Ein Königreich für Lamar – Rezension zu Kendrick Lamars neuem Album »gnx«
Es ist ein Großereignis, wie es vielleicht nur alle ein bis zwei Jahre einmal vorkommt: Kendrick Lamar bringt ein neues Album heraus – und die Welt steht Kopf. Nachdem sich langsam wieder alles gesetzt hat, wird es Zeit, das Werk zu begutachten. Die neue Langspielplatte »gnx« ( nach dem gleichnamigen E-Mail-Provider) wurde ohne jede Vorankündigung veröffentlicht und ist mit zwölf Titeln angenehm kurz geraten. Doch Kendrick Lamar wäre nicht Kenschi himself, wenn die es nicht z. T. ganz schön in sich hätten. Hat er das Meisterwerk geliefert, das niemand erwartet hat, aber alle von ihm erwartet haben? Schauen wir uns die Lieder in der Einzelwertung an.
1. Düsteres Gewummer à la Hans Zimmer leitet wacced out murals ein. Dann rappt Lamar los, und macht unmissverständlich klar, dass derzeit kaum jemand den Sprechgesang besser beherrscht als er. Silbe für Silbe, Wort für Wort fallen ihm aus dem »Gehege seiner Zähne« (Heinz Erhardt). Inhaltlich greift der Comptoner Edelreimer den Faden wieder auf, den er beim Beef mit Drake fallengelassen hat: Es geht um ein Graffito Kendrick Lamars, das von einem Anhänger Drakes mit den Buchstaben »SEX« übermalt wurde. Lamar ist unglaublich sauer auf Drake, dass der seine Fans nicht besser im Griff hat. Aber mal ehrlich: Soll der eine Schmierfink sich wundern, wenn ein anderer ihm in den Vorgarten macht?