Briefe an die Leser | August 2010


Heda, »Capital«,

eine »viel beachtete Umfrage» ist für Dich, was Du selbst in Auftrag gibst, und wir müssen also dies beachten: »Die tief zerstrittene Koalition hat ihren Kredit in den deutschen Chefetagen nahezu verspielt. 92 Prozent der Entscheider in Wirtschaft, Politik und Verwaltung zeigen sich im Capital-Elite-Panel von der Regierung enttäuscht.« Das sei der schlechteste Wert aller Zeiten! Aber sieh’s doch mal ganz unskandalös, z.B. so: Eine Regierung, die Chefs und Entscheider enttäuscht, kann so richtig schlecht dann auch schon wieder nicht sein.
Stets an der Basis:

Titanic

Und wo, Birgit Schönau (»SZ«),

die Fußball-WM ja nun vorbei ist, da wär’ doch auch ein bißchen Muße, mal nachzuschlagen, was »bigott« eigentlich bedeutet: »Mit der Madonna zieht gegen Neuseeland schon die Reserve ins Tor. Federico Marchetti von Cagliari Calcio hat sich den ganzen Text des Ave Maria auf den Arm tätowieren lassen, was selbst für einen Sprößling der traditionell bigotten Region Venetien ungewöhnlich ist« (19.6.); denn gesagt hat es Ihnen, nachdem Sie das fromme Venetien pauschal der Scheinheilig- und Engherzigkeit geschmäht hatten, offensichtlich keiner: »…der bigotte Ersatztorwart Federico Marchetti mit seinem eintätowierten Ave Maria…« (26.6.).
Schlagen Sie also nach, Frau Schönau. Könnte doch schließlich sein, daß Sie mal bei einem richtigen Sportteil anfangen wollen, gell.
Ihre traditionell biatheistischen Sprößlinge der Region

Titanic

Liebes Nürnberg!

Du bist die »Stadt der Reichsparteitage« und Namensgeber der »Nürnberger Gesetze«. Kürzlich klang an, Du wolltest Dein Reichsparteitagsgelände zum Weltkulturerbe erklären lassen. Das war aber ein Mißverständnis, denn Du widmest Dich künftig rühmlicheren Episoden – fanden in Dir, Nürnberg, doch auch die Nürnberger Prozesse statt. Bald schon sollen Gerichtsbesucher einen Blick in Saal 600 werfen können, wo die Urteile gegen Streicher, Heß, Ribbentrop et al. gesprochen wurden. Aber ganz ohne Augenzwinkern, Nürnberg, alte Nazistadt, geht’s wohl nicht ab – zumindest entnehmen wir das der Süddeutschen. Wenn nämlich in Saal 600 »gerade verhandelt wird« und der Richter daraufhin »einen bestimmten Knopf drückt«, dann »strömt zwischen die Scheiben der Luken ein spezielles Gas, das wie ein blickdichter Vorhang wirkt« – und der furchtbare Richter am Gasknopf, der heißt wie? Filbinger junior?
Dann wäre voll und ganz zufrieden:

Titanic

Man kann, Firma Royalbeach,

natürlich aus allem Profit schlagen wollen – das ist als Händler für allerlei Beach- und Camping-Material ja auch Deine Aufgabe. Aber mitten in die täglich neuen Enthüllungen um die Vorlieben von katholischen, evangelischen und reformpädagogischen Mitarbeitern ausgerechnet ein »Jugend-Kuppelzelt Shuteye« zum Superschnäppchenpreis anzubieten, geht dann doch ein bißchen weit.
Finden jedenfalls Deine Verkupplungsgenies auf der

Titanic

Deine, Nicole Richie,

der Fachpresse mitgeteilte Sorge, daß Deine schwangerschaftsbedingt angeschwollenen Brüste in Verbindung mit Deinen vormals blonden Haaren Deinem seriösen Image schaden könnten, ist so unbegründet wie die, daß Angelina Jolie ihr Schauspieltalent oder Bruce Willis sein Haar verlieren könnte.
Oder eben wir unseren Humor:

Titanic

Ihr lieben Homos!

Daß der Straßburger Menschenrechtsgerichtshof gerade beschlossen hat, Euch keinen Anspruch auf Ehe einzuräumen, soll Euch nicht arg verdrießen – urteilte dieser doch laut FAZ ganz im Sinne der Vielfalt: »Die Rechtslage in Europa, die Rußland oder die Türkei einschließt, ist vielfältig, und dagegen ist nichts zu sagen.« Diese Vielfalt lasse nämlich, aufgemerkt, »Raum für die unterschiedlichen nationalen und kulturellen Identitäten«. Ja, liebe Homos, die kulturelle Vielfalt ist schon etwas Wunderbares: In Rußland werdet Ihr traditionell verprügelt, in der Türkei hingegen nach alter Väter Sitte kräftig vermöbelt; in Polen verhauen, in Ungarn durchgeknüppelt, in Deutschland sogar in Ruhe gelassen – vorausgesetzt, Ihr seid reich, prominent oder wohnt im richtigen Viertel. Seid dankbar, daß der Staat diese Vielfalt schützt!
Im Zweifel aber lieber für die Monokultur:

Titanic

Als Wachtmeister, Nils Minkmar,

des Diskurses um erlaubte politische Träume sind Sie im Frankfurter Allgemeinen Feuilleton nicht selten für den jungen, flotten Antikommunismus zuständig. Und so durften Sie zur Bundespräsidentenwahl als ungefähr Tausendster die Ablehnung des Kandidaten Joachim Gauck durch die Partei »Die Linke« beklagen und mutig feststellen, daß es mutlos sei, nicht die herrschende Meinung zu teilen.
Weil die »Linke« sich noch gelegentlich dem breiten Konsens verschließe, sei sie nichts als ein »Zeitvertreib«, bei dem »eine Welt imaginiert« wird, die »neben oder über der real existierenden besteht und in der es schöner ist« und »keinen Weg von hier nach dort« zu erkennen gibt. Was Sie nur freuen dürfte – würden Sie einen solchen Weg doch niemals freiwillig betreten. Denn es sind nicht die Positionen der »Linken« im aktuellen Politbetrieb, die Sie wirklich stören, es ist der letzte Rest an Utopie einer sozialdemokratischen Partei, der Sie so sehr ärgert, daß Sie noch dem kleinsten Utopisten mit Sichel und Hammer auf die Finger hauen müssen: »Daß Stalin, wie Simon Sebag Montefiores Buch über den ›jungen Stalin‹ nachweist, schon ein Bankräuber, Mörder und Erpresser war, bevor er Kommunist wurde, und daß Lenin ihn nicht trotz, sondern wegen seiner dominanten kriminellen Ader schätzte, das sind Wahrheiten, denen sich eine moderne Linke nun mal stellen muß wie der Vatikan der Evolutionstheorie.« Welchen Wahrheiten muß sich eine moderne Linke denn noch so stellen, Minkmar? Daß Rosa Luxemburg schlecht kochen konnte? Marx’ Arschfurunkeln? Daß sie ein für allemal doof und überflüssig ist?
Man möchte Ihnen gar nicht vorhalten, was in Ihrer ideologischen Verwandtschaft so an krimineller Energie historisch wirkte, denn es nützte wenig: wähnen Sie sich doch frei von Ideologie und imaginieren eine »real existierende« Welt, in der die dominante kriminelle Ader des jungen Stalin so wichtig ist wie die Evolution, die Sie für eine Theorie halten. Aber wenn es Ihnen die Zeit vertreibt…
Auf eine bessere Welt!

Titanic

Wenn Du, »SZ«,

auf Deiner berühmten Seite 3 eine Reportage über die behördliche Kontrolle von Kleinkindern in Folge der an Vernachlässigung gestorbenen »kleinen Lea-Sophie« druckst und darin Pietätlosigkeiten wie diese hervorhebst: »Da haben Eltern das Schlimmste erlebt, was Eltern überhaupt erleben können – ihre Kinder sind tot – und im Briefkasten liegt eines Tages ein Schreiben, das sie in nüchterner Behördensprache auffordert, mit ihrem Kind zum Kinderarzt zu gehen. Ein Alptraum«, dann will man Dir in Deiner Empörung zustimmen. Wenn Du aber in nicht sonderlich nüchterner Journalistensprache diesen Artikel auf Deiner Titelseite mit »Nie wieder Lea-Sophie« ankündigst, dann möchte man Dir zurufen: selber Alptraum!
Läßt Dich wohl besser im Briefkasten liegen:

Titanic

Wir müssen, Spinnen,

mal über Euer Geschäftsmodell reden. Gedacht war es so: Wir erlauben Euch, haarbeinig durch unsere Wohnungen wahlweise zu krabbeln oder zu staksen und Euch irgendwo hinzuhängen, und räumen Euch sogar die staubig oder sonstwie unbenutzbar gewordenen Netze weg. Im Gegenzug schnappt Ihr alles Getier, das uns oder unseren Pflaumenkuchen aussaugen oder Löcher in unsere Klamotten beißen will. So weit, so klar die Abmachung.
Was macht aber Ihr? Ihr spinnt Eure Netze bevorzugt im Badezimmer, am Abflußknie der Toilette oder in einer Ecke der Dusche, und wartet dort, daß jemand vorbeikommt, den ihr fressen könnt. Kommt aber niemand! Sondern nur wir, und zwar mindestens teilunbekleidet! Und das geht so nicht weiter mit Euch und Eurem vermutlich achtäugigen Geglotze. Entweder nutzt Ihr Euer untätiges Herumgebammel, um intensiv über einen Ortswechsel nachzudenken, oder es wird bald duster für Euch enden, nämlich im Inneren eines Staubsaugerbeutels.
Letzte Warnung:

Titanic

»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung«!

In einer Deiner Spielerkritiken zu einem deutschen WM-Spiel behauptetest Du: »Philipp Lahm ist ziemlich genau halb so groß wie sein Innenverteidiger Per Mertesacker.«
Wir sehen jetzt mal von dem etwas irritierenden »sein« ab und fragen direkt: Ist bei 1,70 m (Lahm) und 1,98 m (Mertesacker) Dein »ziemlich« nicht ziemlich ziemlich? Oder ist das einer Deiner ulkigen Scherzchen, mit denen Du zusehends in allen Sparten vollgestopft wirst, und wir haben ihn mal wieder nicht verstanden?
Nimmt’s genau:

Titanic

Rumänen!

Daß Euer vormaliger Verteidigungsminister Militaru hieß, mag man Euch angesichts des damals herrschenden Politclowns Ceausescu noch verzeihen. Aber wer oder was hat Euch dazu gebracht, die jüngste Hochwasserkatastrophe im Nordosten des Landes ausgerechnet durch Gheorghe Flutur vermelden zu lassen? Der Weltgeist?
Wasser marsch!

Titanic

Christian Wulff!

