Inhalt der Printausgabe

Lustige Denunzianten

Ein Abend mit deutscher Volksmusik, durchlebt und bis zur Neige durchmessen von
Wiglaf DROSTE

Die Kontrolle am Eingang ist angenehm ungründlich, lässig und geschäftsmäßig stehen die lokalen Security-Männer herum, deren dezent-dunkelblaue, Zivilisiertheit suggerierenden Anzüge von Haudraufundschlußgesichtern Lügen gestraft werden; geschwollene Muskeln unter'm Hemd, Walkie-talkie in der Linken, warten sie ab, gleichgültig und ausdruckslos wie Bullterrier, bevor Herrchens Pfiff schrillt: »Faß!« Aber Herrchen pfeift nicht an diesem Abend, und so tauche ich unbehelligt ein in die Berliner Deutschlandhalle, mitten zwischen etwa 9 500 Stück deutsches »Wir sind das Volk!«-Volk, das Abendkleid und -anzug trägt, oder, ganz gediegen, sogar Tracht angelegt hat – die Tracht Prügel für's Auge sozusagen.

Erstaunlich, in welch vielfältiger Variation man Janker mit Hirschhornknöpfung und aufgestepptem Eichenblatt tragen kann; glatt- oder rauledern, in warm schimmerndem Samt, freizeitgrell oder klassisch waldgrün, bewegungsbraun abgesetzt. Auch das Dirndl wird in vielhundertfacher Erscheinungsform vorgezeigt, aber weit weniger frech als die Gewänder wirken die stramm und prall darin eingefassten Damen und Herren, deren dauergewellte oder schnauzbestückte Schinkenspeckgesichter sehr sinnlos und traurig aus den Kragen ragen.

Wie anders dagegen Marianne und Michael, das Moderatorengespann, das launig und gemütvoll auf die Bühne trabt, in angechicter Seppelkluft routiniert Heiterkeit verbreitet und uns allen »einen wunderschönen guten Abend« wünscht; das Wort »wunderschön« werden wir noch oft, chronisch geradezu, hören an diesem Abend als eine Art Passepartout, als Knebel gegen jeden Zweifel bzw. Gedanken. Bevor es noch Gelegenheit zur Reaktion hat, lobt Michael das Publikum emphatisch, »ein Publikum, wie wir es noch nie hatten«, klappt dabei ruckend die Arme auseinander und wieder zusammen, als müsse er den Motor, die Maschine anwerfen, auf Touren bringen, ein mumifizierter Fleischsack mit den gleichermaßen ausgeleierten wie scharf gefalteten Gesichtszügen eines schweren Trinkers und Jupp-Heynckes-Frisur. »Hier in Berlin sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt« , nimmt er seine Zuhörer reißerisch an die Kandare, stimmt, man muß nur 50, 60 Jahre zurückdenken oder die Massenkopulation vom 9. November 1989 erinnern, »wir sind offen als Stadt, offen als Menschen, und wir sind frei und fröhlich!« brennen Michael schon frühzeitig die Sicherungen durch, und niemand ruft ein frisch-frommes »Heil Hitler! « dazwischen, so daß der freie und fröhliche Mann Gelegenheit erhält, »die Beehnd«, also die Begleitkapelle, einzuführen , den sog. Musikantenexpress, »die spielen nach Noten – Banknoten, am liebsten gebündelt, hähähä«, witzelt Michael, dessen entertainerische Fünftklassigkeit, würde sie nicht zwodreimal pro Monat via Television in deutsche Köpfe eingespeist, nicht einmal dieses gandhihaft sich alles gefallen lassende Publikum ertrüge.

