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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Von der Graswurzel

Diese Kolumne ist ja durchaus dafür da, das Gras wachsen zu hören, und durchaus nicht immer muss sie dafür das Ohr an den Boden legen: „Viele Eltern sind unsicher, wie sie ihre Kinder am besten beim Sprechenlernen unterstützen. Zu Unrecht, sagen Experten. Denn das Wichtigste machen sie meist intuitiv richtig“ – so wie ich es jetzt intuitiv richtig mache, wenn ich sage, dass für eine Welt, die scheint’s genügend Zeit und Ressourcen für derart groben Schwachsinn, für solch ebenenübergreifend schamlosen Scheißkram hat, die eine oder andere Extramillion Flüchtlinge doch überhaupt gar kein Problem sein sollte. Zufall, dass das Morgenblatt ein paar Tage später ein Buch der Stunde rezensiert und den darin umhergeisternden Millennials vorsichtig „ein paar Kinder“ empfiehlt, „damit sie es mal mit Problemen zu tun bekommen, die nicht alle unmittelbar mit ihrer eigenen Empfindsamkeit zu tun haben“. Sieht aber so aus, dass auch die Leute mit Kindern keine Probleme mehr haben, oder nur die völlig falschen. Mit abermals dem Freund und Kollegen Gunnar Homann zu seufzen: „Eltern, furchtbare Leut’.“

Mitunter bedarf es aber auch eines feineren Ohres, eines wacheren Auges: „Ramelow am Ziel“, überschrieb mein alter Siezfreund Jasper von Altenkirchen in seiner FAZ seinen Aufmacherkommentar zur Thüringer Lage, und ich sah’s am Bahnhofskiosk, machte, ganz empfindsamer Prä-Millennial, ein schnelles Foto und dachte: So geht also Missgunst. Missgunst in einem Augenblick, wo sich in einem ostdeutschen Bundesland die sog. Demokraten doch noch auf einen demokratischen Ministerpräsidenten haben einigen können, nachdem nicht wenige der sog. Demokraten kein Problem damit gehabt hatten, einen sog. bürgerlichen Ministerpräsidenten mit den Stimmen von Nazis zu wählen, also mit Leuten, die diesen sog. Demokraten, wie es aussieht, allemal näher sind als linke Sozialdemokraten mit realsozialistischer Vergangenheit. Nach all dem darf nicht einmal die bürgerliche FAZ durchatmen: Schön, ein MP, der sich nicht dem rechten Rand verdankt, aber um welchen Preis! „Ramelow am Ziel“, denn darum, man darf es nicht übersehen, geht es den Kommunisten doch, die Macht, „reine Macht“ (Orwell, „1984“), und nun ist einer ihrer Obersten am Ziel, hat es geschafft, hat sich durchgebissen, und die bürgerlichen Kräfte der mehr oder minder radikalen Mitte, die sich weißgott alle Mühe gegeben haben, das zu verhindern, müssen zusehen, wie der Bolschewismus unsere Kinder vergiftet.

„Jedes Wort, jeder Gedanke will nur in seiner Gesellschaft leben: das ist die Moral des gewählten Stils.“ Nietzsche, 1880

Möchte sogar sein, uns’ Jasper ist ebenfalls erleichtert, ich hab den Quatsch, der drunterstand, nicht gelesen und denke nicht mal dran; aber Jasper hat es nicht und nicht über sich gebracht zu schreiben: „Ministerpräsident Ramelow“ oder „Erleichterung in Thüringen“ oder wenigstens „Viel Lärm um nichts“, nein, er muss sich und der Kundschaft bestätigen, was sie weiß und was die Polizei und der Verfassungsschutz wissen und was man aber in diesem linksgrünen Siffland nicht laut sagen darf: dass der Feind immer noch links steht. Links, links, links! Und dass er, wenn wir uns nicht vorsehen und über den Höckes und Gaulands die Stalins vergessen, plötzlich am Ziel ist. Nie wieder, ruft es da in uns, nie wieder!

Dann doch lieber Graswachsen in Zimmerlautstärke: „In der gut besuchten U-Bahn saßen sie nebeneinander und küssten sich mit geschlossenen Augen … darin erkannte sie ein strukturelles Problem, das eng mit der globalen Ökonomie verwoben war“ (Leif Randt, „Allegro Pastell“, lt. SZ „das Dokument einer ästhetischen Zeitenwende“). Wenn mal wieder wo Skins die U-Bahn besuchen, werde ich darüber nachdenken, wie eng verwoben die FAZ mit ihnen ist. Und überhaupt alles mit allem.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Die Korrektur

Mit dem fortschreitenden Erwachsensein setzt ja die sog. Lebenserfahrung ein, und eine meiner Lebenserfahrungen lautet, dass Dienstag ein sehr guter Arzttag ist. Montag ist ein schlechter Arzttag, weil am Wochenende alle merken, dass sie krank sind, am Freitag gehen sie noch einmal, damit sie das Wochenende gut überstehen, aber am Dienstag sitze ich selbst als Kassenpatient und beim Facharzt nur genau so lange im Wartezimmer, wie es braucht, um zwei Ausgaben der „Bunten“ durchzublättern. Das ist genau die richtige Länge, denn mein Friseur ist einer von denen, die statt der „Bunten“ „Lucky Lucke“ ausliegen haben, und wenn man wissen will, was an dieser Welt falsch ist, ist die „Bunte“, „Burdas gruseliges Schmodderblatt“ (Gerhard Henschel), ja nun genau das Richtige.

