Sehr schön auch, ARD,

wie du während der Fußball-EM von einem absoluten Novum berichtet hast, und zwar nach dem Vorrundenspiel zwischen Rußland und Kroatien, als Du den kroatischen Fußballspieler Ivan Klasnic als den »ersten Spieler bei einer EM, der mit einer Spenderniere ein Tor erzielt hat« gepriesen hast – denn: ein bißchen, ARD, war aber schon auch der Fuß dran beteiligt, gell?

Heut mal humorig:

Titanic

Danke, Steffen Liebendörfer (RCDS)!

In Zeiten, in denen sich fast jeder in der Union in vernunftheuchelnder Rhetorik übt und sogar Deine Mutterpartei sich einen opportunen grünen Anstrich gibt, muß man sich schon sorgen, wo denn der Nachschub für marketingfreies, ehrlich überzeugtes Demagogen-Geschwätz herkommen könne. Doch es gibt ja Sie, den Bundesvorsitzenden des Rings Christlich-Demokratischer Studenten, der Sie anläßlich des 55. Jahrestages des Arbeiteraufstandes in der Deutschen Demokratischen Republik forderten, »die Leugnung der brutalen Freiheitsverweigerung in der DDR – des DDR-Unrechtssystems an sich« unter Strafe zu stellen »wie beispielsweise die Holocaust-Lüge«.

Ihre totalitarismustheoretische Bildung in allen Ehren, und abgesehen davon, daß vierzig Jahre brutale Freiheits­verweigerung in der DDR etwa so viele Tote produzierten wie Au­schwitz in einer Mittagspause: Sie, Steffen Liebendörfer, wollen also nicht die Holocaust-Leugnung, sondern die Holocaust-Lüge unter Strafe stellen? Also die Lüge vom Holocaust?

Bzw. schon mal was von Freud gehört? Nicht? Sie geben sich nicht mit Juden ab?

Deren Glück.

Titanic

Werte Gehörlose!

Wir möchten Euch etwas verraten, was Ihr nicht wissen könnt: Béla ­Réthy ist zwar ein ziemlich doller Fußballkommentator; so doof und ­albern, wie die für Euch erstellten ­Teletexttafeln es vermuten ließen, ist er aber nicht. Zumindest nach dem zu urteilen, was wir zufällig beim Halbfinalspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die der Türkei mitbekamen. Sätze wie »Kazim flankt erneut auf Schweinsteiger«, »Metzelder mit dem Fehler. Nein, Metzelder war Mertesacker«, »Diese Harpune kann keiner erreichen« u.a.m., was Euch ein namenloser ZDF-Praktikant mit zwanzig bis sechzig Sekunden Tippverzögerung als Zusammenfassung des Spielkommentars präsentierte, bringt sogar olle Réthy nicht so schnell über die Lippen.

Im übrigen seid Ihr natürlich fein dran!

Stille Grüße:

Titanic

Und Du mal wieder, »Süddeutsche«,

botst in Deinem Finanzteil dem lustigen Boulevardadelsfatzken Alexander zu Schaumburg-Lippe eine ausgedehnt bebilderte Plattform, auf der er dann ungeniert für das trommeln durfte, was er für Elite hält; und dünktest Dich dabei anscheinend subversiv, ja geradezu kommunistisch, als Du ihm mit so provokanten Aussagen wie »Einkommen und Reichtümer sind in der Gesellschaft ungleich verteilt« oder »Sie verteilten ja als Jugendlicher Flugblätter für die eher reichen-kritische SPD« kamst. Woraufhin »Schaumi« unwidersprochen Paroli bieten durfte à la »Wenn wir weiter als superreich gelten, ist mir das unangenehm« und »Natürlich trage ich soziale Verantwortung für Menschen, die weniger Glück hatten als ich« –

wie z.B. Deine Redakteure, die für ihr monatliches Minimalsalär Oberklassenbälgern die Stichworte auf dem Silbertablett servieren müssen. Denn so verbissen reichenkritisch wie die SPD bist Du natürlich längst!

Glückauf:

Titanic

Norbert Lammert!

Sie sind der Präsident von dem Bundestag, voll zweithöchster Chef von deutsche Staat. Aber kein Schwein kriegt das mit! Deswegen haben Sie jetzt Kampagne gestartet, daß Deutsch in Grundgesetz reinkommt. Als Landessprache! Voll kraß! Weil, alles in Grundgesetz geregelt: Hauptstadt (Balin), Landesfarben (schwatz-rot-geld). Wenn man hat vergessen, kann man immer in Grundgesetz nachschaun. Nur Sprache – nix.

