Inhalt der Printausgabe

Sie nannten ihn Fotzen-Fritz

Friedrich Merz ist 44, katholisch und der neue Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Elf Monate im Jahr kennt kaum jemand seinen Namen, doch den wird man sich merken müssen. Denn auf Merz ruhen die Hoffnungen der Union. Dort, wo er herkommt, haben sie es immer schon gewußt.

Eine Spurensuche im Sauerland von Stefan Gärtner und Oliver Nagel

Arnsberg. Manchmal muß er zurück in diese Stadt; er wohnt ja da. Dann muß er vorbei am Ehmsen-Denkmal, Forstrat Ehmsen, der 1890 hier den Sauerländischen Gebirgsverein gründete und den sie im Scherz immer noch »Berg-Ehmsen« nennen. Muß vorbei am Sauerlandmuseum, in dem er sich schon als Halbwüchsiger über Nacht einschließen ließ, um in Ruhe die Bundestagsreden von Rainer Barzel auswendig zu lernen. Vorbei am Grünen Turm, der »alten Feme-Gerichtsstätte mit reichsweiter Bedeutung«, wie es im Stadtführer heißt, wo schon Karl der Große sich nie sehen ließ; oder zumindest nur ganz selten. Muß den leise um den industriellen Kern (Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Rüstung) herumflorierenden Dienstleistungssektor wiedersehen und die Straßen, in denen sie früher Bus gefahren sind, ohne Führerschein. Hier in Arnsberg. Arnsberg, Sauerland.

Überall wo er hinkam, roch es schon ziemlich nach Mettwurst.

Links vom Busbahnhof steht die Schule, ein reich verzierter Klinkerbau, der innendrin nach Bohnerwachs riecht, nach Angstschweiß und Hausmeister Wuttke. Auch Friedrich Merz ist mal zur Schule gegangen; da hieß der Hausmeister Fröhn und roch schon vor der kleinen Pause nach Mettwurst mit Zwiebeln. So was prägt.

Als er fünfzehn war, haben sie den hochaufgeschossenen Vorderbänkler dann rausgeschmissen, weil er sich das einseitige Duzen von seiten der Lehrer verbeten hatte. Hausmeister Fröhn erinnert sich. »Wir haben ihn damals Friedrich genannt. Oder auch Fotzen-Fritz. Das kam ganz darauf an.« Worauf? »Na, ob er da war oder nicht!« Friedhelm Merz, ein Mann der Widersprüche, schon damals.

Heute traut sich keiner mehr, ihm zu widersprechen, denn heute ist Merz der Star seiner Partei: »Schnelldenker« (Spiegel), »Jurist« (Spiegel), »Riesensau« (Gala, Bauernmagazin). Er ist der jüngste Fraktionsführer aller Zeiten, der größte Rhetoriker seiner Partei (1,98 Meter) und außerdem erfolgreicher Familiengründer (Frau, Kinder, Wäschetrockner, Oboe).

Stationen einer Bilderbuchkarriere: erste Busfahrt mit sechs, erste Zugfahrt mit vierzehn, erster Geschlechtsverkehr mit dem Nachbarjungen. 1963 versehentlicher Colarausch, danach irgendwie in den Bundestag gewurschtelt. Heute steht der fanatische Fundamentalkatholik für die konservative Erneuerung der CDU: Nein zur doppelten Staatsbürgerschaft, Nein zur Abtreibung, aber unbedingtes Ja zum Ausbau der durchgehenden Autobahn 46 von Hagen über Hemer, Menden, Arnsberg, Meschede und Bestwick bis zum Autobahnkreuz Wünneberg/Haaren. Sein Lieblingsprojekt aber ist die vollständige Unterkellerung des Sauerlandes, außerdem will er bundesweit alle Straßennamen abschaffen und durch ein hochkompliziertes Zahlensystem ersetzen. Mehr Transparenz, das ist auch für Friedrich März oberstes Gebot.

