Inhalt der Printausgabe

Der Streit um den Bundestrojaner hat es gezeigt: Datenschützer und Sicherheitspolitiker sprechen einfach nicht dieselbe Sprache. Wo die einen von einem „gefährlichen Eingriff in die Grundrechte“ reden, erkennen die anderen „naive Terroristenfreunde, die wohl selbst was zu verbergen haben“.
Zeit zur Klärung der Begriffe!

1984

Jahr der feierlichen Gründung des ersten Überwachungsstaats, auf dem Gebiet des heutigen Ozeaniens. Erster Staatspräsident ist der britische Ingenieur George Orwell. Er erfindet einen Fernseher, der zugleich der Ausspähung von Privatwohnungen dient. Heute heißt die Technologie XXX-Granny-Livestream, das dahinterstehende Prinzip ist aber dasselbe.

Abhören

Antike Technik, mit der Sicherheitspolitiker feststellen können, ob die Bevölkerung mit der Regierung zufrieden ist, wo nachgebessert werden könnte und ob sich die Menschen mehr Privatsphäre wünschen. Findet das A. in einem Unrechtsstaat statt, so spricht man vom »Spionieren«, in einem Rechtsstaat hingegen von »Prävention«.

Anti-Terror-Datei

Datei, die zu den Systemprogrammen Ihres Computers gehört und automatisch aktualisiert wird, wenn Sie Ihre Steuererklärung online abgeben oder die Tagesschau-App herunterladen. Sorgt dafür, daß Sie niemanden zum Haß aufstacheln oder aufgestachelt werden, indem beim Surfen fortlaufend süße Katzenvideos unter die Haßpredigten (Spiegel-Leserforum) gemischt werden.

Biometrie

Methode der Terrorbekämpfung, bei der gewisse unveränderliche Elemente im menschlichen Gesicht analysiert werden. Bekannte biometrische Systeme sind der Schlitzaugenscanner, der Zornfaltenmesser, der Falsches-Lächeln-Nachweis, der Bartdetektor und der Turbansensor.

Bundestrojaner

Programm, das sich als nützliche Datei tarnt, der Bundesregierung aber Zugang zu privaten Rechnern verschafft. Benannt nach dem gleichnamigen riesigen Holzpferd, das sich als nützliches riesiges Holzpferd tarnte, aber voll mit griechischen LKA-Beamten war. Findige Nutzer erkennen den Bundestrojaner daran, daß an einer Mail Fotos oder Texte hängen, die riesige hölzerne Pferde zum Inhalt haben. Der Bundestrojaner darf nur eingesetzt werden, wenn allerhöchste Gefahr droht, zum Beispiel bei Medikamentenschmuggel in Bayern. Der Bundestrojaner ist legal, da er von der legal gewählten Bundesregierung hergestellt wird.

Bundeshellene

Was viele vergessen: Im trojanischen Pferd waren keine Trojaner, sondern vielmehr Hellenen – die auch keine Daten klauen wollten, sondern schöne Frauen, vor allem Helena (vgl. ELENA), die schönste Frau der Welt. Die Trojaner wären in dem Sinnbild eigentlich die privaten User, und die schöne Helena wäre FDP-Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (vgl. auch Vergleich, hinkender).

Chips, RFID-

Winzige funkgesteuerte Mikrosysteme, die von der Industrie unbemerkt in Kleidung, Schmuck, Personalausweise oder Gummibärchen integriert werden, um dem Verbraucher einen besseren Service zu bieten und die Sicherheit zu erhöhen. Produkte, die RFID-Chips enthalten, sind nicht zur Zubereitung von Babynahrung geeignet, sollten vor Kindern unter drei Jahren ferngehalten und sicherheitshalber von niemandem gekauft werden.

Dionysios (Tyrann)

Erfinder des Abhörens. Sperrte Terroristen in eine malerische Tropfsteinhöhle und konnte dank des Echos ihre Aktivitäten belauschen. Dabei wurde er unter anderem Zeuge von primitivem Filesharing, Musikpiraterie und Identitätsdiebstahl. Da sich diese Aktivitäten aber auf den Privatbereich der Höhle beschränkten, beließ er es bei einer einfachen Exekution mit Verwarnungscharakter.

