Newsticker

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Pimp Your Nest

Kinder – so alt wie die Menschheit. Und ebenso alt die in buntem Wirbel durcheinandergehenden Konzepte zu ihrer Aufzucht. Derzeit treffen besonders zwei Modelle auf verstärktes Interesse: Bei der Methode Marie Kondō wird der Nachwuchs wenige Wochen nach der Geburt zusammengefaltet und bis zum Erreichen der Volljährigkeit an einem gut zugänglichen Ort in einer Plastikbox aufbewahrt. Aufwendiger, doch nicht minder effizient ist die Helikoptermethode: Hubschrauber-Eltern betrachten ihre Kinder als schutzbefohlene Verbündete und klären bereits bei Sonnenaufgang das Schulweggelände durch den gezielten Abwurf von Brandbomben und das Entsenden von Bodentruppen. Das Entlauben von Kletterbäumen schafft zusätzliche Sicherheit. Für verbliebene Zweifler steht als dritte Methode die unverwüstliche Schwarzpädagogik nach Kelle & Amthor zu Gebot. Hierbei wird die Tupperpädagogik nach Kondō beibehalten, anders als in der Hubschraubermethode jedoch wird das Kind als zu befriedender Schurkenstaat eingestuft. "Sanktionen statt Sankt Martin", lautet die Devise. Dem anfänglichen Mehraufwand an investierter Zeit steht die Gewissheit gegenüber, dass die Kinder das Denken innerhalb der Box verinnerlichen und auch unbeaufsichtigt das Prinzip von Überwachen und Strafen praktizieren ("Foucault yourself"). Für welches Prinzip Sie sich bei Ihrem Kind auch entscheiden mögen, denken Sie immer daran: Falten schlägt das Leben – Bügelfalten sind fürs Leben.

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Leute ... von Paula Irmschler

Das ungeborene Leben

Das ungeborene Leben muss geschützt werden. Man hat jetzt herausgefunden, dass ab dem Moment des Abschlonzens schon richtig was los ist in den Mutterorganen der Frau. Des Mannes geiler Liebessaft wirbelt in den Mutterkuchen rein, und schon beginnt der Charakter sich entlang der Nabelschnur zu formen, was immer eine wichtige Entwicklung ist, denn Charaktere sind eine feine Sache. Einige Charaktere haben in der Geschichte Schönes erfunden, Großes erbaut, Nettes gesagt, die eigene Familie erschlagen oder Völkermorde begangen. Des Weiteren fängt auch das Herz rasch an zu schlagen, und die Liebe ist geboren. Hach, Herzen... Aus Schokolade oder an Valentinstag. Es schlägt dann zum Beispiel für Fortuna Düsseldorf oder einen süßen Gleichaltrigen namens Kevin K. Auch die Gliedmaßen sind schon innerhalb weniger Tage perfekt und teilweise da, wo sie sein sollen. Man kann darüber wirklich nicht meckern. Es ist wirklich ganz gut geworden. Schön gelöst. Gliedmaßen sind noch mal jede Gliedmaße für sich einen eigenen Schutz wert. Mindestens vier Schutze kommen dann auf ein ungeborenes Leben. Viele Frauen fangen an, sich jetzt von Ärzten Bauklötze, eine Geige oder ein Französischwörterbuch einführen zu lassen, damit das ungeborene Kind schon gut was zu tun hat. Es kann ja sogar schon lächeln. Lächeln, das bedeutet immer Glück! Das ungeborene Leben wird in Zukunft auch schon Kindergeld bekommen, einen einfachen Zugang zu Therapeuten, pädagogische Betreuung, bedingungsloses Grundeinkommen, kostenlosen ÖPNV, eine wunderbare Altersvorsorge, politische Gleichstellung, was alles angeht, und ab und an einen Auftritt bei Anne Will. Danke, liebe Lebensschützer,

