Inhalt der Printausgabe

Heinz Strunk
Intim­scha­tulle 66

»Boten des Todes«

1.8. Drückend, schwül, heiß, sengend, kaum ein Luftzug, und so soll es mindestens bis Monatsmitte bleiben. Hoffentlich holt der August nicht nach, was der Juli versäumt hat. Herrlich die vielen Meldungen von Monsterstaus (wann endlich wird das Wort »Blechlawine« durch ein anderes ersetzt?), überfüllten Stränden und Parkplätzen, Schließungen ganzer Ortschaften an Nord- und Ostsee. Immer mehr Bundesbürger verlieren die Nerven (»Ich kann nicht mehr!«) und treten vorzeitig die Rückreise an.

Abends TV. 20.15 im ZDF Start des mit Spannung erwarteten Krimi-Mehrteilers DER HINTERBLIEBENE. Charly Hübner ist DER HINTERBLIEBENE.

2.8. Erster Entwurf eines Ballermann-Stimmungshits Was macht das Gnu am Ostseestrand?

Was macht das Gnu am Ostseestrand?
Suhlt sich im Sand voll Wonne.
Das Leben ist ’ne Geisterbahn,
Drum tritt es in die Tonne!

Wirkt unfertig, kommt noch keine Freude auf. ABER: Amateure würden jetzt aufgeben – ich bleibe dran! Habe mich nachmittags von Meyer-Schulau vor der sog. Schulden-Uhr fotografieren lassen. 9154 Euro neue Schulden pro Sekunde, das sind Summen, die (negative) Gänsehaut bereiten.

3.8. Bin mit der von der Christlichen Buchhandlung im Juli gelieferten Lektüre schon »durch« und habe gleich »die nächsten sechs« nachgeordert. Der August ist also – GOTT SEI DANK!! – gerettet.

  • Gebetstagebuch. Ein Notizbuch zum Niederschreiben von Bibelversen
  • Wie die Ehe durch Vergebung gelingt
  • Ich bin bei dir – 366 Liebesbriefe von Jesus
  • Der Bibelraucher: Die knallharte Lebensgeschichte eines Ex-Knackis
  • So geliebt bist du: Sofapausen mit Jesus
  • Das kleine Buch vom großen Segen

4.8. Sich über den Ridesharing-Service MOIA zu echauffieren, ist ungefähr so originell, wie Witze über die Kelly Family zu reißen. Von wegen, dass da nie ein Fahrgast drinsitzt, die Flotte ein automobiles Ärgernis darstellt, welches die ohnehin schon kurz vor dem Verkehrsinfarkt stehenden Innenstädte endgültig kollabieren lässt, kurz: überflüssig wie ein Kropf. Eigentlich ist alles gesagt. Aber irgendeinen originellen Ansatz muss es doch geben! Da kommt mir das Wort Geisterarmee in den Sinn. The Fog – Nebel des Grauens. Unheimlich. Gänsehautfeeling pur. Eine Geisterflotte, von Gespenstern gelenkt. Tatsächlich habe ich noch keinen einzigen MOIA-Fahrer lachen, lächeln oder überhaupt nur eine Miene verziehen sehen. Mit eingefrorenen, bleichen, versteinerten Gesichtern lenken sie ihre stets leeren Vehikel auf der Suche nach neuen Opfern noch durch schmalste Nebenstraßen; die nervenzerfetzend langsam rollenden Fahrzeuge haben tatsächlich etwas von Todesschwadronen. Es ist, als lauerten sie, um beim geringsten Anzeichen von Schwäche sofort loszuschlagen.

5.8. Schlagzeilen, die aufhorchen lassen: MINERALWASSER-ERBE LIEBT 007-ENKELIN // FETTBRAND IM STRANDHOTEL // FERRARI-SCHANDE: VETTEL SCHAFFT NUR PLATZ 11

6.8. Aus einer (alten) Eierreportage auf ZDF-Info: 1) »Das Osterfest ist für die Eierleute (gemeint sind die Hersteller) anspruchsvoll.« 2) Eierkunden sind anspruchsvoll.