ELENA

Gescheitertes Projekt, das die zentrale Speicherung von Arbeitnehmerdaten vorsah, wie etwa Fehlzeiten, Abmahnungen, Mundgeruch und Wehrkraftzersetzung. Das System wurde nicht eingeführt, weil die Ausstattung der Bevölkerung mit digitalen Signaturen, Bundestrojanern und XXX-Granny-Livestreams 2010 leider noch nicht flächendeckend war. So wurde das Projekt rechtzeitig beendet, bevor noch höhere Kosten als die schon ausgegebenen 13 Trillionen Euro entstehen konnten.

Friedrich, Hans-Peter

Nachfolger von (u.a.) Wolfgang Schäuble im Amt des Innenministers und weltweit erster Möter (halb Minister, halb Köter), der auf einer Regierungsbank sein Geschäft verrichten darf. Friedrich kommt aus einem kleinen Dorf in Oberfranken (vgl. TITANIC 10/2011), wo alle alles über einander wissen. Diese Nähe und Geborgenheit möchte Friedrich nun auf ganz Deutschland ausweiten.

Gen-Datenbank

Was viele nicht wissen: Unser Körper ist der größte bekannte Vorratsdatenspeicher des Universums. Ob wir auf Blonde oder Brünette stehen, ob wir Coke Zero oder Coke Light bevorzugen – all dies ist tief in unseren Genen eingeschrieben und festgelegt. Sollte es verrückten Wissenschaftlern eines Tages gelingen, unsere Gene an das Internet anzuschließen, würde daraus ein Wesen von unvorstellbarer Macht entstehen – ob gut oder böse, ist noch nicht ganz sicher (Mecha-Jesus, Xanos).

Das trojanische Pferd schlägt zurück

Heiligendamm

Bisher größter Triumph moderner Sicherheitstechnologie: Bei der G8-Konferenz 2007 in Heiligendamm wurde eine Staffel moderner Düsenjäger eingesetzt, um eine Gruppe Camper zu überwachen. Dient seither als Maßstab für sicherheitspolitische Effizienz. So entspricht der in Bayern aufgetauchte Trojaner zur Überführung von Medikamentenschmugglern knapp 2 Heiligendamm. Wenn Ebay-Betrüger, die minderwertigen Pofel als »TOP-Zustand« handeln, ab 2013 mit der Amputation von Gliedmaßen nicht unter zwei Armen rechnen müssen, werden ca. 10 Heiligendamm gemessen. Und die 2015 offiziell eingeführte Bundesspatzenkanone wird sogar mit 300 Allerheiligendamm veranschlagt.

Internet

Was viele nicht wissen: Das Internet wurde vor allem erfunden, um den Kampf gegen die grassierende Internetkriminalität zu ermöglichen. Siehe auch Terrorismus.

Ja

Antwortpartikel, die das Leben sehr erleichtert.

Kameraüberwachung

Sorgt dafür, daß das Verbrechen keine Chance mehr hat, sofern es auf gutbesuchten öffentlichen Plätzen bei ausreichenden Lichtverhältnissen stattfindet. Eine K. von dunklen Seitenstraßen, dunklen privaten Wohnungen und dunklen DAX-Unternehmensbüros ist aus Kostengründen leider nicht möglich.

Lauschangriff, Großer

Erfindung von Otto Stasi, der die komplette Überwachung von allem und jedem vorsah. Dies empfand Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) 1995 als derart gravierende Einschränkung liberaler Werte, daß sie von ihrem Amt zurücktrat. Frau Leutheusser-Schnarrenberger arbeitet heute u.a. mit Hans-Peter Friedrich zusammen.

