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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Auf die Plätze

Die Herrschaft des alten weißen Mannes soll ja zu Ende gehen, und wenn man sich die Welt, die er hinterlässt, so besieht, muss man das nicht pauschal bedauern. Zumal da die jungen Damen, welcher Hautfarbe auch immer, nicht alles anders, aber vieles besser machen werden.

Während etwa der alte, von mir sehr geschätzte Chinakorrespondent des Morgenblattes jetzt in Skandinavien herumgondelt, legt seine junge Nachfolgerin, eine gewisse Lea Deuber, 28, sogleich die Finger in Wunden, von denen Kai Strittmatter nicht mal wusste, dass sie existieren. Ihre deutschen Altersgenossen, schreibt Deuber, interessierten sich für China sowenig wie für die kaputte deutsche Infrastruktur, und während China alle sechs Wochen einen neuen Flughafen eröffnet, wird der BER nie fertig. „Sie interessieren sich mehr fürs Acrylfarben-Malen oder die Rezepte veganer Tomatensuppen als für den Bau von Schnellzugtrassen. Zufrieden und satt kommen sie mir vor“, und zufrieden und satt zu sein soll man nun wirklich niemandem wünschen.

Der Chineserer hingegen ist heiß, ist hungrig, wie Deuber seit ihrem Austauschjahr als Schülerin weiß: „Meine Mitschüler, die von klein auf bis tief in die Nacht lernten“, wussten gar nicht, was eine „Komfortzone“ überhaupt ist; aber aus genau der bewegen sich „meine Freunde in Deutschland“ gar nicht mehr hinaus, gondeln lieber mit Erasmus herum und machen Party. „Bloß keinen zu großen Kulturschock wagen“, bloß nicht Sinologie studieren, was nicht nur Lea Deuber „wütend“ macht: „Die Auswirkungen dieses Denkens bekommen immer mehr deutsche Firmen zu spüren. Sie klagen, dass sie ihre Stellen in Asien nicht mehr besetzt bekommen.“ Zu unbequem! Die „Anspruchshaltung“! Doch da kommt schon die Konkurrenz, „lokale Kräfte, die meist exzellent ausgebildet sind und neben Englisch, Japanisch und Chinesisch noch eine andere Sprache fließend beherrschen“ und sich für Rezepte für vegane Tomatensuppen schon darum nicht interessieren, weil man ja bloß die Sahne weglassen muss.

„She comes at the end of the day / she's given me something to believe in” Michel van Dyke, 1994

„Um weiterhin global konkurrenzfähig zu bleiben, tun wir gerade ziemlich wenig. Natürlich können wir immer anführen, dass wir eben das bessere, edlere, anspruchsvollere politische System haben, auch wenn sich damit vielleicht nicht ganz so schnell neue Straßen oder Schnellzugtrassen bauen lassen, weil ja immer irgendein Planfeststellungsverfahren, Bürgerprotest oder Gerichtsurteil in die Quere kommt. Aber der globalen Weltwirtschaft“, der internationalen Planetarwirtschaft geradezu, „ist das ziemlich egal. Und Millionen jungen Asiaten, die erstmals die Chance eines sozialen Aufstiegs haben, auch.“ Ob Hans-Olaf Henkel, der idealtypische alte weiße Mann, noch feuchte Träume hat, will man gar nicht wissen, aber wenn, dann geht er punktgenau so: Hier liegen die Veganer mit dem Grundgesetz unterm Arm in der Komfortzone, während Milliarden Asiaten nur darauf warten, uns zu überrennen.

