Newsticker

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Inside TITANIC (4)

Indiskrete Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Ein Rail Trip mit Paula Irmschler.

Während ich noch auf dem Weg in die "Redi" bin, begehen die anderen Redakteur/innen schon längst ihren sinnvollen Tag. Sie wälzen Zeitungen, wechseln Windeln, waren bereits auf dem Markt oder in einer Ausstellung, haben schon wieder drei geniale Ideen für einen angespitzten Habeck-Titel gepitcht, einen alten Zeitungsheini auf Twitter beleidigt, mit einer herrlichen Aktion das deutsche Medienwesen vorgeführt und normal vorgeglüht.

Ich verpasse drei ICEs, weil ich in "Köllefornia" wohne und mich, neben solchen Wortwitzen, mit den "Launen" "unserer" "allseits" "geliebten" "Bahn" herumplagen muss, vom ÖPNV ganz zu schweigen. Im Zug kennt man mich schon. "Ah, da ist wieder die Satire-Pendlerin", sagen die Mitarbeiter/innen, halten mir ein Handtuch hin, mit dem ich mir den errannten Zu-spät-Schweiß vom Gesicht reibe, geben mir einen dreifachen Espresso in die Hand, nehmen sich dafür eigenständig einen Zehner aus meinem Portemonnaie, wollen mir ein ekelhaftes Ciabatta andrehen. Ja, sie lernen es nie. Süß. Ich schlüpfe in meine Flip-Flops, die am Sitz 64 des Wagens 21 im Stuhlnetz stecken, ziehe meinen Bademantel an, der oben im Gepäckfach liegt, mache mir eine Avocadomaske und lasse mir "Die Welt" kommen (lies: klaue sie aus der 1.Klasse (lies: lese in Wirklichkeit die "DB Mobil")). Jeden Morgen und jeden Abend immer das gleiche. Die ungeduschte, nur halb angezogene Ulknudel und die ordentlichen, beschäftigten Anzugtypen zwischen den Welten (Frankfurt, Montabaur, Limburg Süd, Siegburg/Bonn, Köln). Unsere Laptops berühren sich zärtlich, wir haben nichts gemeinsam als den Weg und das Ziel. Und fett bezahlten Comfort-Status.

Wenn ich dann mal ankomme, ist der Kaffee bereits weggetrunken und der Aschenbecher voll. Doch das Bier ... Ja, das hat genau die richtige Temperatur.

Tschüsseldorf!

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Land auf der Kippe

Liebe Leser*innen,

es ist wohl keine Übertreibung, wenn ich das, was sich mir heute Morgen im Livestream auf dem Bildschirm des Sony Vaio Laptops bot, eine historische Zäsur, einen Wendepunkt nenne: Im ARD-Morgenmagazin wurde eine Stunde nicht live gesendet, sondern eine Aufzeichnung der Stunde davor, "vom Band", wie Moderationsmaschine Sven Lorig um 6:59 MESZ trocken reinmoderierte. Der Grund: Im WDR-Gebäude am Appellhofplatz in Köln wurde nämlich heute Morgen gestreikt.

Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich krass. Und man muss vielleicht dazu erklären, dass ich seit meinem elften Lebensjahr ein Morgenmagazin-Ultra bin. Keine Tageszeitung, kein Radio und kein Twitter kreieren dieses angegeilte Infotainment-Gefühl, das sich bei mir im völlig wirren Durcheinander von müder Tagesschau-Schalte nach Hamburg zu Jens Riewa, zwanglosen Moderatoren-Jokes auf der Couch, dem kallharten Stehtisch-Interview mit Jörg Meuthen und der Garagentor-Werbung vor dem EM-Spezial-Sportblock mit Peter Großmann auf einem niederländischen Campingplatz im Moderations-Tandem mit Youri Moulder einstellt. Zwischendurch kommt Jochen Distelmeyer vorbei und singt ein Lied. Eine halbe Stunde MoMa aus Köln beim Kaffee und I am ready. Bis heute.

