Inhalt der Printausgabe

Heinz Strunk
Intim­scha­tulle 58

»Mr. Glibber«

1.12. Minus 1 Grad, herrlich. Glühweinfeeling kommt auf. Vormittags »Dienst nach Vorschrift«, nachmittags online zwei Karten für das Finale des Mister-Glibber-Wettbewerbs 2019 im niedersächsischen Visselhövede gekauft. In diesem Jahr stehen Hubertus Meyer-Burckhardt, Peter Altmaier, Reiner Calmund, Joschka Fischer, Colmar Schulte-Goltz, Uli Hoeneß, Jörg Thaddäus und Hella von Sinnen in der Endrunde. Ottfried Fischer ist wegen seiner angeschlagenen Gesundheit vom Amtsarzt disqualifiziert, Elton (Pro-7) und Willi Herren wurden als »noch zu kompakt« eingestuft. O-Ton Chef-Punktrichter Dr. Werner Manteuffel: »Muss alles noch viel glibbriger werden!«

Die Kriterien: 1) Wie hoch ist die Fließgeschwindigkeit des Fetts? 2) Wie groß ist der Anteil an glibbrigen Substanzen? 3) Wie hoch ist der Anteil an glibbrigem Fett in der Trockensubstanz? 4) Liegt der Anteil an schwerem Flimmerspeck bei mindestens 30 Prozent? 5) Viel Fett, wenig Muskeln, weiche Knochen – wer ist auch optisch am weichsten?

Abends Lektüre und TV.

2.12. Den ganzen Tag damit beschäftigt, die Brückentage für die nächsten drei Jahre auszurechnen. Da kommt einiges zusammen! Vorfreude!

3.12. Vormittags noch im Schlafrock abwechselnd Arbeit am Roman und am Erzählungsband. Erwäge, mich auch mal an ein Sachbuch zu wagen (irgendwas Witziges wie Kumpel, Kilo, Kalorien). Der steinöde Axel Hacke (ich hatte kürzlich eine Anfrage für einen Beitrag, natürlich abgelehnt. Der Anfrager, enttäuscht: »Ach, wie schade, dann müssen wir vielleicht doch Axel Hacke nehmen«) hatte ja schönen Erfolg mit seinem langweiligen Schwachsinnsbuch »Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen«. So ein verpisstes Kackbuch krieg ich schon lange hin, das wichs ich in vier Wochen zusammen. Bei mir hieße es dann »Verflixt, verschwitzt und durchgefroren – der wohltemperierte Mensch oder wieso es so schwer ist, den richtigen ›Grad‹ zu finden«.

4.12. In-&-Out-Liste Dezember.

IN: Die Kneipe »Old Esloe« in Bad Oldesloe, das Wort »vollendungsnah«, Mönche mit Duschhaube, der Spruch »Näher rücken, um die Lücken zu überbrücken«, das Bose-Einstein-Kondensat, »Mampfi« Schnellimbiss Babbel Gosch, Hundi aus Burundi

OUT: Klumpenmenschen (Klumpenrisiko), arrogante Leute, die behaupten: »Da, wo ich wohne, ist automatisch Adresslage«, wenn das Telefon zum Tatort wird, Erlebniskneipe »Bremsspur« (schmuddelig), Klingelton »Der Tod ruft an«, der Schrei der Leber nach Liebe, Termitenforscher Dagobert

5.12. Meyer-Schulau stellt mir im Restaurant Diverso folgende Fragen: 1) Würden Sie bis an Ihr Lebensende für 800 000 Euro ausschließlich Frittiertes & Paniertes essen? (Also nur Lebensmittel mit sehr hoher Energiedichte; Obst und Gemüse sind verboten, Kartoffeln nur in Form von Pommes Frites, Knödeln, Kartoffel/Sahnegratin; für jeweils 5 kg Gewichtszunahme 50 000 Euro Bonus, Sie könnten es also mit 100 kg Gewichtszunahme zum Millionär bringen.) 2) Würden Sie für 1200 Euro eine Nacht ganz eng zusammengerollt in einem Urinal übernachten?

