Newsticker

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Inside TITANIC (15)

Exklusiv zur Festtagszeit: Die ganz persönlichen Wein-Empfehlungen der RedakteurInnen.

Vom "Stern" über "Barbara" bis zur "Rheinischen Post", im Dezember präsentieren zahlreiche Redaktionen wieder ihre unvermeidlichen Lieblingsweine. Auch die TITANIC-MitarbeiterInnen verraten zum Jahresausklang erstmals ihre Lieblingstropfen ab vier Euro abwärts.

Ganz klar: Chefredakteur Moritz Hürtgen favorisiert den Chardonnay Pays d'Oc der Rebsorte Délicieux Raisin. Der Weinfreund charakterisiert den einzigartigen Geschmack ("lecker, schmackhaft, köstlich, super, gut") und verrät, wie man verschiedene Sorten voneinander unterscheidet: Ins Glas gießen und gegen das Licht halten, "ist er durchsichtig, ist es ein Weißer". Breiter aufgestellt ist da Fabian Lichter: "Zu einem leichten deutschen Spätburgunder sage ich nicht nein. Zu einem schweren Chianti Classico sage ich nicht nein, und zu einem Rotburgunder Cabernet Saufignon schon mal gar nicht."

Ella Carina Werner wiederum schwört auf ein Gläschen Friesischen Riesling. Den Lieblingswein ihrer Mutter habe sie bereits mit der Muttermilch eingesogen und davor schon durch die Nabelschnur. Auch um den süßen Casato dei Medici Riccardi Bolgheri, den Lieblingswein von Torsten Gaitzsch, rankt sich eine Familien-Story: "Ziemlich lustige Geschichte: Mein Vater kam aus dem Penny mit zwei Kisten dieses Weins. Dabei hatte ich denselben gerade bei Lidl gekauft!" Paula Irmschler hingegen empfiehlt allen Wein-Amateuren da draußen zum Fest (Fasching) die gute Spreewald-Edelrebe. Deren Plus: das würzige Bouquet, das hervorragende Preis-Promille-Verhältnis und der gute Abgang, vor allem in Kombination mit einer Faust voll Zetti Knusperflocken. Leo Riegel präferiert zu guter Letzt den St. Lorenz Christkindl Glühwein, insbesondere an warmen Sommertagen.

Fazit: Alle Flaschenweine gehen gut runter, Finger weg lediglich von neumodischem Dosenwein, Rebensäften des Problem-Weinguts Harvey Steinwein sowie Messwein aller Art.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Die Zeichen stehen auf Change

Liebe Freunde,

nur noch zwei Wochen bis zum letzten Jahresendfest dieses Jahrzehnts. Macht mich natürlich einerseits sentimental, andererseits ist da aber auch schon diese enorme Vorfreude auf die Chancen und Herausforderungen der kommenden Dekade: Wie wird es politisch weitergehen bei unserem großen Bruder, den USA? Gönnt Donald Trump seinen Landsleuten noch eine zweite oder dritte Amtszeit? Wer traut sich nach ihm? Kommt überhaupt noch jemand nach ihm? Und was wird aus dem Klima? Aus Merkel? Wo treibt es mich in den nächsten zehn Jahren hin? Und last but not least: Hört Volker Pispers endlich auf die immer lauter werdenden Rufe und arbeitet das Comeback des Jahrhunderts? Die Zeichen, sie stehen auf Change.

Das spüren wir auch schon sehr deutlich zuhause bei den Werners. Die Älteste, angezündet von ihrer FFF-Whatsappgruppe, hat sich seit Juni vehement gegen einen konventionellen Weihnachtsbaum ausgesprochen, deswegen arbeiten wir dieses Jahr erstmalig mit einem Baumsharing-Dienst. Und mir macht es auch wirklich nichts aus, am Weihnachtsmorgen nach Rheydt am Niederrhein zu düsen und eine nadelnde Tanne auf den Beifahrersitz zu hieven. Aber nachdenklich stimmt es mich schon.

Wo ich noch ein kleiner Bub war, sagte mein Opa immer zu mir: "Daxi, werde doch Christbaumverkäufer. Dann musst du nur einmal im Jahr arbeiten!" Heute frage ich mich: Werden die Weihnachtsbaumverkäufer, wenn sich der Baumsharing-Trend erst einmal durchsetzt, in Zukunft überhaupt noch Arbeit finden? Wie nehmen wir diese Menschen mit ins neue grüne Deutschland? Fragen, auf die Arbeitsminister Hubertus Heil auch beim SPD-Parteitag am vergangenen Wochenende eine Antwort schuldig geblieben ist. Das Schweigen der politischen Klasse ist ohrenbetäubend.