Im »Bella Napoli« in der Arnsberger Altstadt wird der Duft nach Parmesan, Aceto Balsamico und marktfrischem Thymian stimmungsvoll überlagert vom infernalischen Gestank aus der Küche. Pizzabäcker Gino sitzt versonnen in seinem Ristorante und schneidet sich die Fußnägel. Merz ist Stammgast. Allerdings nicht hier, sondern in der »Seerose« in Arnsberg-Oevertrop. »Dat hätt ich mir ja nie träumen lassen, dat aus dem mal wat wird! Wat is denn nun eigentlich aus ihm geworden?« Nachdenklich poliert Seerosenwirt Paul Bökelberg einem Gast die Fresse. Wir berichten kurz. »Von Politik versteh ich nix. Einen Autobahnanschluß brauch ich nicht, und einen Keller hab ich schon. Die da oben machen doch, wat se wollen.« Langsam senkt sich die Abenddämmerung über die brennende Altreifendeponie vor den Fenstern. Amseln krächzen. Die letzten Zecher zahlen.

Zahlen: Finanzexperte Merz kennt sie genau; muß er auch, als Finanzexperte. Zum Beispiel die 11; oder die 55. Kein Zufall, daß sein Geburtstag auch in diesem Jahr wieder auf einen 11.11. fällt. Schon zum 45. Mal hintereinander, ununterbrochen seit 1955, dem Jahr, in dem er geboren wurde. Hinter uns fällt die Tür zu. Arnsberg-Oevertrop geht schlafen. Wir gehen erst mal mit.

Am nächsten Morgen herrscht in Merzens Wahlkreisbüro dicke Luft. Irgend etwas stinkt in Arnsberg/Sauerland. »Das ist nur die brennende Altreifendeponie«, beruhigt uns Frau Plett, Merzens linke Hand, »oder die Küche von Gino. Aber wo die Herren schon mal da sind...« Gemeinsam gehen wir die Post durch, die sich unter einem auf Überlebensgröße hochkopierten Barzel-Porträt stapelt. Ein brisanter Brief von Landrat Leikop über aktuelle Probleme im Hochsauerlandkreis (Langeweile, keine Autobahn, Einladung R. Barzel), Werbung, mehr Werbung, noch ein Brief von Landrat Leipkop (Absage von Barzel). »Die übliche Scheiße«, lacht Frau Plett durch ein dick belegtes Mettwurstbrötchen hindurch, »aber finden Sie mal in meinem Alter was Vernünftiges!« Dafür kommt sie mit ihrem Chef prima zurecht. »Er ist ja zum Glück nie da, der Fotzen-Franz!« rülpst die Mittvierzigerin und erbricht sich umstandslos in die Ablage »Leikop (Hochsauerlandkreis usw.)«. Während Frau Plett pfeifend in Richtung Bad abgeht, blättern wir in Merzens Terminkalender: »06.50 Uhr: Abfahrt von zu Hause. 07.30 Uhr: Meschede Kreishaus, Gespräch mit Landrat Leikop über Wahnsinnsprobleme im Hochsauerlandkreis. 08.15 Uhr: Mettwurstfrühstück mit Fr. Plett, anschl. Freizeit.« Keine Frage, der Mann hat zu tun.

Im »Rübezahl« in der Forstrat-Ehmsen-Straße ist die Stimmung schon am frühen Nachmittag auf dem Nullpunkt. Die Jukebox lärmt, der Bierhahn arbeitet gewissenhaft. Willi Lübke (45) nicht. Jedenfalls nicht mehr. Der arbeitslose Vegetarier ist mit Merz zur Schule gegangen, hat ihn in Sport immer abschreiben lassen. Trotzdem erinnert er sich nur ungern an die Zeit mit dem Klassenprimus. Genaugenommen überhaupt nicht. »Alles weggesoffen! Ich weiß praktisch überhaupt nichts mehr. Herr Wirt, ich hätte gerne ein... na... ein Dings...« In der Ecke hängt ein von Heinrich Merz persönlich signiertes Porträt von Franz Josef Strauß. Auf der letzten FJS-Tournee sind sich Merz und Strauß backstage begegnet. Das war in Siegen. Später sollte Strauß in seinen Memoiren schreiben: »Besonders gerne erinnere ich mich an Friedrich Mai, der mir damals den Slogan ›Vom Sauerland lernen heißt Siegen (i. Sauerland) lernen!‹ verkaufen wollte. Das war unter den damaligen politischen Verhältnissen allerdings nicht durchsetzbar.« Eine Begegnung, die Merz nie vergessen hat. Willi Lübke natürlich schon.

Zu Hause in Arnsberg tankt Merz auf; z. B. Super bleifrei.

