Inhalt der Printausgabe

Heinz Strunk
Intim­scha­tulle 48

»In seinem Loch ist jeder Käfer Sultan«

1.2. Nasskalt, ungemütlich. 8.00 Uhr hoch, Dehnübungen. Im Waschraum rasiert. Zimt-Bagels, Glas kalter Maulbeersaft. Am Schreibtisch »eingelocht«. Zwei Seiten geschrieben, aber zweifelhaft. Apfel Mülleimer. Zum Dinner ins Restaurant Diverso, gebratene Bücklinge, Aprikosenauflauf.

Nachmittags BRAINSTORMING. Neue Powerworte (Energy-Words): KNIEHUPE. CHAOSTRAINING. KNOCHENDUSCHE. HEDONISTISCHE EMOTIONSREGULATION. Bei Gelegenheit was draus machen!

Abends TV. Im ZDF die Dramödie »Daddy hoch zehn« mit Helmut Zierl in seiner Paraderolle als sympathischer Volltrottel: Der biedere Familienvater Graham Truemaker (Helmut Zierl) ist gerade am Rasenmähen, als Simone, die neue Au-pair-Kraft, an der Gartenpforte steht. Sie ist aber, wie sich herausstellen wird, nicht »nur« Kindermädchen, sondern das Ergebnis (Endergebnis/Endeffekt) eines von Grahams zahlreichen Seitensprüngen. Nach und nach platzen noch fünf andere (zu den vier ehelichen) Kinder herein und bringen alles durcheinander. Zehnfachvater (»hoch zehn«) Graham raucht der Kopf! Turbulent.

2.2. Zum Thee Fr. Bodenstein. Ihr Sohn hat den Januar in Chile verbracht.

3.2. Nachtrag Dezember. Entdecke eine Notiz mit nur einem einzigen Wort: GLÜHWEINSCHWEINE. Es gab Zeiten, da bin auch ich über den Weihnachtsmarkt »gestromert« und habe an einem der zahlreichen Glühweinstände Quartier bezogen. Ewig her. Kurz vor Weihnachten, nach Erledigung der wenigen Einkäufe, wage ich es mal wieder. Beobachte das triste Treiben eine geschlagene Stunde lang. Gedanke: Aus welchen verstunkenen Dreckslöchern kommen diese Schweine (»GLÜHWEIN IST KULT!«) nur gekrochen, die sich einen Becher nach dem anderen reinschütten, mit grellen schrillen Lagerhallen-/Schreistimmen unsagbar dummes, steinödes Zeug von sich geben, Paul-Panzer- oder Bülent-Ceylan-Witze rausbölken oder sich sonstwie schlecht benehmen? Kreuzfahrt-Party-Musical-Comedy-kultig, lecker, mega, geht’s noch, geil – Glühweinschweine. Richtige Kacki-Menschen. Denen gehört das mit Plörre besudelte Maul gestopft, und zwar für immer. Was soll man nur ausrichten gegen die? Nichts, eben nichts, man muss sich wie immer geschlagen geben und schleichen, in Sicherheit bringen. Bei Gott, das war nun wirklich das letzte Mal.

Abends Schälbraten mit Morchelgemüse und Sauce universelle, Rotwein, später Cognac (Tesseron Lot N°90 X.O Ovation), Lecture: Albert Camus – Tagebücher 1935-1951.

4.2. Auch interessant: Laut »Welt« trinkt Gérard Depardieu morgens erst einmal zwei Liter Durstwein. »Ich kann 12, 13, 14 Flaschen am Tag absorbieren. Dennoch bin ich nie völlig betrunken, nur etwas angeheitert. Alles, was ich brauche, ist ein zehnminütiges Nickerchen und ein Schlückchen Roséwein, und schon fühle ich mich wieder frisch wie ein Gänseblümchen.« Leider das einzig Positive, was sich über Depardieu sagen lässt.

5.2. Nachmitttags ins »cafe 2 talk«, Schlagzeilen mit Schmackes: KULTOMI ZEIGT IHREN RIESENKÜRBIS//SURFER STIRBT AN GEHIRNFRESSER-AMÖBE//NINJA OPA (84) PRÜGELT TASCHENDIEB TOT.

Abends Bratwürste mit Zitronenbrühe und grünem Kohlrabigemüse.

