Inhalt der Printausgabe

Herta-Müller-Exmann, Bestsellerautor, Banatschwadroneur – und jetzt auch <em>Bild</em>-Kolumnist: Richard Wagner (60)

TITANIC sucht für die Bild-Zeitung prominente Gastautoren – und findet einen neuen »Post von Wagner«-Wagner

Ende Juni feiert Bild 60. Geburtstag und schenkt jedem der 41 Millionen deutschen Haushalte eine Ausgabe. Ganz Deutschland liest dann das Springerblatt. Aber wer soll es schreiben? Martin Walser vielleicht?

Fr. Walser

Frau Walser: Walser?

TITANIC: Sebastian Wagner von der Bild-Zeitung. Ich hatte gestern schon einmal angerufen, es geht um eine besondere Bild-Ausgabe, die im Juni erscheint, die an 41 Millionen Haushalte geliefert wird aufgrund des hundertsten Geburtstags von Axel Springer, und da sind wir auf der Suche nach Prominenten, die da auch teilnehmen…

Frau Walser: Also, das ist im Moment ganz ungünstig bei uns, weil mein Mann im Augenblick soviel unterwegs sein muß und soviel zu erledigen hat. Hat das noch Zeit?

TITANIC: Es hat noch ein wenig Zeit. Es geht halt um einige wenige Zeilen. Aber wir sind schon mitten in den Vorbereitungen, das geht ja an ganz Deutschland, und da muß man recht früh anfangen. Können wir das denn irgendwie per Email oder per Fax…

Frau Walser: Ja, wenn Sie ein Email schreiben, dann kann mein Mann antworten.

Tun wir gerne! Aber Martin Walser ist wohl zu beschäftigt bzw. betrunken, um zu antworten. Oder will er etwa nichts mit der Bild-Zeitung zu tun haben? Auch Herta Müllers Exgatte, Bestsellerautor Richard Wagner (»Die deutsche Seele«), ist anfangs skeptisch.

TITANIC: Guten Tag, Herr Wagner. Sie haben vielleicht davon gehört; wir machen am 23. Juni die Jahrhundert-Bild. Wir haben da verschiedene Rubriken, die man betexten könnte. Zum Beispiel gibt es ja auch »Post von Wagner«, das wäre vielleicht etwas, was Sie dann machen könnten.

Richard Wagner (zunächst skeptisch): Ja, tja…

TITANIC (nachhelfend): Wegen der Namensgleichheit, nicht. Oder die »In- und Out-Liste«, oder das »Seite 1-Mädchen« – könnten Sie sich da etwas vorstellen?

Richard Wagner (überfordert): Ja, jetzt auf Anhieb eigentlich nicht. Sie wissen, wer ich bin, oder?

TITANIC (sicher): Ja, ich weiß, wer Sie sind. Sie sind der Schriftsteller Richard Wagner.

Richard Wagner: Ja, genau. Ich bin ja nun nicht ein Schriftsteller, der da jetzt mit einem derartigen Journalismus vertraut wäre. Da müßte ich nachdenken.

TITANIC (konziliant): Dem könnten Sie natürlich Ihre eigene Note geben.

Richard Wagner: Ja, ja, ich verstehe schon. Aber ich müßte… Können Sie mir ein bißchen Zeit geben, daß ich da überlege, was ich da machen könnte?

TITANIC: Ja, selbstverständlich!

Einen Tag später hat Richard Wagner fertigüberlegt und mailt uns, er »würde gerne die Post von Wagner über-nehmen«. Freude in der Ein-Mann-Redaktion der Jahrhundert-Bild! Ermutigt kontaktieren wir Roberto Blanco, der »alle zwei Tage in seine Mails schaut, ganz bestimmt«, holen uns eine telefonische Abfuhr von Jürgen Habermas (»Ich bin sowieso im Juni nicht da, und ich schreibe auch nichts, ja? Seien Sie mir nicht böse«) und richten Anfragen an die Büros der Kardinäle Meisner (Köln) und Woelki (Berlin).

Sehr geehrter Herr ██████████████████

Am 23. Juni erscheint die Jahrhundert-Bild, die an 41 Millionen deutsche Haushalte geht. Wir möchten darin möglichst vielen prominenten deutschen Stimmen einen Raum geben. Wir haben uns vorgenommen, Prominente die üblichen Bild-Rubriken übernehmen zu lassen.