Zwei Häuser weiter, in »Horsti’s Haarparadies«, frisiert der Chef noch selbst. Selbständiges Unternehmertum, wie es Merz gerne sieht. Wer in Arnsberg auf dem laufenden sein will, ist hier gut bedient, denn Horsti hat seine Ohren überall. »Ich kenne sie alle. Helmut Kohl, Gerd Schröder, seine Frau. Und Ingo Dubinski. Klar, hab ja Kabelanschluß! Hier ist übrigens der Topf, mit dem ich früher immer den Merz frisiert habe. Echt Edelstahl.« Horsti, der so aussieht, als werde er häufig mit Jürgen Domian verwechselt, nimmt die Brennschere aus dem Ofen. »Mit dem Fritzi konnte man nie Schritt halten. Jedenfalls nicht vor der Kundschaft. Irgendwann kam er dann nicht mehr, oder viel zu früh. Im Leben ist es doch wie in der Politik. Und umgekehrt!«

Der alte Pfarrer Husemann, der vor der Probsteikirche St. Laurentius mit warmem Blick leere Pfandflaschen sammelt, kennt Fred Merz seit dessen Ministrantenzeit. Später hat er seine drei Kinder getauft, die Merzsche Einbaukirche ausgesucht und Charlotte Merz exkommuniziert (aus Versehen). »Das war in den späten Siebzigern. In meinen späten Siebzigern! Aber der Frieder ist ja ein guter Ehemann. Ehrlich, fleißig und nie zu Hause.« Einmal, als junger Amtsrichter, sei Merz völlig betrunken und mit offener Hose in die Spätandacht gestolpert und habe nach der Tagespost sehen wollen. Am nächsten Tag sei ihm dann allerdings rasch aufgefallen, daß er ja gar nicht in der Kanzlei, sondern auf der Kanzel gewesen war – »die ganze Post war ja noch unerledigt!« So war er eben, der Friedrich.

Friedensreich Merz, der Rebell. Mit fünfzehn schwänzt er einmal die Klarinettenstunde, geht statt dessen ins Puppentheater. Mit sechzehn weigert er sich, Vollbart zu tragen, und läßt sich lieber Pickel wachsen. Noch heute verbittet er sich einseitiges Duzen, zum Beispiel von seiner Frau, Helmut Kohl oder dem amerikanischen Botschafter. Letzteres brachte schon mal transatlantische Verstimmungen mit sich. Aber so ist er eben, der Merz. Seine Überzeugung vertritt er mit einer Mischung aus Radikalität und Chuzpe: Als seine Tochter mit zwölf einmal ihren Teller nicht leer essen will, besorgt er das selber und zeigt sie anschließend wegen Hausfriedensbruch an. Danach läßt er sich von ihr wieder siezen. Merz, die Autorität.

»Sauerland macht lustig« – das war schon immer seine Devise.

Diese Autorität braucht er jetzt, sie ist sein Kapital. Die Führung der CDU-Fraktion ist ein Knochenjob: Briefe lesen, Brötchen schmieren, auch mal seine Meinung sagen. Insider trauen dem Sauerländer längst auch den Kanzlerjob zu; Landrat Leipok zum Beispiel, der sich davon die Lösung der hochsauerländischen Extremprobleme (Smog, Rock, Pest) verspricht.

Aber auch in Berlin sind die Erwartungen an Friedolin Merz hoch. Zusammen mit Angela Merkel soll er die CDU wieder politikfähig machen. »Ich erinnere mich noch gut an unsere erste Begegnung«, erinnert sich die Merkel vage. »In einer schwülen Sommernacht trafen sich unsere Blicke im Niemandsland der Gefühle. Es war Magie; wie wenn zwei Sterne auf die Erde fallen und alles Leben vernichten. Zwei Jahre später habe ich ihn dann geheiratet, meinen Joachim.« Friedbert Merz dagegen kennt sie nicht.

Dabei kann sich seine Bilanz nach wenigen Wochen Amtszeit längst sehen lassen: Er hat alle Sitze im Bundestag neu durchnumeriert, die Fraktion frisch unterkellern lassen, den wahnsinnigen Plan aufgestellt, Berlin durch Autobahnen mit dem Sauerland zu verbinden. Nebenbei fand er noch Zeit, in jedem Abgeordnetenbüro ein paar mannshohe Barzel-Porträts aufzuhängen und eigenhändig eine Mettwurstwoche in den Kantinenplan zu schreiben. Die Fraktionskollegen sind begeistert und nennen ihn schon respektvoll »Friedrich Mett«. Sie haben verstanden, glauben sie.