»Kein Mensch hat Lust auf Frust!« kräht jetzt folgerichtig Marianne dazwischen, schwingt die Stimme wie Schrubber und Feudel, eine zitronenfrische »Nullnull – In Bad und WC ist alles okeeh!«-Gesamterscheinung, »hier bei uns, da können Sie so richtig mitklatschen, so richtig mitmachen« heischt die bakterienfreie Frau, und damit allen auch ganz klar ist, daß sie »mitmachen« nicht nur »können«, sondern vielmehr müssen, setzt sie lächelnd hinzu: »Und das üben wir jetzt alle einmal. Bitte – Probeapplaus!« Der Musikantenexpress spielt grinsend einen Tusch, nein, spielt ihn nicht, simuliert ihn nur, der Krach kommt hörbar vom Band, zum Musikanten reicht es, wenn man das Instrument festhalten und halbwegs synchrone Bewegungen daran vorzeigen kann, Marianne und Michael schwingen ihre Mikrophone und klappen die Münder auf und zu, und aus den Lautsprechern heißt es »So schön ist Volksmusik«, es klingt wie »So schön ist Vollplayback«, und das 42,- DM pro Kopf gezahlt habende Publikum muß mitklatschen, damit es später im Fernsehen so aussehen wird, als habe da ein Ereignis stattgefunden – nicht nur die Frau im Spiegel und der Berliner Durchhaltesender Radio 100,6 nämlich veranstalten diesen Abend, sondern auch SAT 1, und da ist Stimmung im Saale Pflicht. Und die wird (noch) gern erfüllt bis zum letzten Händepatschen.

»Ich finde es wahnsinnig schön, daß Sie hier sind«, werden jetzt auch »unsere Gäste aus dem Osten«, Marianne sagt das wirklich so, in Empfang genommen, und die freuen sich wirklich darüber, so treuherzig, bieder und tankwartsdumm, daß aufkeimendes Mitleid sogleich erlischt. Die Schöneberger Sängerknaben singen Märkische Heide, 35 x Frischfleisch in kurzen Hosen und weißen Kniestrümpfen, da lacht der Päderast, fühlt sich warm im Gemüt, und in den Unterhosen steht es wenigstens ein bisschen stramm, so daß Jürgen Wohlrabe leichtes Spiel beim Halten seiner von niemand gewünschten Rede hat, die er als Schirmherr der Veranstaltung »in seiner Eigenschaft als Präsident des Berliner Abgeordnetenhaus « hält; der Rambo III-Jugendfilm-Filmverleiher und von Herbert Wehner treffend »Übelkrähe« betitelte Law and Order-Mann hebt die Whisky sauer-Stimme und knarzt von »dieser schönen, weltoffenen Stadt ( ... ) großer Schritt nach vorn ( ... ) ein neues, richtig schönes Berlin ( ... ) eine grüne Lunge«, nicht für die offensichtlichste Lüge ist dieser Mann sich zu doof oder zu schade und blättert nach Kräften im Wörterbuch der Gemeinplätze, wo »Musikanten« immer »lustig« und »Weiden« immer »saftig« sind.

Eine Gruppe Speelwark löst den ungerührt daher röchelnden Politiker ab, Kerle in Fischerkluft mit flachen Elbseglern auf den Runkelrüben, in erster Linie blonde Frauen in Wallekleidern, eine 70er Jahre-Wohngemeinschaft mit fließendem Übergang von Traditionspflege und arisiertem Brauchtum, »Freesenkinnä das sinn wieeh ... « singt's vom Band, und auch die so nordisch eingefärbten Musikerdarsteller sind in ihren Körpern nicht zuhause und ruckeln wie eingangs Michael, wie für ihre Existenz sich entschuldigend, ja sie negierend, mit Ärmchen und Beinchen.



Auf Normalnull ist die ohnehin laue Stimmung abgesackt, matt und gerade noch höflich wird applaudiert, nun müssen gröbere Keile gesetzt werden: eine Ehrung mit Schnätterätäng und allen Schikanen – die anwesende inzestuöse Mischpoke nämlich verleiht sich an diesem Abend selbst Meriten und Preise, Edelweiß - Preis der deutschen Volksmusik heißt das Ganze, und als erster Lobredner kommt Klaus Töpfer an den Bühnenrand, auch er mit den eckigen Bewegungen eines Mannes, der sich dafür schämt, daß es ihn gibt und deshalb um so williger alles mitmacht; in den Rhein springen für die sich darüber scheckig lachende Chemische Industrie oder eben eine Laudatio halten über etwas, wovon er auch nichts versteht: Carolin Reiber erhält »in der Sparte Moderation« ein Edelweiß, ihre Brüste hat sie zu einer Art Silicon Valley hochgeschnürt, in das Töpfer immerzu hineinplinsen muß, was ihm schwer fällt, da er kleiner ist als die aufgebockte Gewitterziege Reiber, deren Aggregatzustand zwischen valiumtranig und speedgehetzt abrupt wechselt. »Sie hat uns das Herz wieder geöffnet für unsere Volkslieder, ohne die wir alle viel ärmer wären«, behauptet Klaus ächzend und stierend und würde nur zu gerne über das Stück Formfleisch vor ihm herfallen, aber C. Reiber weiß, wie man sich brunftige Männer vom Halse hält: genauso blindlabern wie sie selber.