Denn die Zeichen, dass da was ins Wanken gerät, sind in letzter Zeit doch recht deutlich zu spüren. Erst kürzlich drehte eine Zuschauerin im Schwesterformat ZDF-Morgenmagazin frei und verwickelte Dunja Hayali live on air in eine Privat-Panel-Diskussion über journalistische Sorgfaltspflicht. Seitdem schwingt die Angst mit, auch bei mir als Zuschauer. Über jeder MAZ schwebt seither die Frage: Bei wem brennen gleich als nächstes die Sicherungen durch? Zerstört Wetterfee Donald Bäcker die Isobarenkarte, weil es ihm nach tausend Sendungen einfach mal reicht? Beleidigt Gesundheits-Experte Thomas Kurscheid gleich eine Zuschauerin am Telefon, weil wieder irgendwas mit den Rheumapflastern ist?

Wir wissen es nicht, doch eines scheint klar: Die Krise des Morgenmagazins ist weit mehr als ein DWDL-Thema, sie ist Metapher und Symptom zugleich für ein Land auf der Kippe.

Bleiben wir achtsam.

Ihr Dax Werner

 

 

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Das Lied im Grünen

Wenn uns in nicht einmal sechs Monaten die erste Rakete aus der Rotkäppchenflasche zischt, wird die DLRG auch für dieses Jahr eine Zahl tödlicher Badeunfälle vermelden, die zwischen 400 und 500 liegen dürfte, in großen Sommern (Rilke, Silsersee) mag die Zahl auch übertroffen werden. Wie immer werden es hauptsächlich Seen und Flüsse sein, die ein ums andere Mal aus glänzenden Zukünften vermischte Meldungen machen. Spontankrämpfe und Unterströmungen, Bier- und Wagemut, schläfrige Eltern und abfallende Ufer - so vielfältig die Gründe, so tragisch der Ausgang. 500 Ertrunkene, das ist, als kübelte die MS Europa irgendwo zwischen kleinen und großen Antillen all die Träger von Dinnerjackets und Abendroben über Bord, wo sie noch eine Weile mondbeschienen auf den Wellen trieben, während das gischtige Kielwasser mählich im Gleichschlag der Wellen aufgeht wie das kleiner werdende Schiff im Horizont. Gespenstisch aber auch die Badeseen: Döbel und Schlei streifen die rötlichen Beine, grünliche Ranken häkeln daran, Ungechlortheit schafft unhinterfragte Biotope. Ärger noch die gänzlich unbelebten Baggerlöcher, leere blaue Augen, die in den Himmel starren und in denen der einsame Schwimmer nur eine Wimper ist, mit einem Schlag verschwunden. Und doch nehmen jedes Jahr Ungezählte die kilometerlange Anfahrt auf sich, übersteigen Zäune, ignorieren Verbotsschilder, riskieren Ordnungsgelder, verzichten auf Toilette und Hotspot – für ein Leben ohne Badehosenzwang und Alkoholverbot, für ein paar warme Steine im Rücken und Käfer auf der Brust. Liebesgeschichten beginnen und enden hier. Es besteht Veranlassung zu der Annahme, dass nicht alle unglücklich werden. Drei gute Monate hat so ein Badesommer, und wenn's vier sind, so ist es herrlich gewesen. Zahlreich und doch erschöpflich sind unsere kleinen Fluchten. Gegen das Meer bleibt so ein Baggersee eine Träne im Getränkemarkt.

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Life & Style mit Antonia Stille

Style: Be the sock you want to rock! 

Alles Brause auf der Sommersause? Es ist heiß, ich sitze hier gerade auf meiner Dachterrasse in Palermo und überblicke die Stadt, die sich jenseits der Bastmauern meiner Gated Community (Airbnb) erstreckt. Es ist aber nicht zu HOT, um meine neueste modische Herzensentscheidung mit euch zu teilen. Das Thema: Fußbekleidung. Lang habe ich darüber nachgedacht, wie das richtige Sockenmodell für mich aussehen könnte. Denn Selbstliebe hört nicht an den Zehenzwischenräumen auf. Alpaka-Socken fielen natürlich direkt weg, denn ich bin Vegetarierin. Dann habe ich Strümpfe aus Seide ausprobiert. Die sind zwar rutschig und gehen schnell kaputt, aber dafür sind sie auch teuer und von nichts kommt nichts. Nachdem aber mein sechstes Paar Söckchen gerissen war, stand ich vor einem Dilemma: Gehe ich den einfachen Weg (barfuß) oder den richtigen (s.u.)? Jahrelang hatte ich mich gegen den Trend der sogenannten Motivsocken gewehrt. Für mich waren Leute, die Strümpfe mit kleinen, bunten Bildchen für eine originelle fashion choice halten, immer nur eins: Millennials, die verdammt dazu sind, Spießer zu werden. Erst kommen die geflügelten Avocados auf den Füßen, dann die Radtour über die Mecklenburgische Seenplatte und ehe man sich versieht, hat man eine Hausratversicherung abgeschlossen und die bunten Socken sind ein Relikt aus rebellischen Zeiten. Aber auch ich kann mal falsch liegen. Trend ist Trend und die Masse hat ja fast immer recht. Außerdem sind meine Follower digital und im real life heiß auf detailverliebte Hingucker. Also: Haut zeigen war gestern – ich zeige Strumpf! Und ich sollte mich wirklich mal um eine Hausratversicherung kümmern …

