Das endgültige Anschlußmagazin

Pflichtblatt für Matthias Platzeck


 

Archiv



[Januar 2010]

Nun läßt Du, Evangelische Johannesstift Altenhilfe in Berlin,
Wolfgang Michal!
Hochschulrektoren und -politiker!
»Welt kompakt«!
Christoph Käppeler!
Michael Hanfeld!
Und kaum, Kristina Köhler,
Walser!
Wie nun aber, Greiner Ulrich (»Zeit«),
Wahrlich lang, Claus Jacobi,
Was aber, verehrteste Frau Leutheusser-Schnarrenberger,
Respekt, »Sport-Bild«!
SPD-Wehrbeauftragter Reinhard Robbe!
Wir, Oettinger,
Und daß, Mario Barth,
Annette Humpe!
Und wie, Eveline Widmer-Schlumpf,
Kate Moss, alte Killergräte!
Hallo mal wieder, Hans-Ulrich Jörges!
Sie, Pete Lilly,
Madonna mia, Clara Petacci,
Und wenn, Deutsches Museum,
Dr. Kristina Köhler!
Sie, Konrad Löw,
Apropos, Broder, Maxeiner, Miersch!
Frank Schirrmacher!
Ulf Poschardt, alter Shaker und Mover!
Was muß es, Jens Weinreich c/o »Spiegel online«,
Bayerischer Zoll!



Nun läßt Du, Evangelische Johannesstift Altenhilfe in Berlin,

also doch die Pflegerin in einem Altenheim in Hannover weiterarbeiten, der Du die Kündigung ausgesprochen hattest, weil sie einer Heimbewohnerin ein Teewurstbrot weggegessen hat – ist eben doch nicht so schlecht, ab und zu mal in das Dingsbuch reinzugucken, gell? »Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm … Wer dies Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit« (Jh 6,54 u. 58).
In diesem Sinne: Amen bzw. guten Hunger!

Titanic


Wolfgang Michal!

Im Carta-Blog beschwerten Sie sich darüber, daß die Werbewirtschaft für Anzeigen in Printmedien viel höhere Preise zahlt als für Anzeigen auf Internetseiten. Als Blogger witterten Sie dahinter naturgemäß eine regelrechte Diskriminierung, über die Sie sich mit folgender Frage empörten: »Warum sind Leser von Zeitungen sechsmal so wertvoll wie Leser im Netz?«
Nun, Michal, altes Opfer, vielleicht deshalb, weil Zeitungs- und Zeitschriftenleser bereit sind, Geld für ihre Lektüre zu bezahlen? Und sich die Werbewirtschaft verrückterweise lieber an Leute mit Geld richtet?
It’s the economy, stupid!

Titanic


Hochschulrektoren und -politiker!

Und Ihr solltet, nicht zuletzt in Eurem eigenen Interesse, einsehen, daß die Studentenproteste richtig und wichtig sind. Denn wenn die finanzielle Situation der Studenten nicht verbessert und der Studienplan nicht weniger rigide wird, dann werden sie nie die Zeit und Ruhe finden, für die nächsten Proteste mal eine eigene Idee zu entwickeln, um mal nicht die ewig gleichen schwarzen Särge mit der Aufschrift »Bildung« durch die Straßen tragen zu müssen.
Denkt mal darüber nach!

Titanic


»Welt kompakt«!

Da empfiehlst Du Dich reklamemäßig zwar als Magenblatt der jungen coolen Facebook-Generation; aber kaum geht Deine Wunsch-Zielgruppe auf die Straße, um gegen unzumutbare Lern- und Studienbedingungen zu protestieren, greifen halt doch bloß die altväterlichen Reflexe und fallen Dir als reaktionärem Tempo-Blatt nur die klischeedicksten Überschriften ein: »Deutschlands Studenten stehen auf«.
Bravo. Was allerdings noch ein bißchen shmoover gekommen wäre: »Deutschlands Studenten bleiben liegen (bis zur Hörsaalräumung durch die Polizei)« – aber das is’ halt auch ein Platzproblem, gell.
Steht auf:

Titanic


Christoph Käppeler!

»Mir gefällt auch nicht, daß unsere Regierung darüber nachdenkt, den Banken noch mal mit zehn Milliarden Steuergeldern zu winken – nur damit sie endlich das tun, wofür sie in einem gut funktionierenden Wirtschaftssystem eigentlich da sind: Die Wirtschaft, die Autos und Brötchen, Rasenmäher und Bücher, Flugzeuge und Medikamente herstellt, mit Geld zu versorgen. Daß die Bundesregierung immer noch so zahm auf die Banken zugeht, zeigt, daß unsere Wirtschaft aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Die Finanzwirtschaft hat zuviel Macht, zuviel Einfluß auf das Wirtschaftsgeschehen bekommen. Ihre dienende Funktion ist verloren gegangen.« So quengelten Sie für die ARD; und wir mußten es anhören.
Nun haben auch Sie sicherlich schon bemerkt, daß es durchaus nicht das Primärziel »unserer Wirtschaft« ist, Leute mit Autos und Brötchen zu versorgen. In einem gut funktionierenden Wirtschaftssystem, wie Sie den guten alten Kapitalismus zu nennen belieben, in einem solchen System also geht’s zunächst und zuvörderst ums Geldverdienen; warum ausgerechnet Banken das anders machen sollten, ist nun wirklich nicht einzusehen. Aber daß Sie das in der ARD nicht sagen können, ist klar: Da ginge ja glatt Ihre dienende Funktion verloren!
Mit Diener:

Titanic


Michael Hanfeld!

