Inhalt der Printausgabe

Der Schöne und das Biest

Wieder konkurrieren Gesine Schwan und Horst Köhler um das Amt des Bundespräsidenten. Wie oft denn noch, fragen viele. Zwei Charakterstudien

 

Klingt es nicht wie eine Erzählung aus Grimms Märchen? Im Jahr 2008 hat ein junger Schwarzer die einzigartige Chance, Präsident zu werden. Horst Köhler, ein Mann mit einer Seele so schwarz wie Kohlenstaub, hat das Rennen praktisch schon für sich entschieden. Er sieht irre gut aus, hat irre viel drauf und ist irre im Kopf drin; er hat noch seine eigenen Zähne, Beliebtheitswerte wie sonst nur Hitler und eine Frau, die ebenfalls Eva heißt. Eigentlich hätte die Große Koalition diesen Zampano, Cipolla und Zarastro einfach durchwinken und dann zur Tagesordnung übergehen sollen – so hatte es das Monopolkapital in einer nichtöffentlichen Sitzung beschlossen. Doch dann kam alles ganz anders. Bzw. genauso wie vor vier Jahren, als eine schon damals chancenlose Gesine Schwan aufs politische Parkett flatterte. Plötzlich herrscht Wahlkampfstimmung, wieder ringen zwei Kandidaten gleichberechtigt um das höchste Staatsamt. Einer wird gewinnen, die andere verlieren. Der uralte Kampf: Gut gegen Böse, Mann gegen Frau, Schön gegen Häßlich, Dämon kontra Teufelin.

Schwer zu sagen, welcher der beiden aufgeblähten PR-Popanze das Rennen machen wird. Zu ähnlich sind sich Köhler und Schwan. Beide sind Wissenschaftler, beide sind jeweils genau 65 Jahre alt, beide sind politische Nullen und wären daher auch für SPD-Wähler wählbar. Gemeinsam haben sie auch den Vorteil, eigentlich schon Präsident zu sein: Köhler von Deutschland, Schwan von ihrer eigenen doofen Zonen-Uni.
Beide stehen abseits des Parteiengezänks, waren schon immer Außenseiter: Schwan, weil sie so aussieht, Köhler, weil er so unbequem ist. Dieser aufgepeitschte Tausendsassa mit Feuer unterm Hintern und Hummeln in den Eiern hat das Amt des Präsidenten neu definiert: durch unbequeme Fragen, aufsässige Entscheidungen und lästiges Gequatsche. Köhler wollte Stachel sein im Fleisch der Parteiendemokratie, Niespulver im Schnupftabak des politischen Konsenses, blutbeschmierter Widerhaken im Hals des zappelnden Buntbarschs BRD – und es gelang ihm.

Was er sich selbst abverlangt, fordert er auch von anderen. Michael Schumacher etwa verweigerte er das Bundesverdienstkreuz. Begründung: nicht unbequem genug! Einfach so im Kreis fahren, immer den anderen hinterher, immer in dieselbe Richtung! Statt gegen den Strom zu schwimmen, quer zum Alltagsbetrieb zu stehen, einmal innezuhalten im Getöse – oder aber mitten rein in die Balustrade, ein bißchen Dynamik erzeugen in der trägen Masse der apathisch herumhockenden Zuschauer. Köhler ist ein Getriebener, ein Flüchtlingskind, und Flucht bestimmt sein Leben: Von einer Stadt, von einer Amts-zeit in die nächste, von einer Flucht seines Amtsschlosses in die andere. In der Jugend mußte er auf alles verzichten: Seine erste Cola trank er erst mit 18, seine erste Flasche Nagellackentferner mit Magenschmerzen. Härte gegen sich selbst und gegen andere ist sein Credo. Aus neuen Oberhemden nimmt er die Nadeln nicht raus, er trägt Schuhe, die zwei Nummern zu klein sind, und im Bellevue sitzt er statt auf einem Bürostuhl auf einer Erbse.
Gern flucht das adrette Rumpelstilzchen auch auf die »Monster« der internationalen Finanzmärkte. Monster, die der gelernte Manchesterkapitalist miterschaffen hat, die ihm jetzt aber ebenfalls nicht unbequem, nicht monströs genug sind. Andere Bestien hat der Berserker im Maßanzug bereits erschlagen: So war der Bundestag 2005 für ihn »eine handlungsunfähige radioaktive Amöbe aus dem Weltall, deren Strahlung die Reinheit meiner deutschen Spermien bedroht«. Wenig später hatte Köhler den Bundestag aufgelöst, die Amöbe wurde Bundeskanzlerin. So ist Köhler: zackzack und hinterher rumschreien.