Die Welt, schrieb schon der Führer, ist ja nichts weiter als ein Weltpokal, den nur die härteste Rasse in die Vitrine bekommt, und unsere Journalistenschulabsolventinnen haben’s nicht vergessen: „Die Führenden hingegen müssen sich erst umblicken, um ihre Verfolger zu bemerken. Doch genau das tun die wenigsten jungen Deutschen. Schlimmer noch: Viele haben noch nicht mal begriffen, dass sie sich überhaupt im Wettlauf um die Zukunft befinden.“ Eine Zukunft, die dafür sorgen soll, „dass unser Leben so bleibt, wie es ist“, nämlich mit dem Schädel überm Handy, dem Hintern im Büro und rundum zufrieden mit „diesem furchtbaren Land“, so jedenfalls Kollege Leo Fischer, 38, der bei anderer Gelegenheit mitteilte, er wolle nur mehr „Adorno lesen und Rotwein trinken“. Während Kollege Jürgen Roth, 51, sich nach völliger technologischer Abrüstung sehnt, einer Art „Badesee-DDR“.

Ein Wettlauf um die Zukunft ist mit diesen beiden Herren nicht zu machen. Gut, dass ihre Zeit, wir sagten es, abgelaufen ist.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Auf Tuchfühlung

Es kehrt ja immer alles wieder, nie ist mal irgendwas ausgestanden, und kaum lese ich im Morgenblatt, dass die Zahl rassistischer und antisemitischer Anfeindungen immer weiter wachse, stecke ich schon wieder in jener Kopftuchfrage, die ich an dieser Stelle mit einem überzeugten „Jein“ beantwortet glaubte; oder jedenfalls unterm Hinweis auf ein Dilemma: „Will sie“, die herrschende Ordnung, „Lehrerinnen und Richterinnen, die Religion und religiöse Demut für sichtlich unverzichtbar halten; oder will sie Neutralität auf dem Rücken derer, deren Spleen zufällig nicht der Spleen der (rassistischen) Mehrheit ist?“ Und nämlich apropos Spleen: „Nina Mühe ist Deutsche und Muslima. Sie ist 2001 konvertiert, trägt Kopftuch und arbeitet daran, Organisationen zu vernetzen, die gegen anti-muslimischen Rassismus angehen … Berlin etwa verbiete es muslimischen Lehrerinnen nach wie vor, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen. ,Das empfinde ich als extrem diskriminierend’, sagt Mühe, es treffe indirekt alle Muslime und vermittle einen fatalen Eindruck: Es ist in Ordnung, etwas gegen Kopftuchträgerinnen zu haben“ (SZ, 5.7.).

Nun bin ich bekanntlich ein ausgesprochener Feind des unbedachten Einsatzes von Krawallwörtern wie „extrem“, und so falsch und diskriminierend es ist, etwas gegen Kopftuchträgerinnen zu haben, so kann man doch, sozusagen abstrakt, das Kopftuch wo nicht als religiöses, so doch als patriarchales Symbol ablehnen, denn das unterscheidet das Kopftuch von der Kippa oder dem Turban: dass es Frauensache ist; wie der alte Rattelschneck-Witz mit dem nackten Mann und der verschleierten Frau: „Huch, da kucken ja noch die Finger raus, die hacke ich mal lieber ab!“ tatsächlich etwas zur Kenntlichkeit entstellt, übrigens auch den westlich klischierten Blick auf den Islam. Eine Anordnung, der sich ohne sachlichen Grund nur eine willkürlich definierte Gruppe von Menschen zu fügen hat, ist nämlich ihrerseits extrem diskriminierend, da diskriminiert gewissermaßen Gott selbst, der alte Herr.

„Allah … ermahnt euch, auf dass ihr bedenken möget.“ Sure 16,90

Andererseits (da ist es also wieder) gilt es in den üblichen Kreisen schon wieder als schick, den Nachwuchs von Nonnen unterrichten zu lassen, und wenn ich überlege, welche Macken meine Lehrer hatten, größerenteils Zyniker, Alkoholiker, Faulpelze, Sozialdemokraten, will mir eine muslimische Konvertitin nicht wie der Untergang des Abendlandes vorkommen, und dass wir alle unseren Spleen haben, soll ein Kind ruhig lernen; wobei es im Fall, die Lehrerin trägt Tuch, natürlich nicht nur lernt, dass es in Ordnung ist, rein gar nichts gegen Kopftuchträgerinnen zu haben, sondern auch, dass es in Ordnung ist, wenn Frauen sich verkleiden müssen und Männer nicht.

