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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Aus der Mitte entspringt der Stuss

Ich werde ja mählich kurios, und also bekomme ich Angst vor Urlaubsgrüßen, weil sie in den meisten Fällen von sehr weit herkommen, selbst in den Herbstferien. Erstens ist es deprimierend, dass allen alles wurscht ist, ja weite Teile der Welt erst richtig anfangen und loslegen, zweitens muss man sich zum Urlaubsgruß ja verhalten, gerade dem elektronischen, und so sinnlos eine Diskussion ums Reiseverhalten generell ist, so ist sie es via Chat erst recht.

Überdies würde man damit unweigerlich zu jenem Verbotsfaschisten, den der unermessliche Hilmar („Romancier“) Klute in seiner SZ an den Pranger gestellt hat. Klute ist gegens Extreme von rechts und links, was im Zusammenhang bedeutet: gegen Leute, die Renate Künast Fotze schimpfen, als auch gegen die, die der Überzeugung sind, „dass Liberalität am besten durch Verbote und Weisungen zu verteidigen sei“. Kommen, gähn, natürlich die „streberhaften“ Fans sprachlicher „Normierung“ – als wäre der Klute, indem er auf dem generischen Maskulinum besteht, nicht selbst einer und als sei seine „Süddeutsche“ nicht Tag für Tag massiv (sic) dabei, wenn es um darum geht, die Normen nach unten zu prügeln – und die übrigen Moralinskis, vertreten etwa durch G. Thunberg, die vor der UN-Vollversammlung mit den Tränen kämpft, was dem Antiextremisten Klute nicht Ausdruck von Verzweiflung ist, sondern peinlich. „Vor einiger Zeit durfte man noch darauf vertrauen, dass die Leute gewisse Dinge selbständig regeln. Die Raucher fanden ihren Freiraum vor der Kneipentür, die Hundebesitzer zückten schon die Plastiktüte, wenn der Hund um einen Baum strich, und das teure Carsharing machte viele Städter zu Gelegenheitsautofahrern. Das alles reicht nicht mehr aus, jetzt geht es immer gleich ums Ganze. Denn der Wallungswert bei unkorrektem Allgemeinverhalten ist erheblich gestiegen, das Vertrauen in die sich selbst zügelnde Zivilgesellschaft ist dem Wunsch nach mehr staatlicher Regulierung gewichen.“

„In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod.“ Friedrich von Logau, 1654

Die sich selbst wunderbar zügelnde Zivilgesellschaft hat derweil das Phänomen des sog. Littering geboren, dass Leute nämlich ihren Müll mit voller Absicht in die Gegend schmeißen, und darauf zu vertrauen, dass Herrchen und Frauchen die Scheiße ihrer Köter vom Gehsteig holen, ist in meinem Viertel nichts als naiv. Die Raucher finden ihren Freiraum erst vor der Kneipentür, seit sie drinnen nicht mehr rauchen dürfen, es sei denn in der Raucherkneipe, was den Konflikt grosso modo beigelegt hat, so wie Genderist*innen und Verweigerer eigentlich ganz gut nebeneinander her leben, mitunter im selben Blatt; man könnte es fast für Liberalität halten.

Aber „schmallippige Rechthaberei“ muss anzeigen, wem es um jene goldene Mitte geht, die mit den Extremismen von rechts und links nichts zu tun haben will und sich vor Anschlägen auf Synagogen beinah halb so doll fürchtet wie vor einer Rückkehr der DDR, dieses Verbotsstaats par excellence, der noch heute dabei hilft, das Nichtkonforme zu denunzieren: „Es hilft manchmal, die Gegenwart mit einer grellen historischen Blende zu überziehen. Dann könnte man sich zumindest gedanklich und sprachlich dergestalt sensibilieren“, nachdem man nämlich die Blende übergezogen hat, „dass lässig dahingesagte Formeln wie ,Freiheit ist ohne Verbote nicht zu haben’ in der Asservatenkammer des Blödmenschen verdämmern. Dort träfen sie dann auf jene, die wiederum glauben, man gebe einen Teil seiner Identität ab, wenn man in einem Kindergarten auf den Verzehr von Schweinefleisch verzichte.“

„Die gute Nachricht ist: Die Winter sind nicht mehr ganz so hart wie noch vor 30 Jahren, die Saison ist länger geworden.“ SZ-Golfbeilage, 2019

Auf diesen Gedanken käme die demokratisch-liberale (SZ-)Mitte allenfalls auf den Leserbriefseiten, ist sie doch das Substrat jener Veranstaltung, bei der sich, wenn’s schon nicht bleiben kann, wie es ist, alles sehr „langsam und schrittweise“ (Klute) ändert. Eine Woche Malle oder Rio zwischendurch ist also bloß Demokratie, und Ideen wie die der „Aktivistin“ (ders.) Rackete, Reporter nicht mehr zu empfangen, wenn sie per Flugzeug kommen, Fanatismus. Denn die eigentliche Mäßigung liegt in der mählich zu mäßigenden Maßlosigkeit, und wer Aktivismus für ein Übel hält, bleibt passiv und vertraut darauf, dass die Zukunft nicht die vom IPCC noch viel zu vorsichtig ausgemalte ist, sondern „möglicherweise … deutlich besser aus(sieht)“ (a.a.O.).