Schwan vs. Köhler: Kampf der Giganten

Es wird das spannendste Wettrennen seit »In 80 Tagen um die Welt«! Zum zweiten Mal fordert die verrückte Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan den amtierenden Bundeskönig Köhler zum Titelkampf heraus. Größtes Problem der beiden: Präsident kann in Deutschland nur werden, wer die Mitglieder der Bundesversammlung für sich einnimmt – ein Gremium, das zur Hälfte aus den Nebenerwerbspolitikern des Bundestags besteht, zur anderen Hälfte aus ehrenamtlichen Waffenlobbyisten und wahllos zusammengekauften C-Promis.

Um diese anspruchsvolle Klientel zu überzeugen, wollen die Kandidaten diesmal einen knallharten Wahlkampf führen, mit Kampagnenzentralen nach amerikanischem Vorbild und Kugelschreibern mit witzigen Sprüchen drauf (»Du kannst mich mal kreuzweise«, »Leg Horst aufs Kreuz!«). Beide sind natürlich auf der Höhe der Zeit und wollen für ihren Wahlkampf die Möglichkeiten des Internets nutzen, Gesine Schwan vor allem Google Earth, Konkurrent Köhler dagegen eher »DasTelefonbuch.de«. Im Zentrum des Wahlkampfs soll allerdings das Image der Kandidaten als Männer bzw. Frauen mit Ecken und Kanten stehen.

Gegen diesen labilen Choleriker, der schon mal mit Briefbeschwerern nach Personal und mit Personal nach Möbeln wirft, fährt Gesine Schwan betont weibliche Tugenden auf. Sie ist die Mäßigende, Ertragende, Leidende, er ist der Rasende, der Verletzende, der Sittenstrolch. Sein Lieblingsinstrument: Standpauke, ihre Lieblingspflanze: Mauerblümchen. Zwei Fliegen, mit einer großen Klappe geschlagen. Beide könnte man sich gut als Anführer einer grotesken Sadomaso-Orgie vorstellen, aber Köhler will auf Teufel komm raus nicht in die SPD eintreten.

Also muß Gesine ran. Einige ihrer Kollegen nennen sie ein sympathisches Eigengewächs, andere ein hartnäckiges Unkraut im verwilderten Garten der Sozialdemokratie. Die Dozentin für Makropolitk und Mikromarxismus hat Wiedergänger-, ja Zombiequalitäten: Köhler kann ihr noch so oft eins auf den Dez geben, sie steht einfach immer wieder auf. Für Unverdrossenheit und Lebensmut ist sie berühmt: Alle ihre Studenten schwär-men davon, wie spaßig die fröhliche Politikwissenschaftlerin trockenen Lehrstoff zu transportieren weiß. Noch heute lacht man über ihr Seminar zur »Verelendung des Industrieproletariats im 19. Jahrhundert« im SS 06, eine Riesengaudi ihr Tutorium: »Meine Präsidentschaftskandidaturen 2004ff.«

Politik liegt ihr einfach im Blut, sie hat sie mit der Muttermilch eingesogen und seither nie richtig verdaut. Schon als junge Studentin nahm sie sich Lech Walesa zum Vorbild, wollte unbedingt so werden wie der antikommunistische Bauerntrampel: dick, besoffen und doof wie ein Mops im Haberstroh. Sie hat den Seeheimer Kreis mitgegründet – obwohl sie ihn gerne »Arbeitskreis Schwanensee« genannt hätte. Heute geht es ihr nicht zuletzt darum, das Programm der SPD theoretisch abzusichern – jetzt, da es praktisch schon verspielt ist. In ihrem autobiographischen Buch »Warum tötest du, Gesine?« hat sie drei zentrale politische Anliegen formuliert: Strukturschwache Regionen zerschmettern, Migrantenkinder zu Politikprofessorinnen ausbilden und die parlamentarische Demokratie in einen neuen Weltkrieg stürzen. »Sozialdemokraten kommt es auf jede einzelne Person an, denn jeder Mensch ist anders zu täuschen«, lachte Schwan in einem Kommentar für den Daily Bugle. Moralpredigten liebt sie nicht, geht aber trotzdem jeden Sonntag in die Kirche (katholisch). Wenn die Predigt anfängt, holt sie dann einfach ihren iPod raus, nickt sanft zum Beat von Enya oder Hörbüchern. 

