Inhalt der Printausgabe

Lustige Denunzianten

Ein Abend mit deutscher Volksmusik, durchlebt und bis zur Neige durchmessen von
Wiglaf DROSTE

Die Kontrolle am Eingang ist angenehm ungründlich, lässig und geschäftsmäßig stehen die lokalen Security-Männer herum, deren dezent-dunkelblaue, Zivilisiertheit suggerierenden Anzüge von Haudraufundschlußgesichtern Lügen gestraft werden; geschwollene Muskeln unter'm Hemd, Walkie-talkie in der Linken, warten sie ab, gleichgültig und ausdruckslos wie Bullterrier, bevor Herrchens Pfiff schrillt: »Faß!« Aber Herrchen pfeift nicht an diesem Abend, und so tauche ich unbehelligt ein in die Berliner Deutschlandhalle, mitten zwischen etwa 9 500 Stück deutsches »Wir sind das Volk!«-Volk, das Abendkleid und -anzug trägt, oder, ganz gediegen, sogar Tracht angelegt hat – die Tracht Prügel für's Auge sozusagen.

Erstaunlich, in welch vielfältiger Variation man Janker mit Hirschhornknöpfung und aufgestepptem Eichenblatt tragen kann; glatt- oder rauledern, in warm schimmerndem Samt, freizeitgrell oder klassisch waldgrün, bewegungsbraun abgesetzt. Auch das Dirndl wird in vielhundertfacher Erscheinungsform vorgezeigt, aber weit weniger frech als die Gewänder wirken die stramm und prall darin eingefassten Damen und Herren, deren dauergewellte oder schnauzbestückte Schinkenspeckgesichter sehr sinnlos und traurig aus den Kragen ragen.

Wie anders dagegen Marianne und Michael, das Moderatorengespann, das launig und gemütvoll auf die Bühne trabt, in angechicter Seppelkluft routiniert Heiterkeit verbreitet und uns allen »einen wunderschönen guten Abend« wünscht; das Wort »wunderschön« werden wir noch oft, chronisch geradezu, hören an diesem Abend als eine Art Passepartout, als Knebel gegen jeden Zweifel bzw. Gedanken. Bevor es noch Gelegenheit zur Reaktion hat, lobt Michael das Publikum emphatisch, »ein Publikum, wie wir es noch nie hatten«, klappt dabei ruckend die Arme auseinander und wieder zusammen, als müsse er den Motor, die Maschine anwerfen, auf Touren bringen, ein mumifizierter Fleischsack mit den gleichermaßen ausgeleierten wie scharf gefalteten Gesichtszügen eines schweren Trinkers und Jupp-Heynckes-Frisur. »Hier in Berlin sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt« , nimmt er seine Zuhörer reißerisch an die Kandare, stimmt, man muß nur 50, 60 Jahre zurückdenken oder die Massenkopulation vom 9. November 1989 erinnern, »wir sind offen als Stadt, offen als Menschen, und wir sind frei und fröhlich!« brennen Michael schon frühzeitig die Sicherungen durch, und niemand ruft ein frisch-frommes »Heil Hitler! « dazwischen, so daß der freie und fröhliche Mann Gelegenheit erhält, »die Beehnd«, also die Begleitkapelle, einzuführen , den sog. Musikantenexpress, »die spielen nach Noten – Banknoten, am liebsten gebündelt, hähähä«, witzelt Michael, dessen entertainerische Fünftklassigkeit, würde sie nicht zwodreimal pro Monat via Television in deutsche Köpfe eingespeist, nicht einmal dieses gandhihaft sich alles gefallen lassende Publikum ertrüge.

»Kein Mensch hat Lust auf Frust!« kräht jetzt folgerichtig Marianne dazwischen, schwingt die Stimme wie Schrubber und Feudel, eine zitronenfrische »Nullnull – In Bad und WC ist alles okeeh!«-Gesamterscheinung, »hier bei uns, da können Sie so richtig mitklatschen, so richtig mitmachen« heischt die bakterienfreie Frau, und damit allen auch ganz klar ist, daß sie »mitmachen« nicht nur »können«, sondern vielmehr müssen, setzt sie lächelnd hinzu: »Und das üben wir jetzt alle einmal. Bitte – Probeapplaus!« Der Musikantenexpress spielt grinsend einen Tusch, nein, spielt ihn nicht, simuliert ihn nur, der Krach kommt hörbar vom Band, zum Musikanten reicht es, wenn man das Instrument festhalten und halbwegs synchrone Bewegungen daran vorzeigen kann, Marianne und Michael schwingen ihre Mikrophone und klappen die Münder auf und zu, und aus den Lautsprechern heißt es »So schön ist Volksmusik«, es klingt wie »So schön ist Vollplayback«, und das 42,- DM pro Kopf gezahlt habende Publikum muß mitklatschen, damit es später im Fernsehen so aussehen wird, als habe da ein Ereignis stattgefunden – nicht nur die Frau im Spiegel und der Berliner Durchhaltesender Radio 100,6 nämlich veranstalten diesen Abend, sondern auch SAT 1, und da ist Stimmung im Saale Pflicht. Und die wird (noch) gern erfüllt bis zum letzten Händepatschen.