Eure ungeborene Kolumnistin, die sich schon voll freut auf den geilen Kommunismus in Eurem naisen Land.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Mit dem Selbstgebrannten in Davos

Das sagenumwobene World Economic Forum in Davos. 60 Staats- und Regierungschefs, 1200 Vertreter der Zivilgesellschaft und mittendrin für Sie, liebe Leser: Dax Werner auf der Suche nach den heißesten Storys vom Gipfel. Investigativ und mit klarer Kante zu sagen, was ist, das soll für diesen Ausflug mein Motto sein. Als ich mich mit einer bereits deutlich fortgeschrittenen Alkoholfahne vom morgendlichen Snowboard-Ausflug mit DJ Bobo (Mit-verbundenen-Augen-das-Jakobshorn-Runterjagen-Challenge) zwischen Manfred Weber und Ursula von der Leyen auf den letzten freien Platz in der vierten Reihe drängle, läuft die Rede vom neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro („Hoffnungsträger der Märkte“, Deutsche Bank) angeblich schon zehn Minuten. Zischt mir zumindest Weber zu, der genauso wie von der Leyen mit feuchten Augen den Überlegungen des smarten Reformers aus Brasília folgt. Sind die beiden jetzt schockiert oder angezündet von den Ideen des Brasilianers? Ich verstehe vielleicht kein Portugiesisch, habe aber trotzdem ein Gefühl dafür, worum es gerade gehen könnte, und lehne mich rüber zu von der Leyen: „Sag mal, hattest du auch den Tweet von Daniel Mack gelesen die Tage? ‚Der Kapitalismus ist der größte der Friedensbringer der Welt‘. Fand ich irgendwie 'nen spannenden Gedanken.“ Gerade setze ich an, noch ein paar Beobachtungen zur Fav-Retweet-Ratio nachzuschieben, als von der Leyen Blickkontakt mit ihrem Leibwächter aufnimmt. Ich lehne mich zurück und sondiere zunächst einmal die Lage im Zuschauerraum, Stichwort: Mal gucken, was ist.

Die Enttäuschung darüber, dass neben Theresa May und Emmanuel Macron auch Donald Trump seine Teilnahme beim entspannten Get-Together in Davos abgesagt hat, merkt man der Stimmung doch sehr deutlich an: Viele gucken ziemlich ernst, es wird kaum getrunken. Dabei hatte ich mir gestern noch mit zwei Spezis vom „Handelsblatt“ extra am Zürcher Flughafen 500 MB Datenvolumen für umgerechnet nur 2000 Euro gekauft, um im Fall der Fälle direkt auf Instagram live gehen zu können, falls der Irre aus Washington wieder eine seiner berühmten spontanen Nummern on stage bringt. Da wird ja jetzt leider nichts daraus.

Der Typ auf der Bühne redet immer noch und mir ist richtig langweilig. Ich krame mein Handy aus der Fischer-Snowboard-Tasche, die ich unter die Stühle von Weber und Joe Käser neben ihm verstaut hatte, und drücke mir statt der Bolsonaro-Keynote nochmal den Innovations-Podcast von Christian Lindner und Frank Thelen aus der KW 48 vom letzten Jahr ins Ohr. Auch beim zwölften Mal Anhören immer noch intellektueller Genuss pur: Zwei Machertypen träumen die Zukunft des Bildungsstandorts Deutschland, keiner nervt mit Verlierer-Themen wie Tempolimit, Kohleausstieg oder Klima, das permanente Geduze – dieses Podcast-Juwel ist für mich nicht weniger als 42 Minuten gelenkter Innovations-Traum. Manche Stellen kann ich schon mitsprechen, und irgendwie rutscht mir da wohl auch was raus, jedenfalls kassiere ich schon wieder einen entgeisterten Blick von Weber. Ich genehmige mir einen Schluck aus meinem Krokodilleder-Flachmann (Trinken, was ist) und biete ihm als Entschuldigung auch was vom kroatischen Selbstgebrannten an, doch Manfred winkt genervt ab – wohl zu viele Kameras hier, ich versteh' schon und klopfe ihm buddymäßig auf die Schulter. „‚Kandidat auf das Amt des EU-Kommissionspräsidenten genehmigt sich vor versammelter Mannschaft den Klaren in Davos‘, so'n Ding geht natürlich sofort durchs Netz, davon erholt sich keiner mehr“, flüstere ich fachmännisch in Richtung Ursula, um sie doch noch mal ins Gespräch zu holen (Socializing). Doch weder sie noch Manfred scheinen mir noch zuzuhören. Dann schlafe ich betrunken ein.

