[19.10.2014]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Selbstverständlich

Also, es fängt damit an, daß in Bangladesch Menschen, die für westliche Konsumbürger Kleidung zusammennähen, zu Hunderten verbrennen, weil ihre Arbeit nichts kostet. Dann gibt es einen sog. Aufschrei, im Westen und in Bangladesch. Dann soll alles besser werden. Und dann sind wir westlichen Konsumbürger natürlich überrascht, daß irgendwann in der Zeitung steht, der engagierte deutsche Entwicklungshilfeminister Müller sei mit dem Vorhaben, per „Bündnis für nachhaltige Textilien“ alles besser zu machen, einigermaßen gescheitert: „So gibt es nach einem halben Jahr Vorarbeit eigentlich nur Verlierer. Müller hat ein Bündnis, bei dem kaum einer mitmacht. Für die Textilarbeiter in Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha ändert sich nichts. Und jene Unternehmen, die dem Bündnis fernbleiben, müssen sich vorwerfen lassen, aus der Katastrophe in der bangladeschischen Textilfabrik Rana Plaza nichts gelernt zu haben. ,Wir reden hier eigentlich über Selbstverständlichkeiten’, sagt Christiane Schnura, Koordinatorin der Clean Clothes Campaign. ,Es müßte doch selbstverständlich sein, daß eine Näherin von ihrer Arbeit leben kann.’“

„Eigentlich wissen es alle.“ Ja, Panik, 2013

Wo wir schon bei den Selbstverständlichkeiten sind: Es müßte doch selbstverständlich sein zu wissen, daß es einmal einen Weltmarkt gibt und zum anderen eine Näherin, und daß diese gegen jenen nicht die mindeste Chance hat, so ernst es die, die ihr helfen wollen, auch meinen mögen. Denn die Helfer sind zu dritt oder hundert, aber der Weltmarkt ist der Weltmarkt ist der Weltmarkt, und der ist groß und lebt vom Wettbewerb, der immer auch ein Wettbewerb der Lohnkosten ist: „Nach Ansicht von Asia Floor Wage, einem Bündnis asiatischer Gewerkschaften und NGOs, müßte der gesetzliche Mindestlohn in Indonesien verdreifacht, in Kambodscha vervierfacht und in Bangladesch sogar verfünffacht werden. Umgelegt auf ein Kleidungsstück wären selbst dies jedoch nur Mehrkosten von einigen Cent für den Käufer der Produkte.“ Aber Preiswettbewerb ist Preiswettbewerb, das ändert, wenn die Empirie irgendwas besagt, auch der sog. kritische Verbraucher nicht: „Viele Fabriken sind dazu übergegangen, Aufträge selbst wiederum auszulagern, um im harten Preiswettbewerb bestehen zu können … [Es] besteht die große Gefahr, daß die Textilindustrie mit ihren Fabriken weiterzieht, wenn die Kosten für Löhne und Sicherheit in Bangladesch einseitig steigen. In der Branche kursieren Überlegungen, Arbeit nach Afrika auszulagern. Äthiopien hält sich schon bereit.“

Daß also der Weltmarkt irgend etwas aus Katastrophen in Billiglohnländern lerne, können wir ausschließen; was wir hingegen lernen, ist, daß sich Kapitalismus und Ausbeutung nicht trennen lassen, und wer „Ausbeutung“ für einen linken Kampfbegriff hält, der muß sich halt einen anderen, schöneren ausdenken. Es ist nun einmal so: Im Kapitalismus bieten die einen ihre Arbeit an, und die anderen kaufen sie. Solange es mehr Anbieter als Nachfrager gibt, sind die Preise niedrig, nicht nur als Lohn, sondern auch für ein Menschenleben. Es gibt nun aber netto immer mehr Nachfrager als Anbieter, weil der Kapitalismus, zweitens, Besitzer und Nichtbesitzer kennt, und die Nichtbesitzer nur ihre Arbeitskraft zu verkaufen haben. Weil sie nur ihre Arbeitskraft zu verkaufen haben, werden sie (in aller Regel) nicht zu Besitzern und müssen also auch im weiteren ihre Arbeitskraft verkaufen. Das tun sie zu Marktbedingungen, und alles geht von vorne los.

Trotzdem macht Entwicklungshilfeminister Müller Druck, „um kein Jota will er von seinen Plänen ablassen. ,Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Tod durch Chemikalien, das muß aufhören’, sagt er. ,Das ist nicht verhandelbar.’“

Und wird deshalb auch nicht verhandelt.




