Briefe an die Leser | Februar 2008


Liebes Tegernseer Bier!

Du bist ein feines Bier. Ein ganz feines Bier sogar! Du, Tegernseer, schmeckst uns sehr gut! Hmmmmmm! So gut schmeckst Du uns! Tegernseer – prima! Ein Klasse-Bier aus dem Herzoglich Bayerischen Brauhaus Tegernsee! Ein Bier, das wir am liebsten jeden Tag trinken würden! Weil es uns so hervorragend schmeckt! Kurz: Tegernseer Bier, ein ausgezeichnetes Bier!

Wollten Dir mal gesagt haben: Deine Bierfreunde auf der

Titanic

Andrea »Kiwi« Kiewel!

Ihre Entlassung als Moderatorin des ZDF-Fernsehgartens wegen Schleichwerbung für die Weight-Watchers hätte uns ja nun weißgott kaltlassen und wurscht sein können; aber daß Sie Ihre hämischen Kollegen vom Printsektor, die allenfalls mal erlaubte Werbung für Angela Merkel machen, zu Originalitätsleistungen wie »Andrea Kiewel bekommt ihr Fett weg«, »Dickes Ende für Andrea Kiewel« oder »Die Kiwi-Diät« hingerissen haben, das nimmt dann doch ein bißchen schwer:

Titanic

Radio Horeb, München!

Derweil Dich, Gott wird seine Freude daran haben, kein Mensch kennt, wollen wir zunächst einmal Auszüge aus Deinem Unternehmensleitbild zitieren: »Radio Horeb will seinen Beitrag zu der vom Papst gewünschten Neuevangelisierung leisten. Es will der ›Ausbreitung und Festigung des Gottesreiches‹ (II. Vatikanisches Konzil, Inter mirifica Nr. 2) dienen. Entscheidend ist das Vertrauen auf die Vorsehung Gottes. Radio Horeb versteht sich als Sender in, aber nicht von der Kirche. Alle Referenten und Gruppen, deren Wirken im Einklang mit der Lehre der katholischen Kirche steht, haben die Möglichkeit, sich einzubringen. Privatoffenbarungen werden nicht ausgestrahlt« –

da sei der HErr vor. Wenn dann aber einer Deiner sprachbehinderten Referenten den Zuhörern panisch zuruft: »Homosexualität macht Krebs!«, ja ist das denn, hol’s der Teufel, etwa keine rundum gelungene, erstaunlich enthüllende, wenn nicht gar entblößende Privatoffenbarung? Weil dieser Satz im Einklang mit der Lehre der katholischen Kirche steht?

Na dann!

Gefestigt:

Titanic

He, Unterschichtler!

Könntet Ihr mal damit aufhören, Euren Nachwuchs in aller Öffentlichkeit derart anzupampen, daß man erst hingucken muß, um herauszufinden, ob Ihr mit einem Kind oder mit einem Hund redet?

Darum bittet höflichst Eure

Titanic

Patricia Riekel!

Die Art und Weise, wie die ­Medien den Zusammenbruch der Britney Spears ausmünzen, ist schon eine genuin ekelhafte, wie Sie in Ihrem Bunte-Editorial vom 10.1.2008 messerscharf analysieren bzw. mit der geschundenen Popmaid mitfühlen: »Die Eltern, die bezahlte Interviews geben, die angeblich besten Freunde, die deine Geheimnisse ausplaudern, um selbst berühmt zu werden, die Friseuse, die dein abgeschnittenes Haar über eBay verhökert.« Menschen, für die das Wort Mensch schon zu hoch gegriffen ist, wie Sie weiter ausführen: »Die Biologie kennt den Begriff des Wirtstieres, das von Parasiten befallen wird. Es gibt zum Beispiel einen Wurm, der Krebse befällt und sie quasi auf Selbstmord programmiert. Die infizierten Krebse verlieren ­ihren angeborenen Schutzmechanismus und schwimmen ihrem Feind, dem Flußbarsch, direkt ins Maul.« Mit welchem schönen Tiervergleich würden Sie, Patricia Riekel, nun aber Menschen benennen, die andere Menschen Parasiten zeihen, dann aber im selben Heft auf elf Seiten in einer weinerlichen, bis ins Detail korrupten Sprache die ganze Causa Britney noch einmal Revue passieren lassen, samt Fotos und eines »Stammbaums«, der darlegt, wer mit wem wann schnackselte, rauschgiftsüchtig oder vorbestraft war? Die Primatenforschung kennt da beispielsweise den Mandrill, einen Affen, der den ganzen Tag den Arsch offen hat. Im Gegensatz zu anderen Menschenaffen erkennt sich der Mandrill nicht selbst im Spiegel und geifert wie blöde den vermeintlichen Konkurrenten an. Ist Ihnen mit diesem Vergleich geholfen? Nein?

