Inhalt der Printausgabe

Eine wahre Freundschaftsgeschichte von
Oliver Maria Schmitt und Peter Uhnemann

Wie alle anderen war auch ich schockiert, als ich Stefan Mappus zum ersten Mal sah. Obwohl er nur im Fernseher war. Dem Schock folgte das Entsetzen, denn ich mußte erkennen, daß wir eine ganz besondere Beziehung haben, Stefan und ich. Er stammt nämlich aus meiner Heimat Baden-Württemberg und ist praktisch genauso alt wie ich. In ihm sah ich mich selbst, bzw. was aus mir hätte werden können, wenn ich im Süden geblieben, mit 17 in die Junge Union eingetreten und etwas rücksichtsloser beim Kalorienbunkern gewesen wäre.

Als sein Vorgänger im Amt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, der schwäbelnde Englischlehrer Günther Oettinger, nach Brüssel entsorgt wurde, schlug Stefans große Stunde. Der »Moschtkopf« (Die Zeit) rückte nach. Tauchte auf aus dem Dunkel der Hinterbank, stand plötzlich im Rampenlicht, groß, mächtig und unheilvoll wie ein Atompilz. Kaum im Amt, legte er los, gab den Rambo, das konservative Rhinozeros, seinem Vorbild Franz Josef Strauß wie aus dem Gesäß geschnitten.

Mit dieser seiner Unart, das war mir klar, würde es mein Gleichalter Ego nicht leicht haben. Nicht mal in der CDU. Wenn sogar die FAZ monierte, Mappus stehe unverhohlen für »das Breitbeinige, Kaltschnäuzige, Schwulenfeindliche. Den Christopher Street Day findet Mappus ›abstoßend‹, das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare gefährlich« – und schlußfolgert, der Pfundskerl aus Pforzheim wirke »wie eine Inkarnation des verdrängten, bösen Unterbewußtseins dieser Partei«, dann stand es nicht gut um Stefan. Er tat mir irgendwie leid. Ich mußte ihm helfen.

Gut, natürlich finde auch ich den Christopher Street Day abstoßend, diesen nervtötenden Lärm- und Müllproduktionsauflauf mit aufgesetzter, spießiger Homofolklore. Ich bin ja auch nicht schwul. Aber noch mehr als den CSD hasse ich Schwulenhasser. Weil diese Haltung so dämlich, so überflüssig ist. Eigentlich sollte man nur noch Schwulenhasser zum CSD schicken, um sie mal so richtig zu ärgern.

Mit seiner Position hatte sich Stefan jedenfalls ins Abseits begeben. Bestimmt kannte er gar keine Homos. Das war sein Problem. Wenn er erst mal einen guten Homofreund hatte, würden sich seine Verkrampfungen bestimmt schnell lösen.

Ich schaute mir Stefans Facebook-Seite an und wollte was Tröstendes an seine Pinnwand schreiben. Ging aber nicht, weil ich gar keinen Facebook-Account hatte. Also erfand ich einen netten, harmlosen Homofreund für Stefan Mappus. Ich wählte einen Namen, den es im Internet noch nicht gab – Peter Uhnemann – und meldete ihn bei Facebook an. Um Peter ein Face zu booken, gab ich bei der Google-Bildersuche den Begriff »nerd« ein und schnitt das erstbeste Gesicht aus. Peters Geburtsdatum war natürlich der 17. 5., und seine Maxime erschütternd langweilig: »Ich lerne gerne interessante Menschen kennen.« Um noch mehr Mitleid zu erregen, siedelte ich ihn im Osten an, in Gera, und machte ihn 23 Jahre alt.

Um glaubwürdig und echt zu sein, mußte Peter ein paar Freunde haben. Wo kriegte ich die jetzt her? Gut, mit irgendeinem muß man ja mal anfangen. Ich wählte Thorsten Schäfergümbel, die Hoffnung der Hessen-SPD. Klar, daß ein solcher Mann dringend Freunde braucht. Schon am nächsten Tag bestätigt Schäfergümbel meine Freundschaftsanfrage. Hurra, mein erster Facebook-Freund!

