Inhalt der Printausgabe

Nachdenkliche Sprüche mit Käpt’n

Kapitän Schwandt ist die Landplage der Saison

Wer sich dieser Tage in irgend linksengagierten Sozialmedien bewegt, dem wurden sie sicher schon in die Timeline gespült: Bildchen eines alten Mannes, der nachdenklich aufs Meer hinausgreint, darunter Sprüche der Bauart: »Auf See habe ich eines gelernt: Es gibt kein weiß oder schwarz, unter der Haut sind alle Menschen gleich – Kapitän Schwandt.« Die Biographie des greisen Seemanns, erschienen im Kleinverlag »Ankerherz«, ist seit Wochen ein Bestseller, die Magazine überschlagen sich mit Lob für den 80jährigen Hamburger, schwärmen für den gern mal AfD- und nazikritischen »Kapitän Rückgrat«, seinen »Klartext«, seine »einfachen Botschaften«. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich ein dringender Verdacht ein: Es sind gar keine Botschaften. Es ist einfach nur wohlfeiles Nullgeschwatz.

Moinmoin, liebe Nazis

So ist das meiste von dem, was Schwandt auf seiner 120 000 Mann starken Facebook-Seite artikuliert, zunächst nichts weiter als das kommunikative Grundrauschen, das viele Prominente zur Leserbindung einsetzen: »Moin«, heißt es da hanseatisch; Bilder von Zigaretten und Kaffee werden gereicht, Essen, Kumpel und Sonnenuntergänge fotografiert – vieltausendfacher Applaus ist die Folge. Wenn Schwandt einen guten Tag hat, kommen noch hausbackene Lyrismen hinzu: »Wenn die Sonne bei leichter Brise auf den kleinen Wellen glitzert, dann geht mir noch heute das Herz auf.« An schlechteren Tagen heißt es auch einfach: »Moin. Auf See wäre ich jetzt gerne.«

Oft aber wird schon in diesen kurzen Lebenszeichen kompromißlos klare Kante gezeigt, indem darauf hingewiesen wird, daß wir in der Gegenwart leben und nicht etwa in der Zukunft oder donnerstags – »in diesen Tagen«, hebt Schwandt dann an. »Es ist wichtig in diesen Tagen, Farbe zu bekennen«, »Angst ist ein großes Thema in diesen Tagen«, »weil es nicht so viel zu lachen gibt in diesen Tagen«, »es ist ein komisches Gefühl in diesen Tagen, morgens die Nachrichten zu prüfen.« »Tage wie diese« haben den Vorteil, daß sich jeder alles drunter vorstellen, seine persönliche Lieblingskrise stets mitgemeint wissen kann, ob Trump, AfD oder das Bienensterben.

Doch die Prüfung der Nachrichten kann Schwandts Gemütsruhe nie lang erschüttern. Weiß er sich doch im Einklang mit den großen Geistern dieser Tage: »Gutes Wort des Papstes! Ich mag den Mann«, lobt er den Pontifex, »ein angenehmes Gespräch, guter Mann, der Scholz«, den Ersten Bürgermeister. Lob erhalten auch die »Menschen in München«, denn sie »haben gezeigt, wie man mit einer Ausnahmesituation umgeht«, Lob erhalten »Polizei, Bürger, die Zivilgesellschaft«, Lob erhalten auch Minderheiten, denn: »Ich bin immer für die Außenseiter.« Schlechtgelaunte Kommentare steckt er verschmitzt weg (»Was ist schon ein Shitstorm, wenn man Orkane überlebt hat?«), bescheiden erklärt er seinen Erfolg damit, »daß ich im Gegensatz zu manchen Politikern nur rede, wenn ich etwas zu sagen habe«. Und sei es »Moin«. Klar wird: Schwandt ist nicht nur mutig, sondern auch rechtschaffen stolz, stolz auf seine Heimat, stolz auch auf seinen Seemannsberuf, an dessen Hauptinhalt, den Autopilot einzuschalten und sich beim Masturbieren nicht den Arm zu verstauchen, viele von uns schon im Ansatz scheitern müßten.