Aber, Lammert, hast wohl nicht ausgecheckt Folge von Vorstoß: Jahrelange landesweite Sprachkurs! Crashkurs Deutsch für Schwabe, Sachse, Pfälze! Nix mehr Bayerisch, Platt, Sorbisch, Kirchelatein! Schriftdeutsch! Und Merkel steht dann auch nicht mehr auf dem Boden von Grundgesetz!

Denk ma logisch, Digga!

Titanic

Thomas Brussig!

Es ist uns zu Ohren gekommen, daß Sie sich in der Fachzeitschrift Die Horen an der Interpretation eines Dylan-Songs versucht haben sollen: »Über Jahre beschäftigte mich die Frage, warum der doch eigentlich so friedfertige Bob Dylan will, daß jeder gesteinigt werde. (Denn was bedeutet ›Everybody must get stoned‹ sonst?)«

Sie haben da etwas mißverstanden. Der Refrain »Everybody must get stoned« hat nichts mit Steinigen zu tun. Bob Dylan wollte einfach nur dem Anthroposophen Rudolf Steiner die Ehre erweisen und den Wunsch zum Ausdruck bringen: »Jedermann muß versteinert werden.« Damit hoffte der alte Waldorfschüler Dylan sein Publikum irgendwie zu Steiner rüberziehen zu können. Alles klar?

Wenden Sie sich doch bitte das nächste Mal direkt an uns und nicht gleich an die Öffentlichkeit, wenn Sie ein Problem mit Ihrem Kopf haben. Den setzen wir Ihnen gern zurecht, selbst wenn wir uns dafür eine Pinzette kaufen müssen.

Titanic

Sie nun, Paul Goldberger,

gerieten im SZ-Magazin ob des Münchner Olympiastadions ins Schwärmen: »Diese Leichtigkeit der Zeltdächer und zugleich ihre Energie paßten damals perfekt zu den heiteren Olympischen Spielen und beeindrucken mich noch heute.«

Heitere Olympische Spiele? 1972 in München? Seltsam, an die können wir uns gar nicht erinnern. Wenn Sie allerdings die Leichtigkeit, mit der palästinensische Terroristen damals elf israelische Sportler als Geiseln nahmen, und die Energie, mit der sich Terroristen und Polizei ein mehrstündiges und für die meisten Beteiligten tödliches Feuergefecht lieferten, zum Anlaß für Heiterkeit nehmen, dann möchte Ihren Sinn für Humor eher nicht geschenkt haben:

Titanic

Dresdner Friseurinnen und Friseure!

Angesichts des Umstands, daß einem in Eurer schönen Stadt permanent Damen wie Herren mit Wiedehopf-Frisuren aus Fontänen in Gruftschwarz, Milkalila, Waldmeistergrün und Safrangelb über den Weg laufen, kriegt man ja fast Mitleid mit Euch, die Ihr die Spätfolgen der während des Sozialismus verpaßten Trends auszubaden bzw. einzufärben habt. Und nimmt man die Spur auf und läuft der Welle der bunten Haartrachten unerschrocken entgegen, landet man zielgenau am »Beruflichen Schulzentrum für Dienstleistung und Gestaltung«, wo, erraten, Friseusen ausgebildet werden, aber dem Augenschein nach zu urteilen nicht mehr an der Schere, sondern am Farbtopf.

Ist das, Dresdner Friseurinnen und Friseure, vielleicht das vielgepriesene duale System der Berufsausbildung: Entweder die Haare bunt und komisch – oder eben ganz ab?

Puh!

Titanic

Wenn Ihr, »Junge DemokratInnen/Junge Linke«,

einmal groß seid, wollt Ihr doch bestimmt auch mal richtige Politiker werden; gar nicht schlecht klingt dann auch, wie Ihr auf Eurer Homepage beklagt, die Situation von Arbeitnehmern »in Schwellen- und Drittweltländern …, in denen Kleidung, Spielzeug oder Elektronik führender westlicher Unternehmen« produziert werde, sei »dramatisch«. Angetrieben von Eurem »radikaldemokratischen und emanzipatorischen Selbstverständnis«, beteiligt Ihr Euch außerdem an einer vorbildlichen Kampagne gegen das Tragen des guten alten Palästinensertuchs: »Das Pali-Tuch ist die Geschichte einer linksradikalen Verirrung oder eines Irrtums. Es ist Zeit, diesen Irrtum zu erkennen und in Zukunft einen Schal von H&M zu tragen.«

Heißt: Im Fall der Fälle soll man also nicht gegen Israel sein, aber für fehlende Arbeitsverträge, Lohndumping und achtjährige Baumwollpflücker; womit Ihr auch in diesem Punkt Euren großen Vorbildern in fast nichts nachsteht.

