Newsticker

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Land auf der Kippe

Liebe Leser*innen,

es ist wohl keine Übertreibung, wenn ich das, was sich mir heute Morgen im Livestream auf dem Bildschirm des Sony Vaio Laptops bot, eine historische Zäsur, einen Wendepunkt nenne: Im ARD-Morgenmagazin wurde eine Stunde nicht live gesendet, sondern eine Aufzeichnung der Stunde davor, "vom Band", wie Moderationsmaschine Sven Lorig um 6:59 MESZ trocken reinmoderierte. Der Grund: Im WDR-Gebäude am Appellhofplatz in Köln wurde nämlich heute Morgen gestreikt.

Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich krass. Und man muss vielleicht dazu erklären, dass ich seit meinem elften Lebensjahr ein Morgenmagazin-Ultra bin. Keine Tageszeitung, kein Radio und kein Twitter kreieren dieses angegeilte Infotainment-Gefühl, das sich bei mir im völlig wirren Durcheinander von müder Tagesschau-Schalte nach Hamburg zu Jens Riewa, zwanglosen Moderatoren-Jokes auf der Couch, dem kallharten Stehtisch-Interview mit Jörg Meuthen und der Garagentor-Werbung vor dem EM-Spezial-Sportblock mit Peter Großmann auf einem niederländischen Campingplatz im Moderations-Tandem mit Youri Moulder einstellt. Zwischendurch kommt Jochen Distelmeyer vorbei und singt ein Lied. Eine halbe Stunde MoMa aus Köln beim Kaffee und I am ready. Bis heute.

Denn die Zeichen, dass da was ins Wanken gerät, sind in letzter Zeit doch recht deutlich zu spüren. Erst kürzlich drehte eine Zuschauerin im Schwesterformat ZDF-Morgenmagazin frei und verwickelte Dunja Hayali live on air in eine Privat-Panel-Diskussion über journalistische Sorgfaltspflicht. Seitdem schwingt die Angst mit, auch bei mir als Zuschauer. Über jeder MAZ schwebt seither die Frage: Bei wem brennen gleich als nächstes die Sicherungen durch? Zerstört Wetterfee Donald Bäcker die Isobarenkarte, weil es ihm nach tausend Sendungen einfach mal reicht? Beleidigt Gesundheits-Experte Thomas Kurscheid gleich eine Zuschauerin am Telefon, weil wieder irgendwas mit den Rheumapflastern ist?

Wir wissen es nicht, doch eines scheint klar: Die Krise des Morgenmagazins ist weit mehr als ein DWDL-Thema, sie ist Metapher und Symptom zugleich für ein Land auf der Kippe.

Bleiben wir achtsam.

Ihr Dax Werner

 

 

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Das Lied im Grünen

Wenn uns in nicht einmal sechs Monaten die erste Rakete aus der Rotkäppchenflasche zischt, wird die DLRG auch für dieses Jahr eine Zahl tödlicher Badeunfälle vermelden, die zwischen 400 und 500 liegen dürfte, in großen Sommern (Rilke, Silsersee) mag die Zahl auch übertroffen werden. Wie immer werden es hauptsächlich Seen und Flüsse sein, die ein ums andere Mal aus glänzenden Zukünften vermischte Meldungen machen. Spontankrämpfe und Unterströmungen, Bier- und Wagemut, schläfrige Eltern und abfallende Ufer - so vielfältig die Gründe, so tragisch der Ausgang. 500 Ertrunkene, das ist, als kübelte die MS Europa irgendwo zwischen kleinen und großen Antillen all die Träger von Dinnerjackets und Abendroben über Bord, wo sie noch eine Weile mondbeschienen auf den Wellen trieben, während das gischtige Kielwasser mählich im Gleichschlag der Wellen aufgeht wie das kleiner werdende Schiff im Horizont. Gespenstisch aber auch die Badeseen: Döbel und Schlei streifen die rötlichen Beine, grünliche Ranken häkeln daran, Ungechlortheit schafft unhinterfragte Biotope. Ärger noch die gänzlich unbelebten Baggerlöcher, leere blaue Augen, die in den Himmel starren und in denen der einsame Schwimmer nur eine Wimper ist, mit einem Schlag verschwunden. Und doch nehmen jedes Jahr Ungezählte die kilometerlange Anfahrt auf sich, übersteigen Zäune, ignorieren Verbotsschilder, riskieren Ordnungsgelder, verzichten auf Toilette und Hotspot – für ein Leben ohne Badehosenzwang und Alkoholverbot, für ein paar warme Steine im Rücken und Käfer auf der Brust. Liebesgeschichten beginnen und enden hier. Es besteht Veranlassung zu der Annahme, dass nicht alle unglücklich werden. Drei gute Monate hat so ein Badesommer, und wenn's vier sind, so ist es herrlich gewesen. Zahlreich und doch erschöpflich sind unsere kleinen Fluchten. Gegen das Meer bleibt so ein Baggersee eine Träne im Getränkemarkt.