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Frank Plasberg hat nicht geschossen! Ein Kommentar.

TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen ist genervt von linkem Hass-Bashing für Polit-Talkshows

Er ist wieder da: der linke Hass im Netz. Warum? Weil sich die Redaktion des Polit-Talks "Hart aber fair" zur heutigen Ausgabe (Thema: "Wie gefährlich ist rechter Hass?") erdreistete, den rheinland-pfälzischen AfD-Mann Uwe Junge einzuladen. Und jetzt entlädt sich in den sog. sozialen Medien wieder der Hass jener Accounts, die jede Moral für sich gebucht haben (als Unterstützer-Abo bei Patreon).

Jeder Journalist lernt in der Schule: es sind immer beide Seiten anzuhören. Denn es gibt immer zwei Seiten, die linkslinken Spinner und die Nazis. In der Mitte – und eben nicht links! – steht der Journalist und hält beide in Schach. Eine Höllenarbeit ist das! Viel zu selten wird sie mit Preisen belohnt, nur bei den ganz großen Häusern (FAZ, "Welt") springt mal eine Spesenreise mit Bumsflatrate à la "Ergo" heraus.

Frank Plasberg! Reicht es nicht, dass er seine Arbeit in einem zwangsfinanzierten, planwirtschaftlichen Links-Betrieb wie der ARD verrichten muss? Ist es nicht genug, dass er alle Fakten während der Sendung persönlich in seinem Brockhaus checkt? Was wollen die Twitter-Crowd und der Facebook-Mob? Russische Verhältnisse? Dort, im Kommunismus, werden Journalisten jedenfalls kaltgemacht!

Zurück zum Thema: ein hessischer Politiker wurde kaltgemacht. Von einem Nazi. AfD-Mann Junge hat im Internet auch schon davon phantasiert, seine Gegner zur Rechenschaft zu ziehen. Reicht das für eine Verurteilung? Wenn ja, können wir gleich alle Rapper ins Gefängnis sperren. Selbst wenn, ich betone: selbst wenn Uwe Junge plant, Leute auszuschalten – das macht Plasbergs Einladung doch nur noch mutiger! Denn ein Faktencheck ersetzt gewiss keine Waffenkontrolle. Wenn Junge einen Revolver zieht, steht Plasberg splitternackt da, dann bleibt ihm nur seine Chuzpe! Ich werde ihm in dieser Situation die Stange halten, ich werde hingucken. Es wird ein wilder Ritt, ein Husarentalk!

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Blogger, Vorbild, Mensch: Ich und Don Alphosno

Liebe Sommermäuse,

vielleicht ist es die Hitze, vielleicht auch der Mangel an richtig heißen Themen, jedenfalls habe ich mich heute für ein richtig privates Thinkpiece entschieden. Heute möchte ich einen seltenen Einblick gewähren in das Innenleben von Dax Werner. Being DW. Sicherheitsbügel runterklappen, Taschentücher bereithalten. Confession Time.