Radikalemanzipatorische Grüße:

Titanic

Mathias Döpfner!

Wie Sie in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter bekanntgegeben haben, stellt also die Axel Springer AG sämtliche PC-Arbeitsplätze, »alle Desktops, alle Laptops, alle mobilen Geräte« auf Apple um. »Apple-Computer sind einfacher zu bedienen als alle anderen« – und einfach bedienen tun Sie Ihre Leser ja schon seit je; wie sich das Lob des Raubtierkapitalismus unter einem Betriebssystem wie »Leopard« natürlich besser und schneller unters Volk bringen läßt als mit etwas, das auf den luschigen Namen »Vista« hört.

Ihre Fachkräfte – »Vielleicht gehen Sie morgens noch ein bißchen lieber an ihren Schreibtisch, wenn ein Apple-Gerät daraufsteht« –, allen voran Franz Josef Wagner und Benjamin Stuckrad-Barre, werden von den weißen MacBooks profitieren, weil man da die Krümel nicht so drauf sieht. Und zweifellos wird sogar Kai »Nano« Diekmann in der Apple-Produktpalette ein Gerät finden können, das ihm keine Minderwertigkeitskomplexe verursacht.

Aber dann: »Diese Maßnahme ist nicht nur eine IT-Entscheidung, eine Technologie-Entscheidung, sondern sie wird einen kulturellen Wandel, eine kulturelle Modernisierung des Unternehmens beschleunigen« – ab demnächst also nur noch Widgets statt Wichsvorlagen? Mighty Mouse statt rasierter Bär? Dock statt Gosse?

Ach kommen Sie! Guns don’t kill people, people kill people, und es sind halt doch nur Maschinchen. Wenn auch sehr gute.

Think different:

Titanic

Und ob, Buchhandlung am Markt in Lüneburg,

in Zeiten, in denen nahezu allerorts Rauchverbote gelten, es sich nicht als geschäftsschädigend erweisen könnte, wenn Du in Deinen Räumlichkeiten demnächst Bilder einer Künstlerin namens »Volquardsen« ausstellst? Ob Du da auf die verfolgten und Zuflucht suchenden Raucher Lüneburgs zählen kannst?

Wenn wir kommen, dann im Smoking!

Titanic

Uni Halle!

»Sei klug, studier in Halle!« forderst Du uns via Litfaßsäule auf und lockst auf Deiner Webseite mit »10 guten Gründen«, warum wir »an der Uni Halle richtig« wären. Dabei scheinen Dir allerdings keine wirklichen zehn Gründe eingefallen zu sein: »Tango, Tennis und Theater« lassen wir nämlich nicht gelten, »eine unvergeßliche Stadt« ist glatt gelogen, wenn man »unvergeßlich« nicht wie in »unvergeßlich öde« buchstabiert, und von »Vorbildern und Visionen« haben wir immerhin schon das Vorbild, nämlich Bert Brecht, von dem der kluge Satz stammen soll, das Beste an Augsburg sei der Zug nach München.

In diesem Sinne interpretieren wir auch Deinen, Uni Halle, zehnten Grund für unseren Umzug nach Halle: »Du willst schnell hin und weg sein.« Ja, genau. Vor allem wieder weg. Ganz schnell!

Auf gepackten Koffern:

Titanic

Sie, Sissal Tolaas,

sind Professorin für, jawohl, unsichtbare Kommunikation und Rhetorik in Harvard, leben unbegreiflicherweise trotzdem in Berlin und wollen, ebenso unbegreiflich, demnächst für ein schwedisches Möbelhaus ein Parfum designen, das nach Schweden riecht, welches in unserem Geruchsgedächtnis eine Mischung aus Schnee, hartem Alkohol und ranzigem Fisch hinterlassen hat. Als nun die Süddeutsche Zeitung Sie zum Gespräch bat und mit der Tatsache konfrontierte, daß in der DDR die Staatssicherheit Geruchsproben von Regimegegnern aufbewahrt hat, da antworteten Sie: »Das ist natürlich Mißbrauch.«

Natürlich, Frau Professorin, war das kein Mißbrauch, sondern nichts weiter als der ganz normale Wahnsinn in einem durch und durch deutschen Polizeistaat; aber damit nicht weiter ins Auge fällt, was der gegenwärtige, freiheitliche Polizeiminister sich so an Gemeinheiten ausdenkt, ruft unsere freie Presse gerne noch mal Gratismeinungen über Systemfeinde ab, was natürlich gleichfalls ranzig und nach Schnee von vorgestern riecht. Weshalb Sie als Fachfrau halt auch alles richtig gemacht haben.

