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Gärtners kritisches Vorweihnachtsfrühstück: Geschichten

Bildung ist ja immer auch Angabe, und eines meiner liebsten Angeberstücke ist, auf Gottfried Benns Einschätzung des damals noch recht neuen „Spiegels“ hinzuweisen, dieser sei eine „Revolverwochenschrift, aber unterhaltlich“ (an Oelze, 14.3.1950).
In dieser unterhaltlichen Revolverwochenschrift hat nun ein junger, gleichwohl bereits hochdekorierter Mann 14 gefälschte Reportagen veröffentlicht, an denen, schreibt der kommende Mit-Chefredakteur Fichtner, „vieles wohl erdacht, erfunden, gelogen“ ist, „Zitate, Orte, Szenen, vermeintliche Menschen aus Fleisch und Blut. Fake.“ Der Kollege habe „viele der Protagonisten nie getroffen oder gesprochen, von denen er erzählt und die er zitiert“. Vielmehr habe er sich aus zweiter Hand bedient und „Charakter-Collagen real existierender Figuren“ mit „fiktiver Biografie“ angefertigt. Außerdem erfand er Dialoge und Zitate.“ Der junge Mann hat alles zugeben und bereits seinen Schreibtisch geräumt, beim „Spiegel“, liest man, wird jetzt alles sehr gründlich aufgearbeitet.

Denn darauf ist der „Spiegel“ stolz, dass seine „Geschichten“ (FAZ) die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sind, und wenn das Publikum einst etwa erfahren durfte, bei der Kanzlerin gebe es „Kartoffelsuppe, wieder gibt es Kartoffelsuppe. Angela Merkel kocht gern selbst Kartoffelsuppe“ („Spiegel“ 48/2011), dann konnte es hundertprozentig darauf zählen, dass es bei Merkels immer wieder Kartoffelsuppe gibt und nicht immer wieder Kartoffelpuffer oder Linseneintopf. „Warum ich den ,Spiegel’ nicht mehr lese“ hieß mal ein TITANIC-Text von Robert Gernhardt, in dem er eine üblich alarmistische „Spiegel“-Seite über den Einzug von, glaube ich, Videorecordern in Indien zitierte, der, hieß es, dabei sei, das Land aus den Angeln zu heben, aber wenige Wochen später war Indien noch genau dasselbe Indien wie zuvor. Und alles nur so revolverwochenschriftlich aufgeblasener Quatsch gewesen wie die Reportage „Ein Kinderspiel“, in dem der junge „Spiegel“-Star einen Jungen ausfindig gemacht haben wollte, der überzeugt davon war, mit einem Jungenstreich den syrischen Bürgerkrieg ausgelöst zu haben. Für diese Schnurre gab es dann den Deutschen Reporterpreis 2018, und der ist jetzt natürlich futsch.

„... natürlich sind wir überhaupt nicht realistisch, sondern nur axiomatisch angelegt, nicht induktiv, sondern rein metaphorisch. Dies zu wissen ist ja einer der Angelpunkte unserer heutigen Existenz.“ Benn, 1949

Denn es sind ja heute alle wahnsinnig sensibilisiert, wegen Fake News und so, und deshalb darf eine gefühlige Reportage über den reinen Unsinn kein Unsinn sein, sondern muss den Realabgleich genauso aushalten wie die wildfremden, vollkommen austauschbare Meinungen vortragenden Menschen, die in den ZDF-Nachrichten immer mit vollem Namen vorkommen („Susi Fischer“, „Jamal Zappadong“), damit wir in München oder Mumbai überprüfen können, dass das nicht Statisten sind, obwohl sie eben das doch sind, in jener Sparte Fernsehunterhaltung, die als „News“ firmiert. Die „Stücke“ im „Spiegel“ sind „Geschichten“ gerade in dem Sinne, dass sie Journalismus als Unterhaltungsliteratur inszenieren, und wenn sie gelungen sind, haben wir eine unterhaltliche Geschichte gelesen, die sich den Stoff zu ihren Bedingungen zurichtet. (Die falschen Geschichten hätten „etwas Tröstendes“ gehabt, sagt der Kollege, der ihn enttarnt hat. „Es ist totaler Zeitgeist. Die Reportage hat sich in den letzten Jahren massiv Richtung Kurzgeschichte, Richtung Literatur entwickelt“, und Fakten an der falschen Stelle zerstörten „den ganzen Mood“.) Den Journalistenpreis gibt es für die „Schreibe“, die Aufbereitung, die nicht ganz zufällig das Epitheton „süffig“ heischt, und nicht dafür, ein Illustriertenpublikum irgend klüger gemacht zu haben. „Eigentlich ist es inhaltlich viel Lärm um Nichts u. allein dieses Betonen u. Hinweisen auf dieses Nichts ist interessant“ (Benn an Oelze, 7.7.52).