Kapitän Bandscheibe

Worin besteht aber nun das erwähnte Rückgrat, der Kampf gegen rechts? Zunächst einmal in grimmigen Ekelbekundungen: »Ekelhaft«, heißt es in Richtung AfD immer wieder, »ihr widert mich an«, »sie widern mich an, diese Trittbrettfahrer des Terrors«. Mitunter werden rechte Äußerungen schon mal als »unter aller Kanone« geschmäht, was Höcke, Petry und Co. sicher zu denken geben wird. Gelegentlich schließt er sich auch den Kanonaden anderer großer Gesellschaftskritiker an: »SPD-Chef Gabriel hat AfD-Funktionäre mit Nazis verglichen. Das ist hart. Aber richtig.« Rückgrat, im Duden definiert als »dem Vizekanzler recht geben«, zeigt Schwandt auch im konsequenten Schulterschluß mit der Mehrheit: »Ich möchte Euch auffordern, mich zu unterstützen – um zu zeigen, daß wir viele sind. Und die ›schweigende Mehrheit‹ es eben nicht akzeptiert.« Auch in seinen Kommentaren taucht sie immer wieder auf, die Mehrheit: »Wir sind 90 Prozent, und die AfD nur 10 Prozent«, wird da immer wieder intoniert, so als sei Faschismus vor allem ein statistisches Problem.

Die Gabriel-Episode ist im übrigen kein Einzelfall. Schwandt sucht die Nähe der Mächtigen, verbreitet begeistert Steinmeier-Zitate (»auf den Punkt gebracht!«), Gauck-Sprüche (»genau richtig«) und stärkt auch der Kanzlerin das Rückgrat, Quatsch, den Rücken: »Wenn ein Kapitän ein Schiff durch den Sturm bekommen muß, ist es ein Unding, wenn ihn die Offiziere kritisieren. Was Stoiber und Söder treiben, ist illoyal und grenzt an Meuterei.« Ähm, okay.

Natürlich, man sollte einen Mann, der nachweislich auch Drohungen erhält, nicht zu streng angehen. Aber man fragt sich doch, warum sich auch die Nazis so begeistert auf die Schwandtschen Harmlosigkeiten einschießen. Haben die, mal ganz dumm gefragt, nichts Besseres zu tun? Schwandt tut ja wenig mehr, als eine lustige Mütze aufzusetzen und den Spruch »Nazis sind doof« zu paraphrasieren. Kaum sieht man ihn auf Demonstrationen oder mal tatsächlich in Kontakt mit den Minderheiten, für die er sich in die Brust wirft. Schwiege Schwandt, es wäre nur unmerklich stiller im Land.

Die Jugend von heute

Betreibt Schwandt einmal Gesellschaftskritik, die von seinen entschlossenen Platitüden gegen rechts abweicht, wird es schnell auch ein bißchen unangenehm; strenger Altherrenmief steigt zwischen den Zeilen auf. Da wird der berufliche Nachwuchs geschmäht (»diese Schiffsmechaniker, wie die heute heißen, die können das nicht«), harmlose Kreuzfahrten als »schwimmende Freizeitparks« beschimpft, Ronaldo als »Ballerina« beleidigt und die »Generation Wischfinger« gnadenlos seziert: »Ein Leben für ein Handy-Display. Das Mobiltelefon nutze ich zum mobilen Telefonieren. Will ich fotografieren, nehme ich die Kamera.« Sprüche, wie man sie sich sonst von niemandem bieten lassen würde, weder vom eigenen Opa noch von einem FAZ-Herausgeber. Schwandt jedoch streicht dafür Hunderte Likes ein. »Was ist nur los mit manchen Leuten?« Eben.

Was ist das für 1 Buch?

Gern betonen Journalisten den kleinen »Independent-Verlag« Ankerherz, in dem Schwandts Allerweltsumseglungen zu Papier gebracht wurden. Besieht man den Bestseller einmal vorurteilslos, käme man niemals auf die Idee, hier eine freche Indie-Produktion vor sich zu haben: Das Buch ist perfekt durchgestylt, hochwertig verarbeitet und mit erlesenen Bildern ausgestattet. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, sorgt der Verlag »für edles Papier aus nachhaltiger Herstellung, läßt in Deutschland drucken, um bei Problemen schnell vor Ort zu sein, ummantelt die Bücher mit Leinen und läßt die Frontseite prägen«, schlägt es »in Seidenpapier ein« und legt »Stammkunden einen handgeschriebenen Gruß dazu« – Manufactum ahoi!