Als Frankfurter Allgemeiner Medienexperte dürften Sie ja wissen, womit der Bild-Chef Kai Diekmann seinen Lebensunterhalt bestreitet: Mit exklusiven Fotoreportagen über Prominente, wie sie in ihrem Privatleben fremdgehen, saufen, delirieren, pinkeln, popeln, kotzen und/oder sterben. Und dennoch haben Sie es über sich gebracht, dieses unappetitlich weit aufgerissene, seinen strengen Mundgeruch von Potsdam bis Ibiza und Mallorca verströmende Klatschmaul als Erfolgsmodell zu feiern und die Speichelfäden aufzulecken: »Man darf sich Kai Diekmann dieser Tage als einen glücklichen Menschen vorstellen … Und den intelligenten, ironisch gebrochenen Boulevardjournalismus macht ihm keiner nach … Im Umgang ist er anarcho-witzig und jovial, er führt sein Blatt mit einem kleinen Kollegium kluger Köpfe … Seinen Karriereweg hat Diekmann in Siebenmeilenstiefeln beschritten … Daß er ein Konservativer ist, daraus macht er keinen Hehl … Diekmann nimmt es mit Humor und ist oben, ganz oben.«
Toll. Möchten Sie dort nicht auch einmal hinauf, Herr Hanfeld? In Siebenmeilenstiefeln? Oder wenigstens in Zweizentimetergleitschuhen? Nach ganz oben? In das Land, wo Heiner Lauterbachs Puffbesuche das Top-Thema sind? Ihr Bewerbungsschreiben an die Adresse der Fickgeschichtenverlegerin Friede Springer ist immerhin schon ganz oben angekommen. Wenn alles rund läuft, können Sie demnächst gemeinsam mit einem kleinen Kollegium kluger Köpfe Britney Spears und Amy Winehouse unter den Rock schauen und sich ironisch gebrochen und anarcho-witzig mit dem Brustkrebs einer Schauspielerin Ihrer Wahl beschäftigen. Viel Vergnügen!
Wir bleiben solange lieber wertkonservativ.

Titanic


Und kaum, Kristina Köhler,

waren Sie Familienministerin, wurden Sie im Wikipedia-Eintrag Ihrer Glaubensgemeinschaft, der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), auch schon als Ministerin geführt; einer Kirche, die nicht nur klingt wie ein Sondereinsatzkommando des Protestantismus, sondern sich auch so versteht und liberale wie feministische Strömungen in der christlichen Lehre ablehnt. Da sind Sie nun als »bedeutende Persönlichkeit der SELK« in bester Gesellschaft mit Axel Springer, Friede Springer und Erika Steinbach. Und wir ahnen, wer nun Ihrer Nächstenliebe sicher sein kann.
Selbständig ungläubig:

Titanic


Walser!

Im nachhinein weiß man’s ja immer besser – aber auf Ihre außereheliche Augstein-Zeugung hätte man bei näherer Durchsicht Ihrer Werke echt schon früher kommen können: 1966, während Sie sich mit brünftig geschwollenem Glied der Augsteinmutter näherten: »Das Einhorn«. Pünktlich zur außerehelichen Zeugung 1967: »Der Abstecher« (Uraufführung). 2008, kurz vorm Outing und schon deutlich erschöpfter: »Ein liebender Mann«, und aktuell: »Muttersohn«. Hätten Sie’s gewußt? Wir schon!
Ihre Exegeten auf der

Titanic


Wie nun aber, Greiner Ulrich (»Zeit«),

halten Sie’s mit den Armen in Deutschland? »Respekt ist auch deshalb ein knappes Gut, weil es nicht in meinem beliebigen Ermessen steht, ihn zu bezeugen, der andere muß etwas dafür tun. Und was, wenn er nicht will oder kann? Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich helfe ihm in vorausschauendem Eigeninteresse, weil der soziale Friede auch mir und meinen Kindern nutzt. In diesem Gedanken steckt die eigentliche Kälte des Sozialstaats. Zweite Möglichkeit: Ich helfe aus Mitleid oder Großherzigkeit. Daß dieses Motiv in Verruf gekommen ist, obwohl es im Katalog christlicher Tugenden an vorderster Stelle steht, ist das eigentliche Problem der Gleichheitsidee.«
Uns aber will’s eher so scheinen, daß die Armen die Kälte des Sozialstaats weniger stört als die Kälte ihrer Wohnung und daß sie im Zweifelsfall mehr Wert darauf legen, daß Sie, Greiner, Ihre Steuern zahlen, als daß Sie zweimal im Jahr vorbeikommen und sie aus Mitleid bzw. Verachtung mit Hegel und Humboldt vollkaspern, nicht wahr.
Winter im Herzen:

Titanic


Wahrlich lang, Claus Jacobi,

ist die Liste Ihrer Verdienste: Sie waren Spiegel- und Welt-Chefredakteur, wurden mit der Goldenen Feder geehrt, die Kanzlerin nennt Sie »eine Institution« des deutschen Journalismus – kurzum: Sie waren Ihr Leben lang fleißig. Und sind nun einigermaßen angesäuert, daß manche es nicht sein wollen: »2007 bezogen über acht Millionen Deutsche … Finanzdienstleistungen vom Staat«, klagen Sie in Ihrer Bild-Kolumne »Mein Tagebuch« am 5.12., weil »Freizeit für Freiheit gehalten wird« usw. Herr Jacobi, Sie ärgern sich zu Recht! Weiß doch der bienenemsige und betont freizeitferne Publizist, der Sie sind, noch in seinem 83. Jahre jede Woche aufs neue treffliche Beobachtungen und brisante Novitäten zu berichten. So fanden Sie in besagter Kolumne vom 5.12. u.a. folgendes heraus: »Komponist Ludwig van Beethoven, den manche für den größten Komponisten aller Zeiten halten, war mit 50 Jahren so taub, daß ein Verkehr mit ihm nur schriftlich möglich war. Seine letzten Worte: ›Im Himmel werde ich hören.‹«
Sacrebleu! Ist das, Jacobi, auch wirklich wahr? Mehrfach gegenrecherchiert und durch Insiderinfos abgesichert? Gar eine durch jahrzehntelangen kennerschaftlichen Umgang mit dem geliebten Tonsetzer zur Idee gereifte Erkenntnis? Oder ist das nicht doch eher, pardon, ein extrem läppisch zusammengeschmierter Superscheißdreck? Ein stinkender Haufen Preßkehricht? Eine Spottgeburt aus Extremlethargie und krebsfaulem journalistischen Pennertum? Hmja? Dann lassen Sie künftig doch die acht Millionen anderen Faulpelze ihre Tagesfreizeit bitte so gestalten, wie die das gern hätten. Denn ob da Jugendliche den ganzen Tag betrunken an der Tanke stehen oder verwirrte Senioren im stillen Kämmerlein peu à peu den Zitate-Duden abschreiben – macht das wirklich einen Unterschied?
Für mehr Hinweise grad zu faul:

Titanic


Was aber, verehrteste Frau Leutheusser-Schnarrenberger,

lasen wir neulich auf der Webseite von 3sat? »Im 20. Jahrhundert hat sich die Transportgeschwindigkeit um den Faktor 102, die Kommunikationsgeschwindigkeit um den Faktor 107 beschleunigt« – Faktor 107! Läßt sich unter solchen Umständen ein Nachname wie der Ihre da überhaupt noch halten? Oder wäre das naheliegende und unsererseits ja auch schon vorgeschlagene »Schnarre« nicht halt doch um den einen oder anderen Faktor zeitgemäßer?
Knappe Grüße:

Titanic




Respekt, »Sport-Bild«!

Mit der Schlagzeile »Robert Enke: Das miese Geschäft mit einem Toten!« bist Du dahin gegangen, wo es weh tut. Und wenn wir einen Blick auf die Überschriften im Heft werfen: »Mein erstes Spiel ohne Robert«; »Nur der Berater handelt im Sinne des Verstorbenen«; »Enke-Biografie kommt« usw., dann dürften die Recherchen zu dieser Schlagzeile nicht einmal viel Kilometergeld gekostet haben!
Immer mies drauf:

Titanic


SPD-Wehrbeauftragter Reinhard Robbe!

Nach dem Trubel um Verteidigungspfeife Jung und unschön tote Zivilisten in Afghanistan ließen Sie nach alter Sitte das Vaterland in der Stunde der Not nicht im Stich: »Da wird jeden Tag gekämpft und gestorben. Jeden Tag kommen deutsche Soldaten in gefährliche und bedrohliche Situationen. Jeden Tag riskieren deutsche Soldaten Leib und Leben und werden verletzt.« Und deshalb benötigten sie die Unterstützung aller Deutschen.
Je nun, Robbe: Hätten Sie, wo Sie schon Kriegsreklame machen, den hammerharten Job unserer Jungs da unten nicht noch ein bißchen anschaulicher darstellen können? »Da kullern jeden Tag entzweigeschossene Köpfe übern Grobschotter. Jeden Tag halten deutsche Soldaten zerschossene Hände vor ihre Bäuche und versuchen, das Gedärm zurückzustopfen. Und jeden Tag werden deutsche Extremitäten von deutschen Rümpfen getrennt« – denn da wird sogar uns ganz warm ums Herz!
Mit Leib und Leben:

Titanic


Wir, Oettinger,

hatten uns Europa ja immer ganz aphrodisisch vorgestellt, mit strahlendem Lächeln, wallenden Locken und ausladendem, na, Sie wissen schon. Wie eben jemanden, in den sich selbst Zeus stantepede verliebt. Aber nach Ihren Vorstellungen war Zeus anscheinend schwul oder blind oder beides, denn nun wollen Sie »das Gesicht Europas in Deutschland« sein – und so, Oettl, sieht das Gesicht Europas aus? Mit so einer großen Nase? Und solchen Geheimratsecken? Und einer Bürstenfrisur? Und zwei senkrechten Zornesfalten über der Nasenwurzel?
Dann doch lieber Nationalstaat!
Enttäuscht:

Titanic




Und daß, Mario Barth,

ausgerechnet Sie für einen Elektronik-Markt werben, dessen aufdringlicher Werbespruch »Ich bin doch nicht blöd!« lautet: das ist ausnahmsweise mal tatsächlich fast witzig. Geradezu ironisch!
Wenn Sie wissen, was das heißt.

Titanic


Annette Humpe!

Als Mitglied der Popcombo »Ich & Ich« durften Sie neulich auf SWR3 ein Album promoten und wurden auf die Entstehung des Liedes »Danke« angesprochen. Sie antworteten ungefähr dies: »Bei mir um die Ecke hat jetzt auch ein Supermarkt bis 24 Uhr geöffnet. Ich finde das praktisch, da kaufe ich mir spät abends noch ein Bier oder ein Brot. Und als ich, es war nach 23 Uhr, die dunklen Augenringe der Kassiererin sah, hat mich das zu diesem Song inspiriert, mit dem ich einfach mal danke sagen will.«
Das ist natürlich Balsam auf die übernächtigten und geschundenen Seelen der Nachtkassiererinnen, daß Sie in deren Namen eine Mordskohle einfahren und die Marktzentrale wegen kritischer Popkünstlerinnen wie Ihnen den Laden am liebsten gar nicht mehr zumacht. Wir empfehlen Ihnen daher, beim nächsten Late-Night-Shopping ’nen Euro Trinkgeld rüberzuwerfen und gleich den Nachfolger zu texten: »Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst!«
Nichts zu danken:

Titanic


Und wie, Eveline Widmer-Schlumpf,

haben Sie argumentiert, als Sie als Schweizer Justizministerin das Minarettverbot in Brüssel rechtfertigen mußten? »Vor langer, langer Zeit gab es in den Bergen ein verstecktes Ländchen, in dem winzige Geschöpfe lebten: die Schweizer. Sie waren herzensgut, fröhlich und freundlich. Aber es gab da noch den bösen Muselmann Gargamel, einen ganz üblen Burschen, der finstere Türme baute…« So? Ach was, Sie waren souverän: »Man muß verschlumpft noch mal respektieren, daß dies das Resultat einer direkten Schlumpfokratie ist!« Sehr gut, Schlumpfine! Und nun rasch fort mit Gargamel und seinen Türmen!
Unverschlumpft wie immer:

Titanic


Kate Moss, alte Killergräte!


»Nothing tastes as good as skinny feels«, verlautbarten Sie in irgendeinem Schnickschnack-Magazin. Zwar kannten wir den Satz schon aus Heinz Strunks Roman »Die Zunge Europas«, aber auf deutsch kommt er halt nicht so fett. Auf französisch hingegen perlt Ihr Salz samten über die Lippen: »Rien n’est aussi bon que de se sentir maigre.« Das klingt nicht nur eher nach postmodernem Savoir-vivre, sondern wird auch in mehr Ländern verstanden: z.B. in Ruanda, im Senegal, im Tschad oder an der Elfenbeinküste. Also da, wo die echten Wohlfühl-Profis wohnen!
Geht erst mal eine Runde kotzen:

Titanic


Hallo mal wieder, Hans-Ulrich Jörges!

Sie sind ja der große Durchblicker und Moralstenz des Mediengeschäfts; da nimmt es nicht wunder, daß Sie auch mal Oskar Lafontaine zur Seite springen und mit wertvollen Hintergrundinformationen versorgen. Und wenn Sie Gutes tun, dann reden Sie auch drüber: »Als die Linke zu seinem 65. Geburtstag einen Empfang im Reichstag gab, erschien auch Klaus Höpcke und schenkte ihm ein Büchlein. Er kannte ihn nicht. Höpcke, stellvertretender Kulturminister der DDR, war Chefzensor des SED-Regimes, ein Unberührbarer. Der Kampagnenreiter gegen Wolf Biermann und Stefan Heym gab Brandts Enkel (›links und frei‹), dem Freund kritischer Künstler, die Hand. Als ich Lafontaine darauf aufmerksam machte, war er betroffen – und schwieg.«
Sehr schön beobachtet, Jörges, aber jetzt mal unter uns: Sind Sie sicher, daß Lafontaine wirklich nur wegen Höpcke betroffen schwieg? Denn schließlich stand in diesem Augenblick ein anderer Chefpropagandist eines anderen Regimes neben ihm; ein von des Gedankens Blässe Unberührter.
Sie raten, wer?

