Briefe an die Leser | Oktober 2010


Es dürfte, Oskar Roehler,

sehr schwierig sein, einen Vorwurf zu finden, den man Ihrem Werk »Jud Süß – Film ohne Gewissen« und Ihrer dortigen Regieleistung nicht machen könnte. Aber das, was die FHM in einer Filmkritik behauptet: »Dabei läßt er sogar Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck wie talentfreie Provinz-Knalltüten aussehen« – das kann man Ihnen nun wirklich nicht vorwerfen.
»Sogar« Ihnen nicht!
Gewissenhafte Grüße:

Titanic

Mensch, Heute-Journal,

Du berichtetest vor einer Weile aufgeregt, daß ein großer Eisbrocken vom Petermann-Gletscher in Grönland abgebrochen sei. Das stand aber drei Tage vorher schon in allen Zeitungen. Mit dem Unterschied, daß dort der Eisklumpen viermal so groß wie Manhattan gewesen sein soll. Bei Dir hatte er jedoch die Ausdehnung von – Bielefeld.
72 Stunden für die Umrechnung von New York in Bielefeld fürs deutsche Publikum? Wieviel das indes in Saarland-Einheiten ist, hätte gern gewußt:

Titanic

Gott zum Gruß, Dalai Lama!

Im Sommerurlaub verschlangen wir den von Ihrer »Inkarnation« Tendzin Gyatsho verfaßten Fantasy-Schmöker »Das Buch der Freiheit: Die Autobiographie des Nobelpreisträgers«, in dem Sie in Ich–Erzählerperspektive das Leben des listigen Bodhisattva »Ozean der Weisheit« und seinen unermüdlichen Kampf um seinen rechtmäßigen Platz auf dem Herrscherthron Tibets schildern. Und wie wir da so lasen und lasen, wurde uns mit einem Mal die Erleuchtung zuteil, daß das vorliegende Buch eigentlich unvollständig ist und nur der abschließende Band eines größer angelegten Zyklus sein kann. Und darum wollten wir mal fragen: Wann ist denn mit der Veröffentlichung der vorhergegangenen Geschichten zu rechnen, in denen Sie z.B. die im Jahre 1900 von Ihrem Alter Ego Thubten Gyatsho begangene Anbiederung an den russischen Zaren schildern oder die Inthronisierung Ihres früheren Ichs Sönam Gyatsho durch den Mongolen Altan Khan im Jahre 1578?
Harren gebannt der dreizehn Prequels Ihrer »Autobiographie«:
Die Leseratten auf der

Titanic

Frank Plasberg @ »Hart aber fair«!

Mit dem reißerisch betitelten Thema »Mörder in Freiheit, Bürger in Angst – versagt unsere Justiz?« meldeten Sie sich kürzlich aus der Sommerpause zurück. Dabei diskutierten Sie und ein sechsköpfiges Panel das prominente Urteil aus Straßburg, welches die nachträglich verhängte Sicherungsverwahrung in Deutschland für unzulässig erklärt und damit der Wandlung vom Rechts- zum Präventivstaat einen unschönen Dämpfer versetzt hatte. Die Sendung lief wie gewohnt ab, es wurde an den richtigen Stellen applaudiert, doch am Ende mußten wir folgendes von Ihnen hören: »Normalerweise gibt es immer eine Schlußrunde bei ›Hart aber fair‹, da ist mir bei dem Thema heute keine Frage eingefallen, deswegen gleich zu Susanne Holst.«
Och Menno, Plasberg! Da wäre doch so einiges möglich gewesen! Etwa: »Wem aus dieser Runde trauen Sie am ehesten einen mehrfachen Sexualmord zu?« Oder: »Welchem Gast würden Sie die Giftspritze zur Sicherheit persönlich verabreichen?«
Zu hart? Fair enough:

Titanic

Harald Martenstein!

Als Vielzweckkolumnist schreiben Sie oft über Dinge, von denen Sie wenig oder gar nichts verstehen, aber als Sie sich im Tagesspiegel zu dem Thema »dumme Menschen« äußerten und bei der Gelegenheit feststellten, daß es Schlimmeres gäbe – »zum Beispiel die bösen, die ignoranten oder die lästigen Menschen« –, da waren Sie ganz bei sich, gelle?
Dumme Frage:

Titanic

Bayerischer Rundfunk!