7.8. Tag des Bernsteindrehers.

8.8. Schöne Leiter gebaut: Wein – Sherry – Brandy.

9.8. Schatulle interaktiv (für fortgeschrittene Schatullenleser): Es wird der Name für ein neues Perückenmodell gesucht. Frage: Ist für ein neues Perückenmodell der Name Butterfahrt geeigneter oder Mutter Vater? Beides klingt ähnlich, das ist der »Clou«. Also noch mal: Perücke »Butterfahrt« oder Perücke »Mutter Vater?«

10.8. BRAINSTORMING: Von Fischfüßen und Fußfischen // Kuleranz (statt Kulanz) // Büffelhüfte – Wellblech unterm Röckchen

11.8. MOIAS II: In einem Zombiefilm-Remake könnten sie eine zentrale Rolle spielen. (Ein Zombie fährt im Moia / Die Nacht der lebenden Moias / Rückkehr der lebenden Moias / Ein Moia hängt am Glockenseil / Orgie bzw. Invasion der Moia-Zombies bzw. Zombie-Moias) Von Untoten gelenkte, fahrende Intensivstationen / Gräber, die Schwerkranke, Sterbende oder bereits Verstorbene (Tote) zum nächsten Krematorium bzw. Friedhof kutschieren. Auf der MOIA-Homepage ist folgendes zu erfahren: »Auf dich haben wir gewartet. Komm zu uns und hilf uns! Wir würden uns freuen, wenn du uns auf dieser aufregenden und anspruchsvollen Reise begleitest.« Welcher Reise? Der Reise in den Tod? Was für Menschen stecken hinter dem Sammelbegriff (Sammeltaxi-Sammelbegriff) Moiafahrer? The person behind the mask. Ein Versuch:

Moiafahrer (Moias)

Sie cruisen auf porösen Reifen ins Tal der Angst,
tote Augen in zerfurchten Gesichtern,
unnütz und langsam, gemischt mit hohen Kosten, das ist ihre Formel, paradox.
Moias sind Boten des Todes, Glöckner des Untergangs, Pförtner der Schwäche.

12.8. Keine Kugeln, keine Girls.

13.8. Geiler Spruch, aufgeschnappt in Grill den Henssler: Brüh übt sich, was Suppe werden will.

14.8. Dieter Bohlen hat 2013 mal den Schmusesänger Semino Rossi produziert (»Symphonie des Lebens«, Doppel-Platin in Österreich). Die Begründung, warum er sich des Ex-Straßensängers angenommen hat: »Er ist ein Mercedes. Aber einer mit Motorschaden.« Übrigens ist Semino Rossi, geb. 29.5.62, nur 12 Tage jünger als ich. Weitere 1962 geborene und (noch lebende) Klapskallis: Horst Lichter, Jon Bon Jovi, Andreas Köpke (Fußball), MC Hammer, Nik P, Sandra (Sängerin), Tom Cruise, A. Kramp-Karrenbauer, Bernd Lucke, Georg Uecker (Lindenstraße), Susanne Fröhlich. 1962, Jahr der Arschlöcher und Supertrottel.

15.8. Heute nichts.

16.8. Die ewige Klage, die Digitalisierung in den Schulen schreite nicht voran, nervt. Mir (Realschule Hanhoopsfeld, Mitte der Siebziger) wurde als einziges digitales Utensil/Hilfsmittel ein Taschenrechner der Marke Texas Instruments zugesprochen. Meiner Erinnerung nach konnten damit alle Aufgaben und Anforderungen bewältigt werden. Tja, tempi passati. Das ganze Leben seinerzeit eine einzige Entschleunigung. Merken Sie es? »Nostalgie-Trip«. Träumen erlaubt!

Amateuraufnahme einer Wasserzuleitung für eine Therme

17.8. Moias Strophe 2

In ihrem Narbenpanorama spiegelt sich welkes Haar,
Sie graben im Hausmüll nach frischem Obst und Peelings,
Todesfahrten im Leerlauf, Vernichtung öffentlicher Räume.
Moias sind Diener des Verfalls, Spione des Jenseits, Botschafter der Schmerzen.

18.8. Ob es wohl eine gute Idee wäre, eine Firma zu gründen, die alte Kamine aufarbeitet? Nur mal so eine Frage, ich habe ja selber keine Ahnung.

19.8. Geile, innovative Idee: Feiern ohne Ton.

20.8. Karriereschatulle: Nörgler nörgeln, Laberer rharbabern – Macher machen // Deine Komfortzone ist der Ort, an dem deine Träume sterben // Mach deinen Wow-Effekt sichtbar!

21.8. Moias Strophe 3
Ihre morbide Armee rückt unaufhaltsam vor.
Sie saugen embolische Luft in ihre faltigen Lungen,
Mobiles aus Glasknochen, eingefallenen Zähnen, zerschmolzenen Leitungen.
Moias sind Söldner der Krankheit, kaputte Gelenke, gelebte Gerüche.