»Ich habe mir Gedanken gemacht und sie aufgeschrieben«, beschwerdelos geht ihr der Satz, in dem mindestens sechs Lügen sich verbergen, über die Rollzunge, »wir Bayern, wir sind ja gar nicht so. Wir tun so viel für den Umweltschutz. Wir haben das sauberste Bier, und dazu den Maßkrug als wiederverwendbare Packung«, ungerührt und mit einem Lächeln, als sei der steifleinerne, mühsam konstruierte und auswendiggelernte Kopfsalat irgendwie herzlich komisch gemeint – eine derart zubetonierte, verbissene »Ich habe Humor und damit basta!« – Fassade hat sonst allenfalls noch Alice Schwarzer zu bieten.

Knapp 10 000 segnen auch diesen Akt wider Menschen-, ja Völkerrecht ab, der Zillertaler Hochzeitsmarsch peitscht das Publikum hoch, wie nadelgepiekt stürzt Michael zum Mikro, schreit »Machen Sie mit?«, »Jaah!« johlt das nun endlich auf seine Kosten kommende Publikum zurück, »Aufstehn!« kreischt Michael, ruckartig reißt sich alles aus den Sitzen, »linke Hand heben!« brüllt er, aber wieso denn die linke? fragt man sich, wird hier Rotfront gespielt?, »rechte Hand hoch!« bellt der nächste Befehl, und dann »Klatschen!«, und das tun sie dann auch, und dann ist Pause für die 9 500 zahlenden Komparsen.

»Zwei ganz pfundige Burschen, zwei ganz dicke Freunde« kündigt uns nach zehn Minuten wohltuender Stille Michael augenzwinkernd, wenn auch sichtlich lustlos, die Hauptattraktion des an Attraktionen so reichen Abends an. Die Wildecker Herzbuben, zwei von Stützstrumpf und Korsett notdürftig zusammengehaltene, insgesamt mehr flüssig denn fest wirkende Talgbrocken, schieben sich mit winzigen Trippelschrittchen über die Bühne, aus den Boxen tropft Herzilein, und nun, ein einziges Mal, herrscht echte Raserei, aus tiefstem Herzen kommende Begeisterung, diese beiden Mastzauseln sind die Helden deutscher Ethno-Musik, nach »Zugabe!« wird frenetisch verlangt, Michael kann das nicht abwürgen, obwohl er muß, der Regisseur von SAT 1 hebt die Stimme aus dem Off, und einige Sekunden lang scheint eine zweite deutsche Revolution zu drohen, entfacht aus demselben Motiv wie die erste, aber Michaels fadenscheiniges Versprechen, die Zugaben »nach der Aufzeichnung« zu gewähren, beruhigt die Gemüter.

Marianne, mittlerweile ebenso sichtlich angewidert vom Zicken machenden Publikum wie ihr Pendant Michael, reißt sich noch einmal zusammen. »Was wären wir Musikanten ohne ...« hebt sie an, »Nein! Stopp!« geht erneut die Regie aus dem Off dazwischen, dreimal muß sie ihr bisschen Satz wiederholen, reproduziert dabei jedes mal mechanisch eine an Maria Schell geschulte Seelchenhaftigkeit, dann darf sie endlich fertigmachen und das Zauberwort sagen, »wunderschön«, obwohl es ihr lang schon keiner mehr glaubt, die Risse in der Makulatur sind meterdick, aber der Stiefel wird durchgezogen, Punktum. »Wunderschön» sind die Lieder des Komponisten Jean Frankfurter, der wiederum die Interpreten, die jeden Abend an der Front stehen«, abhudelt, auch das Medium Terzett, immer wieder im Fernsehen, weil es eben irgendwann einmal im Fernsehen war, und so geht das weiter bis zum Jüngsten Tag, mehr Logik gibt's da nicht, kriegt bescheinigt, daß es »wunderschöne Musik« mache, die Frankenfeld Witwe Lonny Kellner wird dazu aufgeboten und exhumiert auftragsgemäß den toten Gatten, »ich hab damals neben Peter gesessen« sinniert sie schwarzpaillettiert, wirft ein vertrauliches »Na, ihr drei« in den Raum, und dann schmalzen die Kleiderständer »Im Krug zum grünen Kranze« herunter, komischerweise nahezu identisch mit dem Kram, den uns in den 70ern Kameraden wie Zupfgeigenhansel, Liederjan u.ä. als »basisdemokratische Kultur von unten« andienen wollten. Wie man sich täuschen kann.