In »Zukunft Jugend« wolltest Du innerhalb weniger Sekunden die 68er erklären, indem Du Deinen Sprecher raunen ließest, man habe damals gesagt: »Wer einmal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.« Einmal? Ganz taufrisch ist unsere Erinnerung an die Revoluzzerzeit ja auch nicht mehr, aber das, lieber BR, dürfte es höchstens an vereinzelten theologischen Fakultäten gegeben haben.
Grüße von den 69ern auf der

Titanic

Sigmar Gabriel (SPD)!

Bevor der Genosse Sarrazin dazwischenkam, ging’s Ihnen eine Weile offenbar wie dem sprichwörtlichen Mops im Haferstroh. Beflügelt von einigen mal nicht ganz so katastrophalen Umfragewerten forderten Sie die Grünen in der Taz dazu auf, sich zwischen Bündnissen mit Ihrer Partei und solchen mit der CDU zu entscheiden. Die Haltung »Wir wollen regieren – egal mit wem« führe nämlich »sicher nicht dazu, daß sich Menschen wieder mehr für Politik interessieren«.
Mensch, Gabriel, das ist für diese Wendehälse von der grünen Partei doch mal ein Expertenratschlag! Gerade Sie als Vorsitzender der Partei, die außer mit der NPD schon mit allem und jedem regierte und regiert, wissen ja nun wirklich am besten, wie man Menschen für Politik desinteressiert.
Von Mensch zu Mops:

Titanic

Liebe Eva Herman!

Gerne machen wir Sie an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß Ihr, nun ja, Sachbuch »Die Wahrheit und ihr Preis« in deutschen Buchhandlungen unter der Rubrik »Schicksale« verkauft wird – und besser läßt sich Ihr Fall ja wirklich nicht zusammenfassen.
Ihre Freunde unbequemer Wahrheiten c/o

Titanic

Kicker.de!

Ferienzeit, Praktikantenzeit. So erklären wir uns jedenfalls folgenden schönen Satz anläßlich der Ausschreitungen nach der 0:7-Heimpleite des FC Carl Zeiss Jena Mitte August: »Außerdem wurde ein Verfahren wegen Ladenfriedensbruch gegen Unbekannt aufgenommen.« Andererseits: Wurde je der Kommerzialisierungsquatsch des Fußballs bis hinab in die 3. Liga unaufgeregter kommentiert? Sollten sich die übrigen Journalisten in unserem schönen »Deutschladen« daran nicht ein Vorbild nehmen?
Fragen die Praktikanten von der

Titanic

Frauenförderung, Commerzbank,

braucht ja einiges an sprachlicher Verve, um in der Geschäftswelt, wo die Männer den Hut aufhaben, Gehör zu finden. Wie aber dürfen wir es verstehen, wenn Du Dein »Karriere-Event WomenUp2010« mit folgender Frage anpreist: »Suchst Du den perfekten Aufschlag für Deine Karriere?«
Daß frau ihre Karriere bei Dir besonders effektiv in den Sand setzt? Daß so ein Aufschlag stärker schmerzt, wenn der Fall von weit oben erfolgt?
Bleibt lieber auf dem Teppich:

Titanic

An sich, »Spiegel«,

ist es ja eine gute Idee, ständig neue Ableger zu produzieren: Was in Deiner Hauptredaktion an Themen liegenbleibt, kann jederzeit in Spiegel Geschichte, Spiegel Wissen oder den Jugend-Spiegel Dein Spiegel verklappt werden. Und wie wir in der Bahnhofsbuchhandlung selbst überprüfen konnten, treiben diese Ableger sogar bunte und abwechslungsreiche Blüten: Können doch Mittelalterfans jetzt »Die Welt der Staufer« im Geschichts-Spiegel kennenlernen, pubertierende Mittelalterfans das »Abenteuer Mittelalter« in Dein Spiegel und mittelalte Pubertätsfans wiederum »Die Pubertät« im Wissens-Spiegel.
Grüße vom Satirespiegel:

Titanic

Und wenn Sie, Waldemar Hartmann,

wirklich recht damit hätten: »Die K-Frage spaltet ganz Deutschland«, dann wäre an dem Gewese um die Besetzung des Kapitänsamtes der deutschen Fußballnationalmannschaft ja doch ein Gutes gewesen. Und Ballack könnte auf der Position spielen, auf der er am stärksten ist: direkt hinter der Mauer.
Womit auch unser Auftrag erfüllt wäre:

Titanic

Inhabergeführte Labels o.ä.,

die Ihr Eure Läden in der Rosa-Luxemburg-Straße, Berlin-Mitte habt: Ihr seid zu siebt, verkauft superteuren, aber trendigen Edelramsch für nichtsnutzige Werber und findet, daß Ihr noch viel mehr verkaufen könntet von Euren »facettenreichen Unikaten« aus »ausschließlich edlen Materialien«, von Eurem »floralen Dekorationsinterieur«, der »globalen Balkon- und Terrassenbepflanzung« sowie eurer »floralen Eventgestaltung«. Und deshalb habt Ihr »eine gemeinsame Plakat-, Print-, Aufkleber- und Social-Media-Kampagne gestartet«, unter dem einprägsamen Namen »Rosa Luxemburg goes shopping«, »die in Anlehnung an den Vornamen der Straßennamensgeberin in knalligem Rosa gehalten ist«, denn: »›Rosa Luxemburg‹ steht für ein authentisches Berlin-Mitte-Shoppingerlebnis mit inhabergeführten Läden, Labels mit Werkstatt und individuell gestalteten Geschäftspräsentationen.«
Und da sagt Ihr ja auch was Wahres: Für wenig sonst steht Rosa Luxemburg so sehr wie für ein authentisches Berlin-Mitte-Shoppingerlebnis. Außer vielleicht für die Bekämpfung der Konkurrenzgesetze des Marktes, der ungerechten Verteilung des gesellschaftlich produzierten Reichtums sowie die Aufhebung der strukturellen Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Kapitaleigner, die man auch proletarische Revolution nennt.
Dann beschwert Euch aber auch nicht, wenn Ihr demnächst, eingewickelt in Eure »kompromißlosen Entwürfe mit Modedetails und Accessoires« bzw. in Euren »in dutzenden Architektur- und Reiseführern« empfohlenen »Dessous und Homewear«, im Landwehrkanal treibt.
Bis es soweit ist, heißt es für uns allerdings immer noch: Freiheit ist immer auch die Freiheit der Anderskaufenden.
Geht sowieso lieber zu Woolworth:

Titanic

Christoph Schlingensief †,

Ihnen ist ja schon genug nachgerufen worden, aber interessieren würde es uns dennoch: Wenn Gestalten wie Elfriede Jelinek einem in der Süddeutschen Dinge nachsagen wie: »Er war DER KÜNSTLER schlechthin. Er hat eine neue Gattung geprägt, die sich jeder Einordnung entzogen hat. Es kann keinen wie ihn mehr geben« – kann einen dann die Hölle noch schrecken?
R.I.P.

Titanic

Hey Amis!

Seit Jahren seid Ihr die globalen Trendsetter im Anti-Terror-Kampf und gebt Unsummen aus für die Verteidigung, die Flughafenkontrollen und die Erarbeitung neuer, noch strengerer und vor allem noch schwachsinnigerer Einreisebestimmungen, die Euch vor potentiellen Terroristen schützen sollen. Diese Investitionen geben Euch ein Gefühl der Sicherheit und lassen Euch ruhig schlafen. Aber könnt Ihr Euch nicht vorstellen, daß Euer erklärter Erzfeind, al-Qaida, vielleicht ein paar Kröten übrig hat, um ein paar Sombreros zu kaufen, die Turbane seiner Gotteskrieger damit zu ersetzen und die so geschmückten Herren unter die Heerscharen verzweifelter Latinos zu mischen, welche täglich zu Hunderten die mexikanisch-amerikanische Grenze passieren?
Da besser nicht drüber nachdenken, raten die Schlafmediziner auf der

Titanic

Liebe Buckelwale!