Die Asservatenkammer des Blödmenschen hat ja dann sicher Klimaanlage.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Es ist zugerichtet

Ich vergesse ja schlechthin alles, aber was ich nicht vergessen kann, ist die Wand im Münchner „Museum für Mensch und Natur“, die zirka „So isst die Welt“ heißt und auf großen Fotos zeigt, wie man in (Gedächtnisprotokoll) Gambia, Vietnam, Kolumbien isst, wo sich die Tische unter Nahrungsmitteln biegen, die allesamt das sind, was man unprozessiert nennt, aber auch unverarbeitet nennen könnte: Gemüse, Obst, Fisch, Nüsse, regional natürlich je anders, aber doch immer gleich. Die Irritation, die den an Supermarkt und Schokoriegel gewöhnten Besucher gleich erfasst, rutscht ins Bild, wenn wir die englische Familie sehen (es könnte auch eine deutsche oder amerikanische sein), die hinter einem Tisch voller Nahrungsmittelverpackungen steht, und in den Verpackungen ist dann irgendwas aus modifizierter Stärke, Palmöl, Zucker und Aroma.

Selbst wenn man nichts über Kritische Theorie wüsste, über Entfremdung oder zweite Natur, hier bekäme man einen Eindruck. Und selbst wenn man, wie ich, nicht gern auf Märkte geht, weil man lieber in Regale fasst und sich Leuten, die auf Märkte gehen, nicht recht zugehörig fühlt, fällt einem kein Grund ein, warum es nun unbedingt Bratkartoffeln im Vakuumpack geben muss, außer dass es natürlich Popkultur ist, was es ja immer ist, und dass, wer nicht kocht, mehr Zeit zum Arbeiten und Konsumieren hat und dass, wer alles aus der Packung holt, gegens Zurichten und Zugerichtetwerden vielleicht weniger haben wird als der, der nicht. (Das gilt natürlich nur abstrakt, denn auf dem Markt ist ja erst recht alles superlecker. Immerhin läuft der entsetzliche Rewe-Kundenfunk nicht, der letzte Beweis dafür, dass „lecker“ die übelste aller affirmierenden Terrorvokabeln ist: Konsum, das ist Fressen, und wie ist das Fressen? Lecker. Lecker! Leckerleckerlecker!)

„Kraft in den Teller. Knorr auf den Tisch.“ Beckenbauer, 1966

Jetzt kommt also die Lebensmittelampel, die, weil letztlich immer alles Sozialdemokratie ist, am System industrieller Quatschnahrungsmittelproduktion nichts ändern, aber verhindern will, dass die Leut’ nicht wissen, was sie da tun. Vermutlich ist auch das wieder ein Teil jener Gängelung und Volkserziehung, die Libertäre von rechts und links als unfrei und unerwachsen verachten, als sei nicht jeder Kunde Kind und ginge es nicht darum, jenen zähmenden Eingriff zu simulieren, der den kapitalistischen Auswuchs immer mal wieder zurückschneidet. Es gibt ja stets eine Wirtschaft, die produziert, und einen Staat, der aufs Produzierte sieht, damit niemand dran sterbe, wobei Marktbetrügereien und Panschereien so alt sind wie der Markt selbst. Den Unterschied macht, dass das Mittel zum Zweck geworden ist, dass produziert wird um der Produktion willen und das Bedürfnis nach Bratkartoffeln im Vakuumpack als bizarr künstliches gelten muss.

Die Lebensmittelampel, übrigens selbst ein Firmenprodukt, mag simplem Verbraucherinnenschutz Genüge tun; wovon sie aber verlässlich ablenkt, ist, dass sie so überflüssig wäre wie ein Hollandrad mit Ökosiegel, wenn Lebensmittel nicht als Konkurrenzwirtschaftsprodukte in Marketingabteilungen entwickelt würden. Die Lebensmittelampel, weil es sie gibt, ist die Grünphase selbst, damit alles in jener Bewegung bleibe, die wiederum kluge Leute für Stillstand halten, und falls es die Sozialdemokratie bald nicht mehr gibt, liegt es schlicht daran, dass sie so schrecklich unausweichlich geworden ist.

Der Küchenzettel für Sonntag, den 6. Oktober: Wirsing mit Salzkartoffeln, Apfelmus (aus dem Glas).