Überall, wohin man sieht: Change. Und auch wenn man den Wandel wie ich mit offenen Armen empfängt, manchmal erwische eben selbst ich, die Innovation in Person, mich dabei, wie ich mir nur ein kleines bisschen gute alte Zeit zurückwünsche. Die Zeit, in der Notre-Dame noch stand zum Beispiel. Urban Priol als "editor in chief" der Anstalt. Deutschrap mit gewaltfreier Kommunikation, etwa von den Fantas oder Clueso. Den Doktor der Einheit: Helmut Kohl. Zehn Stunden "Zelda – Ocarina of Time" am Stück auf dem Nintendo 64. Alle und alles weggespült vom Wandel. Älter, nicht weiser.

Vielleicht ist dieses letzte Jahresendfest der Zehner eine gute Gelegenheit, noch einmal innezuhalten: Was haben wir und was können wir machen? Die Zukunft stellt laute Fragen an uns. Gehen wir auf die Suche nach Antworten.

Ein gesegnetes Fest und einen angenehmen Übergang:

Euer Dax Werner

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Inside TITANIC (14)

Brisante Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Schreiberling Torsten Gaitzsch darüber, warum weniger oft weniger ist oder was.

Sie haben es sicher gelesen: Der neueste Selbstoptimierungs-Trend im Silicon Valley ist Dopaminfasten. Startup-Heinis verzichten tagelang auf äußere Reize und beschränken ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum, um danach ihre Umwelt umso intensiver wahrnehmen zu können. "This is why Al-Qaida hates us", hätte man dies in den Nullerjahren kommentiert. Neurotransmitter auf Sparflamme zu halten, ist freilich ein alter Hut. Ich zum Beispiel habe mir schon vor vielen Jahren eine strenge Serotonin-Diät verordnet – meine Texte wären andernfalls noch unlustiger!
Und die anderen Redakteurinnen und Redakteure? Welche Einschränkungen erlegen die sich auf? Wie detoxen sie? Ich möchte es Ihnen verraten! Ella Carina Werner besitzt kein Smartphone und begegnet daher zwangsläufig interessanten Menschen, stolpert ständig auf langen Zugfahrten in kuriose Gespräche. Moritz Post und Hardy Burmeier praktizieren "Friseur-Fasten"; die so gesparten Taler stecken die beiden Mähnenträger in Mohrrüben (Post), Rewe-Sushi (Burmeier) und Tabak (beide). Martina Werner macht keinen Urlaub mehr – inzwischen schon seit mehreren Wochen! Alexander Golz wiederum entsagt der Firma Apple, allerdings nicht aus Askese- und Wellnessgründen, sondern nach rein technischen Analysen und sachlichen Abwägungen ("Apple-Fans sind idiotische Opfer").
Aber warum sollten sich Medienunternehmen überhaupt den kranken Spielregeln des Spätkapitalismus unterwerfen? Tja, wie es halt so ist: Einer fängt an, alle ziehen nach. Man munkelt, dass Jürgen Kaube allen FAZ-Mitarbeitern kürzlich eine Kaviar- und Trüffelschranke auferlegt hat, nachdem es um das 70jährige Blatt nicht mehr ganz so goldig steht. "Focus Money" nutzt keine teuren Tarot-Hotlines mehr und setzt ausschließlich auf Kaffeesatzleserei und Vogelschwarmbeobachtung. Die "Emma" verzichtet geschlossen auf linksdrehende Joghurtkulturen, und bei der "Welt" wird von Ostern bis Allerheiligen gefastet – halt, falsch: "gefistet" muss es heißen.

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Inside TITANIC (13)

Brisante Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Premium-Praktikant Adrian Schulz enttarnt das hauseigene Epizentrum der Macht.