Meine Lieblingsgeschichte war die eines jungen Prominenten, der sich ein Öko-Tiny-House aufs von der Oma geerbte Grundstück gebaut hat, weil wir uns, sagt er, nämlich alle ändern müssen, und sein nächster Plan, sagt er, ist „ein Elektroauto, am liebsten von Porsche“. Ich hab sogar noch mal zurückgeblättert, ob ich da ein Ironiesignal übersehen hätte („und lacht“), aber nix, zum Öko-Tiny-House gehört ein Elektroporsche wie die „Bunte“ ins Wartezimmer. Dass im Vermischten (also: im Vermischten vom Vermischten, vermischt ist in der „Bunten“ ja nun alles) plötzlich Jonathan Franzen auftauchte, war erst mal weniger plausibel, aber das muss er als Anführer der „Spiegel“-Bestsellerliste Sachbuch („Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen? Gestehen wir uns ein, dass wir die Klimakatastrophe nicht verhindern können“) nun einmal aushalten; wie er es ebenfalls aushalten muss, zum Kaufobjekt von „Bunte“- und „Spiegel“-Kundschaft zu werden, die es gern liest, dass Nichtstun letztlich dasselbe ist wie nicht Nichtstun, auch wenn Franzen das nicht schreibt, sondern dafür plädiert, nicht quasireligiös die Weltrettung zu betreiben, sondern lieber den einen oder anderen Apfelbaum zu pflanzen und die Welt bis zu ihrem sicheren Untergang zu einem besseren Ort zu machen. Bzw. gerade deswegen.

Wäre Franzen nun nicht in der „Bunten“ aufgetaucht, ich hätte es nicht wieder ausgegraben: wie ich vor Monaten noch einmal „Die Korrekturen“ in der Hand hatte und gar nicht mehr verstehen konnte, was ich daran, wie alle Welt, mal gefunden habe, so quälend akribisch ausgemalt war das alles, ein All-inclusive-Angebot aus Psychologie und Detailbesessenheit, das zum ächzenden Querlesen geradezu einlud. Als wär’ Literatur nicht Kondensat, sondern bloß jener Positivismus, den Spezialbeobachtungen wie „Das Licht hatte die Farbe von Reiseübelkeit“ weniger unterlaufen denn verstärken.

„Waldmann saß und hat hinaufgesehn, / und er sah die Welt wie sie verdorrte. / Plötzlich spürte er die Macht der Worte. / Später ist dann gar nichts mehr geschehn.“ Ror Wolf, 2015

Nee, da soll, auch wenn die Dialoge in Ordnung sind, von Lovenberg mit glücklich werden, ich finde ja Philip Roth schon überschätzt. Aber das macht auch nichts; Franzen ist natürlich immer noch viel besser als Neu-Star und Gurkenkönigin Raphaela Edelbauer („Das Loch übte eine mesmerisierende Gewalt aus, ein kollektives Begehren, das das wirtschaftliche Hymen zu durchbrechen strebte, welches das Land von seiner Bevölkerung getrennt hatte“), der Kollege Michael Ziegelwagner im Januarheft ihren mesmerisierenden Murks gerechterweise um die Ohren hat fliegen lassen. Aber weshalb ich überhaupt darauf komme: Mir ist ein altes Franzen-Interview in Erinnerung, in dem der passionierte Vogelfreund sinngemäß sagte, gewiss lasse er sich das passionierte Vogelbeobachten in aller Welt nicht ausreden („Sie wollen jetzt sicher von mir hören, dass ich in kein Flugzeug mehr steige“), und nun also: think local, act local. Und klar, wenn sein Agent oder seine Agentin sagt, komm, wir lassen deinen im New Yorker erschienenen Aufsatz in Deutschland als Buch binden, gibt noch mal was extra, sagt er natürlich nicht nein. Ich finde trotzdem, dass man nie schreiben soll, was die Leute hören wollen, schon gar nicht die falschen, und dass es einen unter Qualitätsgesichtspunkten noch heikleren Platz gibt als auf der „Spiegel“-Bestsellerliste: auf der „Spiegel“-Sachbuch-Bestsellerliste.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Deutsche, wehrt Euch!

Ich habe, ich muss es gestehen, mich mitschuldig gemacht, als ich vor Wochen, beim Warten auf die U-Bahn vorm Fahrgastfernsehen, mich nicht einmischte, als die zwei freundlichen Kleinbürger drei Sitze weiter sich so über die Schlagzeile „16jähriger greift 19jährigen mit dem Messer an“ freuten, weil sie nämlich genau wussten, wie absichtsvoll hier die Migrationshintergründe verschwiegen worden seien; und natürlich war es in erster Linie Feigheit, in zweiter aber das Wissen, dass Alltagsrassismus so heißt, weil er Alltag ist, und wie und zu welchem Ende wehrt man sich gegen Alltag?

