Inhalt der Printausgabe

Heinz Strunk
Intimschatulle 40

»Schmackofant simple«

1.6. Heute 31 Grad, gestern waren es 33, vorgestern 32. Und so soll es weitergehen. Frage: Wer soll das aushalten? Ich habe auf meiner Dachterrasse (riesig, uneinsehbar, Luxus pur) einen Schlauch installiert, mit dem ich mich ungefähr alle Viertelstunde »abspritze« wie ein dämliches Kleinkind. Würdelos, auch peinlich. Den verfickten Radio-Schreimoderatoren, die unermüdlich das Kack-Dreckswetter anpreisen, gehörte das freche Maul gestopft, und zwar für immer.

2.6. Bringe schon wieder drei Briefe zum Kasten. 2017 waren es 513 Briefe, die ich jahrsüber zur Post gab. Habe mal mitgezählt, dachte sogar, es wären über 1000.

3.6. In der ARD Brisant-Homestory über den ESC-Vierten Michael Schulte. Geboren in Eckernförde, lebt Micha mittlerweile in Buxtehude. Der feuerrote Lockenkopf wohnt im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses, und wenn er nicht gerade in Sachen Karriere »on the road« ist, macht er sich’s gern zu Hause gemütlich. Er nimmt für seine Nachbarn Pakete und Einschreiben an, ist dabei immer freundlich. Wenn die Post nach ein paar Tagen nicht vom Adressaten abgeholt wird, bringt er sie auch vorbei.

4.6. Zwei gute Fragen: 1) Würden Sie sich für 650 000 Euro Ihr gesamtes Haupthaar auf den Rücken transplantieren lassen? 2) Würden Sie für 95 000 Euro der siebenjährigen Tochter des als äußerst brutal geltenden Oberhauptes der Rumänen-Mafia ein Bein stellen? Das Kind zieht sich dabei schmerzhafte Blessuren (u.a. Verlust des linken oberen Schneidezahns) zu. Der Rumänenpate, in Begleitung seiner Leibgarde, wird Zeuge der Attacke, man kann also davon ausgehen, dass die Strafe »auf dem Fuße« folgt.

5.6. Neues Buch des Schweizer »Benimm«-Autors Andreas Geiselnehmer: Vom Weggucker zum Hingucker – Mein Weg zu einem gepflegten Äußeren.

6.6. Anmerkung für Kenner: Der britische Sänger George Ezra ist die Fortschreibung von Right Said Fred. Check mal was.

7.6. Schon wieder bin ich mit etwa fünf Briefen im Rückstand. Ich leide unter meinen Briefschulden, die ich abzutragen versuche, um damit doch nicht fertig zu werden bis an mein Lebensende. Immer wieder gebe ich mir einen Ruck und erledige einen Stoß. Aber ehe ich mich umsehe, ist der Brieftischkasten wieder mit neuer Post gefüllt. Die Briefschreiber sind rücksichtslos.

8.6. Auch interessant: Vanille kostet mittlerweile 600 Euro das Kilo und ist somit teurer als Silber.

9.6. Nach dem Tod von Avicii werden seine Songs in Dauerschleife gespielt. Und tatsächlich, so wie ich es in Erinnerung hatte: Ein Track debiler als der nächste, knapp oberhalb von Pietro Lombardi oder der Kelly Family. Und so einer avanciert nun zur Ikone der Massen.

10.6. INTIMSCHATULLE WISSEN: Ein Schweißhund (früher: Bracke; auch Hannoverscher Schweißhund, Bayrischer Gebirgsschweißhund, Alpenländische Gebirgsbracke) zeichnet sich durch einen ungewöhnlich guten Geruchssinn, Ruhe, Wesensfestigkeit und Finderwillen bzw. Spurwillen aus. Ein ausgebildeter Schweißhund ist beispielsweise in der Lage, bei regnerischem Wetter das Wild in mehreren Kilometern Entfernung zu finden und zu stellen. Um auch Fährten mit wenig oder nicht vorliegendem Schweiß arbeiten zu können, muss ein Schweißhund nicht nur eine Kaltfährte arbeiten, sondern wird auch mit dem Fährtenschuh für schwere Aufgaben eingearbeitet. Siehe auch: Wolfgang Bruchmüller: Die Führung des Schweißhundes. Ausbildung und Einsatz des Jagdhundes auf der Wundfährte am Beispiel des Hannoverschen Schweißhundes.