22.8. Geile (eigene) Idee: KNICK-SERVICE WÖBSE. Also ein Knick-Service. »Wenn Sie etwas zu knicken oder zu falten haben, sind wir jederzeit für Sie da – Knick-Service Wöbse«

23.8. Kunst, die bleibt:

  • Rothenburger Zweigestirn
  • Ludwigshofener Verstümmelung
  • St.-Anton-Perspektive

24.8. Mit Bernd Gulasch Neuss ins Casino Esplanade. Bernd ist ein ehemaliger Muckerkollege (5-Mann-Kapelle Boarding Time), wir hatten früher (vor 25 Jahren) auch den einen oder anderen witzigen Sauf- und vor allem Kasino-/Spielhallenabend. Sein etwas seltsamer Spitzname rührt daher, dass er auf den großen Bauernhochzeiten beim kalt-warmen Mitternachtsbuffet immer mindestens zwei Teller Gulaschsuppe verdrückt hat, eine außerordentliche Leistung. Gelegentlich hingen wir zusammen rum, meist in Spielhallen/Kasinos. Für die Doofen nochmal ganz langsam: In eine SPIELHALLE (Automatenkasino, weil hier ausschließlich Automaten hängen) darf jeder nach Vollendung des achtzehnten Lebensjahres. Die Automaten sind so eingestellt, dass man pro Stunde maximal 60 Euro verspielen kann (kompliziert zu erklären, bitte selbst austesten). Zudem gibt es Spielpausen, bei denen sich der Automat für drei Minuten abschaltet. Der Gesetzgeber will so den (vermeintlich suchtgefährdeten) Spieler zur Vernunft bringen. Bei einem (staatlich konzessionierten) KASINO hingegen muss man seinen Ausweis/Reisepass vorzeigen und bekommt dann einen Tagespass ausgehändigt. Es herrscht zudem eine gewisse Kleiderordnung. Neben Automaten sind auch Roulette, Black Jack und Poker im Angebot. Spielern, die sich freiwillig haben sperren lassen, wird der Eintritt verwehrt. In Kasinos lassen sich die Automaten ohne Limit (nach oben) spielen. Zusammenfassung: Spielhallen für die ganz armen Willis, Kasinos für Leute aus eher gehobenen Einkommensverhältnissen und ohne psychische Probleme. Bernd war einer der wenigen, der, wie ich, dem Reiz der Geldspielautomaten etwas abgewinnen konnte, das Duell mit den Kästen (»Gurken«) bereitwillig aufnahm, um am Ende stockbesoffen und fast immer pleite (wie ich) auf allen Vieren nach Hause zu kriechen. Eben echter F.U.N.!

25.8. Auf jeden Fall witzig: Ping Pong in Hongkong.

26.8. Alltagsfrage: Stimmt es eigentlich, dass weiße Schokolade keine Kalorien hat?

27.8. Schatulle Umsonst-Service lebensoptimierende Maßnahmen:

  • Beleuchtung ist die halbe Miete! Eine Kombi aus Standardbeleuchtung, indirektem Licht, Lichterketten und Kerzen macht auch aus durchschnittlichen Wohnverhältnissen einen Blickfang.
  • Einbeiniges Zähneputzen trainiert den Gleichgewichtssinn und viele Muskeln.
  • Für Fortgeschrittene Teil II: Was das Cabrio im Sommer ist, ist der Kamin im Winter (fragen Sie Ihren Schornsteinfeger nach einem freien Kaminzug).

28.8. Liste sinnloser Beruf: Radiologe. Imker. Autowaschanlagenbetreiber.

29.8. Alle 6 (in Worten SECHS!!) christlichen Bücher durch. Bin mir jetzt sicher, dass ...

… bei einem Grubenunglück es Gott ist, der nach den Verschütteten gräbt.

… nach einem Flugzeugabsturz es Gott ist, der die Blackbox findet.

… nach einem Verkehrsunfall Gott die Rettungsgasse bildet.

… nach einem Tsunami es Gott ist, der das Wasser ins Meer zurückdrückt.

… im Krieg Gott ein Lazarett baut.

… bei einem Adipösen es Gott ist, der das Magenband setzt.

30.8. Moias Refrain (Chorus)

Fahren, bremsen, lauern, Hedonismus, der nicht fragt.
Dunkelmenschen, Schattenwesen, haltet an, haltet ein!
Wir bitten um Erbarmen, Moias, gebt uns endlich frei!

Naja, so oder so ähnlich.

31.8. Abendgedanke. Wer bin ich? Mögliche Antworten: A) Eine einzelne Person ohne Gewerbeeinheit. B) Heinz Strunk – Poet des Alltäglichen. C) Ein Hai, dem man beigebracht hat, richtig zuzubeißen.

Nach Notat im Bett.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Oskar Lafontaine, alter Gourmet!