„Weihnachten – oh schreckliches Wort!“ Ders., 1952

Und jetzt steht einer da und bekennt, er habe Angst vorm Scheitern gehabt, und im Kollegium, weiß die „SZ“, die auch den Enthüller interviewt hat, herrscht deshalb sogar Mitgefühl. Journalismus ist ein Geschäft, man muss verkaufen, was man hat. Hat man nichts oder zuwenig, muss es der Leerverkauf richten, der beim „Spiegel“, diesem „wöchentlich platzenden Wechsel auf ein Stück publizistische Aufklärung“ (Gremliza ganz früher schon), doch eigentlich zuhause ist. Dass einer drüber stolpert, ist Ironie, vielleicht gar Tragik, denn dass Journalismus nichts als die Wahrheit ist, stimmt gerade dann, wenn es nicht stimmt.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Yin und Yang

Es ist ja gottlob immer alles Yin und Yang, und einerseits sind vormittags um elf auf der Post zwei von sechs Schaltern besetzt und reicht die Schlange bis auf die Straße (Pech), andererseits steht der Irre, der seinen ihm wildfremden Hintermann mit unerbetenen Geschichten über den besten Freund in Hameln und Geldanweisungen nach Indien beharkt, nicht wieder mal vor mir (Glück); und freilich ist es zwar Pech, dass während der halben Stunde, die ich mir die Beine in den Bauch stehe, hinter mir zwei unablässig quasseln, aber wiederum Glück, dass sie es auf eine Weise tun, die mir in meine Kolumne helfen.

Die Frau ist, wie sie später ungefragt mitteilen wird, 57, praktisch und sehr grau angezogen, hat eine Strähnchenfrisur und sich an der Schlange vorbei an einen Schalter begeben, um etwas in Erfahrung zu bringen, und mein Hintermann, vielleicht Anfang Dreißig, aber bestimmt eher auf der Schattenseite zuhause, ist damit nicht einverstanden. Die Frau sagt, sie sei aus Badenstedt und kenne sich hier nicht aus. Der Mann sagt (sinngemäß), die Post in Badenstedt sei ja wohl auch nicht anders als diese hier, und vorgedrängelt sei vorgedrängelt. Die Frau sagt, sie habe doch nur etwas fragen wollen, und sie habe doch auch erst ihn gefragt, habe sich aber hernach immer noch nicht ausgekannt, und deshalb sei sie vorausgegangen; der Mann antwortet, es gebe Fragen, die verdienten keine Antwort. Einerseits freue ich mich ja Tag für Tag über die lokale Freundlichkeit (keine Ironie), andererseits ist mir die Frau in ihrer aufdringlichen Geschwätzigkeit zuwider, und ich muss bereits aushalten, dass ein Monitor in Sichtweite „Eva Padbergs Baby-News“ bereithält.

„Nie darf der Fisch / Hinauf aus seinem Grunde steigen. / Des Landes wirksamstes Gerät / Darf man den Menschen nicht zeigen.“ Lao-tse, ca. 300 v.u.Z.

Das Interessante ist nun, dass der Mann und die Frau sich auf einmal vertragen, weil der Mann aus einem Grund, den ich nicht mitbekommen habe, „Hartz-IV-Empfänger“ sagt und sich beide einig sind, dass es so nicht weitergehen kann, weil alles im Arsch ist und so gut wie nichts mehr nachzuvollziehen. Der Mann, höre ich recht, war selbst einmal auf Hartz und sagt (erkennt), dass wir alle verarscht werden und Marionetten sind. Die Frau ist einverstanden, weil sie, wie alle anderen Deutschen, nichts gegen Ausländer hat, aber findet, dass die sich überall vordrängeln (!), aber sagen dürfe man nichts, und ihre Nachbarn seien Russlanddeutsche, und deren Sohn sei immer betrunken und schmiere Kot an die Wände, und immer müsse die Polizei kommen, und zwar von Steuergeld. Der Mann sagt, manche Leute seien krank, und er meint nicht verrückt oder abartig, er meint: krank/therapiebedürftig, und besteht darauf, dass es auf den jeweiligen Fall ankommt. Die Frau stimmt erst zu, lässt aber einen Satz folgen, in dem „Kindergeld“, „eins nach dem anderen“ und „schönes Leben machen“ vorkommen, und wenn Merkel sage, dass wir das schafften, dann wolle sie, die Frau, den Fernseher eintreten. Der Mann sagt, wir seien alle Menschen, und es sei eine Frage der Erziehung, was man vom anderen, Fremden denke, die Leute würden ja mit Absicht dumm gehalten, und die Frau tritt auch gleich den Beweis an. Dann kann ich gehen.