Titanic


Sie, Pete Lilly,

sind Veranstalter der deutschen Konzerte des jamaikanischen Musikers Sizzla, dem zu Schwulen so schöne Sachen einfallen wie »Gründest du eine Familie, erweist du deiner Mutter Respekt. Gehst du zu anderen Männern, ziehst du ihr Ansehen in den Schmutz« oder »Ein Mann muß sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein stolzer Mann – so einfach ist das«. Und weil das so einfach ist, singt Sizzla in seinen Liedern über die Dreckstücke: »Verbrennt die Männer, die andere Männer von hinten reiten« bzw. »Ich ziehe los und erschieße Schwule mit meiner Waffe«. Was Sie, Pete Lilly, nun erstaunte, war, daß die Schwulenverbände in Deutschland die Auftritte Ihres Schützlings nicht ganz so toll fanden, wozu Ihnen in einem Interview mit der Jungle World einfiel: »Mir ist es zu undifferenziert, wie Aktivisten aus der Schwulen- und Lesbenszene damit umgehen, die einfach die Nazikeule auspacken und sagen: Weg damit. Die jamaikanische Kultur läßt sich nicht so einfach mit unseren Vorstellungen von politischer Korrektheit beurteilen.« Was sich u.a. daran zeigt, daß die Zahl homophob motivierter Gewaltverbrechen in Jamaika außergewöhnlich hoch ist. Aber deshalb stellen Sie sich noch lange nicht hin und sagen den Jamaikanern, wie sie sein sollen: »Ich stelle mich nicht hin und sage: Jamaikaner, ihr müßt so und so sein. Das führt nur zu Trotzreaktionen. Dann heißt es, wir lassen uns doch nichts von Weißen vorschreiben.«
Aber wie sähen diese Trotzreaktionen dann aus? Würden die Jamaikaner losziehen und weiße Konzertveranstalter erschießen? Aber wo: »Vieles, was da martialisch ausgedrückt wird, ist anders gemeint: Wenn man da von Killen spricht, meint man nicht unbedingt Töten.«
Wenn das so ist, dann gönnte Ihnen so ein jamaikanisches Killerkommando niemand mehr als

Titanic


Madonna mia, Clara Petacci,

Sie indiskrete italienische Klatschmamsell! »Mussolinis Geliebte Clara Petacci kannte die Geheimnisse des ›Duce‹«, so enthüllt der Spiegel – »ihr Tagebuch beschreibt einen sexsüchtigen Judenhasser, der Hitler ›sehr sympathisch‹ fand« – Fräulein Petacci! Mußte das sein? Hat es Mussolini denn wirklich verdient, daß Sie seinen Antisemitismus an die Öffentlichkeit zerren? Mußten Sie seine Sympathie für Hitler derart gnadenlos bloßstellen? Wenn Sie nicht schon tot wären, würden wir Sie dringend auffordern: Gehen Sie gefälligst ein bißchen verantwortungsvoller mit privaten Details aus dem Leben Benitos um – Sie tun dem Andenken an den großen Humanisten nämlich nichts Gutes!
Saluto romano:

Titanic


Und wenn, Deutsches Museum,

Du als »berühmte Techniksammlung« wirklich so »dringend sanierungsbedürftig« bist, wie die Süddeutsche klagt, und sich das nicht nur auf den »baulichen Zustand« bezieht: »Weite Teile der Ausstellung gelten als hoffnungslos veraltet«: dann nimm’s nicht so schwer. Denn schließlich bist ja ein Museum, gell.
Auch schon dreißig:

Titanic


Dr. Kristina Köhler!


Sie sind nicht nur frischgebackene Familienministerin, sondern haben auch gerade promoviert. Ihre Doktorarbeit soll eine »empirische Analyse der objektiven und subjektiven Responsivität von Bundestagsabgeordneten« sein. Okay, wenn man den im TV allgegenwärtigen Politologen Jürgen Falter zum Doktorvater hat, dann muß man wohl so schwafeln; aber mußten Sie wirklich dreihundert Seiten vollmalen, um zu der Erkenntnis zu kommen, daß CDU-Bundestagsabgeordnete mehrheitlich gegen egalitäre Ideen sind? Es ist uns ja eigentlich egal, womit Sie außerhalb der Politik Ihre Zeit verbringen, aber wenn Sie bei der Familienplanung auch so vorgehen, wird Schröders Ole fürs erste nicht Papa. Es sei denn, Sie fragen einen Doktor. Und zwar einen richtigen!
Objektiv und subjektiv responsiv:

Titanic


Sie, Konrad Löw,

haben für die Sonntagszeitung aus Frankfurt scharf analysiert, weshalb die SPD vor einem halben Jahrhundert im Godesberger Programm die Scheidung von Karl Marx einreichte: »Der Braintrust der SPD wußte also, daß die Gestalt des ›großen Führers‹ Marx bei genauerem Hinsehen Schadstellen aufwies, die die Galionsfigur – gerade nach den schrecklichen Erfahrungen mit einem anderen ›Führer‹ – nicht nur entwerten, sondern zum Ballast werden ließen: Terrorismus, Totalitarismus, Antisemitismus, Verachtung der slawischen Völker.«
Wenn Sie, Löw, das dem Führer, also dem anderen, mal ins Gesicht gesagt hätten, daß er nur ein besserer Marxist sei: er hätte Ihnen vermutlich Blondi auf die Genitalien gehetzt. Also, im günstigsten Falle. Und hätte damit eine seiner ganz, ganz wenigen begrüßenswerten Taten vollbracht.
Sie alte Schadstelle!

Titanic


Apropos, Broder, Maxeiner, Miersch!

Seit ein paar Jahren schon schreibt Ihr das in diesen Dingen ja äußerst geduldige Internet voll mit Eurem Blog »Die Achse des Guten«, einer kruden Mischung aus Islamophobie, Klimawandelleugnung und Radikalliberalismusvergötzung. Und wer liest das Zeug? »Immer mehr Menschen, die sich von den Mainstream-Medien einseitig informiert fühlen« – und da sind sie bei Euch ja auch bestens aufgehoben. Schließlich äußert Ihr Euch ja sonst nur noch regelmäßig bis geradezu inflationär in bekannt subversiven, dem Mainstream trotzig ins Gesicht lachenden Medien wie Spiegel, Spiegel online, Welt, Focus, Bild, FAZ, Stern, Berliner Morgenpost, Weltwoche bis hin zum Delmenhorster Kreisblatt und motor-exclusiv.de.
Aber wenigstens nicht im garantiert einseitig informierenden Mainstream-Medium

Titanic


Frank Schirrmacher!

»Was mich angeht, so muß ich bekennen, daß ich den geistigen Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen bin«, beginnen Sie kokett Ihren aktuellen Ratgeber für alternde Studienräte und Hausfrauen. Und Einsicht ist ja an sich etwas Gutes; aber wissen Sie was? Wir nehmen Ihnen das nicht ab. Und wissen Sie auch wieso? Nein, nicht weil wir Ihren larmoyanten Besinnungsaufsatz über das böse Internet weitergelesen hätten, in dessen Verlauf Sie Ihre Eingangsthese natürlich falsifizieren. Sondern weil gleich der erste Satz eine solch augenfällige Lüge ist: mit diesem »mehr«.
Gell?
Ihre Paybacker von

Titanic




Ulf Poschardt, alter Shaker und Mover!

Nachdem in Berlin die BKA-Zentrale und das Bundeskanzleramt mit hochgefährlichen Farbbeuteln beworfen worden waren, rhabarberten Sie in der Welt von einer »neuen linksextremen Gewalt« blablabla, einer »Erosion freiheitlicher Gesellschaftsordnung« blablabla, denn so »begann auch die Geschichte der RAF« blablabla. »In vielen Medien bleibt die Furcht vor Rechtsextremismus und Neonazis dominant, während die Auseinandersetzung mit jenen mentalen Wurzeln linken Nihilismus eher lustlos bis gar nicht gewagt wird.« Könnte das, Poschardt, aber nicht evtl. damit zu tun haben, daß eine laut Verfassungsschutzbericht stetig steigende Zahl von Verbrechen mit rechtsextremem Hintergrund, bei denen gern mal dem ein oder anderen Ausländer, Obdachlosen, Schwulen oder eben Linken der Schädel eingetreten wird, doch eine Spur bedrohlicher wirkt als zwei verschmutzte Wände? Und was sollen überhaupt linksnihilistische Wurzeln sein? Wirklich die »jungen Grünen« und »die Juso-Chefin Franziska Drohsel«, die sich einreihen »in den Fanblock jener, denen Demokratie und Rechtsstaat wenig bedeutet«?
Nun sind, Poscho, unsere Autonomen ja fraglos ein bißchen breiig im Oberstübel; aber so bekloppt, daß die sich ausgerechnet von den zukünftigen Angriffskriegsbefürwortern, Terracotta-Bauherren und Pipelineberatern zu irgendwas animieren ließen, so bekloppt werden die auf ewig nicht.
Aber apropos bekloppt – na, ein andermal.