"Die musst du dir fest ins Maul reinstopfen", sagt Martina Werner in meinem Kopf seit circa dreieinhalb Wochen in Dauerschleife mit ernster Miene, mir "Köhler Küsse" hinhaltend, eben seitdem sie das in einem Gespräch wirklich so zu mir gesagt hat, wobei das Gespräch aus nicht viel mehr als dieser klaren Anweisung bestand. Sie ist wahrscheinlich eine dieser Insider-Sprachmarotten, die im niemals endenden Redaktions-Hauptraum-Dauergespräch zwischen ihr, Tom Hintner, Leo Riegel, Hardy Burmeier, um die Ecke Alexander Golz und hinter Kopfhörern kopfschüttelnd Paula Irmschler über Tage und Wochen hinweg eingeführt, durchgewitzelt und in jeder auch nur denkbaren Facette erforscht worden ist. Es dreht sich für gewöhnlich um die Essens-Hotspots in der Nähe, Arztbesuche oder die Arbeit und tröpfelt gemütlich mit neuen Wortbeiträgen alle zwei bis zwanzig Minuten durch den Tag, da ja alle auch noch nebenbei auf ihren Bildschirm starren und kreativ sind.

Dieser Raum, nicht das Chefbüro, ist das Epizentrum der Macht bei TITANIC. Hier werden alle wichtigen Entscheidungen getroffen; hier werden bekloppte Geschäftspartner outgecallt und chinesische Investoren mit honigsüßen Versprechungen um den Finger gewickelt. Hier werden mitgebrachte Süßigkeiten der knallharten kollektiven Konsumierbarkeitsbegutachtung unterzogen und Fernsehteams verprügelt. An den Wänden sieht man förmlich, Jahresringen gleich, die abgelagerten Witzsedimente aus den vergangenen siebzig Heftjahren, auf die alle Anwesenden wie selbstverständlich sofort zugreifen können. Die gesamte Satiregeschichte der Bundesrepublik ist in ihren Hirnen gespeichert, und alles, was sie miteinander erlebt haben, sowieso auch noch.
Hat man es jemals aus diesem Raum wieder herausgeschafft, ist man froh um jeden Gedanken, der auch nur einen Bruchteil so spontan ist wie das immer wieder erfrischend abgestandene Gerede dieser Leute, die, seit sie auf der Welt sind, schon alles gehört und gesehen haben und, vor Genialität strotzend, jeden Tag aufs Neue ihrem Universalcharisma unterwerfen.
...

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Karneval verbieten! Jetzt!

Liebe Mehrheitsgesellschaft,

wir müssen reden. Denn als ich gestern Abend gegen 23 Uhr nach einem harten Arbeitstag in der Agentur gedankenverloren mit meiner Subohm-Dampfe über die Komödienstraße Richtung Dom und Kölner Hauptbahnhof spazierte und mir drei Marienkäfer um die 50 mit leeren Augen entgegentorkelten, wurden mir mit einem Mal zwei sehr wichtige Sachen klar: 1. Gestern war der 11.11. und damit offizieller Beginn der Karnevals-Saison. 2. Der Karneval in Deutschland muss verboten werden. Jetzt!

Was hierzulande ständig mit so unverdächtigen Wendungen wie "närrisches Treiben", "Session", "Fasching" oder "Jecken" diminutiv verharmlost wird, ist in Wahrheit – and I take no pleasure in saying this – ein vollkommen überdimensioniertes Deindustrialisierungsprogramm für dieses unser Land. Angesichts der globalen Herausforderungen alleine in den Bereichen Automobilindustrie und Energiewirtschaft sowie den hinlänglichen Machtverschiebungen einer immer bipolarer organisierten Welt ist es aus meiner Perspektive schlichtweg nicht mehr hinnehmbar, ein ganzes Land für mehrere Netto-Arbeitstage pro Jahr in kollektive Betäubung zu versetzen.

Es muss ein Umdenken her. Lange Zeit glaubten wir der uralten Pointe des Traumschiff-Kapitäns Harald Schmidt, der einmal sinngemäß sagte: Ein Land, in dem nicht mindestens acht Millionen Menschen "Musikantenstadl" schauen, sei unregierbar, und übersetzten diese auf Karneval. Dabei zeigen die Beispiele China und Indien: Es geht auch ohne! Während der Düsseldorfer Hoppeditz vor Babyboomer-Publikum auf dem alten Markt gegen die Umweltspur und Dieselfahrverbote wettert, werden im indischen Hyderabad zeitgleich 12 neue Patente angemeldet. Ich weiß nicht, wie es Euch damit geht, aber mich macht das betroffen.