„Es durfte der Mensch nicht so gedemütigt werden. Wilhelm Genazino, 1977

Mein Morgenblatt lesen sie garantiert beide nicht (sie bringen Strasbourg mit den Gelbwesten durcheinander), aber für die, die es tun, gibt’s natürlich ebenfalls ein Angebot. Auf Seite 2 hat der Elsässer Attentäter „eine schwierige Biographie, wie sie häufig vorkommt in ärmeren Vororten Straßburgs. C., 1989 geboren, ist mit sechs Geschwistern aufgewachsen, die Schule hat er besucht, bis er 16 Jahre alt war. Dann folgte die Arbeitslosigkeit“, dann die Kleinkriminalität, dann der Knast. „Mit einem solchen Lebensweg fällt Chérif C. Genau in die Zielgruppe, aus der Islamisten gern Attentäter rekrutieren.“ Auf der Meinungsseite 4 ist nur mehr davon die Rede, Täter seien „immer öfter Kleinkriminelle, … Männer, die noch jung sind, aber ihr Leben schon als gescheitert betrachten; Typen, die man unter anderen Umständen vielleicht Amokläufer nennen würde; Gewalttäter, die oft einfach eine Ausrede suchen“, denn die Dinge sind oft einfach, ob für die Frau ohne Abitur aus Badenstedt oder den Ronen Steinke, der sogar auf der Uni war. Der einzige Unterschied ist, dass die einen dumm sind und die anderen dumm halten.

Es ist halt, Gott sei’s geklagt, immer alles Yin und Yang. (Ausnahme: der Politikteil der FAZ, der ist bloß Yang.)

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Neues aus der Haustadt

Diese Kolumne trägt ja den stillen Untertitel „Aus Deutschland und aller Welt“, und deshalb hier eine hübsche Posse aus den USA. Der Bürgermeister einer kleinen Universitätsstadt im Mittleren Westen gibt ein Interview und erklärt, er finde New York ganz furchtbar: Es sei ihm da zu laut und zu voll, in der U-Bahn rieche es, auch habe er da Obdachlose und Drogenkranke gesehen, und vieles sei kaputt. Schrecklich! Kaum wird das Interview bekannt, stürzt sich die gesamte New Yorker Presse …

Nein, Schluss, das ist so abwegig, dass es mir nicht einmal Spaß macht, diese Annahme als Witz auszuformulieren, der auch dann nur ein schlechter ist, wenn er gar keiner ist. Der Tübinger OB-Esel Palmer hat in einem Interview mitgeteilt, Berlin liege aus seiner Sicht nicht mehr im „funktionierenden Teil Deutschlands“, und weil Palmer so ein wichtiger Mensch ist und das Berliner Überlegenheitsgefühl so unerschütterlich, war, ich folge hier der Zusammenfassung der „Süddeutschen Zeitung“, presse- und twitterseits kein Halten mehr: „Wenn Du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst Du woanders die Kehrwoche zelebrieren“, meldete Palmers Parteikollegin und Wirtschafts- und Energiesenatorin mit dem schön berlinisch klingenden Namen Ramona Pop; der Regierende Bürgermeister Müller fühlte sich zu dem Hinweis verpflichtet, Berlin sei eine Vier-Millionen-Stadt („Wie oft soll ich’s sagen?“), die nun einmal ihre Probleme habe; die „Berliner Zeitung“ schrieb an den „lieben Boris Palmer“: „Was diese Stadt 40 Jahre ausgehalten und nach der Wende geleistet hat, ist außerordentlich, bis heute.“ Die „Morgenpost“ unterzog ihre Heimat sofort einem Faktencheck („Boris Palmer behauptet, dass in der Hauptstadt nichts funktioniert: Stimmt das?“), die „Taz“, die, wird’s dumm, natürlich keinesfalls fehlen will, empfahl dem schwäbischen Alternativ-Grünen: „... dann geh doch nach Paris!“ Der „Tagesspiegel“ gab eine fügliche „Antwort aus der Hauptstadt“ und frug Palmer, der aus derselben Ecke Deutschlands wie die Hälfte der Berliner Stadtbevölkerung stammt: „Spricht daraus am Ende die enttäuschte Liebe eines Freigeistes, der dem kleingeistigen Muff seiner Heimat gerne schon mit 18 nach Berlin entflohen wäre …?“ und stand nicht an, aus der Nichtigkeit eine Titelseite zu basteln, darauf ein Sektorengrenzenschild: „Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands.“

„Berlin vereint die Nachteile einer amerikanischen Großstadt mit denen einer deutschen Provinzstadt. Seine Vorzüge stehen im Baedeker.“ Tucholsky, 1919

„Das ist dümmer, als nötig wäre“ (K. Kraus, Wien), und dass die spezifische deutsche „Hauptstadt“-Liebe Teil des nationalen Großdefekts ist, der in der Identifikation mit dem Oben, dem Zentrum, der Macht besteht, ist gelegentlich vermutet worden, und zwar, sehe ich recht, von mir, wobei, Moment, die Zürcher „Wochenzeitung“ es ebenfalls gemerkt hat: „Klügere Völker begegnen ihren Metropolen ja mit Skepsis, und die Nichtpariser Franzosen hassen Paris, wie die Nichtzürcher Schweizerinnen Zürich hassen, denn da sitzen, wie in jeder Zentrale, die Macht und die Arroganz. Zu Berlin sind der deutschen Illustrierten ,Stern’ hingegen innert drei Jahren die Jahrhundert-Titelzeilen ,Die Magie unserer Hauptstadt’ und ,Die coolste Hauptstadt der Welt’ eingefallen, weil in Deutschland alles Gute stets von oben kommt, und oben, das war Berlin, ist Berlin, bleibt Berlin.“ Und das war halt ebenfalls von mir. Muss man denn immer alles selber machen?