Stehen wir also wieder am Anfang, und ebensowenig mag ich pauschal entscheiden, ob Franziska Beckers verhüllungskritische Cartoons nun rassistisch sind oder bloß fürs Frauenrecht streiten, würde aber immerhin finden, dass ein Blatt wie „Auf Tuchfühlung“ in seiner Anhäufung von Bedrohungsszenarien klar mit Überfremdungsängsten spielt. Eine Frau, die – das ist jetzt nicht mehr Becker, das ist Beobachtung – bei vierzig Grad Hitze unter schwarzem Kopftuch und in schwarzem Mantel steckt, ist aber keine Bedrohung, sondern tut mir leid, und vielleicht hülfe es ja, wenn Nina Mühe, die ja nun sowohl Mehr- als auch Minderheit ist, mit den Ambivalenzen ihres Kopftuchs mal genauso auf Tuchfühlung ginge, wie ich Atheist und Laizist und aufgeklärter Dialektiker es tue. Wenn’s ein lieber Gott ist, an den eine glaubt, wird er (und da fängt es halt an: er) das bestimmt gutheißen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Safe Space

Da ich selbst mitunter stur bin, finde ich es gar nicht schlimm, wenn der Freund und Kollege stur ist und mir trotz der Verabredung, that we agree to differ, den Link schickt, unter dem wieder wer (diesmal Svenja Flaßpöhler in der Taz) „moralischen Totalitarismus“ in der Linken beklagt; und ich mache dann stiekum die Rechnung auf: Gut, da haben wir jetzt Leute von links, die sind schnell beleidigt und wollen über gewisse Dinge nicht mehr reden, Frauenbeauftrage, Veganer, Aktivist*innen und so. Andererseits haben wir 91 AfD-Bundestagsabgeordnete und vielleicht die halbe Polizei und Bundeswehr plus die hunderttausend Herren und Damen in den Kommentarspalten, die wollen über gewisse Dinge ebenfalls nicht mehr reden oder nur so wie ein Beamter des Berliner LKA, der, lese ich im Morgenblatt, seinem Chef (!) textete, er möge „sich von Merkel & Co und ihren scheiß Gut-Menschen“ fernhalten, und die Nachricht mit „88“ unterschrieb: „Aus dem Dienst entfernt hat man ihn bis heute nicht.“ Wie zwei Neuköllner Nazis, die Linke bedrohen und deren Autos in Brand setzen, seit zehn Jahren frei herumlaufen, aber ein Linker, der sich mit dem Zündholz revanchiert hat, „noch in derselben Nacht“ im Kahn landete. „Der Verdächtige soll früher als Rechtsextremismusexperte für die Amadeu-Antonio-Stiftung und die Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus gearbeitet haben.“ Da ist schnelles Eingreifen unserer demokratischen Polizei natürlich Pflicht.

Weil sich immer alles fügt, berichtet das Feuilleton am selben Tag aus Harvard, wo Studenten und Studentinnen gegen einen Juraprofessor protestieren, weil er zu den Verteidigern Harvey Weinsteins gehören wird: „Manche sagten, dies löse Traumata in ihnen aus. Das Vertrauensverhältnis sei zerstört. Der Dekan des Harvard College, Rakesh Kurana, schrieb in einer E-Mail an die Studenten, dass er deren Sorgen sehr ernst nehme. Auf Gebäuden der Universität tauchten Graffiti auf. ,Down with Sullivan’, nieder mit Sullivan, las sich eins. ,Whose side are you on?’, ein anderes: Auf welcher Seite stehst du? Kurana kündigte an, er werde ,das Klima’ … untersuchen.“ Svenja Flaßpöhler wird es freuen, die natürlich ebenfalls die Studentin im Portfolio hatte, die aus Angst vor traumatisierenden Informationen auf Triggerwarnungen besteht.