6.2. Gewürze bei Curry me Home auffüllen lassen.

7.2. Der Sonntag ist, wie so oft, ganz der Television gewidmet. Tagsüber irgendwas (gerne sog. »Schmonzetten«), am späten Nachmittag dann Autosendungen, insbesondere »Grip – das Motormagazin« (RTL II) und auf Vox »Auto mobil«. Der Moderator Matthias Sowieso, der aussieht wie eine verkorkste Mischung aus Bachelor und Michel Houllebecq, in betont markigem Tonfall: »Der neue BMW M3 geht derartig ab, dass der Asphalt hochgeht.« Oder: »Wenn man beim SL 300 die Flügeltüren aufmacht, ist es so, als wäre ein Engel gelandet.« Poesie für Fortgeschrittene. Es folgt eine spannende Reportage über einen (deutschen) Safety-Car-Fahrer. In einer Szene herrscht er seine Mechaniker an: »Was ist los mit euch, wieso steht ihr da wie die Wasserpistolen?!« Herrlich. Früh ins Bett. Träumte, dass ich meine Lederhandschuhe suchte.

8.2. SCHATULLENSERVICE. Falls Sie zufällig Lampe heißen und eine Fahrschule betreiben: Fahrschule Lampe – Nach der Führerscheinprüfung erst mal einen auf die Lampe gießen!

9.2. Gleich morgens die Brille ins Klo gefallen. Das gibt den Ton an.

10.2. Senile Ängste, deshalb den Tag im Bette verbracht.

11.2. Abends mal wieder in den Goldenen Handschuh. Komme mit dem ca. fünfundsiebzigjährigen Eddy ins Gespräch, einem alten Seefahrer. »Und, wie lange bist du zur See gefahren?« – »26 Jahre, vier Jahre Marine, die restliche Zeit Handelsschifffahrt. Allein zwei Jahre lang Brasilien, immer Nordbrasilien, Südbrasilien.« – »Auf einem Fluss?« Eddy (empört, beleidigt): »Nein, natürlich auf hoher See!« – »Und auch einmal auf einem Passagierschiff?« Mysteriöse Antwort: »Nein, zu viele Schwule.«

12.2. Einen frechen Radfahrer darauf hingewiesen, dass das Befahren der Gehwege nur Kindern bis zwölf Jahren gestattet ist.

13.2. Unerklärlicher Starkappetit, kann mich nicht beherrschen, ständige Naschereien: Pralinen, Studentenfutter, Eiskonfekt, ein ganzer Aprikosenauflauf. Appetit wie eine schwere, unheilbare Krankheit, schrecklich. Ins Bett geflüchtet, der Tag soll bitte, bitte schnell zu Ende gehen. Von wegen. Trotz Schnaps finde ich keinen Schlaf. Um 2 Uhr noch Google Suchverlauf: Bergdoktor in Zentimetern – Bergdoktor göße – warum laufen Kreditkarte eigentlich ab fragezeichen – rotes hemd rowohlt autor – das ist nicht sexy englisch – comedypreis 2018 – gefährliche hundeattacke während der Mittagspause englisch – der hund bleibt dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde – schöne Sprüche Hunde – vorsicht vor dem Hunde sprüche – ich beiße nicht ich schlucke am stück englisch – vorsicht kontaktfreudiger Hund englisch – vorsicht vor dem hunde englisch – hilmar klute

14.2. Alltagsfrage: Wozu braucht man eigentlich ein Steißbein?

»Ton in Ton«: Der Name ist Programm!

15.2. BRAINSTORMING – Gute Titel: 1) Das Geheimnis der Kuttelbeere 2) Bits & Brezeln 3) Frau ohne Ersparnisse. Ein-Euro-Gags. Ganz brauchbar.

16.2. Abends mit Bertram Leyendieker ins Restaurant Diverso (Lendensteak mit Sauce Forestière, Mirabellenkompott). Gespräch über die entblinddarmte Frau Bockwoldt, wie es ihr wohl geht.