Dass wir uns jetzt aber wirklich mal langsam wehren müssten, war die einhellige Überzeugung der Medienarbeit in den Stunden und Tagen nach Hanau, und Rainald Becker, dieser verlässliche CDU-Esel in Diensten des SWR, schoss in den Tagesthemen so furchtlos gegen die spalterische Hetze der AfD, wie es Altenbockum, auch ein sehr Verlässlicher, in seiner FAZ gegen das schlimme Internet tat, in dessen „Darkroom“ (erstaunlich, wie sicher der aufrechte Heteromann Altenbockum nach den passenden Metaphern fasst) sich „Verschwörungstheorien, Verfolgungswahn und Menschenverachtung“ verbänden; wie, die Weisheit des Weltgeistes ist eo ipso unerreicht, amerikanische Untersuchungen lt. SZ schon am Tag vor Hanau herausgefunden hatten, dass rechte Propaganda vom schnellen Internet profitiere. Geradezu in die Mangel nahm Caren Miosga, vor Beckern, den hessischen CDU-Innenminister, die Polizei müsse doch unsere migrantischen Nachbarn schützen, und was mit den NSU-Akten sei, die die Hessen nicht herausrückten, und zum zweiten fiel dem Minister freilich wenig, zum ersten aber füglich ein (ich übersetze), die Polizei könne ja nun nicht vor jeder Shishabar und jedem türkischen Imbiss Posten beziehen. Was, bedenkt man die Nazis in der Polizei selbst, die vom Faxgerät des Reviers Opferanwältinnen Drohbriefe schicken, vielleicht auch kontraproduktiv wäre.

„Wäre es da / Nicht doch einfacher, die Regierung / Löste das Volk auf und /
Wählte ein anderes?“ Brecht, 1953

Hanau, das sind wieder mal die sog. Versäumnisse: das sind die Waffen, die Tobias R. als Sportschütze legalerweise hatte; das sind seine Youtube-Botschaften, die im großen weiten Internet für niemanden, der nicht gezielt danach suchte, auffindlich waren; das ist ein Verfassungsschutzpräsident, dessen rechtsnationale Sympathien jahrelang kein Problem waren. Könnte freilich sein, dass der Eifer, mit dem sich Presse und Funk auf all das stürzen, nicht nur damit zu tun hat, dass Presse und Funk die sog. Ausländerpolitik in diesem Land, vom widerwärtigen „Asylkompromiss“ nach den Pogromen der Neunziger bis zur europäischen Frontex- und Hopp-Politik heute, so gut wie immer mitgetragen haben und eine Kraft wie Becker, die sich jetzt gegen die Gleichsetzung von links und rechts ins Zeug legt, für genau diese Gleichsetzung mit „DDR light“-Gerede in Richtung Linkspartei jahrzehntelang einstand. Nein, sie ahnen auch, dass das Problem nicht die Nazis in der Polizei und die Nazis als V-Leute und die Nazis in den Parlamenten sind, sondern die freundlichen Nachbarn in der U-Bahn, die einen guten Döner zwar schätzen, Türken aber nach wie vor für natural born Messerstecher halten und deshalb auch gar nicht verstehen, was alle gegen Sarrazin haben.

Georg Mascolo, der in den Tagesthemen als „ARD-Terrorexperte“ firmierte, wünschte sich fromm die Lichterketten zurück; doch so hell kann es gar nicht werden, dass es Licht ins Dunkel jener Köpfe brächte, die die Nazis in die Parlamente wählen oder den Nazis in den Parlamenten mit Heimat- oder homophober oder Leitkulturscheiße (ja, Frau Dorn, auch Sie sind gemeint) vorarbeiten und mit Nazis allzeit reden wollen; wobei der Hang zum Selbstgespräch ja verbreitet ist. „Dass die pathische Meinung der sogenannten normalen immanent ist“, hat Adorno vermutet. „Unterm Bann der zähen Irrationalität des Ganzen ist normal auch die Irrationalität der Menschen“, und wenn sich sogar die Vormacht der westlichen Welt einen faschistischen Gauner als Präsidenten leistet, ist gar nicht recht einzusehen, warum ausgerechnet die Hiesigen stillhalten sollten und dem Hass, der zum System gehört wie das Gift zur Mamba, nicht immer wieder und immer gewalttätiger Ausdruck verleihen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Feindes Land

Heute morgen lag das „Zeit“-Magazin im Altpapierkorb, der im Treppenhaus die Prospekte aufbewahrt, bis sie wer entsorgt oder eben nicht entsorgt, und ich habe es (das Magazin) mit spitzen Fingern herausgezogen, so wie Alfred Biolek, nach eigener Aussage, immer das Feuilleton aus der FAZ zieht oder jedenfalls zog, er ist ja alt und krank, und ob er da wirklich noch Tag für Tag das Feuilleton aus der FAZ zieht, will ich gern bezweifeln. Meine Finger waren aber darum so spitz, weil ich gar nicht glaube, dass der „Zeit“-Abonnent im Hause als erstes, wenn er seine „Zeit“ aus dem Kasten holt, das Magazin wegschmeißt, wegen der Werbung vielleicht oder Martenstein, ich meine, wenn er Martenstein nicht mag, warum soll er dann die „Zeit“ abonnieren?