Mobiltelefon

Sollten Sie niemals ausschalten, da dies in einem allfälligen Terrorismus-Prozeß gegen sie verwendet werden kann. Wenn sie es einschalten, allerdings auch. TITANIC empfiehlt allen Terroristen und solchen, die es werden wollen, auf die Anschaffung eines M. besser ganz zu verzichten.

Nachladefunktion

Wird für den Bundestrojaner benötigt, damit der sich »den normalen Updates auf dem Zielcomputer anpassen« kann (Hans-Peter Friedrich). Macht sich durch Pop-Ups wie diese bemerkbar: »Du verwendest zur Zeit Bundestrojaner Free Edition! Upgrade jetzt und profitiere von den vielen Extra-Features, z.B. der neuen Hausdurchsuchung!«

Online-Durchsuchung

Mittlerweile obsolete erkennungsdienstliche Methode. Das Facebook-Profil eines typischen Straftäters verrät doch so viel mehr!

Patient Demokratie: Lebt sie noch, und wenn ja, warum?

Online-Durchsuchung

Mittlerweile obsolete erkennungsdienstliche Methode. Das Facebook-Profil eines typischen Straftäters verrät doch so viel mehr!

Panoptikum

Ein Konzept zum Bau von Gefängnissen, von dem britischen Philosophen Jeremy Bentham erdacht. Erlaubt die permanente Überwachung der Häftlinge, ohne daß diese ihre Wächter sehen können. Spielt heute nur noch beim Bau von Großraumbüros, Glasfassaden, Schulen und Asylantenheimen eine Rolle.

Quellen-TKÜ

Das brauchen Sie nicht zu wissen.

Rasterfahndung

Religiöses Überwachungsritual der Rasterfaris, bei dem Drogen, Reggaemusik und Schwulenhaß zum Einsatz kommen. Ansonsten ist das Aussortieren von Verdächtigen nach Namen, Herkunft und biometrischen Merkmalen natürlich nicht erlaubt, außer vor Diskotheken, bei der Wohnungssuche und Bewerbungsgesprächen.

Satelliten

Ursprünglich zur friedlichen Verbreitung von Gedankenkontrollstrahlen eingesetzt, werden die künstlichen Erdtrabanten heute überwiegend zur Überwachung mißbraucht, gegen die man sich auch mit Aluhüten nicht schützen kann.

Schäuble, Wolfgang

Nachfolger von Otto Schily als Innenminister. Sehr sensibel, ertrug die vielen Anfeindungen nicht, denen ein Innenminister traditionell ausgesetzt ist, und wechselte daher ins Finanzministerium. Brachte die Sicherheitsdebatte in Deutschland überhaupt erst ins Rollen.

Schily, Otto

Ehem. Terroristenanwalt und Nachfolger von Otto Stasi im Amt des Innenministers. Sorgte dafür, daß Terroristenanwälte auch immer genug zu tun haben. Stand später in der Kritik, weil er als Berater von Firmen auftrat, die digitale Signaturen, Bundestrojaner und XXX-Granny-Livestreams herstellen. Eine Verbindung zu seiner politischen Tätigkeit konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden.

Stasi, Otto

Vorgänger von Otto Schily im Amt des Innenministers, allerdings in der damaligen DDR. Sorgte dafür, daß Kinder nicht mehr spielen durften, und zwang Nonnen dazu, sich Bilder von nackten Männern anzusehen. Benutzte außerdem unmenschliche Überwachungstechnologie wie Mikrofone und Kameras, die in Telefonen verborgen waren. Damit sich ein zweiter Fall Stasi nicht wiederholt, bedarf es heute erhöhter Wachsamkeit gegenüber Extremisten (vgl. Bundestrojaner).

Das Dampfhaus Terrorismus braucht Transparenz

Terrorismus

Verbrechen, das eine Erweiterung der Machtbefugnisse des Staates gestattet. Führt zur Mobilisierung aller Sicherheitskräfte. Normale Verbrechen sind demzufolge etwa Anlagebetrug, Untreue oder Nazitum; Terrorismus hingegen das Anzünden von Autos und Verstöße gegen das Urheberrecht.