Wäre Kardinal Meisner z.B. bereit, »Post an Wagner« zu schreiben (etwa 1000 Zeichen)? Gerne aber könnte er auch die »In&Out-Liste« (auf der letzten Seite) übernehmen oder »Gewinner und Verlierer des Tages« bestimmen. Oder, wenn er es wagen würde, das »Seite 1-Mädchen« auswählen und betexten. Natürlich muß es kein echtes »Mädchen« sein, es könnte auch eine Figur aus der reichen Historie der christlichen Malerei sein

Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Wagner

Schon am nächsten Tag bekommen wir von Meisners Pressesprecher einen Dank »für die Anfrage, zu der ich noch keine Antwort vom Erzbischof habe. Ich melde mich«. Nacktmalerei in der Bild, kommentiert von Kardinal Meisner – dieses frivole Ansinnen scheint kein Grund zu sein, uns direkt zur Hölle zu schicken. Schließlich weiß die katholische Kirche genau, wo Gott wohnt: im Springer-Hochhaus. Auch Woelkis Pressesprecher vertröstet uns (»Wie dringend ist das denn?«), doch immerhin Richard Wagner schickt seine Kolumne. Hurra, der erste Text ist da!

Liebe Deutsche,

daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt, ist sicherlich nichts Neues. Aber wie er wirklich lebt, läßt sich durchaus an den Brotsorten ablesen, die die Bäckerei anbietet. Ist es nicht etwas viel, zu viel, was da morgens im Regal prangt? Manches sieht aus, als wollte die Kundschaft ewig leben, und der Laden erweckt insgesamt den Eindruck einer Apotheke. Man ißt auch zum Vergnügen, schon vergessen?

Zeiten der Not und Zeiten des Überflusses zeigen auffallende Ähnlichkeiten. Für beide gilt: Man muß nicht gleich kleinere Brötchen backen, wenn der Umsatz nicht mehr stimmt. Man sollte aber auch nicht ohne Grund erfinderisch werden. Das Dümmste, was einem passieren kann, ist, von einem Brot zu behaupten, es sei mehr als nur ein Brot. Hätte man in Preußen Kuchen gegessen, wäre es dann nicht zum Weltkrieg gekommen?

Es gibt keine Politik der Brotsorten, aber es gibt eine gemeinschaftliche Vorstellung von dem, was ein Brot braucht, um ein Brot zu sein.

Herzlichst
Richard Wagner

Sauber formuliert – für Bild-Leser aber vielleicht ein wenig zu elaboriert. Wir machen Verbesserungsvorschläge:

TITANIC: Guten Tag, Herr Wagner. Vielen Dank, daß Sie etwas geschickt haben, ich finde das schon sehr gelungen. Das ist schon fast wie unser Franz Josef Wagner, es geht schon ganz in die richtige Richtung. Es ist noch ein bißchen kompliziert formuliert, an manchen Stellen. Dieser Satz »Hätte man in Preußen Kuchen gegessen, wäre es nicht zum Weltkrieg gekommen«, das ist vielleicht für unsere Leser ein bißchen… naja, Sie wissen ja wahrscheinlich, wie Bild-Leser so funktionieren.

Richard Wagner (zerknirscht): Ja gut, das weiß ich schon. Nur, ich bin ja nicht gewöhnt, für ein solches Publikum zu schreiben.

TITANIC: Vielleicht könnte man diesen Satz ein bißchen verständlicher machen für ein, äh, breiteres Publikum. Und dann hätte ich noch eine Idee, ich weiß nicht, ob die Ihnen gefällt: Wenn man diesen ganzen Brief nicht an »Liebe Deutsche« richtet, sondern »Liebes Brot«…

Richard Wagner (entgegenkommend): Ja, ja, das ist ja… Ja, das kann man natürlich machen… der Wagner, der schreibt ja normalerweise an alles Mögliche, adressiert auf diese Weise. Ja, jetzt sagen wir, bis morgen wäre Zeit, daß mir noch etwas einfällt…

TITANIC (gönnerhaft): Es muß Ihnen gar nicht mehr soviel einfallen, nur vielleicht in die Richtung »Liebes Brot« und ein bißchen Komplexität herausnehmen für ein primitiveres Publikum, nicht? Sozusagen.

