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Fabian Lichters Economy Class

Zum Drüber-Reden

Beim Wort Debatte muss ich schon unweigerlich an die Schülermitverantwortung denken, an den Stuhlkreis, den genügsam nickenden Lehrer, der, zumindest in meiner Erinnerung, eine frappierende Ähnlichkeit mit Markus Lanz aufweist. Für Debatten bin ich versaut. Für das Trendthema Klassismus somit auch. Und wem es ähnlich geht, der schaut nun in die Röhre, bzw. lieber nicht in die Gesellschaftsteile und Verlagsvorschauen. Immerhin: Feuilleton und Verleger frohlocken, haben sie doch ihr neues Sujet gefunden und das dürfte auch schon in etwa der gesellschaftliche Raum sein, in dem der neue Hype um die Klasse seine Wellen schlagen wird. 

Davon kann man mindestens Koliken bekommen. Man kann schließlich guten Gewissens sagen, dass Debatten dem emanzipatorischen Bestreben gezielt entgegenwirken. Abgesehen davon, dass im paternalistisch professionellen Reden über die »Schwachen« sich bereits ein Gegensatz wiederholt und man dieses Moment durchaus unangenehm finden kann. Ein Glück, dass die Betroffenen, um jenen scheußlichen Begriff hier auch einmal pflichtbewusst untergebracht zu haben, aller Regel nach, und das weiß man natürlich, nicht zuhören oder gar mitlesen. Einmal im Vorteil.

Es ist auch gar kein Geheimnis, dass das Reden über Klassismus für jene Betroffenen keine Besserung ihrer Lebensumstände bringen wird, maximal dem darin aktiven Menschen, der seinem Heizungsableser nun eine Ecke bewusster die Tür aufhält oder meinetwegen auch schon weiß, dass das nicht reicht. In der Debatte wird schon was abfallen und seien es Likes. Das ist Start- und auch Endpunkt der Debatte, sowie Start- und Endpunkt überhaupt in jeder Debatte ein und dasselbe sind. 

Wenn, das hat das Reden über das Klima gezeigt, Debatten etwas leisten, dann, dass das Alltagsgeschäft im Maschinenraum weiterlaufen kann, da die Welt sich genügsam an der Frage zerfleischt, wie es an Deck auszusehen habe. Und dass jede Dialektik zu einer Auswahl verkommt, man bleibt halt in der Warengesellschaft. Und so »debattiert« man darüber, ob die nächsten 60 Millionen produzierter Autos pro Jahr mit Lithium-Ionen-Akku oder mit Verbrennungsmotor fahren, aber eben nicht darüber, wie man es verhindert, dass jährlich 60 Millionen Autos die Werke verlassen. Wer davon profitiert, nennt es »einen Wettlauf um die Wettbewerbsfähigkeit auf klimaneutrale Produkte« (A. Baerbock).

Dass eine Rettung des Klimas sowie der freie Arbeiter mit dieser Wirtschaftsform nicht zu haben sind, das war von Anfang an klar. Man hat darüber diskutiert und damit die Kritik integriert, sie hat sich so praktischerweise selbst erledigt. Mag – zurück zur Klasse – bisweilen auch durchaus Treffendes geäußert werden (siehe Start- und Endpunkt). So erinnerte Arno Frank unlängst im Deutschlandfunk daran, dass man eben nicht über Klasse reden könne, ohne den mitschwingenden Klassengegensatz zu thematisieren. Was zeigt: Man kann ihn neuerdings sogar thematisieren, ohne dass jemand deshalb noch um seine Besitztümer fürchten müsste. Ein gekippter Mietendeckel ist da nur ein klares Signal nach oben (und nach unten).

Bleibt die Aufhebung der Gegensätze das Ziel und man mag überrascht sein, auch dazu gibt es bereits ein, zwei kluge Gedanken in der Welt. Man muss nicht stets bei Null anfangen, mag man naiverweise denken, aber genau darum geht es in einer Gesellschaft, in der nur vordergründig etwas vorangehen darf: Erkenntnisgewinn soll verhindert werden, Argumente eingeebnet, dadurch, dass sie sich an der Realität einer eingefahrenen Welt selbst blamieren.

Am Ende bleibt jeder seines Glückes Schmied und auch eine weitere Bildungsdebatte, im Anschluss an die Klassismusdebatte, wird daran nichts ändern. Es ist auch nicht die Frage, so Filmemacherin Julia Friedrichs, ebenfalls im Deutschlandfunk, wie noch jede Krankenschwester sich ins Management fortbildet. Man braucht sie ja, ganz gleich, in welcher Gesellschaft man lebt. Es kann nur darum gehen, sie gerecht zu entlohnen. Alles andere ist Käse für den Kulturteil.

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 17

Liebe Leser:innen,

es ist der lang erhoffte Silberstreif am Horizont. Der manchen gar zu köstliche Impfnektar wird inzwischen mit Hochdruck von Kiel bis Sonthofen verabreicht, viele Menschen teilen in ihren sozialen Medien mit, dass auch sie nun die "Impfe intus" haben, kurz: die Impfkampagne kommt auch hierzulande ins Rollen, vielleicht langsamer als anderswo, nun jedoch mit Nachdruck, also ein bisschen so wie Donkey Kong auf der Rainbow Road in Super Mario Kart – von der Beschleunigung her mau, aber nach hinten raus mit beeindruckender pace.