Dann grüßt mit einem freundlichen q.e.d.:

Titanic

Berlin!

Nun hast also auch Du ein Nichtraucherschutzgesetz mit den üblichen verquarzten Ingredienzien: Raucher vor die Tür, Einrichtung von separaten Raucherräumen, die keine Durchgangszimmer sind, in denen nicht bedient werden darf usw. Aber, Berlin: Du wärst nicht Berlin, wenn Du nicht noch eins draufsetzen würdest: Fluchtwege und Zuwege zu Notausgängen dürfen gleichfalls nicht durch Raucherräume führen, und das ist lobenswert – schließlich könnten die in Panik Flüchtenden in den übelst zugequalmten Raucherräumen ja schnell die Orientierung verlieren oder sich bei der Flucht aus dem brennenden Haus im Raucherraum noch flugs eine gefährliche Rauchvergiftung zuziehen!

Husthust:

Titanic

Und endlich, Alex Dengler (»BamS«),

haben Sie einmal angedeutet, wie man ein so berühmter Buchkritiker wird: »Daniel Silva geht endgültig in die Analen der weltbesten Autoren von Spionagethrillern ein.« Und Sie haben Ihren Posten vermutlich deshalb, weil Sie Ihren Vorgesetzten in die Analen gekrochen sind?

Ihre weltbesten Autoren auf der

Titanic

Huhu, Bahn!

Nach div. Aufenthalten vor allem am Wochenende und vor allem auf Deinen Provinzbahnhöfen, wo Du ja als einzigen Angestellten meist einen liebesbedürftigen Automaten beschäftigst (»Drücken Sie bitte den Schirm«), raten wir Dir angesichts dessen, was da auf dem Boden fast ausschließlich herumliegt, dringend, Deine in »Papier«, »Glas« und »Restmüll« unterteilten Abfalleimer um ein weiteres Fach zu erweitern: Kotze.

Schön sauber bleiben!

Titanic

»Bild«!

»Ihre Stimme ist eine rauchzarte Verführung. Ihre stahlblauen Augen versetzen Männer in Hypnose. Ihr Körper ist ein Versprechen der Lust« – nicht von H. Klump ist die Rede, sondern von C. Bruni (Frankreich), die sich ebd. mit dem nagetierhaften Präsidenten Sarkozy eingelassen hat, aus guten, von Dir rapportierten Gründen: »Nicolas ist gar nicht so schön. Aber er ist sehr zart, wie ein kleiner Biber mit samtweichem Fell« und verfügt über alle Attribute des Alphatieres: »Humor, Potenz, Stärke und Männlichkeit« und was man als Chansonnieuse aus gutem Hause, der lustige Pariser Vorstädte und potente Geschäftsbeziehungen mit Staatsterroristen naturgemäß schnurz sind, halt so unwiderstehlich findet. Aber warum, Bild, fehlte angesichts dieser strahlenden Verbindung die doch nun wirklich prima Schlagzeile »Die Schöne und das Biest«?

Dis-le nous!