»Also wenn’s nach mir gegangen wäre«, sprachen Sie am Tag nach Ihrer Wahl zum Bundespräsidenten ins Mikrophon der Tagesschau, »also wenn’s nach mir gegangen wäre, hätt’s im ersten Wahlgang klappen können!« Wie, Wulff, sollen wir das verstehen? Als Weiterentwicklung des Vorschlags Ihres Amtsvorgängers Köhler, den Bundespräsidenten direkt vom Volke wählen zu lassen? Und gleichzeitig als radikale Vereinfachung des doch sehr aufwendigen und langwierigen Verfahrens? Nämlich dergestalt, daß der Bundespräsident künftig direkt vom geeignetsten Kandidaten gewählt wird?
Eine betörende Vorstellung, quasi die Einlösung uralter Menschheitsutopien: Wulff wählt Wulff! Vorbei die ganzen unschönen Ränke, das tagelange Gezänke, das ewige Gehänge, und dann: drei Wahlgänge! Statt dessen: Die Bundesversammlung tritt zusammen. Ihr einziges Mitglied, Christian Wulff, schlägt Christian Wulff für das Amt des Bundespräsidenten vor. Christian Wulff wird im ersten Wahlgang einstimmig gewählt. Christian Wulff nimmt die Wahl an. Was für ein rasanter, überzeugender Akt der Entscheidung! Exakt der »Ruck«, den Ihr Vorvorvorgänger Roman Herzog vergeblich angemahnt hatte! Nebenbei: Die Bundesrepublik könnte sich die Reisespesen für 1243 Wichtigtuer und Trittbrettfahrer sparen! Und nicht zuletzt: Die 7,5 Hektar Wald, die für die Bundespräsidentendiskussion in den 147 deutschen Gazetten abgeholzt werden mußten, könnten noch stehen! Auch bräuchte man für den Bild-Aufmacher am nächsten Tag weltweit keine Übersetzung: »Wulff: Blitzwahl!« würde man auch in Burkina Faso verstehen, wohingegen niemand mehr wüßte, was »Politikverdrossenheit« eigentlich noch mal war.
Wulff, Sie sind der Mann, auf den wir gewartet haben!
Ihre Einmanndemokraten auf der

Titanic

Schon Ihr Lebenslauf, Andreas Marlovits,

mit Psychologie-, Sportwissenschafts- und Theologiestudium sowie, quasi als Highlight, der Betreuung von Hannover 96 nach Robert Enkes Suizid läßt ja nicht viel Gutes erahnen. Als WM-Experte für Sportpsychologie erklären Sie dann auch in der Frankfurter Rundschau folgerichtig, daß Sie »amoralisch-abgezocktes« Verhalten im Sport »hervorragend« finden, was Sie mit der Reaktion von Manuel Neuer nach dem nicht gegebenen Tor der Engländer illustrieren: »Er hat einfach so getan, als wäre nichts gewesen, und dies im Interview anschließend sogar bestätigt. Das war, im positiven Sinne, richtig skrupellos, nur auf den eigenen Erfolg bedacht – eigentlich eine durch und durch italienische Eigenschaft. Genau diese Eigenschaft fehlte dem Team vor vier Jahren.«
Dabei habe, so deuten Sie weiter, die deutsche Mannschaft »ein Stück ihrer Ehrlichkeit zugunsten einer klaren Fokussierung auf den Erfolg abgelegt. Wenn man so will, zeigt sie uns hier einen Charakterzug, den man bei vielen jungen Deutschen heute beobachten kann. Ihnen ist der persönliche Erfolg wichtiger als übergeordnete Moralvorstellungen, denen man sich zu beugen hat. Darin drückt sich die kollektive Leistung aus, mit dem Erbe der Vergangenheit anders umzugehen als ältere Generationen.«
Und da wünschen wir Ihnen, Marlovits, insbesondere angesichts Ihres Nachnamens, mal lieber keinen jungen Deutschen mit amoralischem Verhältnis zum Erbe der Vergangenheit an den Hals.
Ganz ehrlich:

Titanic

Dich aber, Stadtwerke Bochum,

beglückwünschen wir zu der wirklich zukunftsweisenden Idee, Deinen Kinderclub »Power Piraten« genannt zu haben. Da lernen sie gewiß etwas Praktisches fürs Leben: Kidnappen, Plündern, Brandschatzen – und vielleicht auch, daß kein Mittel zu schmutzig ist, um an Energie zu kommen.
Ahoi:

Titanic

Pater Eberhard von Gemmingen!

Als ehemaliger Redaktionsleiter von »Radio Vatikan« äußerten Sie sich im ZDF-»Morgenmagazin« zu Walter Mixa, der eine innerkirchliche Intrige gegen sich witterte, die ihn sein Bischofsamt gekostet habe: »Er hat einen Wirklichkeitsverlust, und darüber muß er hinweg.« Da haben Sie natürlich völlig recht, denn katholische Würdenträger und Wirklichkeitsverlust – das geht ja nun gar nicht. Hoffen wir also, daß Seine Exzellenz schnell wieder in der Realität ankommt und sich nur noch mit unbefleckter Empfängnis, jungfräulicher Geburt, Auferstehung von den Toten und dem Verwandeln von Wasser zu Wein beschäftigt.
Wer von diesem Brot ißt, wird leben in Ewigkeit:

Titanic

Karl-Theodor zu Guttenberg!

Der Bunten verrieten Sie, was Sie so alles an Ihrer Frau schätzen: »Sie ist ein wunderbares Korrektiv und ein herrlich kritischer Mensch.« Herrlich kritische Menschen sind nun aber auch all jene, die an Ihnen kein gutes Haar lassen, was bei Ihnen leider bloß undementierte Rücktrittsdrohungen auslöst. Schätzen Sie an Kritikern einfach andere Dinge? Eher ein offenes Ohr und eine tolle Oberweite?
Fragen Ihre wunderbaren Menschen auf der

Titanic

Du, Woody Harrelson,

bist also auch einer dieser politikinteressierten Schauspieler und machst Dir deshalb Gedanken über die Militäreinsätze der USA in der Welt. Dem GQ-Magazin sagtest Du, aktuell hinge dies mit Deiner Rolle in dem Film »The Messenger« zusammen, in dem Du einen Sergeanten spielst, der Familienangehörigen von gefallenen Soldaten die Todesnachricht überbringt. Gut gefallen hat uns deshalb Deine Antwort auf die Frage, wann Du selbst zur Waffe greifen würdest: »Wenn jemand mein Land bombardiert und dann einmarschiert.« Respekt für diese absolut männliche Entgegnung! Nicht minder geistreich aber auch Deine Äußerung zum vielschichtigen Thema Krieg: »Die Rolle in ›The Messenger‹ zum Beispiel ging mir bis ins Mark. Denn zum ersten Mal habe ich nachempfinden können, wie es Soldaten ergeht. Ich finde es bewegend, was sie machen, und ich unterstütze sie, aber gleichzeitig bin ich ein absoluter Gegner des Irakkriegs. Man muß das nur auseinanderhalten.«
Aber Woody, alter Natural Born Killer, wie soll denn das mit dem Auseinanderhalten funktionieren? Hast Du Dir auch schon mal Gedanken darüber gemacht, daß zwischen Krieg, Bombardierungen und Soldaten ein nicht unbedeutender Zusammenhang besteht? Erklär doch mal als »Messenger« den Angehörigen getöteter Zivilisten, daß sie das schön auseinanderhalten sollen; sie wären Dir sicherlich dankbar.
Wäre gern mit der Kamera dabei:

Titanic

Da, »Bild«,

spülen wir seit Generationen Cremetorten und Pralinen mit einem kräftigen Schluck Sauce Hollandaise hinunter und wundern uns, daß wir nicht nur nicht abnehmen, sondern völlig aus der Naht laufen, und dann klärst Du uns endlich über die »größten Diät-Irrtümer« auf: »Margarine macht schlank«? »Butter macht schlank«? Stimmt nicht, öffnest Du uns nun die Augen, denn beide enthalten, jetzt kommt’s: Fett, sind »also sehr kalorienreich«.
Verzichtet künftig auch auf fette Buchstabensuppe:

Titanic

Peter Hahne!

Wir wußten ja, daß auf der Seele eines aufrechten Protestanten wie Ihnen die ewig freudlose Pein von Schuld und Sühne lastet, und wir sehen genauso ein, daß es Schwerstarbeit ist, jahrzehntelang die eigene Löblichkeit massentauglich und ohne jede Ironie und Wut auf den Irrsinn dieser Welt in Büchern und im TV ins Rampenlicht zu stellen, wo Sie uns neuerdings durch Ihre pietistische Penetranz einen weiteren Grund liefern, am Sonntagmittag die Glotze ausgeschaltet zu lassen. Wir nehmen Ihnen deshalb sogar ab, daß Sie unter schmerzvollem Gewissensringen den Leitspruch auf Ihrer »persönlichen Seite« im Netz selbst erdacht haben: »Meine Lebenslast ist Gottes Chefsache«. Gleichwohl, Hahne: Glauben Sie wirklich, daß der Gott, der dieses leuchtende Universum mit 100 x 109 Galaxien und 70 x 1021 Sternen hingestellt hat, die Luxussorgen einer unterdurchschnittlich hellen Birne auf einem marginalen Planeten eines peripheren Sonnensystems zur Chefsache macht? Andererseits: Schon sein minimales Einschreiten könnte einem Glühwürmchen wie Ihnen die Lebenslast nehmen und im Gegenzug hienieden ein kleines Freudenfeuer verursachen.
Wie wär’s?
Mit gutem Draht nach oben:

Titanic

Immerhin, Richard Wagner (»FAS«),

Ihr elitärer Ekel vor den Zumutungen unserer Zeit durch den Pöbel erscheint uns wahrhaftig und aufrecht. So beklagen Sie in Ihrem Blatt, daß »allen, die irritiert sind über die Tätowierung auf dem Oberarm der neuen deutschen First Lady Bettina Wulff«, drohe, »als uncool oder, mit einem älteren Wort, spießig« abgetan zu werden, und zwar von den »hiesigen Beobachtern, denen das Amorphe und Beliebige vertrauter ist« als »ein Gespür für Formen und das Ziemliche«. Dabei sei noch in den neunziger Jahren das Tattoo »nur in den Unterschichten anzutreffen« gewesen, »die ihr vom Staat alimentiertes Leben durch diese Selbststigmatisierung auf Dauer stellten – welcher Arbeitgeber will schon auf Leute setzen, die ihre Asozialität wie ein Ehrenbanner auf der Haut tragen.«
Aber es geht ja alles den Bach runter: »Mittlerweile ist das mit der Individualität und der sozialen Zuordnung schwierig geworden, weil es ja offenbar jeder macht, ob Prekarier, Sparkassenangestellter oder Bundespräsidentenfrau.« Und dennoch: »Selbst wenn der Bundespräsident es ›cool‹ findet, es bleibt ein Import aus der Unterwelt.«
Aber sehen Sie, Richard Wagner, so ist das eben: Soziale Zuordnungen aufgrund irgendwelchen modischen Schnickschnacks sind halt schwierig, weil sich dessen Bedeutung mit der Zeit ändert, es ist halt nur Tand. Ganz anders dagegen das Geistige, das Wort. Was auch immer Sparkassenprekarier oder Buprä-Anhang gerade am Leibe zeigen – Ihre Kommentare bleiben ganz losgelöst von jeder Modewelle immer und jederzeit: Importe aus der Unterwelt und Ehrenbanner Ihrer Asozialität.
Weiß Beständigkeit zu schätzen:

Titanic

Da wurde, »Berliner Morgenpost«,

ein Elfjähriger in einem U-Bahnhof in Berlin-Charlottenburg von der Polizei mit Heroinkugeln im Mund erwischt, und Dein Bericht über diesen Vorgang hebt an mit der Mutmaßung: »Der Junge wurde wahrscheinlich von bisher nicht bekannten Hintermännern als Dealer oder Kurier eingesetzt.«
Den kostenpflichtigen Rest des Artikels mochten wir nicht abrufen, weil wir dafür »wahrscheinlich« nicht blöd genug sind.
Ein Hoch auf die Stochastik!

Titanic

Anne Tismer!