Neben der Moral ist ihr anderes großes Hobby das Lachen. Es gibt kein Foto, auf dem man die fidele Mittneunzigerin nicht wild auflachen sieht. Freunde bezeichnen sie als den Sonnenschein der Partei: setzt man sich ihr ungeschützt aus, bekommt man Krebs. Durchaus versteht sie auch Spaß und Spott auf eigene Kosten. »Machen Sie ruhig Witze über meine komische Frisur«, lachte sie neulich in einem Spiegel-Interview, »und vielleicht auch über die auf meinem Kopf. So wirke ich sympathischer.« Böse Scherze läßt die charamante Endzeitgestalt einfach an ihrem Herzen aus Eis abprallen. Bei ihr ist einfach kein Wässerchen zu trüben – wenn sie nicht gerade nackt darin badet.

Denn dem Stern gestand das fröhliche Naturkind diese geheime Leidenschaft: das Nacktbaden. Gleich ob im Wannsee, in der Menge oder im Badezimmer – diesen frechen Spaß läßt sie sich von niemandem verbieten, da sind sie und ihr Mann Peter Eigen eigen. Ihr Wappen- und Namenstier, der Schwan, teilt viele ihrer Eigenschaften: das Planschen in öffentlichen Gewässern, die seltsam verformte Halspartie und die Eigenschaft, nach jedem kleinen Brotkrümel zu schnappen. »Natürlich habe ich nicht die geringste Chance«, lacht die knuffige Schreckschraube mit dem Herzen aus Zahngold, »aber für ein bißchen Medienaufmerksamkeit muß man heute eben Federn lassen.«
Die Vorzüge, die ihr Amt als Chefin der einzigen deutschen Osteuropa-Universität mit sich bringt, weiß sie zu schätzen: Jeden Montag steht auf ihrem Parkplatz ein neuer Dienstwagen – gestiftet von dankbaren Polen. »Die können auch anders«, lacht sie dann. Sie ist für Polen, was Köhler für Afrika ist: ein Engel, den der Himmel schickte, bzw. ein unbestellter Bescheidwisser ohne Geld. Die intime Kenntnis des freudlosen Nachbarlandes wird ihr im Wahlkampf zugute kommen: Denn auch der Pole Horst Köhler, geboren in Skierbieszów, fällt in ihr Ressort: »Ich weiß, wie der tickt. Nicht ganz richtig.«
Den Kampf gegen ihn führt sie mit klaren Worten. »Ich werde mich nicht konkret über die Amtsführung von Horst Köhler äußern«, bemerkte sie spitz im Spiegel-Interview. Vergleiche der Finanzmärkte mit »Monstern« lehnte sie energisch ab: »Monster machen mir Angst, sie erinnern mich an eine Gespensterbahn«, sagte sie im selben Interview. Da hält sie sich lieber die Augen zu oder schleckt Zuckerwatte. Doch eine Geisterbahnfahrt wird auch der Wahlprozeß selber. Schwan kündigte an, sie wolle »Stimmen aus allen Parteien werben, aus allen«. NPD, DVU und Autofahrerpartei sind leider noch nicht in der Bundesversammlung vertreten, bedankten sich aber schon mal für die »schöne Geste«. Zuletzt kündigte sie an, auch auf CDU/CSU zugehen zu wollen: den Christdemokraten fühle sie sich unter anderem ihrer religiösen Werte wegen nahe. So ist Schwan: allen Werten gleichermaßen aufgeschlossen. Gleich ob religiöse, liberale, grüne, rote, braune, Leber- oder Börsenwerte – aber Werte müssen es sein! Wertlosigkeit ist für Schwan ohne Wert.