Erst recht treibt es mir die Tränen in die Augen, wenn ich ansehen muss, wie leichtfertig junge Menschen Jahr für Jahr ihre (und unsere) Zukunft in den Hochstraßen und Marktplätzen dieser Republik wegwerfen. Anstatt mit MINT-Mindset und einigen ihrer Freunde eifrig an Mobilitätskonzepten für übermorgen zu tüfteln, werfen sie sich in SWAT-Team- oder Krankenschwester-Kostüme, kippen literweise den Klaren in den Körper und grölen banalstmusikalisches Liedgut in ausgedachten Fantasiesprachen.

Und über die kulturellen und intellektuellen Folgekosten dieser alljährlichen Betäubung habe ich noch gar nicht gesprochen. So zwitscherte die "Taz" einen Text von Fatma Aydemir, in der diese eigentlich nur auf die Selbstverständlichkeit hinwies, dass rassistische Karnevalskostüme wie "Indianer" und "Chinesen" lediglich zur Belustigung weißer Menschen da sind. Prompt drunterkommentierte ein Boomer: "Was für ein Schwachsinn ..." (229 Favs) und etwas später hinterher: "Dass ich für den Tweet so viele Likes bekomme, hätte ich nie gedacht. Das haut mich um. Offenbar habe ich mit wenigen Worten genau den Nerv getroffen."

Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

Euer: Dax Werner

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Inside TITANIC (12)

Brisante Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Paula Irmschler über die Redaktion im Rauschscham.

Gute Satire fickt sich nicht von allein. Der Sekt zum Frühstück, der Joint vorm Mittag, das Koks bei der Konferenz, das Bier am Nachmittag, das Koks statt Essen, der Wodka-Lemon nachts um vier zum Schreiben der Kolumne, das CBD zum Runterkommen. Das alles machen wir nicht mehr. Stattdessen gibt es viel Schlaf, ausreichend Wasser, gutes Essen und intensive Gespräche.

Bis vor kurzem hielt uns alle zumindest noch die Liebe zum good old Glimmstängel über Wasser. Nachdem alle immer mal wieder scheinheilig mit Rauchen aufgehört hatten, feierte die Ziese in der TITANIC-Welt zuletzt ein Comeback, es wurde wieder geschlaucht, geröchelt, gequatscht. Wir waren kurz davor, den Besuch einer Trinklokalität mal wieder in Betracht zu ziehen.

Bis sie uns wieder ereilte: Die Rauchscham. Äh, die Rauschscham (hier geht es um mehr).

Schuld daran sind: die Praktikantinnen und Praktikanten. Verächtlich "shamen" sie uns, wenn wir zu den guten, alten Abfuckdrogen greifen wollen. Die Jugend macht sowas nicht mehr. Und wir wollen natürlich auch nicht machen, was die Jugend nicht macht, weil wir es machen. Verantwortungsbewusst rühren sie ihr Quinoa an, sind früher als wir im Büro und kümmern sich um die Finanzen. Und sie verzerren ihr Gesicht oder machen diese Scheibenbewegung vor dem Gesicht, wenn wir uns mal ein bisschen Fun gönnen wollen. Einige bestehen nicht mal den "Kennst du alle hundert Millionen Biersorten der Welt?"-Test von Tom Hintner. "Ok Boomer", lachen sie uns mit diesem neuen Internetwitz aus, den ich gegoogelt hab. Und: "Interessant. Diese Zigaretten hatte meine Oma auch." Was glauben die eigentlich, wie alt wir sind?

Neuerdings experimentiert die (erwachsene) Redaktion allerdings heimlich mit Pilzen. Mehr dazu vielleicht bald an dieser Stelle.

Bleibt smooth, kids.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

5000 Jahre Internet

Liebe digitale Vorhut,

Rechenzentren, Sternenstaub, unendliche Weiten: Das Internet, Quell und Ursprung aller guten und schönen Dinge in unserem Leben, feiert 50jährigen Geburtstag. Happy Birthday, liebes Weltnetz! 1969 wurde der erste Computer der Welt im sogenannten Alpaka-Net durch ein gelbes LAN-Kabel mit einem WLAN-Router verbunden. Für die Geschichte der Menschheit war dieser eine Handgriff vermutlich nicht von geringerer Bedeutung als das erste Mal ein Feuer machen oder eine Pyramide bauen. Warum? Ein Thread.