Jeder, der wie ich im Internet Sachen aufschreibt, braucht starke Vorbilder, die ihn prägen, motivieren und immer wieder zu intellektuellen Höchstleistungen pushen. Und mein Vorbild, mein Leuchtturm ist – auch wenn das jetzt den ein oder anderen überraschen mag – der frühere FAZ-Blogger und heute bei der "Welt" dienende Don Alphonso. Ich bekenne: Es ist gelinde gesagt einfach nur mad inspiring, was Fonsi oder der "Don" – wie wir Fans ihn liebevoll nennen – da seit Jahrzehnten in der digitalen Welt wegarbeitet. Dieser Mann geht das Ding über die Distanz, egal ob auf zwei Rädern am Berg oder in der Debatte im World Wide Web. Von ihm habe ich gelernt: Voll draufgehen, wenn es sein muss. Aber auch: Rückzug, wenn es nicht mehr anders geht.*

Und ich finde, bei allen Unterschieden verbindet uns auch eine ganze Menge, zum Beispiel: die Faszination für den Radsport, unsere geringe Reichweite bei Twitter und dass wir beide kleine Männer mit Fantasienamen im Internet sind. Und last but not least, dass wir uns beide irrational lange in ein völlig belangloses Nischen-Thema reinsteigern können: Mein Nischenthema heißt Don Alphonso, Fonsis Nischenthema ist aktuell Instagram-Accounts von Grünen und Klimaaktivisten. Zoomen wir da mal rein.

Alphonso ist – simply said – der letzte Ein-Mann-Rechercheverbund in Deutschland. Während andere Medienhäuser sich zu riesigen Allianzen wie z.B. WDR, NDR und SZ zusammen-mergen müssen, um überhaupt noch irgendwas Investigatives zustande zu bringen, schmeißt der Don sein Instagram an und klickt sich nächtelang durch die Profile von Grünen-Politikern, um anhand der Foto-Ortsmarken den Pro-Kopf-Kerosin-Verbrauch ganzer Landtagsfraktionen zu berechnen. Data Porn at its best. Einmal ausrecherchiert, wird dieses brillante Stück Journalismus jedoch nicht hinter der "Welt"-Paywall versteckt, sondern vom Don selbst liebevoll kuratiert in einem hundertteiligen Twitter-Thread zur Verfügung gestellt, in dem jeder Tweet mit Instagram-URL auf ein Foto aus Paraguay oder Thailand verweist. Wie sehr kann ein Mensch Internet verstanden haben? Sogar Hashtags wie #Interkontinentalkoessler oder #Langstreckluisa werden mit reingearbeitet (sicher dient die Verschlagwortung nur der besseren Wiederauffindbarkeit). Der Don ist wütend und das spürt man auch.

Vor soviel intellektuellem Esprit muss auch der Chef den Hut ziehen: "Welt"-Boss Poschardt kommentiert die raffinierte und überhaupt nicht angestrengt wirkende Kampagne seines Kolumnisten auf Twitter so: Fonsi habe "einen guten Punkt gemacht". Es tut wahrscheinlich einfach gut, wenn es neben den ganzen verkrampften Diskursen der Linken und Identitätspolitiken mal wieder einen inspirierenden, vor Leichtigkeit nur so davonfliegenden Debattenbeitrag zu lesen gibt.

Ich habe mich damit abgefunden, publizistisch wahrscheinlich nie auf dem Level des Don spielen zu können. Aber ich bin #dankbar, soviel von ihm lernen & mitnehmen zu dürfen!

Ehrfurchtsvolle Grüße an den Tegernsee

Dax Werner 

*Zum Beispiel, als "irgendjemand" dazu aufrief, Fonsi unter jeden Tweet "cooler bzw. starker Spruch" zu kommentieren und der Don seinen Twitterkanal kurzzeitig auf privat stellen musste.

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Inside TITANIC (3)

Sie lesen die TITANIC-Hauskolumne. Alle 14 Tage erhalten Sie an dieser Stelle Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Eine kulinarische Reise mit Fabian Lichter.