Wurde auch Zeit, denn mitunter vergesse ich's fast selbst schon in all der Aufregung: Im September geht's ja schon in die Wahlkabine! Doch die klassischen Vor-Ort-Termine auf den Marktplätzen von Oldenburg, Hamminkeln und Güstrow, die Präsenzveranstaltungen der Demokratie sind – Verimpfe hin oder her – in diesem Wahljahr schon längst gecancelt. So fällt zu meinem großen Bedauern auch die inzwischen schon traditionelle Markus-Feldenkirchen-Roadstory mit dem SPD-Kanzlerkandidaten auf 16 eng bedruckten Spiegel-Seiten flach ("Ein Stiefel auf dem Highway, ein anderer in der unbarmherzigen Arithmetik der Demoskopie"). Dafür, und da sind sich Digitalexpert:innen eigentlich seit Jahren einig, werden das Internet und die Menschen darin für die #2021Elections eine immer größere Rolle spielen: Dieser Wahlkampf wird digital ausgefightet!

Welche Rolle werden also die berühmt-berüchtigten Putin-Bots spielen? Wie viele digitale Debattencamps stehen uns bis Herbst noch ins Haus? Und wird es im Wettstreit der Ideen eine Partei geben können, die nicht auf das Erfolgsrezept von Christian Lindner im letzten Wahlkampf (Schwarz-weiß-Fotos) setzt? Auch die grand old CDU hat die Zeichen der Zeit erkannt: In einem bislang von vielen fadenscheinigen Korruptionsvorwürfen geprägten Jahr hat sie sich nun die Dienste des Präsidenten a.D. des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Mönchengladbacher Originals Hans-Georg Maaßen für den Thüringer Wahlkreis 196 gesichert. Ich möchte ehrlich sein: Ein Hammer-Transfer!

Maaßen steht wie der Sauerländer Friedrich Merz für das gut verdienende Anti-Establishment der Partei, seine kultigen Sprüche sind schon fast so legendär wie die von Prinz Philip (Gott hab ihn selig): "Es gab keine Hetzjagden in Chemnitz!" oder "Eine Koalition mit der AfD? Man weiß ja nie!" Auch seine Twitter-Bio atmet schon diesen unverkennbaren Oswald-Spengler-Alarm-Sound: "Nüchterner Realist, der sich große Sorgen um die Zukunft Europas macht." Visuell bedient er die tiefe Sehnsucht der radikalen bürgerlichen Mitte nach dem deutschen royal: Dreiteiler, winzige Brille, wenige TV-Auftritte. Und während der CDU-Chef Armin "Arminion" Laschet das Internet so müde und einfallslos bespielt, als wäre es noch 2012 und er Oppositionsführer in NRW, beherrscht Maaßen die Klaviatur der sozialen Medien mit schlafwandlerischer Sicherheit: Seine Gedanken und Notizen werden regelmäßig von 80 000 Menschen auf Twitter gelesen und mit Fav versehen, eine Netzpolitik-Studie fand auch heraus, von wem: nämlich von denen, die sonst nur noch auf die journalistische "Arbeit" von Roland Tichy, Boris Reitschuster und Joachim Steinhöfel vertrauen. Clever: Mit HGM hat die Union bei aller gespielten Empörung nun wieder einen Fuß in der Tür beim komplett unzurechnungsfähigen Teil der Bevölkerung.

Gleichzeitig gilt HGM als unkontrollierbar, als einer, über den First-Tier-Politiker:innen stolpern: Schon Annegret Kramp-Karrenbauer und Andrea Nahles bissen sich an der Maaßen-Personalie mehr oder weniger die Zähne aus, deswegen ist CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak gut beraten, wenn er im Umgang mit der Thüringer Personalie harte Geschütze auffährt. Statt persönlich in den Osten zu fahren und sich dort wie weiland AKK die Finger zu verbrennen, forderte er noch am Freitag energisch eine neue Ehrenerklärung der Thüringer CDU zu "Werten und Politik der CDU sowie einer scharfen Abgrenzung zur AfD". Und wie wir aus der Causa Masken-Raffkes noch wissen, ist die Ehrenerklärung das mächtigste Tool im demokratischen Werkzeugkasten der Union.

Demoskopisches Ehrenwort: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 16

Liebe Leser:innen,

im wievielten Monat des Semi-bis-Voll-Lockdowns befinden wir uns gerade? Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die Bund-Länder-Konferenzen-Phase der Pandemie, kurz nach der Bananenbrot- und Tiger-King-Phase. Sie gaben Halt, Orientierung und ein Rest von Zeitgefühl, man konnte sich bei der Rekonstruktion der vergangenen Monate gut an diesen Phasen entlanghangeln, so wie ich als kleiner Bub meine Schuljahre den Fußball-Stars auf dem Cover der jeweiligen FIFA-Ausgabe zuordnete. Wie viele andere habe jedoch auch ich zugegebenermaßen vollkommen Überblick verloren, muss jede Woche für diese Kolumne literally ergoogeln, welche Kalenderwoche wir eigentlich schreiben und registriere lediglich sowohl eine extrem angespannte Stimmung im Internet als auch bei denen, um die es wirklich geht: Den Menschen da draußen.