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Life & Style mit Antonia Stille

Style: Be the sock you want to rock! 

Alles Brause auf der Sommersause? Es ist heiß, ich sitze hier gerade auf meiner Dachterrasse in Palermo und überblicke die Stadt, die sich jenseits der Bastmauern meiner Gated Community (Airbnb) erstreckt. Es ist aber nicht zu HOT, um meine neueste modische Herzensentscheidung mit euch zu teilen. Das Thema: Fußbekleidung. Lang habe ich darüber nachgedacht, wie das richtige Sockenmodell für mich aussehen könnte. Denn Selbstliebe hört nicht an den Zehenzwischenräumen auf. Alpaka-Socken fielen natürlich direkt weg, denn ich bin Vegetarierin. Dann habe ich Strümpfe aus Seide ausprobiert. Die sind zwar rutschig und gehen schnell kaputt, aber dafür sind sie auch teuer und von nichts kommt nichts. Nachdem aber mein sechstes Paar Söckchen gerissen war, stand ich vor einem Dilemma: Gehe ich den einfachen Weg (barfuß) oder den richtigen (s.u.)? Jahrelang hatte ich mich gegen den Trend der sogenannten Motivsocken gewehrt. Für mich waren Leute, die Strümpfe mit kleinen, bunten Bildchen für eine originelle fashion choice halten, immer nur eins: Millennials, die verdammt dazu sind, Spießer zu werden. Erst kommen die geflügelten Avocados auf den Füßen, dann die Radtour über die Mecklenburgische Seenplatte und ehe man sich versieht, hat man eine Hausratversicherung abgeschlossen und die bunten Socken sind ein Relikt aus rebellischen Zeiten. Aber auch ich kann mal falsch liegen. Trend ist Trend und die Masse hat ja fast immer recht. Außerdem sind meine Follower digital und im real life heiß auf detailverliebte Hingucker. Also: Haut zeigen war gestern – ich zeige Strumpf! Und ich sollte mich wirklich mal um eine Hausratversicherung kümmern …

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Frank Plasberg hat nicht geschossen! Ein Kommentar.

TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen ist genervt von linkem Hass-Bashing für Polit-Talkshows

Er ist wieder da: der linke Hass im Netz. Warum? Weil sich die Redaktion des Polit-Talks "Hart aber fair" zur heutigen Ausgabe (Thema: "Wie gefährlich ist rechter Hass?") erdreistete, den rheinland-pfälzischen AfD-Mann Uwe Junge einzuladen. Und jetzt entlädt sich in den sog. sozialen Medien wieder der Hass jener Accounts, die jede Moral für sich gebucht haben (als Unterstützer-Abo bei Patreon).

Jeder Journalist lernt in der Schule: es sind immer beide Seiten anzuhören. Denn es gibt immer zwei Seiten, die linkslinken Spinner und die Nazis. In der Mitte – und eben nicht links! – steht der Journalist und hält beide in Schach. Eine Höllenarbeit ist das! Viel zu selten wird sie mit Preisen belohnt, nur bei den ganz großen Häusern (FAZ, "Welt") springt mal eine Spesenreise mit Bumsflatrate à la "Ergo" heraus.

Frank Plasberg! Reicht es nicht, dass er seine Arbeit in einem zwangsfinanzierten, planwirtschaftlichen Links-Betrieb wie der ARD verrichten muss? Ist es nicht genug, dass er alle Fakten während der Sendung persönlich in seinem Brockhaus checkt? Was wollen die Twitter-Crowd und der Facebook-Mob? Russische Verhältnisse? Dort, im Kommunismus, werden Journalisten jedenfalls kaltgemacht!