Natürlich, das Internet hat uns nicht nur coole Sachen geschenkt: Es sei hier nur an Donald Trump sowie Spam-Mails erinnert. Das war's aber auch eigentlich schon, denn ansonsten stehen insgesamt sehr viele geile neue Möglichkeiten auf der digitalen Habenseite: Memes, Vaporwave, Ebay, Rapidshare, Hundefotos und die Wikipedia-Seite von Reinhold Messner! Daran erkennt man mal wieder sehr gut, dass alles im Leben zwei Seiten hat. Wenn man zum Beispiel heutzutage ein Buch schreiben möchte, kann man sich einfach an den Millionen kostenlosen Texten im Netz bedienen und sich aus diesen ein neues, ein besseres Buch basteln!

Das größte Achievement des Internets ist jedoch sicherlich, dass es denjenigen eine Stimme gab, die vorher keine hatten. Egal ob westdeutscher Babyboomer, thüringischer Millennial oder Don Alphonso: Im Internet darf jeder seine Meinung sagen – und das ist auch gut so!

Wenn es eine Sache gibt, die ich mir an diesem heutigen Geburtstag wünsche, dann vielleicht: Dass wir wieder versuchen, sachlicher miteinander im WWW zu diskutieren, das rhetorische Wettrüsten einstellen und, jawohl, dass wir uns wieder ein Stück weit selber finden. So, wie es der kleine Prinz im berühmten Märchen von Frank Schätzing einmal gesagt hat: "Ich frage mich, ob die Sterne leuchten, damit jeder seinen eigenen eines Tages wiederfindet."

Liebe Internet-Sterne, ihr seid so viel mehr als Einsen und Nullen für mich.

Auf die nächsten 50 Jahre,

Euer Dax Werner

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Kommissarischer DFB-Präsident Peter Peters!

Bis der DFB einen neuen Präsidenten gefunden hat, lenken Sie dessen Geschicke und sagen in WDR-Interviews Sätze wie diesen: »Die Entscheidung, die WM nach Katar zu geben, war falsch und fiel in einer Zeit, als der Fußball käuflich war.«

Haha! Falls Sie nach dem DFB noch nichts vorhaben, können Sie mit solchen Sprüchen jederzeit bei uns anfangen!

Wird immer käuflich bleiben: Titanic

 Etwas Richtiges, Karin Prien,

Bildungsministerin von Schleswig-Holstein und Mitglied im CDU-Bundesvorstand, sagten Sie über die laut Tagesspiegel »klaren« Ambitionen der Kandidaten für den CDU-Vorsitz nach Arminion Laschet: »Machtanspruch gehört zur Politik. Wir leben ja nicht im Mädchenpensionat.«

Und wissen Sie was, Frau Prien, das bestätigte sich, als wir das letzte Mal unvorsichtigerweise an Ihrer Parteizentrale vorbeischlenderten. Es roch dort sehr ungewaschen nach Jungs-Umkleidekabine eines Landschulheims. Versichern Ihnen Ihre Privatschnüffler von der Titanic

 Heda, Cornelia Funke!

Heda, Cornelia Funke!

Nach Jahren der Dürre haben Sie sich, wie Sie der Zeit berichten, entschlossen, Ihre Farm in Malibu aufzugeben: »Natürlich, eigentlich sollte der Mensch Kalifornien verlassen und zugeben, dass unsere Art der Zivilisation dort gescheitert ist; dass die Einzigen, die mit diesem Land umgehen konnten, die amerikanischen Ureinwohner waren. Von ihnen hätten wir viel lernen können. Stattdessen kommen immer mehr Millionäre nach Malibu.«

Nun ist mit Ihnen, der erfolgreichsten deutschen Jugendbuchautorin, wenigstens eine Millionärin weggezogen. Und wo zieht man als solche – demütig und ehrfürchtig geworden – danach hin? Ins Kloster? Auf eine kleine Berghütte? Nein: »In der Toskana, nahe Volterra, besitzt Funke nun fünf Hektar Land mit 300 Olivenbäumen« (Zeit) und mehreren Gebäuden. Allerdings zunächst recht spartanisch: »Die 500 Kisten, in die ich mein Leben gesteckt habe, kommen erst Ende November an.«

Mensch, Funke! Das ist, ob Sie es glauben oder nicht, immer noch die gleiche »Art der Zivilisation«! Wenn Sie uns nicht glauben, fragen Sie doch mal die 300 alten Olivenbäume um Rat. Die flüstern nachts manchmal Weisheiten.