Es ist traurig, wenn einer von Euch vor der australischen Küste liegt, sich im Sand wälzt und drauf und dran ist, so elendig zu verrecken, daß sich die Behörden entschließen, ihn »human« dahingehen zu lassen. Das von der Internationalen Walkommission empfohlene Mittel zur Tötung kranker Wale lautet indes: »Sprengstoff«.
Wir, Buckelwale, wollten uns dieses blutige Massaker gar nicht vorstellen; trotzdem mußten wir immer an zerfetzte Fleischbrocken denken, herumspritzende Blutfontänen und dergleichen unschöne Dinge. Folgende Agenturmeldung hat uns aber schnell wieder beruhigt: »Todkranker Wal mit Sprengstoff eingeschläfert«.
Sanfte Träume!

Titanic

Dieter Hallervorden!

Im Interview anläßlich Ihres fünfundsiebzigsten Geburtstags vermeldeten Sie über ungeliebte Kollegen: »Wenn man acht Fressen kann und zwölf Sprüche drauf hat und sich dann auf die Bühne stellt, macht mich das einigermaßen fassungslos. Da bedient man ein extrem schmales Segment.« Hallervorden, Sie können nicht mal acht Fressen und machen das durch vierzehn Sprüche weniger als wett! Hat Sie das je von irgendwas abgehalten? Sehen Sie.
Um Fassung ringend:

Titanic

Robin »Bee Gee« Gibb!

Wirklich mal konsequent ist es, wenn eine Luftschutzsirene wie Du sich dafür einsetzt, daß die Bomberstaffeln, die im Zweiten Weltkrieg Dresden zerstört haben, endlich auch ein Ehrenmal erhalten.
Stay alive, brother! You win again!

Titanic

Verehrter Henryk M. Broder!

Im Tagesspiegel deckten Sie auf, wie unsinnig die Datenschutzbedenken gegen Google Street View sind: »Es sind nicht Menschen, deren Privatsphäre verletzt wird, sondern Häuser beziehungsweise Häuserfassaden.« Die zahlreichen Proteste seien demnach nicht nur unsinnig, sondern geradezu absurd: »Das ist so absurd, als würde Amnesty International oder Human Rights Watch gegen den Abriß von Gebäuden protestieren, die zu alt und zu baufällig sind, um sich selbst zur Wehr setzen zu können.« Völlig zu Recht gossen Sie deshalb einigen Spott über die protestierenden Hysteriker: »Und jetzt kommt Google! Wie Godzilla aus der Tiefe des Meeres, und bedroht unsere Idylle. Die Margeriten im Garten lassen die Köpfe hängen, die Hortensien hören auf zu blühen. Der Hund wird depressiv und der Kuchen geht nicht auf, weil Oma statt Backpulver Kukident in den Teig getan hat. Aber an unsere Hausfassade lassen wir keinen ran! Wir werden sie bis zum letzten Mauerbrösel verteidigen!«
Trefflich formuliert, altes Haus! Jetzt haben wir nur noch einen Wunsch: Gucken Sie doch mal samt Hund, Kuchen und einer Packung Kukident depressiv aus dem Fenster auf Ihre Hortensien und warten, bis Godzilla kommt. Wie das aussieht, sehen Sie demnächst vielleicht im Internet. Aber sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!
Immer Ihre

Titanic

Norbert Bolz!

In einer Hörfunkdiskussion über Thilo Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab« plädierten Sie als sog. Medienwissenschaftler dafür, daß jedermann jederzeit auch politisch Unkorrektes sagen dürfe: »Das Schlechteste, was man tun kann, damit ein Volk sich wieder attraktiv und liebenswert findet, ist, ihm die Äußerung eigener Erfahrungen und Gefühle zu verbieten.« Bon. Aber daß die Deutschen sich ausgerechnet dann mehr lieben werden, wenn sie sich ungebremst als überspannte Rassisten zu erkennen geben dürfen, die in den letzten 150 Jahren nichts dazugelernt haben, bezweifelt dann doch ganz doll

Titanic

Hallihallo, Judith Holofernes!