Urheberrecht

Was viele nicht wissen wollen: Softwarepiraterie dient der Finanzierung des Terrorismus. Wer Freunden Musik kopiert, sponsert indirekt Al-Qaida; wer sich Filme herunterlädt, subventioniert damit den Bau der iranischen Atombombe. Deswegen ist der Kampf gegen Raubkopierer letztlich ein Kampf gegen den Terror bzw. Hitler. Noch sinnvoller wäre es nur, den Krieg direkt zu den Urhebern selbst, also zu den Künstlern zu tragen – und beispielsweise Juli Zeh wegzusperren.

Vorratsdatenspeicherung

Schöner alter Brauch, bei dem die Großmutter all die Daten, die sommers übriggeblieben waren (Liebesbriefe, Gebetsbücher, Denunziationen), in Einmachgläser packte und im Keller jahrzehntelang vermodern ließ. Besonders bei ländlich geprägten Politikern noch sehr gebräuchlich (vgl. Friedrich, Hans-Peter; Provinzdackel, aufgeblasener).

Windows

Typischer Trojaner: Schadsoftware, die sich als Betriebssystem tarnt. Im Gegensatz zum Bundestrojaner werden die Daten nicht an eine kontrollbesessene Behörde, sondern an einen kontrollbesessenen Konzern weitergeleitet, wofür der Verbraucher jedoch selbst verantwortlich ist. Im Zweifel dürfen die Behörden bei den Konzernen anklopfen und (lieb) um die Daten bitten.

Klassische Nachtwächterstaaten haben feste Öffnungszeiten

Xanos

Außerirdische Dämonengottheit, der laut Bundestagsprotokoll jeder Innenminister zu Amtsantritt seinen Erstgeborenen opfern muß. Hans-Peter Friedrich hatte allerdings nur Zweitgeborene. So opferte er statt dessen seinen Verstand, der aber unbenutzt und daher in tadellosem Zustand war, Xanos zum Wohlgefallen. Heil Xanos!

Ypernwachungsstaat

Gescheitertes Projekt von Interpol zur Beobachtung der gleichnamigen Kleinstadt in Flandern. In Ypern geschehen einfach zu wenige Terroranschläge, um eine permanente Totalüberwachung der Bevölkerung zu rechtfertigen. Vgl. aber Sicherheitsdiskussion, deutsche.

Zeh, Juli

Schriftstellerin, deren Hobby der Kampf gegen den Überwachungsstaat ist. Schreibt dazu in einer brillant konstruierten Geheimsprache, die niemand außer ihr versteht: »Wir müssen unsere Werte, unsere Demokratie von A bis Z noch mal durchkauen, anhand der neuen Bedingungen« (DLF). Da ist selbst das LKA Bayern chancenlos!

Leo Fischer

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Als Generalbundesanwalt, Dr. Peter Frank,

sollten Sie sich in Zukunft lieber doch wieder auf Ihre dröge Amtssprache beschränken und bildliche Ausdrücke strikt vermeiden. Denn wenn Sie in einem Interview mit dem SWR behaupten, dass Terroristen nicht vom Himmel fallen, sind Sie ja fast schon selbst ein Fall für den Generalbundesanwalt. Manchmal – Stichwort »11. September« – tun Terroristen nämlich genau dies.

Grüßt ohne Metaphern: Titanic

 Glückwunsch, Bill Kaulitz,

Glückwunsch, Bill Kaulitz,

zu Ihrer Autobiografie »Career Suicide«! Mit deren Erscheinen haben Sie im Alter von 31 Jahren – ob Sie wollen oder nicht – Ihren Lebensabend eingeläutet. Folgende Tätigkeiten stehen Ihnen somit noch zur Verfügung: Sentimental aus dem Fenster schauen; über die Zeitläufte sinnieren; im Ohrensessel sitzend ein Glas Cognac schwenken; imkern; Leute, die an Ihrem Haus vorbeigehen, böse anstarren; in Talkshows über Social Media und Gendersterchen schimpfen; Pfeife rauchen; im Hunsrück wandern; mit der Armbrust auf leere Erbsendosen schießen.