6.12. Idee für einen anspruchsvollen literarischen Text, Titel: »Ein provisorisches Nachtlager«.

7.12. Im Café 2 Talk. Schlagzeilen in den ausliegenden Zeitungen: FRAU SOLLTE SKY-ABO FÜR TOTEN BRUDER ZAHLEN // HAUSBOOT ZERQUETSCHT FRAU AN ZUGBRÜCKE // INSTAGRAM-MODEL REIST NACH TSCHERNOBYL

8.12. Lecture in Kafkas Tagebüchern: »Plan eines Aufsatzes Goethes entsetzliches Wesen. Furcht vor dem zweistündigen Abendspaziergang, den ich jetzt für mich eingeführt habe.«

9.12. Abends TV. »Pelze weg und Halligalli«: Schmonzette mit Helmut Zierl als Gutsbesitzer und ehemaliger Autorennfahrer Matthew Waltgoodham, der im Suff (Alkoholfahrt) eine junge Frau anfährt, die sich später aber als seine uneheliche Tochter entpuppt.

10.12. Geil, geiler Sloter(geil)dijk: »Immer größere Zahlen an Menschen vergleichen sich heute distanzlos mit den Erfolgreichsten, wobei sie ihre Abstände zu den vermeintlichen und wirklichen Spitzen viel schärfer als früher spüren (...) Soziologen nennen die Vergiftung großer Bevölkerungsschichten durch Prominenz-Gossip den ›Hello-Magazine-Effekt‹. Es scheint die Mission von Krähen wie Victoria Beckham zu sein, Millionen von Frauen unglücklicher zu machen, als sie wären, wenn sie von ihr und ihresgleichen nie gehört hätten. Wo früher das Volk war, gibt es jetzt das Celebretariat, bestehend aus latent Berühmten, denen zu ihrem Glück vermeintlich nichts fehlt, außer dass sie entdeckt werden müssten. Ein britischer Autor nennt diese Zersetzungsprodukte des Volkes das Lumpen-Celebretariat. In dem gibt es niemanden, der nicht am It-could-be-you-Syndrom leidet.«

11.12. Eine gute Frage. Wenn Sie mit Nachnamen Unangenehm hießen, wie würden Sie sich vorstellen: «Unangenehm, angenehm« oder: »Angenehm, Unangenehm«?

12.12. Doof: Offline ist das neue online. Auch doof: Ich bin dann mal Ford. Doof doof: Ist das Vorfreude, oder kann das weg?

13.12. Google-Suchverlauf: ulf ansorge hamburg journal – grover washington – wie lange dauert es bis die Folgen eines Mückestichs abklingen fragezeichen – originalgenie – nico semrott – beate früstück – martin keß – prepper einkaufsliste – prepper – gosch sylt – immobilien sylt kampen – georg danzer – fredl fesl – fredl fesl anlass jodler – insel öhe – E-Preller Gingst – daliah lavi – andrea nahles gewicht

14.12. Tagsüber nichts, am Abend große Ermüdung der Augen, die mich zwingt, meine Lektüre zu beenden.

15.12. Verabredung mit Bernd »Gulasch« Neuss, mit dem ich zum Lunch in Manuels Taverne verabredet bin (Cinq Minutes mit kalter Sardellensauce). Sagt fortwährend Nullsätze der Größenordnung: »Wenn man innerlich gefestigt ist, dann braucht man nicht dauernd Bestätigung von außen.«

Ein Schicksal, das auch mir bald bevorstehen könnte

16.12. Schnaps.

17.12. Abends mit Meyer-Schulau in die »Aufblas-Bar« (Neueröffnung).

18.12. Abends zur »Langen Nacht der Gerichtsvollzieher«. Die Stationen Amtsgericht Hamburg-Altona, Landgericht Hamburg, Hanseatisches Oberlandesgericht, Verwaltungsgericht Hamburg, Hamburgisches Oberverwaltungsgericht, Finanzgericht Hamburg abgeklappert, dann konditionell am Ende und auch ziemlich betrunken. Das Landessozialgericht und das Hamburgische Verfassungsgericht werde ich mir dann im übernächsten Jahr vornehmen (2020 gibt es – angeblich wg. Schaltjahr – keine Lange Nacht). Erst morgens um 5.30 im Bett. Hat sich trotzdem gelohnt, »mal was anderes«.

19.12. Viel in Speers Spandauer Tagebüchern gelesen: »Heß – diese Existenz hier in der Zelle sei die Rolle seines Lebens. Jetzt endlich kann er seine Leidensbereitschaft und seine Skurrilität, seine beiden auffallendsten Züge, voll ausleben.«