Zurück zum Thema: ein hessischer Politiker wurde kaltgemacht. Von einem Nazi. AfD-Mann Junge hat im Internet auch schon davon phantasiert, seine Gegner zur Rechenschaft zu ziehen. Reicht das für eine Verurteilung? Wenn ja, können wir gleich alle Rapper ins Gefängnis sperren. Selbst wenn, ich betone: selbst wenn Uwe Junge plant, Leute auszuschalten – das macht Plasbergs Einladung doch nur noch mutiger! Denn ein Faktencheck ersetzt gewiss keine Waffenkontrolle. Wenn Junge einen Revolver zieht, steht Plasberg splitternackt da, dann bleibt ihm nur seine Chuzpe! Ich werde ihm in dieser Situation die Stange halten, ich werde hingucken. Es wird ein wilder Ritt, ein Husarentalk!

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Blogger, Vorbild, Mensch: Ich und Don Alphosno

Liebe Sommermäuse,

vielleicht ist es die Hitze, vielleicht auch der Mangel an richtig heißen Themen, jedenfalls habe ich mich heute für ein richtig privates Thinkpiece entschieden. Heute möchte ich einen seltenen Einblick gewähren in das Innenleben von Dax Werner. Being DW. Sicherheitsbügel runterklappen, Taschentücher bereithalten. Confession Time.

Jeder, der wie ich im Internet Sachen aufschreibt, braucht starke Vorbilder, die ihn prägen, motivieren und immer wieder zu intellektuellen Höchstleistungen pushen. Und mein Vorbild, mein Leuchtturm ist – auch wenn das jetzt den ein oder anderen überraschen mag – der frühere FAZ-Blogger und heute bei der "Welt" dienende Don Alphonso. Ich bekenne: Es ist gelinde gesagt einfach nur mad inspiring, was Fonsi oder der "Don" – wie wir Fans ihn liebevoll nennen – da seit Jahrzehnten in der digitalen Welt wegarbeitet. Dieser Mann geht das Ding über die Distanz, egal ob auf zwei Rädern am Berg oder in der Debatte im World Wide Web. Von ihm habe ich gelernt: Voll draufgehen, wenn es sein muss. Aber auch: Rückzug, wenn es nicht mehr anders geht.*

Und ich finde, bei allen Unterschieden verbindet uns auch eine ganze Menge, zum Beispiel: die Faszination für den Radsport, unsere geringe Reichweite bei Twitter und dass wir beide kleine Männer mit Fantasienamen im Internet sind. Und last but not least, dass wir uns beide irrational lange in ein völlig belangloses Nischen-Thema reinsteigern können: Mein Nischenthema heißt Don Alphonso, Fonsis Nischenthema ist aktuell Instagram-Accounts von Grünen und Klimaaktivisten. Zoomen wir da mal rein.

Alphonso ist – simply said – der letzte Ein-Mann-Rechercheverbund in Deutschland. Während andere Medienhäuser sich zu riesigen Allianzen wie z.B. WDR, NDR und SZ zusammen-mergen müssen, um überhaupt noch irgendwas Investigatives zustande zu bringen, schmeißt der Don sein Instagram an und klickt sich nächtelang durch die Profile von Grünen-Politikern, um anhand der Foto-Ortsmarken den Pro-Kopf-Kerosin-Verbrauch ganzer Landtagsfraktionen zu berechnen. Data Porn at its best. Einmal ausrecherchiert, wird dieses brillante Stück Journalismus jedoch nicht hinter der "Welt"-Paywall versteckt, sondern vom Don selbst liebevoll kuratiert in einem hundertteiligen Twitter-Thread zur Verfügung gestellt, in dem jeder Tweet mit Instagram-URL auf ein Foto aus Paraguay oder Thailand verweist. Wie sehr kann ein Mensch Internet verstanden haben? Sogar Hashtags wie #Interkontinentalkoessler oder #Langstreckluisa werden mit reingearbeitet (sicher dient die Verschlagwortung nur der besseren Wiederauffindbarkeit). Der Don ist wütend und das spürt man auch.

Vor soviel intellektuellem Esprit muss auch der Chef den Hut ziehen: "Welt"-Boss Poschardt kommentiert die raffinierte und überhaupt nicht angestrengt wirkende Kampagne seines Kolumnisten auf Twitter so: Fonsi habe "einen guten Punkt gemacht". Es tut wahrscheinlich einfach gut, wenn es neben den ganzen verkrampften Diskursen der Linken und Identitätspolitiken mal wieder einen inspirierenden, vor Leichtigkeit nur so davonfliegenden Debattenbeitrag zu lesen gibt.

