[26.08.2015]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Unsere Haltung beim Thema Tagesschau

Seit Wochen berichtet die Tagesschau intensiv über die große Zahl von Flüchtlingen, über die Frage ihrer Unterbringung in Deutschland, über Demonstrationen gegen Flüchtlingsunterkünfte und über Solidaritätsaktionen mit Flüchtlingen. Tut sie das wertfrei? Hat sie dazu eine Haltung? Oder gar eine Meinung? Wir von TITANIC können diese Fragen nicht beantworten, denn wir schauen um 20 Uhr traditionell die RTL-2-News. Trotzdem ist es unsere Aufgabe, auch über die Nachrichten des Ersten Deutschen Fernsehens zu berichten: voreingenommen, parteiisch, mit dubiosen Quellenangaben, Phantasie und einem gesunden Maß an Unverschämtheit.

Was liegt da näher, als darzustellen, welches Engagement Moderatorinnen und Ansager der ARD-Nachrichtenzentrale vor der Kamera zeigen, ohne daß man sie darum gebeten hätte? Wenn die Korrespondentin Anja Reschke zwei Minuten lang beklagt, daß sie auf StudiVZ nicht mehr so oft gegruschelt wird wie früher; wenn Action-Girl Caren Miosga auf eine Leiter kraxelt, weil Robin Williams gestorben ist; oder wenn ein Tattergreis im Morgenmagazin plötzlich ein Frühlingsgedicht rezitiert – dann sagen wir: Ja, die Integration dieser Knallköppe in den TITANIC-Newsticker ist Teil unseres Auftrags.

Unsere größtenteils ehrenamtlichen Mitarbeiter sollen nicht skandalisieren oder dramatisieren, nicht schönreden oder gar ausblenden. Sie sollen Witze machen. Wenn nun aber schon Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke anfängt Witze zu machen und in seinem Blog-Manifest schreibt "Schließlich ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk (und die Tagesschau) mal erfunden worden, um einen Beitrag zu einem Gemeinwesen zu leisten", dann möchten wir am liebsten weinen – wenn uns ZDF-Clown Claus Kleber das Weinen nicht für alle Zeiten vergällt hätte. Dann aber müssen wir wieder lachen! Gefahr bestehe nämlich, so der Politfex Gniffke weiter, "wenn wir uns selbst als Beschützer der Flüchtlinge inszenieren und alles toll finden, was mit Flüchtlingen zu tun hat. Das wäre unjournalistisch." Stimmt. Vor allem wäre es ziemlich undeutsch.  

Wir dürfen die Rundfunkgebühren nicht als menschenverachtende Maßnahme einer kaltherzigen Bürokratie darstellen. Die Deutschland-Karte auf tagesschau.de, bei der Projekte vorgestellt wurden, die die Integration von Flüchtlingen zum Ziel haben, ist ja nicht nur eine praktische Handreichung für Zündelnazis. Wir sollten die Welt nicht in gut und böse einteilen. Höchstens in dumm und nicht ganz so dumm. Auf der Basis unseres satirischen Auftrags und unserer überheblichen Haltung ist es aber legitim, daß wir ein besonderes Augenmerk auf all die Menschen und Institutionen legen, die das Flüchtlingsdrama für gefällige Phrasendrescherei und billige Selbstinszenierung mißbrauchen. Das Thema wird uns noch lange begleiten. Und nun die Lottozahlen.

Dr. Torsten Gaitzsch, 26. August 2015, 10:21




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