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Neue Menschen

Was über Silke und Holger Friedrich zu sagen ist, die beiden formidablen DDRler , die die „Berliner Zeitung“ jekooft haben, hat Tim Wolff im „Neuen Deutschland“ gesagt; und trotzdem, es ist zu schön: „Wir müssen Inhalte anders aufarbeiten, zielgruppen- und kanalgerecht. Wir müssen niedrigschwellige Angebote formulieren und dann den Preis, je nach Wertigkeit. Wir müssen Leute auf den Haken nehmen und dann anfangen zu ziehen. In anderen Industrien ist das selbstverständlich“, und bevor die Kollegen und Kolleginnen, allzeit anfällig beim Vokabular, gleich wieder auf dumme Gedanken kommen: H. Friedrich meint „Branchen“, engl. „industries“, auch wenn er natürlich recht hat. Eine Zeitung, eine Zeitschrift ist ein Ort, wo fabrikmäßig und zielgruppengerecht Inhalte vom Band fallen, und wer am Kiosk vorbeiläuft und sich über Publikationen wie das WhatsApp-Magazin, „Business Punk“ oder den hundertsten Optimal essen, Lifestyle & Shopping-Titel freut, der ahnt, was Adorno mit totaler Produktion gemeint hat.

Der antifaschistische Schutzwall ist bald dreißig Jahre offen, und immer noch ist jeder zweite Ostler und jede zweite Ostlerin, heißt es, nicht angekommen. Silke und Holger und Friedrich nun sind so super, weil sie so restlos, so monströs, so karikaturenhaft heimisch geworden sind: „Wir sind notorisch angstfrei, oder wie Holgers Mutter sagt: pathologisch angstfrei … Ich muss unabhängig vom System funktionieren. Am Ende zählen du und deine Haltung.“ Haltung, das bedeutete früher mal so was wie Überzeugung, und die Kommunistin, die im Gestapokeller die Freunde nicht verriet, ging mit Haltung in den Tod. Heute bedeutet Haltung das Gegenteil, nämlich dass man unabhängig vom System funktionieren muss, und der Witz ist, dass es kein Witz ist, auch dann nicht, wenn Friedrich & Friedrich nun wirklich keine Sekunde unabhängig vom System funktionieren, nicht einmal gedanklich. Silke Friedrich hat etwas so Zeitgemäßes wie die „Berlin Metropolitan School“ erfunden, und „ich glaube, ich hatte mit der Schule Erfolg, weil ich den Blick von außen hatte, die Kundenperspektive“, also die Perspektive der Leute, die optimale Bildung wollen, so wie sie optimale Ferien oder perfekte Kühlschränke wollen. Es ist dies die gesellschaftliche Perspektive insgesamt. Es gibt Leute, die finden, sie sei etwas eng.

„Der Sommer ist vorbei und er bleibt vorbei / und ab heute / ab jetzt / sind wir frei“ Begemann, 1994

Am neuen Menschen hat der Realsozialismus bekanntlich ganz erfolglos herumgebastelt; der ewig alte, immer gleiche der Marktgesellschaft emaniert dagegen ganz von allein, denn auch wenn die Apparate helfen: Der Erfolg gibt ihm recht. Und wenn allein das zählt, muss sich niemand wundern.

„Ein Systemwechsel ist nicht schlimm, wenn man sich darauf einlässt. Wir nennen das positiven Punk.“ Dass das Oxymoron die bürgerliche Redefigur schlechthin sei, habe ich gelegentlich vermutet; nun also positiver als Business Punk, warum auch nicht, und dass die Macherinnen und Technokraten („Wir haben in unserem Thinktank die besten Softwarearchitekten, die man sich vorstellen kann“), der grübelfrei praktische Sinn und das So-Sein gewonnen haben, ist ja keine Überraschung. „Die Möglichkeiten sind riesig und die Lösungen winzig. Das ist ein Grund, warum unsere Kinder Berlin verlassen.“

Denn die Zukunft wird noch größer, noch lösungsorientierter, noch technophiler, als wir es uns heute überhaupt vorstellen können. Noch vielleicht wollen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Wegwerfgesellschaft

Unsere immer schnellere Zeit, notierte SZ-Mann Cornelius Pollmer neulich, lässt sich schlicht nicht bremsen, und deshalb ließ er auch ein gewisses Verständnis durchblicken für Ostdeutsche, die sozusagen für Entschleunigung gestimmt haben. Dabei ist das mit dem Tempo, der Hatz und der Kälte gar nicht so schlimm; man muss nur ein einziges Mal bei Manufactum gekauft haben, und schon finden sich regelmäßig die wärmenden Produktkataloge im Postkasten, die zu unterhaltlichen Überlegungen der Art führen, wo denn die freistehende Kupferbadewanne noch Platz hätte.