So sind es vielleicht nicht die allerbesten Voraussetzungen für jede noch so durchdachte wie originelle satirische Video-Aktion, wenn Aufnahmebereitschaft und Ambiguitätstoleranz des Publikums gerade eh schon gegen Null gehen. Oder ist vielleicht exakt das Gegenteil wahr und Deutschland brauchte die #alles dichtmachen-Initiative einiger "mehr oder weniger bekannter Schauspieler:innen" (Marietta Slomka ungewohnt hämisch im "Heute-Journal") mehr denn je?

Eine Sache, in der ich mir jedenfalls ziemlich sicher bin: Wir dürfen die A-Liga-Schauspieler:innen dieses Landes, die ihre durch Schnelltests und Hygiene-Auflagen, wie etwa der verpflichtenden Nutzung von Plastikbesteck, möglich gemachten Filmdrehs gerade ziemlich einsam in ihren lichtdurchfluteten Altbauwohnungen verbringen, nicht vergessen; wir müssen uns klarmachen, was es mit diesen Menschen gemacht hat, als wir uns im letzten Jahr einige Wochen lang verabredeten, vom Balkon aus Applaus zu spenden. Jedoch nicht ihnen, den sensiblen Magier:innen der Leinwand, sondern – allen Ernstes! – dem Pflegepersonal, das im Grunde genommen einfach nur seinen Job runterspulte.

Das Öl des 21. Jahrhunderts ist bekanntlich Aufmerksamkeit und für die Menschen, die uns Woche für Woche mit immer neuen fantasievollen Folgen "Tatort", "Polizeiruf 110" und "Rosenheim Cops" versorgen, ist gerade 1973, nämlich: Ölkrise. Auch das gehört zur Wahrheit dazu und sollte im Debattenraum mitgedacht werden.

Doch in Zeiten immer engerer Meinungskorridore gilt man ja schon als "rechts", wenn man nur das schwäbische Querdenken-Krakele einiger pensionierter Lehrerehepaare aus dem Großraum Stuttgart wiederkäut und der avantgardistische Techno-Protest des Mit-Initiatoren und Filmregisseurs Dietrich Brüggemann ("Steckt Euch die Tests in den Arsch!") den Soundtrack liefert, zu dem in Berlin und Kassel Journalist:innen verprügelt werden. Debattenkultur bizarr! Dachte sich auch CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der sich am Freitag zu diesem Thema in die NDR-Talkshow "3 nach 9" äußerte und sich schützend vor die Missverstandenen stellte ("Diese Kritik muss möglich sein!"), während sich zeitgleich zahlreiche Schauspieler:innen genötigt sahen, ihre Videos zurückzuziehen. Diagnose: Vorauseilende Cancel Culture!

Der in meinen Augen spannendste Aspekt der Aktion ging in diesem diskursiven Wirrwarr selbstverständlich völlig unter: Dass sich nämlich Jan Josef Liefers über die neue angebliche Untertanen-Mentalität derjenigen Deutschen beschwert, die im Drosten-Brinkmann-Lauterbach-Rausch jeden noch so irren Lockdown abnicken würden, nachdem sich genau jener Liefers seit 20 Jahren als Ulk-Rechtsmediziner Boerne im Kult-Tatort Münster darum verdient macht, Polizei und staatliche Autorität vollends zu teddybärisieren. 

Aber vielleicht ist das ja Stoff für eine Kunstaktion an einem anderen Tag.

Performative Grüße: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 15

Liebe Leser:innen,

es ist ein Sonntag des Innehaltens, denn ein Gigant hat Lebewohl gesagt: Prinz Philip von Griechenland und Dänemark wurde gestern in London beerdigt. Und mit ihm auch eine königliche Portion gute alte Comedy-Schule. Oder wie das ZDF teaserte: "Ein Royal deutscher Abstammung, der bei den Briten und in der Welt größte Sympathie genoss. Er punktete vor allem mit Humor, seine Sprüche sind legendär."

Noch 2002 eröffnete er ein Privat-Stand-Up für eine blinde Frau mit ihrem Blindenhund so: "Weißt du, dass es jetzt Esshunde für Magersüchtige gibt?" Ein anderes Mal fragte er einen Aborigine, ob er und seine Leute eigentlich immer noch mit Speeren nacheinander werfen würden. Der augenzwinkernde Schalk, das war seine Rolle. Pointentechnisch konnte Philipp nicht nur Florett, sondern mitunter auch Brechstange. Aber eben immer mit Herz.

Denn Prinz Philip war nicht nur der Ehemann von Queen Elisabeth II., sondern vor allen Dingen ein kultiger Spaßmacher vom alten Schlag, ein Windsor-Original, ein Witzemalocher, in letzter Konsequenz Norddeutscher. Kurz gesagt: Er war ein Fips Asmussen mit Krone. Seine Pointen waren so messerscharf wie berüchtigt, das eisglatte Parkett des europäischen Hochadels seine Bühne, auf der er sich zuletzt mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegte, tänzelte gar. Doch wie so viele  andere Vertreter seiner Profession hatte auch er den besten Moment für den Abschied von eben dieser Bühne verpasst: 2015 war das und für nicht wenige Beobachter:innen damit schon ein paar Jahrzehnte zu spät.