Das gefällt mir. Ich klicke ein wenig herum, und schon dreißig Minuten später habe ich drei weitere Freunde: Melanie Nelles, Fabian Löffler und »Schlagersängerin Jasmin«. Ich kenne diese Leute nicht. Obwohl man eine Frau mit einem derart betörenden Namen wie »Schlagersängerin Jasmin« durchaus kennen sollte: Ihr neuer Song »Herzen haben Flügel« ist »JETZT ENDLICH« online, teilt sie mir mit, und ihren Fotos entnehme ich, daß sie 2006 mal im Big Brother-Container eingeknastet war und sich danach die Brüste hat aufpumpen lassen. Mein nächster Freund heißt Steffen und stellt sich gleich vor: »Hallo mein Name ist Steffen Osten der seriöse Inkassokontakt im Internet. :-) Mein Ziel ist es, bei Außenständen zu helfen und vor dubiosen Unternehmen zu warnen!« Und da! Eine Nachricht von meinem Freund Schäfergümbel: »Feierabend! Allen einen schoenen Abend!« Wahnsinn! Dieser Mann ist echt, so was kann man nicht erfinden.

Anderntags wollen schon vier Menschen meine Freunde sein: Holger, Mechthild, Michael und Sabine. Wahrscheinlich, weil wir schon vier gemeinsame Freunde haben. Wir sind eine Superclique aus Schlagersängern, Finanzdienstleistern, Politikern und Inkassobeauftragten. Der Auswurf der Menschheit, und Peter mittenmang. Mechthild ist in der SPD und hat es geschafft, nicht weniger als 280 Fotos von sich selbst ins Netz zu stellen. Zum Glück ist sie auf allen angezogen. Sabine ist, wie auch meine Freundin Jasmin, Schlagersängerin, sie hat gerade das Lied »Ein bißchen Sonne fürs Herz« aufgenommen. Das finde ich super, und noch besser finde ich, daß man Sabine »anstupsen« kann. Ich drücke den Button »Sabine anstupsen«. Die Meldung »Du hast Sabine angestupst« erscheint, aber nichts passiert. Ich stupse noch mal nach. »Sabine hat deinen letzten Anstupser noch nicht erhalten. Sie bekommt ihn, sobald sie sich das nächste Mal anmeldet.«

So klicke ich mich durch die Freundeslisten von Leuten, die ich nicht kenne. Jetzt will ich raus aus dem deutschen Muff – Facebook ist doch das Freundschaftsfenster zur Welt! Ich denke mir einfach einen finnischen Namen aus: Mätti Hääkäänen – sofort werden mir Facebooker vorgeschlagen, die so ähnlich heißen. Ich haue sie an und schicke wahllose Freundschaftsanfragen hinaus, ich frage irgendwelche Vietnamesen, Finnen und Amis. Durch meine neue Freundin Marshay, eine korpulente Schwarze aus Chicago, gerate ich in einen Freundeskreis von weiteren dicken, schwarzen Frauen, der sofort lawinenhaft über mich hinwegwalzt. Nach wenigen Stunden bin ich schon mit elf dicken Negerinnen befreundet – am Vortag kannte ich noch keine einzige.

Einen weißen Jungen nehme ich auch noch mit: Brandon aus New York. Sekunden nachdem ich ihn um seine Freundschaft angehauen habe, bestätigt er diese, dann macht es »Klack« und ein Chat-Fenster geht auf. Man kann auch chatten! Wußte ich gar nicht. Brandon schreibt: »Who r u« – und eine Minute später: »Who the fuck r u?« Wenn ich das nur wüßte. Ich schreibe: »I’m Peter from Germany. I wanna be ur friend!« Ich habe nie wieder was von meinem Freund Brandon gehört.

Da man Wiglaf Droste keine Freundschaftsanfragen schicken kann, nehme ich den ähnlich lautenden Wiglaf Dose, der außerdem mit einem beeindruckenden Muskelprotzbild für sich wirbt (Geburtsdatum 11.11.1911). Er wird mein Freund und fragt im Gegenzug, wen ich ihm aus dem Reservoir der eigenen Freunde als Freund anbieten würde. Ich schlage ihm wahllos einige meiner Freunde vor, die ich überhaupt nicht kenne. Eine sehr gute Funktion!

Ich merke, wie ich allmählich facebooksüchtig werde. Mehr und mehr Stunden verbringe ich vor der Maske mit dem blauen F. Jeden Morgen beim Hochfahren des Rechners fiebere ich mit, ob es dieser dämlich grinsende Nerd wieder geschafft hat, neue Freunde zu finden. Ich muß Gas geben, Lady Gaga hat, nach einem tagelangen Kopf-an-Kopf-Rennen mit Barack Obama, als erste lebende Person mehr als zehn Millionen Freunde bei Facebook. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Doch ich bin fest entschlossen.