Nein, ich lege das Magazin nachher zurück, es wird aus dem „Zeit“-Packen herausgerutscht sein, ich wollte zum Frühstück nur was über den „Aufklärer, der nicht aufklären darf, S. 34“ erfahren, es geht da um NSU-Ermittlungen, oder sollen wir sagen: die einschlägigen Nichtermittlungen, und dass da in Thüringen ein Exermittler in seiner Waldhütte hockt und krankgeschrieben ist, weil er glaubt oder wissen will, dass da noch viel mehr falschgelaufen bzw. unterlassen bzw., wie das dann hinterher immer heißt, „versäumt“ worden ist, als man weiß, und er aber vor keinem Untersuchungsausschuss mehr sagen darf als das Allermindeste, Quellenschutz. Es geht in der (etwas wirren) Geschichte auch noch um zwei tote Kühe, von denen der Exermittler glaubt, sie seien ihm von Nazibauern vors Fenster gelegt worden und darum, dass vor der Hütte seit dem AfD-Triumph in Thüringen jetzt „Feindesland“ sei.

In der Morgenzeitung, derentwegen ich heute morgen überhaupt im Treppenhaus war, war dann zu lesen, ein Ingenieur habe der AfD sein gesamtes Vermögen in Höhe von sieben Millionen Euro vermacht. Hitler ist ja noch von der Großindustrie finanziert worden, seine Nachfolger kriegen’s jetzt von den Ingenieuren, und wenn ich an anderer Stelle die Einschätzung gewagt habe, die Welt, wie sie ist, sei ein einziger Triumph des Kleinbürgerlichen, so hab’ ich damit am Ende genauso sturheil recht wie mit der Voraussage, Annegret Kramp-Karrenbauer habe keine Chance und sie nie gehabt.

„die Mehrheit denkt wie wir und darf es nur geheim / Auch wenn sie das Gegenteil behaupten / sie sind doch alle Nationalsozialisten / das siehst du doch auf Schritt und Tritt / aber sie geben es nicht zu / ich kenne niemanden der nicht so denkt wie wir / … Das ist das Schreckliche … / dass wir der Welt nicht zeigen wer wir sind / wir zeigen es nicht / anstatt es zu zeigen ganz offen zu zeigen“ Thomas Bernhard, 1979

Nach dem Anschlag auf die Synagoge von Halle, den von einem Blutbad bekanntlich nur eine dicke Holztür getrennt hat, haben sich die Einsatzkräfte (oder vielleicht besser Nichteinsatzkräfte), berichten u.a. die „Süddeutsche“ und tagesschau.de, übrigens kein Bein ausgerissen. Wollte man es dem Anlass unangemessen humorisieren, so muss, während beim Anruf aus der belagerten Synagoge die Schüsse durchs Telefon knallten, der oder die Zuständige mit sehr viel Seelenruhe den Finger aus dem Popo gezogen haben, um dann nicht das SEK, sondern einen Streifenwagen vorbeizuschicken, dem eine Beamtin entstiegen sei, die weder Schutzkleidung angelegt noch sich um die vom Attentäter ermordete Passantin auf dem Gehsteig gekümmert, auch keinen Notarzt gerufen habe. Die Beamtin, sieht man wohl auf den Überwachungsbändern der Synagoge, spaziert ein wenig herum, bis dann nicht nur ein zweiter Streifenwagen erscheint, sondern auch der zwischenzeitlich mit dem Auto verschwundene Attentäter im selben, immerhin zur Fahndung ausgeschriebenen Auto zurückgekehrt und an den Beamten vorbeigondelt. Besonders bewacht war die Synagoge am höchsten jüdischen Feiertag sowieso nicht.

Derweil legt Bundespräsident Steinmeier am Dresden-Gedenktag Wert darauf, dass die Deutschen angefangen hätten, und freut sich das Morgenblatt im Feuilleton, dass in Hamburg die „von den Nazis“ zerstörte Synagoge wieder aufgebaut werden soll. Dass der deutsche Ingenieur sein Vermögen nicht der jüdischen Gemeinde vermacht hat, leuchtet ein, wenn man sich klarmacht, dass die Juden ja sowieso das ganze Geld haben, und während oben fürs gute Deutschland geworben wird und in der Zeitung fürs gute Deutschland gelogen wird, bleibt Deutschland, sind wir ehrlich, so nicht so gut, wie wir es kennen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Seid erschütterbar und widersteht

„König“ Zufall führte mich jetzt zweimal viertelstundenweise vor „Germany’s Next Topmodel“, und auf die Gefahr hin, mich sehr angreifbar zu machen, wunderte mich weniger die wunderhübsch unverhohlene Ausleseidee als der Pool, aus dem die Auslese erfolgte; wie soll ich das sagen. Sagen wir so: Man glaubt ja eine Vorstellung davon zu haben, wie so ein Supermodel aussieht, und die „Mädels“ (Heidi) bei „Heide Klump“ (Thomas Gsella) sehen partiell überhaupt nicht danach aus – wie soll ich das sagen. Sagen wir so: Ich hätte rein gar nichts gegen eine Welt, in der ambitionierte junge Frauen auch mit einer Körperhaltung, wie sie meiner liederlichen entspricht, und der zutiefst durchschnittlichen Aura durchschnittlich tätowierter Durchschnittsfräulein Topmodels werden können, aber dass die Welt, wie sie ist, so nicht ist, weiß Heidi freilich am besten. Es ist dies vermutlich eine zynische Mischung aus Identifikationsangebot einer- und der Gelegenheit andererseits, sich an fremder Durchschnittlichkeit zu weiden. Überdurchschnittlich war nämlich bloß der Satz einer Kombattantin: „Wenn ich nicht weiterkomm’, eskalier’ ich“, und der war die Viertelstunde aber wert.