Wie für jeden großen Komiker war auch für ihn Humor immer Fluchtversuch aus den Umständen gewesen, ein hundertjähriger Krieg mit sich selbst, gegen die Verhältnisse und Fesseln der royalen Familie, in die er eingeheiratet hatte und die mit dem Diebstahl von Reichtümern und Schätzen ihrer ehemaligen Kolonien reich geworden war – ein Umstand, der ihn Zeit seines Lebens bedrückte. Vielleicht war der Rucksack am Ende zu schwer, so dass es zum ganz großen Durchbruch dann doch nie gereicht hat.

Entsprechend wirkt sein Spätwerk dann auch konzeptueller, um nicht zu sagen: verbitterter. Ganze 16 Jahre schraubte und designte er am Land Rover Defender TD5 130, der ihn dereinst, also gestern, einmal zur letzten Ruhe fahren sollte. Ein Lebensthema ganz offenbar, jedoch eines, das sich in der heutigen beschleunigten Welt des Humors nicht mehr richtig erzählt. Wo Twitter, TikTok und Co. im Sekundentakt nach der nächsten Pointe lechzen, war der Prinzgemahl immer jemand gewesen, der sich Zeit nahm. Typisch Philip: Für die Trauerfeier in der St. George's Chapel sah das von ihm verfasste Drehbuch eine Gruppe verkleideter Männer vor, die auf fremdartigen Flöteninstrumenten exotische Melodien vortragen sollten. Auch bei den Windsors selbst konnte sich niemand einen Reim auf diesen und weitere Einfälle in Philips Verfügung zu machen, Pietät und Protokoll geboten jedoch nichts anderes als die restlose Umsetzung des letzten wahnwitzigen Willens.

Und dieser unbedingte Wille zur Ordnung, so wenig Sinn sie auch auf den ersten Blick macht, kann vielleicht auch erklären, warum mit ZDF, Phoenix und RTL gleich drei große deutsche Fernsehsender den gesamten Samstag über von der Trauerfeier streamten. Wo der erste und dann lange einzige Adlige, der einem hierzulande einfallen kann, Prinz Marcus von Anhalt heißt, ist die Sehnsucht nach etwas monarchischen Glamour, das ewig nervöse Schielen auf die übriggebliebenen europäischen Königshäuser nur allzu verständlich. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele Deutsche bei der Erwähnung des Élysée-Palastes eher an Rolf Seelmann-Eggebert als an Emmanuel Macron denken. Dementsprechend war die Stimme des ZDF-Experten Norbert Lehmann so belegt und andächtig, dass ich die Bundesliga-Konferenz auf dem Second Screen stellenweise leiser drehen musste, um ihn überhaupt zu verstehen. Gerade rechtzeitig, denn Lehmann war im Begriff, etwas juristisches Licht ins Dunkel Philips genauer Aufgabe zu Hof zu werfen: "Verfassungsrechtlich existierte er gar nicht."

Erst 1997 nahmen sie uns Diana, nun, nur 24 Jahre später, wurde der Schattenprinz Philip (99) mitten aus dem Leben gerissen. Er, der eigentlich gar nicht existierte. Vielleicht ordnete RTL-Adelsexperte Michael Begasse die Dimensionen dieser Tragödie senderübergreifend am treffendsten ein, als er in Richtung des ebenfalls sichtlich angefassten Guido Maria Kretschmer sinnierte: "Da stand ich bei der Hochzeit von Meghan, genau an dem Punkt. Schöne Erinnerungen. Aber wie du sagst, Guido: Der Tod gehört zum Leben dazu." Ein interessanter Gedanke, wie ich finde. Was hätte Prinz Philip dazu gesagt? Wir wissen es nicht. Seine letzte Pointe nahm er mit in die Familiengruft. Die Gag-Kanone aus dem Buckingham Palace ist für immer verstummt.

Und, um es mit Frauke Ludowig zu sagen: "Es ist so still, dass man die Schritte auf dem Kies hört."

Goodbye England's Rose.

Dein: Dax Werner

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Wider den Hass gegen Vermieter

Ein sehr persönlicher Kommentar von TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen

Seit das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel kassiert hat, ergießt sich im Netz – es war zu erwarten – wieder einmal der Hass auf Eigentümer von Wohnungen und Häusern. Ich denke, dass die meisten, die da hetzen, falsche Vorstellungen vom Leben als Immobilienbesitzer haben. Ist das Vermieter- ein Luxusleben? Aus eigener schmerzlicher Erfahrung kann ich garantieren: nein.

Heute wohne ich selbst zur Miete, mit meinem landlord komme ich prima aus. Auch in Corona-Zeiten lässt er mich nicht im Stich und kommt häufig unangemeldet vorbei. In seiner Freizeit wohlgemerkt! Vor zehn Jahren aber war ich selbst einmal Vermieter: Als junger Studentenhüpfer vermietete ich mein Münchner WG-Zimmer für drei Wochen unter, weil ich in Flensburg an einem "Schreib dein Buch!"-Seminar unter Leitung des damals schon erfolgreichen Poetry-Slammers Marc-Uwe Kling (übrigens auch ein Berliner Vermieter) teilnahm. Es waren drei Wochen, in denen ich durch die Hölle ging – nicht wegen des phantastischen Seminars, bei dem ich lernte, wie ein Känguru zu hüpfen, um auf kreative Ideen zu kommen, nein, mich brachte allein die Sorge um mein Zimmer beinahe um. Dabei war es genaugenommen ja nicht einmal meines, nur die Einrichtung gehörte mir. Ich bat meine Mitbewohner Hanna und Max dennoch, ein Auge auf mein "kleines Reich" zu haben.

