.«
»Ja.«
»Ja. 14,60 bitte.«

Worum auch immer es sich dreht, das Gespräch ergibt Sinn.

Theobald Fuchs

 Verwöhnt

Meinen Lebensstil muss man sich erst mal leisten können. Ich zum Beispiel konnte es noch nie.

Tanja Schmid

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 20.05.:

    Mark-Stefan Tietze schreibt in der Taz über die vielen Deutschen, die vor der Merkel-Diktatur ins Weltall fliehen.

     

  • 18.05.:

    Das Neue Deutschland rezensiert Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod", ein Interview dazu gibt es auf Deutschlandfunk Kultur.

     

  • 14.05.:

    Marlen Hobrack bespricht im "Freitag" Christian Y. Schmidts "Der Kleine Herr Tod".

  • 13.05.:

    RTL, die »Hessenschau« und die SZ berichten über die Aktion "Torona: TITANIC hilft der DFL".

  • 05.05.:

    Im Kaput Mag gratuliert Tim Wolff TITANIC-Legende Thomas Hintner zum 60.

     

Titanic unterwegs
03.06.2020 Hachenburg, Hähnelsche Buchhandlung Gerhard Henschel
04.06.2020 Berlin, Buchhändlerkeller Gerhard Henschel
10.06.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve
14.06.2020 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »Beste Beste Bilder – Die Cartoons des Jahrzehnts«