Gut, daß Sie mit Ihrer Band »Wir sind Helden« wieder da sind! Auf die Frage der FAZ, welche Exzesse Sie sich nach Erfolgen gerne leisten, antworteten Sie: »…mit leckerem Essen auf dem Balkon, tief im Sitzsack versunken. Danach lasse ich mit diabolischem Lächeln alles liegen, was runtergefallen ist, und gehe ohne die Zähne zu putzen schlafen.«
Witzig! Witzig aber auch, daß Ihre aktuelle Musik genauso klingt: nämlich nach Sitzsack, heruntergefallenem Essen und ungeputzten Zähnen.
Lächelt diabolisch zurück:

Titanic

Steffen Seibert!

Gleich am ersten Tag Ihres neuen Jobs als Pressesprecher der Bundesregierung mußten Sie dem »Säbelrasseln« der vier Atomkonzerne entgegentreten, die damit gedroht hatten, ihre Atomkraftwerke abzuschalten, sollte Merkel ihnen eine »Brennelementesteuer« aufbrummen. Um dieses Horrorszenario vom Tisch der Bundespressekonferenz zu wischen, machten Sie klar: »Wenn Gespräche laufen, ist es wirklich nicht hilfreich für Gespräche, wenn irgendwelche Drohgebärden oder so nach außen dringen. Ich glaube, das dient nicht, und das wird sicherlich auch das Ergebnis der Gespräche nicht beeinflussen.«
Sauber, Seibert! Unnachahmlich, wie Ihnen da die Wahrheit unfreiwillig über die Lippen flutschte! Wir schließen daraus: Wenn irgendwelche Drohgebärden von Konzernherren nicht nach außen dringen, dann ist das durchaus hilfreich für Gespräche und wird deren Ergebnis einwandfrei beeinflussen. Denn die Bundesregierung ist es erstens gewohnt, daß ihr von Konzernherren aller Art gedroht wird. Sie ist zweitens jederzeit bereit, solchen Drohungen nachzugeben. Nur sollten die Herren, drittens, doch bitte so freundlich sein und Diskretion wahren. Weil sonst wieder so ein armes Regierungssprecherwürstchen dasitzt und alles dementieren muß. Und sich dabei im Eifer des Gefechts selbst dementiert.
Ein furioser Einstand! Weiter so!

Titanic

Und Du, Branchendienst »Kress«,

peppst die öden Meldungen zu den TV-Quoten des Vortags täglich zielgruppengerecht mit duften Formulierungen und brillanten Wortspielen auf. So auch neulich, als Sat.1 mit der Übertragung eines Fußballspiels eine beachtlich hohe Zuschauerzahl verzeichnen konnte. Einem Deiner Redakteure fiel dazu ein: »Fußball, Fußball, über alles: Auf Sat.1 taumelte Werder Bremen in die Champions League.«
Aber hätte man, Kress, das Ganze nicht noch unverkrampfter und partypatriotischer formulieren können? Viel besser gefallen hätten uns etwa »Bremens Sturmabteilung ballert Sat.1 zum Endsieg« oder »Sieg Heil! Werder macht Sat.1 zum (Markt-)Führer!« Nächstes Mal, ja?
Schwarz-rot-geile Grüße: Deine

Titanic

Arend Oetker (71)!

Als Chef der »Dr. Arend Oetker Holding« verkaufen Sie vor allem Schwartau-Marmelade. Und als CDU-Mitglied und Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft passen Sie auf, daß Stifter keine Nachteile haben. Auf die Frage, warum für die Pakistaner jetzt weniger gespendet wird als für Tsunami-Geschädigte und Haitianer, antworteten Sie in einer Talkshow, die Menschen seien zurückhaltender, wenn sie nicht sicher seien, daß ihr Geld auch da ankomme, wo es gebraucht werde. Und fuhren fort: »So wie die 100 Euro, die ich heute morgen in der Kirche – nur 100 Euro – für Pakistan in den Klingelbeutel gegeben habe.« Soll heißen: Wenn Sie sicher wären, daß Ihr Geld da ankommt, wo es gebraucht wird, hätten Sie sich auch von 1000 Euro getrennt? Oetker, Sie alter Pharisäer! Dann wäre Ihre anbiedernde und scheinheilige Prahlerei ja noch weniger erträglich gewesen.
Klingelingeling:

Titanic

Werte Jessica Biel!