Kein Zweifel, dass aus derlei die enttäuschte Liebe eines Freigeistes spricht, der, statt dem kleingeistigen Muff seiner Heimat mit 18 nach Berlin zu entfliehen, lieber sein linksrheinisches Studentenappartement gestaubsaugt hat. Kein Zweifel aber auch, dass die Aufregung über ausgerechnet diesen Vorwurf, nämlich nicht zu funktionieren, kaputt zu sein, gar deviant, nicht Metropole, Vielfalt, Tempo indiziert, sondern jene Kehrwoche im Kopf, die im Vaterland überall dieselbe ist. (Ausnahme: Hannover. Hier ist schon auf der Straße keine.)

PS: Das Gegenteil von Kehrwoche und aktuell wie nie: Das Buch zur (Noch-)Kanzlerin und ehem. CDU-Chefin! Jetzt schenken (aber bitte über den lokalen Buchhandel)!

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Von Vorteil

Wer Kinder hat, weiß, dass das einzige, was noch schlechter ist als zuwenig Schlaf, unterbrochener Schlaf ist. Sechs Stunden am Stück, meinetwegen, aber wenn wegen irgendwelcher Verdauungsinfekte die Stunden zwischen drei und fünf fehlen, ist es geradezu unverantwortlich, nächsten Tags eine Kolumne zu verfassen. Von Stadtbus fahren oder Herzen transplantieren mal zu schweigen.

Trotzdem wird’s, darf man annehmen, gemacht, weil man muss, während andere Sachen auch ausgeschlafen gemacht werden, weil man’s kann, und ob das eine unverantwortlicher ist als das andere, ist eine unausgeschlafene Frage wert. In China hat ein Wissenschaftler erstmals Menschen genetisch verändert, ein Zwillingspärchen, das, sein Vater ist HIV-positiv, nun HIV-immun sein soll, und das ist, finden die meisten, unverantwortlich und ein Eingriff in die Evolution. Ein paar Tage früher hat die deutsche sog. Staatsministerin für Evolution, halt: Digitalisierung (normalerweise mach’ ich derlei, weil ich’s für lustig halte, diesmal war’s ecriture automatique), nachdem ihre Kollegin vom Forschungsressort ein sog. 5G-Handynetz für im ländlichen Raum nicht vordringlich gehalten hatte, mitgeteilt, im Gegenteil müsse „jede Ackerfurche vernetzt“ werden. Nun weiß man aber, dass es die höchsttechnisierte Landwirtschaft ist, der kein Unkraut und kein Strauch mehr auskommt, die also satellitengestützt jene Nischen ausräumt, die Insekten und Vögel lebensnotwendig benötigen. Sterben die aus, ist das was? Vielleicht ein Eingriff in die Evolution?

Wer nicht gerade Anti-Speziezistin ist, wird trotzdem finden, dass es beim Menschen nun aber aufhöre mit dem Eingreifen, und das Morgenblatt berichtet, außer dem chinesischen Doktor hätten nun alle entsetzliche Bauchschmerzen und sähen im Traum gar Adolf Hitler. Nun hat man diese Genschere aber doch entwickelt, und natürlich will dann irgendwann einer der erste sein, der sie am Objekt ausprobiert. Alle rufen sie jetzt nach Regeln und Vorschriften mit auch internationaler Gültigkeit, aber die wird es sowenig geben wie eine Welt ohne Steueroasen. In dieser Welt gilt nämlich das Vorteilsprinzip, und ob man seinen Vorteil jetzt bloß nutzen kann oder aber nutzen muss, ist unserer Eingangsfrage eng verwandt.

„Rationalität / klar übern Markt gesteuert / Produzenten und Produkte / die Gewinne weisen aus / was läuft und was verschwinden muss / einfach ist das / deutlich / jeder muss das einsehn“ Degenhardt, 1977 

Nichts jedenfalls liegt dem umfänglich waltenden Gesellschaftsprinzip querer als die Idee der Selbstbeschränkung oder Selbstverpflichtung, und kein Gesetz der Welt wird verhindern, dass sich die, die sich’s leisten können, irgendwann und irgendwo gegen bar diese oder jene Veranlagung herausschneiden oder eine andere implantieren lassen, und weil die, die das Schneiden beherrschen, das wissen, werden sie ihr Handwerk zur Anwendbarkeit hin entwickeln. (Das muss nicht mal aus Geldgier sein, wissenschaftliche Neugier reicht.) Es gibt eine Nachfrage, also wird es ein Angebot geben, und das Angebot wird die Nachfrage stimulieren.