»Ich finde es wahnsinnig schön, daß Sie hier sind«, werden jetzt auch »unsere Gäste aus dem Osten«, Marianne sagt das wirklich so, in Empfang genommen, und die freuen sich wirklich darüber, so treuherzig, bieder und tankwartsdumm, daß aufkeimendes Mitleid sogleich erlischt. Die Schöneberger Sängerknaben singen Märkische Heide, 35 x Frischfleisch in kurzen Hosen und weißen Kniestrümpfen, da lacht der Päderast, fühlt sich warm im Gemüt, und in den Unterhosen steht es wenigstens ein bisschen stramm, so daß Jürgen Wohlrabe leichtes Spiel beim Halten seiner von niemand gewünschten Rede hat, die er als Schirmherr der Veranstaltung »in seiner Eigenschaft als Präsident des Berliner Abgeordnetenhaus « hält; der Rambo III-Jugendfilm-Filmverleiher und von Herbert Wehner treffend »Übelkrähe« betitelte Law and Order-Mann hebt die Whisky sauer-Stimme und knarzt von »dieser schönen, weltoffenen Stadt ( ... ) großer Schritt nach vorn ( ... ) ein neues, richtig schönes Berlin ( ... ) eine grüne Lunge«, nicht für die offensichtlichste Lüge ist dieser Mann sich zu doof oder zu schade und blättert nach Kräften im Wörterbuch der Gemeinplätze, wo »Musikanten« immer »lustig« und »Weiden« immer »saftig« sind.

Eine Gruppe Speelwark löst den ungerührt daher röchelnden Politiker ab, Kerle in Fischerkluft mit flachen Elbseglern auf den Runkelrüben, in erster Linie blonde Frauen in Wallekleidern, eine 70er Jahre-Wohngemeinschaft mit fließendem Übergang von Traditionspflege und arisiertem Brauchtum, »Freesenkinnä das sinn wieeh ... « singt's vom Band, und auch die so nordisch eingefärbten Musikerdarsteller sind in ihren Körpern nicht zuhause und ruckeln wie eingangs Michael, wie für ihre Existenz sich entschuldigend, ja sie negierend, mit Ärmchen und Beinchen.



Auf Normalnull ist die ohnehin laue Stimmung abgesackt, matt und gerade noch höflich wird applaudiert, nun müssen gröbere Keile gesetzt werden: eine Ehrung mit Schnätterätäng und allen Schikanen – die anwesende inzestuöse Mischpoke nämlich verleiht sich an diesem Abend selbst Meriten und Preise, Edelweiß - Preis der deutschen Volksmusik heißt das Ganze, und als erster Lobredner kommt Klaus Töpfer an den Bühnenrand, auch er mit den eckigen Bewegungen eines Mannes, der sich dafür schämt, daß es ihn gibt und deshalb um so williger alles mitmacht; in den Rhein springen für die sich darüber scheckig lachende Chemische Industrie oder eben eine Laudatio halten über etwas, wovon er auch nichts versteht: Carolin Reiber erhält »in der Sparte Moderation« ein Edelweiß, ihre Brüste hat sie zu einer Art Silicon Valley hochgeschnürt, in das Töpfer immerzu hineinplinsen muß, was ihm schwer fällt, da er kleiner ist als die aufgebockte Gewitterziege Reiber, deren Aggregatzustand zwischen valiumtranig und speedgehetzt abrupt wechselt. »Sie hat uns das Herz wieder geöffnet für unsere Volkslieder, ohne die wir alle viel ärmer wären«, behauptet Klaus ächzend und stierend und würde nur zu gerne über das Stück Formfleisch vor ihm herfallen, aber C. Reiber weiß, wie man sich brunftige Männer vom Halse hält: genauso blindlabern wie sie selber.

»Ich habe mir Gedanken gemacht und sie aufgeschrieben«, beschwerdelos geht ihr der Satz, in dem mindestens sechs Lügen sich verbergen, über die Rollzunge, »wir Bayern, wir sind ja gar nicht so. Wir tun so viel für den Umweltschutz. Wir haben das sauberste Bier, und dazu den Maßkrug als wiederverwendbare Packung«, ungerührt und mit einem Lächeln, als sei der steifleinerne, mühsam konstruierte und auswendiggelernte Kopfsalat irgendwie herzlich komisch gemeint – eine derart zubetonierte, verbissene »Ich habe Humor und damit basta!« – Fassade hat sonst allenfalls noch Alice Schwarzer zu bieten.