So gut wie gleichzeitig mit dem Manufactum-Katalog kam jetzt die neue Lieferung der Werke Wolfgang Pohrts (Edition Tiamat), der erste Band, der vor allem die „Theorie des Gebrauchswertes“ enthält, von der Pohrt mal sagte, er habe im Leben nur einen Menschen getroffen, der sie zu Ende gelesen habe, und der sei Theologe gewesen. Mir ist es aus purer Zeitnot noch nicht einmal gelungen, sie richtig anzufangen, aber der ’95er Neuausgabe, die sich im Band findet, war eine Art Prolog aus dem Jahr 1973 beigegeben: „Nutzlose Welt. Ohnmacht im Spätkapitalismus“, und der Leser, die Leserin bekommen eine Ahnung davon, was es mit dem Gebrauchswert auf sich hat, wenn von dem Bann die Rede ist, „der die gegenständliche Welt in nutzloses Spielzeug verzaubert“: „Seit die Herrschaft des Kapitals kaum noch inhaltlich, sondern nur mehr negativ bestimmbar ist als Zwang, nichts Ernsthaftes und Vernünftiges zu tun, sind vernunftloser Genuss und sinnliche Freuden nicht mehr identisch mit der selbstherrlichen Emanzipation des Menschen von notwendiger Arbeit … Als Unterwerfung unter die Willkür der Apparate, welche die Menschen nur als Witzfiguren in einem Betätigungsfeld duldet, das den großstädtischen Spielplätzen ähnelt, wird die Genussfähigkeit selbst kraftlos und verkümmert.“ Und weiter: „Im Alltag der Gegenwart begegnet einem die Auflösung des Widerspruchs von Gebrauchswert und Wert dergestalt, dass kaum noch erkennbar ist, was sich mit den Dingen anderes anfangen ließe als sie verkaufen, kaufen und wegschmeißen.“

„Der Gebrauchswert ist, was den Begriffen der politischen Ökonomie entschlüpft, wenngleich diese nötig sind, damit jener gedacht werden kann. Erst wenn das Brot profitabel sein muss, um hergestellt zu werden, stellt sich die Frage nach seinem Nutzen für den Konsumenten separat.“ Pohrt, 1976/1995

Da gab es freilich Manufactum noch nicht, das den Bann zu brechen verspricht, indem es den Gebrauchswert fetischisiert, das Ewige, Unzerstörbare, bloß Praktische, wie es Großmutter noch kannte. Der Clou ist natürlich, dass sich unterm Regime des Tauschwerts kein Gebrauchswert mehr haben lässt und dieser zur Simulation wird, weil kein Mensch eine Kupferbadewanne tatsächlich braucht oder eben nur dann, wenn er der Sphäre des Brauchens längst entronnen ist. Das ostentative und vor allem ja teure Zurück zum Gebrauchswert ist in sich schon die Kapitulation vorm Wert, und deshalb sind Manufactum-Produkte, versteht sich, viel eher Wert- als Gebrauchsgegenstände.

Auf dem Stadtbus Werbung für Kieser: „Ein starker Körper bleibt jung!“ oder so, und die Überlegung, warum in einer Zeit und Gegend, da Arbeiten im Alter, auch wenn der BDI es zu ändern verspricht, regelmäßig gar nicht mehr vorgesehen ist, immerwährende Stärke und Jugend proklamiert werden. Unter Gebrauchswertgesichtspunkten ist ein Körper, der lange gesund und arbeitsfähig ist, erstrebenswert; soll er gesund und arbeitsfähig bleiben, ohne dass es das brauchte, geht es womöglich nicht um einen goldenen Herbst, sondern um fortgesetzte Vernutzbarkeit, sei’s als symbolische, sei’s als Teil der Reservearmee, die nie groß genug sein kann: ums Verkaufen, Kaufen und Wegschmeißen gerade da, wo dem Weggeschmissenwerden als Lebensendpunkt zwei halbe Stunden pro Woche entgegengearbeitet wird. Dass im Rückenstudio, wo man sich freiwillig in die Apparate einspannt, die Genussfähigkeit geschult werde, würde Kieser selbst nicht behaupten.

Ich hoffe, diese flüchtigen Gedanken sind brauchbar; wenn nicht, bitte tauschen. Oder wegschmeißen!

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Das Auto

Manchmal denke ich, wäre ich doch mal aus der Wiege auf den Kopf gefallen, dann könnte ich heute Fernsehkorrespondent fürs ZDF in Brüssel sein, und hätte es in den Niederlanden eine (umstrittene) Ausstellung über Nazi-Ästhetik, dann müsste mir zu dieser Ästhetik nur einfallen, dass Nazikunst einzig dazu dagewesen sei, den Nazis die Macht zu sichern. Ein Satz, der alles sagt und gleichzeitig gar nichts und also wie gemacht fürs Fernsehen war.

In Berlin hat ein zeitgenössisches Großes Fahrzeug einen Unfall mit doppelter Todesfolge verursacht, und am Ende einer Woche, in der die Diskussion darüber simuliert wurde, ob Große Fahrzeuge zu verbieten seien oder die Innenstädte inskünftig meiden müssten, meldete sich im Morgenblatt der Dr. Dr. Rainer Erlinger zu Wort, der früher im „Magazin“ die Lebenshilfespalte betreute, was er gut gemacht hat, wie man spätestens dann finden darf, wenn man das unfundierte bis ridiküle Geplapper seiner Nachfolgerin Adorján liest. Nach sehr vielen Zeilen, in denen nichts stand, was man nicht schon wusste, etwa über die Ästhetik Großer Fahrzeuge als eine der Aggression, zog Erlinger dann aber in Zweifel, ob „optisch aggressives Aussehen ein Verbot“ rechtfertige und verlangte „Zahlen und Fakten wie Größe, Verbrauchswerte oder Unfallstatistik“: „Auch eine höhere Besteuerung mag durchaus Argumente für sich haben. Wenn der Forderung danach jedoch ästhetische oder Antipathie-Gründe zugrunde liegen, macht sie das fragwürdig.“ Denn über Geschmack, wussten schon die alten Römer, lässt sich nicht streiten, und dass die Leut’, die Qualitätspresskundschaft zumal, nun mal gern Große Fahrzeuge bewegen, ist das Hauptargument von Autoindustrie und der ihr angeschlossenen Presse von FAZ bis „Welt“.