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Leute ... von Paula Irmschler

Liebe

Leute,

hier ist die Kolumne der Liebe.

Mir persönlich taugen normale Kaffees, Eise und Tees schon lange nicht mehr. Ich bin innerlich tot, fertig, kaputt, mich holt nichts mehr ab, bin ausgebrannt, “Spiegel”-Abonnentin, “Postillon”-Likerin, Kolumnistin. Mir taugen also auch Läden mit ihren Angestellten nicht mehr, das Einkaufen nicht mehr, das Konsumieren nicht mehr, das Bezahlen nicht mehr, und wenn ich noch einmal die Zeche prelle, bin ich halt dran. Und wie ich den Kapitalismus finde, könnt ihr euch bestimmt auch denken. Er ist ganz und gar nicht knorke, und Ausbeutung stinkt nach Tränen.

Heute bin ich endlich mal mit Maske und Pfefferspray durch Neukölln “spaziert”, weil ich von einer DASMUSSMANSICHMALANSEHEN-Dokumentation angegeilt wurde. Ihr wisst, Neukölln, das ist das mit den Waffen, Drogen, Böllern, Männern und dem Film von Leander Haußmann, kurz: die Hölle. Doch Erleichterung machte sich breit. Das erste Mal nachdem ich auf einer Toilette war und dann nochmal als ich sah, dass den arabischen Araber-Clans aus Arabien, die mit Falafel, Shishas, Lycamobile-Karten, Brautkleidern und anderem Hass dealen (sie “verkaufen”), doch endlich mal etwas entgegengesetzt wird, und zwar Gefühle.

Tja, damit habt ihr nicht gerechnet, ihr frechen Heinis mit den Frisuren. Die neuen Läden mit den zart-tänzelnden Buchstaben, dem hellblauen Design, den französischen Pflanzen, dem Zettel-W-Lan, den Puppenstubengroßen Stühlen für je eine Arschbacke, dem gemeingefährlichen Hund und dem britischen Kunstkellner heißen “Eisliebe”, “Happiness”, “Glückscafé”, “Lieb dich selbst” und Co. Also, sie heißen nicht “Co.” – gemeint ist, es gibt noch mehr. In Zukunft kommen noch phantastischere Orte, wie “Du bist der schönste Mensch der Welt”, “Das wird schon wieder”, "Morgens einfach mal kalt duschen", "Positiv denken!", “Den Weihnachtsmann gibt es doch”, “Dein Vater hat dich immer geliebt” und das “Er wird sich ganz sicher bei dir melden und wenn nicht, hat er sein Handy verloren”-Café. Bezahlt wird dann überall mit einer richtig lieben Umarmung. Titanic ist da ja bereits Vorreiter. Wir werden hier alle seit jeher mit Liebe entlohnt. Also, zumindest ist das bei mir so… Ich bekomme immer einen ganz lieben… Moment mal? Hallo?

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Das Jahr der Meinung – Der Dax-Werner-Meinungscheck!