Auch Schwandts Homepage ist keine selbstgebastelte Indie-Müllhalde, sondern genügt höchsten Ansprüchen, Tracking und Adreßsammeltool inklusive. Dort gibt es auch scheußliche Merchandise-Artikel, T-Shirts und Pullover, gibt es auch weitere Weisheiten des textenden Seemanns, in denen er die Schönheit der Faröer besingt und auch sonst der Welt recht zur Last fällt.

Das alles ist selbstverständlich kein Zufall, sondern das Werk eines Mannes – Stefan Kruecken, Jahrgang 1975 und Schwandts Verleger. Auf Selfies mit dem alten Herrn spricht ihm die Begeisterung, mit dem Gebrabbel eines Stammtischrentners soviel Geld zu verdienen, kaum verhohlen aus dem Hipsterface. Kruecken arbeitete für den Kölner Stadtanzeiger, dann für Magazine wie Max, Stern oder als »Editor-at-large« (gute Güte!) bei GQ, ist also alles andere als ein niedlicher Querkopf vom Land, sondern ein knallharter Medienprofi, der sehr genau weiß, was er tut und wie er die Zielgruppe abmelkt. Als Schwandts Ghostwriter zeichnet Kruecken beispielsweise verantwortlich für solch wohlkalkulierten Satzkot: »In meinem Leben als Seemann habe ich wahrlich viel gesehen, aber selten etwas so Schönes. Schroffe Klippen, Felsen, von denen Wasserfälle direkt ins Meer fallen. Ein kleines Dorf in einer Bucht, vor dem Panorama einer Gebirgskette. Ich habe eine Zigarette geraucht, meinen schwarzen Kaffee genippt, und es einfach nur genossen. Die AfD, die Pegida, der ganze andere Mist – alles so herrlich weit weg.« Naturkitsch, Politpathos und superkurze Stern-Sätze, das hat die Kassen in Hamburg noch immer klingeln lassen, und man kann sich vorstellen, daß Kruecken gelegentlich auch einmal über sich selbst lachen muß, wenn er seine Kapitänshandpuppe Wörter wie »Bauernfänger« benutzen läßt.

Doch macht die Geschichte von Schwandt auch Hoffnung. Sie zeigt, daß man auch in diesen Tagen mit sehr geringem Einsatz als Antifaschist durchgeht, wenn man nur alt genug ist und im Zweifel allen Problemen davonsegeln kann. Sie zeigt, daß auch komplett Unbedarfte ihr Grundrecht auf ein bißchen Gesellschaftskritik souverän wahrnehmen, sofern sie sich dabei als Teil der Mehrheit wähnen. Sie macht auch Hoffnung auf einen Bundespräsidenten Schwandt, welcher die Knarzigkeit Helmut Schmidts gekonnt mit dem Endlosrhabarber Joe Gaucks zu verbinden wüßte. Ja, das Staatsschiff gehört in die Hände eines Mannes, dem der Skorbut das Zahnfleisch gegerbt und der Orkan das Hirn hinfortgeblasen hat. Dann, ja dann würden auch die Nazis vielleicht endlich ein Einsehen haben und eine Ruhe geben. Ich will nicht aufhören, davon zu träumen.

 

Leo Fischer

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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Annalena Baerbock!

»Die CDU hat kein Abo aufs Kanzleramt«, konstatieren Sie im Stern-Interview. Sind Sie sich da auch wirklich sicher? So ein Abo wird, wenn es einmal abgeschlossen wurde, nämlich gerne vergessen und automatisch verlängert. Die letzten Bundestagswahlergebnisse sprechen zumindest dafür. Lassen Sie vorsichtshalber prüfen, ob die Merkel auch fristgerecht gekündigt hat!