Faszinierend jedenfalls die Lücke zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, und weil das natürlich meine ranzige Altmännerwahrnehmung ist, erinnere ich hier „gerne“ an TITANIC Heft 7/2002, Seiten 12ff., wo direkt überm Knick der Eröffnungsseiten ein Mann in den „besten“ Jahren sein Hemd bis zum Platzen füllt und allerspätestens anschließend alle Träume an ein Leben als Topmodel aufgegeben hat. Damals ging es um einen „antisemitischen Spaßwahlkampf in der Zone“, wo wir mit einem gelben Golf und allerhand Wahlkampfmaterial („Deutsche! Wehrt Euch! Wählt FDP!“) in die Fußgängerzone geprescht waren, um, der FDP-Politiker Möllemann hatte gerade dem Judenbengel Friedman das Misstrauen ausgesprochen, der lokalen Bevölkerung wie letztlich dem Eisenacher FDP-Kreisvorsitzenden philosemitische Spitzen zu entlocken: „Also viele sind froh, dass er“, Mölli, „mal ausspricht, was sich hier keiner zu sagen traut. Viele sind hier doch zurückhaltend, weil man Angst hat, die Dinge beim Namen zu nennen. Wissen Sie, das ist ein ziemlich heikles Thema, und man braucht Mut, um das auszusprechen! (vertraulich) Ich meine aber fast, dass es uns Stimmen bringt!“ Und zwar mindestens soviele wie das Wahlplakat mit der Aufschrift „Die liberale SpaSS-Partei“, gegen das der liberale Spitzenpolitiker nichts einzuwenden hatte: „Das ist Verpackung, das gehört dazu!“

„Schön, wie sich die Sterblichen berühren – / Knüppel zielen schon auf Hirn und Nieren, / dass der Liebe gleich der Mut vergeh… / Wer geduckt steht, will auch andre biegen. / (Sorgen brauchst du dir nicht selber zuzufügen; / alles, was gefürchtet wird, wird wahr!) / Bleib erschütterbar. / Bleib erschütterbar – doch widersteh.“ Rühmkorf, 1979

Es wird fast 18 Jahre dauern, bis mir der nächste ostdeutsche FDP-Kreisvorsitzende begegnet, diesmal des thüringischen Ilm-Kreises. Der wünscht sich via „Tagesthemen“, FDP-Ministerpräsident Kemmerich hätte „nicht so schnell aufgegeben“, und er bürgt für seinen Kreisverband. Caren Miosgas Satz aus der Anmoderation, Deutschland sei insgesamt „erschüttert“, ist also bloß eingeschränkt richtig: Deutschland ist erschüttert, soweit es nichts dagegen hat, dass Faschisten einen Ministerpräsidenten mitwählen, und weißgott nicht alle haben was dagegen. Der Kreisvorsitzende sagt, das seien doch gewählte Leute, und da hat er natürlich recht: Von Faschistinnen gewählte Faschisten repräsentieren den Volkswillen wie alle anderen auch, und der Volkswille ist, je nach Region, bis zu einem Viertel offiziell faschistisch, nichts zu machen.

König Zufall, dessen Zepter ich mich heute besonders willfährig füge, drückt mir eine Gremliza-Kolumne vom März 1989 in die Hand: „Der Erfolg der ,Republikaner’ lehrt, dass Nationalisten und Rassisten durch die öffentliche Beachtung ihrer ,Themen’ nicht besänftigt, sondern ermutigt werden; dass die Prinzipien antiautoritärer Erziehung an ihnen verloren sind und sie nur eines verstehen: den Stock – gesellschaftliche Ächtung, Drohung mit Entzug des Arbeitsplatzes und, wo sie laut werden, eins auf die Gosch“. Auf die Gosch kriegt aber bis heute eher die Antifa, zumal die im Osten, und sowenig ich gegen eine Welt hätte, in der eine ambitionierte Demokratie wüsste, was sie zu tun hat (etwa keinen Nazi mehr ins Fernsehen einladen), weiß ich doch am besten, dass die Demokratie, wie sie ist, so nicht ist, die deutsche schon einmal gar nicht, da kann sie erschüttert tun, wie sie will. Dass die Wessis die Ossis nach wie vor nicht verstünden, übermittelt eine Korrespondentin die lokale Stimmung, und mit ihrem Selbstwahrnehmungsproblem sind Klums Aspirantinnen also nicht allein.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Die andere Möglichkeit

Eine Metastudie – also eine Studie über Studien – hat festgestellt, dass die alte Beobachtung, Mädchen spielten anders als Jungen, der Triftigkeit nicht entbehre: Der männliche Nachwuchs interessiere sich, das legten die untersuchten Untersuchungen nahe, für Bagger, der weibliche für Puppen, Max fürs Raufen und Mia fürs Rollenspiel. Das Morgenblatt berichtete mit unverhohlener Genugtuung und schloss, jetzt könnten die Kinder, unbehelligt von Genderkram, einfach wieder „ihr Ding“ machen, so wie sie es, den wohlmeinenden Einflussversuchen der Erwachsenenwelt zum Trotz, ja immer schon getan hätten.