17.2. Um zwölf Besuch von Lars Lewerenz, Chef meiner Plattenfirma Audiolith. Im Herbst erscheint mein neues Album »Aufstand der dünnen Hipsterärmchen«. Es gibt also einiges zu besprechen. Was denn eigentlich genau? War gestern nach dem Diverso noch im Casino Esplanade, um kurz vor vier wurde ich stockbesoffen und mit leeren Taschen hinauskomplimentiert, bin also entsprechend hinüber. Hoffentlich dauert das »Meeting« nicht allzulang. Und tatsächlich, wir einigen uns innerhalb von zehn Minuten auf einen VÖ-Termin und vereinbaren eine sog. »Listening-session«. Er fragt, ob ich »zufällig« ein Bier für ihn habe. Logisch. (Halber Liter Pilsener Urquell.) Konnte nicht wiederstehen und habe mir auch eines eingeschenkt. L. verlangt nach einem zweiten, einem dritten. Mir war dann eher nach Cola-Rum (CUATE Ron Carribean, 40 Euro bei Getränke-Wolff, sehr zu empfehlen, bei Rum nicht am falschen Ende sparen!). Prickelnd-spritziges Oldschool-Männergespräch, quatschen uns in Rage. Trinke drei, vier sehr anständige Mischungen, L. nimmt dann auch noch zwei. Gegen 15 Uhr bricht er auf, »ins Büro, Termin mit JKP« (große Booking-Agentur). Wie will er das in seinem Zustand nur bewerkstelligen? Der Junge hat’s richtig drauf. Ich aufs Sofa, Bares für Rares, mehr ist nicht drin, penne ein, als ich gegen 19 Uhr (todesartig fertig) aufwache, finde ich folgende Mail im Postfach: HEY HEINZ. DAMKE DAS WAR WIRKLICH EINE RICHTIGE UNTERHALTTUN HEUTE MIT BIER/SCHNAPS. Phantastisch. Danke für diesen schönen Tag.

18.2. Arbeit in peinlichem Schneckentempo, wie ein Viertklässler. Auf RTL wird das Erfolgs-Format »Ninja warriors« um eine weitere Variante ergänzt: SCHWANGERE NINJA WARRIORS. Die einen finden es witzig, ich nicht. Warum müssen Quotenhits nur immer bis auf den letzten Tropfen ausgequetscht werden?

19.2. Autos, bei denen der Ficksahnetank immer halb voll sein sollte: Honda Spast, Toyota MR2, Nissan Quaddel.

20.2. Leibschneiden beidseitig, deshalb mit Wärmflasche früh zu Bette.

21.2. Karriereschatulle: 1) Wer das macht, was alle machen, wird auch das bekommen, was alle bekommen: nichts. 2) Erst aus den Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas bauen. 3) Bist du ein Huhn oder eine Ente? Hast du schon mal ein Hühnerei gegessen? Wahrscheinlich ja. Und ein Entenei? Wahrscheinlich nein. Während die Enten, nachdem sie ein Ei legen, sich ruhig erholen, gackern die Hühner nach jedem Eierlegen. Klappern gehört zum Handwerk. Wie laut klapperst also du?

22.2. Am Schreibtisch »eingelocht«. Am Roman: quälend, unlustig und zerstreut. Mühsam ein paar schwache Sätze rausgewrungen. Konzentrationsschwäche, die unausrottbare Schwäche der Verlorenen. Abbruch.

Mittags Kalbsschlegel in Rahmsauce und Ravigote-Butter, dann Spaziergang um den Pudding (Kreislauf »hochjazzen«). Bringt auch nix.

23.2. IN&OUT-LISTE (aktuell). In: Haare mit Bier waschen, frisches Laub, selbstgemischte Likör-Schnapsdrinks. Out: klumpige Tütensuppen, schwarze Pullover mit Schuppeninseln, Maut-Wahnsinn.

24.2. Abends Canapés à l’Admiral mit Flussgarnelen selbst zubereitet. Zu Besuch Ehepaar Marquart zum TV-Abend. Leichte Kost um 20.15 Uhr in der ARD: »Prall auf Fall«. Peter Moghannan (Helmut Zierl) führt ein geruhsames Leben als Familienvater und Getränkeunternehmer, bis plötzlich sein Bruder Graham, ein Abenteurer und Tunichtgut, auftaucht, und alles gehörig durcheinanderwirbelt. Nicht nur, dass er sein vorzeitiges Erbe verlangt… Ist er am Ende auch noch Vater von Celine, Peters ältester Tochter?

25.2. Gute Fragen: 1) Würden Sie für 80 Euro eine Feier besuchen, auf der Premium-Getränke und Luxus-Delikatessen umsonst wären, es aber keinerlei sanitäre Einrichtungen gäbe? Sie müssten also in Windeln kommen, unauffällig müsste auch das große Geschäft verrichtet werden. 2) Für wie wahrscheinlich halten Sie es, ermordet zu werden? Über oder unter drei Prozent?