Sie sind Performance-Künstlerin, und eine solche versteht es laut Zeit-Magazin naturgemäß »auch als Kunst-Aktion, wenn sie sich sprachlich äußert«. Worunter bei Ihnen, Frau Tismer, auch ein Interview mit besagtem Magazin fällt, dessen Orthographie auf Ihren Wunsch hin Ihren künstlerischen Bedürfnissen angepaßt wurde. Das liest sich dann etwa so: »Für mich war das das größte Kunsterlebnis und seitdem mach ich auch Kunstaktionen und Objekte und schreib Texte und ich finde alles was ich vorher gemacht hab totalen Pipifax.« Manchmal aber auch so: »Darauf hat mich der Regisseur und Autor Alexis Bug gebracht dessen Idee es war daß ich Hitlerine machen soll – jetzt schreib ich alles um was ich schaffe – auch die Figuren Woyzickine Stalinine Titti Andronine Kaspar Hausiererin Omlettine Schweinsteigerine Faustine Nuttelline und alles.«
Ist nun Kunst, liebe Anne Tismer, frei nach Adorno eben die Wirklichkeit, vom Licht der Erlösung her betrachtet, so möchten wir Ihnen raten, sich doch in diesem Sinne stärker an dem Musiker John Cage und seiner genialen Komposition »4’33’’« zu orientieren: Viereinhalb Minuten absoluter Stille aus Ihrem Munde wären das größte Kunsterlebnis, das wir uns überhaupt vorstellen können. Es danken im voraus:
Ihre Pipifaxenmacher auf der

Titanic

Apropos, Frau Slomka!

Ihren Beitrag zum Regierungsbeschluß einer geringeren Neuverschuldung im kommenden Jahr leiteten Sie so ein: »Die Neuverschuldung soll im nächsten Jahr nur 60 Milliarden statt 80 Milliarden Euro betragen – ›nur‹ in Anführungsstrichen.« Bravo, Slomka. Reißen Sie Politikern, die die Gänsefüßchen weglassen und uns 60 Milliarden als echt wenig verkaufen wollen, die Maske vom Gesicht! Damit selbst der letzte draußen im Land kapiert, daß auch 60 Milliarden Riesen noch ziemlich viel Asche sind.
Angesichts solcher Sternstunden des aufklärenden Journalismus weint minutenlang vor Glück:

Titanic

Werte Marietta Slomka!

Da Sie die Moderation des »Heute-Journals« anscheinend nicht auslastet, fuhren Sie anläßlich der Fußball-WM in Afrika herum und besuchten die Berggorillas in Ruanda. Im Film darüber sieht man Sie mit einem Bergführer im Gebüsch stehen, wenige Meter vor Ihnen turnt ein Gorillamann herum und schiebt sich friedlich große Mengen Blattwerk in den Schlund. Und was fällt Ihnen dazu ein? Ehrfürchtig flüstern Sie: »Dieser Weißrücken könnte zwei Erwachsene mit Leichtigkeit töten.« Macht er aber nicht, Slomka, macht er aber nicht. Wann besuchen Sie denn mal Schafe und Erdmännchen? Auf Ihre albernen Spannungserzeugungsversuche freut sich bereits

Titanic

Rocker, »dpa«,

sind laut Dir auch nicht mehr das, was sie mal waren: »Auf einem Grillplatz bei Roßdorf (Kreis Darmstadt-Dieburg) feierte der Motorradclub ›Black Souls‹ am Samstag sein 40jähriges Bestehen, als gegen Mittag die Biker eines anderen Clubs auf ihren Rädern vorbeifuhren.« Echt? Auf Rädern? So richtig mit Lederbräuten auf dem Gepäckträger, Whisky-Flaschen im Getränkehalter und Totenschädelmotiv auf der Lenkerklingel?
Immerhin gab’s dann statt Nudelsalat standesgemäß eine schöne Portion Prügelsuppe mit Nachschlag: »Vor Eintreffen der Polizei verschwanden die Angreifer. Warum es zu der Schlägerei kam, ist unklar.« Wir vermuten: Luft aus den Reifen gelassen oder Sattel geklaut.
Deine echten Kerle vom MC

Titanic

Während Du, liebe »Taz«,

uns mit einer Deiner Schlagzeilen voll und ganz aus der Seele sprichst: »Auf die Welt bringen lohnt sich nicht«. In dem Artikel geht es dann allerdings nur um Geburtshilfe und die finanziellen Probleme freischaffender Hebammen, weshalb wir empfehlen: Geh dem Gedanken doch mal etwas genereller nach.
Fruchtbare Grüße schickt

Titanic

Michael Bischoff und Michael Adrian!

Wie es sich für gute deutsche Michaels gehört, mehren Sie wann immer möglich den Ruhm des Vaterlandes. Deshalb haben Sie wohl auch für die FAZ einen Text des englischen Schriftstellers John le Carré übersetzt, in dem der darlegt, wie wichtig es ist, sich mit der deutschen Sprache und Geschichte zu beschäftigen. Wenn Sie allerdings le Carrés Anregungen ernstgenommen hätten, wäre Ihnen aufgefallen, daß sich die britische Botschaft unmöglich schon 1960 in Berlin befunden haben kann, wie Sie »übersetzt« haben. Weder in Ost- noch West-Berlin. Und falls Sie jetzt fragen, wo die britische Botschaft damals stand, lesen Sie einfach ein bißchen mehr le Carré. Der Roman »Eine kleine Stadt in Deutschland« enthält alle Informationen, die Sie brauchen.
À la Bonn heure!

Titanic

Lieber Steve Jobs!

Der Erfolg Deiner Firma scheint Dir ja langsam zu Kopf zu steigen. Dein neuestes I-Phone bewirbst Du nämlich mit dem gelangweilten Werbespruch: »Das ändert alles. Wieder einmal.« Mensch, Jobs! Du scheinst Dir überhaupt keine Mühe mehr bei der Entwicklung von Werbesprüchen zu geben. Aber wahrscheinlich hast Du recht: Dein Trend- und Nerd-Spielzeug verkauft sich ja auch so; die Vermarktung des überteuerten Krams haben längst die Feuilletons und Technikressorts der Medien übernommen. Deshalb empfehlen wir Dir für die nächsten Produkte gleich Slogans wie »Da!«, »Schon wieder was Neues« oder »Wenn Sie’s das erste Mal benutzen, ist es bereits veraltet«.
Die Millionen überweist Du bitte an:

Titanic

Huhu, Migranten!