Knapp 10 000 segnen auch diesen Akt wider Menschen-, ja Völkerrecht ab, der Zillertaler Hochzeitsmarsch peitscht das Publikum hoch, wie nadelgepiekt stürzt Michael zum Mikro, schreit »Machen Sie mit?«, »Jaah!« johlt das nun endlich auf seine Kosten kommende Publikum zurück, »Aufstehn!« kreischt Michael, ruckartig reißt sich alles aus den Sitzen, »linke Hand heben!« brüllt er, aber wieso denn die linke? fragt man sich, wird hier Rotfront gespielt?, »rechte Hand hoch!« bellt der nächste Befehl, und dann »Klatschen!«, und das tun sie dann auch, und dann ist Pause für die 9 500 zahlenden Komparsen.

»Zwei ganz pfundige Burschen, zwei ganz dicke Freunde« kündigt uns nach zehn Minuten wohltuender Stille Michael augenzwinkernd, wenn auch sichtlich lustlos, die Hauptattraktion des an Attraktionen so reichen Abends an. Die Wildecker Herzbuben, zwei von Stützstrumpf und Korsett notdürftig zusammengehaltene, insgesamt mehr flüssig denn fest wirkende Talgbrocken, schieben sich mit winzigen Trippelschrittchen über die Bühne, aus den Boxen tropft Herzilein, und nun, ein einziges Mal, herrscht echte Raserei, aus tiefstem Herzen kommende Begeisterung, diese beiden Mastzauseln sind die Helden deutscher Ethno-Musik, nach »Zugabe!« wird frenetisch verlangt, Michael kann das nicht abwürgen, obwohl er muß, der Regisseur von SAT 1 hebt die Stimme aus dem Off, und einige Sekunden lang scheint eine zweite deutsche Revolution zu drohen, entfacht aus demselben Motiv wie die erste, aber Michaels fadenscheiniges Versprechen, die Zugaben »nach der Aufzeichnung« zu gewähren, beruhigt die Gemüter.

Marianne, mittlerweile ebenso sichtlich angewidert vom Zicken machenden Publikum wie ihr Pendant Michael, reißt sich noch einmal zusammen. »Was wären wir Musikanten ohne ...« hebt sie an, »Nein! Stopp!« geht erneut die Regie aus dem Off dazwischen, dreimal muß sie ihr bisschen Satz wiederholen, reproduziert dabei jedes mal mechanisch eine an Maria Schell geschulte Seelchenhaftigkeit, dann darf sie endlich fertigmachen und das Zauberwort sagen, »wunderschön«, obwohl es ihr lang schon keiner mehr glaubt, die Risse in der Makulatur sind meterdick, aber der Stiefel wird durchgezogen, Punktum. »Wunderschön» sind die Lieder des Komponisten Jean Frankfurter, der wiederum die Interpreten, die jeden Abend an der Front stehen«, abhudelt, auch das Medium Terzett, immer wieder im Fernsehen, weil es eben irgendwann einmal im Fernsehen war, und so geht das weiter bis zum Jüngsten Tag, mehr Logik gibt's da nicht, kriegt bescheinigt, daß es »wunderschöne Musik« mache, die Frankenfeld Witwe Lonny Kellner wird dazu aufgeboten und exhumiert auftragsgemäß den toten Gatten, »ich hab damals neben Peter gesessen« sinniert sie schwarzpaillettiert, wirft ein vertrauliches »Na, ihr drei« in den Raum, und dann schmalzen die Kleiderständer »Im Krug zum grünen Kranze« herunter, komischerweise nahezu identisch mit dem Kram, den uns in den 70ern Kameraden wie Zupfgeigenhansel, Liederjan u.ä. als »basisdemokratische Kultur von unten« andienen wollten. Wie man sich täuschen kann.

Und wieder rollt sich Michael heran, ein größeres Potential an Selbsthass ist nicht vorstellbar, dieser Mann ist eine Seele von Unmensch. Und noch immer ist es nicht vorbei. Noch ein Toter kommt auf Urlaub. »Alle Menschen kennen seine Lieder«, rafft Michael seine letzten Ressourcen an Ekel zusammen, »er ist der Grandseigneur der Volksmusik – wir ehren und verehren Vico Torriani!«