Mein Untermieter war ein Student der Philosophie, und bereits wenige Tage nach meiner Abreise berichtete mir Mitbewohner Max davon, dass der Neue beim Indoor-Hacky-Sack spielen in mein Billy-Regal gefallen war. Der Schaden lag im unteren zweistelligen Bereich – damals viel Geld für mich. Noch ein paar Tage später musste ich erfahren, dass in der gesamten ersten Woche nicht ein einziges Mal gestaubsaugt worden war. Vor meinem inneren Auge zogen Staubmäuse vorüber, ich hörte nicht mehr, was Marc-Uwe klingt sagte während er Beuteltiere auf ein Whiteboard malte. Jeden Tag erreichten mich neue Hiobsbotschaften aus meiner Wohngemeinschaft: Kaffeeränder auf meinem Schreibtisch, Straßenschuhe in meinem Zimmer und noch viel schlimmes mehr.

Nach zwei Wochen beschloss ich, das Seminar – obwohl es mich 4999 Euro gekostet hatte – vorzeitig abzubrechen, um mein Zimmer vor dem Vandalen zu retten. Doch bei meiner Ankunft in München der Schock: Der Untermieter war ein Liebesverhältnis mit meiner Mitbewohnerin Hanna eingegangen, weigerte sich auszuziehen und verbot mir, das Zimmer zu betreten. Bis heute habe ich es nicht mehr von innen gesehen! Hanna und der Untermieter sind heute verheiratet, haben drei Kinder und leben noch immer in der Wohnung und in meinem Zimmer. Jeden Monat überweist mir dieser Gauner nur 450 Euro Untermiete – und ich muss 350 davon an den Besitzer der Münchner Wohnung weiterüberweisen. Natürlich bin ich vor Gericht gezogen, nächste Woche fällt Karlsruhe in letzter Instanz ein endgültiges Urteil in der Sache "Hürtgen vs. Untermieter". Sie können sich vorstellen, liebe Leserinnen und Leser, dass meine Sympathie nach dieser Erfahrung auch in der Sache Berliner Mietendeckel klar bei den Vermietern liegt. Wenn ich mir vorstelle, dass mich nicht nur ein einziger Untermieter terrorisiert, sondern ein ganzer Wohnblock voller Flegel und Verbrecher, wird mir ganz anders. Vielleicht überdenken ja auch Sie noch einmal Ihre Position und schreiben Ihrem Vermieter eine nette Postkarte.

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 14

Liebe Leser:innen,

ich denke, ihr als kulturell informiertes Publikum habt es sowieso mitbekommen: Der für seinen gepfefferten Sprechgesang bekannte Musiker "Danger Dan" hat vor einigen Tagen einen Song veröffentlicht, in dem er sich nicht nur sehr kritisch mit einigen Influencern der neurechten Szene auseinandersetzt, sondern indirekt auch Kritik an der Polizei übt. Kein überproduziertes Effektfeuerwek, kein Beat, kein Overdub: Einfach nur ein Mann und sein im Antilopenmuster geairbrushtes Klavier mit einem Song, der nun sowohl im Internet als auch im linearen Fernsehen rauf und runter gespielt wird. Ein fast schon perfide harmlos daherkommendes Gesamtprodukt, das auf den ersten Blick keine Fragen offen lässt und nüchtern feststellt: "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt."

Doch stimmt das wirklich? 

Es ist allgemein bekannt, dass Hip-Hop 1986 von der Stuttgarter Band "Die Fantastischen Vier" erfunden wurde, einer Clique von Entrepreneuren und Programmierern, die eher zufällig ins Musikgeschäft stolperten. Damals setzten sich Michi Beck, Thomas Dürr, And.Ypsilon und Smudo in einer Reihenhaushälfte zusammen und definierten die vier Elemente des Hip-Hop: Gute Laune, clevere Wortspiele, Stuggitown und digitale Lösungen für die gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Zukunft. Weitsichtig haben die vier bereits damals sperrige Reflexionen zur Kunstfreiheit oder populistische Pauschalurteile über die deutschen Sicherheitsbehörden außen vor gelassen. Mit den vier Elementen des Hip-Hop ließe sich über "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" argumentieren: Die Polizei anscheißen, obwohl roundabout 99,9 Prozent der Bediensteten einen Riesenjob machen? Das hat mit Rap leider nichts zu tun. Da ist man auch auf einer Linie mit dem CDU-Influencer Wolfgang Bosbach.