Ich habe mich damit abgefunden, publizistisch wahrscheinlich nie auf dem Level des Don spielen zu können. Aber ich bin #dankbar, soviel von ihm lernen & mitnehmen zu dürfen!

Ehrfurchtsvolle Grüße an den Tegernsee

Dax Werner 

*Zum Beispiel, als "irgendjemand" dazu aufrief, Fonsi unter jeden Tweet "cooler bzw. starker Spruch" zu kommentieren und der Don seinen Twitterkanal kurzzeitig auf privat stellen musste.

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Inside TITANIC (3)

Sie lesen die TITANIC-Hauskolumne. Alle 14 Tage erhalten Sie an dieser Stelle Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Eine kulinarische Reise mit Fabian Lichter.

Das Leben als Online-Chef eines Satiremagazins ist hart: dieser immense Druck, Witze möglichst fehlrfrie ins Internet zu stellne, und ständig gilt es, Entscheidungen zu treffen. Etwa zur Frage: Wo und was esse ich zu Mittag? Da wäre die Option "Wurst – Backwaren – Milch", ein Tante-Emma-Laden im Herzen des kulinarisch doch recht menschenfeindlichen Frankfurter Stadtteils Bockenheim. Im Portfolio: Leberkäse, Kartoffelsalat, nach Wunsch belegte Brötchen und, und, und. Herzlich lächelt es einem beim Betreten des Geschäfts von überall entgegen, und nach vollendeter Transaktion streicheln einem die Verkäuferinnen zart über den Kopf. Ungern verlässt man den Laden, aber das Leben muss ja weitergehen.
Da man nicht jeden Tag hier speisen kann, schon alleine, weil man sonst bald nicht mehr durch die schmale Eingangstür passt, gilt es, Alternativen ausfindig zu machen. Ich beschließe, beim neuen italienischen Bistro ums Eck vorbeizuschauen. Bereits auf dem Gehweg erspähe ich eine Tafel mit der Lockschrift "Suppen". Perfekt! Ich suche genauere Auskunft zum Suppenangebot. Auf dem Schaufenster prangt weiterhin recht unkonkret "Suppen – täglich wechselnd". Hauptsache Suppen!, denke ich und trete in den Laden. "Guten Tag, ich bin wegen der Suppen da!" Dann, Überraschung: "Suppen haben wir nicht", schallt es forsch von der Frau hinter der Theke zurück. Ich werde misstrauisch, so wird das aber nichts. "Gibt's nur im Winter. Wir haben Nudelsalat, sehen Sie ja." Nudelsalat, mysteriös.
Ich fühle mich gelinkt und ziehe weiter. Ziel: Falafelstand. "Wegen Krankheit geschlossen", steht dort an der Scheibe. Ich sehe meinen Fehler nun ein: "Wurst – Backwaren – Milch", o himmlischer Dreiklang, dialektische Trias, heilige Dreifaltigkeit – mehr braucht kein Mensch! Ich renne, ich eile, freue mich auf ein belegtes Brötchen: wolkengleiche Butterflocken, Putenbrustfilet zart darauf gebettet, umspielt von knackig frischem Salat, in dem sich keck ein scheues Gurkenscheibchen räkelt. Ja, ich war schwach, habe mich anderweitig orientieren wollen, mich falschen Götzen angedient und zahle nun den Preis. Als ich ankomme, ist der Rollladen heruntergelassen. Wer so gut ist, kann bereits mittags seine Pforten schließen, Sünder müssen draußen bleiben. Ich kann es ihnen nicht verübeln und gehe gesenkten Hauptes zurück in die Redaktion. Mein Magen knurrt.