Als ich gerade eine Anfrage an Paris Hilton schreibe, erscheint eine

Warnung!

Dein Verhalten könnte von anderen Nutzern als lästig oder beleidigend empfunden werden! Die Systeme von Facebook haben festgestellt, daß du beim Hinzufügen von Freunden zu schnell vorgegangen bist. Du mußt deutlich langsamer handeln. Weiterer Mißbrauch der Funktionen der Seite kann zu einer zeitweisen Blockierung oder dauerhaften Sperrung deines Kontos führen.

Pff, dann mach ich eben langsamer. Es sind sowieso nicht alle kontaktfreudig. Fast schon pampig teilt die Internet-Publizistin Kathrin Passig auf ihrer FB-Seite mit: »Ich befacebookfreunde mich nur mit Menschen, die ich a) kenne und b) wiedererkennen kann. Bitte nicht persönlich nehmen, wenn es bis dahin manchmal etwas länger dauert.« Meine erste Freundschaftsanfrage wird nicht beantwortet. Ein paar Wochen später riskiere ich’s noch mal – und bin plötzlich ihr Freund. Sie hat mich wiedererkannt!

Als Peter Uhnemann frage ich auch etliche meiner echten Freunde. Viele, ja sehr viele akzeptieren die Freundschaftsanfrage sofort. Ich verliere ein wenig den Respekt vor ihnen. Soll ich meine echten Freundschaften jetzt aufkündigen? Offenbar ist denen ja jeder recht.

»Schreib etwas über dich!« bittet mich Facebook, damit meine neuen Freunde mehr über mich erfahren können. Kein Problem. Ich poste meine erste Mitteilung: »Jetzt ist es aber schon sehr spät, ich muß ins Bett.« Keine Reaktion, keiner drückt den »Gefällt mir«-Button. Na gut, ich kann auch anders: »Ich habe gerade ein sehr leckeres Glas Mineralwasser getrunken, um mich vor Austrocknung zu schützen.« Marshay aus Chicago reagiert sofort: »Say that again!« Na also. Es folgen weitere pikante News aus Peter Uhnemanns Leben, z. B. »Ich weiß noch nicht genau, was ich an Pfingsten mache!« Oder: »War heute mit meinen Eltern bei IKEA. Köttbullar sind echt voll lecker!« Und schließlich: »Habe gestern bei meinem Freund Detlef übernachtet. Zum ›Schlafen‹ sind wir gar nicht gekommen, hihi.«

Damit war die Basis für einen seriösen Account gelegt, jetzt kam Teil zwei meines Plans: Ich fing an, Ministerpräsidenten zu sammeln. Wenn ich im Kreise von befreundeten Länderchefs agierte, würde meine Freundschaftsanfrage an Stefan Mappus wie selbstverständlich, ja folgerichtig wirken.

Bei Horst Seehofer und Klaus Wowi konnte man nur »Gefällt mir« machen, doch Kurt Beck, der Bodenständige, antwortete schon am nächsten Tag und machte mich zu seinem Freund. Ebenso Hannelore Kraft. Dann machte ich Stefan Mappus ein Freundschaftsangebot, das er nicht ausschlagen konnte – und so geschah es: Stefan Mappus und der kleine Peter Uhnemann aus Gera waren Freunde.

Obwohl es mir schwerfiel, stupste ich Mappus erst mal freundschaftlich an.

»Du hast Stefan Mappus angestupst«, meldete Facebook. Klang eklig, aber auch irgendwie interessant. Wenn er jetzt zurückstupste und mein Profil anschaute, würde er staunen. Ich habe viele neue »Gefällt mir«-Einträge: »Peter Uhnemann gefällt Klaus Wowereit, Rosa von Praunheim, Volker Beck, Ole von Beust, Patrick Lindner, Guido Westerwelle, Jürgen Marcus, Rex Gildo, Jogi Löw, George Clooney.« Das war ja wohl eindeutig.

Am nächsten Tag ist der 17. Mai, Peters Geburtstag. Jede Menge dicke schwarze Damen gratulieren herzlich – ich bin beschämt. Und ein wenig enttäuscht, weil Stefan noch nicht zurückgestupst hat. Ich stupse ihn noch mal an.

»Stefan hat deinen letzten Anstupser noch nicht erhalten. Er bekommt ihn, sobald er sich das nächste Mal anmeldet.« Dann wird er auch lesen, was ich ihm an die Pinnwand geschrieben habe: »Hallo Stefan, hab in der Zeitung gelesen, daß du ein Schwulenhasser seist und den CSD ›abstoßend‹ findest – stimmt das? Kann ich ja gar nicht glauben…« Doch Stefan tut so, als habe er es nicht gelesen.