Nehmen wir an, die Beobachtung stimme; es ist ja gar nicht einzusehen, warum der Mensch, der ja sonst auch weithin atavistisch und naturhaft funktioniert, es in dieser Beziehung nicht tun sollte. Tucholsky, weißgott kein Rechter, hat sich wiederholt skeptisch über den mechanistischen Marxismus geäußert, der alles aufs Materielle, den Einfluss der Umwelt schiebe. Im Menschen, ich paraphrasiere frei, sei Verkehrtes angelegt, und damit sei zu rechnen.

Unterstellen wir also ruhig, es sei etwas dran: Jungen folgen Bewegung, Mädchen Farben, dann folgt daraus, anders, als es der Esel vom Morgenblatt glaubt, gerade nicht, man dürfe Mädchen in Rosa tauchen und Jungen in Blau. Die freie Gesellschaft wäre nämlich eine, in der jeder und jede die Wahl hat, und das Spielzeugregal mit den Plastikschnellkochtöpfen schränkt diese Wahl ein. Gesellschaft, wie wir sie imaginieren, ist immer: die andere Möglichkeit, ist nie das, was andere für uns vorsehen (und zwar aus Gründen für uns vorsehen). Neoliberale Metaphorik der Art, Globalisierung sei wie Stuhlgang, da sei nichts zu machen, beruft sich ja nicht zufällig auf Natur, denn Natur, das ist das Unausweichliche. So wie Menschen gelernt haben, sich vor Regen, Kälte, Hunger zu schützen, so können sie sich vor dem schützen, was ihnen (naturhaft) geschieht, und wer krank ist, geht ins Krankenhaus. Der Neoliberalismus sagt hier: Kein Geld, kein Krankenhaus, und genau das ist es.

„Ich kenne nichts ärmers / Unter der Sonn’ als euch, Götter! … Hier sitz’ ich, forme Menschen / Nach meinem Bilde, / Ein Geschlecht, das mir gleich sey, / Zu leiden, zu weinen, / Zu genießen und zu freuen sich, / Und dein nicht zu achten, / Wie ich!“ Goethe, 1774

Bei einer Abendbrotdiskussion mit liberalen Privilegierten, in der es um ihr und mein Privileg ging, nahmen die Privilegierten, bedrängt von meiner Frage, wer oder was unser Privileg denn rechtfertige, wie selbstverständlich bei der Biologie Zuflucht: Manches im Leben sei eben Pech, so wie manche eine Disposition für Alkoholismus oder Krebs hätten und andere nicht. Dass jeder seines Glückes Schmied sei, ist viel weniger die Parole als die Umkehrung: Das Glück ist eines jeden Schmied.

Es gibt ein berühmtes Experiment aus den sechziger Jahren, das einen Jungen, dessen Penis bei einer Beschneidung irreparabel verletzt worden war, als Mädchen deklarierte. David Reimer, der als Pubertierender beschlossen hatte, wieder als Junge zu leben, beging mit 38 Jahren Selbstmord, über seinen Fall wird bis heute diskutiert. Es ließe sich freilich schlicht finden, es müsse, bevor es ums Geschlecht (sex) geht, um die Geschlechterrolle (gender) gehen, die Erwartung, das dumm Binäre, das letztlich bloß der dummen Dichotomie von oben und unten entspricht. Rosa ist nicht das Problem; das Problem ist, dass aus dem Rosa etwas Graues folgt. Die Welt, wie wir sie uns vorstellen, sei aber keine graue, und daraus folge alles andere.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Zum besseren Verständnis

Mein vornehmster elterlicher Ehrgeiz ist, keinen elterlichen Ehrgeiz zu entwickeln, und doch denke ich manchmal, dass „Rainer Werner“ sehr gute, distinktorisch wertvolle Vornamen gewesen wären, zumal bei einem zweisilbigen Familiennamen auf -er, und schließlich heißen deutsche Serienschauspielerinnen auch nicht Liv Fries, sondern Liv Lisa Fries, wenn sie, zum Staffelstart von „Babylon Hauptstadt“, über das „Interesse an der Vergangenheit“ reden: „Wenn ich zum Beispiel mit meiner Oma rede, versuche ich immer zu verstehen, warum sie so denkt, wie sie denkt. Das ist eine Generationenfrage. Ich glaube, es geht um Bewusstsein und Reflexion darüber, was Menschen schon erlebt haben und was unsere Gesellschaft zu dem macht, was sie ist.“