Doch werden sie ihn je wirklich verstehen? Richtig verstehen kann man ihn eigentlich nur dann, wenn man Arnsberg versteht. Arnsberg, die Boomtown im Hochsauerlandkreis (82000 Ew.), aus der er kommt und die ihn geprägt hat wie keine andere, außer vielleicht Brilon oder Meppen. Siegfried Merz, der neue Star der CDU, kommt da her, von wo wir jetzt wieder aufbrechen.

Am Bahnhof treffen wir Landrat Leipok. Mit einem dicken Packen Probleme unter dem Arm hetzt er an uns vorbei. »Probleme! Probleme! Sie wissen ja.« Ja, wissen wir. Der letzte Zug verläßt Arnsberg mit einem heiseren Pfiff. Ob er wohl nach Berlin fährt? Dorthin, wo Friedrich Merkel jetzt die große Politik aufmischt? Wo über die Geschicke von Volk, Vater- und Sauerland entschieden wird?

Wir stehen einen Moment verloren am Bahnsteig. Uns fröstelt. Es ist kalt geworden in Arnsberg. In Deutschland auch. Im Auto ist es dann aber wieder schön warm. Good bye, Sauerland. 

Das Sauerland hat Probleme – aber die Wähler vertrauen Friedrich Merz blind.

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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 »Soester Anzeiger«!

Wenn es laut Ausgabe vom 3.7. in Deinem Wirtschafts-Ressort heißt: »Edeka schluckt Netto komplett«, hätte es dann nicht genügt, der Einfachheit halber zu titeln: »Edeka schluckt Brutto«?

Fragen die Betriebswirtschaftsgelehrten von Titanic

 Philipp Amthor!

Um weiter an Ihrem konservativen Profil zu feilen, machten Sie – wie einfallsreich! – einen Jagdschein und ließen es sich nicht nehmen, sich auf der Jagd vom »Spiegel« begleiten zu lassen: »Wenn Philipp Amthor über die Jagd redet, spricht er gern in Jägerdeutsch.« Was unter anderem so klingt: »Natürlich ist .300 Winchester Magnum jagdlich ein relativ großes Kaliber.« Oder: »Ein Maisfeld, sagt Amthor, sei für einen Jungjäger keine einfache jagdliche Situation.« Einmal klagen Sie über das Fehlen von »jagdbarem Wild« und bezeichnen irgendeinen Stephan als Ihren »jagdlichen Mentor«.

Täuscht das, oder besteht Ihr Jägerdeutsch vor allem im Voranstellen des Wortes »jagdlich«?

Und wie kann es sein, dass ein ach so gewiefter Jägerjunge einen solchen Bock schießt wie Sie mit Ihrer Affäre um Augustus Intelligence? Ach, das Wortspiel machten Sie im Interview selbst? Dann lassen wir Sie dieses Mal noch davonkommen!

Bleibt Ihnen satirlich auf den Hufen: Titanic

 Susanne Viernickel!

Sie sind Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Leipzig. Die jetzt durchgeführte OECD-Befragung von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung enthält zum ersten Mal internationale Vergleichsdaten zu deren Selbstverständnis und Arbeitsbedingungen.

Im Deutschlandfunk benannten Sie als ein wesentliches Ergebnis der Studie den Fachkräftemangel in Deutschland: »Personal, Personal, Personal.« Und: »Auch Leitungskräfte klagen, denn sie können nicht leiten.« Soweit klar; wenn niemand da ist, der sich führen lässt, können Führungskräfte nicht führen. Aber statt darüber zu klagen, könnten diese beispielsweise vorübergehend aufs Leiten und Führen verzichten und direkt in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung tätig werden. Die Kinder tät’s womöglich freuen.

Tipp von Ihrer Titanic

 Mary Trump!

Mary Trump!

Sie sind die Nichte des amtierenden US-Präsidenten und haben ein Enthüllungsbuch veröffentlicht, das wir aus Sorge um unser Seelenheil leider nicht lesen können. Trotzdem nett, von Ihrer Existenz erfahren zu haben. Und die nächsten beiden Bücher über Onkel Donald schreiben dann Ihre Schwestern Miry und Mury, ja?

