Inhalt der Printausgabe

Die Stiftung Scheißdrecktest forscht:

Wie schlimm schmeckt Ritter Sport?

Der Schokoladenhersteller Ritter Sport ist tief beleidigt: Stiftung Warentest verlieh seiner Sorte »Voll-Nuß« nur die Note »mangelhaft«, weil darin der chemisch hergestellte Aromastoff Piperonal zu finden war. Ritter Sport hat gegen diese Wertung geklagt – aber warum bloß? Schließlich haben auch andere Stiftungen kompetente Tester, die sich unvoreingenommen durch Schokoladentafeln knurpsen!

Name: Alpenmilch (mit 100% Alpenmilch)
Geschmack:
sahnig
Inhaltsstoffe:
50% Kondensmilch, 35% Rattenmilch, 15% Froschlaich
Farbe:
schmutzigbraun
Auswirkungen:
Meteorismus, Alpmilchdrücken
Piperonal?
nein

Name: Voll-Nuß (mit knackig gerösteten, ganzen Haselnüssen)
Geschmack: nussig, verschluckbare Kleinteile (Haselnüsse)
Inhaltsstoffe: Nußschalen, Amsel-Embryos
Farbe: faulbraun
Auswirkungen: Impotenz, plötzlicher Kindstod
Piperonal? ja

Name: Kakao-Mousse (mit aufgeschlagener Kakao-Creme in Alpenmilchschokolade)
Geschmack: cremig
Inhaltsstoffe: Kacke, Mus, gemahlene Maulwurfshügel
Farbe: kakaobraun
Auswirkungen: Zahnschmerzen, Sättigungsgefühl
Piperonal? nein

Name: Weiß + Crisp (mit knusprigen Cornflakes in weißer Schokolade)
Geschmack: knusprig, wurmig
Inhaltsstoffe: Lebensmittelfarbe, Lebensmittelmotten
Farbe: mehlig-weiß
Auswirkungen: Übelkeit, Obstipation, Zungenkrebs
Piperonal? vielleicht

Name: Halbbitter (mit Edel-Kakao aus Papua-Neuguinea)
Geschmack: ganz bitter, leicht radioaktiv
Inhaltsstoffe: Sägespäne
Farbe: rostbraun, nachts grünleuchtend
Auswirkungen: Bitterkeit, Schwermut
Piperonal? nein, leider

Name: Olympia (Joghurt, Honig, Nuß, Traubenzucker)
Geschmack: ungenießbar bis giftig
Inhaltsstoffe: Joghurt, Honig, Nuß, Crack
Farbe: ja
Auswirkungen: Schwindelgefühl, Heißhunger auf Strychnin
Piperonal? nein

Name: Marzipan (mit 100% Edel-Marzipan)
Geschmack: kratzig, fleischig
Inhaltsstoffe: 95% Klebstoff, 5% Schweinenippel
Farbe: hautfarben
Auswirkungen: Darmverschluß, Lepra, Marzipanik
Piperonal? eher nicht

Name: Rum Trauben Nuß (mit echtem Jamaica-Rum)
Geschmack: leichte Pelznote
Inhaltsstoffe: falscher Jamaica-Rum (»orischinäl Dschamäika-Rumm«)
Farbe: neutral
Auswirkungen: keine
Piperonal? in ungefährlichen Dosen

Name: Erdbeer Joghurt (mit Erdbeerstückchen aus erlesenen Früchten)
Geschmack: nach Blaubeeren
Inhaltsstoffe: Himbeerstückchen aus erlesenen Früchten, Hausstaub
Farbe: rotbraun
Auswirkungen: Demenz, Wahnsinn
Piperonal? nein

Name: Pfefferminz (mit erfrischender Pfefferminz-Füllung)
Geschmack: ölig, im Abgang fischig
Inhaltsstoffe: Edelschimmel, Auswurf
Farbe: grünblau
Auswirkungen: Kiemenbildung, Schilddrüsenexplosion
Piperonal? nein, danke

Liebe Firma Ritter Sport! Bitte beachten Sie, daß diese Wertung nur vorläufig ist und sich bei einem gewissen Entgegenkommen Ihrerseits* noch einmal deutlich ins Positive verändern kann. Als freundliche Geste zählt dabei auch eine Erweiterung Ihrer Produktelinie**. Mit freundlichen Grüßen: Stiftung Scheißdrecktest***


*Kto.-Nr. 9202 1555, Sparkasse Frankfurt
**„Ritter Sport Nikotin“, „Ritter Sport Whisky“****, „Ritter Sport Kalbsschnitzel“
***Umbenennung nach Erfüllung der Bedingungen


****kanadisch, mind. 16 Jahre alt, in der Packung gereift

Michael Ziegelwagner

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Apropos: ¡Hola bzw. holla, spanischer Priester!

Du hast Dir die Worte aus dem Matthäusevangelium »Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach« zu sehr zu Herzen genommen und in Deiner Gemeinde in der Kleinstadt Don Benito einen regen Handel mit Potenzmitteln betrieben. Für diesen nach weltlichem Ermessen offensichtlichen Sündenfall musst Du Dich nun vor einem irdischen Gericht verantworten.

Uns ist zwar nicht bekannt, ob Du Dich gegenüber Polizei und Justiz bereits bußfertig gegeben hast oder weiterhin auf das Beichtgeheimnis berufst. Angesichts der laut Zeugenaussagen freudigen Erregung Deiner überalterten Gemeindemitglieder beim Geläut der Glocken sowie ihres Durchhaltevermögens bei den nicht enden wollenden Eucharistiefeiern inklusive Rumgeorgel, Stoßgebeten und orgiastischer Gottesanrufungen sprechen alle Indizien aber ohnehin gegen Dich!