„Rote Riesen sind ,alternde’ Sterne, … in deren Kern das ,Wasserstoffbrennen’ (4 Protonen zu 1 Heliumkern) mangels Nachschub erloschen ist. Sie verlagern sich daraufhin aufs Schalenbrennen und dehnen sich auf etwa das Hundertfache aus … Nach weiteren Jahrmillionen enden sie – je nach Restmasse – als Weißer Zwerg oder als Neutronenstern.“ Wikipedia, o.J.

Wie Erlinger darauf kommen kann, Politik und Ästhetik hätten nichts miteinander zu tun, ist aber selbst dann erstaunlich, wenn man sich den Teil des BMW-Werbeetats vorstellt, der bei der SZ landet, und ebenda wusste es der Großdesigner Philippe Starck vor Jahren besser: „Alles, was der Gesellschaft nutzt, ist politisch. Dazu gehört auch Design. Sehen Sie sich die Autos an: Manche sind feminin, manche Macho, manche sind links, manche, wie ein Hummer, extrem rechts. Ich habe meine Arbeit immer als politisch verstanden. Politik ist alles, es fängt schon damit an, welches Mineralwasser Sie trinken.“ Das Große Fahrzeug ist so rechts, weil es so viele neoliberale Ideologeme abbildet: das Wachstum, die Freiheit, den antizivilisatorischen Outdoor-Fetisch, und also hat der Kapitalismus das Große Fahrzeug nicht erfunden, um seine Macht zu sichern, sondern drückt sich unmittelbar in ihm aus; und zwar sogar durchaus unsubtiler, als sich Faschismus etwa in Adolf Zieglers „Vier Elementen“ ausdrückt.

Das Große Fahrzeug ist das Symbol des späten Kapitalismus schlechthin, gerade auch darin, dass er so unverhohlen „vernunftverlassen“ (Pohrt, Werke 1, Berlin 2019) ist und seine Versprechen Lüge sind, von der grenzenlosen Mobilität über Stock und Stein, die, wo sie nicht täglich im Stau endet, als vollendete bloß Sklaverei ist, über die Sicherheit, die bloß als Mischung aus Paranoia und Gewaltbereitschaft Gestalt gewinnt, bis hin zum „souveränen Fahren“, das jetzt ein Vertreter der Industrie als Kundenwunsch formulierte und welches die Ersatzhandlung Autofahren noch einmal karikiert. Große Fahrzeuge sind, und deshalb sind sie in der Mittelschicht so beliebt, Ausdruck der Identifikation mit der Macht, und der vulgäre Auftritt und ostentative Ressourcen- und Raumverbrauch sprechen darum für und nicht gegen sie. In diese Richtung kann darum überhaupt nicht argumentiert werden.*

Für andere tödlich, für den, der drin und obenauf ist, prima: Kapitalismus, voilà. Ein Verbot Großer Fahrzeuge ist deshalb vollkommen illusorisch und jede Diskussion darüber Schwindel.

*Ein veritabler Tucholsky-Satz; dass ich, obwohl meine Kolumnen sich durch kompromisslose Entlarvung gesellschaftlicher Missstände, präzise Sprache und gekonnte Ironie auszeichnen und damit „unzweifelhaft in der Tradition Kurt Tucholskys“ stehen, den Kurt-Tucholsky-Preis auch dieses Jahr nicht kriege, ist da nur gerecht. Wo ich gar nicht wusste, dass es den gibt!

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Jahrestage

Zum Tatort kehrt der Täter gern zurück, und trotzdem mag er erschrecken, dass das auch schon wieder vier Jahre und ein halbes her ist: dass ich dem ZDF und seiner Moderatorin Slomka applaudierte dafür, den 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald unter fast völliger Auslassung des Adjektivs „deutsch“ begangen zu haben, was auch gar nicht nötig war, denn die „Hölle der Nazi-Barbarei“ und eine hübsch abstrakte „Bestialität“ – Kernfrage: „Wie konnten Menschen das Menschen antun?“ – sorgten dafür, dass es schlimm gewesen war, sehr schlimm, weil Menschen Bestien sind und Barbarei.