11.6. Emotionale Headlines: 1) TOURISTEN IM FLIEGER VON BETTWANZEN ZERFRESSEN 2) JÄGERIN PEITSCHT TIERSCHÜTZER MIT 3 GERÄTEN AUS 3) AAL AUS BAUCH VON MANN ENTFERNT

12.6. Idee, noch unausgereift: »Verflixt, verschwitzt und durchgefroren – der wohltemperierte Mensch. Oder: Wieso es so schwer ist, den richtigen ›Grad‹ zu finden.«

13.6. Geiler Facebookname: SANI TÄTER. Stelle ich zur freien Verfügung.

14.6. Mein Leben wie eine Mühle, durch die ständig Briefe geleiert und mit Antworten versehen werden. Briefeschreiben ist wie Scheinarbeit, mit der Gefangene beschäftigt werden. Schrecklich: Es gibt einen großen Teil Briefeschreiber, die fast postwendend antworten. Nach einigen Tagen ist man schon wieder der Briefschuldner. Andere stellen Fragen, die einen nächsten Antwortbrief erheischen.

15.6. Slogan, den ich auch zur freien Verfügung stelle (bitte zugreifen), wenn man zufällig »Lurch« heißt und eine Fahrschule betreibt: »Fahrschule Lurch – so sicher zum Führerschein wie ein Lurch im Wasser«.

16.6. Guter Titel (Buch/Film/alles mögliche): DER BISS DES ZAHNLOSEN.

17.6. Nur äußerster Mangel an Phantasie und Vorstellungskraft rechtfertigt das Reisen.

18.6. Schnaps.

19.6. Die Erdbeerzeit erreicht ihren Höhepunkt. In diesem wie auch im vergangenen Jahr praktisch keine gegessen, insgesamt vielleicht eine halbe Schale (Schälchen). Mit Spargel, dem angeblich so »edlen« Feinschmeckergemüse, verhält es sich ebenso. Austern, Jakobsmuscheln, Langusten (Spiny lobster), Riesengarnelen, Trüffelbutter, Fenchelschinken, Mönchskopfkäse, Agavenbalsam: schon mal was von Reizüberflutung gehört? Ist eigentlich gerade Baby-Artischockenzeit? Hahaha, dreimal laut gelacht. Baby-Artischocken: teuer & faserig. Feinschmecker, dummes Wort: Feinheiten schmecken, langsam, nur immer langsam essen (mampfen, mümmeln, schmatzen), um die Geschmacksknospen mit jeder verdammten Nuance zu fluten. Im Nachgang feine Aromen von Spinnweben und Taubenscheiße. Alles Schwachsinn, brauche ich nicht, braucht kein Mensch. Mein Motto: »Die ganze Schnauze voll Wein.« Jetzt ist es raus: Ich bin GROBSCHMECKER. Anderes Wort (selbst ausgedacht): SCHMACKOFANT (Schmackofant simple). Frz.: mangeur primitif. Lat.: comedens rusticus. Es leben die Schmackofanten. Voll – schnell – geil: Schmackofant, Gourmet der Herzen.

Puppe mit sehr schlechter Haltung. Für Ladenhüter

20.6. Drecksschüsseln, die nie hätten gebaut werden dürfen: Ford Ka, Renault Milan, Mitsubishi Wichser.

21.6. Alltagsfrage: Warum gibt es eigentlich unterschiedliche Augenfarben?

22.6. Hemingway war gut beraten, wenn er vorgedruckte Karten versandte, die da »Habe keine Zeit Briefe zu beantworten« oder so ähnlich lauteten. BRIEFVERKEHR – Ekelhaftes Wort, anzüglich, schlüpfrig, primitiv. Möchte ich nichts (mehr) mit zu tun haben.

23.6. Neu auf RTL II (22.15 Uhr): DIE 50 GEILSTEN FAHNDUNGSPANNEN.

24.6. Karriereschatulle: 1) Wenn ein 20 m hoher Baum so denken würde wie du, wäre er nur 20 cm groß 2) Lebst du auch noch im Selbstvernichtungsmodus? 3) Der härteste Klebstoff der Welt sind deine Gewohnheiten.