Dem schnellen Flug ins Präsidentenamt steht Schwan nur eins im Wege: die Linkspartei. Von ihr wird entscheidend abhängen, ob es dem häßlichen Entlein Schwan gelingen wird, sich zum stolzen häßlichen Schwänlein (Ente) zu wandeln. Denn ohne die Stimmen der Kommunisten wird es nicht gehen. Sich von den Linken abgrenzen und zugleich um ihre Gunst werben; in der Bundesversammlung Hü rufen, im Bundestag Hotpants tragen – das wäre ein Drahtseilakt ohne Netzempfang. Zumal Lafontaine bereits angekündigt hat, Schwan könne sich die Präsidentschaft praktisch schon abschminken – ihre Strategie, durch permantes Beschimpfen des Saarländers als »Demagoge«, »Windhund« oder »Inzestmonster« bei der Linkspartei Sympathien einzuwerben, scheint noch nicht aufzugehen. Die geht nämlich lieber eigene Wege. Derzeit ist sie auf der Suche nach einem eigenen Kandidaten, aus dem bürgerlichen Lager, mit Ausstrahlung auch über die Zielgruppe hinaus. Einer hat sich bereits selbst auf die Wunschliste gesetzt: Horst Köhler. Man wünscht ihm Glück.

 

Leo Fischer/Mark-Stefan Tietze

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Susanne Viernickel!

Sie sind Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Leipzig. Die jetzt durchgeführte OECD-Befragung von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung enthält zum ersten Mal internationale Vergleichsdaten zu deren Selbstverständnis und Arbeitsbedingungen.

Im Deutschlandfunk benannten Sie als ein wesentliches Ergebnis der Studie den Fachkräftemangel in Deutschland: »Personal, Personal, Personal.« Und: »Auch Leitungskräfte klagen, denn sie können nicht leiten.« Soweit klar; wenn niemand da ist, der sich führen lässt, können Führungskräfte nicht führen. Aber statt darüber zu klagen, könnten diese beispielsweise vorübergehend aufs Leiten und Führen verzichten und direkt in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung tätig werden. Die Kinder tät’s womöglich freuen.

Tipp von Ihrer Titanic

 Dass Sie, Frau Dr. med. Irene Jung,

als praktische Ärztin im altehrwürdigen Städtchen Detmold neben »Naturheilverfahren« und »ästhetischer Dermatologie« als »besonderen Schwerpunkt« Ihrer Tätigkeitspalette »Altersprävention« anbieten, ist naheliegend, können Sie doch ganz überzeugend mit sich selbst als Vorbild werben: Sie zumindest bleiben ja forever Jung.

Kalauert heute etwas altbacken: Titanic

 Mary Trump!

Mary Trump!

Sie sind die Nichte des amtierenden US-Präsidenten und haben ein Enthüllungsbuch veröffentlicht, das wir aus Sorge um unser Seelenheil leider nicht lesen können. Trotzdem nett, von Ihrer Existenz erfahren zu haben. Und die nächsten beiden Bücher über Onkel Donald schreiben dann Ihre Schwestern Miry und Mury, ja?

Quak-quak! Titanic

 Philipp Amthor!

Um weiter an Ihrem konservativen Profil zu feilen, machten Sie – wie einfallsreich! – einen Jagdschein und ließen es sich nicht nehmen, sich auf der Jagd vom »Spiegel« begleiten zu lassen: »Wenn Philipp Amthor über die Jagd redet, spricht er gern in Jägerdeutsch.« Was unter anderem so klingt: »Natürlich ist .300 Winchester Magnum jagdlich ein relativ großes Kaliber.« Oder: »Ein Maisfeld, sagt Amthor, sei für einen Jungjäger keine einfache jagdliche Situation.« Einmal klagen Sie über das Fehlen von »jagdbarem Wild« und bezeichnen irgendeinen Stephan als Ihren »jagdlichen Mentor«.

Täuscht das, oder besteht Ihr Jägerdeutsch vor allem im Voranstellen des Wortes »jagdlich«?

Und wie kann es sein, dass ein ach so gewiefter Jägerjunge einen solchen Bock schießt wie Sie mit Ihrer Affäre um Augustus Intelligence? Ach, das Wortspiel machten Sie im Interview selbst? Dann lassen wir Sie dieses Mal noch davonkommen!

Bleibt Ihnen satirlich auf den Hufen: Titanic

 »Soester Anzeiger«!

Wenn es laut Ausgabe vom 3.7. in Deinem Wirtschafts-Ressort heißt: »Edeka schluckt Netto komplett«, hätte es dann nicht genügt, der Einfachheit halber zu titeln: »Edeka schluckt Brutto«?