Richard Wagner (lacht): Primitiv ist das ja gar nicht.

TITANIC: Nein, nicht das, was Sie geschrieben haben. Aber die Leser sollen es ja auch verstehen… Jetzt habe ich noch eine Frage: Sie haben ein Buch geschrieben mit Thea Dorn…

Richard Wagner (stolz): Ja, so ist es. »Deutsche Seele«.

TITANIC: Das ist auch ein Bestseller. Glauben Sie, daß die Frau Dorn auch bei uns mitmachen wollte, für die »In- und Out-Liste« zum Beispiel?

Richard Wagner: Also, die Frau Dorn hat schon in Bild einige Male geschrieben… Ich denke ja, ich denke ja. Die ist allerdings jetzt im Moment unterwegs wegen Lesungen und der Leipziger Messe.

Richard Wagner schreibt nicht nur gerne für Bild, sondern hilft auch bei der Recherche, z.B. mit Thea Dorns E-Mail-Adresse (»Die dürfen Sie dann aber nicht weitergeben!«).

Richard Wagner: … ja, die hat an solchen Dingen schon Interesse, nur, sie ist im Moment sehr beschäftigt. Sie hat ja früher Krimis geschrieben. Sie hat da für die Bild-Zeitung über etliche Fälle auch aus dem Gericht mal geschrieben. Also, Berührungsängste, glaube ich, gibt es da nicht.

TITANIC (gierig): Also kriminalistisch dann vielleicht, so Sex and Crime! Sagen Sie, jetzt nur als Gedanke noch – Herta Müller, haben Sie zu der Kontakt vielleicht? Die ist sehr schwer zu erreichen.

Richard Wagner (vorsichtig): Nein, äh, also, ich weiß, wie sie zu erreichen ist… aber die ist da anders. Aber gut, Sie können es bei ihr probieren. Ich kann Ihnen eine Email-Adresse da geben, aber Sie dürfen sich nicht auf mich berufen.

TITANIC (verschwörerisch): Okay, gut, dann sage ich nichts.

Richard Wagner (ängstlich): Sie müssen ja nicht erklären, woher Sie die haben. Sie erwähnen mich besser nicht, weil, sie ist nicht gut zu sprechen auf mich. Da haben Sie dann nichts davon… Na ja, die hat echte Vorurteile, nicht? Wenn die Bild-Zeitung hört, dann…

TITANIC: Wenn man lieber sagt Jahrhundert-Bild, daß sie da drauf hereinfällt?

Richard Wagner: Ja, ich kann da keinen Rat geben. Ich kann nur sagen, berufen Sie sich nicht auf mich! Dann viel Erfolg bei der Dame.

TITANIC: Danke sehr.

Richard Wagner hat mehr Angst vor Herta Müller als vor Bild, läßt aber viel mit sich machen. Im Gegensatz zu abgehobenen Bild-Feinden wie Günter Grass!

Sekretärin:na ja, Sie wissen ja wahrscheinlich auch, daß Herr Grass seit vielen Jahren eine freundlich beobachtende Distanz zur Bild-Zeitung pflegt. Wenn man einen Boykott dauerhaft so nennen kann.

TITANIC: Ach so, Sie glauben, diesen Boykott würde er nicht aufgeben?

Sekretärin: Bei den letzten fünf Fragen in dieser Richtung habe ich immer als Antwort bekommen: Sobald sich die Bild-Zeitung offiziell bei der Familie Böll entschuldigt, arbeitet er gerne mit ihr zusammen. Aber das ist ja nie geschehen.

Nichts einfacher als das: So eine Entschuldigung läßt sich ja leicht nachholen bzw. vage versprechen:

Sehr geehrte Frau ██████████████████

(…) Falls Herr Grass seine Entscheidung von einer Entschuldigung bei der Familie Böll abhängig macht, sollte dem vermutlich nichts im Wege stehen. Unser Verlagschef Dr. Döpfner hat im November bereits dem Bild-Kritiker Günter Wallraff die Hand gereicht. Bitte fragen Sie Herrn Grass, wie eine solche Entschuldigung aussehen sollte. Dann können wir das nach oben weitergeben.

Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Wagner

Während wir noch auf eine Antwort warten, sagt Herta Müller ab – obwohl wir ihr doch versprochen haben, bei einer Mitarbeit »im Gegenzug Ihr Werk ›Atemschaukel‹ in der nächsten Auflage unserer ›Bild-Nobelpreis-Bibliothek‹« aufzunehmen. Pech für Frau Müller – wir dagegen haben Glück: Wenigstens Thea Dorn ist mit an Bord. Hat sie unser Angebot überzeugt, »das Foto eines nackten Mannes« zu betexten, »um von dem üblichen Prinzip des ›Seite 1-Girls‹ (das wir ja mittlerweile in den Innenteil verschoben haben) abzuweichen«?

Sehr geehrter Herr Wagner,

haben Sie besten Dank für Ihre Anfrage! Prinzipiell bin ich gern dabei, allerdings die nächsten Tage komplett im Streß. Würde es für Sie reichen, wenn wir uns kommende Woche darauf verständen könnten, welche Rubrik ich übernehme?

Mit herzlichen Grüßen,
Ihre Thea Dorn

Darauf können wir uns gern verständen. Hoffentlich zeigt sich Frau Dorn bei ihrem Text auch so flexibel wie Richard Wagner. Der hat mittlerweile seine Kolumne ans »liebe Brot« adressiert, was uns schon fast perfekt dünkt. Aber eben nur fast:

Sehr geehrter Richard Wagner,

vielen Dank, das ist schon fast perfekt! Eine Kleinigkeit noch: In der Jahrhundert-Bild wollen wir ganz besonders auf die Leistungen Axel Springers aufmerksam machen. Eines seiner liebsten Sprichwörter war »Wes Brot ich eß, des Lied ich sing«. Meinen Sie, man könnte dieses Sprichwort noch in Ihren Text einfügen? Als Hommage an Axel Springer? Zum Beispiel in der Formulierung »›Wes Brot ich eß, des Lied ich sing‹, wie Axel Springer gerne sagte«? Das würde ja auch thematisch gut passen.

Ansonsten wäre der Text aus meiner Sicht druckreif.

Ihre Kontodaten habe ich bereits weitergeleitet.

Freundliche Grüße
Sebastian Wagner

Und auch diesen Wunsch erfüllt uns der bestsellende Banatschwabe. Drei Stunden später kommt seine Antwort:

Post von Wagner Liebes Brot, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt, ist sicherlich nichts Neues. Aber wie er wirklich lebt, ist durchaus an den Brotsorten zu erkennen, die die Bäckerei anbietet. Und: Wes Brot ich eß, des Lied ich sing, wie Axel Spr

Damit ist eine Achtelseite der Jahrhundert-Bild bereits voll. Doch bei dieser wird es nicht bleiben, freut sich doch auch Roberto Blanco schon auf die Zusammenarbeit, wie sein Sekreteriat mitteilt: »Herr Blanco ist an Ihrer Anfrage interessiert und beteiligt sich gerne an der Jahrhundert-BILD Ausgabe.« Und wie wird wohl Thea Dorn ihren nackten Mann bedichten? Werden die Kardinäle Meisner und Woelki sich noch für eine Mitarbeit entscheiden? Und können wir Günter Grass, Bild und die Böll-Familie nach vierzig Jahren endlich miteinander versöhnen? Erfahren Sie es in der Jahrhundert-Bild – oder eventuell sogar schon in der nächsten TITANIC!

 

Wolff/Ziegelwagner

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Als Generalbundesanwalt, Dr. Peter Frank,

sollten Sie sich in Zukunft lieber doch wieder auf Ihre dröge Amtssprache beschränken und bildliche Ausdrücke strikt vermeiden. Denn wenn Sie in einem Interview mit dem SWR behaupten, dass Terroristen nicht vom Himmel fallen, sind Sie ja fast schon selbst ein Fall für den Generalbundesanwalt. Manchmal – Stichwort »11. September« – tun Terroristen nämlich genau dies.