25.6. Kauf von 50 mg »Original Turiner Gliedsteife«.

26.6. Frühmorgens um sechs. In Sichtweite der Autobahn A13 Berlin–Dresden, kurz vor der Ausfahrt Bronkow, steht eine einzelne 3-Megawatt-Onshore-Windkraftanlage, die weit in den Himmel ragt. An eines der drei kreisenden Rotorblätter ist ein Mann gebunden, was ein bisschen aussieht wie Jesus am Kreuz. Der Mann ist vollkommen durchnässt, die Kleidung hängt ihm in Fetzen herunter, die Knöchel sind blau, an einigen Stellen schwarz, wer weiß, wie lange der da schon hängt. Sein Gesicht, von der Kälte aufgedunsen, rot wie eine Rübe, sieht aus wie das einer staunenden Puppe. Tot, der muss doch tot sein, das hält doch keiner lange aus. Wahrscheinlich fällt man bereits nach wenigen Umdrehungen in Ohnmacht, aus der man nicht wieder erwacht. Doch der Mann ist nicht tot, immer wieder öffnet er kurz die Augen. Er kann nicht begreifen, was hier vor sich geht. Der Wind ist wie eine Mauer aus Eis. In der Nacht musste er sich immer wieder übergeben, bis nur noch eine schleimige, grünliche Flüssigkeit kam. Sein Kopf droht zu platzen, alles besteht aus flackernden Spiralen, grellen Lichtpunkten, wie Eisenspäne, die sich nach dem Magneten ausrichten. Stundenlang hat er geschrien, gehofft, dass ein Autofahrer, ein Landwirt, ein Spaziergänger ihn hört. Nun kann er nur noch krächzen, seine Stimme klingt wie ein zersprungenes Instrument, eine Stimme nach dem zweiten Stimmbruch, ein Wunder, dass da überhaupt noch was rauskommt. Erbarmungslos dreht sich das Rotorblatt mit fünfzehn Umdrehungen pro Minute. Wie haben die Täter (es müssen mehrere gewesen sein) ihn dort bloß hochgeschafft? Ob die sich irgendwo in der Nähe an dem schauerlichen Bild ergötzen? Oder sind sie längst über alle Berge? Wer macht so was? Drogenberauschte Jugendliche, Sadisten, Verrückte? Es muss etwas anderes sein. Die Täter haben das doch extra so in Szene gesetzt, dass es aussieht wie die Kreuzigung. Eine echte Hölle ist das, wahrlich eine Strafe biblischen Ausmaßes. Was hat der Arme nur verbrochen, dass er so büßen muss? Gegen 8.30 Uhr setzt dünner Schneefall ein, mit vereinzelten Flocken, die durch das Licht treiben und dann unsichtbar davonschweben. Seine Körpertemperatur beträgt nur mehr 28 Grad, das hält er nicht mehr lange durch. Noch einmal macht er die Augen auf, sein Blick wird weiß. »Dass ich auch immer in solch missliche Lagen geraten muss«, denkt er noch, und hat schon wieder vergessen, warum er hier hängt.

27.6. Kurztrip an die Ostsee, steige ab im »Ausschlafhotel« Genueser Schiff. (Nennt sich wirklich so.) Stelle fest, dass ich in meinem Leben noch nie wirklich ausgeschlafen habe, kein einziges Mal. Dabei wäre so schön: nur ein einziges Mal richtig ausschlafen.

28.6. In Diskussionen stets die VW-Regel beherzigen: Vorwürfe in Wünsche verwandeln.

29.6. Briefe schreiben sollte man nur noch, wenn man muss (Kondolenz, Rechnungen), ansonsten reine Zeitverschwendung. Was ich zu sagen habe, lasse ich künftig lieber in meine Bücher eingehen. Briefe schreiben ist eine unzeitgemäße, senile Beschäftigung gegen quälende Langeweile. Außerdem unsportlich, denn es gibt nicht wenige Briefeschreiber, die, wenn sie sich nur einmal im Leben zusammenreißen würden, ein Buch schreiben könnten, sie tun es aber brieflich, sie entledigen sich dessen in kleinen Fragmenten, statt alles in einem Band zu konzentrieren. Dumm, auch unökonomisch. Ich bin also mit dem Thema »Briefe« endgültig durch. Nur für die Einwohner der DDR gilt nach wie vor: »Drüben bleiben, Briefe schreiben«.