Titanic

Und Sie, Roger Boyes,

sind Deutschland-Korrespondent der Londoner Times und mußten nebst einer französischen Kollegin für das sturzöde und kenntnislose Zeit-Feuilleton zum Thema »Worüber die Deutschen lachen« an dem in diesem Zusammenhang natürlich unverzichtbaren und gleich noch mal öderen Gespräch titels »Was halten unsere Nachbarn vom deutschen Humor?« teilnehmen: »Eigentlich ist die deutsche Sprache ideal für Stand-up-Komiker. Man kann ganz am Ende eines Satzes ›nicht‹ sagen, alles auf den Kopf stellen und das Publikum überraschen.«

Und auch wenn Komikkundige bislang den Standpunkt vertreten haben mögen, die Syntax des Deutschen lasse spät nachgeschobene, den Sinn eines Satzes umkehrende Wörter wie »nicht« eben eher nicht zu – das ­Gegenteil ist richtig: »Kommt ’ne Frau beim Arzt nicht«, hahaha!

Jedenfalls thank you:

Titanic

»Land’s End«!

»Sweatshirt-Jacke mit Reißverschluß für Herren in Normalgröße: Her(r)lich weich und warm« – und weißt Du was:

Ge(k)auft!

Titanic

Erzkünstler Jonathan Meese!

Dem Deutschlandradio Kultur und seinen Hörern jammerten Sie Ende Dezember schwer was vor: »Ich langweile mich kolossal.« Das beruht zunächst auf Gegenseitigkeit, aber weiter im Text: »Ich kann kaum noch alleine sein, aber ich möchte nur noch von Chefs umgeben werden, die mir genau sagen, was ich zu tun ­habe … Ich brauche diese Bühne. Wenn mir jemand als Chef ’ne Bühne zur Verfügung stellt, mach’ ich da gerne was.« Nichts leichter als das. Denn zufällig haben wir gerade in Frankfurt die Große Bockenheimer Bewerft-den-eitlen-Meese-mit-faulen-Eiern-Bühne eingerichtet, die würden wir Ihnen mit Freuden zur Verfügung stellen. Haben Sie Lust? Wir wüßten schon genau, was Sie zu tun haben – und langweilig würde Ihnen bestimmt auch nicht!

Oder jedenfalls uns.

Ihre Chefs von der

Titanic

Hallo, Michelle (Schlager)!

Im Jahresrückblick unserer Lieblingsinformationszeitschrift Bunte haben wir gelesen, daß Sie im letzten Jahr einen Herrn Josef Shitawey geheiratet haben. Auch lasen wir, daß die Ehe der zweite Versuch sei, Sie waren wohl schon mal mit Herrn Shitawey liiert, allein, es ging dann auseinander. Da bleibt uns nichts weiter übrig als Daumen drücken! Und falls es wieder schiefgehen sollte, dann: seien Sie nicht überrascht. Bzw. froh!

Shit happens!

Titanic

Zu schön, »FAZ«-Feuilleton,

auch die Unterzeile auf Deiner Seite 36 vom 10. 1. zum Foto ­zweier sauber rot und weiß gestrichener Wände im Münchner Lehnbachhaus: »Hat die praktische Gesellenprüfung im Maler- und Tapeziererhandwerk bestanden: Rupprecht Geiger« – na ja, eigentlich stand da: »Leinwände, vom Rahmen und klassischer Form befreit, leuchtende Farben, die sich über Wände ausdehnen: Willkommen im Werk von Rupprecht Geiger.«

Wäre auch, wie gesagt, zu schön gewesen.

Titanic

Vilma!

Du bist eine der beiden amtierenden Eisbärinnen im Nürnberger Zoo und hast in dieser Eigenschaft ­Deine zwei Jungen aufgefressen – aber ­warum? Warum hast Du »Deutschlands Kuschelnachwuchs« (Bild) gekillt? Um den bayerischen Europa­minister Söder (»Es ist absolut herzlos, was da abläuft!«) aufs Glatteis führen und als schmalzscheißenden Scharlatan vorzuführen? Oder um Deinen Jungen eine beknackte Knutkarriere zu ersparen?

Das ist ein Grund!

Weiterhin guten Appetit wünscht

Titanic

Peter Hahne!

Zum Thema »Tod auf Bestellung – Geschäft oder Erlösung?« sagten Sie in einer Talkshow zum Tod Ihres Vaters: »Mein Vater hat Stalingrad und fünf Jahre Kriegsgefangenschaft erlebt – diese schrecklichen Dinge. Vielleicht ist das ein Problem unserer Zeit, daß wir Schmerz und Leid nicht mehr ertragen.«

Stimmt, Hahne, ja gar nicht. Sonst hätten wir uns Ihren Schmarrn doch gar nicht angehört!