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Das schreiben die anderen
Titanic unterwegs
03.07.2016 Hannover, Wilhelm-Busch-Museum
  Rudi Hurzlmeier
03.07.2016 Aschaffenburg, Stadttheater
  Greser & Lenz und Hauck & Bauer
05.07.2016 Hamburg, Grüner Jäger
  Seddig, Werner, Masztaler, Neft + Stargast Tietze
22.07.2016 Bielefeld, Kulturzentrum Nummer zu Platz
  Stefan Gärtner

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Briefe an die Leser

 Huhu, Verlag Matthes & Seitz!

»Von der Suche nach dem Glück erzählt die Österreicherin Anna Weidenholzer in ihrem neuen Roman ›Weshalb die Herren Seesterne tragen‹. Céline Minard legt mit ›So long, Luise‹ ein zwischen Realität und Fiktion changierendes literarisches Testament vor, und der satirische Polit-Thriller ›2017‹ der Russin Olga Slawnikowa entlarvt eine Welt von Korruption, unermeßlichem Reichtum und politischer Unterdrückung im Rußland der Gegenwart und nahen Zukunft.«

Die Suche nach dem Glück, ein literarisches Testament zwischen Realität und Fiktion, eine Politthrillersatire übers korrupte Rußland: könnte man, Verlag Matthes & Seitz, sagen, daß Du der Verlag der wirklich heißen Eisen bist?

Coole Grüße von Titanic

 Augen geradeaus, Jens Spahn (CDU)!

Augen geradeaus, Jens Spahn (CDU)!

Zum Clinch zwischen Ihrer Partei und ihrer unansehnlichen Schwester aus Bayern schwafelten Sie im Tagesspiegel: »Wir können Vertrauen nur zurückgewinnen, wenn CDU und CSU gemeinsam nach vorne diskutieren und Lösungen für konkrete Probleme finden.«
Einmal angenommen, Sie finden in der CSU tatsächlich jemanden, der bereit ist, sich mit Ihnen zu treffen, vielleicht sogar jemanden mit einer ähnlich bizarren Brille wie der Ihren, und Sie beide stellen sich dann so hin, daß Sie nach vorne diskutieren, nämlich nebeneinander: Reden Sie dann nicht eigentlich aneinander vorbei? Ja? Auch egal. Titanic

 Sie, Larry Kasanoff,

haben sich unter anderem mit der Verfilmung des Videospiels »Mortal Kombat« einen Namen gemacht und sind damit zweifellos der richtige Produzent für die geplante Leinwandtrilogie »Tetris – the Movie«. Seit dieser Ankündigung bewegen uns allerdings einige Fragen, wie etwa: Warum keine Tetralogie? Werden das Quadrat und das L-förmige Teil jemals zueinanderfinden? Wird der Soundtrack mit fortschreitender Filmdauer immer schneller?

Völlig sicher ist sich allerdings, daß der Streifen ein echter Blockbuster wird: Titanic

 Übrigens, Markus Söder!

Nach Ihren Verkleidungen 2012ff. als – Wikipedia listet es akribisch auf – Punk, Drag Queen, Shrek, Mahatma Gandhi und Edmund Stoiber freut sich schon darauf, Sie fluterprobten bayerischen Heimatminister bei der nächsten Fastnacht als wahlweise Franziska van Almsick oder Clownfisch Nemo zu sehen: Titanic

 Himmel, Franz Josef Wagner!

Ja, man wird und wird nicht jünger, wähnt sich manchmal sogar schon nah und näher beim himmlischen Vater – und trotzdem muß ein alter Bild-Bock wie Sie sich so kurz vor dem gemeinsamen Treffen noch mit dem Allerhöchsten anlegen. Und etwa am 30. Mai angesichts quasibiblischer Regenfälle und Sintfluten die dürre Schmierenschreiberfaust drohend gen Himmel schütteln, daß der Morgenschnaps aus dem Glas spritzt, und fragen: »Was alles erlaubt Gott?«

Wir verraten’s Ihnen: alles. Gott erlaubt sogar solche Gestalten wie Sie.

Herzlichst Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Im Jetzt leben

Wenn Du die Zeit spüren willst, sei ungeduldig.

Michael Höfler

 Gesundheit

Was man nicht im Kopf hat, muß man in den Beinen haben, heißt es. Bei der Thrombose meines Patenonkels hat sich das auf traurige Weise bewahrheitet.

Ernst Jordan

 Harmlosigkeitslippen, die

Dieses mimische Phänomen entsteht durch ein Einwölben und leichtes Aufeinanderpressen der Lippen. Menschen zeigen es in Situationen geringfügiger Peinlichkeit, etwa bei Unklarheit über die Reihenfolge in einer Warteschlange.

Robert von Cube

 Digitale Scham

Was ich mich auf Facebook nicht zu liken traue: meine eigenen Posts, meine eigenen Kommentare und dieses grandiose Läuseshampoo.

Ella Carina Werner

 Resümee

»Sie und ich hätten miteinander glücklich werden können, doch leider lernten wir uns kennen.«

Volker Schwarz