Bleibt auch ganz ohne künstliche Stimulanzien weiter standfest im Nichtglauben: Titanic

 Kurz hattet Ihr uns, liebe Lobos,

Kurz hattet Ihr uns, liebe Lobos,

als Ihr eine Folge Eures Pärchenpodcasts »Feel the News« mit »Das Geld reicht nicht!« betiteltet. Da fragten wir uns, was Ihr wohl noch haben wollt: mehr Talkshowauftritte? Eine Homestory in der InTouch? Doch dann hörten wir die ersten zwei Minuten und erfuhren, dass es ausnahmsweise nicht um Euch ging. Ganz im Sinne Eures Formats wolltet Ihr erfühlen, wie es ist, Geldsorgen zu haben, und über diese Gefühle dann diskutieren. Im Disclaimer hieß es dann noch, dass Ihr ganz bewusst über ein Thema sprechen wolltet, das Euch nicht selbst betrifft, um dem eine Bühne zu bieten.

Ihr als Besserverdienerpärchen mit Loft in Prenzlauer Berg könnt ja auch viel neutraler und besser beurteilen, ob diese Armutsängste der jammernden Low Performer wirklich angebracht sind. Leider haben wir dann nicht mehr mitbekommen, ob unser Gefühl, Geldnöte zu haben, berechtigt ist, da wir gleichzeitig Regungen der Wohlstandsverwahrlosung und Realitätsflucht wahrnahmen, die wir nur durch das Abschalten Eures Podcasts loswerden konnten.

Beweint deshalb munter weiter den eigenen Kontostand: Titanic

 Ciao, Luisa Neubauer!

»Massendemonstrationen sind kein Pizza-Lieferant«, lasen wir in Ihrem Gastartikel auf Zeit online. »Man wird nicht einmal laut und bekommt alles, was man will.«

Was bei uns massenhaft Fragen aufwirft. Etwa die, wie Sie eigentlich Pizza bestellen. Oder was Sie von einem Pizzalieferanten noch »alles« wollen außer – nun ja – Pizza. Ganz zu schweigen von der Frage, wer in Ihrem Bild denn nun eigentlich etwas bestellt und wer etwas liefert bzw. eben gerade nicht. Sicher, in der Masse kann man schon mal den Überblick verlieren. Aber kann es sein, dass Ihre Aussage einfach mindestens vierfacher Käse ist?

Fragt hungrig: Titanic

 Dear Weltgeist,

das hast Du hübsch und humorvoll eingerichtet, wie Du an der Uni Jena Deiner dortigen Erfindung gedenkst! Und auch des Verhältnisses von Herr und Knecht, über das Hegel ebenfalls ungefähr zur Zeit Deiner Entstehung sinnierte. Denn was machst Du um die 200 Jahre später, lieber Weltgeist? Richtest an Deiner Alma Mater ein Master-Service-Zentrum ein. Coole Socke!

Meisterhafte Grüße von Deiner Titanic

 Wussten wir’s doch, »Heute-Journal«!

Deinen Bericht über die Ausstellung »Kunst und Fälschung« im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg beendetest Du so: »Es gibt keine perfekte Fälschung. Die hängen weiterhin als Originale in den Museen.«

Haben Originale auch schon immer für die besseren Fälschungen gehalten:

Deine Kunsthistoriker/innen von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Frühlingsgefühle

Wenn am Himmel Vögel flattern,
wenn in Parks Familien schnattern,
wenn Paare sich mit Zunge küssen,
weil sie das im Frühling müssen,
wenn überall Narzissen blühen,
selbst Zyniker vor Frohsinn glühen,
Schwalben »Coco Jamboo« singen
und Senioren Seilchen springen,
sehne ich mich derbst
nach Herbst.

Ella Carina Werner

 Treffer, versenkt

Neulich Jugendliche in der U-Bahn belauscht, Diskussion und gegenseitiges Überbieten in der Frage, wer von ihnen einen gemeinsamen Kumpel am längsten kennt, Siegerin: etwa 15jähriges Mädchen, Zitat: »Ey, ich kenn den schon, seit ich mir in die Hosen scheiße!«

Julia Mateus

 Pendlerpauschale

Meine Fahrt zur Arbeit führt mich täglich an der Frankfurt School of Finance & Management vorbei. Dass ich letztens einen Studenten beim Aussteigen an der dortigen Bushaltestelle mit Blick auf sein I-Phone laut habe fluchen hören: »Scheiße, nur noch 9 Prozent!« hat mich nachdenklich gemacht. Vielleicht wäre meine eigene Zinsstrategie selbst bei angehenden Investmentbankern besser aufgehoben.

Daniel Sibbe

 Kapitaler Kalauer

Da man mit billigen Wortspielen ja nicht geizen soll, möchte ich hier an ein großes deutsches Geldinstitut erinnern, das exakt von 1830 bis 1848 existierte: die Vormärzbank.

Andreas Maier

 Parabel

Gib einem Mann einen Fisch, und du gibst ihm zu essen für einen Tag. Zeig ihm außerdem, wie man die Gräten entfernt, und er wird auch den folgenden Morgen erleben.

Wieland Schwanebeck

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
18.04.2024 Berlin, Heimathafen Neukölln Max Goldt
18.04.2024 Hamburg, Centralkomitee Ella Carina Werner
19.04.2024 Wuppertal, Börse Hauck & Bauer
20.04.2024 Eberswalde, Märchenvilla Max Goldt