„Alle, alle, alle ham sie recht, / und den andern, andern, andern geht es schlecht, /
und so ist das ganze Menschengeschlecht / seit Jahrtausenden im Recht“ Konst. Wecker, 1989

Nun ist das mit dem Auf- und Gegenrechnen so eine Sache, denn tausend Nazis machen ja hundert junge Deppen nicht klüger, die zwar in Harvard, aber beschränkt genug sind, um die simpelsten Prinzipien eines Rechtsstaats nicht zu kennen. Bevor wir aber totalitär nennen, was erst einmal nur dumm ist, sei Dekan Kurana gefragt, warum er, statt lächerliche, halluzinierte Sorgen ernst zu nehmen, dem elitären Nachwuchs nicht erklärt, dass jeder Angeklagte das Recht auf Verteidigung hat. Sagen würde Kurana dann zwar nicht, aber doch denken, dass seine Studenten Kunden sind, äußerst solvente Kunden, und dass die Kundin Königin ist, und wenn die Kundin sagt, ihr ist das Kleid zu blau, und das Kleid ist grün, dann gibt ihr der Verkäufer recht. Der vielbesungene Safe Space, dessen Idiotie Menschen von Geist nicht bestreiten werden, wäre also nichts genuin und exklusiv Linkes, sondern bloß die Konsequenz der Verbraucherdemokratie, die tatsächliche Mitwirkungsrechte zum Recht auf Online-Rezension gedimmt hat, mithin zum unbehelligten Recht auf krähen, stänkern und denunzieren.

Wer Lessenich gelesen hat und die sog. freie Gesellschaft für eine hält, die auf dem Recht ihrer Mitglieder beruht, unbehelligt zu bleiben (und andere zu behelligen), wird den Safe Space sowieso für deutlich größer halten müssen, als Flaßpöhler und Robert Pfaller glauben. Dass die Linke, deren Weg ja die Wahrheit und das Licht ist, eine natürliche Freundin des offenen Diskurses sein müsste, ist spätestens zur Zeit der K-Gruppen nicht mehr wahr gewesen, und wenn mein Trigger-Alarm von Thea Dorn ausgelöst wird, auf die Flaßpöhler sich beruft, dann weil, bitte sehr, mit den Rechten ruhig die reden sollen, die sich etwas davon versprechen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Was zu sehen ist

Gerade einmal ein Vierteljahr ist es her, dass ich mich an dieser Stelle ausführlich gefreut habe, und was soll ich sagen, ich freue mich schon wieder: „Bundeskanzlerin Merkel (CDU) mahnte über eine Sprecherin zum sorgsamen Umgang mit Sprache“, aber der Satz ging noch weiter, und die Kanzlerin, von der ich immer gesagt habe, dass wir sie noch vermissen werden, ließ ausrichten: „Sprache kann zu Hetze, Hetze zu Taten werden“, und das, darf man sagen, stimmt.

Wie Sprache als Gegenteil von Hetze funktioniert, bewies Merkel dann bei einem Termin in Goslar, wo sie mit der Jugend über die Zukunftsfreitage und natürlich Rezo sprach: „Wir müssen die Wege zueinander noch besser finden. Wir sind alle noch mit ARD und ZDF aufgewachsen. Und heute ist eben Youtube sehr viel mehr in.“ Und das, darf man sagen, stimmt wiederum und ist nicht nur wunderhübsch gesprochen, sondern geradezu wahr, wenn das Feuilleton, geht es um ein unbekanntes (und ganz und gar läppisches) Liebesgedicht aus dem Nachlass Rio Reisers, bloß wieder von einem „unbekannten Liebesgedicht aus dem Rio-Reiser-Nachlass“ grunzt; und solche Sprache – nehmen wir es, was sich in Angelegenheiten der Sprache ja empfiehlt, ein wenig genauer – ist die der Sportreporter, Brüllaffen und Effizienzhansel, und auch aus deren Hetze werden Taten, und was sie anrichten, liegt vor aller Augen.