Immer weniger von Euch beantragen also nach aktuellen Erhebungen die deutsche Staatsbürgerschaft. Das ist eine sehr gute Nachricht für Euch, denn damit habt Ihr den immer mal wieder und zuletzt vom CDU-Abgeordneten Peter Trapp geforderten Intelligenztest, dem Einwanderer unterzogen werden sollen, bereits – bestanden!
Eins plus mit Sternchen:

Titanic

Verehrte Schönheitschirurgen!

Wir wollten mal nachfragen, wie es Euch so geht und wie es um Eure Pfründe bestellt ist, wo Lidl gerade für 19,99 Euro den »Körper- und Haartrimmer« von Remington auf den Markt geworfen hat.
Sammelt schon mal das Abgetrennte für Euren Unterhalt:

Titanic

Gut, Steffen Seibert,

Sie werden nun also vom Moderator des »Heute-Journals« zum Regierungssprecher. Was wir nicht verstehen: Wo ist denn da die »neue Aufgabe«, die Sie laut Ihrer ersten Stellungnahme gereizt hat?
Guten Abend, das Wetter:

Titanic

Mensch, Christine Haderthauer!

Der Vorschlag der FDP, die Ausgaben für das Elterngeld zu kürzen, war für Sie als CSU-Sozialministerin »ein weiterer Beweis dafür, daß die FDP inhaltlich konzeptlos herumschlingert zwischen Klientelpolitik für Superreiche und sozialistischer Familienpolitik à la Pinochet«. Und von inhaltlichen Konzepten verstehen Sie ja so einiges – wo doch Augusto Pinochet, einer der großen Vorkämpfer der sozialistischen Bewegung im 20. Jahrhundert, in seine Familienpolitik das innovative Mittel des Verschwindenlassens mißliebiger Angehöriger einführte und ansonsten sein Politikverständnis vor allem auf Privatisierungen konzentrierte, weshalb er von Ihrem Großen Vorsitzenden, dem seligen FJS, mit besonderer Zuneigung bedacht wurde.
Aber jetzt sagen Sie mal, Frau Haderthauer: Haben Sie eigentlich auch dieses Bayern-Abitur, von dem man immer soviel hört?
Bildungsbürgerlich grüßt

Titanic

Sie, Steve Fuller,

sind Professor für Soziologie an der Universität Warwick und machen sich in der Welt so Ihre Gedanken über die Diskussion um die finanzielle Ausstattung der Universitäten. Dazu bemühen Sie allerlei krause Theorien, um beispielsweise zu erwägen, ob »Universitäten ihre Forderungen jetzt verringern sollten, um den Bedürfnissen der Gesellschaft insgesamt gerecht zu werden, nicht zuletzt im Hinblick auf ihre CO2-Bilanz«. Denn, ganz klar, weniger Geld für die Unis bedeutet letztlich weniger Studenten mit weniger Semesterferien und weniger Reisen in ferne Länder oder so ähnlich. Viel wichtiger ist Ihnen aber eine Steigerung der Effizienz. Die am besten wie zu erreichen ist? Die Überschrift Ihres Beitrages läßt es ahnen: »Die kreative Kraft des universitären Mangels«. Und so verweisen Sie völlig zu Recht auf die »Dominikaner und Franziskaner«, die schließlich auch »vom Betteln gelebt« hätten und dennoch Lehrstühle besetzten; deren »Autonomie beruhte auf der bewährten langfristigen Fähigkeit, mit dem, was sie bekommen hatten, mehr zu machen, als man erwartete.« Woraus Sie schließlich folgern: »Universitäten erfüllen ihre natürliche ökonomische Funktion, wenn Wissenschaftler leicht verständlich reden und schreiben, akademischen Jargon entmystifizieren und Anwendungsmöglichkeiten in Wissensgebieten hervorheben, die nicht die Akademiker selbst anbelangen.«
Wenn wir Ihren unverständlichen Jargon mal kurz entmystifizieren und die Anwendungsmöglichkeiten Ihres Geschwurbels hervorheben dürften: Macht die Studenten zu Bettlern und gebt den Unis weniger Geld, schon kommen sie ihrer natürlichen ökonomischen Funktion nach und spucken noch besser marktverwertbare Dummbeutel aus. Typen also, wie Sie einer sind. Wenn es doch nur mit dem verständlichen Reden und Schreiben endlich klappen würde!
Wo die Armut mit der Fröhlichkeit ist:

Titanic

Liebe Bahn,

seit Du Deinen Kundenkot nicht mehr auf offener Schiene verklappst, sondern per »geschlossenem Wasserkreislauf« auffängst, lesen wir in Deinen Zugtoiletten andauernd: »Papierhandtücher, Damenbinden und Verpackungen führen zu Verstopfung und Ausfall der Toiletten«. Daß all diese Utensilien einen Ausfall der Klos verursachen können, leuchtet uns ja ein. Wenn sie aber auch zu Verstopfung führen – ist dann eine Toilette nicht der denkbar schlechteste Ort, um davor zu warnen?
Fragen Deine Spezialisten für Abfuhr, c/o

Titanic

Kardinal Bertone!