Titanic


Was muß es, Jens Weinreich c/o »Spiegel online«,

Sie und Ihre Kollegen enttäuschen, daß die Eisschnelläuferin Claudia Pechstein von einem Schweizer Gericht doch noch die Starterlaubnis für die Olympia-Qualifikation bekommen hat, war Ihnen doch schon die Sperre aufgrund eines indirekten Beweises, also ohne positiven Dopingbefund, zu lasch: »Man stelle sich nun vor, es gäbe in Deutschland einen Straftatbestand des Sportbetruges. Jenen Straftatbestand, gegen den sich eine Allianz von Funktionären und Sportpolitikern energisch wehrt. Man stelle sich vor, die Ermittler würden losziehen, das Umfeld der Claudia Pechstein ausleuchten (Trainer, Betreuer, Mediziner, den deutschen Verband), Kontobewegungen prüfen, Vernehmungen durchführen.«
Daß es seltsam anmutet, wenn ausgerechnet Journalisten, die ihre Arbeit ohne Bier und Schnaps kaum zu verrichten in der Lage sind, Spitzensportlern die Stimulanzien mit derartigem Furor mißgönnen, hat Gremliza schon festgestellt. Daß Sie das, was Ihresgleichen an anderer Stelle »Stasi-Methoden« nennt, nun unbedingt angewendet wissen wollen, verrät darüber hinaus bereits einen Zustand, den der Psychiater neuerdings »hystrionisch« nennt. Und Sie wissen ja, Weinreich: so was ist meist nur ein anderes Wort für »balla«!
Aus dem ironischen Zustand grüßt:

Titanic


Bayerischer Zoll!

Wie begrüßt man einen ausländischen Lkw-Fahrer anläßlich einer Routinekontrolle, wenn eine Kamera von N24 dabei ist? a) »Good morning, Sir.« b) »Deutscher Zoll, Ihre Papiere bitte!« c) »Kommscht aus Dürkei, äh?« Unzutreffendes ist zu streichen. Ggf. allen Dienststellen einen Kurs »Deutsch für Deutsche« anbieten, ebenso Schulungen zu den Themen »Grundformen der Höflichkeit«, »Fremdenfeindlichkeit im Amt« sowie »Macht und Mißbrauch«.
OfG:

Titanic


 
Titanic unterwegs
02.09.2010 CH-Basel, Cartoonmuseum
  Rudi Hurzlmeier und Oliver Maria Schmitt
03.09.2010 Berlin, Z-Bar
  Hauck&Bauer
03.09.2010 Frankfurt, Romanfabrik
  Anna Poth, Fischer, Gsella und Zippert
07.09.2010 Frankfurt am Main, Club Voltaire
  TITANIC-Peak-Preview

 Hans-Werner Sinn!

Als prominenter Gesichtspulloverträger und Präsident des Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitutes erklärten Sie uns im Hörfunk-Interview ein weiteres Mal die unberechenbaren Kapriolen des Kapitals: »Das Kapital hat mittlerweile Angst, in Länder wie Portugal, Spanien, Irland zu gehen und dort zu investieren. Gut daran ist für uns, daß das Kapital bei uns bleibt. Statt daß wir Geld exportieren, damit andere unsere Autos und Maschinen kaufen, können wir jetzt selbst unsere Autos – äh, Autos haben wir schon genug – und Maschinen kaufen.«
Sinn, das ergibt aber nur dann einen solchen, wenn wir nicht auch schon genug Maschinen haben, oder?
Kleiner Hinweis: An Sprechmaschinen wie Ihnen mangelt’s uns keinesfalls.

Titanic

 Durs Grünbein!

Ihr jüngstes Werk (»Aroma. Ein römisches Zeichenbuch«) scheint es in sich zu haben, wenn man der Ankündigung des Verlagshauses Suhrkamp glauben darf: »Einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter der Gegenwart stellt sich in Vers und Prosa der Ewigen Stadt.« Und zwar so: »Aufblühen wird man hier, auch als kraut sich gern überlassen / dem wohligen Phototropismus. Der man im Norden war, / Dieser Eisblock Identität, Psyches Schneemann ist bald zerronnen« usw. usf.; Sie wissen ja selbst am besten, was Ihnen da wieder einmal von irgendwoher in die Feder geflossen ist. Bei aller Bewunderung für die Kühnheit, mit der Sie den zwar nicht wohlklingenden, aber doch »wohligen Phototropismus« in die deutsche Dichtkunst einführen, und bei allem Respekt vor der sportlichen Leistung, sich in Vers und Prosa einer Ewigen Stadt zu stellen, an der sich schon viele Eroberer von ganz anderem Format die Zähne ausgebissen haben – kurzum: Bei aller geheuchelten Hochachtung vor Ihrer lachhaften Großmannssucht läßt uns die Frage nicht los, was Sie als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter der Gegenwart wohl täten, wenn es keine Ewigen Städte zu bedichten gäbe, sondern nur, sagen wir mal: Pritzwalk. Oder Neu-Isenburg. Oder Hamm in Westfalen.
Städten dieses Kleinkalibers – es tut uns leid, Ihnen das so deutlich sagen zu müssen – wären Sie als Dichter nicht gewachsen. Aber dafür – kleiner Trost – können Sie immerhin so possierlich mit Riesengewichten aus Pappmaché jonglieren, daß es für Ihren Lebensunterhalt reicht. Und das ist ja auch was wert.
Weiterhin einen wohligen Phototropismus wünscht

Titanic

 Verehrte Nachrichtenagentur AP!