Wartet noch auf Ihr persönliches Stalingrad:

Titanic

Nick Griffin!

Sie sind Vorsitzender der British National Party und mögen es überhaupt nicht, wenn Ihr Rassistenverein als faschistisch bezeichnet wird. Um so lustiger fanden wir die Begründung Ihrer parteiinternen Kritiker für die neulich erfolgte Abspaltung »Real BNP«: Sie, Griffin, hätten sich – wie ein Diktator verhalten!

Nur weiter »so«:

Titanic

Danke auch, Club Zito’s (Mannheim),

der Du kürzlich Deine Lauf­burschen mit Flyern bewaffnet durch die Stadt geschickt hast, um ­folgende Werbebotschaft hinter die Auto-scheibenwischer Deiner Mitbürger zu klemmen: »Housemusic is not a f**king trend – it’s a lifestyle«. Krasser Scheiß, Zito’s, aber da fällt uns auch was zu ein: Our cars sind nämlich Fortbewegungsmittel, und keine f**king Litfaßsäulen, tell that your bastards von Austrägern!

Ja?

It’s a lifestyle:

Titanic

Schon klar, Marilyn Manson,

daß ein Antichrist-Superstar wie Sie nicht Rücksicht nehmen kann auf die Bedürfnisse der Bewohner aller Trailer-Home-Siedlungen, durch die Ihre Welttournee Sie führt. Aber: »Marilyn Manson hat in Offenbach seine schaurige Show gezeigt« – meinen Sie nicht auch, daß auch diese Menschen mal ein bißchen Ablenkung verdienen? Wenigstens abends, und wenn sie Eintritt bezahlt haben?

Fragen Ihre Schauerromanciers von der

Titanic

Da schreibst Du, »Hobsons Absolventenkongreß«,

auf Deine Einladung zu »Deutschlands größter Jobmesse«: »Jahrelang haben Sie gelernt, geackert, sich gequält. Nach zwei Tagen wissen Sie, wie weit es Sie gebracht hat.« Und meinst damit: Ob wir auch fleißig genug waren, um nun, durch Dich vermittelt, in den kommenden sagenwirmal 40 Jahren von Commerzbank, Ikea, Aldi oder sonstigen kapitalistischen Konsorten ausgelaugt und verbraten zu werden; und ob wir als mit jeder Menge Soft Skills ­ausgestattete Young Professionals nichts lieber tun wollen, als uns für Consulting-Dienste bei Global Playern den Arsch aufzureißen. Oder? Das meintest Du doch? Und weißt Du, Hobsons Absolventenkongreß, was:

Nö.

Andernfalls hätten wir ja nichts gelernt!

Weit gebrachte Grüße:

Titanic

Und Du, Kölner Journalistenschule,

willst junge, kreative und um die Ecke denkende Journalisten dazu bewegen, sich am Wettbewerb um den Kölner Medienpreis 2008 zu beteiligen, und zwar mittels einer ganzseitigen Anzeige im NRW-Quartalsheft des Deutschen Journalistenverbands: »Sind Sie preiswert*? Dann bewerben Sie sich um den Kölner Medienpreis 2008 mit Ihrer preiswerten* Berichterstattung« – und anstatt diesen allenfalls mäßigen, mit einem Mindestmaß an Intelligenz ja ohne weiteres zu durchschauenden Wortwitz einfach so stehenzulassen, hast Du unten rechts eine Fußnote plaziert: »* preiswert: den Preis wert sein, Anerkennung verdienen, Preisträger werden, Applaus einheimsen«. Als würdest Du, Kölner Journalistenschule, dem kreativen Nachwuchs zeigen wollen, wie Kreativität auf gar keinen Fall geht, indem man z.B. einen Witz zu Tode erklärt.