Quak-quak! Titanic

 Dass Sie, Frau Dr. med. Irene Jung,

als praktische Ärztin im altehrwürdigen Städtchen Detmold neben »Naturheilverfahren« und »ästhetischer Dermatologie« als »besonderen Schwerpunkt« Ihrer Tätigkeitspalette »Altersprävention« anbieten, ist naheliegend, können Sie doch ganz überzeugend mit sich selbst als Vorbild werben: Sie zumindest bleiben ja forever Jung.

Kalauert heute etwas altbacken: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Wo das wahre Outdoor beginnt

Dass du dich in einer echten Wildnis aufhältst, merkst du spätestens dann, wenn du im lichtlosen Gestrüpp stolperst und dir während des Fallens in Sekundenbruchteilen überlegst, ob es sicherer wäre, den Sturz aufzufangen oder die Hände in den Hosentaschen stecken zu lassen. Brennnesseln, Nacktschnecken, Jauchepfützen, das sind alles extrem schwer einzuschätzende Landezonen. Profis fallen übrigens erst gar nicht hin.

Theobald Fuchs

 Beauty-Tipp

Jüngst wollte ich Wimperntusche im Schönheitssalon kaufen. Die Visagistin nahm sich viel Zeit, empfahl ein gutes Produkt, auch noch den passenden Lidschatten dazu und fragte dann: »Kennen Sie weißen Kajal? Nein? Probieren Sie den doch mal am unteren Lidrand.« Ich machte den Versuch, fand das Ergebnis aber irgendwie sonderbar: Der Blick wirkte starr, glubschig-wässrig, die Tränensäcke schwollen an, wurden durch breite Schattenringe untermalt, und als die Kosmetikerin erläuterte: »Horst Tappert, Sie wissen schon, der Derrick, der schwor auf weißen Kajal. Niemals stellte er sich ohne weißen Unterlidstrich vor die Kamera«, entschloss ich mich, fürs erste auf diesen Stift zu verzichten.

Miriam Wurster

 Fahrt in den Urlaub

Wer schon mal auf der Autoroute unterwegs war, dem ist es bestimmt aufgefallen: In Frankreich und nur in Frankreich überholt man alle paar Kilometer ein einsam auf der rechten Spur vor sich hin blinkendes Auto. Wo ist man mit seinen Gedanken, fragen wir Deutschen uns da entzückt, wenn man nach dem Spurwechsel nicht nur vergisst, den Blinker auszuschalten, sondern es sogar schafft, sein enervierendes Klacken dauerhaft aus der Wahrnehmung zu verdrängen? In jedem Fall nicht auf der Straße, das verdient schon mal Bewunderung. Vielleicht sogar überhaupt nicht unterwegs, sondern auf Seite 93 der buchstäblich fesselnden Ménage-à-trois, die zu Hause aufgeschlagen vor dem Kamin liegt und sich bereits darauf freut, am Abend wieder einen Tropfen Chardonnay abzubekommen? Oder bei den zwei kleinen Töchtern und ihrer bezaubernden Mutter, von der man in genau diesem Moment angerufen wird, aber nur, weil sie sich am Piano auf das Telefon gesetzt hat und einem jetzt unbemerkt ein Ständchen spielt? Es wird wohl immer ein süßes Geheimnis bleiben.

Teja Fischer

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Gesetzt den Fall, der Bandwurm wäre vom Aussterben bedroht –, sollte man ihn dann retten? Und wenn ja: Wer meldet sich freiwillig?

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Mittlerweile gibt es ja allerhand Smartwatches und Apps zur Überwachung und Optimierung des Schlafes auf dem Markt. Dass aber auch die natürliche Schlafregulation ganz gut funktioniert, merkt man, wenn man nach versehentlichem Wegdösen am Nachmittag vom eigenen Schnarchen prompt wieder geweckt wird.

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Vermischtes

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Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSerdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
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Das schreiben die anderen

  • 10.08.:

    Martin Sonneborn gibt der "Berliner Zeitung" ein großes Sommerinterview.

     

Titanic unterwegs
14.08.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Christian Y. Schmidt
20.08.2020 Düsseldorf, Zakk Paula Irmschler
26.08.2020 Berlin, Pfefferberg Theater Max Goldt
26.08.2020 Hamburg, Kampnagel Paula Irmschler mit Linus Volkmann