Der Einwand sei nicht mit genereller Technikfeindschaft verwechselt. Eine Gesellschaft der Freien und Gleichen kann sich ebenso entschließen, dass es Mukoviszidose, Krebs oder Parkinson sowenig mehr zu geben bräuchte wie die Pocken, die ausgerottet zu haben ja ebenfalls ein Eingriff in die Evolution ist. Aber vielleicht müsste da, wo das Vorteilsprinzip außer Kraft gesetzt wäre, niemand mehr Angst vor Designerbabys oder Übermenschen haben, denn die Angst davor ist ja bloß die Angst, noch einmal und immer wieder kürzer zu kommen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Besser als je zuvor

„Rekord bei Treibhausgasen“, meldet dasselbe Morgenblatt, aus dem die Reklamebeilage „Australiens wilde Seiten“ herausfällt, auf deren Rückseite ich die „Singapore Airlines Premium Economy Class“ beworben finde, und mehr ist dazu nicht zu sagen, Thema durch oder jedenfalls fast; denn im selben Blatt prangt die Anzeige für „Hörzu Wissen“: „Klimaerwärmung, Flutkatastrophen, Waldbrände: Wann bringt uns die Erde um?“

Dieses Miststück; dabei sind wir doch so gut zu ihr und bemühen uns, ihr nah und immer näher zu sein, indem wir uns als Naturwesen fühlen bzw. Outdoor-Trottel kleiden und, kriegen wir eine „Auto-Bild“ in die Finger, mit Redakteur Stefan Voswinkel zu einhundert Prozent einer Meinung sind: „Diese neuen SUV-Modelle werden den Abstand von VW zu den Konkurrenten verringern. Der kompakte T-Cross passt perfekt ins Leben, der I.D. Crozz löst die E-Probleme, das T-Roc Cabrio werden Fans des offenen Golf lieben. Und der Tiguan wird besser als je zuvor.“

Hätte sich nicht neulich erst ein „Streiflicht“ darüber beschwert, dass „... hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ zur Phrase werde, ich müsste finden, dass der Erwerb, Besitz und Betrieb von etwas, das nicht nur T-Roc oder I.D. Crozz heißt, sondern auch genau so aussieht, diese Formulierung durchaus erzwingt; und wie bestellt latschen wir, sehr ausnahmsweise auf dem Weg zu einem Auto, das noch „Passat“ heißt, an einem noch viel älteren vorbei, das „Scirocco“ heißt, und hießen Volkswagen früher wie der warme Wind, wie eine Sehnsucht, klingen sie heute nach einem bitterkalten und passen perfekt ins Leben von Leuten, die, haben sie eine National Geographic-Doku übers Universum, über Supernovae und Sternenkollisionen zu betexten, unablässig und in exemplarischer Projektion von „Gewalt“, ja „Brutalität“ faseln.

„In was für einer Sch... wir herumwaten, mein Gott!“ Flaubert, 1859

Und landet der Faktenchecker googelnd beim Schweizer „Blick“, geht es gleich gewaltsam weiter:  „Video von National Geographic sorgt für Hype um Rhätische Bahn. Nach dem Gasthaus Aescher kommt dank ,National Geographic’ eine neue Schweizer Sehenswürdigkeit zu weltweiter Bekanntheit. Für einen Ansturm ist die Rhätische Bahn gewappnet. Was es zur Folge haben kann, wenn ,National Geographic’ über herausragende Sehenswürdigkeiten berichtet, haben die ehemaligen Wirte des Bergrestaurants Aescher erfahren müssen. Nachdem es ihre Beiz aufs Cover des weltweit bekannten Fachmagazins geschafft hatte, war der Hype nicht mehr aufzuhalten. Der Ansturm wurde zu groß, die Aescher-Betreiber warfen entnervt das Handtuch“. – „Das Publikum wird mir immer unverständlicher; ich begreife überhaupt nichts mehr“ (Gustave Flaubert, Brief v. 20.8.1866), aber nicht einmal das stimmt: „Es gibt einen Fundus an Dummheit in der Menschheit, der ebenso ewig ist wie die Menschheit selbst. Unterricht für das Volk und Sittlichkeit der armen Klassen sind, glaube ich, Dinge der Zukunft. Doch die Intelligenz der Massen bestreite ich, was immer auch kommen mag, eben weil sie immer Massen sein werden“ (23.1.1866) und weil die, deren Macht auf der Masse beruht, den Menschen als Masse brauchen und Unterricht und Sittlichkeit entsprechend einrichten.  

Dass in Zukunft „wieder mehr übers Erwirtschaften als übers Verteilen“ zu reden sei, hat die BDI- bzw. CDU-Politikerin Kramp-Karrenbauer mitgeteilt. Wenn ich jetzt evendöll Anarchist werde, dann soll sie sich nicht wundern.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Zeitung für Deutsche