Liebe Meinungsfreunde,

2018 war schon ein sehr guter Jahrgang, aber dieses Jahr wird aus meiner Sicht alles toppen, das hier wird das „Jahr der Meinung“. 2019 ist gerade mal drei Kalenderwochen alt und wir hatten schon sehr geile Debatten und Meinungen zu Nazi-Magnitz, Daten-Doxxing, dem unsichtbaren Kantholz und: Kretzschmar. Der Ex-Handballstar Stefan Kretzschmar aus dem schönen Leipzig hat nämlich in einem Interview auf T-Online.de (!?) einige interessante Überlegungen zum Thema Meinungsfreiheit in Deutschland angestellt. Sozusagen eine Meta-Meinung zum Thema Meinungen, glaube ich. Ich persönlich habe es mir zwar nicht angeguckt (Ad-Block), aber natürlich auch eine Meinung dazu. So wie auch einige Prominente und Angestellte, die für Bild.de heute zu ihrer Meinung zum Thema Meinungsfreiheit befragt wurden. Teaser: „Deutschland diskutiert: Darf man bei uns noch sagen, was man denkt?“ Die Jungs im Axel-Springer-Haus wissen einfach, wie man Meinungs-Junkies wie mich mit dem ersten Satz abholt! Ich habe mir die wichtigsten Meinungen aus dem Artikel mal angeguckt – und natürlich auch meine Meinung dazugeschrieben. Willkommen beim großen Dax-Werner-Meinungscheck!


Til Schweiger: „Stefan hat total recht. Wenn man populäre Meinungen vertritt, dann kriegt man sofort die Populisten-Keule. Wenn man einen Aufruf für eine Familie von einem gefallenen Soldaten postet und Geld sammelt, dann kriegt man Stress von der Linken. Und wenn du sagst, du musst Flüchtlingen helfen, kriegst du Stress von der Rechten.“

Dax Werner: Ich finde, Til hat total recht. Stress im Internet ist immer scheiße, egal ob von links oder rechts! Und Meinungen auch! 8 von 10 Hasenohren für diese Meinung!


Felix Magath: „Wenn ich einen Werbevertrag unterschreibe, dann muss ich mich im Sinne der Firma verhalten. Aber in Zeiten von Fake-News und der Macht einiger Medien ist es natürlich schwieriger geworden, mit anderen Meinungen durchzudringen. Da ist eine Schieflage entstanden.“

Dax Werner: Bodenständig rustikaler Einstieg (Vertrag ist Vertrag), mysteriöse Brücke: „Macht einiger Medien“ – welche Medien meint Magath? „Bild“ kann es ja nicht sein. Dann noch en passant „In Zeiten von Fake-News“ eingebaut: Starke Meinung, die nachhallt. 10 von 10 Meinungspunkten.


Mario Basler: „Kretzsche hat prinzipiell recht. Man hat schon den Eindruck, dass viele diplomatisch und vorsichtig antworten, weil es sonst Stress geben könnte. Ich lass mir aber nichts verbieten und sage was ich denke. Und habe auch keine Probleme mit meinen Leuten oder Werbepartnern.“

Dax Werner: Klassische Bananenflanke von Super-Mario. Einzige Einschränkung: Wenn du keine Werbepartner hast, kannst du natürlich auch keine Probleme mit deinen Werbepartnern bekommen. 4/10.


Anna Loos: „Das ist Quatsch. Ich sage immer meine Meinung und meine Kunden lieben das. Man muss schon ein bisschen nachdenken, also den Kopf auch gerne mal einschalten und nicht nur den Bauch sprechen lassen.“

Dax Werner: Mir egal, wie es die Kunden von Anna Loos finden, aber ich finde es wirklich nicht in Ordnung, wie Frau Loos in ihrem Statement den gesamten Berufsstand der Bauchredner unter Generalverdacht stellt – meine Meinung.