Grüßt ohne Metaphern: Titanic

 Nicht die Bohne, Rowohlt-Verlag,

interessieren uns Kalauer, und für Witze mit Namen und für Alliterationen haben wir bekanntlich auch nichts übrig. Deshalb ist es uns auch komplett egal, ja, wir nehmen es nicht mal ansatzweise zur Kenntnis, dass Du Dein für März als »Spitzentitel« angekündigtes Werk »Die Botschaft der Pflanzen. Was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt« unbedingt von einem Autor hast anfertigen lassen müssen, der laut Deinen Angaben »Burkhard Bohne« heißt. Schon klar, Rowohlt, Burkhard Bohne, wie Benjamin Blümchen. Oder Arnfried Astel. Wir haben’s kapiert. Sehr, sehr witzig. Aber uns geht’s zum Glück ja nichts an!

Naturgemäß ohne Botschaft: Titanic

 Annalena Baerbock!

»Die CDU hat kein Abo aufs Kanzleramt«, konstatieren Sie im Stern-Interview. Sind Sie sich da auch wirklich sicher? So ein Abo wird, wenn es einmal abgeschlossen wurde, nämlich gerne vergessen und automatisch verlängert. Die letzten Bundestagswahlergebnisse sprechen zumindest dafür. Lassen Sie vorsichtshalber prüfen, ob die Merkel auch fristgerecht gekündigt hat!

Rät Ihr Abo-Service von Titanic

 Glückwunsch, Bill Kaulitz,

Glückwunsch, Bill Kaulitz,

zu Ihrer Autobiografie »Career Suicide«! Mit deren Erscheinen haben Sie im Alter von 31 Jahren – ob Sie wollen oder nicht – Ihren Lebensabend eingeläutet. Folgende Tätigkeiten stehen Ihnen somit noch zur Verfügung: Sentimental aus dem Fenster schauen; über die Zeitläufte sinnieren; im Ohrensessel sitzend ein Glas Cognac schwenken; imkern; Leute, die an Ihrem Haus vorbeigehen, böse anstarren; in Talkshows über Social Media und Gendersterchen schimpfen; Pfeife rauchen; im Hunsrück wandern; mit der Armbrust auf leere Erbsendosen schießen.

Jedenfalls nicht: Ihre Karriere als Musiker weiterverfolgen. Und dafür möchten wir uns im Voraus herzlich bedanken.

Ihre Jungspunde von Titanic

 Ein paar Gedanken, Ex-Eiskunstläuferin Kati Witt,

mussten wir uns nach einem Ihrer Facebook-Einträge neulich schon über Sie machen. Nicht nur, weil Sie in dem nicht enden wollenden Text extra darauf hinwiesen, keine »Corona-Verleugnerin« oder »Lockdown-Gegnerin« zu sein. Dünnes Eis. Dann schrieben Sie, dass Ihre Trainerin Frau Müller früher aus Solidarität bzw. »Teamwork!« immer mit Ihnen gehungert habe, wenn sie meinte, Sie seien zu dick fürs Eis. Wenn wir es richtig verstanden haben, fordern Sie das jetzt auch von »der Politik«, aber nur im übertragenden Sinne, also zastermäßig.

Mit den Kufen vom Eis haute es uns jedoch bei diesem Satz: »Wenn ich, die wirklich das Glück hat, hier und da einen fröhlichen TV-Auftritt absolvieren zu dürfen, langsam immer mehr den Kopf hängen lasse, mache ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen.« Fernsehauftritte sind für Sie Glück? Quizshows halten Sie für fröhliche Angelegenheiten? Ist Ihre Birne jetzt total vereist?

Vielleicht machen Sie sich doch besser mal Gedanken über einen heißen Grog, empfehlen Ihnen wärmstens Ihre Ernährungsberaterinnen von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Enjoy the screening!

Den Ausfall der Berlinale in diesem Winter habe ich ganz gut verkraftet. Ich habe ja alles hier daheim: viele schlechte und einige wenige gute Filme (Netflix), das überlegene Gefühl, Filme im Originalton und mit Untertitel sehen zu können (dito Netflix), drinnen stickige Luft und wenig Sonnenlicht, draußen Kälte und ungeräumte Gehwege, Besserwissergetue aus der Reihe hinter mir (wegen dünner Wände zum Nachbarn), schlechtes überteuertes Essen aus Einmalverpackungen. Sogar auf den obligatorisch einsetzenden Harndrang zehn Minuten nach Beginn des Films kann ich mich verlassen, und den Weg zum Klo lege ich natürlich im Dunkeln zurück, durch einen mit aufgereihten Amazon-Kartons gelegten Parcours von nachgeahmten Kinohipster-Käsemauken.