Jedenfalls nicht: Ihre Karriere als Musiker weiterverfolgen. Und dafür möchten wir uns im Voraus herzlich bedanken.

Ihre Jungspunde von Titanic

 Ein paar Gedanken, Ex-Eiskunstläuferin Kati Witt,

mussten wir uns nach einem Ihrer Facebook-Einträge neulich schon über Sie machen. Nicht nur, weil Sie in dem nicht enden wollenden Text extra darauf hinwiesen, keine »Corona-Verleugnerin« oder »Lockdown-Gegnerin« zu sein. Dünnes Eis. Dann schrieben Sie, dass Ihre Trainerin Frau Müller früher aus Solidarität bzw. »Teamwork!« immer mit Ihnen gehungert habe, wenn sie meinte, Sie seien zu dick fürs Eis. Wenn wir es richtig verstanden haben, fordern Sie das jetzt auch von »der Politik«, aber nur im übertragenden Sinne, also zastermäßig.

Mit den Kufen vom Eis haute es uns jedoch bei diesem Satz: »Wenn ich, die wirklich das Glück hat, hier und da einen fröhlichen TV-Auftritt absolvieren zu dürfen, langsam immer mehr den Kopf hängen lasse, mache ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen.« Fernsehauftritte sind für Sie Glück? Quizshows halten Sie für fröhliche Angelegenheiten? Ist Ihre Birne jetzt total vereist?

Vielleicht machen Sie sich doch besser mal Gedanken über einen heißen Grog, empfehlen Ihnen wärmstens Ihre Ernährungsberaterinnen von der Titanic

 Nicht die Bohne, Rowohlt-Verlag,

interessieren uns Kalauer, und für Witze mit Namen und für Alliterationen haben wir bekanntlich auch nichts übrig. Deshalb ist es uns auch komplett egal, ja, wir nehmen es nicht mal ansatzweise zur Kenntnis, dass Du Dein für März als »Spitzentitel« angekündigtes Werk »Die Botschaft der Pflanzen. Was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt« unbedingt von einem Autor hast anfertigen lassen müssen, der laut Deinen Angaben »Burkhard Bohne« heißt. Schon klar, Rowohlt, Burkhard Bohne, wie Benjamin Blümchen. Oder Arnfried Astel. Wir haben’s kapiert. Sehr, sehr witzig. Aber uns geht’s zum Glück ja nichts an!

Naturgemäß ohne Botschaft: Titanic

 Annalena Baerbock!

»Die CDU hat kein Abo aufs Kanzleramt«, konstatieren Sie im Stern-Interview. Sind Sie sich da auch wirklich sicher? So ein Abo wird, wenn es einmal abgeschlossen wurde, nämlich gerne vergessen und automatisch verlängert. Die letzten Bundestagswahlergebnisse sprechen zumindest dafür. Lassen Sie vorsichtshalber prüfen, ob die Merkel auch fristgerecht gekündigt hat!

Rät Ihr Abo-Service von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Redensarten und woher sie kommen

»Einen Zahn zulegen«: Wenn eine Person »kein D-Zug ist«, obwohl sie »die Düse machen« oder »Rennwasser trinken« soll – dann fragen wir uns auch heute noch ganz unwillkürlich, ob besagte Person nicht »einen Zahn zulegen« könnte. Diese Redensart geht zurück auf die Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg. Kurz nach seiner Erfindung kam Gutenberg mit der Produktion kaum nach; Martin Luther schrieb seine beliebten antisemitischen Pamphlete schneller, als sie gedruckt werden konnten. Gingen den Setzern wichtige Buchstaben aus, wurden sie deshalb oft nicht aufwendig nachgegossen, sondern durch einen der stets reich vorhandenen Lehrlingszähne ausgetauscht (ihnen hatte man zuvor »die Fresse poliert«, wie eine andere Wendung aus jener Zeit lautet). Obwohl das Schriftbild durch den Zahn deutlich litt, beschleunigte der in den Setzkasten »zugelegte« Zahn die Produktion erheblich und half den Setzern bei der Aggressionsabfuhr. Wenn Sie also heute jemandem auf die Sprünge helfen wollen, sollten sie ihm zunächst ordentlich aufs Maul geben – vielleicht legt er ja auf diese Weise selbst einen Zahn zu. Oder mehrere!