Tom A. (angeblich Installateur aus Hamburg): „Die eigene Meinung kann einem in Deutschland ganz schnell negativ ausgelegt werden. Bist du unter Freunden, sind sich alle einig. Da kannst du auch mal deine ehrliche Meinung zum Beispiel beim Thema Ausländer und Kriminalität sagen. Sagst du das laut bei der Arbeit oder zu Menschen, die du nicht gut kennst, bist du sofort der Rassist und kommst aus der Schublade nicht mehr raus.“

Dax Werner: Wer kennt es nicht: Man sagt einfach nur ganz normal seine Meinung zum Thema Ausländer oder Kriminalität und schon gilt man „sofort als der Rassist“. Vielleicht liegt das ja einfach daran, dass man tatsächlich ein Rassist ist. 0/10.


Sophia Thomalla: „Ich störe mich nicht an dieser Debatte. Ich suche den Konflikt, will dass die Leute heiß diskutieren, was ich von mir gebe, und kann auch harte Kommentare ab. Ich bin aber auch unabhängig. Ich kann übrigens diese weichgespülten Sportler nicht mehr sehen. Authentisch ist was anderes.“

Dax Werner: Starke Meinung. Man spürt sehr deutlich, wie sich absolute finanzielle Unabhängigkeit durch passives Nebeneinkommen ab 3k aufwärts (Stichwort Jürgen-Höller-Intensiv-Sommercamp 2014) anfühlen muss. 15 Till-Lindemann-Punkte, keep rocking, Sophia!


Silke Finken (51), Kaufmännische Angestellte aus Bergheim (NRW): „Ja, es kann schaden, wenn man seine Meinung sagt. Es kommt aber auch auf das Thema und die Art an, wie Kritik geäußert wird. Ich habe das selber schon mal erlebt. Einer meiner damaligen Vorgesetzten wies mich nach einer Kritik im Internet dezent zurecht.”

Dax Werner: Spannend wäre es hier zu wissen, um welches Thema es genau bei der Internet-Meinung von Silke Finken ging, aber ich habe da so einen Verdacht. 7 liebe Grüße nach Bergheim!

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Mutti was a Rolling Stone

In Illustrierten gibt es die galabunten Homestorys, die Teil eines Deals zwischen Presse und Stars sind: Campino zeigt sein Gästeklo, auf das alle Mitglieder der Toten Hosen samt Tontechniker gleichzeitig passen, und darf dafür über seine Kernanliegen Fußball, Gerechtigkeit und Menschbleiben reden. Ozzy Osbourne zeigt seinen begehbaren Medikamentenschrank und räsoniert dafür über begehbare Medikamentenschränke und Fledermäuse. Aber von den Rolling Stones habe ich so etwas noch nie gelesen. Bergen ihre Wohnungen finstere Geheimnisse? Hat Mick Jagger Brian Jones zur Hutablage präparieren lassen? Schläft Charlie Watts in einem Tank mit flüssigem Stickstoff? Nichts weiß man. In dieser Mythenumrauntheit ähneln sie Angela Merkel, von der außer ein paar Kartoffelsuppeleaks nur unscharf Privates ans öffentliche Auge dringt: A. M. kauft am Späti einen Harzer und zwei Bier, A. M. und Gespons bei einer Wanderung, das Foto so televerwackelt, dass man an Big-Foot-Sichtungen denkt. Überhaupt halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass alle einem matrixmäßigen Trug unterliegen und wir schon seit Ewigkeiten von den Rolling Stones regiert werden. "Paint it black" und "You can't always get what you want" hätten uns Hinweis genug sein können.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Within you, without you