In der Bewertung von Sachverhalten müssen wir ja nicht immer übereinstimmen. Aber semantisch in Ordnung sollten Deine Meldungen doch sein. Bei Meinungsverschiedenheiten auf der Hamburger Schanze schriebst Du kürzlich: »Bei den Krawallen wurden zwölf Beamte von Flaschen getroffen und verletzt.« Das kann schon mal gar nicht stimmen, denn wenn die Demonstranten getroffen haben, dann können sie keine Flaschen sein.
Außerdem wäre ja mal interessant gewesen: Womit haben die eigentlich geworfen?
Immer genug Zielwasser an Bord:

Titanic

 Jungministerin Schröder!

Nun durften Sie also den berühmten Focus-Fragebogen ausfüllen und dort erklären, man könne Sie »so schnell in keine Schublade stecken« – was Ihre erstaunlich ausgefallenen Antworten auch beweisen: Sie werden angetrieben von der »Freude, etwas zu gestalten«, sehen gern die »Lindenstraße«, zappen weg bei »langweiligen politischen Talkshows«, und Ihre Lieblingsfigur in der Geschichte ist »Sophie Scholl«. Sie haben recht, Frau Schröder, solche Antworten liegen nicht in irgendeiner Schublade – die bekommt man direkt von der Stange. Aber dann, auf die Frage »Mit wem würden Sie gern einen Monat lang tauschen?«, sagen Sie doch etwas Interessantes: »Mit Frau Reich-Ranicki, damit ich mich mal richtig mit ihrem Mann unterhalten kann.« Und wissen Sie was, Kristina Schröder? Genau diesen alten Chauvi und cholerischen Mundverbieter wünschen wir uns manchmal ebenfalls herbei, wenn Sie das Wort ergreifen!
Grüße aus der unteren Schublade:

Titanic

 Huhu, Julia Roberts!

Allenfalls mäßig originell ist es, daß Sie sich nicht wie andere Prominente mit Kabbala, Pilates oder Scientology beschäftigen, sondern sich laut der amerikanischen Elle »dem hinduistischen Glauben angeschlossen« haben.
»Regelmäßig«, so erfahren wir dort, bewegen Sie also Ihre fünfköpfige Familie zum Singen und Beten zu einem hinduistischen Tempel, um im nächsten Leben »als ein ruhigeres und leiseres Wesen wiedergeboren zu werden«. Das ist zweifelsohne ehrenwert – aber warum warten und nicht einfach gleich zu Hause bleiben und die Schnüß halten?
Simplify your life c/o

Titanic

 Last man standing

Wenn ich wieder einmal meinen Schlüssel in der Wohnung vergessen habe, die Liebste in ebendieser Wohnung wieder einmal so tief schläft, daß sie mein Sturmläuten nicht hört, und ich, um das Unglück zu komplettieren, keine Übernachtungsalternative aufstellen kann, weshalb ich mir eine Nacht lang vor der Haustür die Beine in den Bauch stehe, dann ist das meine höchstpersönliche Art eines One-Night-Stands. Ist aber weniger aufregend, als es sich anhört.

Sebastian Klug

 My generation

»Hast du mal Ibsen gelesen?« – »Nö, dieses Känguruh fand ich total bescheuert. Und die Gimmicks waren eh nur was für Jungs.«

Tibor Rácskai

 Produktidentifikation

Nicht ungern schaue ich fremden Menschen in den Einkaufswagen und bilde mir Vorurteile über Wesen und Lebensweise dieser Menschen. Manchmal schweifen meine Gedanken beim Anblick des Kaufguts ins Philosophische. So wurde die alte Frage in mir wach, ob nun das Sein das Bewußtsein bestimme oder andersrum, als eine deutlich adipöse Frau neben zwei 1,5-Liter-Sixpacks Cola auch Küchenrollen der Marke »Dick&Durstig« dabeihatte.

Karsten Stölzgen

 Im Sportfernsehen

Freund zappt sich durch das nächtliche Programm, landet bei den »Sexy Sport Clips« auf DSF. Freundin neben ihm wird wach, im TV räkelt sich gerade eine halbnackte Blondine in einer Turnhalle unter einem Tennisnetz. Freundin: »Oh, sind schon wieder Paralympics?«

Ina Zone

 Meine Aura

Über diese modischen Yogi Tees mit ihren raunenden Klappentexten und fehlenden Bindestrichen schmunzle ich, aber sie schmecken gut. Neulich probierte ich den Aura Tee. Schon am der Tasse folgenden Tag trat eine Frau mit Esoterik-Hintergrund auf mich zu und teilte mir mit, sie betrachte gerade meine klar umrissene Aura – die im übrigen ziemlich gut aussähe. Jetzt denke ich darüber nach, doch auch mal den Frauen Fitness Tee zu probieren.

Tina Manske