20.12. Vormittags nicht so schlecht wie sonst gearbeitet, nachmittags Lecture von Sybille Lewitscharoffs »Blumenberg«. Die ersten Seiten langweilig, nimmt dann aber Fahrt auf. Gesamturteil: recht solide. Übrigens hat S. Lewitscharoff neben Terézia Mora die meisten Literaturpreise eingesammelt (beide Büchner-Preisträgerinnen). Da stellt sich wieder mal die Frage, wo ich bleibe?! Es gibt hierzulande sage und schreibe 1200 (in Worten: eintausendzweihundert) Literaturpreise. Ab zur Fütterung, welche Auszeichnung darf es denn heuer sein? Fett, träge und genusssüchtig, die Herren und Damen Schriftsteller. Und immer schön am Leser vorbei, schreiben um des Schreibens willen, munter in den leeren Raum. Schriftstellerische Pflegefälle. Aus der Not soll Literatur entstehen! Wieviel gut dotierte Preise hat denn beispielsweise Kafka bekommen? Eben! Vielleicht darf ich mich wenigstens auf posthume Ehrungen »freuen«. Verbitterung und Schnaps (Ziegler Exquisit, Quitte).

21.12. »Unsere Beziehung hatte sehr viel Feuer, aber wir hatten leider keine Feuerlöscher« (Rita Harms).

22.12. Tag des Gemeindedieners.

23.12. Fahrt ins 150 Kilometer entfernte Visselhövede, wo traditionell einen Tag vor Heiligabend der Gewinner des Mr. Glibber-Contests bekanntgegeben wird. Riesenüberraschung: Bares für Rares-Experte Colmar Schulte-Goltz verwies die ungleich mächtigeren Silberrücken Meyer-Burckhardt, Altmaier und Thaddäus mit 93 von möglichen 100 Punkten auf die Plätze und wurde somit zum dünnsten Mr. Glibber aller Zeiten gekürt. Aus der Begründung der Jury: »Sämig-soßigglibbriger Gesamteindruck – sehr schwaches Bindegewebe (Faktor 0,7) – beim Faszientraining letzter Platz – viele hängende oder freischwebende Partien (Tannenbäume, Elchschaufeln, Winkfleisch, Schwammbrust, Hängepo, Fettknie, Muffintop, Reiterhosen).« Den Juniorwettbewerb »Mr. Quaddel« gewann haushoch Angelo Kelly. Aus seiner Siegerrede: »Nächstes Jahr trete ich wieder an.« Der Kelly-Spross hat sich zum Ziel gesetzt, sich 2020 sowohl zum Mr. Glibber als auch zum Mr. Quaddel küren zu lassen. »Das hat vor mir noch keiner geschafft!«

24.12. Mitternachtsmesse in der St. Johanniskirche. Wie immer tolle Predigt von Generalvikar Dr. Martin Midbrodt: »Nur einen winzigen Luftstoß über der Erde, zum Greifen nah, sitzt Gott, der Allmächtige, Schöpfer aller Dinge, auf seinem himmlischen Thron. Der Gott der Folter und Morde, der Gaskammern, Erschießungsgänge und Todesstreifen. Der Gott des Hungers, der Armut, der Not und der Kälte, Schöpfer der Vernichtungskriege und des Genozids. Vor langer Zeit hat er seinen Sohn auf die Erde geschickt, der das stellvertretend für ihn regeln sollte. Doch vielleicht hat der Herr Jesus irgendetwas falsch verstanden, ein Versehen, ein Missverständnis. Oder Gott hat den Überblick verloren. Denn mittlerweile muss Gott schon sehr alt sein. Er sieht und hört nicht mehr gut und kann sich nur noch schwer konzentrieren. Er ist gebrechlich und bedarf unserer Hilfe. So wird es sein. Er trägt keine Schuld. Wir sollten gnädig sein und ihm vergeben.« Tolles Glaubenserlebnis.

25.12. KARRIERESCHATULLE: Wer in der Einflugschneise wohnt, hört irgendwann den Fluglärm nicht mehr // Sei Schöpfer deines Lebens und nicht länger Opfer // Ich weinte, weil ich keine Schuhe hatte, bis ich einem Mann begegnete, der keine Füße hatte.

26.12. Alltagsfrage: Wie entstehen eigentlich Wartezeiten?

27.12. Alkoholikerfragebogen, letzter Teil:

  • Wählen Sie Personen danach aus, ob sie Alkohol trinken?
  • Meiden Sie Situationen, in denen kein Alkohol getrunken wird?
  • Fällt es Ihnen schwer, Ihre Trinkgeschwindigkeit zu reduzieren?
  • Geht es Ihnen gleich besser, wenn Sie an Alkohol denken?
  • Trinken Sie regelmäßig Alkohol zwischen zwei Terminen?