26.2. Einen begonnenen Brief an Haneberg aus spezieller Unlust und allgemeiner Trägheit abgebrochen.

27.2. Das erste Mal in diesem Jahr auf eine »schnelle Wurst« zu Willis Schwenk Grill. Herrlich, man fühlt sich gleich wie zu Hause. Willi und seine beiden Mitarbeiter (Hauke und Marc) stehen Sommer wie Winter ihren Mann. Willi hat schon wieder einen neuen »Schnack« auf Lager: »In seinem Loch ist jeder Käfer Sultan.«

28.2. Ein Reiter ohne Pferd ist nur ein Mensch, aber ein Pferd ohne Reiter ist immer noch ein Pferd.

Nach Notat im Bett.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

 Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

 Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

 Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

 Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Filmkunde

In Zeiten von Zoom-Konferenzen kann es nicht schaden, der Leserschaft ein wenig Nachhilfe in filmischen Fachtermini zu geben. Eine sogenannte Text-Bild-Schere zum Beispiel kann für einen visuellen Bruch und Komik sorgen. Während der Video-Sprechstunde mit meiner Internistin erzählte ich ihr zum Beispiel, dass ich seit vier Monaten nichts trinke, während sie auf eine Galerie leerer Weinflaschen hinter mir starrte. Wichtig ist auch, dass man sich bereits vor jeder Zoom-Konferenz im Klaren ist, auf welches Genre man hinaus will, sich dabei aber genug Raum offenlässt für spontane Änderungen. Meine Video-Sprechstunde hatte ich zum Beispiel eher als »Komödie« gepitcht (aktuelle Blutwerte), am Ende wurde dann aber ein ziemlich bombastischer High-Budget-Horrorstreifen daraus (Privatbehandlung).

Jürgen Marschal

 Zieleinlauf eines Dialogs

Kundin (alte Dame): »Das ist dann schon sehr anstrengend.«
Kassiererin (ältere Dame): »Nein, ich könnte das nicht!«
Kundin: »Aber es macht auch Spaß.«
Kassiererin: »Das ist die Hauptsache.«
»Ja.«
»Ja. 14,60 bitte.«

Worum auch immer es sich dreht, das Gespräch ergibt Sinn.

Theobald Fuchs

 Deutsch, wie es singt und kracht

Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird zunächst naiv annehmen, dass sich hinter einem Wort wie »Scheiblettenkäse« etwas unsagbar Absurdes, in der Muttersprache nur unter Zuhilfenahme sperrigster Umschreibungen Wiederzugebendes verbirgt, ähnlich gewissen japanischen oder isländischen Vokabeln, die zum Beispiel die mundwässernde Wirkung eines seit sechs Monaten im eigenen Sperma marinierten Walhodens bezeichnen. Um dann, mit wachsendem Sprachverständnis, zu begreifen, dass diese Ahnung nicht getrogen hat.

Jasper Nicolaisen

 Verwöhnt

Meinen Lebensstil muss man sich erst mal leisten können. Ich zum Beispiel konnte es noch nie.

Tanja Schmid

 Idee für 2021: Spargelernte per Silvesterrakete

Die jungen Feuerwerkskörper werden im April ins Spargelbeet gesät, wachsen dort bis zur erntereifen Rakete. Am 5. Mai heißt es dann: DER SPARGEL SCHIESST, und zwar uns unter großem Hallo und Funkenregen direkt in die Münder. Tradition (Spargel) trifft auf Tradition (Feuerwerk), bzw. »Volksspeisung mal anders«. Noch eine kleine Gegendemo (Querfront) dazu, einem Kind fliegt ein Spargel direkt ins Auge, im Folgejahr wird es Einschränkungen geben müssen, fertig ist DAS DEUTSCHE NEUJAHR.

Elias Hauck

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 02.06.:

    Culturmag.de bespricht Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod".

     

  • 20.05.:

    Mark-Stefan Tietze schreibt in der Taz über die vielen Deutschen, die vor der Merkel-Diktatur ins Weltall fliehen.

     

  • 18.05.:

    Das Neue Deutschland rezensiert Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod", ein Interview dazu gibt es auf Deutschlandfunk Kultur.

     

  • 14.05.:

    Marlen Hobrack bespricht im "Freitag" Christian Y. Schmidts "Der Kleine Herr Tod".

  • 13.05.:

    RTL, die »Hessenschau« und die SZ berichten über die Aktion "Torona: TITANIC hilft der DFL".

Titanic unterwegs
15.06.2020 Frankfurt, Jahrhunderthalle Autokino TITANIC-BoyGroup (Sonneborn/Gsella/Schmitt)
16.06.2020 Wilhelmshaven, Stadtbücherei Gerhard Henschel
19.07.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve: »Die dicke Prinzessin Petronia«
27.08.2020 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst F. W. Bernstein