Und wieder rollt sich Michael heran, ein größeres Potential an Selbsthass ist nicht vorstellbar, dieser Mann ist eine Seele von Unmensch. Und noch immer ist es nicht vorbei. Noch ein Toter kommt auf Urlaub. »Alle Menschen kennen seine Lieder«, rafft Michael seine letzten Ressourcen an Ekel zusammen, »er ist der Grandseigneur der Volksmusik – wir ehren und verehren Vico Torriani!«

Noch einmal wuchtet sich Jürgen Wohlrabe auf das Podium, »ach, nicht schon wieder « ächzt und lallt meine Hinterfrau, vergeblich, man muß sie entgegennehmen, die Dinge des Lebens, das begreife ich nun, selbst wenn sie Wohlrabe heißen, eigentlich in den Orbit befördert gehören und jetzt zu Vico Torriani sagen: »Sie sind ein Berliner, ein Stück zumindest«, aber der Greis aus der Schweiz lässt das nicht zu, »wenn ich hier bin, dann bin ich ein Berliner«, antwortet er geradezu sibyllinisch, und dann fackelt er die Tour vom »kleinen Bub« und vom »Zauberland der Berge« ab, der erste und einzige Profi an diesem Abend, mit Bewegungen, die vergleichsweise menschlich wirken, Hüftschwung linksrechts, Skilehrersex, Swing, und Groove, der Mann ist ein Feger, ein Neger gar - so tief kann man fallen, daß man Vico Torriani liebt, weil man zweieinhalb Stunden seiner Lebenszeit hergab für Michael und Marianne und Klaus und Caroline und die ganze Bagage, die einem Gewalt antut allein dadurch, daß es sie gibt.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Platsch, Bestsellerautor Frank Schätzing!

Wie hörten wir Sie jüngst aus dem Radio rausraunen? »Wenn Sie sich einmal in die Politik reinbegeben, verlieren Sie Ihre Freiheit – auch die Freiheit, Dinge auszusprechen. Die Parteistrukturen, in denen Politiker sich von der Pike auf hocharbeiten, sind wie Flüsse, und Sie sind der Kiesel. Sie werden rund geschliffen, ob Sie das wollen oder nicht. Andernfalls kommen Sie ja gar nicht oben an!«

Au weia. Was also, Frank Schätzing, tun? Flusskiesel künftig ungeschliffen lassen, damit sie besser oben ankommen und auf der Wasseroberfläche schwimmen? Strukturen entwässern, damit sie aufhören, wie Flüsse zu sein? Die Pike aus dieser feuchten Metapher nehmen, bevor sie rostet? Ja? Und wenn Politiker dann endlich die Freiheit haben, »Dinge auszusprechen« – was schätzen Sie: Wird das dann so eloquent und bildstark klingen, als hätte es ein gelernter Schriftsteller formuliert?

Übt noch die flüssige Aussprache: Titanic

 Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Wegen eines technischen Fehlers ist Dein Lambrusco in die Wasserleitungen des Örtchens Castelvetro di Modena gelangt und sodann hellrot und schäumend in einigen Häusern aus den Wasserhähnen geperlt. Der Unfall sei aber »nicht mit hygienischen oder gesundheitlichen Risiken verbunden« gewesen, teiltest Du mit.

So begrüßenswert natürlich im allgemeinen eine Alkoholversorgung aus dem Wasserhahn sein mag, müssen wir doch fragen: Hast Du noch alle Spaghetti im Topf, Kellerei Settevetro? Lambrusco zu verabreichen ist nach Recherchen in unserer famiglia sogar der Mafia zu eklig!

Es grüßt mit einem kühlen Konterbier: Titanic

 Hallo, Allos-Brotaufstriche!

»Leckere Linsen mit ausgewählten Gewürzen und Gemüse machen den Allos-Linsenaufstrich so besonders lecker« – ist das nicht ein bisschen halbherzig? Macht neben den leckeren Linsen nicht auch das leckere Gemüse Deinen leckeren Linsenaufstrich so besonders lecker? Ja? Nein?