Das Leben als Online-Chef eines Satiremagazins ist hart: dieser immense Druck, Witze möglichst fehlrfrie ins Internet zu stellne, und ständig gilt es, Entscheidungen zu treffen. Etwa zur Frage: Wo und was esse ich zu Mittag? Da wäre die Option "Wurst – Backwaren – Milch", ein Tante-Emma-Laden im Herzen des kulinarisch doch recht menschenfeindlichen Frankfurter Stadtteils Bockenheim. Im Portfolio: Leberkäse, Kartoffelsalat, nach Wunsch belegte Brötchen und, und, und. Herzlich lächelt es einem beim Betreten des Geschäfts von überall entgegen, und nach vollendeter Transaktion streicheln einem die Verkäuferinnen zart über den Kopf. Ungern verlässt man den Laden, aber das Leben muss ja weitergehen.
Da man nicht jeden Tag hier speisen kann, schon alleine, weil man sonst bald nicht mehr durch die schmale Eingangstür passt, gilt es, Alternativen ausfindig zu machen. Ich beschließe, beim neuen italienischen Bistro ums Eck vorbeizuschauen. Bereits auf dem Gehweg erspähe ich eine Tafel mit der Lockschrift "Suppen". Perfekt! Ich suche genauere Auskunft zum Suppenangebot. Auf dem Schaufenster prangt weiterhin recht unkonkret "Suppen – täglich wechselnd". Hauptsache Suppen!, denke ich und trete in den Laden. "Guten Tag, ich bin wegen der Suppen da!" Dann, Überraschung: "Suppen haben wir nicht", schallt es forsch von der Frau hinter der Theke zurück. Ich werde misstrauisch, so wird das aber nichts. "Gibt's nur im Winter. Wir haben Nudelsalat, sehen Sie ja." Nudelsalat, mysteriös.
Ich fühle mich gelinkt und ziehe weiter. Ziel: Falafelstand. "Wegen Krankheit geschlossen", steht dort an der Scheibe. Ich sehe meinen Fehler nun ein: "Wurst – Backwaren – Milch", o himmlischer Dreiklang, dialektische Trias, heilige Dreifaltigkeit – mehr braucht kein Mensch! Ich renne, ich eile, freue mich auf ein belegtes Brötchen: wolkengleiche Butterflocken, Putenbrustfilet zart darauf gebettet, umspielt von knackig frischem Salat, in dem sich keck ein scheues Gurkenscheibchen räkelt. Ja, ich war schwach, habe mich anderweitig orientieren wollen, mich falschen Götzen angedient und zahle nun den Preis. Als ich ankomme, ist der Rollladen heruntergelassen. Wer so gut ist, kann bereits mittags seine Pforten schließen, Sünder müssen draußen bleiben. Ich kann es ihnen nicht verübeln und gehe gesenkten Hauptes zurück in die Redaktion. Mein Magen knurrt.

 

 

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ach, Peter Tauber!

Ach, Peter Tauber!

Als Sie in Ihrer Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium sagten, die Bundeswehr bekomme nun, »was sie verdient«, da fingen wir sofort an zu träumen: eine komplette Neustrukturierung angesichts unzähliger Naziumtriebe? Einen ordentlichen Einlauf wegen der kriegsverherrlichenden Sprüche auf ihren Werbeplakaten? Oder gar eine zünftige Tracht Prügel für das Abfackeln von gut 1000 Hektar Moor in Meppen und den dabei verursachten Schaden von 100 Millionen Euro?

Aber nein, Sie sprachen natürlich nur von irgendwelchen modernisierten Panzern – die die Bundeswehr also noch mal womit verdient hat?

Will es lieber gar nicht wissen: Titanic

 Auf die Plätze, fertig, los, niederländische Sprinterin Madiea Ghafoor!

Und zwar zum Haftantritt. Sie sind wegen Einfuhr von Drogen und Beihilfe zum Drogenhandel vom Landgericht Kleve zu einer achteinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Laut Ihrem Verteidiger wollen Sie die Entscheidung jedoch anfechten, weil Sie davon ausgegangen waren, lediglich illegale Dopingsubstanzen im Auto gehabt zu haben, mit denen Sie sich für die diesjährige Leichtathletik-WM in Doha aufputschen wollten.

Das mag jetzt für Ihre weitere Karriere als Rundendreherin auf dem Knasthof ein echter Downer sein, aber Speed ist eben nicht gleich Speed!

Gefangen im Satirerausch: Titanic

 Neuseeländische Supermarktkette »Countdown«!

Das ist mal eine schöne Nachricht, die Du in diesen kalten und ungemütlichen Zeiten von Dir hören lässt: Jeden Mittwochnachmittag bieten Deine Märkte fortan eine »ruhige Stunde« für Autisten und sensible Kunden an, mit gedimmtem Licht, leiserer Musik und leiseren Piep-Geräuschen an der Kasse. So löblich und unterstützenswert dieser Vorstoß ist, fragen wir uns doch, ob er nicht noch um andere Zielgruppen erweitert werden könnte: Eine zehnmal so große Supermarktvariante mit fußballfeldbreiten Gängen für Klaustrophobiker schwebt uns da vor; eine mit sehr engen Gängen und 20 Prozent Gefälle ausgestattete für Maniker; eine für Menschen mit multipler Persönlichkeit, in der es viel mehr Einkaufswagen gibt; sowie schließlich eine mit komplett leeren Regalen und defekten Kassen – für Kaufsüchtige.