Ausweislich der Süddeutschen glauben Sie ewiges Filmsternchen also, daß alle Menschen auf der Welt etwas gemeinsam haben: »Ich wache selbstverständlich wie alle anderen Menschen auf der Welt mit einem riesengroßen Pickel auf der Stirn auf.« Wir aber fragen: Sind Sie da ganz sicher? Haben Sie’s überprüft? Und was steckt in Ihrem so drin? Ein dicker Pfropf Eitel?
Angewidert:

Titanic

Hallo »Aktion Demenz e.V.«!

Dein Wahlspruch lautet: »Besser leben mit Demenz«. Bei allem Respekt für dieses hehre Anliegen – meinst Du nicht, daß es ohne Demenz insgesamt noch ein bißchen besser geht?
Schon ganz verwirrt:

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Sächsischer Justizminister Sebastian Gemkow (CDU)!

Als Sprecher der CDU-geführten Bundesländer gegen den Antrag Niedersachsens, das Containern zu legalisieren, haben Sie am fürsorglichsten argumentiert. In einem Fünf-Sterne-Hotel in Travemünde meinte es empathisch aus Ihnen: »Wir wollen nicht, dass sich Menschen in eine solche menschenunwürdige und hygienisch problematische Situation begeben.«

Weil es auch kein Gesetz gibt, das Menschen vor der menschenunwürdigen Situation schützt, Essen aus dem Müll holen zu müssen? Oder weil Sie, Gemkow, sich aus Solidarität ein bisschen schmutzig fühlen wollen, indem Sie den Armen sogar die Brosamen der Wegwerfgesellschaft verweigern? Oder geht es Ihnen schlicht um Entmündigung derer, die auf Mundraub angewiesen sind?

Fragt mit schlechtem Appetit: Titanic

 Ina Tenz!

Sie sind seit zwanzig Jahren Programmdirektorin im Hörfunk und wollen bei Antenne Bayern jetzt ein Lied von Sarah Connor ohne den ersten Satz senden, denn der Satz lautet: »Vincent kriegt keinen hoch, wenn er an Mädchen denkt.« Denn Vincent ist jung und schwul, weiß es aber noch nicht. Ein Song mithin, der Mut machen soll usw.

Was Sie nun daran stört? »Als erwachsene Frau gar nichts, aber als Mutter. Ich habe einen neunjährigen Sohn, und wenn er diesen Song im Radio hören und mich dann fragen würde, was diese erste Zeile bedeutet, dann möchte ich mit meinem Sohn nicht im Auto irgendwo auf dem Weg von der Schule zum Gitarrenunterricht über dieses Thema sprechen.«

Aber, Frau Tenz: Wo Sie doch nun so schön dem Klischee der sehr erwachsenen, sehr besorgten Karrieremutter und Elterntaxifahrerin entsprechen, da wird der Sohnemann auch das Klischee bedienen, wonach Neunjährige schon wissen, was ein Porno ist. Meinen S’ nicht auch?

Jederzeit gesprächsbereit: Titanic

 Ulm!

»Du kannst nicht beides haben?« steht fett gelettert auf Anzeigen Deiner neuen Image-Kampagne. Ja, aber was denn »beides«? Die Auflösung folgt: »Doch: In Ulm/Neu-Ulm! Erlebe hier Bayern und Schwaben zusammen in der Zweilandstadt.« Ja, wirklich? Bayern und Schwaben in einer Stadt? Ist das möglich? Wovon wir nur zu träumen wagten, wird endlich wahr! Sodom und Gomorrha! Hoffentlich lässt sich unser Bali-Urlaub noch umbuchen. Aber im Ernst: Auch eine weniger depperte Kampagne würde uns nicht in Dein doppelt versaubeuteltes Nest locken.

Huch! War das jetzt Spott und Hohn? Genau! Denn bei uns, liebes Ulm, kannst Du beides haben!

Pfiati und ade! Titanic

 Fifa-Präsident Gianni Infantino!