Leo Fischer

 Enjoy the screening!

Den Ausfall der Berlinale in diesem Winter habe ich ganz gut verkraftet. Ich habe ja alles hier daheim: viele schlechte und einige wenige gute Filme (Netflix), das überlegene Gefühl, Filme im Originalton und mit Untertitel sehen zu können (dito Netflix), drinnen stickige Luft und wenig Sonnenlicht, draußen Kälte und ungeräumte Gehwege, Besserwissergetue aus der Reihe hinter mir (wegen dünner Wände zum Nachbarn), schlechtes überteuertes Essen aus Einmalverpackungen. Sogar auf den obligatorisch einsetzenden Harndrang zehn Minuten nach Beginn des Films kann ich mich verlassen, und den Weg zum Klo lege ich natürlich im Dunkeln zurück, durch einen mit aufgereihten Amazon-Kartons gelegten Parcours von nachgeahmten Kinohipster-Käsemauken.

Tina Manske

 Kreativ beleidigen

Neues Schimpfwort für Urdeutsche in Jack-Wolfskin-Jacken: Mandarinenpeller!

Alexander Thiemann

 Zeitumstellung

Jedes Jahr im Frühling, kurz nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen, dringen überall aus der Umgebung vertraute Geräusche und Gerüche in Ohr und Nase. Und man weiß: Es ist wieder angekärchert!

Markus Berger

 Pee-Bottle

Aus Insiderkreisen weiß ich, was für Polizisten auf Demos das Schlimmste ist: stundenlang nicht auf Klo können. Da stehen sie, Reih in Reih, mit ihren Schlagstöcken, Visieren und Wasserwerfern, und gucken gequält. Klar, dass man da mal aggressiv wird. In Polizisten-Foren wird geraten, die Stunden vorher nichts zu trinken, das ist aber schwer: Wie auf den morgendlichen Mutmach-Korn verzichten? Praktikabler: Viele Einsatzkräfte gestehen in Foren, sich eine Urinflasche bzw. Pee-Bottle oder auch »Uriwell, die Notfall-Toilette« unterzuschnallen. Deshalb Tipp für Protestler: einfach die eigenen Demosprüche daran anpassen und Kennerschaft beweisen. »Bullenschweine, lauft jetzt schnell / sonst klau’n wir euer Uriwell!« oder irgendwas mit »Trottel / Pee-Bottle«. Reimtechnisch und metrisch noch nicht perfekt, aber in der Sache clever.

Ella Carina Werner

Vermischtes

Martin Sonneborn & Benjamin Schiffner: "Quatsch und mehr" (signiert)
Das hat der Menschheit noch gefehlt: ein einziges Buch mit sämtlichem Quatsch der Geschichte – oder zumindest aus 15 Jahren "Partner TITANIC", der beliebt-kultigen TITANIC-Nonsensrubrik. Fotorätsel, Pflegehinweise, Antwort ohne Frage, unberühmte letzte Worte, Kochen mit Tieren, Kerzen-Fakten, Ediotiral, Tinas Strumpfband und tausend weitere schöne Rubriken – erstmals versammelt auf nicht weniger als 256 vielfarbigen Seiten.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
05.03.2021 Frankfurt, Buchhandlung Schutt Thomas Gsella im Livestream
20.03.2021 Frankfurt, Mousonturm Oliver Maria Schmitt & Jürgen Kuttner (Livestream)
25.03.2021 Kiel, Kulturforum Max Goldt
04.04.2021 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hauck & Bauer: »Cartoons«