Und dafür heimst Du garantiert keinen Applaus ein von Deiner

Titanic

Es war zwar, Juliane von Mittelstaedt,

nur der Stern, für den Sie’s schrieben, und auch nur online, aber immerhin für die Rubrik »Erlesen – ausgewählte Artikel«. Und erlesen war es wirklich, was Sie da über den kurdischen Bauern Muhittin verfaßten, der vor dem Krieg floh und nun wieder nach Anatolien in sein Dorf zurückgekehrt ist: »Außer heimischen Staubs erwartet ihn dort nichts – wegen eines Entschädigungsgesetz, daß seinen Namen nicht verdient.«

Drei Grammatikfehler in einem Satz: lernt man daß auf der Henri-Nannen-Schule, die Sie mal besucht haben? Oder hätten Sie’s zum Not auch ohne eines Ausbildung hinbekommen?

Zuversichtlich:

Titanic

Hoffmann und Campe!

Du hast unter dem Reihentitel »cadeau« ein neues Geschenkbuchformat auf den Markt geworfen und offerierst darin nicht nur Glücklichmacher wie »Für die allerbeste Mutter der Welt«, sondern auch eine Serie mit Männerhobbybüchern: Die ersten beiden Titel hießen »Gärtnern« und »Fischen«. Warum, Hoffmann und Campe, heißt der dritte Band jetzt aber bloß »Vögel«?

Mehr Mut! Wünscht

Titanic

Gelesen, Hans-Olaf Henkel,

haben wir Ihr jüngstes Buch »Der Kampf um die Mitte« nicht, denn mit dem Auszug in der FAS waren wir bestens bedient: »Unser Land ist immer gut gefahren, wenn es sich an der bürgerlichen Mitte orientiert hat. Das galt nicht nur für die von der CDU geführten Regierungen, sondern auch für die sozialliberalen Koalitionen. Durch Rot-Grün brach diese erfolgreiche Tradition ab – mit den bekannten Folgen von Schuldenstaat und Arbeitslosigkeit. Seitdem hat sich das sichere Gefühl für die Mitte, also für den vernünftigen Ausgleich extremer Positionen, in eine ›gefühlte Mitte‹ verwandelt, die links liegt.« Wie wahr, wie wahr, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung waren unter der Regierung Kohl bekanntlich kein Problem, und vermutlich ist Rot-Grün auch am schlechten Fernsehprogramm schuld und daran, daß Sie nicht mehr so oft ins Talk-TV kommen. »Dabei wurde das Gefühl für die eigene Nation endgültig aus dem Themenkatalog gestrichen. In anderen Ländern sind solche Gefühle bekanntlich eine Selbstverständlichkeit. Wenn der Franzose sein ›Vive la France‹, der Amerikaner sein ›God Bless America‹ oder der Engländer sein ›Rule Britannia‹ anstimmt, kann der Deutsche nur betreten schweigen.« Und das soll er auch; denn schon einmal hat ein Propagandaschwindler ein inbrünstiges »Deutschland, Deutschland über alles« gefordert – mit den bekannten Folgen. Und wenn uns unser sicheres Gefühl für extreme Positionen nicht trügt, ist die Ihre doch längst in die Mitte gerückt – worüber beschweren Sie sich also?

Bitte also schweigen, gerne auch betreten.

Titanic

Sie wiederum, Natascha Kampusch,

zieht es offenbar mit Macht ins Fernseh: Ab diesem Monat moderieren Sie bei einem Wiener Privatsender Ihre eigene Show, in der Sie »interessante Gäste« inter­viewen und dabei »in die Tiefe gehen« möchten.

»In die Tiefe gehen« – je nun, in die Breite sind Sie ja mittlerweile weit genug vorgedrungen, aber haben Sie sich, Frl. Kampusch, das auch gut überlegt? Wenn man nämlich erst einmal im Quotenkeller gelandet ist, kommt man da oft jahrelang nicht mehr raus, und gerade in Ihrem Fall würde das niemand mehr bedauern als immer Ihre

Titanic

Norbert Tiemann!