Bella Ciao! Titanic

 Hören wir, Anna Friedrich und Annika Gollnik,

ein bisschen Erstaunen aus Ihrem Artikel für faz.net heraus, wenn Sie schreiben: »Ernährungsberater, Coach oder Tätowierer kann sich jeder nennen. Das birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Nicht zuletzt für die Glaubwürdigkeit der Berufstätigen«? Denn Sie stellen in Ihrem Text »Ungeschützt: Berufe ohne Regeln« weiter fest, dass sich dort Menschen in Jobs tummeln könnten, die »ohne besondere Fachkompetenz nachweisen zu müssen« machen, was sie eben machen.

Herrje, das ist ja wie beim Journalisten bzw. der Journalistin!

Hihi: Titanic

 Du, »Redaktionsnetzwerk Deutschland«,

fragst in einer Schlagzeile: »Kein entspannter Corona-Winter?« Eine sehr schwierige Frage! Denn normalerweise verheißen Komposita mit dem Wort »Corona« ja automatisch Entspannendes: Coronapandemie, Coronaleugner, Coronakrise, Coronahotspot, Coronatote … Warum sollte es jetzt ausgerechnet beim flauschigen Winter anders sein?

Fragt entspannt zurück: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Bad Spies – (k)eine Kritik

Eines Montagabends lief im ZDF der Streifen »Bad Spies«, den ich allerdings verpasst habe und folglich hier nicht rezensieren kann, weil ich mittlerweile dermaßen von deutschen Regionalkrimis traumatisiert bin, dass ich beim Studieren des Fernsehprogramms nicht an eine ja möglicherweise unterhaltsame US-amerikanische Agentenkomödie, sondern an einen hessischen Kurort namens Bad Spies dachte.

Cornelius W.M. Oettle

 Militarismus unter Tieren

Seien wir doch einmal ehrlich zueinander: Schildkröten sind auch nichts anderes als Stahlhelme auf vier Beinen.

Theobald Fuchs

 Vom Schreiben eines Witzes. Drama in vier Akten

Erster Akt: Aus der klanglichen Ähnlichkeit von Mario Kart und Mario Barth kann man sicher etwas Komisches konstruieren. Zweiter Akt: Aber welcher Kontext? Irgendwas mit Fun als Stahlbad, geistiger Verelendung durch die Unterhaltungsindustrie – so in die Richtung könnte das klappen! Dritter Akt: Jetzt nur noch pointiert ausformulieren und … Vierter Akt: Obwohl … So gut ist die Idee auch wieder nicht.

Jürgen Miedl

 Am Schalter

Neulich wurde ich zufällig und unfreiwillig Ohrenzeuge des folgenden Verkaufsgesprächs in einer Postfiliale: Kundin (wichtigtuerisch, fast feierlich): »Ich hätte gerne Briefmarken, am liebsten SONDERMARKEN! Was hamse denn da da?« Verkäuferin (trocken, monoton): »Beethoven, Sendung mit der Maus, Digitalisierung. Das war’s.« Das fasst, so will ich wohl meinen, den Zustand der Gesellschaft, ihren Denk- und Gedenkhorizont, recht präzise zusammen.

Andreas Meinzer

 Rätsel gelöst

Das eigentliche Ziel der ständigen Musikbeschallung im Konsumtempel ist es, das Wisch-Wusch-Geräusch zu übertönen, welches die Arme beim Anprobieren von Outdoorjacken machen. Nach dem Kauf, zuhause im stillen Kämmerlein, ist man dann schlauer.

Tina Manske

Vermischtes

Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 02.11.:

    "Keinmal um die ganze Welt - Ein Pauschalreiseabend für Zurückgebliebene" - so heißt das WDR-5-Spezial mit Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert.

  • 29.10.:

    Das Bornheimer Wochenblatt berichtet vom TITANIC-Normalitätswettbewerb.

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

Titanic unterwegs
08.12.2021 Karlsruhe, Tollhaus Max Goldt
08.12.2021 Melle, Theater Martin Sonneborn
08.12.2021 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner
09.12.2021 Freiburg, E-Werk Max Goldt