Als Ende Mai überraschend die Bundesnull Horst »Horschti« Köhler zurücktritt, schreibe ich an Stefans Pinnwand: »In dieser jetzigen Krisensituation, Stefan, solltest du die CDU auch für warme Wählerschichten öffnen und im Juli beim CSD in Stuttgart sprechen!« Ein anderer Mappusfreund namens Dominik Reual kommentiert meinen Eintrag: »Sonst hast du aber nichts zu tun? Geh arbeiten und schreib net son Schmarn hier hin!« Weshalb ich am nächsten Tag an Stefans Wand pinne: »Jetzt soll der Wulff Bundespräser werden. Er ist ja ganz süß, aber ich steh mehr auf Dicke, so wie den Stefan.«

Der reagiert noch einigermaßen gelassen, ja gar nicht. Am nächsten Tag pinne ich weiter: »Huhu, Stefan, sag mal, bist du wirklich aus Pforzheim? Nee, also echt jetzt: Pforzheim, hihihi.« Das wird Dominik Reual zu viel, er poltert los: »Sag mal, hast net kapiert. Laß den Scheiß und geh endlich was arbeiten.«

Als ich am nächsten Tag wieder an Stefans Pinnwand schreiben will, habe ich keinen Zugriff mehr. Aus meinem Freunde-Portfolio ist er verschwunden. Mein Freund Stefan hat mich einfach gekickt!

Vielleicht ja nur aus Versehen, hoffe ich, und schicke ihm sofort eine Freundschaftsanfrage – dann geht plötzlich gar nichts mehr. Ich bin blockiert! Ein Fenster geht auf:

Blockiert!

Du wurdest vom Hinzufügen von Freunden blockiert, weil du diese Funktion wiederholt mißbraucht hast. Diese Blockierung kann von ein paar Stunden bis hin zu ein paar Tagen andauern. Bitte sei vorsichtig, wenn du diese Funktion wieder verwenden kannst. Der Versuch, diese Funktion während der Blockierung zu verwenden, kann zur Verlängerung der Blockierung führen.

Wir können diese Blockierung nicht aufheben. Sei daher bitte geduldig und verwende diese Funktion für ein paar Tage nicht, bis die Blockierung beseitigt wurde.

Wenn du diese Funktion wieder verwenden darfst, mußt du dieses Verhalten deutlich verringern oder es gänzlich einstellen. Fortwährender Missbrauch der Funktionen der Seite kann zur zusätzlichen Blockierung oder dauerhaften Sperrung deines Kontos führen.

Leider kann dir Facebook keine genauen Informationen zu den geltenden Grenzwerten mitteilen. Der Grenzwert, bei dem du gewarnt wirst, ist keine konkrete Zahl, sondern wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Dazu zählen Geschwindigkeit, Zeit und Häufigkeit.

Was sollte ich jetzt tun? Den Account bei Ebay einstellen und verkaufen? 50 Freunde kosten bei Ebay 6,99 Euro mit der Sofort-kaufen-Funktion (»Natürlich handelt es sich um deutsche Freunde. Auf Wunsch sind auch andere Nationen möglich. Sie können auch gerne mehrere Angebote buchen, und so Ihre Freundeanzahl erhöhen. Stellen Sie sich vor, Sie haben über 1.000 Freunde!!!«).

Doch ohne meinen Freund Stefan verlor ich irgendwie das Interesse an Facebook. Und ohne seinen Freund Peter Uhnemann war der Abstieg des Stefan Mappus sicher.

So kam, was kam, was kommen mußte: Die Homos tanzten frech auf Stuttgarts frisch gekehrten Straßen, am Horizont zog das Langzeittief »Stuttgart 21« auf, die grünen Ritter des Todes machten sich bereit, Bagger schlugen, Bäume ächzten, Wasserwerfer wuschen Blut von den Straßen, die Erde bebte, Fukushima ging hoch, der Altmeiler Brüderle geriet außer Kontrolle, das Undenkbare geschah – und Stefan hatte weder Freunde noch Wähler. Schluß nach 58 Jahren CDU.