Olfaktorische Grüße:

Titanic

Lieber Klaus Theweleit!

Im großen und ganzen haben wir Ihre taz-Kommentare zur Europameisterschaft zwar mit Gewinn studiert, aber einmal sind wir doch stutzig geworden, denn in einem erfolgreich abgeschlossenen Angriff der Spanier haben Sie die »Kopie des Poldi-Schweini-Tors gegen Portugal« erkannt. Von einem »Poldi-Schweini-Tor« wollen wir aber nicht einmal in Sport-Bild etwas lesen. Sollten wir eines Tages einen Duden aufschlagen und dort zwischen dem guten alten »Polarwolf« und dem Fachausdruck »Polemik« einem »Poldi-Schweini-Tor« begegnen, dann, lieber Klausi, werden wir in einer Polemik von polarwölfischer Unbarmherzigkeit auf Ihre Mittäterschaft bei der Verbreitung des Begriffs »Poldi-Schweini-Tor« verweisen. Und dann wird es Heulen und Zähneklappern geben bzw. (damit wir uns recht verstehen) Heuli-Heuli und Klapperi-Klappi.

Bussi-bussi und tschüssi:

Titanic

»Kicker«!

»›Wien ist das Ziel unserer Reise‹ prangerte der deutschen Mannschaft in großen Lettern einer Choreografie beim Einlaufen aus dem Fanblock entgegen« – aha oder besser: Du liebe Güte! Schreibt neuerdings Helge Schneider für Dich, war’s der Streß einer Europameisterschaftsberichterstattung oder einfach nur der vorläufige Höhepunkt Deines erstaunlich verlustreichen Kampfes mit der deutschen Sprache?

Dein liebstes Anprangerermagazin

Titanic

Mark Medlock!

Was mußten wir denn da über Dich lesen? Nach dem in der Presse bereits ausgekrähten Ermittlungsverfahren – Du sollst einen Saunagast verprügelt und eine Polizistin beleidigt haben – hat nun auch noch ein 21jähriger Barkeeper Strafanzeige gegen Dich erstattet, weil er sich auf einer Party von Dir »genötigt und bedrängt« gefühlt hatte – was doch immerhin bedeutet, daß zumindest Deine Lieder noch ­fleißig gespielt werden, oder nicht?

Aktion Opferschutz, c/o

Titanic

Moment mal, Stephan Grünewald!

Sie haben sich als Psychologe und Geschäftsführer eines Medienforschungsinstituts unter der dezent doofen Überschrift »Partyotismus statt Patriotismus« gegenüber tages­schau.de zur deutschen EM-Euphorie geäußert und kamen neben anderen herrlichen Erkenntnissen schließlich darauf, daß es einen Zusammenhang gebe zwischen dem Auftreten der Nationalelf beim Turnier und den gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutsch­land.

Und sollen wir Ihnen etwas sagen? Sie haben recht! Wie konnte man wohl plastischer vor Augen geführt bekommen, daß ältere Arbeitskräfte (Lehmann) im großen und ganzen zu nichts mehr zu gebrauchen sind, der Osten (Ballack) nur läuft, wenn er von Westärzten fitgespritzt wird, die Jugend (Mertesacker, Gomez) ziellos umherirrt, jeder Kritiker (Löw) sofort verbannt wird (Tribüne) und so der ganze Laden mit mehr Glück als Verstand an die Spitze Europas gurkt, damit der Plebs (wir) sich vor dem Fernseher darüber freuen kann.

Ojé, ojé, ojé, ojé!

Titanic

Liebe Regensburger Senioren!

War Euch eigentlich klar, worauf Ihr Euch da am letzten Juni-Wochenende eingelassen habt? Klar, wo Bierbänke stehen, Bier ausgeschenkt und Blasmusik gespielt wird, da läßt man sich gern nieder. Und wenn Ohr und Auge nicht mehr so richtig mitspielen, dann kann es schon passieren, daß man sich gar nicht bewußt ist, Gast einer CSD-Veranstaltung zu sein. Aber Obacht, liebe Rentner: CSD hat, trotz der Ähnlichkeit der Akronyme, nur sehr bedingt was mit der CSU zu tun. CSD geht mehr um Schwule und Lesben – teilweise laufen da sogar ­Neger rum!

Also prüft in Zukunft etwas besser, in welcher Gesellschaft Ihr Euch niederlaßt, denn Ihr wißt doch: Schwulsein ist auch im Alter noch ansteckend!