Rät Ihr Abo-Service von Titanic

 Nicht die Bohne, Rowohlt-Verlag,

interessieren uns Kalauer, und für Witze mit Namen und für Alliterationen haben wir bekanntlich auch nichts übrig. Deshalb ist es uns auch komplett egal, ja, wir nehmen es nicht mal ansatzweise zur Kenntnis, dass Du Dein für März als »Spitzentitel« angekündigtes Werk »Die Botschaft der Pflanzen. Was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt« unbedingt von einem Autor hast anfertigen lassen müssen, der laut Deinen Angaben »Burkhard Bohne« heißt. Schon klar, Rowohlt, Burkhard Bohne, wie Benjamin Blümchen. Oder Arnfried Astel. Wir haben’s kapiert. Sehr, sehr witzig. Aber uns geht’s zum Glück ja nichts an!

Naturgemäß ohne Botschaft: Titanic

 Als Generalbundesanwalt, Dr. Peter Frank,

sollten Sie sich in Zukunft lieber doch wieder auf Ihre dröge Amtssprache beschränken und bildliche Ausdrücke strikt vermeiden. Denn wenn Sie in einem Interview mit dem SWR behaupten, dass Terroristen nicht vom Himmel fallen, sind Sie ja fast schon selbst ein Fall für den Generalbundesanwalt. Manchmal – Stichwort »11. September« – tun Terroristen nämlich genau dies.

Grüßt ohne Metaphern: Titanic

 Glückwunsch, Bill Kaulitz,

Glückwunsch, Bill Kaulitz,

zu Ihrer Autobiografie »Career Suicide«! Mit deren Erscheinen haben Sie im Alter von 31 Jahren – ob Sie wollen oder nicht – Ihren Lebensabend eingeläutet. Folgende Tätigkeiten stehen Ihnen somit noch zur Verfügung: Sentimental aus dem Fenster schauen; über die Zeitläufte sinnieren; im Ohrensessel sitzend ein Glas Cognac schwenken; imkern; Leute, die an Ihrem Haus vorbeigehen, böse anstarren; in Talkshows über Social Media und Gendersterchen schimpfen; Pfeife rauchen; im Hunsrück wandern; mit der Armbrust auf leere Erbsendosen schießen.

Jedenfalls nicht: Ihre Karriere als Musiker weiterverfolgen. Und dafür möchten wir uns im Voraus herzlich bedanken.

Ihre Jungspunde von Titanic

 Ein paar Gedanken, Ex-Eiskunstläuferin Kati Witt,

mussten wir uns nach einem Ihrer Facebook-Einträge neulich schon über Sie machen. Nicht nur, weil Sie in dem nicht enden wollenden Text extra darauf hinwiesen, keine »Corona-Verleugnerin« oder »Lockdown-Gegnerin« zu sein. Dünnes Eis. Dann schrieben Sie, dass Ihre Trainerin Frau Müller früher aus Solidarität bzw. »Teamwork!« immer mit Ihnen gehungert habe, wenn sie meinte, Sie seien zu dick fürs Eis. Wenn wir es richtig verstanden haben, fordern Sie das jetzt auch von »der Politik«, aber nur im übertragenden Sinne, also zastermäßig.

Mit den Kufen vom Eis haute es uns jedoch bei diesem Satz: »Wenn ich, die wirklich das Glück hat, hier und da einen fröhlichen TV-Auftritt absolvieren zu dürfen, langsam immer mehr den Kopf hängen lasse, mache ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen.« Fernsehauftritte sind für Sie Glück? Quizshows halten Sie für fröhliche Angelegenheiten? Ist Ihre Birne jetzt total vereist?

Vielleicht machen Sie sich doch besser mal Gedanken über einen heißen Grog, empfehlen Ihnen wärmstens Ihre Ernährungsberaterinnen von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Enjoy the screening!

Den Ausfall der Berlinale in diesem Winter habe ich ganz gut verkraftet. Ich habe ja alles hier daheim: viele schlechte und einige wenige gute Filme (Netflix), das überlegene Gefühl, Filme im Originalton und mit Untertitel sehen zu können (dito Netflix), drinnen stickige Luft und wenig Sonnenlicht, draußen Kälte und ungeräumte Gehwege, Besserwissergetue aus der Reihe hinter mir (wegen dünner Wände zum Nachbarn), schlechtes überteuertes Essen aus Einmalverpackungen. Sogar auf den obligatorisch einsetzenden Harndrang zehn Minuten nach Beginn des Films kann ich mich verlassen, und den Weg zum Klo lege ich natürlich im Dunkeln zurück, durch einen mit aufgereihten Amazon-Kartons gelegten Parcours von nachgeahmten Kinohipster-Käsemauken.