 

 

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Aus den Häuschen

Wohnungen begleiten uns ein Leben lang. Wir werden gezeugt in Wohnungen, lesen Satiremagazine in Wohnungen und mit etwas Glück sterben wir auch darin. Doch gestiegene Kosten auf dem Wohnungsmarkt fordern ihren Preis: Schlecht wohnen ist das schlecht essen von morgen und wird vom weinerlich ausposaunten Skandalon zur klaglos gepflegten Routine. Aber alles Downsizing hat seine Grenzen: Man kann auf Fleisch und Zucker verzichten, doch ohne Dach und Strom ist die beste Wohnung nur ein getrübtes Vergnügen. Die durchschnittliche Kaltmiete bei Neuvermietung beträgt in Großstädten zweieinhalb Fertigpizzen pro Quadratmeter, wobei Bestandsmieten und Antipasti nicht einmal eingerechnet sind, und erst mit den Nebenkosten hat man den Salat; den bösen Kalorien stehen heute die bösen Quadratmeter gegenüber. Und so steht immer weniger Wohnfläche für eine stetig wachsende Zahl von Konsumgütern bereit. Neue Wege sind erforderlich, zumal bezuschusster Wohnraum gemäß der regierungsnahen Organisation Haus & Grund ein unkalkulierbares Risiko darstellt, gemäß der Doktrin: "Wer wohnen will, muss auch bauen können." Die gesetzliche Auflage, eine Filiale der Schuldnerberatung in jedes Einkaufscenter über 1000 qm zu integrieren, stößt daher auf überwältigende Resonanz. Schon im dritten Quartal 2018 wurde die Zahl der Privatinsolvenzen des Vorjahrs deutlich übertroffen. An den Trend hängen sich auch Inkasso-Unternehmen an: In Marl, Offenbach und Bremerhaven finden sich in vormals leerstehenden Einkaufscentern der Prä-Amazonzeit sogenannte Pay'n'seize-Filialen. Ihr eingängiges Motto: Sie kaufen, wir pfänden. Durch diese Politik der kleinen Wege werden unnötige Transport- und Verwaltungskosten gespart. Sobald das System auch online abrufbar sein wird, rechnen Verbraucherberater mit einem Quantensprung in der Modernisierung der Schuldenfalle – rote Zahlen ohne volle Wohnungen heißt das Konzept, das effizient auf die Anforderungen des neuen Minimalismus reagiert.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Kennen, Hagen Hultzsch (FDP Thüringen),

muss Sie natürlich niemand, dennoch hat es uns beeindruckt, dass Sie auf einem Wahlplakat, über das wir im Weimarer Straßendreck gestolpert sind, gewissermaßen prophetisch gefordert haben, den Menschen mehr zuzutrauen. Völlig daneben lagen Sie allerdings mit Ihrem Gruß »Hallo übermorgen«. Das hätte doch wohl treffender heißen müssen: »Hallo vorgestern«!

Kann sich das auch gut als künftigen Gruß an Ihre Partei vorstellen: Titanic

 Hallo, Allos-Brotaufstriche!

»Leckere Linsen mit ausgewählten Gewürzen und Gemüse machen den Allos-Linsenaufstrich so besonders lecker« – ist das nicht ein bisschen halbherzig? Macht neben den leckeren Linsen nicht auch das leckere Gemüse Deinen leckeren Linsenaufstrich so besonders lecker? Ja? Nein?

Schluck’s runter.

Darum bittet Titanic

 Huhu, »Süddeutsche«!

Unter der Überschrift »Lauter Millionäre« gabst Du Arbeitnehmern in Deutschland sieben Tipps, wie sie im Lauf ihres Berufslebens eher 2,8 Millionen als 900 000 Euro brutto verdienen könnten. Neben wertvollen Ratschlägen wie »Berufswahl stellt Weichen«, »Lücken im Lebenslauf kosten«, »Bildung zahlt sich aus«, »Gehalt wächst mit dem Alter« und »Auf die Region kommt es an« heißt es unter »Führungsposten lohnen sich«: »Reichwerden klappt am ehesten, wenn man einen Chefposten ergattert.«

Echt, SZ? Bisher waren wir immer davon ausgegangen, dass man reich wird, wenn man möglichst lange einen subalternen Posten innehat, an dem einem alle anderen sagen, was man zu tun hat: Titanic

 Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Wegen eines technischen Fehlers ist Dein Lambrusco in die Wasserleitungen des Örtchens Castelvetro di Modena gelangt und sodann hellrot und schäumend in einigen Häusern aus den Wasserhähnen geperlt. Der Unfall sei aber »nicht mit hygienischen oder gesundheitlichen Risiken verbunden« gewesen, teiltest Du mit.