Als Chefredakteur der einschlägig vorbelasteten Westfälischen Nachrichten wollten Sie anläßlich eines, wie Sie vermutlich schreiben würden, zum Elefanten aufgeblasenen Mückenstreits in der Großen ­Koalition Ihren Lesern einmal zeigen, wie man möglichst viele Politikchecker-Metaphern in möglichst wenige Sätze packt: »Die mutmaßlich auch als Provokation wahrgenommene Selbstzufriedenheit auf der einen Seite und die wachsende Nervosität und Angriffslust auf der anderen Seite entpuppen sich nun als Kulisse für fortwährende innerkoalitionäre Fingerhakelei. Zumal als lachender Dritter eine FDP im Umfrage-Aufwind die politische Bühne wieder betreten hat und sich als Braut zu schmücken beginnt – Eifersüchteleien garantiert. Ein spannender Polit-Cocktail, aber gewiß kein explosiver.«

Das muß man sich mal vorstellen: Eine politische Bühne mit einer mutmaßlich auch als Provokation wahrgenommenen Selbstzufriedenheit auf der einen Seite und wachsender Nervosität und Angriffslust auf der anderen Seite als Kulisse, davor die fortwährende innerkoalitionäre Fingerhakelei, daneben steht als lachender Dritter im Umfrage-Aufwind eine FDP, die sich auch noch als Braut zu schmücken beginnt, was bei den fingerhakelnden Koalitionären zu Eifersüchteleien führt – und das Ganze ist ein spannender, wenn auch nicht explosiver Polit-Cocktail. Weshalb wir uns nicht ganz des Eindrucks erwehren können, hier habe der Autor einen über den Durst geschrieben.

Darauf erst mal einen doppelten Molotow:

Titanic

Zum Jahreswechsel, Adam Soboczynski (»Zeit Leben«),

werden ja stets allerlei Hitparaden aufgestellt und Preise vergeben, und da wollen wir diesmal nicht hintanstehen und verleihen Ihnen hiermit die goldene Mattscheibe 2007 für herausragende Verdienste im Bereich Kastlkompetenz für haar­genau diesen Satz: »Selbst an Alice Schwarzer konnte man in diesem Jahr eine heikle Inszenierungslust beobachten.«

Nur für Selbstabholer!

Titanic

Und, Koch!

»Lieber drei Tage Gefängnis als lebenslänglich kriminell!« ließen Sie über Ihre Büttel von Bild mitteilen. Ein mutiges Bekenntnis, ein letzter Hilfeschrei – den wir einerseits sehr gut verstehen können. Andererseits, Koch: ist es für Sie da nicht schon zu spät?

Lieber lebenslänglich

Titanic

Koch, Roland!

Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, schlägt man halt um sich. Wir haben also zu viele kriminelle jugendliche Ausländer hierzulande. Aaaber, Koch: Haben wir nicht generell zu viele jugendliche Ausländer hierzulande? Ja, haben wir nicht gar zu viele Ausländer hierzulande?

Einfach mal weiterdenken!

Viel Mißerfolg wünscht

Titanic

»Tagesspiegel«-Leser Bernd Wegner (Berlin)!

Wenn der Tagesspiegel schon mal Post aus dem Osten der Stadt bekommt, dann wird der Brief auch gedruckt; und wenn der Verfasser so gut aufgepaßt hat wie Sie, erst recht. Es ging um den Beitrag »Linkspolitikerin Wagenknecht löscht Fotos von Hummeressen«, woraufhin Sie zeterten: »Daß Sarah Wagenknecht Bilder löschen läßt, die nicht zu Ihrem Image passen, ist eine alte Tradition des Totalitarismus. Bilder löschen, retuschieren und verfälschen haben Lenin, Stalin und die Ostberliner Clique ständig gemacht.«

Nun steht in derselben Ausgabe des Tagesspiegels, daß der französische Präsident Nicolas Sarkozy den Chefredakteur von Paris-Match habe feuern lassen, weil das Blatt über eine Affäre der Ex-Frau des Präsidenten berichtet hatte. Wie gut die Redaktion ihre Lektion gelernt hatte, war u.a. daran zu erkennen, daß die Zeitschrift kurz darauf Sarkozys Speckröllchen aus einem Foto retuschierte.

Wie schreiben Sie so schön weiter: »Das Volk rennt trotzdem hinterher und läßt sich für dumm verkaufen.« Und Sie, Bernd Wegner, immer mittenmang!

Einen langen Atem wünscht

Titanic

Jetzt mal im Ernst, Justiz!