Fifa-Präsident Gianni Infantino!

Sie sind von den Delegierten des Fußball-Weltverbandes per Akklamation für vier weitere Jahre im Amt bestätigt worden. Für Ihre erste Amtszeit fanden Sie dann lobende Worte: »In den vergangenen drei Jahren und vier Monaten ist aus dieser vergifteten, fast kriminellen Organisation das geworden, was sie sein soll. Eine Organisation, die sich um Fußball kümmert und den Fußball entwickelt.«

Und zu diesem Wandel zu einer letalen, vollends kriminellen Organisation beglückwünschen Sie angesichts anhaltender Medienberichte über das sklavengleiche Hausen, Schuften und Sterben auf den WM-Baustellen in Katar ebenso wenig wie zu Ihrer Wiederwahl:

die Menschenrechts-Ultras von Titanic

 Psychoanalytiker und Publizist Carlo Strenger!

Angeblich gehen Sie in Ihrem neuen Buch »Diese verdammten liberalen Eliten« mit diesen verdammten liberalen Eliten, zu denen Sie ja selbst gehören, streng ins Gericht. Doch nach der Lektüre fragen wir uns eins verdammt noch mal schon: Warum nicht noch viel strenger, Strenger?

Illiberal: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Gesichtsschnee

Ein ohnehin schon sehr merkwürdiges Gesetz, das – noch erstaunlicher! – weltweit gilt, verlangt von Menschen, die sich in den Bergen aufhalten, dass sie Rasierschaum oberhalb einer Höhe von 6659 Metern ausschließlich als Gesichtsschnee bezeichnen. Wer’s nicht glaubt, kann gern einmal versuchen, in den Bergen oberhalb einer Höhe von 6659 Metern Rasierschaum zu kaufen.

Andreas Maier

 Geschichtsmoral

Als ich die neueste Verfilmung von Otfried Preußlers »Die kleine Hexe« sah, war ich erneut gepackt von dieser Geschichte. Wie die kleine Hexe ausgestoßen wird, weil sie sich in ihrer grundfalschen Welt aus inneren Beweggründen zum Guten bekennt. Sie hält dem unfassbaren Druck ihrer missratenen Peer Group nicht nur stand, sondern wendet sich aktiv gegen das Böse. So verbrennt sie am Schluss die Zauberbücher ihrer Rivalinnen auf dem Scheiterhaufen, um die bösen Hexen für immer unschädlich zu machen. Die pädagogische Botschaft hinter der ganzen Geschichte ist klar: Bücherverbrennungen sind nicht immer schlecht.

Jürgen Miedl

 Mein Coach

hat mir aufgrund meines grüblerischen Wesens als wichtigsten Lebenstipp mitgegeben, immer nach vorne zu schauen, die Zukunft fest im Blick zu haben. Seitdem denke ich ständig an den Tod.

Anselm Neft

 Marktversagen

Als Ergebnis einer Google-Recherche nach dem von einem US-Comedian angepriesenen T-Shirt mit der Aufschrift »Neoliberalism sucks!« wurden mir ausnahmslos Hemden mit dem Slogan »Socialism sucks!« angezeigt. Daraus lässt sich nur eines folgern: Das System hat eindeutig abgewirtschaftet, ja ein Eigentor geschossen. Meine Nachfrage konnte schließlich nicht befriedigt werden!

Burkhard Niehues

 Keine Frage des Geldes

Wirklich arm fühlt man sich, wenn einer dieser NGO-Spendenbettler, die in der Fußgängerzone herumstehen, sein Gesicht hinter dem Klemmbrett verschanzt, sobald man auf ihn zugeht.

Julia Mateus

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
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Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 16.07.:

    Die "Welt" berichtet über Martin Sonneborn und seine Rede gegen Ursula von der Leyen.

Titanic unterwegs
11.08.2019 Kassel, Caricatura-Galerie »Deutschland dreht durch«
22.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Hans Traxler. Zum Neunzigsten«
23.09.2019 Lyon, Goethe-Institut Katharina Greve: »Das Hochhaus«
02.12.2019 Neu-Anspach, Freilichtmuseum Hessenpark Greser & Lenz: »Hessen först«