Und so schmeckt der musikalische Impfstoff, den Danger Dan derzeit verimpft, einigen so gar nicht. Auch die Polizei selbst hat es trotz ihres aktuell extremen workloads geschafft, in den infamen Clip reinzuklicken. Der Zufall wollte es, dass sich auch unter den Engeln in Grün ein gestandener Rapper mit dem Künstlernamen "Zett Zinnotec" tummelt. Und der verabreichte Danger Dan gestern in einem Reaction-Video seine eigene Medizin. In der description box des Videos liefert der Künstler die backstory zu seinem Werk besser, als ich es zusammenfassen könnte: "[I]ch hab mich einfach auf einen schönen Abend nach einem schwierigen Dienst gefreut, etwas Spaß und etwas das schlechte Gefühl mehr für die Gesellschaft tun zu müssen, Politische Satire eben...und dann der Song Danger Dan 'Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt' ich glaube ich kann und habe auch schon so manches ertragen aber das, dass hat mein persönliches Limit überschritten, zumindest an jenem Abend." Die Ansprache ist emotional und atemlos; clever, denn so sind wir, die Hörer:innen, nach diesem Intro sofort mittendrin. 

Doch nach der Lektüre der Videobeschreibung und dem anschließenden Klick auf die Play-Taste lässt uns Zett Zinnotec zunächst zappeln: Denn darin liest er als erstes noch einmal den Titel des Youtube-Videos vor, das wir ohnehin gerade anschauen: "Reaktionsvideo auf Danger Dans Song 'Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt'". Der Künstler thematisiert die Gemachtheit des Werks im Werk selbst, und so beginnt ein metafiktionales Vexierspiel um die zentrale Frage: Wer spricht hier eigentlich gerade? Der Polizist, der Mensch oder der Rapper? Visuell wird dieses Spannungsverhältnis durch ein JPG in der oberen linken Ecke des Videos verstärkt, denn dort sieht man eine Polizeijacke und eine Polizeimütze an einen Kleiderhaken drapiert, was mich an das berühmte Buch "Außer Dienst: Eine Bilanz" von Bundeskanzler Helmut Schmidt erinnert. Er fehlt.

Dann beginnt der Track: "Ja mein lieber Danger denn, für dich wär' ich wirklich genn." Es ist die direkte Ansprache des Gegners, die wir bereits aus dem musikalischen Genre des "Battleraps" kennen – welche streng genommen jedoch auch nicht vereinbar ist mit den vier Elementen des Rap von 1986. Sei’s drum. Hervorzuheben scheint mir außerdem, dass Zett seinen Text mit Anleihen aus dem Hopeländischen garniert ("Danger Denn", "wirklich genn"), einer Kunstsprache, die seinerzeit die isländische Band Sigur Rós entwickelte, um noch effektiver von Elfen und Geysiren singen zu können. Ein subtiles Zitat im Zitat sozusagen, das dem Krawallo-Rapper Danger Dan ohne Lektüreschlüssel sicher verborgen geblieben wäre. Und dann kommt auch schon der eigentliche Höhepunkt des Videos, in dem Zinnotec das Stilmittel der hyperironischen Figurenrede für sich beansprucht: "Schlag mir in die Fresse rein, ich bin dein Bullenschwein." Gnadenloser wurden linksgrüne Gewaltfantasien gegen den Staat und die Ordnungsmacht noch nicht karikiert. Komplett Gänsehaut.

Und so stellt man sich nach diesen intensiven 111 Sekunden (womit Zinnotec auf subtilste Weise, nämlich auf der Ebene der Form, die Frage diskutiert, ob wir wirklich in einem Land leben wollen, in dem wir weder unter der 110 noch unter der 112 jemanden erreichen würden) eigentlich nur noch die Frage, warum sich Zett Zinnotec damals für die Polizei- statt der Rapkarriere entschieden hat. Und wie nicht anders zu erwarten war, beantwortet Zinnotec diese Frage mit seinem Song eigentlich gleich mit:

Weil es um unser Land geht.

 

Hip-Hop-Grüße gehen raus: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 13

Liebe “DIE WeLT”,

am Freitag vor 75 Jahren bist Du zum ersten Mal erschienen. 20 Pfennig hat die Zeitung gekostet, damals viel Geld, die Unterüberschrift lautete: “Überparteiliche Zeitung für die gesamte britische Zone”. Heute erreicht die gedruckte Zeitung immer noch 700 000 Leser:innen, über den hauseigenen Hitler-Doku-Fernsehsender mit kombinierten Börsenticker “Welt” noch einmal roundabout 1 Million Rentner:innen on top. It's been one hell of a ride.

Seither hast Du vielen Menschen ein publizistisches Zuhause gegeben, die anderen Redaktionen in Zeiten von Cancel Culture und vorauseilender Identitätspolitik zu unbequem, zu sperrig, manchmal auch schlicht zu doof geworden waren. Meine erste Berührung mit Dir war die extrem aufgeladene Debatte um Ronja von Rönnes Text “Warum mich euer Feminismus anekelt” (2015), ein wütender 20 000er gegen die insbesondere im PS-armen Linksgrün-Milieu beliebte Verschwörungstheorie, dass unsere Gesellschaft patriarchalisch strukturiert sei und man es als Frau ein wenig schwerer hätte als als Mann. Gestrigstes Gedankengut in übler 68er-Tradition, da gibt es ohnehin keine zwei Meinungen. Für mich jedoch ein nahezu epiphanisches Erlebnis in der Bahnhofsbuchhandlung: “Nanu”, dachte ich, “was ist das denn hier für eine obergeile Krawall-Zeitung mit so einem Globus oben im Titel? Die klaue ich direkt mal!” Damals ein Win-Win-Win-Geschäft für alle Seiten: Ich hatte endlich etwas Altpapier, um unseren WG-Boden fürs Streichen auszulegen, Ronja von Rönne durfte ihren komplexen Gedanken noch einmal in allen öffentlich-rechtlichen Kultursendungen aufsagen und “DIE WeLT” hatte ihr Scouting-Modell für die kommenden Jahre gefunden: verhaltensauffällige Autor:innen aus dem Internet überreden, ihre exklusiven Diagnosen noch einmal für die “DIE WeLT” aufzuschreiben.