Was genau muß man denn nun eigentlich verbrechen, damit eine Straftat einen »rechtsextremen Hintergrund« hat? Was nicht dafür qualifiziert, steht ja fest: Hakenkreuze schmieren, die Reichskriegsflagge hissen, »Ausländer raus« schreien, Asylanten vermöbeln und durch die Stadt jagen, Judengräber umstoßen, den Holocaust relativieren – all dies reicht Dir regelmäßig nicht aus, einen solchen Hintergrund zu vermuten. Liebe Justiz: Das läuft aus dem Ruder! Die Nazis in Deutschland entwickeln ja allmählich eine echte Identitätskrise, wissen kaum noch, wer sie sind! Und wenn die Armen in der Gesellschaft keine Anerkennung mehr finden, werden sie am Ende noch gewalttätig, ja: anfällig für Extremismus! Und das kann doch keiner wollen, oder?

Also immer gleich wegsperren, die Bande!

Darum bittet herzlichst:

Titanic

Hey, Supermarktkette Plus!

Daß auf Deinen Ramschtischen der Zweierpack »Fluch der Karibik«-Socken selbst für schlappe 2,99 Euro kaum Abnehmer findet – meinst Du nicht auch, daß das am unvorteilhaften Namen liegen könnte?

Fragen Deine Piraten auf der

Titanic

Mal hübsch vorsichtig sein, Fiat:

»You are, we car«? Denn es gilt auch: »You crank, we spank!«

Ciao:

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Etwas Richtiges, Karin Prien,

Bildungsministerin von Schleswig-Holstein und Mitglied im CDU-Bundesvorstand, sagten Sie über die laut Tagesspiegel »klaren« Ambitionen der Kandidaten für den CDU-Vorsitz nach Arminion Laschet: »Machtanspruch gehört zur Politik. Wir leben ja nicht im Mädchenpensionat.«

Und wissen Sie was, Frau Prien, das bestätigte sich, als wir das letzte Mal unvorsichtigerweise an Ihrer Parteizentrale vorbeischlenderten. Es roch dort sehr ungewaschen nach Jungs-Umkleidekabine eines Landschulheims. Versichern Ihnen Ihre Privatschnüffler von der Titanic

 Kommissarischer DFB-Präsident Peter Peters!

Bis der DFB einen neuen Präsidenten gefunden hat, lenken Sie dessen Geschicke und sagen in WDR-Interviews Sätze wie diesen: »Die Entscheidung, die WM nach Katar zu geben, war falsch und fiel in einer Zeit, als der Fußball käuflich war.«

Haha! Falls Sie nach dem DFB noch nichts vorhaben, können Sie mit solchen Sprüchen jederzeit bei uns anfangen!

Wird immer käuflich bleiben: Titanic

 Du, »Redaktionsnetzwerk Deutschland«,

fragst in einer Schlagzeile: »Kein entspannter Corona-Winter?« Eine sehr schwierige Frage! Denn normalerweise verheißen Komposita mit dem Wort »Corona« ja automatisch Entspannendes: Coronapandemie, Coronaleugner, Coronakrise, Coronahotspot, Coronatote … Warum sollte es jetzt ausgerechnet beim flauschigen Winter anders sein?

Fragt entspannt zurück: Titanic

 Heda, Cornelia Funke!

Heda, Cornelia Funke!

Nach Jahren der Dürre haben Sie sich, wie Sie der Zeit berichten, entschlossen, Ihre Farm in Malibu aufzugeben: »Natürlich, eigentlich sollte der Mensch Kalifornien verlassen und zugeben, dass unsere Art der Zivilisation dort gescheitert ist; dass die Einzigen, die mit diesem Land umgehen konnten, die amerikanischen Ureinwohner waren. Von ihnen hätten wir viel lernen können. Stattdessen kommen immer mehr Millionäre nach Malibu.«

Nun ist mit Ihnen, der erfolgreichsten deutschen Jugendbuchautorin, wenigstens eine Millionärin weggezogen. Und wo zieht man als solche – demütig und ehrfürchtig geworden – danach hin? Ins Kloster? Auf eine kleine Berghütte? Nein: »In der Toskana, nahe Volterra, besitzt Funke nun fünf Hektar Land mit 300 Olivenbäumen« (Zeit) und mehreren Gebäuden. Allerdings zunächst recht spartanisch: »Die 500 Kisten, in die ich mein Leben gesteckt habe, kommen erst Ende November an.«

Mensch, Funke! Das ist, ob Sie es glauben oder nicht, immer noch die gleiche »Art der Zivilisation«! Wenn Sie uns nicht glauben, fragen Sie doch mal die 300 alten Olivenbäume um Rat. Die flüstern nachts manchmal Weisheiten.