Ihr Film- und Interviewkollege heißt vorbildlich profan Volker Bruch und kommt von Oma auf Opa: „Das war früher auch sein ,Jetzt’, und alles war irgendwie normal. Und deswegen interessiert mich, wie das, was für mich Geschichte ist, für die Menschen damals Realität war. Wenn man überlegt, warum junge Menschen die Entscheidungen treffen, die sie eben treffen, sieht man: Es sind immer auch gesellschaftliche Umstände, die zu etwas führen. Ein gesellschaftlicher Umstand, eine gesellschaftliche Not, die sich ein Ventil sucht. … Auch wenn viele Menschen heute auf diese Zeit blicken und sagen: Wie konntet ihr damals nur!“ Der Interviewer vom Morgenblatt hat verstanden, grad weil er weiß, dass es sich bei Fries und Bruch um „politische Menschen“ handelt: „Ein Urteil aus unserer heutigen gesellschaftlichen Situation wirkt da schnell anmaßend, weil man einfach nicht in den Schuhen der Menschen damals steckt.“ Und Bruch so: „Ja, genau.“ Und Fries so: „Das finde ich immer so interessant, weil man sich selbst ja nie gesellschaftlich oder geschichtlich einordnet, sondern immer nur im Jetzt ist, alleine mit seinen Problemen. Man ordnet sich nie in einen gesellschaftlichen Zusammenhang ein. Weil man immer nur diese eine Person in diesem einen Moment ist.“

„You'll stumble in my footsteps / Keep the same appointments I kept /
If you try walking in my shoes / Try walking in my shoes“ Depeche Mode, 1993

Gern will ich Liv Lisa Fries gelegentlich ein Bier ausgeben dafür, diesen Umstand tatsächlich „interessant“ und nicht saudummdoof „spannend“ gefunden zu haben; aber wen meint sie so verständnisvoll mit „man“? Den Schwimmbadkursvater, der, während sein kleiner Sohn unter seiner Aufsicht duscht, das Handy in der Hand hat? Die Schwimmbadkurseltern, die jede Woche wieder die Notfallplastiksäcke über die Turnschuhe ziehen, weil sie keinen Bock auf Badelatschen haben? Alle anderen, die sich nicht gesellschaftlich einordnen, sondern im Ruheabteil quatschen, den Q7 auf die Sperrfläche stellen und ihre Köter den Bürgersteig vollscheißen lassen? Oder doch diese Personen in diesem einen Moment, die, weil sie ein Ventil brauchen, Trump oder Orbán oder Höcke oder Hitler wählen?

Um Gerhard Polts Jahrhundertsatz zu variieren: Wer ist „man“? Ich nicht; und aber jedenfalls triftig, dass sich Bundespräsident Steinmeier in Yad Vashem schon wieder ausführlich für deutsche Verbrechen entschuldigt hat. Das kann er auch, denn die Verbrecher sind tot, die Überlebenden beinah sämtlich auch, und die Jungen ordnen sich gesellschaftlich oder geschichtlich nicht ein, sind immer nur im Jetzt, alleine mit ihren Problemen, und wollen sich keine Urteile mehr anmaßen, es sei denn, einer ist nicht vegan, da hat sich des Veganers Bruch alte Sichtweise, „dass jeder es so machen soll, wie er will“, geändert, und das lesen wir dann auch gefettet („Da hat sich meine Sichtweise geändert“). Weil, sein Opa, der musste letztlich Hitler wählen, aber heute, da muss man nicht mehr müssen, sondern macht sein Ding, und Spätere werden hoffentlich nicht so anmaßend sein, kein Verständnis zu haben.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Philipp Amthor!

Um weiter an Ihrem konservativen Profil zu feilen, machten Sie – wie einfallsreich! – einen Jagdschein und ließen es sich nicht nehmen, sich auf der Jagd vom »Spiegel« begleiten zu lassen: »Wenn Philipp Amthor über die Jagd redet, spricht er gern in Jägerdeutsch.« Was unter anderem so klingt: »Natürlich ist .300 Winchester Magnum jagdlich ein relativ großes Kaliber.« Oder: »Ein Maisfeld, sagt Amthor, sei für einen Jungjäger keine einfache jagdliche Situation.« Einmal klagen Sie über das Fehlen von »jagdbarem Wild« und bezeichnen irgendeinen Stephan als Ihren »jagdlichen Mentor«.

Täuscht das, oder besteht Ihr Jägerdeutsch vor allem im Voranstellen des Wortes »jagdlich«?

Und wie kann es sein, dass ein ach so gewiefter Jägerjunge einen solchen Bock schießt wie Sie mit Ihrer Affäre um Augustus Intelligence? Ach, das Wortspiel machten Sie im Interview selbst? Dann lassen wir Sie dieses Mal noch davonkommen!

Bleibt Ihnen satirlich auf den Hufen: Titanic

 »Soester Anzeiger«!

Wenn es laut Ausgabe vom 3.7. in Deinem Wirtschafts-Ressort heißt: »Edeka schluckt Netto komplett«, hätte es dann nicht genügt, der Einfachheit halber zu titeln: »Edeka schluckt Brutto«?

Fragen die Betriebswirtschaftsgelehrten von Titanic

 Dass Sie, Frau Dr. med. Irene Jung,

als praktische Ärztin im altehrwürdigen Städtchen Detmold neben »Naturheilverfahren« und »ästhetischer Dermatologie« als »besonderen Schwerpunkt« Ihrer Tätigkeitspalette »Altersprävention« anbieten, ist naheliegend, können Sie doch ganz überzeugend mit sich selbst als Vorbild werben: Sie zumindest bleiben ja forever Jung.