Grade eben erst hatten wir Ihnen, dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär, der rechten Hand von Benedikt Ratzepapst, Gottes Stellvertreterstellvertreter also, geraten, sich fürderhin in Schweigen zu hüllen und die Öffentlichkeit zu meiden wie der Pfarrer das Planschbecken, da erregten Sie sich laut Spiegel über eine Razzia bei der belgischen Bischofskonferenz, wo es galt, alte Akten über pädophile Priester aufzutreiben. Die von der Polizei durchsuchten Bischöfe wurden nämlich neun Stunden lang ohne Essen und Trinken festgehalten; eine grausame und demütigende Behandlung, die man nicht einmal Tieren oder Zimmerpflanzen angedeihen lassen sollte – oder, wie Sie, Bertone, es ausdrückten: »Als wären sie Kinder«. Eminenz! Das haben Sie nicht wirklich gesagt, oder? Das hat sich der Spiegel ausgedacht, oder? Denn wenn Sie Ihren kircheninternen Kinderdrill samt Einsperren und Hungernlassen nun schon öffentlich und anlaßlos eingestehen, dann läßt das nur zwei Schlüsse zu: daß Ihnen a) schon alles wurscht ist, weil inzwischen ruhig jeder wissen kann, was in Ihrer Institution so los ist, oder daß Sie b) die relativ neue christliche Tugend der Selbstironie entdeckt haben.
Wir tippen auf a).

Titanic

Ole von Beust!

Da schlurften Sie seit geraumer Zeit durch Ihr Hamburger Bürgermeisterdasein, ohne viel Lust und ohne daß es jemand groß bemerkt hätte, und plötzlich erhoben Sie in der Süddeutschen doch noch mal Ihr Stimmchen für die bundespolitische Sache – nämlich mit einer dringenden Empfehlung an die koalitionsgeplagte Kanzlerin: »Wenn das Vertrauen flöten geht, müssen Sie auch mal auf den Tisch hauen. Wenn ein Minister illoyal ist, wäre es klug, ihn rauszuschmeißen.«
Was aber, von Beust, qualifizierte Sie für solch einen kühnen Ratschlag? Kann es sein, daß Sie zwischen den Zeilen geschickt auf die eine Heldentat in Ihrem eigenen Curriculum Vitae verweisen wollten? Anspielen auf die Zeit, als der Krawallsenator Ronald Schill Sie mit Details aus Ihrem Privatleben zu erpressen versuchte und Sie, kurz nachdem Ihr Vater sich eingemischt und Sie endgültig geoutet hatte und also der ganze Vorgang bis zur Unerträglichkeit gediehen war, sich dann doch mal zum Handeln genötigt sahen – was sich dem Publikum in der verklärten Rückschau allerdings so darstellen sollte, als hätten Sie damals aber mal so was von auf den Tisch gehauen, wie Sie’s nun Frau Merkel rieten: »Dann muß die Kanzlerin sagen: Ich bin der Kapitän. Ich habe jetzt dreimal gemahnt, nun fliegst du raus. Das habe ich ihr auch im Präsidium gesagt.«
Und wie hat Angela Merkel auf diesen Rat eines beißerprobten harten Hundes wie Ihnen reagiert? »Sie hat herzlich gelacht.« Sie kennt wohl ihre Kläffer.
Zum Abschied leise servus:

Titanic

Deutsche Medien!

Daß Mannschaften bei einer Weltmeisterschaft ausscheiden, liegt in der Natur der Sache, daß es die deutsche traf, war auch nicht richtig überraschend. Überraschend eigentlich nur das Echo im Blätterwald: »Aus der Traum!« (Bild), »Aus der Traum!« (Berliner Kurier), »Aus den Träumen geballert« (B.Z.), »Aus der Traum« (Welt kompakt), »Aus der Traum« (Financial Times Deutschland), »Der Traum ist aus« (Berliner Zeitung), »Aus! Aus! Der Traum ist aus!« (Spiegel online) – was eigentlich nur wieder belegt: Wer so viel träumt, hat zumindest gut gepennt.
Träumt manchmal von Medienvielfalt:

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Je nun, Markus Feldenkirchen (»Spiegel«),

in einem als »Kolumne« bezeichneten Beitrag versichern Sie, dass Sie in den Siebzigerjahren »größtenteils noch nicht geboren« gewesen seien. Wir drücken Ihnen die Daumen, dass es Ihr Kopf wenigstens noch im Laufe unseres Jahrzehnts auf die Welt schafft.

Mit Mitgefühl für Ihre Mutter: Titanic

 Kurze Frage, »Taz«!

»Als er im Juli 2014 ankommt, spricht der Syrer Tarek Saad kaum Deutsch«, lesen wir in Deiner Online-Ausgabe. Und weiter: »Heute ist er deutscher Staatsangehöriger und überzeugter Sozialdemokrat.«

Sollte man, Taz, nicht vielleicht auch mal über Beispiele geglückter statt immer nur missglückter Integrationsbemühungen berichten?

Nur soʼn Gedanke von Titanic

 Aber, »Bild«,

wo bleibt denn Deine Liebe zum blutrünstigen Detail? Bei Deiner Schlagzeile »Deutsche Fleischindustrie hackt auf Bill Gates rum«: da will man doch wissen, was schließlich draus geworden ist! Koteletts? Nackensteaks? Halb und halb?

Leg Dich gehackt! Titanic

 Sie hingegen, Thomas de Maizière,

haben der FAS ein sehr, sehr langes Interview gegeben. Zusammen mit einem alten Spezi aus der Wirtschaft (»mächtigster Aufsichtsrat der Republik«) bramarbasierten Sie über »kluge Führung und die Einsamkeit der Macht«.

Erwartbar bullshittig ging es um »Teamfähigkeit«, »flache Hierarchien« und »sein volles Potential« nutzen. Aber auch darum, »sich nicht zu wichtig zu nehmen«, um »Selbstreflexion« und ein beachtliches »Der Chef ist immer der Chef. Da beißt die Maus keinen Faden ab« aus Ihrem Munde.