Fragen die Betriebswirtschaftsgelehrten von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Körpereigene Alarmanlage

Mittlerweile gibt es ja allerhand Smartwatches und Apps zur Überwachung und Optimierung des Schlafes auf dem Markt. Dass aber auch die natürliche Schlafregulation ganz gut funktioniert, merkt man, wenn man nach versehentlichem Wegdösen am Nachmittag vom eigenen Schnarchen prompt wieder geweckt wird.

Julia Mateus

 Beauty-Tipp

Jüngst wollte ich Wimperntusche im Schönheitssalon kaufen. Die Visagistin nahm sich viel Zeit, empfahl ein gutes Produkt, auch noch den passenden Lidschatten dazu und fragte dann: »Kennen Sie weißen Kajal? Nein? Probieren Sie den doch mal am unteren Lidrand.« Ich machte den Versuch, fand das Ergebnis aber irgendwie sonderbar: Der Blick wirkte starr, glubschig-wässrig, die Tränensäcke schwollen an, wurden durch breite Schattenringe untermalt, und als die Kosmetikerin erläuterte: »Horst Tappert, Sie wissen schon, der Derrick, der schwor auf weißen Kajal. Niemals stellte er sich ohne weißen Unterlidstrich vor die Kamera«, entschloss ich mich, fürs erste auf diesen Stift zu verzichten.

Miriam Wurster

 Fahrt in den Urlaub

Wer schon mal auf der Autoroute unterwegs war, dem ist es bestimmt aufgefallen: In Frankreich und nur in Frankreich überholt man alle paar Kilometer ein einsam auf der rechten Spur vor sich hin blinkendes Auto. Wo ist man mit seinen Gedanken, fragen wir Deutschen uns da entzückt, wenn man nach dem Spurwechsel nicht nur vergisst, den Blinker auszuschalten, sondern es sogar schafft, sein enervierendes Klacken dauerhaft aus der Wahrnehmung zu verdrängen? In jedem Fall nicht auf der Straße, das verdient schon mal Bewunderung. Vielleicht sogar überhaupt nicht unterwegs, sondern auf Seite 93 der buchstäblich fesselnden Ménage-à-trois, die zu Hause aufgeschlagen vor dem Kamin liegt und sich bereits darauf freut, am Abend wieder einen Tropfen Chardonnay abzubekommen? Oder bei den zwei kleinen Töchtern und ihrer bezaubernden Mutter, von der man in genau diesem Moment angerufen wird, aber nur, weil sie sich am Piano auf das Telefon gesetzt hat und einem jetzt unbemerkt ein Ständchen spielt? Es wird wohl immer ein süßes Geheimnis bleiben.

Teja Fischer

 Wo das wahre Outdoor beginnt

Dass du dich in einer echten Wildnis aufhältst, merkst du spätestens dann, wenn du im lichtlosen Gestrüpp stolperst und dir während des Fallens in Sekundenbruchteilen überlegst, ob es sicherer wäre, den Sturz aufzufangen oder die Hände in den Hosentaschen stecken zu lassen. Brennnesseln, Nacktschnecken, Jauchepfützen, das sind alles extrem schwer einzuschätzende Landezonen. Profis fallen übrigens erst gar nicht hin.

Theobald Fuchs

 Ethische Frage

Gesetzt den Fall, der Bandwurm wäre vom Aussterben bedroht –, sollte man ihn dann retten? Und wenn ja: Wer meldet sich freiwillig?

Katharina Greve

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
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Das schreiben die anderen

  • 31.07.:

    Das OX-Fanzine bespricht Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod".

  • 29.07.:

    Oliver Maria Schmitt und Leo Riegel wagen ausgerechnet in der Taz Wirtschaftsprognosen für die Zeit nach dem Wirecard-Skandal.

  • 23.07.:

    Oliver Maria Schmitt spielte Golf mit Nietzsche und Adorno für die FAZ.

  • 07.07.:

    Hans Zippert schreibt in der FAZ über 80 Jahre Ringo Starr.

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    Das Online-Magazin Bookster unterhält sich mit Pit Knorr über sein Alter Ego "Opa Corona".

     

Titanic unterwegs
14.08.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Christian Y. Schmidt
20.08.2020 Düsseldorf, Zakk Paula Irmschler
26.08.2020 Berlin, Pfefferberg Theater Max Goldt
26.08.2020 Hamburg, Kampnagel Paula Irmschler mit Linus Volkmann