Einige Tage nach dem Wahldebakel – ich hatte ihn schon fast ein bißchen vergessen – kam, wie aus dem Nichts, ein Facebook-Hinweis. Aus der Heimat: »Stefan Mappus hat deine Freundschaftsanfrage bestätigt.«

Nach all den Monaten! Und noch bevor ich mich fragen konnte, ob ich ihm das nach seinem Verrat noch verzeihen sollte, kam schon die nächste Botschaft: »Stefan Mappus hat dich zu der Gruppe ›Wir halten zu Karl-Theodor zu Guttenberg‹ hinzugefügt.«

Nein, das war zuviel, jetzt war das Ende der Freundesstange erreicht. Ich tat, was ich noch nie auf Facebook gemacht hatte: Ich kündigte die Freundschaft. Ich kickte meinen Freund Stefan Mappus. Ich mach doch nicht jeden Scheiß mit.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Als Sie, Tom Bartels,

Als Sie, Tom Bartels,

im Rahmen der Übertragung des Fußballspiels Mönchengladbach gegen Dortmund an den noch nicht lange zurückliegenden Winter erinnerten und die Worte aussprachen: »Witterungsbedingt lag auch hier Schnee«, haben wir diese Aussage zunächst reflexhaft als Bartels-gängiges gedankenloses Wortgestöber beiseitegefegt, dann aber, bei vorurteilsfreiem Nachdenken, erkannt, dass Sie natürlich nachgedacht hatten: Schließlich ist es angesichts von Kunstschnee, Kunsteis, Kunstrasen und anderen Erscheinungen des künstlichen Gegenwartssports durchaus richtig, dem Publikum zu erklären, dieses Mal habe es ausnahmsweise witterungsbedingt geschneit. Schnee von gestern? Na dann.

Guten Rutsch: Titanic

 Kurze Frage, »Taz«!

»Als er im Juli 2014 ankommt, spricht der Syrer Tarek Saad kaum Deutsch«, lesen wir in Deiner Online-Ausgabe. Und weiter: »Heute ist er deutscher Staatsangehöriger und überzeugter Sozialdemokrat.«

Sollte man, Taz, nicht vielleicht auch mal über Beispiele geglückter statt immer nur missglückter Integrationsbemühungen berichten?

Nur soʼn Gedanke von Titanic

 Aber, »Bild«,

wo bleibt denn Deine Liebe zum blutrünstigen Detail? Bei Deiner Schlagzeile »Deutsche Fleischindustrie hackt auf Bill Gates rum«: da will man doch wissen, was schließlich draus geworden ist! Koteletts? Nackensteaks? Halb und halb?

Leg Dich gehackt! Titanic

 Je nun, Markus Feldenkirchen (»Spiegel«),

in einem als »Kolumne« bezeichneten Beitrag versichern Sie, dass Sie in den Siebzigerjahren »größtenteils noch nicht geboren« gewesen seien. Wir drücken Ihnen die Daumen, dass es Ihr Kopf wenigstens noch im Laufe unseres Jahrzehnts auf die Welt schafft.

Mit Mitgefühl für Ihre Mutter: Titanic

 Sie hingegen, Thomas de Maizière,

haben der FAS ein sehr, sehr langes Interview gegeben. Zusammen mit einem alten Spezi aus der Wirtschaft (»mächtigster Aufsichtsrat der Republik«) bramarbasierten Sie über »kluge Führung und die Einsamkeit der Macht«.

Erwartbar bullshittig ging es um »Teamfähigkeit«, »flache Hierarchien« und »sein volles Potential« nutzen. Aber auch darum, »sich nicht zu wichtig zu nehmen«, um »Selbstreflexion« und ein beachtliches »Der Chef ist immer der Chef. Da beißt die Maus keinen Faden ab« aus Ihrem Munde.

Die interessantesten Sätze in diesem mit interessanten Sätzen wahrlich nicht gesegneten Gespräch waren die, als Sie zu selbstreflexiver Hochform aufliefen. Bei der Frage nach Auswahlmechanismen für höhere Ämter fiel Ihnen ein: »Es kommt auf die Konstellation an: Man muss im richtigen Moment verfügbar sein, aus dem richtigen Landesverband kommen, die richtige Härte haben, die eigene Partei muss obendrein in einer Koalition das passende Ressort ergattern. Andererseits wird kein kluger Kanzler, keine kluge Kanzlerin irgendeinen Esel zum Minister machen.«

Sind Sie sich da ganz sicher?! Und warum ist Ihnen das gleich dreimal passiert?