So begrüßenswert natürlich im allgemeinen eine Alkoholversorgung aus dem Wasserhahn sein mag, müssen wir doch fragen: Hast Du noch alle Spaghetti im Topf, Kellerei Settevetro? Lambrusco zu verabreichen ist nach Recherchen in unserer famiglia sogar der Mafia zu eklig!

Es grüßt mit einem kühlen Konterbier: Titanic

 Platsch, Bestsellerautor Frank Schätzing!

Wie hörten wir Sie jüngst aus dem Radio rausraunen? »Wenn Sie sich einmal in die Politik reinbegeben, verlieren Sie Ihre Freiheit – auch die Freiheit, Dinge auszusprechen. Die Parteistrukturen, in denen Politiker sich von der Pike auf hocharbeiten, sind wie Flüsse, und Sie sind der Kiesel. Sie werden rund geschliffen, ob Sie das wollen oder nicht. Andernfalls kommen Sie ja gar nicht oben an!«

Au weia. Was also, Frank Schätzing, tun? Flusskiesel künftig ungeschliffen lassen, damit sie besser oben ankommen und auf der Wasseroberfläche schwimmen? Strukturen entwässern, damit sie aufhören, wie Flüsse zu sein? Die Pike aus dieser feuchten Metapher nehmen, bevor sie rostet? Ja? Und wenn Politiker dann endlich die Freiheit haben, »Dinge auszusprechen« – was schätzen Sie: Wird das dann so eloquent und bildstark klingen, als hätte es ein gelernter Schriftsteller formuliert?

Übt noch die flüssige Aussprache: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Frage nach dem Sinn des Lebens

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Handvoll auserwählter Menschen gibt, denen eine höhere Macht den allgemeinen Sinn des Lebens bereits erläutert hat, aber leider sind das wahrscheinlich allesamt solche »Mich fragt ja niemand!«-Typen.

Cornelius W.M. Oettle

 Pragmatismus

Die Oma einer Freundin pflegte in der Nachkriegszeit, als es nichts zu essen gab, ihren hungrigen Kindern einen pfiffigen Ausweg aufzuzeigen, wie sich die Lust aufs Essen leicht vergessen lasse: »Jetz hauma uns halt as Maul am Tischeck an!« Und tatsächlich ist kaum etwas besser geeignet, den knurrenden Magen zu übertönen, als der Schmerzensschrei nach einer an der Tischkante blutig geschlagenen Lippe.

Tibor Rácskai

 Offener Widerstand

Ohne mein Wissen ist aus der Telefonzelle im Dorf ein beschissener offener Bücherschrank geworden. Aus Trotz gehe ich dort jetzt immer telefonieren.

Ronnie Zumbühl

 Wesentlich werden

Neulich im Café bildete ich mir ein, am Nebentisch die Schriftstellerin Karen Duve zu sehen, um dann auf den zweiten Blick zu bemerken, dass es sich in Wahrheit um die Schauspielerin Catherine Deneuve handelte. Meine Hoffnung, es könne sich bei mir in Wahrheit um den Maler Jasper Johns handeln, erfüllte sich allerdings nicht.

Jasper Nicolaisen

 Es gibt nur Innen

Großstädte haben keinen Stadtrand. Es kommt immer noch ein Imbiss, noch eine Baustelle, eine Industriehalle, ein Depot. Geografinnen, Immobilienmakler und Raumplaner starteten Expeditionen, um an den Rand einer Großstadt zu gelangen. Nie sind welche zurückgekommen.

Miriam Wurster

Vermischtes

Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 31.03.:

    Der "Spiegel" befragt TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen zu Corona als Gegenstand von Satire. 

  • 30.03.:

    "Der kleine Herr Tod" von Christian Y. Schmidt ist Buchtipp bei radioeins, die erste Lesung dazu gibt es hier. Auch MDR-ARTOUR stellt das Buch vor. Einen weiteren Livestream gibt es ab dem 1.4. jeden Mittwoch um 19 Uhr.

  • 13.03.:

    Stefan Gärtner in der "Jungen Welt" über Lutz Seiler.

     

  • 07.03.:

    Über den internationalen Frauentag schreibt Mark-Stefan Tietze in der Taz.

  • 06.03.:

    Der "Focus" berichtet darüber, wie TITANIC als "Tesla-Europabüro" die Bürger von Grünheide über die geplante Giga-Factory von Elon Musk aufklärte.