Da sind Musiker, die trotz bescheidenen Erfolgs zu Lieblingen der Kritiker werden, die New York Dolls und Yo La Tengo zum Beispiel, während es andere zu Publikumsmagneten bringen, ohne vor der Kritik je große Gnade zu finden, Limp Bizkit oder Andrea Berg etwa. Und dann gibt es noch die Beatles, die alle, alle gut zu finden scheinen, weshalb sie auch gerne als Vergleichsgröße genommen werden. The Clash als Beatles des Punk, Kraftwerk als Beatles des Techno (New York Times), Magnum Double, Magnum Intense Dark, Magnum Mandel, Magnum Weiß als die Beatles des Stieleis. Da drängt sich die Frage auf, wer die Beatles der Parteien sein mögen? Schnell wird man merken, das können nur die Grünen sein. Nicht um Hofreiters Haare oder Özdemirs Sitarspiel willen, doch wie bei den Beatles kennt man eigentlich nur Leute, die die Grünen richtig gut oder ganz furchtbar finden. Dass jemand das White Album Atomausstieg töfte findet, Revolver Bildungspolitik hingegen schon nach "Taxman" aus dem Laufwerk nimmt - schwer vorstellbar. Und bei beiden ist es so, dass die Hater fast immer entweder ganz furchtbar beschränkte oder hochinteressante Menschen sind, oft ist es sogar so, dass die Beatleshasser die mit der besten Plattensammlung sind. Das gesteht man ihnen auch bedingungslos zu, und wirft, wieder zu Hause angekommen, die Knopfzellen vom Hörgerät in den Mülleimer, nicht ohne dabei Eleanor Rigby zu singen.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ihren Senf, Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin,

zum Umstand, dass Ihr 30 Jahre altes Pony Dolly offenbar von einem Wolf gerissen worden war, gaben Sie schon dazu, als das Tier noch nicht mal die Chance hatte, Wurst zu werden. »Die ganze Familie ist fürchterlich mitgenommen von der Nachricht«, ließen Sie mitteilen. Klar, von dem Pony können Sie logischerweise nicht mehr mitgenommen werden.

Sendet Ihnen diese Nachricht mit dem Pony-Express: Titanic

 Hut ab, »Star Insider«!

Unsere Aufmerksamkeit war Dir sicher, als Du Deinen Artikel »Kluge Köpfchen: Das sind die intelligentesten Promis« mit den Gesichtern von Rowan Atkinson, Emma Watson und nun ja … Wladimir Putin bebildertest.

Du scheinst ein wirklich erfrischend offenes Verständnis davon zu haben, was einen Promi zum Promi macht: Ob mit Grimassen schneiden oder Angriffskrieg führen, alle können es schaffen, wenn sie sich nur anstrengen und eben ein kluges Köpfchen sind. Das macht uns Mut!

Stets mit Köpfchen: Titanic

 Dein Kindersport-Angebot, Hannover 96,

bietet laut Deiner Webseite »Sport ohne Leistungsdruck«, seine Basis bestehe aus Spaß und der Entwicklung persönlicher und kognitiver Eigenschaften. Toll, das hätten wir von einem Verein aus dem Profifußball-Kapitalismus wie Dir gar nicht erwartet! Antizipiert, wie es im Kommentatoren-Sprech heißt, hätten wir eher Internate für Fußballtalente im Grundschulalter und Sportleistungskrippen für Hoffnungsträger ab drei Monaten.

Doch schon angesichts des Mottos der Abteilung stellt sich Ernüchterung ein: »Fördern und fordern«. Damit führst Du Deine Kindersport-Sparte unter dem gleichen Leitbild wie Hartz IV, das bekanntlich alles andere als »Arbeitslosengeld ohne Leistungsdruck« ist.

Aber, Hannover 96, wo sich der Vater von Hartz IV, Gerhard Schröder, vor einigen Monaten aus dem Verein zurückgezogen hat, um einem Ausschluss zuvorzukommen, wäre es da nicht an der Zeit für ein neues Motto?

Empfiehlt Dir ein paar Einheiten Denksport: Titanic

 Namenloses australisches Känguru!

Du zeichnest für die erste tödliche Känguru-Attacke auf einen Menschen seit 85 Jahren verantwortlich: Dein 77jähriges Opfer hatte Dich offenbar illegalerweise als Haustier gehalten. Das darf man nur, wenn man eine spezielle Ausbildung nachweisen kann. Aber deswegen gleich töten? Hat der Mann Dich nicht artgerecht gehalten? Hat er verlangt, dass du neunmalkluge Sprüche, Binsenweisheiten und halbgare politische Witze von Dir gibst? Dich am Ende sogar verfilmen wollen?