Die interessantesten Sätze in diesem mit interessanten Sätzen wahrlich nicht gesegneten Gespräch waren die, als Sie zu selbstreflexiver Hochform aufliefen. Bei der Frage nach Auswahlmechanismen für höhere Ämter fiel Ihnen ein: »Es kommt auf die Konstellation an: Man muss im richtigen Moment verfügbar sein, aus dem richtigen Landesverband kommen, die richtige Härte haben, die eigene Partei muss obendrein in einer Koalition das passende Ressort ergattern. Andererseits wird kein kluger Kanzler, keine kluge Kanzlerin irgendeinen Esel zum Minister machen.«

Sind Sie sich da ganz sicher?! Und warum ist Ihnen das gleich dreimal passiert?

In jeder Hinsicht ministrabel: Team Titanic

 Als Sie, Tom Bartels,

Als Sie, Tom Bartels,

im Rahmen der Übertragung des Fußballspiels Mönchengladbach gegen Dortmund an den noch nicht lange zurückliegenden Winter erinnerten und die Worte aussprachen: »Witterungsbedingt lag auch hier Schnee«, haben wir diese Aussage zunächst reflexhaft als Bartels-gängiges gedankenloses Wortgestöber beiseitegefegt, dann aber, bei vorurteilsfreiem Nachdenken, erkannt, dass Sie natürlich nachgedacht hatten: Schließlich ist es angesichts von Kunstschnee, Kunsteis, Kunstrasen und anderen Erscheinungen des künstlichen Gegenwartssports durchaus richtig, dem Publikum zu erklären, dieses Mal habe es ausnahmsweise witterungsbedingt geschneit. Schnee von gestern? Na dann.

Guten Rutsch: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Gebongt

Mein Plan ist es, einen Roman zu schreiben, den man auch mit Kassenbons nachstellen könnte. Inspiriert wurde ich von meinem letzten Einkauf, und der Anfang steht auch schon:

Hass
DuDa
Gemüse-Auf
Dent
Ohren-?

Nun brüte ich zwischen Avocados und Ohrstöpseln nach Dusch-Das duftend bei einem Gemüse-Auflauf über dem zweiten Satz. Fortsetzung folgt nach dem Zähneputzen!

Tina (Arno Schmidt) Manske

 Die Zukunft der Arbeit

In der Schlange beim Bäcker schweifen die Augen zum lauten Schild: »Unser Service! Wir schneiden Ihr Brot für Sie!« In der Trägheit der verwarteten Zeit zerstreute Anagrammarbeit: Wir schneiden Sie für Ihr Brot – albern. Allerdings: Ihr Service für uns! Sie schneiden unser Brot – das wird noch kommen, auf jeden Fall.

Nis Jasper Nicolaisen

 Bleaching Lounge

Professionelle Zahnreinigung frischt nebenbei auch das Gehirn auf. Durchhängende lange Leitungen straffen sich durch die Vibrationen, Kratzgeräusche schleifen die Synapsen blank. Ich kann anschließend schwierige mathematische Aufgaben lösen, Quittungen den Kontoauszügen zuordnen etc. Deshalb erwäge ich, mir ein kleines Dentallabor mit verstellbarem Sessel und einigen Geräten anzuschaffen, inklusive automatischem Desinfektionmittelzerstäuber. Dorthin begebe ich mich morgens nach dem Kaffee etwa für fünfzehn Minuten und lasse die Geräte walten. Danach bewältige ich den Alltag mit Verve. Ich denke, nach einem Jahr dürfte ich die Investition wieder raushaben.

Miriam Wurster

 Klar getrennt

Anlässlich einer kulinarischen Facebook-Debatte über sog. »Weiße Nieren« bzw. »Prairie Oysters« bemerkt: Stierhoden, die es auf den Teller geschafft haben, sind nicht nur keineswegs »Innereien« – denk mal nach, Wikipedia! –, der Begriff ist insgesamt irreführend. »Ochsenhoden« muss es heißen. Ausnahme: Es hängt beim Essen noch der Stier dran.

Michael Ziegelwagner

 Es war nicht alles gut

Als kleine Gruppe Enddreißiger mit DDR-Hintergrund diskutierten wir über die im Vergleich zu heute wahnwitzig scheinende Sorglosigkeit, mit der Eltern in dem untergegangenen Staat ihre Kinder großzogen. Beispielsweise sei es völlig normal gewesen, dass unsere Mütter, wenn sie kurz in die Fleischerei gingen, uns Babys samt Kinderwagen unbeaufsichtigt vor dem Laden stehen ließen – und hat’s uns geschadet?! Nun gut, wandte jemand in der Runde ein, er erinnere sich an die Geschichte eines bei solcher Gelegenheit gekidnappten Säuglings; worauf eine Freundin erzählte, dass auch sie und ihr Zwillingsbruder einmal Opfer einer versuchten Entführung geworden seien und die verwirrte Täterin erst Hunderte Meter vom Geschäft entfernt aufgegriffen wurde. Nach kurzem Schweigen waren wir uns dann aber doch einig, dass man es mit dem ständigen Behüten auch übertreiben könne!

Torsten Gaitzsch

Vermischtes

Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURMax Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURStefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 29.03.:

    Das Neue Deutschland befragt Ella Carina Werner u.a. zu ihrer neuen TITANIC-Kolumne.

  • 24.03.:

    Christian Y. Schmidt erinnert in Junge Welt an Hans Kantereit.

  • 08.03.:

    Die Frankfurter Rundschau hat in Frankfurt eine Open-Air-Performance der "Volksbühne Berlin" gesehen – alle Details zur Theater-Kooperation mit TITANIC in der bald erscheinenden Aprilausgabe.

     

  • 25.02.:

    Die Junge Welt bespricht Christian Y. Schmidts "Corona Updates Bejing".

  • 23.02.:

    Spiegel und Faz berichten über das Comeback von TITANIC im Google Play Store. Mit netzpolitik.org hat Moritz Hürtgen darüber gesprochen.

Titanic unterwegs
21.04.2021 Köln, Gloria Theater Max Goldt
23.04.2021 Hannover, Pavillon Max Goldt
24.04.2021 Leer, Kulturspeicher Max Goldt
25.04.2021 Norden, VHS Max Goldt