Tina Manske

 Redensarten und woher sie kommen

»Einen Zahn zulegen«: Wenn eine Person »kein D-Zug ist«, obwohl sie »die Düse machen« oder »Rennwasser trinken« soll – dann fragen wir uns auch heute noch ganz unwillkürlich, ob besagte Person nicht »einen Zahn zulegen« könnte. Diese Redensart geht zurück auf die Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg. Kurz nach seiner Erfindung kam Gutenberg mit der Produktion kaum nach; Martin Luther schrieb seine beliebten antisemitischen Pamphlete schneller, als sie gedruckt werden konnten. Gingen den Setzern wichtige Buchstaben aus, wurden sie deshalb oft nicht aufwendig nachgegossen, sondern durch einen der stets reich vorhandenen Lehrlingszähne ausgetauscht (ihnen hatte man zuvor »die Fresse poliert«, wie eine andere Wendung aus jener Zeit lautet). Obwohl das Schriftbild durch den Zahn deutlich litt, beschleunigte der in den Setzkasten »zugelegte« Zahn die Produktion erheblich und half den Setzern bei der Aggressionsabfuhr. Wenn Sie also heute jemandem auf die Sprünge helfen wollen, sollten sie ihm zunächst ordentlich aufs Maul geben – vielleicht legt er ja auf diese Weise selbst einen Zahn zu. Oder mehrere!

Leo Fischer

 Zeitumstellung

Jedes Jahr im Frühling, kurz nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen, dringen überall aus der Umgebung vertraute Geräusche und Gerüche in Ohr und Nase. Und man weiß: Es ist wieder angekärchert!

Markus Berger

 Kreativ beleidigen

Neues Schimpfwort für Urdeutsche in Jack-Wolfskin-Jacken: Mandarinenpeller!

Alexander Thiemann

 Pee-Bottle

Aus Insiderkreisen weiß ich, was für Polizisten auf Demos das Schlimmste ist: stundenlang nicht auf Klo können. Da stehen sie, Reih in Reih, mit ihren Schlagstöcken, Visieren und Wasserwerfern, und gucken gequält. Klar, dass man da mal aggressiv wird. In Polizisten-Foren wird geraten, die Stunden vorher nichts zu trinken, das ist aber schwer: Wie auf den morgendlichen Mutmach-Korn verzichten? Praktikabler: Viele Einsatzkräfte gestehen in Foren, sich eine Urinflasche bzw. Pee-Bottle oder auch »Uriwell, die Notfall-Toilette« unterzuschnallen. Deshalb Tipp für Protestler: einfach die eigenen Demosprüche daran anpassen und Kennerschaft beweisen. »Bullenschweine, lauft jetzt schnell / sonst klau’n wir euer Uriwell!« oder irgendwas mit »Trottel / Pee-Bottle«. Reimtechnisch und metrisch noch nicht perfekt, aber in der Sache clever.

Ella Carina Werner

Vermischtes

Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURThomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Martin Sonneborn & Benjamin Schiffner: "Quatsch und mehr" (signiert)
Das hat der Menschheit noch gefehlt: ein einziges Buch mit sämtlichem Quatsch der Geschichte – oder zumindest aus 15 Jahren "Partner TITANIC", der beliebt-kultigen TITANIC-Nonsensrubrik. Fotorätsel, Pflegehinweise, Antwort ohne Frage, unberühmte letzte Worte, Kochen mit Tieren, Kerzen-Fakten, Ediotiral, Tinas Strumpfband und tausend weitere schöne Rubriken – erstmals versammelt auf nicht weniger als 256 vielfarbigen Seiten.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUROliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
05.03.2021 Frankfurt, Buchhandlung Schutt Thomas Gsella im Livestream
20.03.2021 Frankfurt, Mousonturm Oliver Maria Schmitt & Jürgen Kuttner (Livestream)
25.03.2021 Kiel, Kulturforum Max Goldt
04.04.2021 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hauck & Bauer: »Cartoons«