Noch einmal wuchtet sich Jürgen Wohlrabe auf das Podium, »ach, nicht schon wieder « ächzt und lallt meine Hinterfrau, vergeblich, man muß sie entgegennehmen, die Dinge des Lebens, das begreife ich nun, selbst wenn sie Wohlrabe heißen, eigentlich in den Orbit befördert gehören und jetzt zu Vico Torriani sagen: »Sie sind ein Berliner, ein Stück zumindest«, aber der Greis aus der Schweiz lässt das nicht zu, »wenn ich hier bin, dann bin ich ein Berliner«, antwortet er geradezu sibyllinisch, und dann fackelt er die Tour vom »kleinen Bub« und vom »Zauberland der Berge« ab, der erste und einzige Profi an diesem Abend, mit Bewegungen, die vergleichsweise menschlich wirken, Hüftschwung linksrechts, Skilehrersex, Swing, und Groove, der Mann ist ein Feger, ein Neger gar - so tief kann man fallen, daß man Vico Torriani liebt, weil man zweieinhalb Stunden seiner Lebenszeit hergab für Michael und Marianne und Klaus und Caroline und die ganze Bagage, die einem Gewalt antut allein dadurch, daß es sie gibt.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

 Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

 Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

 Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

 Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Verwöhnt

Meinen Lebensstil muss man sich erst mal leisten können. Ich zum Beispiel konnte es noch nie.

Tanja Schmid

 Deutsch, wie es singt und kracht

Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird zunächst naiv annehmen, dass sich hinter einem Wort wie »Scheiblettenkäse« etwas unsagbar Absurdes, in der Muttersprache nur unter Zuhilfenahme sperrigster Umschreibungen Wiederzugebendes verbirgt, ähnlich gewissen japanischen oder isländischen Vokabeln, die zum Beispiel die mundwässernde Wirkung eines seit sechs Monaten im eigenen Sperma marinierten Walhodens bezeichnen. Um dann, mit wachsendem Sprachverständnis, zu begreifen, dass diese Ahnung nicht getrogen hat.

Jasper Nicolaisen

 Zieleinlauf eines Dialogs

Kundin (alte Dame): »Das ist dann schon sehr anstrengend.«
Kassiererin (ältere Dame): »Nein, ich könnte das nicht!«
Kundin: »Aber es macht auch Spaß.«
Kassiererin: »Das ist die Hauptsache.«
»Ja.«
»Ja. 14,60 bitte.«

Worum auch immer es sich dreht, das Gespräch ergibt Sinn.

Theobald Fuchs

 Filmkunde

In Zeiten von Zoom-Konferenzen kann es nicht schaden, der Leserschaft ein wenig Nachhilfe in filmischen Fachtermini zu geben. Eine sogenannte Text-Bild-Schere zum Beispiel kann für einen visuellen Bruch und Komik sorgen. Während der Video-Sprechstunde mit meiner Internistin erzählte ich ihr zum Beispiel, dass ich seit vier Monaten nichts trinke, während sie auf eine Galerie leerer Weinflaschen hinter mir starrte. Wichtig ist auch, dass man sich bereits vor jeder Zoom-Konferenz im Klaren ist, auf welches Genre man hinaus will, sich dabei aber genug Raum offenlässt für spontane Änderungen. Meine Video-Sprechstunde hatte ich zum Beispiel eher als »Komödie« gepitcht (aktuelle Blutwerte), am Ende wurde dann aber ein ziemlich bombastischer High-Budget-Horrorstreifen daraus (Privatbehandlung).

Jürgen Marschal

 Idee für 2021: Spargelernte per Silvesterrakete

Die jungen Feuerwerkskörper werden im April ins Spargelbeet gesät, wachsen dort bis zur erntereifen Rakete. Am 5. Mai heißt es dann: DER SPARGEL SCHIESST, und zwar uns unter großem Hallo und Funkenregen direkt in die Münder. Tradition (Spargel) trifft auf Tradition (Feuerwerk), bzw. »Volksspeisung mal anders«. Noch eine kleine Gegendemo (Querfront) dazu, einem Kind fliegt ein Spargel direkt ins Auge, im Folgejahr wird es Einschränkungen geben müssen, fertig ist DAS DEUTSCHE NEUJAHR.

Elias Hauck

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 20.05.:

    Mark-Stefan Tietze schreibt in der Taz über die vielen Deutschen, die vor der Merkel-Diktatur ins Weltall fliehen.

     

  • 18.05.:

    Das Neue Deutschland rezensiert Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod", ein Interview dazu gibt es auf Deutschlandfunk Kultur.

     

  • 14.05.:

    Marlen Hobrack bespricht im "Freitag" Christian Y. Schmidts "Der Kleine Herr Tod".

  • 13.05.:

    RTL, die »Hessenschau« und die SZ berichten über die Aktion "Torona: TITANIC hilft der DFL".

  • 05.05.:

    Im Kaput Mag gratuliert Tim Wolff TITANIC-Legende Thomas Hintner zum 60.

     

Titanic unterwegs
03.06.2020 Hachenburg, Hähnelsche Buchhandlung Gerhard Henschel
04.06.2020 Berlin, Buchhändlerkeller Gerhard Henschel
10.06.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve
14.06.2020 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »Beste Beste Bilder – Die Cartoons des Jahrzehnts«