Und dann wieder zurück ins Internet spielen. Rekursives Debatten-Management nennen wir das in der Publizistik. Mit Ulf Poschardt wurde diese Methode bis zur Perfektion getrieben. Dem bis dahin irrelevanten Fahrradblogger Rainer M. verschaffte er einen Kolumnenplatz, mit welchem dieser eine ganze Armada extrem unausgeglichener Internet-Männer, die zufälligerweise (das ergab eine Studie der Uni Leipzig) alle auf den Namen Jörg, Andreas oder Wolfgang hören, dirigiert, nein: befehligt und anderen Journalist:innen das freie Arbeiten quasi verunmöglicht. Was für die einen ein mit der Zeit immer erratischeres Festhalten an der publizistischen Power eines Kuchenfotos postenden Erben vom Tegernsee ist, steht für Poschardt im Einklang mit den drei großen Werten der “WeLT”: Freiheit, Europa, Helmut Kohl! Und die Zahlen geben ihm Recht: Die Dinger klicken wie bekloppt!

Mit solchen Schwergewichten ausgestattet, kann man sich auch journalistische Feingeister leisten. Mit Querfinanzierungsmodellen kennt man sich ja bei Springer ohnehin aus, und so war das Blatt auch für andere Großdenker wie den rheinland-pfälzischen Nischentheoretiker Nils Heisterhagen oder den Krawallo-Liberalen Bert Brechtgens Sprungbrett in die umkämpfte Meinungsbranche.

So unterschiedlich doof die einzelnen Autor:innen auch sein mögen, eine Sache verbindet sie alle: die Liebe zur Freiheit. Denn das war heute wie vor 75 Jahren schon immer die zentrale Frage aller Paywall-Thinkpieces: Freiheit, was ist das überhaupt für ein Wort? Wie schmeckt sie? Auf welches Gebäude in Berlin-Mitte könnte man es noch einmal bei Nacht projizieren? Apropos Paywall: Hinter den allermeisten “DIE WeLT”-Paywall-Artikeln befindet sich selbst im Abo-Modus kein Fließtext mehr. US-Investor KKR, der inzwischen knapp die Hälfte des Konzerns hält, sieht betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr darin, ganze Artikel zu produzieren. “Eine geile Überschrift reicht doch für ‘nen Twitter-Aufreger”, heißt es dazu aus den USA.

Freiheit ist manchmal eben auch die Freiheit zum Verzicht.

Alles Gute zum Geburtstag: Dein Dax Werner

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 German Genetic Schweinezuchtverband Baden-Württemberg e.V.!

Dass Du auf den »Wunsch vieler Betriebe nach ruhigen und umgänglichen Tieren mit der Möglichkeit zur Langschwanzaufzucht« reagiert hast und seit März 2020 »in den Stationen der Besamungsunion Schwein (BuS) den GENTLEMAN-Eber« anbietest, finden wir saugut. Denn wenn es eins gibt, was noch wichtiger ist als »Ruhe im Stall«, dann ja wohl die »Unversehrtheit von Schwänzen«!

Zumindest den kleinen Ferkeln von Titanic

 Bitte lächeln, Paparazzi!

»Schwere Zeiten für Promi-Fotografen«, heißt es ebenda in der SZ, weil ja auch Prominente zu Hause bleiben beziehungsweise Maske tragen müssen und dann von Euch nicht erkannt werden. Hoffentlich beschwert Ihr Euch deshalb bald bei der Regierung, denn zu gerne läsen wir die Schlagzeile: »Paparazzi protestieren: Maßnahmen greifen zu sehr ins Privatleben ein!«

Sagt mal »Cheese«: Titanic

 Du, Deutsch-Rapper Aykut Anhan aka »Haftbefehl«,

Du, Deutsch-Rapper Aykut Anhan aka »Haftbefehl«,

hast Dich von einigen Deiner früheren Tracks losgesagt. Im Spiegel-Interview gibst Du Dich als geläuterter Anhänger eines verschwörungstheoretischen, antisemitisch konnotierten Weltbildes aus: »Ich habe über Chemtrails gerappt. Ich habe auch über die Rothschilds gerappt. In Anführungsstrichen, weil ich damals nicht überzeugt von diesen Dingen war. Ich war jung und wirklich noch auf der Straße unterwegs. Auf der Suche nach irgendwas. Eine verlorene Seele. Mittlerweile sehe ich das ganz anders.« Nämlich so: »Ich war ja selber mal Verschwörungstheoretiker, in Anführungsstrichen, aber, ganz ehrlich: Corona, das gibt’s.«

Das gibt’s doch gar nicht! Gratulation zu dieser Erkenntnis! Aber ganz ehrlich? Als Du damals auf Deinem 2015er-Album »Unzensiert« kreisende »Chemtrails« und die »Rothschild-Theorie« besprechsangst, warst Du mit 30 Jahren schon nicht mehr ganz so jung und bereits öfter in den Mainstream-Charts als auf der Straße unterwegs. Von Deinem Imagewandel von der verlorenen Seele auf der Suche nach irgendetwas zum schwarzen Schlafschaf sind wir heute dennoch überzeugt. In Anführungsstrichen. »Weiter so!«

»Deine« Titanic

 Annegret Kramp-Karrenbauer!