Wärmste Grüße:

Titanic

Sie jedoch, Norbert Geis (CSU),

verrieten der Passauer Neuen Presse, was Sie davon halten, daß Jürgen Klinsmann auf dem Trainingsgelände des FC Bayern goldene Buddha-Figuren aufstellen ließ: »Herr Klinsmann sollte seine religiösen Gefühle nicht seinen Spielern aufzwingen.« So albern dieser Lifestyle- und Esoterik-Zirkus sein mag: Wenn Sie nicht kapieren, warum ausgerechnet Sie nicht vom Aufzwingen religiöser Gefühle sprechen sollten, dann schicken wir Sie zwecks später Erleuchtung in eine x-beliebige bayerische Schule; vielleicht hams’ ja noch eine mit Prügelstrafe!

Kruzifix!

Titanic

Günter Netzer!

»Deutsche Tugenden haben wir immer noch am besten. Dafür fürchtet man uns, und damit verbreiten wir Angst und Schrecken.« So gesehen haben Sie sich den »Medienpreis für Sprachkultur« der Gesellschaft für deutsche Sprache redlich verdient: Viel deutscher geht’s wirklich nicht.

Ängstlich:

Titanic

Hey, Filmkritiker!

Eigentlich möchte man ja denken, Ihr wärt in Sachen Ästhetik einigermaßen abgebrüht. Völlig aus der Fassung gebracht hat Euch aber offenbar Poppy, die von Sally Hawkins gespielte Protagonistin in Mike Leighs neuem Film »Happy-Go-Lucky«. Hin- und hergerissen zwischen Spott und Ekel meint z.B. der Rezensent der FAZ, »daß man – außer in Comic-Verfilmungen – lange schon keine Filmheldin mehr gesehen hat, die derart schlecht gekleidet ist: schrillbunte, mal knallorange, dann leuchtstiftgrüne Klamotten, Netzstrümpfe und Lederstiefel mit Raubtiermusterkunstfell«, während die Kritikerin der Süddeutschen mokant bemerkt: »Und sie sieht bei alldem aus, als wären für ihr Outfit mindestens zwei Dutzend Papageien gestorben.«

Ähnlich poetisch, nur unverständlicher, sieht die Rezensentin der Frankfurter Rundschau die Hauptdarstellerin »angetan mit bunten Fetzen wie eine Windsbraut, die einen Regenbogen gerammt hat« bzw. resümiert etwas wirr: »Ein roter Flederwisch, notgelandet auf einer Blütenbluse, ein smaragdgrünes Röckchen aus einem Outlet für Kobolde, goldene Beinkleider über den Netzstrümpfen einer Li-La-Laune-Fee«. Und Zeit online befindet schließlich vergleichsweise kühl: »Kleidertechnisch ist sie eine Katastrophe, menschlich ein Juwel. Sie trägt Nylonstrumpfhosen und grellbunte Röckchen, Leopardenimitat und Stöckelschuhe.«

Aber nun, liebe Filmkritiker – was soll denn daran eine Katastrophe sein? Sie trägt doch nichts von Esprit, nichts von Tommy Hilfiger, nichts von Jack Wolfskin und schon gar keine Umhängetasche von Vaude! Wenn’s also um Ästhetik geht: Wie wär’s denn, wenn Ihr mal, und sei’s nur ganz kurz, die Ödnis Eurer eigenen Mittelschichtsuniform reflektiert?

Forever Punk:

Titanic

200 Millionen Nutzer, »FAS«,

habe das Internet in China, verrätst Du uns in einem China-Spezial: »Sie verwenden das Netz anders als Menschen im Westen. Sie laden vor allem raubkopierte Filme und Musik herunter.«

Ein irres Volk, diese Chinesen. Was machen die denn noch so fremdartig Verrücktes? Bei Fernsehwerbung umschalten? Im Kino nicht das Ende des Abspanns abwarten? Oder blitzgescheite Sonntagszeitungen zur Fleckenvermeidung beim Streichen der Wohnung verwenden?

Augen auf! Rät

Titanic

»Hallo Pizza«!

Daß Du heißt, wie Du heißt: Schwamm drüber. Aber daß Deine Mitarbeiter nicht wissen, wie Sie uns begrüßen sollen: ob nun korrekt mit »Hallo, Hallo Pizza« oder doch lediglich mit »Hallo Pizza«, das ist dann doch etwas schwach, nein?

Doch.

Titanic

Und wie herzlos, Gabriele Pauli,

muß man sein, einem dicken Expolitiker, der es schon von Natur aus nie leicht hatte, nicht einmal sein spätes Glück zu gönnen? »Tatsache ist, daß der Steuerzahler durch die Eheschließung von Helmut Kohl im Falle seines Ablebens die Pensionszahlung weiterführen muß. Seine 44jährige Frau erhält dann 55 Prozent – ihr Leben lang« (Revue). Tatsache, Frau Pauli, ist aber auch, daß der Steuerzahler Geld für Landrätinnen ausgegeben hat, die sich nackt in Fahnen hüllen und im Gummioutfit in Käseblättern herumlümmeln; da werden doch noch ein paar Euro für die Liebe drin sein, oder?