Immerhin ist es so, dass mein wöchentliches Wirken mitunter nicht ohne Folgen bleibt und am 1.9.2019 der Nachrichtentext zur 80. Wiederkehr des Beginns des Zweiten Weltkriegs völlig anders ging, nämlich ohne Blendgranaten: Der deutsche Überfall, der deutsche Krieg, das erste deutsche Kriegsverbrechen (nämlich die unbewaffnete Grenzstadt Wiełun in Schutt und Asche zu legen), und déformation professionelle, sofort argwöhnisch zu werden; und nämlich gar nicht für möglich zu halten, dass hier wer was gelernt haben sollte. (Im Journalismus hat es, solange ich ihn beobachte, genau einen Fortschritt gegeben: dass sie kaum mehr „vorprogrammieren“ sagen. Darauf sind sie dann freilich derart stolz, dass sie sofort 1000 neue Dummheiten machen.)

Möglich bleibt es, dass endlich Einsicht waltet; möglich aber auch, dass das öffentlich-rechtliche Nachrichtenfernsehen bloß seinen Bundespräsidenten auf Vergebungstour begleitet hat. Er hat sich entschuldigt, um Verzeihung gebeten, sogar auf polnisch, fair enough; Geld, Reparationen, Entschädigung gibt es weiterhin nicht. Die Bundesregierung steht nämlich auf dem Standpunkt, dieser Drops sei gelutscht, in Polen haben sie immer mal wieder die gegenteilige Ansicht, juristisch sind wohl beide Ansichten vertretbar.

„Nie wieder, nie wieder, nie wieder – bis zum nächsten Mal“ Ulla Meinecke, 1985

Da schadet es nicht, auf ein Konto einzuzahlen, das man hernach belasten kann, ohne dass es zur Belastung wird. „Nie wieder“, das meinen sie natürlich auch, aber wenn sie es ohnehin meinen, können sie es auch auf polnisch sagen, was einen guten Eindruck macht und den Ball, käme er mal wieder diesseits zu liegen, zurückspielte: Da haben wir guten Deutschen uns so schön entschuldigt, und die Polen denken immer nur ans Geld! Sonst, wenn niemand nervt, haben die Nazis, die Nazis und dreimal die Nazis Juden ermordet und Polinnen versklavt und Warschau dem Erdboden gleichgemacht, aber kaum hat man Angst, dass es doch noch teuer werden könnte, gibt man lieber doch zu, was zuzugeben gleich zweimal nichts kostet, denn die Deutschen, die damals alle Nazis waren, sind tot, und die Deutschen, die sich für das Nazisein der Nazis jahrzehntelang kostenlos entschuldigt haben, sind das beliebteste Volk der Welt, und die Deutschen, die heute noch oder wieder Nazis sind, haben endlich wieder eine Massenpartei, die zu wählen den Vorteil hat, dass, wer sie wählt, nur als Protestwähler gilt und nicht als Nazi.

Wir haben den Weltkrieg, wie jeder weiß, ja noch gewonnen, und zwar nicht trotz, sondern wegen der Nazis, deren Verbrechen hierzulande so phantastisch gut und wirkungsvoll aufgearbeitet worden sind. Dass, sind die potentiell heiklen Jahrestage um, wieder von ihnen die Rede sein wird, ist also einfach nur Dankbarkeit.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Kinderkram (2)

Man braucht, kitschte Picasso, sehr lang, um jung zu werden, aber wofür man allerlängstens 46 Jahre braucht, ist zu wissen, was die Welt zusammenhält, nämlich Dialektik.

Als ich geboren wurde, galt das Stillen von Kindern im Mainstream als unterbelichtet und rückschrittlich, heute ist es auf fast schon aggressive Weise umgekehrt. Was die Betreuung von Kindern angeht, durfte man den Widerstand von Konservativen gegen zu frühe und zu aushäusige Betreuung, wie er sich im sog. Betreuungsgeld („Herdprämie“) äußerte, zuletzt für gebrochen halten, da beschwert sich in der „Zeit“ eine anonym bleiben wollende Freiberuflerin, ihre Entscheidung, die Tochter bis zum Kindergarten zuhause zu lassen, werde in ihren Großstadtkreisen beargwöhnt. Dann Zitat Experte, es sei ein Unglück, Kinder von den Eltern zu trennen (dabei hatte man sich gerade gemerkt: Kinder brauchen Kinder, und dass es für die Kindererziehung ein ganzes Dorf benötige), dann die zahlreichen Unglücksbeispiele aus der Bekanntschaft (überforderte Kinder und Fachkräfte), dann ein Schlagwort („Fremdbetreuungswahn“), dann natürlich die DDR (alle bis heute traumatisiert wg. Krippe); und der Fehler, die Tochter in einer Kita angemeldet zu haben, die Eltern am zweiten Tag nach Hause schickt, wenn das Kind vor Trennungsangst schreit, endet nicht simpel im Wechsel der Einrichtung, sondern in einer neuen Weltanschauung:

„Priorität ist im Moment, maximal viel Zeit für den Menschen zu haben, der in mein Leben gekommen ist. Ich sehe jetzt schon, wie unser Leben wieder Fahrt aufnimmt und die Zauberblase, in der ich am Anfang schwebte, langsam dem Alltag weicht. Die magische Zeit mit meiner Kleinen währt nicht ewig. Deshalb investiere ich bewusst jeden Tag.“ Es ist mir ziemlich wurscht, wenn jemand aus freien Stücken den Nachwuchs zuhause betreut, und natürlich ist die Rundumversorgung auch bloß eine Reaktion auf kapitalistische Diktate und nicht per se was gottweißwie Humanes. Verdächtig gleichwohl, wie maximal hier schon wieder gelabert wird: „Ich finde es viel zu schön, die Entwicklung meiner Tochter selbst zu erleben, ich möchte nicht verpassen, wie sie Puppenbabys bekommt, wie sie zum hundertsten Mal ihr Schaukelpferd aufzäumt, Bücher selbst mit Inbrunst vorliest, mir in ihrer Kinderküche einen Kaffee kocht, Rollenspiele mit zwei Klötzchen veranstaltet, sich die Sprache erschließt und ganz wild oder ganz ruhig in meiner Nähe ist. Ich halte es im Moment noch nicht gut aus, wenn wir länger als ein paar Stunden getrennt sind. Ich fange an, meine Tochter körperlich zu vermissen. Bin ich denn so anders?“

„Aber etwas ganz Richtiges gibt es nicht.“ Dubslav v. Stechlin, 1898

Anders als etwa ich auf jeden Fall, der sich für Rollenspiele mit Klötzchen, bei aller väterlichen Liebe, letztlich doch weniger interessiert als für ein paar Stunden ungestörtes Arbeiten und der magische Zauberblasen alles in allem geringer schätzt als ausreichend Schlaf. „Ich frage mich, wie es all den anderen Eltern damit geht, ihre Kinder – nachdem sie sie so wie ich fast ein Jahr lang eng vor dem Bauch in der Trage getragen haben – so leicht herzugeben.“ Einfach die Trage weglassen, dann geht das sehr gut. „Und ich wünsche mir, dass es selbstverständlicher wird, die spannende Entwicklung in den ersten Jahren selbst intensiver mitzuerleben und mitzugestalten“ – gute Güte, sie werden groß, halb mit, halb ohne uns, und „spannend“ und „intensiv“ ist ja doch wieder bloß die verkitschte Sprache derer, deren Widerstand stets mehr mit Hausgeburt als mit etwas zu tun hat, was die dumme „Zeit“ zuallerletzt gutheißt.

Wer mit sehr jungen Kindern über der Schulter spätabends in der Zauberblase sitzt und sich die Zeit, bis die Blähungen vorbei sind, mit alten Fernsehkrimis vertreibt, dem wird auffallen, dass die Frauen darin sehr oft und selbstverständlich Hausfrauen sind. Spannend und intensiv ist ihr Leben nicht. Die Kinder nerven, und wenn Matula kommt, werden sie auf ihr Zimmer geschickt. „Wann bedeutet unsere Zuwendung mehr als jetzt? Aus der gemeinsamen Zeit könnte ein Fundus entstehen, aus dem Kinder und Eltern viele Jahre schöpfen können.“

Möchte sein, ich schöpfe heute noch.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Susanne Viernickel!

Sie sind Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Leipzig. Die jetzt durchgeführte OECD-Befragung von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung enthält zum ersten Mal internationale Vergleichsdaten zu deren Selbstverständnis und Arbeitsbedingungen.

Im Deutschlandfunk benannten Sie als ein wesentliches Ergebnis der Studie den Fachkräftemangel in Deutschland: »Personal, Personal, Personal.« Und: »Auch Leitungskräfte klagen, denn sie können nicht leiten.« Soweit klar; wenn niemand da ist, der sich führen lässt, können Führungskräfte nicht führen. Aber statt darüber zu klagen, könnten diese beispielsweise vorübergehend aufs Leiten und Führen verzichten und direkt in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung tätig werden. Die Kinder tät’s womöglich freuen.

Tipp von Ihrer Titanic

 »Soester Anzeiger«!

Wenn es laut Ausgabe vom 3.7. in Deinem Wirtschafts-Ressort heißt: »Edeka schluckt Netto komplett«, hätte es dann nicht genügt, der Einfachheit halber zu titeln: »Edeka schluckt Brutto«?

Fragen die Betriebswirtschaftsgelehrten von Titanic

 Philipp Amthor!

Um weiter an Ihrem konservativen Profil zu feilen, machten Sie – wie einfallsreich! – einen Jagdschein und ließen es sich nicht nehmen, sich auf der Jagd vom »Spiegel« begleiten zu lassen: »Wenn Philipp Amthor über die Jagd redet, spricht er gern in Jägerdeutsch.« Was unter anderem so klingt: »Natürlich ist .300 Winchester Magnum jagdlich ein relativ großes Kaliber.« Oder: »Ein Maisfeld, sagt Amthor, sei für einen Jungjäger keine einfache jagdliche Situation.« Einmal klagen Sie über das Fehlen von »jagdbarem Wild« und bezeichnen irgendeinen Stephan als Ihren »jagdlichen Mentor«.

Täuscht das, oder besteht Ihr Jägerdeutsch vor allem im Voranstellen des Wortes »jagdlich«?