Udo Tellmann, befreiter DDR-Bildungsbürger, Buchpreisträger („Turmel aus dem Eis“) und Kämpfer wider den linken Moralmainstream, hat sich im Edelnazi-Periodikum „Sezession“ als Innenarchitekturkritiker hervorgetan und, in Reaktion auf die „Erklärung der vielen“, den deutschen „Gesinnungskorridor“ verurteilt, und die FAZ, die auch als FAZ.net will, dass es rechts von Altenbockum nichts gebe, hat die Grazie besessen, das von einem Volontär abbügeln zu lassen: „Auch wiederholt Tellkamp seine Kritik an der Flüchtlingspolitik. Die Kultur Deutschlands werde preisgegeben, sollte die Einwanderung weiterhin so hoch bleiben wie aktuell. Dass diese seit 2015 stark zurückgegangen ist, will er nicht glauben. Im Grunde genommen alles beim Alten also. Tellkamp nutzt die Meinungsfreiheit aus, kommt trotz des vermeintlichen Gesinnungskorridors zu Wort – und wird auch zitiert, sogar von den klassischen Medien.“

In Zeiten der Pressekrise ist es wichtig, auf sein Publikum zählen zu können, und sehen wir in die Kommentarspalte, muss der FAZ da nicht bang sein (Lesbarkeit durch Verf. hergestellt): „Höchst wichtiger Protest eines namhaften Kulturträgers … U. Tellkamp hat recht … linksgerichtete Deutungshoheit … Dass ein Gesinnungskorridor existiert, errichtet von den Mainstream-Medien und u.a. von ,Kulturschaffenden’ und deren Dunstkreis, sollte bei nüchterner Betrachtung unstrittig sein … Uwe Tellkamp ist ein Aufrechter, ein Kämpfer, eine ehrliche Haut. Er steht dem ,fucking mainstream’ entgegen, weil er Format und Stil hat und dieser ganzen Sülze die Akzeptanz verweigert … Tellkamp hat in allem recht, sowohl sachlich als auch intellektuell … Der Mann verdient Respekt. Sich im neuen, anti-nationalen, kosmopolitischen Deutschland als politisch Rechter zu outen, dazu gehört beachtliche Zivilcourage … Tellkamp kann man in allen Punkten nur zustimmen. Dass gerade diejenigen, die die ,Vielfalt’ und ,Buntheit’ wie eine Monstranz vor sich hertragen, jeden in die Ecke stellen, der eine andere Meinung hat als sie selbst, ist schlicht beschämend. ,Meinungsvielfalt’ ist in diesem ,Vielfalts’-Begriff offenbar explizit nicht vorgesehen, bzw. nur für die, die FÜR Massen-Migration sind … Alles, was auch nur halbwegs nach AfD aussieht, wird außerhalb des noch Diskussionswürdigen gestellt … Klima der Gesinnungsnötigung von links ... Ihr alle, die es wagt, sich zu einer anderen politischen Überzeugung zu bekennen: Lasst alle Hoffnung fahren, wenn selbst die FAZ sich mit solchen Artikeln gegen Euch stellt!“

„Der Weg zur Verwandlung des Innen führt über das verwandelte Außen.“ Hacks, 1965

Selbst die FAZ hält aber bekanntlich ein Feuilleton, das dem Kosmopolitismus nicht vollends ablehnend gegenübersteht, und sich zweierlei Bourgeoisie warm: Die Generäle a.D., Rechtsprofessoren und Fabrikanten auf der einen und die Citoyens auf der anderen Seite, die jenes sog. bessere Deutschland verkörpern möchten, von dem auch die Fabrikanten so schön profitieren. Die Irren aus der Kommentarspalte („Vulgärmarxistische, ,autonome’, kommunistische etc. pp. Kreise dagegen genießen jede denkbare Wertschätzung; niemand grenzt sich davon ab“) sind also bloß das Komplement zum liberalen Volontär und dasselbe Kaliber, das früher dankbar war, wenn Johann Georg Reißmüller den Nazi Waldheim gegen die Juden in Schutz nahm.

Der FAZ müssen die Beiträge nicht peinlich sein. Sie sind sehr nützlich, lassen sich doch Meinungen, die von der eigenen vielleicht nur graduell abweichen, aggregieren und als (noch) deviant, aber möglich verkaufen, was seinen Charme hat in Zeiten, wo die politische Redaktion, trotz Homophobie und Ablehnung des Verbotsstaats, noch keinen Grund hat, Trump und Orbán gut finden zu müssen; und um so besser fürs plurale Profil, wenn inmitten von Projektion, plemplem und Paranoia sich einzelne Stimmen finden, deren Besitzern das Pudern mit dem Klammerbeutel erspart geblieben ist: „[Tellkamps Ruhm verdankt sich] weniger der Meisterschaft seines preisgekrönten Romans ,Der Turm’ … als seinem dort ausgebreiteten Narrativ der Spät-DDR, das der gängigen Vorstellung im siegreichen Westen entsprach, also ein ideologisches Bedürfnis befriedigte. Hätte er es bereits damals beim ,reinen Literatentum’ ohne Rücksicht auf geistige Marktförmigkeit belassen, hätte wohl kein Feuilleton-Hahn nach ihm gekräht. In die ,traurige Gesellschaft’ musste sich Tellkamp nicht erst hineinbegeben: Das war schon immer sein Zuhause.“

Was zu beweisen war. 

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Büro, Büro

Es ist ja gar nicht so, dass alles nur dumm wäre, und man darf und soll ruhig Augen und Ohren offen halten für das Schöne, ja Numinose, das im Kot des Alltags um so tröstlicher leuchtet.