In jeder Hinsicht ministrabel: Team Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Bleaching Lounge

Professionelle Zahnreinigung frischt nebenbei auch das Gehirn auf. Durchhängende lange Leitungen straffen sich durch die Vibrationen, Kratzgeräusche schleifen die Synapsen blank. Ich kann anschließend schwierige mathematische Aufgaben lösen, Quittungen den Kontoauszügen zuordnen etc. Deshalb erwäge ich, mir ein kleines Dentallabor mit verstellbarem Sessel und einigen Geräten anzuschaffen, inklusive automatischem Desinfektionmittelzerstäuber. Dorthin begebe ich mich morgens nach dem Kaffee etwa für fünfzehn Minuten und lasse die Geräte walten. Danach bewältige ich den Alltag mit Verve. Ich denke, nach einem Jahr dürfte ich die Investition wieder raushaben.

Miriam Wurster

 Gebongt

Mein Plan ist es, einen Roman zu schreiben, den man auch mit Kassenbons nachstellen könnte. Inspiriert wurde ich von meinem letzten Einkauf, und der Anfang steht auch schon:

Hass
DuDa
Gemüse-Auf
Dent
Ohren-?

Nun brüte ich zwischen Avocados und Ohrstöpseln nach Dusch-Das duftend bei einem Gemüse-Auflauf über dem zweiten Satz. Fortsetzung folgt nach dem Zähneputzen!

Tina (Arno Schmidt) Manske

 Klar getrennt

Anlässlich einer kulinarischen Facebook-Debatte über sog. »Weiße Nieren« bzw. »Prairie Oysters« bemerkt: Stierhoden, die es auf den Teller geschafft haben, sind nicht nur keineswegs »Innereien« – denk mal nach, Wikipedia! –, der Begriff ist insgesamt irreführend. »Ochsenhoden« muss es heißen. Ausnahme: Es hängt beim Essen noch der Stier dran.

Michael Ziegelwagner

 Es war nicht alles gut

Als kleine Gruppe Enddreißiger mit DDR-Hintergrund diskutierten wir über die im Vergleich zu heute wahnwitzig scheinende Sorglosigkeit, mit der Eltern in dem untergegangenen Staat ihre Kinder großzogen. Beispielsweise sei es völlig normal gewesen, dass unsere Mütter, wenn sie kurz in die Fleischerei gingen, uns Babys samt Kinderwagen unbeaufsichtigt vor dem Laden stehen ließen – und hat’s uns geschadet?! Nun gut, wandte jemand in der Runde ein, er erinnere sich an die Geschichte eines bei solcher Gelegenheit gekidnappten Säuglings; worauf eine Freundin erzählte, dass auch sie und ihr Zwillingsbruder einmal Opfer einer versuchten Entführung geworden seien und die verwirrte Täterin erst Hunderte Meter vom Geschäft entfernt aufgegriffen wurde. Nach kurzem Schweigen waren wir uns dann aber doch einig, dass man es mit dem ständigen Behüten auch übertreiben könne!

Torsten Gaitzsch

 Die Zukunft der Arbeit

In der Schlange beim Bäcker schweifen die Augen zum lauten Schild: »Unser Service! Wir schneiden Ihr Brot für Sie!« In der Trägheit der verwarteten Zeit zerstreute Anagrammarbeit: Wir schneiden Sie für Ihr Brot – albern. Allerdings: Ihr Service für uns! Sie schneiden unser Brot – das wird noch kommen, auf jeden Fall.

Nis Jasper Nicolaisen

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURStephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EUROliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 29.03.:

    Das Neue Deutschland befragt Ella Carina Werner u.a. zu ihrer neuen TITANIC-Kolumne.

  • 24.03.:

    Christian Y. Schmidt erinnert in Junge Welt an Hans Kantereit.

  • 08.03.:

    Die Frankfurter Rundschau hat in Frankfurt eine Open-Air-Performance der "Volksbühne Berlin" gesehen – alle Details zur Theater-Kooperation mit TITANIC in der bald erscheinenden Aprilausgabe.

     

  • 25.02.:

    Die Junge Welt bespricht Christian Y. Schmidts "Corona Updates Bejing".

  • 23.02.:

    Spiegel und Faz berichten über das Comeback von TITANIC im Google Play Store. Mit netzpolitik.org hat Moritz Hürtgen darüber gesprochen.

Titanic unterwegs
21.04.2021 Köln, Gloria Theater Max Goldt
23.04.2021 Hannover, Pavillon Max Goldt
24.04.2021 Leer, Kulturspeicher Max Goldt
25.04.2021 Norden, VHS Max Goldt