[03.03.2014]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Joachim Gauck: Zur Russenfrage

Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Freiheitsfreunde!

Ich spreche heute zu Ihnen, um Ihnen mitzuteilen, daß in zehn Minuten der unbeschränkte Atomkrieg mit Rußland beginnt.

Haha, nur ein kleiner Spaß! Jetzt, wo ich Ihre Aufmerksamkeit habe, möchte ich Ihnen aus tiefster Seele mitteilen, daß das Bundespräsidialamt die Lage auf der Krim beobachtet und keinen Grund zur Panik sieht. Wir haben den Russen, wie man so schön sagt, "im Griff". Sicherheitshalber sollten Sie trotzdem in die Supermärkte laufen und große Vorräte an Lebensmitteln anlegen – kaufe, wenn Kanonen donnern, so heißt es nicht nur an der Börse.

Viele haben in den vergangenen Wochen ein stärkeres Engagement deutscher Truppen in aller Welt gefordert. Vielleicht sogar ich selber. Aber das war erstens in einer völlig anderen historischen Situation (DDR!), andererseits ja auch gemünzt auf relativ schwache, rohstoffreiche Länder, die wir notfalls mit der Konstanzer Feuerwehr nehmen können. Nicht jedoch auf ein befreundetes europäisches Land, das wir gerade, durch zähe Verhandlungen und mit einem minimalen Einsatz an Gewalt, dem Einflußbereich der EU zuschlagen konnten. Demokraten und Faschisten haben ihre Differenzen überwunden, um den großen Traum aller Ukrainer zu erfüllen – von einem alten Jahrmarktsboxer und einer rückenkranken Ölmillionärin regiert zu werden. In so ein blühendes Gemeinwesen werden wir selbstverständlich keine Truppen schicken, zumal ja auch das Grundgesetz einen Einsatz der Bundeswehr im Inland verbietet.

Darüber hinaus möchte ich Ihnen den Schlachtplan für die nächsten Wochen vorstellen, damit Sie keinen falschen Befürchtungen erliegen, sondern den richtigen. Die Bundesregierung wird Herrn Putin zunächst Sorge und Unverständnis entgegenbringen, sowie einen Blumenstrauß und eine Schachtel Pralinen. Sollte das nicht fruchten, werden wir "Spiegel online" anweisen, solange live aus dem Kreml zu tickern, bis Putin nicht einmal einen Schnaps trinken kann, ohne daß wir es unbarmherzig twittern. Nach diesem Stahlgetwitter ist der Russe hoffentlich mürbe! Danach werden Obama, Merkel und Hollande ausknobeln, wer von ihnen nach Moskau fliegen und dort herumwieseln muß. Bis dahin sind hoffentlich auch die amerikanischen Flugzeugträger eingetroffen. Ein paar Kampfjets werden hin- und herzischen, bis wir schließlich Janukowitsch wieder zurück nach Kiew fliegen und die ganze Revolution noch einmal von vorne durchspielen, diesmal eben mit Putin am Tisch. Denn da haben unsere russischen Partner recht: Eine Revolution, die von Frank-Walter Steinmeier angeführt wird, ist keine.

All jenen unter Ihnen, die ihren politischen Ansichten gern im Supermarkt Luft machen, möchte ich empfehlen, Soljanka, Blini und Petuschki zu boykottieren und auf den Konsum des Erlebnisgetränks "White Russian" zu verzichten, bis die Krise beigelegt ist. Das interessiert Gazprom zwar wenig, stärkt aber unser Selbstbewußtsein als aktiver westlicher Bündnispartner und legt uns für die Zukunft nicht fest.

Übrigens: Sollten Sie demnächst unmarkierte, vermummte Milizionäre mit schweren Waffen in Ihrem Vorgarten sehen, so greifen Sie nicht gleich zur Kalaschnikow. Wahrscheinlich handelt es sich nur um die Bereitschaftspolizei, die sich für die nächste Blockupy-Demo warmläuft. Denn damit es bei uns nicht zu Szenen wie auf dem Maidan kommt, bedarf es der höchsten Wachsamkeit aller Demokraten. Und aller Faschisten.

Bis zur nächsten Krise grüßt Sie herzlich Ihr




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Das schreiben die anderen
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13.08.2016 Eschwege, Open Flair (Kleinkunstzelt)
  Oliver Maria Schmitt, Bernd Gieseking, Frank Goose
14.08.2016 Frankfurt, Elfer
  Mark-Stefan Tietze
18.08.2016 Berlin, Das ERNST
  »Das Herz in der Hose«
26.08.2016 Klütz, Literaturhaus Uwe Johnson
  Gerhard Henschel

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Briefe an die Leser

 Tja, Alan Posener,

das ist jetzt mal dumm gelaufen, was? Da haben Sie in der Welt einen langen Riemen über die »verzogenen Bürgerkinder« geschrieben, die in der inzwischen bundesweit bekannten Rigaer Straße 94 in Berlin-Friedrichshain seit Jahren herumlungern. In Ihrer Suada beschränkten Sie sich nicht auf die autonomen Wirrköpfe selbst, sondern rechneten auch grimmig ab mit dem »Berliner Bürgertum, wo es zum guten Ton gehört, sich abfällig über Innensenator Frank Henkel (CDU) zu äußern, der beschlossen hat, der Rechtsstaat müsse endlich Flagge zeigen und die Umbauarbeiten in der Rigaer Straße schützen, koste es, was es wolle.«

Und dann stellt genau drei Tage später das Berliner Landgericht fest, daß eben diese Umbauarbeiten bislang illegal waren, weil der Vermieter nicht einmal einen Räumungstitel vorgelegt hatte. Die Räumung der Bude aber hatte er sich dennoch von Senator Henkel mit geschlagenen 300 Polizisten absichern lassen, die mithin also eine Bande von Einbrechern auf frischer Tat beschützt hat. Da hat der Rechtsstaat ja aber mal richtig schön Flagge gezeigt. Nämlich genau so, wie Leute wie Sie, Posener, das immer schon am liebsten haben, nicht wahr?