Ob sie „bereit und auch willens“ wäre, Kanzlerin zu werden, frug Slomkas Marietta Annegret Kramp-Karrenbauer am 7.11. d.J. im Heute-Journal, und Annegret Kramp-Karrenbauer sagte nicht einfach ja. Sie sagte: „Also wenn man sich um den Vorsitz der CDU Deutschlands, der größten Volkspartei in Deutschland bewirbt, dann ist das natürlich explizit immer auch sozusagen mit der Tatsache verknüpft, dass man eines Tages in diese Rolle kommen kann. Aber, in Deutschland ist es so und das ist richtig so, es entscheidet der Wähler, es entscheidet die Wählerin, darüber, wer Kanzlerin oder wer Kanzler wird. Die Aufgabe einer Parteivorsitzenden ist es, gemeinsam mit den Verantwortlichen dafür sorgen, dass die Partei inhaltlich, organisatorisch, personell so aufgestellt ist, dass sie, wann immer Neuwahlen sind, mit wem immer Neuwahlen sind, ein so gutes Ergebnis erreicht, dass sie überhaupt in die Verlegenheit kommt, über eine Nachfolge von Angela Merkel dann nachzudenken.“

Eigentlich sind ja alle drei spitze: Merz, weil er das hässliche Gesicht des Kapitalismus ist und es wirklich interessant wäre zu sehen, wie ein Alphamann aus der altbundesrepublikanischen Mottenkiste den postdemokratischen, vertwitterten Laden auf Trab bringt; Spahn, weil das Gruselmonster Spahn als Kanzler so was wunderbar Wahnsinniges wäre; und eben „AKK“, weil sie Merkel ohne deren ästhetische Qualitäten ist, also gar nichts.

„Dann heirat’ doch dein Büro, / dann heirat’ doch dein Büro / stell dir ein Bett dort hinein / und schlaf mit Akten und Computern ein“ Katja Ebstein, 1980

Merkel hätte in ähnlicher Situation auch nicht einfach ja gesagt. Sie hat vermutlich außerhalb eines Standesamts noch niemals einfach ja gesagt; sie hätte vermutlich begonnen mit „Dazu muss man wissen“ oder, jovial, „Ach, wissen Sie“, und dann wäre es womöglich gleichfalls weitergegangen mit etwas, was immer auch sozusagen mit der Tatsache verknüpft ist. Aber man hätte seinen Spaß daran haben können, so wie man an Lübke (gemeinerweise) seinen Spaß haben konnte. Merkel war, wie Kohl, der trost- und gnadenreiche Ausblick ins Vorsprachlich-Naturhafte, ins Kalmierend-Erlöse letztlicher Sinnzersetzung, war schopenhauerhafte Weltüberwindung in der Suspendierung des Erkenntnisvermögens; oder wenigstens Bachtinscher Karneval. Was AKKs Sprechwerkzeuge produzieren, ist bloß und immer noch Mitteilung, und zwar bürokratische, ist das Aufsagen als Nichtsagen, Unnatur im Subjekt, eine Materialschlacht ums Minimum.

Merkel, das war in den besten Momenten Dada, war De- als Rekonstruktion; AKK, die tatsächlich als Paraphe geführt werden will, ist die ewige Wiedervorlage und die Widerlegung der strukturalistischen Idee, dass Bedeutung sich aus dem ergibt, was notwendig ungesagt bleibt. Denn nichts bleibt ungesagt, wenn soviel mehr gesagt wird, als nötig wäre, und nichts falscher, als auch hier den Kleistschen Gliedermann zu sehen, dessen Bewusstlosigkeit jenes Paradies ist, aus dem uns Merkel huldvoll winkte. Der Marionette eignet ja noch Menschliches, indem keine ihrer Bewegungen genau absehbar und, mäße man nur ganz genau, sogar einzigartig ist. AKK dagegen ist das, von dem man weiß, dass es kommt, und dann kommt’s.

Falls nicht doch eher Merz kommt.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Bei Fuß, »Dogs«-Autorin Yvonne Adamek!

Sie haben fürs nötigste aller Wartezimmermagazine nachhaltiges Leben mit Hund ausprobiert und festgestellt, dass die Häufchentüten aus Plaste sind: »Es ist ein Teufelskreis. Entweder Scheiße am Schuh oder ein scheißschlechtes Gewissen.«

Diese Entweder-oder-Teufelskreise sind tatsächlich die schlimmsten, noch schlimmer als etwa dieser hier: Doof sein, »Dogs«-Autorin werden, doof bleiben.

Wuff! Titanic

 Und dann, »Welt online«,

wird einem klar, dass keine News-Seite so mittendrin im Ereignisfluss steht wie Du, wie schon die Titel Deiner Texte hinreichend klarmachen: »Und dann lockt der AfD-Chef die CDU mit der bürgerlichen Mehrheit«; »Und dann macht Senftleben AfD-Mann Kalbitz eine deutliche Ansage«; »Und dann fahren die Belgrad-Fans einen Panzer vor«; »Und dann sagt Boris Johnson in gebrochenem Deutsch ›Wir schaffen das‹«; »Und dann verrät Stoiber, warum Hoeneß geht«; »Und dann hat er es ›vermasselt‹« usw. usf.