Das RND konfrontierte Sie mit folgender Frage: »Höhere Rüstungsausgaben sind nicht gerade populär in Deutschland. Sind Sie bereit, die Forderungen zu erfüllen?« Darauf Sie u.a.: »Wenn wir sicher und in Wohlstand leben wollen, müssen wir in unsere Sicherheit investieren.«

Die Frage, die sich nun aber ganz Deutschland stellt, lautet: Wer schützt uns bei der nächsten Wahl vor Ihnen? Die SPD? Die Grünen? Die FDP?

Dieses Land ist dem Untergang geweiht, weiß Titanic

 Hendrik Munsberg (»SZ«)!

»Zur politischen Klugheit gehört aber auch diese Einsicht: Die ökonomischen Folgen der Pandemie und die enormen Staatsschulden werden sich nicht beseitigen lassen, indem der Staat nur darauf setzt, von Reich zu Arm umzuverteilen. Unverzichtbar ist in den nächsten Jahren ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum. Das aber erfordert es, besonders die produktiven Kräfte im Land zu stärken«, statt bloß die unproduktiven Armen, den Ausschuss, ja Abschaum – es muss einmal gesagt werden. Und wird es darum immer wieder, zumal von politisch allerklügsten Köpfen, die für ihren armseligen Antibolschewismus auch wirklich schon genug Geld bekommen.

Eine Einsicht Ihrer produktiven Kräfte von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Ausgeplaudert

»Ich schlurfe gerade in die Eckkneipe, grüße die Bardame und schnipse nach dem ersten Schnaps …« Zahllose Geschichten, ob aus den Fächern Poetry Slam, Lesebühne oder Hochliteratur, fangen genau so an. Doch Obacht: Glauben Sie das nicht! Es sind Scharlatane und Scharlataninnen, die ihre arglosen LeserInnen trickreich hinters Licht führen. Die AutorInnen hocken, während sie ihre Texte schreiben, ja alle gerade am heimischen Schreibtisch, im Schein ihrer Louis-Poulsen-Designerlampe, und checken zwischendurch ihre Hello-Fresh-Aktien. Nur das mit dem Saufen stimmt.

Ella Carina Werner

 Dienstleistermentalität

So, wie man zu viel Salz nicht mit der gleichen Menge Zucker neutralisieren kann, kann man Respektlos-behandelt-Werden nicht dadurch neutralisieren, dass man Geld dafür bekommt. Dann ist das Leben zu salzig und zu süß zur gleichen Zeit.

Teja Fischer

 Kohlerischer Anfall

Manchmal bin ich so wütend, dass ich am liebsten irgendwas kaputtmachen will, aber mit Gegenständen zu werfen ist mir zu anstrengend. Deswegen kaufe ich einfach Gemüse und koche es so lange, bis die Vitamine zerstört sind.

Loreen Bauer

 Kopfgeld

Als die Friseure nach monatelangem Lockdown endlich wieder öffnen durften, habe ich noch circa drei Wochen zugewartet, bis ich mich dann aufraffen konnte hinzugehen. Einmal, um den ersten Ansturm zu umgehen, andererseits aber auch, weil ich zu meiner anfänglichen Freude entdeckt hatte, dass meine Treuekarte bereits randvoll war. Ich dachte, wenn ich da direkt nach der langen Durststrecke des Kappers direkt nach der Öffnung freudestrahlend meinen Gratisschnitt geltend mache, reißen die mir direkt den Kopf ab! Obwohl: Dann hätte ich mir über so etwas in Zukunft ja auch keinen Kopf mehr machen müssen, und Geld gespart hätte es dann obendrein!

Burkhard Niehues

 Psychologischer Lifehack

Wirklich erstaunlich oft finde ich auf der Straße Eincentstücke, die ja bekanntlich Glück bringen. Da ich davon aber schon so viel habe, lasse ich sie meist liegen für Passanten, denen das Leben weniger freundlich gesonnen ist. Bei der Vorstellung, wie das gramgebeugte Mütterchen oder der trübsinnige Nerd hinter mir den kleinen Kupferling aufhebt und sich freut, wird mir jedes Mal ganz warm ums Herz! Das Beste daran ist jedoch, dass ich damit meine gute Tat des Tages getan habe und den Rest der Zeit ganz entspannt einfach das sein kann, was ich bin: ein egozentrisches Arschloch.

Katharina Greve

Vermischtes

Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURMax Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
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Das schreiben die anderen

  • 07.05.:

    Gerhard Henschel im Gespräch mit Kulturnews über "SoKo Fußballfieber" 

  • 05.05.:

    Über Stefan Gärtners "Terrorsprache" schreiben das Neue Deutschland und die Taz.

Titanic unterwegs
17.05.2021 Berlin, Berliner Ensemble Martin Sonneborn mit Gregor Gysi
29.05.2021 Radio, WDR 5 Ella Carina Werner
30.05.2021 München, Volkstheater Max Goldt