Ihre Romantiker auf der

Titanic

Danke auch, Hans-Jürgen Krippner (Uhlstädt),

daß Sie sich in einem Leserbrief an den Stern einer wirklich unwürdigen Debatte um »Germany’s Next Topmodel« angenommen haben: »Die Diskussion, ob Heidi Klum ein Top- oder nur ein Model ist, ist reichlich überflüssig. Sie ist eine erfolgreiche Top-Frau. Wo ist das Problem?« Das Problem ist, Herr Krippner, daß auch diese Ihre Einschätzung noch am Kern der Sache vorbeigeht. Vielmehr ist das Klasse-Weib Klum eine anerkannte Scharf-Braut mit zwei sehr erfolgreichen Spitzen-Dudeln, die aber oft hinter tiptop Frauen-Tops verborgen sind. Was bei Flop-Fans natürlich auf Unmut stößt. So ist das! Deswegen muß man die Diskussion doch nicht gleich als überflüssig bezeichnen; sonst wäre ja jeder, der sich an ihr z.B. mit Leserbriefen beteiligte, ein knallpeinlicher Top-Depp.

Nicht wahr?

Titanic

Wie gut, Ingrid Betancourt (Ex-Geisel),

wir das kennen: »Die Umstände unserer Befreiung waren völlig surrealistisch. Wir sind um fünf Uhr morgens geweckt worden.« Geht uns genau so – immer, wenn wir um fünf Uhr morgens geweckt werden, ist uns auch ganz surrealistisch: Der Wecker hängt wie flüssig vom Nachttisch herunter, das Pfeifchen vom Vorabend ist kein Pfeifchen mehr, vorm Bett steht ein Paar Füße, die fremde Frau neben uns trägt an Stelle ihres Kopfes einen Blumenstrauß, überall wachsen Kakteen aus den Wänden, und draußen regnet’s Männer mit Melonen!

Komitee »Ausschlafen für alle!«, c/o

Titanic

Und, wenn Du, liebe »Bild«,

titelst: »Empörung in ganz Deutschland: Hitler in Berlin zur Schau gestellt« – gibst Du dann die notorische Empörung von Gewohnheitsempörten wieder, in diesem Fall darüber, daß es der Führer neuerdings zu einem führenden Wachsdouble gebracht hat? Oder empörte es Dich, daß man den großen Mann durch Zurschaustellung entehrt?

Im Zweifel:

Titanic

Agentur Jung von Matt (Hamburg u.a.)!

Eitelkeit ist in der Werbebranche ja alles, und damit die Nummernschilder Deiner dunklen Dienstbenze mit »J-VM« protzen können, hast Du sie kurzerhand in Jena angemeldet. Dumm nur, daß Jena in Ostdeutschland liegt. Und da Du natürlich nicht in zonalen Ruch kommen willst, hast Du die Rahmen der Nummernschilder mit dem durchweg geglückten Slogan »Bin nicht aus Jena. Bin bei Jung v. Matt« versehen.

Bon. Andererseits wäre eine »R-WD«-Kampagne (»Bin nicht aus Regensburg. Bin ein Riesen-Werbedepp«) immerhin denkbar gewesen, gell?

Immer Deine

Titanic

Hochverehrte »Zeit«, Ressort »Dossier«!

Gelegentlich haben selbst wir Probleme, Seiten vollzukriegen. Aber Dein »Dossier« zum seit Jahrzehnten durchgenudelten Thema »Kinder und Computer« in der Ausgabe 25/08 – das war in dieser kompletten Redundanz, angefangen beim Spitzendreck von Titel (»Verloren in der virtuellen Welt«) über die schmierige Meinungssülze (»Alles ist so schwerelos geworden im Zeitalter der Monitore«) und die offensichtlich selbst- ausgedachten Interviews (»Wie schön wäre das, wenn ich mal einen Jungen kennenlernen würde, der keinen Computer hat und keine SMS schreibt«) bis hin zur aalglatt auf die greise Zielgruppe hingeschriebenen Abgrenzung »guter« von »schlechten« Medien (» …um sich von den Action- und Mystery-Serien auf RTL und ProSieben betäuben zu lassen. Öffentlich-rechtliche Sender meidet sie«), war in dieser Menge an durch keinerlei neue Erkenntnis oder Nachricht gedecktem, dafür aber von sage und sterbe drei (!) Redakteuren mit Sicherheit nicht auf Schiefertafeln, sondern an Monitoren zusammengeranztem Saudummgewäsch wahrhaft beispiellos.