Schön und gut, aber Gewalt sollte dennoch nicht die Lösung sein, findet Titanic

 Scharf, Frankreich!

Aufgrund von Dürreausfällen gibt es kaum mehr Senf in Deinen Supermarktregalen. Vor allem der beliebte Dijon-Senf wird derzeit knapp. Da kommt ein Gastronom wie Pierre Grand-Girard in Douarnanez aus
der Bretagne schon mal in die »Bredouille«, wie die Tagesschau uns mittelscharf aufs Baguette zu schmieren versucht. Und ein Ende der Geschmacklosigkeit ist noch lange nicht in Sicht! Es wird wohl Jahre dauern, bis die Landwirtschaft so umgestellt ist, dass das goldfarbene Gold endlich wieder in Strömen fließt.

Vielleicht kannst Du Dich bis dahin ja mit etwas Ketchup über Wasser halten.

Deine pommes de terre von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Alttestamentarisch

Führende Theologen bestreiten, dass die Bibel Selbstjustiz rechtfertigt. Aber war nicht Moses im Grunde der Erste, der das Gesetz in die Hand nahm?

Wieland Schwanebeck

 Künstliche Idiotie (KI)

Seit Youtube mir vor dem Abspielen meiner Suchanfrage »Give Peace a Chance – John Lennon« eine Werbung für den freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr zeigte, mache ich mir keine Sorgen, dass intelligente Maschinen bald schon die Macht übernehmen. Außer das war bereits ein Anzeichen für Humor.

Jürgen Miedl

 Für Facebook

Vorschlag eines tiefgründigen Denkspruchs für Tierärzte: Real eyes realize real lice.

Karl Franz

 Nicht nur für Cineasten

Um unprofessionelle Anschlussfehler zu vermeiden (»Mist, schon wieder eine Videokonferenz! Welches Hemd hatte ich heute Morgen an? Mit welchem Videofilter habe ich noch mal den Wäschehaufen im Hintergrund übermalt?« oder eben auch: »Huch, wieso sind Sie denn auf einmal nackt?«), könnte man direkt eine Continuity-Agentur für Heimarbeiter gründen. Schnapsidee oder innovatives Geschäftsmodell? Oder hatte ich das im letzten Meeting schon mal vorgeschlagen?

Alexander Grupe

 Grüner Daumen

Manches im Leben fällt einem einfach in die Hände, z. B. ein umfallender Kaktus, während man morgens das Rollo hochzieht.

Ferri Bueller

Vermischtes

Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
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Das schreiben die anderen

  • 05.09.:

    TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen spricht bei 1LIVE Stories vom WDR über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" und liest daraus vor (auch bei Spotify und sonstigen Podcast-Plattformen).

  • 02.09.:

    Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet über das aktuelle Editorial der neuen TITANIC-Intendantin Patricia Schlesinger.

  • 17.08.:

    DLF Kultur spricht mit Bernd Eilert über sein Buch »Meine Île de Ré«

  • 08.08.: Moritz Hürtgen und Dax Werner sprachen mi dem hr zum Thema "Sind wir alle zu ironisch?!"
  • 25.07.:

    Merkur.de fasst die Reaktionen auf einen Uwe-Seeler-Cartoon von TITANIC zusammen.

Titanic unterwegs
08.10.2022 Baden-Baden, Kurhaus Max Goldt (mit einer Laudatio von Bernd Eilert)
08.10.2022 Köln, Klüngelpütz Ella Carina Werner
10.10.2022 Darmstadt, Centralstation Martin Sonneborn
11.10.2022 Frankfurt am Main, Club Voltaire TITANIC-Tucholsky-Gala