28.12. Schatulle für Kinder: Das heutige Fußballspiel bestreiten Rot-Weiß Pommes gegen 1. FC Ketchup.

29.12. Lecture von Peter Handkes »Gestern unterwegs«. 1) Sich erfüllende Liebe: »Ich habe etwas für dich gefunden. Der Barmann lauschte ihr mit gutmütig gefletschtem Gebiss.« 2) «Belästige mich nicht mit deinem Wissen, ich habe nicht gesagt, dass ich dein Schüler sein will.«

30.12. Viertel vor Nesquik, Zeit zum Umrühren!

31.12. Was erhoffen Sie sich vom neuen Lebensjahr? Schnell und schmerzlos sterben.

Nach Notat im Bett.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

 Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

 Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

 Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

 Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Idee für 2021: Spargelernte per Silvesterrakete

Die jungen Feuerwerkskörper werden im April ins Spargelbeet gesät, wachsen dort bis zur erntereifen Rakete. Am 5. Mai heißt es dann: DER SPARGEL SCHIESST, und zwar uns unter großem Hallo und Funkenregen direkt in die Münder. Tradition (Spargel) trifft auf Tradition (Feuerwerk), bzw. »Volksspeisung mal anders«. Noch eine kleine Gegendemo (Querfront) dazu, einem Kind fliegt ein Spargel direkt ins Auge, im Folgejahr wird es Einschränkungen geben müssen, fertig ist DAS DEUTSCHE NEUJAHR.

Elias Hauck

 Deutsch, wie es singt und kracht

Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird zunächst naiv annehmen, dass sich hinter einem Wort wie »Scheiblettenkäse« etwas unsagbar Absurdes, in der Muttersprache nur unter Zuhilfenahme sperrigster Umschreibungen Wiederzugebendes verbirgt, ähnlich gewissen japanischen oder isländischen Vokabeln, die zum Beispiel die mundwässernde Wirkung eines seit sechs Monaten im eigenen Sperma marinierten Walhodens bezeichnen. Um dann, mit wachsendem Sprachverständnis, zu begreifen, dass diese Ahnung nicht getrogen hat.

Jasper Nicolaisen

 Verwöhnt

Meinen Lebensstil muss man sich erst mal leisten können. Ich zum Beispiel konnte es noch nie.

Tanja Schmid

 Zieleinlauf eines Dialogs

Kundin (alte Dame): »Das ist dann schon sehr anstrengend.«
Kassiererin (ältere Dame): »Nein, ich könnte das nicht!«
Kundin: »Aber es macht auch Spaß.«
Kassiererin: »Das ist die Hauptsache.«
»Ja.«
»Ja. 14,60 bitte.«

Worum auch immer es sich dreht, das Gespräch ergibt Sinn.

Theobald Fuchs

 Filmkunde

In Zeiten von Zoom-Konferenzen kann es nicht schaden, der Leserschaft ein wenig Nachhilfe in filmischen Fachtermini zu geben. Eine sogenannte Text-Bild-Schere zum Beispiel kann für einen visuellen Bruch und Komik sorgen. Während der Video-Sprechstunde mit meiner Internistin erzählte ich ihr zum Beispiel, dass ich seit vier Monaten nichts trinke, während sie auf eine Galerie leerer Weinflaschen hinter mir starrte. Wichtig ist auch, dass man sich bereits vor jeder Zoom-Konferenz im Klaren ist, auf welches Genre man hinaus will, sich dabei aber genug Raum offenlässt für spontane Änderungen. Meine Video-Sprechstunde hatte ich zum Beispiel eher als »Komödie« gepitcht (aktuelle Blutwerte), am Ende wurde dann aber ein ziemlich bombastischer High-Budget-Horrorstreifen daraus (Privatbehandlung).

Jürgen Marschal

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 20.05.:

    Mark-Stefan Tietze schreibt in der Taz über die vielen Deutschen, die vor der Merkel-Diktatur ins Weltall fliehen.

     

  • 18.05.:

    Das Neue Deutschland rezensiert Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod", ein Interview dazu gibt es auf Deutschlandfunk Kultur.

     

  • 14.05.:

    Marlen Hobrack bespricht im "Freitag" Christian Y. Schmidts "Der Kleine Herr Tod".

  • 13.05.:

    RTL, die »Hessenschau« und die SZ berichten über die Aktion "Torona: TITANIC hilft der DFL".

  • 05.05.:

    Im Kaput Mag gratuliert Tim Wolff TITANIC-Legende Thomas Hintner zum 60.

     

Titanic unterwegs
03.06.2020 Hachenburg, Hähnelsche Buchhandlung Gerhard Henschel
04.06.2020 Berlin, Buchhändlerkeller Gerhard Henschel
10.06.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve
14.06.2020 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »Beste Beste Bilder – Die Cartoons des Jahrzehnts«