Schluck’s runter.

Darum bittet Titanic

 Kennen, Hagen Hultzsch (FDP Thüringen),

muss Sie natürlich niemand, dennoch hat es uns beeindruckt, dass Sie auf einem Wahlplakat, über das wir im Weimarer Straßendreck gestolpert sind, gewissermaßen prophetisch gefordert haben, den Menschen mehr zuzutrauen. Völlig daneben lagen Sie allerdings mit Ihrem Gruß »Hallo übermorgen«. Das hätte doch wohl treffender heißen müssen: »Hallo vorgestern«!

Kann sich das auch gut als künftigen Gruß an Ihre Partei vorstellen: Titanic

 Huhu, »Süddeutsche«!

Unter der Überschrift »Lauter Millionäre« gabst Du Arbeitnehmern in Deutschland sieben Tipps, wie sie im Lauf ihres Berufslebens eher 2,8 Millionen als 900 000 Euro brutto verdienen könnten. Neben wertvollen Ratschlägen wie »Berufswahl stellt Weichen«, »Lücken im Lebenslauf kosten«, »Bildung zahlt sich aus«, »Gehalt wächst mit dem Alter« und »Auf die Region kommt es an« heißt es unter »Führungsposten lohnen sich«: »Reichwerden klappt am ehesten, wenn man einen Chefposten ergattert.«

Echt, SZ? Bisher waren wir immer davon ausgegangen, dass man reich wird, wenn man möglichst lange einen subalternen Posten innehat, an dem einem alle anderen sagen, was man zu tun hat: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Frage nach dem Sinn des Lebens

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Handvoll auserwählter Menschen gibt, denen eine höhere Macht den allgemeinen Sinn des Lebens bereits erläutert hat, aber leider sind das wahrscheinlich allesamt solche »Mich fragt ja niemand!«-Typen.

Cornelius W.M. Oettle

 Es gibt nur Innen

Großstädte haben keinen Stadtrand. Es kommt immer noch ein Imbiss, noch eine Baustelle, eine Industriehalle, ein Depot. Geografinnen, Immobilienmakler und Raumplaner starteten Expeditionen, um an den Rand einer Großstadt zu gelangen. Nie sind welche zurückgekommen.

Miriam Wurster

 Wesentlich werden

Neulich im Café bildete ich mir ein, am Nebentisch die Schriftstellerin Karen Duve zu sehen, um dann auf den zweiten Blick zu bemerken, dass es sich in Wahrheit um die Schauspielerin Catherine Deneuve handelte. Meine Hoffnung, es könne sich bei mir in Wahrheit um den Maler Jasper Johns handeln, erfüllte sich allerdings nicht.

Jasper Nicolaisen

 Pragmatismus

Die Oma einer Freundin pflegte in der Nachkriegszeit, als es nichts zu essen gab, ihren hungrigen Kindern einen pfiffigen Ausweg aufzuzeigen, wie sich die Lust aufs Essen leicht vergessen lasse: »Jetz hauma uns halt as Maul am Tischeck an!« Und tatsächlich ist kaum etwas besser geeignet, den knurrenden Magen zu übertönen, als der Schmerzensschrei nach einer an der Tischkante blutig geschlagenen Lippe.

Tibor Rácskai

 Offener Widerstand

Ohne mein Wissen ist aus der Telefonzelle im Dorf ein beschissener offener Bücherschrank geworden. Aus Trotz gehe ich dort jetzt immer telefonieren.

Ronnie Zumbühl

Vermischtes

Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 31.03.:

    Der "Spiegel" befragt TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen zu Corona als Gegenstand von Satire. 

  • 30.03.:

    "Der kleine Herr Tod" von Christian Y. Schmidt ist Buchtipp bei radioeins, die erste Lesung dazu gibt es hier. Auch MDR-ARTOUR stellt das Buch vor. Einen weiteren Livestream gibt es ab dem 1.4. jeden Mittwoch um 19 Uhr.

  • 13.03.:

    Stefan Gärtner in der "Jungen Welt" über Lutz Seiler.

     

  • 07.03.:

    Über den internationalen Frauentag schreibt Mark-Stefan Tietze in der Taz.

  • 06.03.:

    Der "Focus" berichtet darüber, wie TITANIC als "Tesla-Europabüro" die Bürger von Grünheide über die geplante Giga-Factory von Elon Musk aufklärte.