Sie waren Gesprächsgast bei der Vorstellung des neuen Sarrazinbuches über irgendwas mit Flüchtlingen und Ausländern, deren Aufenthalt in Deutschland auch Ihnen nicht behagt. Denn schließlich, so sagten Sie, sei es wenig sinnvoll, einen von hundert hungernden Menschen ins »Feinschmecker-Lokal« einzuladen, wenn die dortige Rechnung allemal dafür ausreiche, allen Betroffenen Brot zu geben.

Wohl wahr! Allerdings machte es Ihnen niemals etwas aus, in Feinschmecker-Lokale, Fünf-Sterne-Hotels, Privatjets und Luxus-Fincas eingeladen zu werden, auch wenn die Rechnungen dafür ausgereicht hätten, die ganze Wählerschaft der Linkspartei mit Brot für Jahre auszustatten.

Aber was sollten die damit auch anfangen, nicht wahr? Die können ja schließlich auch Kuchen essen!

Schenkt Ihnen immer gerne ein: Titanic

 Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Im »Focus« wurden Sie – Guts-Chefin Bettina, Ehemann und DFB-Präsident Fritz Keller sowie Ihre drei Söhne – in der Reihe »Generationengespräch« über dies und das befragt, und was ein leidlich als Journalismus getarntes Alkoholwerbefeature hätte werden können, explodierte gleich zu Beginn derart, dass man glauben konnte, man läse das Transkript einer durchschnittlichen Maischberger-Sendung.

»Herr Keller, sind Sie auch Patriarch?« hob der Interviewer an, worauf es aus Ihren Mündern u.a. schallte: »Wer? Ich? Warum?«, »Ja, ja«, »Mein Mann will schon der Bestimmer sein«, »Was!? Das habe ich ja noch nie gehört«; dann, auf die Frage »Wollten Sie ihn je verlassen?« ging es weiter mit: »Eigentlich täglich«, »Ich will jetzt auch mal was sagen«, »Das stimmt einfach nicht«, »Das stimmt nicht«, »Doch« und so fort über anderthalb Spalten hinweg, und wenn der »Focus«-Mann nicht elegant zum Thema Fußball gewechselt wäre, wie lange hätte es dann wohl gedauert, bis der erste Dekanter durch die Luft geflogen wäre? Oder torkelt für gewöhnlich ein jeder von Ihnen, ein übervolles Glas schwenkend und giftige Vorwürfe speiend, in sein jeweiliges Zimmerchen? Und: Kommt so etwas täglich vor in Ihrem Weinkeller, liebe Kellers? Wie haben Sie eigentlich die Quarantäne überstanden?

Empfiehlt eine Familienaufstellung im Mineralwasser-Lager: Titanic

 Kuckuck, Daniel Kehlmann!

Von der »Sprengkapsel des Infektionsschutzgesetzes«, das wie eine »Bombe« in »unser Gesetzeswerk« eingelassen sei, faselten Sie unlängst bei denen von der »Welt« und kritisierten wieder einmal die Corona-Maßnahmen aus Angst um Ihre Freiheitsrechte. Immerhin sei eine Sterberate von 0,5 Prozent nun mal nicht die Cholera.

Und trotzdem mussten Sie, Herr Kehlmann, all das durchstehen: Da haben Sie sich in ein »ganz kleines Haus« in Montauk eingemietet, vorher einen »großen Fernseher« und eine Playstation gekauft und ausgeharrt. Ja Himmel, ist das denn überhaupt noch ein Leben? Überdies würden Sie sich in der westlichen Zivilgesellschaft nie wieder so sicher fühlen können wie früher. Was, man ahnt es, nicht das Virus und dessen Gefahren meint.

Aber was auch immer die Zukunft bringen mag, Herr Kehlmann: Wir wissen nun immerhin, dass wir uns im Falle erneuter Klopapierengpässe den Hintern guten Gewissens mit Ihren Büchern abwischen können.

Danke dafür: Titanic

 Schöpfer der Kampagne »Werde Maler!«

Was ging uns das Herz auf – und mit uns wohl Zigtausenden ambitionierter Schulabgänger –, als wir auf Bussen und Plakaten Euren oben genannten Aufruf lasen, darunter die verheißungsvollsten Satzperlen: »Eintrittskarte in eine kreative Branche«, oder gar, wo pandemiebedingt zur Zeit so vieles den Bach runtergeht: »Meine Zukunft ist gesichert!«

Wer träumt nicht davon: endlich, und das nach offizieller Aufforderung, in die Fußstapfen von Gerhard Richter und Jonathan Meese treten, dazu Geniekult, Aktmalorgien, Koks und Heavy-Petting mit Myriaden von Musen. Doch Basel-, äh, Mumpitz: Bei genauerem Studium von www.werde-maler.de entpuppt sich die rosige oder auch polychrome Zukunft als ein billiges Trompe-l’œil, löst sich in Neo und Rauch auf. Leider seid Ihr nicht der Deutsche Künstlerbund, sondern die schnöde Innung der Maler und Lackierer. Aber sagt, ein bisschen Koks während der Achtstunden-Frühschicht gibt’s bei Euch vielleicht auch?