Denken jedenfalls die verzogenen Bürgerkinder von Titanic

 Politologe Bernhard Weßels!

Den Wahlausgang des Brexit-Referendums mit dem Abstimmungsergebnis von 51,9 Prozent für die EU-Gegner interpretierten Sie für Spon so: »Das Problem beim Votum: Es gibt in Wahrheit keine echte Mehrheit für den Brexit. Denn von den 92 Prozent der Wahlberechtigten, die sich für das Referendum registrieren ließen, haben nur 70 Prozent abgestimmt. Für eine positive Mehrheit aller britischen Wahlberechtigten aber hätten von ihnen 75 Prozent pro Brexit stimmen müssen – statt wie geschehen 52 Prozent. Ich halte das Ergebnis deshalb eigentlich nicht für belastbar.«

Haben wir’s doch schon immer geahnt! Und wenn Sie jetzt noch unseren früheren Mathelehrern weismachen, daß die damaligen, knapp mehrheitlichen Unterrichtsergebnisse wie 2+2=4 oder a²+b²=c² eigentlich nicht belastbar sind, weil 22 Prozent der Klasse sich mit einer »I don’t give a fuck!«-Einstellung geweigert hatten, die Aufgaben überhaupt zu lösen, hätten Sie zumindest in der Redaktion eine echte Mehrheit (75 Prozent) für Ihre Wahlanalyse.

Mit kollegialen Grüßen: Ihre Vermutungswissenschaftler von Titanic

 Mensch, Ikea!

Du siehst Dich genötigt, in Nordamerika 29 Millionen Kommoden zurückzurufen, die offenbar immer wieder Kinder unter sich begraben haben. Dabei hattest Du mit dem Namen »Malm« doch akkurat angekündigt, was von diesen Möbeln zu erwarten ist! Sicherlich verstehst Du deshalb, daß wir als verantwortungsbewußte Verbraucher künftig von einigen Deiner Produkte lieber die Finger lassen, vor allem dem Drehstuhl »Torkel«, den Kleiderbügeln »Bumerang« sowie dem Zeitschriftensammler »Knuff«. Und auch die Schuhablage »Lustifik« ist uns nicht ganz geheuer!

Gruß auf den Holzweg: Titanic

 Sie, letztlich torlos gebliebener Thomas Müller,

erklärten uns: »Tore sind nicht mein Benzin, eher der Lack auf dem Auto, der Speziallack, der nach außen gut aussieht… Mein Benzin ist mein Antrieb nach Erfolg.«

Einverstanden, Müller. Aber wäre es denn nicht möglich, daß Sie in Wahrheit gar nicht mit Benzin, sondern mit Diesel betrieben werden müssen? Sehen Sie doch mal am Tankdeckel nach!

Raten Ihnen herzlich Ihre Tankwarte von der Titanic

 Es leuchtet, Ingeborg Pils,

schon ein, daß gerade Sie ein Buch mit dem Titel »Deutsche Biere« geschrieben haben. Aber ohne Vorwort von Bild-Büchse Donata Hopfen oder wenigstens Tagesspiegel-Flasche Sebastian Leber bleibt die Pointe einfach zu trocken.

Hat heute leider keine Tulpe für Sie: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Coming-out

Als ich neulich bei Edeka vor dem Wurstregal stand und mich aus Geldknappheit für Gut-&-Günstig-Salami statt für Bio-Aufschnitt des ungarischen Mangalitza-Wollschweins entscheiden mußte, wurde mir klar: Ich bin transfinanziell. Ein reicher Mann, gefangen im Körper eines armen Studenten.

Ernst Jordan

 Werbeslogan zu Ende gedacht

Backen ist Liebe, Braten ist Leidenschaft, Dampfgaren ist Gleichgültigkeit, Dünsten ist Haß.

Julia Mateus

 Richtigstellung

Schon lange möchte ich die allgemeine Lebensweisheit korrigieren, nach der es die kleinen Dinge sind, die das Leben erst schön machen. Es sind nämlich ebenso die kleinen Dinge, die das Leben auch richtig zur Hölle machen können: kneifende Unterhosen, Pop-up-Fenster, im Automat feststeckende Getränkedosen, Mückensummen beim Einschlafen etc. Denken Sie bitte weiter darüber nach.

Leonard Riegel

 Dreieckshoroskopisches

Astrologie ist eine höchst subjektive Angelegenheit. Die Ansicht zum Beispiel, daß Stier und Skorpion sich aufs vorzüglichste ergänzen, teilen meine Frau (Stier) und meine Geliebte (Skorpion) auf keinen Fall. Ich hingegen schon.

Karsten Wollny

 Selbstverwirklichung

Wenn einer ein Trottel ist, gebe ich ihm die Chance, es zu zeigen. Das gilt auch und in erster Linie für mich selbst.

Tibor Rácskai