Kalauert heute etwas altbacken: Titanic

 Mary Trump!

Mary Trump!

Sie sind die Nichte des amtierenden US-Präsidenten und haben ein Enthüllungsbuch veröffentlicht, das wir aus Sorge um unser Seelenheil leider nicht lesen können. Trotzdem nett, von Ihrer Existenz erfahren zu haben. Und die nächsten beiden Bücher über Onkel Donald schreiben dann Ihre Schwestern Miry und Mury, ja?

Quak-quak! Titanic

 Susanne Viernickel!

Sie sind Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Leipzig. Die jetzt durchgeführte OECD-Befragung von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung enthält zum ersten Mal internationale Vergleichsdaten zu deren Selbstverständnis und Arbeitsbedingungen.

Im Deutschlandfunk benannten Sie als ein wesentliches Ergebnis der Studie den Fachkräftemangel in Deutschland: »Personal, Personal, Personal.« Und: »Auch Leitungskräfte klagen, denn sie können nicht leiten.« Soweit klar; wenn niemand da ist, der sich führen lässt, können Führungskräfte nicht führen. Aber statt darüber zu klagen, könnten diese beispielsweise vorübergehend aufs Leiten und Führen verzichten und direkt in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung tätig werden. Die Kinder tät’s womöglich freuen.

Tipp von Ihrer Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Wo das wahre Outdoor beginnt

Dass du dich in einer echten Wildnis aufhältst, merkst du spätestens dann, wenn du im lichtlosen Gestrüpp stolperst und dir während des Fallens in Sekundenbruchteilen überlegst, ob es sicherer wäre, den Sturz aufzufangen oder die Hände in den Hosentaschen stecken zu lassen. Brennnesseln, Nacktschnecken, Jauchepfützen, das sind alles extrem schwer einzuschätzende Landezonen. Profis fallen übrigens erst gar nicht hin.

Theobald Fuchs

 Fahrt in den Urlaub

Wer schon mal auf der Autoroute unterwegs war, dem ist es bestimmt aufgefallen: In Frankreich und nur in Frankreich überholt man alle paar Kilometer ein einsam auf der rechten Spur vor sich hin blinkendes Auto. Wo ist man mit seinen Gedanken, fragen wir Deutschen uns da entzückt, wenn man nach dem Spurwechsel nicht nur vergisst, den Blinker auszuschalten, sondern es sogar schafft, sein enervierendes Klacken dauerhaft aus der Wahrnehmung zu verdrängen? In jedem Fall nicht auf der Straße, das verdient schon mal Bewunderung. Vielleicht sogar überhaupt nicht unterwegs, sondern auf Seite 93 der buchstäblich fesselnden Ménage-à-trois, die zu Hause aufgeschlagen vor dem Kamin liegt und sich bereits darauf freut, am Abend wieder einen Tropfen Chardonnay abzubekommen? Oder bei den zwei kleinen Töchtern und ihrer bezaubernden Mutter, von der man in genau diesem Moment angerufen wird, aber nur, weil sie sich am Piano auf das Telefon gesetzt hat und einem jetzt unbemerkt ein Ständchen spielt? Es wird wohl immer ein süßes Geheimnis bleiben.

Teja Fischer

 Körpereigene Alarmanlage

Mittlerweile gibt es ja allerhand Smartwatches und Apps zur Überwachung und Optimierung des Schlafes auf dem Markt. Dass aber auch die natürliche Schlafregulation ganz gut funktioniert, merkt man, wenn man nach versehentlichem Wegdösen am Nachmittag vom eigenen Schnarchen prompt wieder geweckt wird.

Julia Mateus

 Ethische Frage

Gesetzt den Fall, der Bandwurm wäre vom Aussterben bedroht –, sollte man ihn dann retten? Und wenn ja: Wer meldet sich freiwillig?

Katharina Greve

 Beauty-Tipp

Jüngst wollte ich Wimperntusche im Schönheitssalon kaufen. Die Visagistin nahm sich viel Zeit, empfahl ein gutes Produkt, auch noch den passenden Lidschatten dazu und fragte dann: »Kennen Sie weißen Kajal? Nein? Probieren Sie den doch mal am unteren Lidrand.« Ich machte den Versuch, fand das Ergebnis aber irgendwie sonderbar: Der Blick wirkte starr, glubschig-wässrig, die Tränensäcke schwollen an, wurden durch breite Schattenringe untermalt, und als die Kosmetikerin erläuterte: »Horst Tappert, Sie wissen schon, der Derrick, der schwor auf weißen Kajal. Niemals stellte er sich ohne weißen Unterlidstrich vor die Kamera«, entschloss ich mich, fürs erste auf diesen Stift zu verzichten.

Miriam Wurster

Vermischtes

Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURGerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…
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Das schreiben die anderen

  • 10.08.:

    Martin Sonneborn gibt der "Berliner Zeitung" ein großes Sommerinterview.

     

Titanic unterwegs
14.08.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Christian Y. Schmidt
20.08.2020 Düsseldorf, Zakk Paula Irmschler
26.08.2020 Berlin, Pfefferberg Theater Max Goldt
26.08.2020 Hamburg, Kampnagel Paula Irmschler mit Linus Volkmann