Und wie kann es sein, dass ein ach so gewiefter Jägerjunge einen solchen Bock schießt wie Sie mit Ihrer Affäre um Augustus Intelligence? Ach, das Wortspiel machten Sie im Interview selbst? Dann lassen wir Sie dieses Mal noch davonkommen!

Bleibt Ihnen satirlich auf den Hufen: Titanic

 Dass Sie, Frau Dr. med. Irene Jung,

als praktische Ärztin im altehrwürdigen Städtchen Detmold neben »Naturheilverfahren« und »ästhetischer Dermatologie« als »besonderen Schwerpunkt« Ihrer Tätigkeitspalette »Altersprävention« anbieten, ist naheliegend, können Sie doch ganz überzeugend mit sich selbst als Vorbild werben: Sie zumindest bleiben ja forever Jung.

Kalauert heute etwas altbacken: Titanic

 Mary Trump!

Mary Trump!

Sie sind die Nichte des amtierenden US-Präsidenten und haben ein Enthüllungsbuch veröffentlicht, das wir aus Sorge um unser Seelenheil leider nicht lesen können. Trotzdem nett, von Ihrer Existenz erfahren zu haben. Und die nächsten beiden Bücher über Onkel Donald schreiben dann Ihre Schwestern Miry und Mury, ja?

Quak-quak! Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Beauty-Tipp

Jüngst wollte ich Wimperntusche im Schönheitssalon kaufen. Die Visagistin nahm sich viel Zeit, empfahl ein gutes Produkt, auch noch den passenden Lidschatten dazu und fragte dann: »Kennen Sie weißen Kajal? Nein? Probieren Sie den doch mal am unteren Lidrand.« Ich machte den Versuch, fand das Ergebnis aber irgendwie sonderbar: Der Blick wirkte starr, glubschig-wässrig, die Tränensäcke schwollen an, wurden durch breite Schattenringe untermalt, und als die Kosmetikerin erläuterte: »Horst Tappert, Sie wissen schon, der Derrick, der schwor auf weißen Kajal. Niemals stellte er sich ohne weißen Unterlidstrich vor die Kamera«, entschloss ich mich, fürs erste auf diesen Stift zu verzichten.

Miriam Wurster

 Fahrt in den Urlaub

Wer schon mal auf der Autoroute unterwegs war, dem ist es bestimmt aufgefallen: In Frankreich und nur in Frankreich überholt man alle paar Kilometer ein einsam auf der rechten Spur vor sich hin blinkendes Auto. Wo ist man mit seinen Gedanken, fragen wir Deutschen uns da entzückt, wenn man nach dem Spurwechsel nicht nur vergisst, den Blinker auszuschalten, sondern es sogar schafft, sein enervierendes Klacken dauerhaft aus der Wahrnehmung zu verdrängen? In jedem Fall nicht auf der Straße, das verdient schon mal Bewunderung. Vielleicht sogar überhaupt nicht unterwegs, sondern auf Seite 93 der buchstäblich fesselnden Ménage-à-trois, die zu Hause aufgeschlagen vor dem Kamin liegt und sich bereits darauf freut, am Abend wieder einen Tropfen Chardonnay abzubekommen? Oder bei den zwei kleinen Töchtern und ihrer bezaubernden Mutter, von der man in genau diesem Moment angerufen wird, aber nur, weil sie sich am Piano auf das Telefon gesetzt hat und einem jetzt unbemerkt ein Ständchen spielt? Es wird wohl immer ein süßes Geheimnis bleiben.

Teja Fischer

 Ethische Frage

Gesetzt den Fall, der Bandwurm wäre vom Aussterben bedroht –, sollte man ihn dann retten? Und wenn ja: Wer meldet sich freiwillig?

Katharina Greve

 Körpereigene Alarmanlage

Mittlerweile gibt es ja allerhand Smartwatches und Apps zur Überwachung und Optimierung des Schlafes auf dem Markt. Dass aber auch die natürliche Schlafregulation ganz gut funktioniert, merkt man, wenn man nach versehentlichem Wegdösen am Nachmittag vom eigenen Schnarchen prompt wieder geweckt wird.

Julia Mateus

 Wo das wahre Outdoor beginnt

Dass du dich in einer echten Wildnis aufhältst, merkst du spätestens dann, wenn du im lichtlosen Gestrüpp stolperst und dir während des Fallens in Sekundenbruchteilen überlegst, ob es sicherer wäre, den Sturz aufzufangen oder die Hände in den Hosentaschen stecken zu lassen. Brennnesseln, Nacktschnecken, Jauchepfützen, das sind alles extrem schwer einzuschätzende Landezonen. Profis fallen übrigens erst gar nicht hin.

Theobald Fuchs

Vermischtes

Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!
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Das schreiben die anderen

  • 10.08.:

    Martin Sonneborn gibt der "Berliner Zeitung" ein großes Sommerinterview.

     

Titanic unterwegs
14.08.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Christian Y. Schmidt
20.08.2020 Düsseldorf, Zakk Paula Irmschler
26.08.2020 Berlin, Pfefferberg Theater Max Goldt
26.08.2020 Hamburg, Kampnagel Paula Irmschler mit Linus Volkmann