30.6. Wir kommen aus dem Nichts und verschwinden im Nichts, alles andere ist kindliche Phantasterei.

Nach Notat im Bett.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

 Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

 Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

 Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

 Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Zieleinlauf eines Dialogs

Kundin (alte Dame): »Das ist dann schon sehr anstrengend.«
Kassiererin (ältere Dame): »Nein, ich könnte das nicht!«
Kundin: »Aber es macht auch Spaß.«
Kassiererin: »Das ist die Hauptsache.«
»Ja.«
»Ja. 14,60 bitte.«

Worum auch immer es sich dreht, das Gespräch ergibt Sinn.

Theobald Fuchs

 Idee für 2021: Spargelernte per Silvesterrakete

Die jungen Feuerwerkskörper werden im April ins Spargelbeet gesät, wachsen dort bis zur erntereifen Rakete. Am 5. Mai heißt es dann: DER SPARGEL SCHIESST, und zwar uns unter großem Hallo und Funkenregen direkt in die Münder. Tradition (Spargel) trifft auf Tradition (Feuerwerk), bzw. »Volksspeisung mal anders«. Noch eine kleine Gegendemo (Querfront) dazu, einem Kind fliegt ein Spargel direkt ins Auge, im Folgejahr wird es Einschränkungen geben müssen, fertig ist DAS DEUTSCHE NEUJAHR.

Elias Hauck

 Filmkunde

In Zeiten von Zoom-Konferenzen kann es nicht schaden, der Leserschaft ein wenig Nachhilfe in filmischen Fachtermini zu geben. Eine sogenannte Text-Bild-Schere zum Beispiel kann für einen visuellen Bruch und Komik sorgen. Während der Video-Sprechstunde mit meiner Internistin erzählte ich ihr zum Beispiel, dass ich seit vier Monaten nichts trinke, während sie auf eine Galerie leerer Weinflaschen hinter mir starrte. Wichtig ist auch, dass man sich bereits vor jeder Zoom-Konferenz im Klaren ist, auf welches Genre man hinaus will, sich dabei aber genug Raum offenlässt für spontane Änderungen. Meine Video-Sprechstunde hatte ich zum Beispiel eher als »Komödie« gepitcht (aktuelle Blutwerte), am Ende wurde dann aber ein ziemlich bombastischer High-Budget-Horrorstreifen daraus (Privatbehandlung).

Jürgen Marschal

 Deutsch, wie es singt und kracht

Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird zunächst naiv annehmen, dass sich hinter einem Wort wie »Scheiblettenkäse« etwas unsagbar Absurdes, in der Muttersprache nur unter Zuhilfenahme sperrigster Umschreibungen Wiederzugebendes verbirgt, ähnlich gewissen japanischen oder isländischen Vokabeln, die zum Beispiel die mundwässernde Wirkung eines seit sechs Monaten im eigenen Sperma marinierten Walhodens bezeichnen. Um dann, mit wachsendem Sprachverständnis, zu begreifen, dass diese Ahnung nicht getrogen hat.

Jasper Nicolaisen

 Verwöhnt

Meinen Lebensstil muss man sich erst mal leisten können. Ich zum Beispiel konnte es noch nie.

Tanja Schmid

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 20.05.:

    Mark-Stefan Tietze schreibt in der Taz über die vielen Deutschen, die vor der Merkel-Diktatur ins Weltall fliehen.

     

  • 18.05.:

    Das Neue Deutschland rezensiert Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod", ein Interview dazu gibt es auf Deutschlandfunk Kultur.

     

  • 14.05.:

    Marlen Hobrack bespricht im "Freitag" Christian Y. Schmidts "Der Kleine Herr Tod".

  • 13.05.:

    RTL, die »Hessenschau« und die SZ berichten über die Aktion "Torona: TITANIC hilft der DFL".

  • 05.05.:

    Im Kaput Mag gratuliert Tim Wolff TITANIC-Legende Thomas Hintner zum 60.

     

Titanic unterwegs
03.06.2020 Hachenburg, Hähnelsche Buchhandlung Gerhard Henschel
04.06.2020 Berlin, Buchhändlerkeller Gerhard Henschel
10.06.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve
14.06.2020 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »Beste Beste Bilder – Die Cartoons des Jahrzehnts«