Eines, Zeit, sei mal ein für allemal klargestellt: Jugendliche vom Computer fernzuhalten ist Gegenaufklärung, Analphabetismus, ein Verbrechen. Und: Die Probleme kommen nicht aus dem Internet. So kurz wäre das auch gegangen. Aber wer weiß? Mit den üblichen Supersize-Fotos und dem richtigen Zeilenabstand wird vielleicht wieder ein »Dossier« draus.

Schwerelos:

Titanic

Henryk M. Broder!

Ihren Todfeind Islam als eine »im Kern friedliche Religion« zu bezeichnen mag kein sonderlich gelungener Einfall des EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering gewesen sein; viel gelungener ist da Ihre zweifellos schwerironische Replik: »Auch der Sozialismus und der Nationalsozialismus waren ›im Kern‹ gute Ideen, die sich leider bei Licht betrachtet nicht bewährt haben.«

Genau. »Bei Licht betrachtet« haben die Nazis die hehren Ideale des Führers nämlich schmählich verraten und aus Daffke mit Judenmord und Vernichtungskrieg angefangen. Aber so meinten Sie, Broder, es ja gar nicht: Eigentlich wollten Sie nur gesagt haben, daß, bei Licht betrachtet, jeder Moslem ein kleiner Nazi (oder Kommunist, ist eh das gleiche) und somit halt eo ipso ein Massenmörder ist. Kann es da sein, daß Sie im Kern einen werweiß halbmondförmigen Sprung in der Schüssel haben?

Kann man nix machen: Kismet, Sie wissen schon.

Ihre Islam-Experten auf der

Titanic

Außerdem, Beckstein!

Zum Prozeß gegen die Münchner U-Bahn-Schläger fiel Ihnen, weil insgesamt 20 Jahre Knast eben doch noch viel zu human sind, abschließend dies ein: »Wer das ganze Instrumentarium der Jugendhilfe erfolglos durchlaufen hat und dann ohne einen vernünftigen Anlaß und ohne Anstand mit dem Kopf eines anderen Menschen Fußball spielt, so jemand hat in Deutschland nichts zu suchen.«

Und die anderen, die’s mit Anlaß und Anstand tun, dürfen bleiben? Und am Ende ins Nationalteam? Mit Ihnen als Trainer? Deutsche Tugenden und so?

Wir wissen, wo Ihr Auto steht.

Titanic

Berliner Polizei!

Bei allem Respekt vor gewachsenen Traditionen: daß im Falle der spektakulären Köpfung Hitlers bei Madame Tussauds als allererstes der, gnihi, »Staatsschutz« ermitteln muß, ist das das richtige Signal? Hitler hat doch gar kein öffentliches Amt mehr inne! Eine ganz normale Anzeige wegen §90a StGB (Verunglimpfung des Staats und seiner Symbole) hätte doch gereicht!

Findet:

Titanic

»

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Erweitern
Das schreiben die anderen
  • 26.09.:

    Bei Arte im Portrait: Ex-TITANIC-Chef und PARTEI-EU-Abgeordneter Martin Sonneborn.

  • 18.09.:

    Mark-Stefan Tietze in der Taz über den Niedergang der deutschen Plastiktüten-Manufakturen.

  • 15.09.:

    PARTEI-Führer Martin Sonneborn hält im Europaparlament eine gefeierte Rede zum "State of da Union".

  • 14.09.:

    Die Frankfurter Neue Presse gratuliert Eckhard Henscheid zum 75. TITANIC schließt sich an.

  • 14.09.:

    Oliver Maria Schmitt in der FAS über Liebesschrott an Brücken.

Titanic unterwegs
30.09.2016 Stralsund, Kulturkirche St. Jakobi
  Max Goldt
30.09.2016 Koblenz, Eichendorff-Gymnasium
  Gerhard Henschel
01.10.2016 Wiedensahl, Wilhelm-Busch-Geburtshaus
  »Hans Traxler – Wilhelm-Busch-Preisträger 2015«
01.10.2016 Berlin, Das ERNST
  Hauck & Bauer

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Briefe an die Leser

 Buon giorno, Bischof Domenico Pompili!

Bei der Trauerfeier für die Erdbebenopfer im italienischen Amatrice mahnten Sie in Ihrer sicherlich tief bewegenden Predigt: »Gott darf nicht zum Sündenbock werden.« Leider blieben Sie die Antwort auf die Frage schuldig, wer, wenn nicht der per definitionem Allmächtige, denn sonst verantwortlich zu machen sei. Sollte man vielleicht mal wieder ein paar Seismologen wegsperren?