Bella Ciao! Titanic

 Hören wir, Anna Friedrich und Annika Gollnik,

ein bisschen Erstaunen aus Ihrem Artikel für faz.net heraus, wenn Sie schreiben: »Ernährungsberater, Coach oder Tätowierer kann sich jeder nennen. Das birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Nicht zuletzt für die Glaubwürdigkeit der Berufstätigen«? Denn Sie stellen in Ihrem Text »Ungeschützt: Berufe ohne Regeln« weiter fest, dass sich dort Menschen in Jobs tummeln könnten, die »ohne besondere Fachkompetenz nachweisen zu müssen« machen, was sie eben machen.

Herrje, das ist ja wie beim Journalisten bzw. der Journalistin!

Hihi: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Bad Spies – (k)eine Kritik

Eines Montagabends lief im ZDF der Streifen »Bad Spies«, den ich allerdings verpasst habe und folglich hier nicht rezensieren kann, weil ich mittlerweile dermaßen von deutschen Regionalkrimis traumatisiert bin, dass ich beim Studieren des Fernsehprogramms nicht an eine ja möglicherweise unterhaltsame US-amerikanische Agentenkomödie, sondern an einen hessischen Kurort namens Bad Spies dachte.

Cornelius W.M. Oettle

 Vom Schreiben eines Witzes. Drama in vier Akten

Erster Akt: Aus der klanglichen Ähnlichkeit von Mario Kart und Mario Barth kann man sicher etwas Komisches konstruieren. Zweiter Akt: Aber welcher Kontext? Irgendwas mit Fun als Stahlbad, geistiger Verelendung durch die Unterhaltungsindustrie – so in die Richtung könnte das klappen! Dritter Akt: Jetzt nur noch pointiert ausformulieren und … Vierter Akt: Obwohl … So gut ist die Idee auch wieder nicht.

Jürgen Miedl

 Militarismus unter Tieren

Seien wir doch einmal ehrlich zueinander: Schildkröten sind auch nichts anderes als Stahlhelme auf vier Beinen.

Theobald Fuchs

 Am Schalter

Neulich wurde ich zufällig und unfreiwillig Ohrenzeuge des folgenden Verkaufsgesprächs in einer Postfiliale: Kundin (wichtigtuerisch, fast feierlich): »Ich hätte gerne Briefmarken, am liebsten SONDERMARKEN! Was hamse denn da da?« Verkäuferin (trocken, monoton): »Beethoven, Sendung mit der Maus, Digitalisierung. Das war’s.« Das fasst, so will ich wohl meinen, den Zustand der Gesellschaft, ihren Denk- und Gedenkhorizont, recht präzise zusammen.

Andreas Meinzer

 Rätsel gelöst

Das eigentliche Ziel der ständigen Musikbeschallung im Konsumtempel ist es, das Wisch-Wusch-Geräusch zu übertönen, welches die Arme beim Anprobieren von Outdoorjacken machen. Nach dem Kauf, zuhause im stillen Kämmerlein, ist man dann schlauer.

Tina Manske

Vermischtes

Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Katz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 02.11.:

    "Keinmal um die ganze Welt - Ein Pauschalreiseabend für Zurückgebliebene" - so heißt das WDR-5-Spezial mit Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert.

  • 29.10.:

    Das Bornheimer Wochenblatt berichtet vom TITANIC-Normalitätswettbewerb.

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

Titanic unterwegs
08.12.2021 Karlsruhe, Tollhaus Max Goldt
08.12.2021 Melle, Theater Martin Sonneborn
08.12.2021 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner
09.12.2021 Freiburg, E-Werk Max Goldt