[27.03.2016]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Gärtners kritisches Ostersonntagsfrühstück: Bericht aus Bumm

Zu den häßlichen Begleiterscheinungen des Terrors gehört neben den Breaking News und Brennpunkten, die Tod und Schrecken so aufbereiten, daß daraus Schmierenstücke für ein Infofernsehen werden, das Kraus zwar nicht kennen konnte, aber dennoch voraussah: „Die Welt ist taub vom Tonfall. Ich habe die Überzeugung, daß sich die Ereignisse gar nicht mehr ereignen, sondern daß die Klischees selbsttätig fortarbeiten“, die ihrerseits vollständig klischierte, an der versimpelnden Antwort immer zuerst interessierte Qualitätspreßberichterstattung; man verzeihe die Notwendigkeit, hier länger zu zitieren:

„Mehr noch als durch den Zwist über die richtige Antwort auf die Flüchtlingskrise wird dieser Kontinent bedroht von Menschen, die in Europa aufgewachsen sind, aber die Freiheiten dieses Kontinents mißbrauchen. Viele von ihnen sind in Molenbeek geboren und groß geworden, nur zehn Autominuten entfernt vom Europaviertel. Und sie leben hier oder sind zurückgekehrt, um im Namen Allahs alles zu zerstören, was den Europäern bewahrenswert erscheint. Die Freiheit vor allem, … die Toleranz … Man darf diesen Stadtteil und seine 100 000 Einwohner nicht pauschal diffamieren, hier wohnen überwiegend Menschen, die sich bemühen, mit den fehlenden Perspektiven und der hohen Arbeitslosigkeit, gerade unter Jugendlichen, irgendwie umzugehen. Aber: Hier ist ein Umfeld entstanden, das Abdeslam und seine Mitkämpfer geschützt hat und noch immer schützt, hier gibt es eben doch viele Bewohner, die wegschauen oder sogar helfen, wie die Mutter von Abdeslams Kumpel, die ihn im Keller versteckte. Viele Menschen in der Rue des Quatre Vents müssen gewußt haben, daß er hier ist, aber niemand ging zur Polizei“ (SZ, 23.3.).

„Die Phrase und die Sache sind eins.“ Kraus, 1919

Denn das Viertel Molenbeek mit seiner hohen Jugendarbeitslosigkeit ist zwar voller Menschen, die sich bemühen, mit einem Leben ohne Perspektiven irgendwie umzugehen, weswegen wir sie auch nicht diffamiereren dürfen; aber: Sie sind halt hauptsächlich Terrorhelfer, gehen nicht zur Polizei, verstecken Kumpels im Keller und schauen weg. Daß das eine mit dem anderen zu tun hätte, daß vielleicht ein Leben mit Perspektive aus Söhnen Mechaniker statt Bombenleger machen würde und daß falsche Solidarität eine ist, die ihren Grund nicht in sich hat, ist dabei eine falsche Annahme; richtig ist im Gegenteil, daß es falsch verstandenes Multikulti ist, was direktemang in den Terror führt: „Frühere Bürgermeister, allen voran Philipe Moireaux, ein Sozialdemokrat, der hier von 1993 bis 2012 herrschte, haben die Dimension des Dschihadismus-Problems eklatant verkannt oder eben verdrängt. Moureaux glaubte, hier lasse sich ein multikulturelles Labor einrichten. Einer seiner Mitarbeiter im Sozialbereich war ein  Abdeslam, dem er in Dankbarkeit ein Buch gewidmet hat. In diesem idealistischen Millieu bildete sich eine Terrorzelle, wie sie Europa noch nie gesehen hat.“

Denn Terrorzellen bilden sich nicht da, wo unser grenzenloser Kontinent der Freiheit und Toleranz ein ausgrenzender der Perspektiv- und Arbeitslosigkeit ist, sondern unterm idealistischen Regiment von Kuschelpädagogik und falschem Verständnis. Und mit diesem Ergebnis kann die Mehrheitsgesellschaft ihre Kinder dann wieder beruhigt in die Gymnasien schicken, ehe sich wieder ein paar verbohrte Restschüler aufmachen, um, weil ein Sozialdemokrat den Schuß nicht gehört hat, unsere Freiheit, von der sie nichts haben, zu mißbrauchen.

Wer so berichtet, macht sich mitschuldig.




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