Tina Manske

 Pee-Bottle

Aus Insiderkreisen weiß ich, was für Polizisten auf Demos das Schlimmste ist: stundenlang nicht auf Klo können. Da stehen sie, Reih in Reih, mit ihren Schlagstöcken, Visieren und Wasserwerfern, und gucken gequält. Klar, dass man da mal aggressiv wird. In Polizisten-Foren wird geraten, die Stunden vorher nichts zu trinken, das ist aber schwer: Wie auf den morgendlichen Mutmach-Korn verzichten? Praktikabler: Viele Einsatzkräfte gestehen in Foren, sich eine Urinflasche bzw. Pee-Bottle oder auch »Uriwell, die Notfall-Toilette« unterzuschnallen. Deshalb Tipp für Protestler: einfach die eigenen Demosprüche daran anpassen und Kennerschaft beweisen. »Bullenschweine, lauft jetzt schnell / sonst klau’n wir euer Uriwell!« oder irgendwas mit »Trottel / Pee-Bottle«. Reimtechnisch und metrisch noch nicht perfekt, aber in der Sache clever.

Ella Carina Werner

 Kreativ beleidigen

Neues Schimpfwort für Urdeutsche in Jack-Wolfskin-Jacken: Mandarinenpeller!

Alexander Thiemann

 Zeitumstellung

Jedes Jahr im Frühling, kurz nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen, dringen überall aus der Umgebung vertraute Geräusche und Gerüche in Ohr und Nase. Und man weiß: Es ist wieder angekärchert!

Markus Berger

 Redensarten und woher sie kommen

»Einen Zahn zulegen«: Wenn eine Person »kein D-Zug ist«, obwohl sie »die Düse machen« oder »Rennwasser trinken« soll – dann fragen wir uns auch heute noch ganz unwillkürlich, ob besagte Person nicht »einen Zahn zulegen« könnte. Diese Redensart geht zurück auf die Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg. Kurz nach seiner Erfindung kam Gutenberg mit der Produktion kaum nach; Martin Luther schrieb seine beliebten antisemitischen Pamphlete schneller, als sie gedruckt werden konnten. Gingen den Setzern wichtige Buchstaben aus, wurden sie deshalb oft nicht aufwendig nachgegossen, sondern durch einen der stets reich vorhandenen Lehrlingszähne ausgetauscht (ihnen hatte man zuvor »die Fresse poliert«, wie eine andere Wendung aus jener Zeit lautet). Obwohl das Schriftbild durch den Zahn deutlich litt, beschleunigte der in den Setzkasten »zugelegte« Zahn die Produktion erheblich und half den Setzern bei der Aggressionsabfuhr. Wenn Sie also heute jemandem auf die Sprünge helfen wollen, sollten sie ihm zunächst ordentlich aufs Maul geben – vielleicht legt er ja auf diese Weise selbst einen Zahn zu. Oder mehrere!

Leo Fischer

Vermischtes

Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURThomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo:&nbsp;117,80 EURGerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Martin Sonneborn & Benjamin Schiffner: "Quatsch und mehr" (signiert)
Das hat der Menschheit noch gefehlt: ein einziges Buch mit sämtlichem Quatsch der Geschichte – oder zumindest aus 15 Jahren "Partner TITANIC", der beliebt-kultigen TITANIC-Nonsensrubrik. Fotorätsel, Pflegehinweise, Antwort ohne Frage, unberühmte letzte Worte, Kochen mit Tieren, Kerzen-Fakten, Ediotiral, Tinas Strumpfband und tausend weitere schöne Rubriken – erstmals versammelt auf nicht weniger als 256 vielfarbigen Seiten.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Sonneborn/Gsella/Schmitt:&nbsp; "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo:&nbsp;117,80 EURStefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
05.03.2021 Frankfurt, Buchhandlung Schutt Thomas Gsella im Livestream
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25.03.2021 Kiel, Kulturforum Max Goldt
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