Fragt mit Restinteresse: Titanic

 Und Du, hyperaktives Berlin,

hast Dich bei der Entwicklung Deiner neuen Werbekampagne mal wieder nicht richtig konzentriert. Denn sonst wäre Dir doch sofort aufgefallen, dass in dem Motto »Berlin. Auch das« glatt das »noch!« fehlt.

Sieht genau hin: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Herbstschmerz

Ein stark übergewichtiger Mann wirbelt mittels eines höllisch laut dröhnenden Laubbläsers nasses Laub von einer Seite des Radwegs auf die andere. Er trägt rote Ohrenschützer, raucht eine krumme Zigarette und hat den Mund-Nasen-Schutz am Kinn kleben. Auf der Jeans-Kutte, die er über seiner orangefarbenen Warnweste trägt, steht »FCK WNTR«. Ich weiß, dass mir dieses Bild irgendetwas über den Zustand der Menschheit sagen will, doch ich schaffe es einfach nicht, die Botschaft zu enträtseln. Ich bin auf einmal nur noch sehr, sehr müde.

Theobald Fuchs

 Kunst meets Frankfurt

»Einmal die Krüppel.«
»Wie bitte?«
»Na, die Krüppel-Sammlung da.«
»Mein Herr, Sie meinen unsere Ausstellung ›En passant‹? Sie möchten ein Ticket?«
»Ja, genau.«

Man fremdelte anfangs ein wenig mit den impressionistischen Skulpturen im Städel-Museum in Frankfurt.

Nicolai Hagedorn

 Prädikatenlogik im Urlaub

Dass die supergescheiten Griechen als Begründer der Logik uns weniger beschlagenen Völkern gripsmäßig stets einen Schritt voraus sind, wurde mir abermals verdeutlicht, als mir auf Kreta ein Einheimischer auf die Frage, ob das von mir anvisierte Reiseziel ein gutes sei, antwortete: »Oh yeah, it's a nice place! Everybody goes there. I have never been there.«

Cornelius W.M. Oettle

 Obenrum öd

Die ICE-Trasse Kassel-Würzburg liegt fast komplett unter der Erde. Das ist durchaus eine gute Idee, denn die Gegend ist so trostlos wie das Liebesleben eines Bahn-Vorstands. Für einen Zwischenhalt erbricht sich der Zug in Fulda kurz an die Oberfläche, und man erkennt auf den ersten Blick die Brillanz der Nato-Strategie aus den Achtzigerjahren: Hier also wäre der Russe damals durchs berühmte »Fulda Gap« in den Westen einmarschiert und mit seiner enormen Panzerflotte vor lauter Langeweile direkt verödet.

Peter P. Neuhaus

 Abwägungsfrage

Die eigenen unerfüllten Lebensträume auf seinen Nachwuchs zu projizieren, diese Möglichkeit hat man als kinderloser Mensch leider nicht. Anderseits: Ein Kind, das zu jeder einzelnen Sportunterrichtsstunde eine schriftliche Entschuldigung mitbringt, hätte womöglich ernsthafte Schwierigkeiten, was die Bewältigung der schulischen Laufbahn betrifft.

Julia Mateus

Vermischtes

Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 14.10.:

    "Von wegen forever young": Die TAZ über das Buch "Der Untergang des Abendkleides" von Ella Carina Werner.

  • 05.10.:

    Ella Carina Werner berichtet in der "Taz" über ein Altersheim für verarmte Künstler.

  • 09.09.:

    Die "Abendzeitung" interviewt Rudi Hurzlmeier.

     

  • 04.09.:

    Ella Carina Werner klärt in der "Taz" über den Alterskult im westlichen Sumatra auf.

  • 03.09.:

    Moritz Hürtgen spricht mit ZDFheute über Satire nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo".

Titanic unterwegs
28.10.2020 Osnabrück, Lagerhalle Max Goldt
29.10.2020 Gütersloh, Die Weberei Max Goldt
29.10.2020 Schweinfurt, Bayernkolleg Gerhard Henschel
29.10.2020 Bad Oeynhausen, Begegnungszentrum Druckerei Ella Carina Werner