Und dann scrollt der Leser unwillig über die Seite und kriegt höllische Kopfschmerzen. Und dann macht er plötzlich eine deutliche Ansage. Und dann sagt er in sehr klarer Sprache: »Was für eine Scheiße!« Und dann surft er für immer davon. Und dann geht die »Welt« plötzlich pleite. Und dann verrät Friede Springer, warum Poschardt gehen muss. Und dann hat er es schon wieder »vermasselt«.

Und dann sagt zum Abschied leise Servus: Titanic

 Guter alter Peter Maffay!

Guter alter Peter Maffay!

Pünktlich zum 70. Geburtstag und einer neuen Platte durfte die Presse Ihre Weisheiten verbreiten: »Ich habe keine Angst vorm Alter und finde, jede Falte in meinem Gesicht ist eine Erzählung aus meinem Leben.«

Nun, wie sollen wir es sagen? Vielleicht ist es Ihnen beim Blick in den Spiegel ja auch schon mal aufgefallen: Viel Platz für neue Erzählungen ist da nicht mehr. Die Konsequenzen allerdings müssen jetzt Sie ziehen.

Von Jubilarin zu Jubilar: Titanic

 Detective Reinhard Müller (FAZ)!

»Sind deutsche Unternehmen kriminell?« fragten Sie neulich in einem Artikel über Justizministerin Christine Lambrechts Gesetzesentwurf, weil nun auch Unternehmen strafrechtlich haftbar gemacht werden sollen. Und wir glauben, Sie sind da einer ganz brisanten Sache auf der Spur. Bleiben Sie dran!

Ihre Whistleblower von Titanic

 Fühlst Du Dich eigentlich verarscht, Bayerisches Oberstes Landesgericht?

Weil die Umwelthilfe anno 2012 durchgesetzt hat, dass zum Zwecke der Luftreinhaltung Dieselfahrverbote in München verhängt werden müssen, die CSU dieses seit 2014 rechtskräftige Urteil aber nicht umsetzt, verhängtest Du zur Strafe Zwangsgelder gegen den Freistaat Bayern. Doch nicht einmal das brachte die Regierung zum Einlenken. Was vielleicht auch daran liegt, dass, wie wir in der »Neuen Osnabrücker Zeitung« lasen, ein Zwangsgeld in diesem Fall eine »Überweisung eines Betrages von einer Buchungsstelle des Staatshaushaltes zu einer anderen Buchungsstelle« ist. Söder und Konsorten zahlen die Strafen also an sich selbst.

Versteht jetzt immerhin, warum die Umwelthilfe auf Beugehaft pocht: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Grenzkontrolle

Ich kam spätabends auf dem Rückweg von meinem Portugal-Urlaub an der spanisch-französischen Grenze in eine Verkehrskontrolle. Routiniert fragte die streng aussehende Polizistin: »Do you take more than 10 000 Euro with you?« Ich musste lachen, sie war sichtlich irritiert, leuchtete mit ihrer Taschenlampe zuerst in mein Auto, darauf in mein Gesicht, musterte mich und fing auch an zu lachen.

Till Dejon

 Phrase, auf ihre Alltagstauglichkeit hin geprüft

Licht am Ende des Tunnels zu sehen bedeutet nicht, dass es draußen nicht wie aus Eimern schüttet.

Tibor Rácskai

 Am Puls der Zeit

Gehen Partner oder Elternteile, die unter dem Vorwand einer schnellen Erledigung vor die Tür treten, um dann nie wiederzukommen, ihre Familie also spontan verlassen, heutzutage eigentlich nur mal schnell »Sojamilch holen« oder »Vape Liquid« kaufen?

Fabian Eggers

 Mensch vs. Material

Wenn man sich schon beim Auspacken des neuen Brotmessers mit ebendiesem in die Hand säbelt, zeugt das dann von der eigenen Blödheit oder von der Qualität des Messers?

Dorthe Landschulz

 Die Hausgeburt Satans

Genre-Idee: Comeback des Horror-Exorzismus-Klamauks, diesmal im Ökoelternmilieu spielend, Titel des ersten Films siehe oben.

Julia Mateus

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 18.10.:

    Das Onlineradio "detektor.fm" spricht mit Moritz Hürtgen über seinen Gedichtband "Angst vor Lyrik", WDR3 rezensiert das dazugehörige Hörbuch.

Titanic unterwegs
23.10.2019 Kassel, Schlachthof Max Goldt
23.10.2019 Oldenburg, Theater Laboratorium Bernd Eilert: »Eckermann und sein Goethe«
24.10.2019 Oldenburg, Theater Laboratorium Bernd Eilert: »Eckermann und sein Goethe«
24.10.2019 Soest, Alter Schlachthof Max Goldt