In diesem Sinne: Mach »ruhig« weiter! Titanic

 »Heidegger Studies«!

Als wir erfuhren, dass Ihr in Eurer aktuellen Ausgabe einen Aufsatz mit dem Titel »Seinlassen des Mitdaseins aus dem Sein-zum-Tode?« veröffentlicht habt, stellte sich uns eine grundstürzende fundamentalontologische Frage: Könnt Ihr so was nicht einfach sein lassen?

Gruß vom mannigfaltigen Dasein auf der Titanic

 Brrr, Tilman Kuban!

Von der »Zeit« gefragt, welches Tier das politischste sei, wieherten Sie: »Als Niedersachse sage ich: das Pferd. Weil es sturmfest und erdverwachsen ist.«

Nun kann ein erdverwachsenes Pferd ja weder traben noch galoppieren. Streng genommen kann es sich gar nicht vom Fleck bewegen, tritt nur auf der Stelle. Damit haben Sie ein Bild geschaffen, das wahlweise als exemplarisch für den Zustand von CDU, SPD oder der Groko durchgehen könnte, was wiederum für einen Nachwuchspopulisten wie Sie gar nicht mal so schlecht ist.

Will jetzt trotzdem nicht weiter darauf herumreiten: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Kundenbindung

Endlich den nie gelesenen Newsletter dieses Uhrenherstellers abbestellt. Und direkt bestätigt worden, ohne Moment-mal-Klickorgie, Bitte-nicht-Rumgejammer oder Warum-nur-Fragenkatalog. Einfach nur Danke und Tschüs. Da konnte ich nicht anders, als mich direkt wieder anzumelden.

Teja Fischer

 Amtlicher Claim

Slogan-Fragment für deutsche Bürgerämter: »Willkommen im Meldorado. Der Ort, an dem Sie uns Ihre neue Adresse geben – und wir sie mit zwei Fingern abtippen.«

Felix Scharlau

 Sehr kleine Gastronomiekritik

Diese Street-Food-Trucks sind auch nur die Tiny Houses der Restaurantwelt.

Julia Mateus

 Knapp vorbei

Als Herr H. letztens aus einer Laune heraus die Unterpfaffenhofener Kathedrale betreten hatte, unternahm Gott einen erneuten Versuch, Herrn H. zu erleuchten, verfehlte jedoch sein Ziel. Dafür traf er ein paar der zum Altar führenden Stufen und einen Mülleimer, die seitdem mit naseweisen Bemerkungen den Gottesdienst stören. Das Pfarramt hat freilich eine Eingabe gemacht, die jedoch wie stets unbeantwortet blieb.

Tibor Rácskai

 Kulturkritik

Typisch – im Internet die Songs vorhören und dann doch die Vinyl-Platte beim kleinen Einzelhändler kaufen. Verratzte Hipsterbande!

Tina Manske

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 03.12.:

    China Radio International berichtet u.a. über die Pre-Premiere des Buches "Der kleine Herr Tod" von Christian Y. Schmidt.

  • 03.12.:

    Die Taz über die gesammelten TITANIC-Kolumnen von Walter Boehlich.

  • 03.12.:

    40 Jahre endgültige Satire in circa zwei Minuten bei der "Deutschen Welle".

  • 27.11.:

    MDR Kultur empfiehlt das Hörbuch zu 40 Jahren TITANIC.

  • 26.11.:

    Martin Sonneborn erklärt in einem Gastbeitrag im "Tagesspiegel", warum er die EU-Kommission ablehnen wird.

Titanic unterwegs
09.12.2019 Frankfurt, Henscheid TITANIC-Adventslesung
09.12.2019 Gilching, Monis Brettl Thomas Gsella
09.12.2019 Berlin, Das ERNST Elias Hauck und Paula Irmschler
12.12.2019 München, Heppel und Ettlich Moritz Hürtgen