Fragt ungerührt: Titanic

 Liebe Leser!

Gegendarstellung: Die bedauernswerte Dame, die von Popstar Robbie Williams eine geschmacklose Geburtstagstorte mit der Aufschrift »Congrats, you’re the oldest person I’ve slept with« geschenkt bekommen hat, war nicht, wie in einer der letzten Ausgaben von »Briefe an die Leser« fälschlich behauptet, seine »Ex«. Und die sensationell stillose Torte wurde dem Ex-Popstar auch nicht von seiner Ex-, sondern seltsamerweise immer noch angetrauten Gattin leider nicht in die seinerseits auffällig alt gewordene (42) Goschn geklatscht. Was wiederum menschlich tadellos gefunden hätte: Titanic

 Hallo, Gema!

Wir möchten uns hiermit selbst anzeigen: Heute morgen beim regulären Gang zur Toilette entfleuchten einem unserer Mitarbeiter die ersten fünf Töne des White-Stripes-Hits »Seven Nation Army«. Wir bitten daher um Berechnung der gesetzmäßigen Gebühr gemäß folgender Parameter: Raumgröße 6 m², Anzahl Zuhörer: 1, Spitzenlautstärke 76 Dezibel, Eintritt auf Spendenbasis. Es wurde nicht getanzt. Meinst Du, wir kommen da mit unter 1000 Euro davon?

Mit total schechtem Gewissen: Titanic

 Kann es sein, Weinhaus Gröhl in Hamburg-Eppendorf,

daß Du die Philosophie des kultivierten Weintrinkens nicht wirklich verinnerlicht hast? Oder bist Du einfach nur darauf aus, die ewige Begeisterung für promilleselige Massenveranstaltungen auszunutzen, um in den entsprechenden Kreisen Kunden zu akquirieren?

In diesem Fall solltest Du vielleicht doch lieber auf Bier umsatteln. Meinen zumindest die Önologen auf der Titanic

 Herrgottsakra, Söder (CSU), wie genial!

»Der beste Schutz vor Terrorismus ist, keine Terroristen ins Land zu lassen«, verkündeten Sie in der Münchener Abendzeitung. Hätte man das doch nur schon bei der RAF gewußt! Oder beim NSU! Und wäre die Pränataldiagnostik des Verfassungsschutzes damals schon soweit gewesen. Dann hätte man die kleinen Verbrecher, noch ehe sie das Land betreten haben, ohne Umschweife dahin zurückschicken können, wo sie hergekommen sind!

Nichts gegen Ihre Mutter, aber dahin wünscht Sie auch manchmal: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Notiz an mich selbst

Als ich neulich eine Pause machte und auf dem Sofa ein wenig einschlummerte, fragte ich mich im Halbschlaf irritiert, warum oben rechts in meinem Blickfeld keine Uhr zu sehen ist. Ich sollte weniger am Rechner arbeiten!

Tibor Rácskai

 Die Bremer Stadtmusikanten mal anders:

Fleisch im Fleisch im Fleisch im Fleisch.

Julia Mateus

 Walter Benjamin

suchte als Philosoph oft Halt bei Haschisch und Huren. Viel Handfestes kam nicht dabei heraus. Auch nicht bei seinen Beschreibungen von Paris, wo es Orte gebe, die aussähen, »als sei über das Photo einer« (abgebrochen). Über den Charme der Stadt dürfe man sagen, es liege »in dieser Atmosphäre eine weise abgewogene Mischung, daß einer« (abgebrochen). Den Charme von Benjamins Schreibweise hingegen kann jeder erfassen, der schon einmal unter Cannabis-Einfluß z.B. Schatten für »eine Brücke über den Lichtstrom der Straße« gehalten hat. Mir aber bleibt es überlassen, das Flanieren als Methode zum Entdecken des Unerwarteten

Ludger Fischer

 Zeichen und Wunder

Kürzlich stutzte ich, als ich auf meiner neuen PC-Tastatur direkt unter dem »F« noch ein kleines rundes Zeichen entdeckte. Ein Smiley? Oder ein zusätzliches @? Weder zusammen mit ALT, CTRL oder sonst einer Kombination ließ sich etwas auf den Bildschirm zaubern. Lange dauerte der klappernde Versuch jedoch nicht, dann wurde mir klar: Man sollte einfach während des Zähneputzens keine E-Mails checken.

Tobias Jelen

 Abgelehntes Stadtmotto

»Im Westen nichts: Neuss«

Torsten Gaitzsch