Doch was wir sehen sollen, steht in der Zeitung, und als es im Morgenblatt um Nolde ging und wie man mit Kunst von Leuten verfährt, die Nazis oder sonstwie Arschlöcher waren, standen die Autorinnen nicht an, den geradezu grotesk komplizierten Fall – ein führertreuer Antisemit stilisiert sich nach dem Krieg als Opfer – fürs geneigte Publikum aufzubereiten: „Auf das Ende der DDR-Diktatur bezogen, könnte man sagen: Es ist, als wäre das Stasi-Opfer Nolde als IM enttarnt, als hätte jemand in einem Keller den zweiten Teil seiner Akte gefunden, in der Täter-Kartei.“ Weil, in diesem ganzen Nazidurcheinander da, da kennen wir uns ja gar nicht mehr aus, wer da nun wie sehr schuld dran war und warum, der Unglücksfriede von Versailles z.B. spielte da ja eine spannende Rolle, und Täter und Opfer, das ging schon ziemlich durcheinander; sinnvoll also, für uns Spätgeborene, die wir vom Serienglotzen und Quatschbestellen halt auch etwas schwer von Kapee sind, die Sache auf den Punkt zu nageln: Nolde, das war ein Nazi-IM, und es ist, als hätte Honecker Auschwitz befohlen.

„Schau lieber weg / Die Gefahr ist viel zu groß“ Frank Schöbel, 1966

Die Sprache und die Hitze, pardon: Hetze, pardon: doch Hitze: „Sonne satt: Wetterdienst erwartet neue Hitzerekorde für Juni“, freut sich DPA, denn Hitze und Sonnenrekorde sind heute sehr viel mehr in, als sie sein dürften, und das ist dann immer das Dilemma, einerseits Sonne melden zu können, anderseits Sonne melden zu müssen; aber da tatsächlich 80 bis 95 Prozent aller journalistischen Fachkräfte trotz Abi und Studium keinen Schimmer haben, was so ein Dilemma eigentlich ist, und spätestens vorm Wort „Rekord“ auch keine Lust mehr haben, darüber nachzudenken, kriegen wir jetzt Sonne satt und freuen uns aufs Grillen. Dass irgendwelche Wissenschaftler irgendwo dem Planeten, wie wir ihn kennen, nur noch zehn Jahre geben, gehört dann zu diesem frömmelnden Tugendterror, von dem die Zeitung, die Nolde zu einem IM umlügt, neulich so überzeugt war; eine „große Scham“, unter der wir alle leiden und die sich dann so äußert, dass die Pfingstferiengrüße nicht aus dem Opel-Zoo oder dem Wisentgehege Springe kommen, sondern aus Kos und Chicago, und wenn es dann soweit ist und nämlich vorbei, sind wieder alle Opfer und haben von nichts etwas gewusst.

Aber nachdenken ist heute einfach nicht so sehr in, und man sieht nur, was man sehen will: „Die Behörden haben die Gefahr von rechts offenbar übersehen“ (FAZ.net, 21.6.). Und dass wir die von links nicht übersehen, dafür sorgt die Zeitung.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Taxi

Man wird im Leben ja viel häufiger bestellt als abgeholt, und wohl deshalb sehnen sich die Leute so sehr danach, abgeholt zu werden. Und darum lesen sie auch den Robert Seethaler, der seinen Riesenerfolgsroman „Der Trafikant“ (Christine Westermann: „Großartig!“, Spon: „wunderbar erzählt“, FAZ: „wohltuend“) also beginnen lässt: „An einem Sonntag im Spätsommer des Jahres 1937 zog ein ungewöhnlich heftiges Gewitter über das Salzkammergut, das dem bislang eher ereignislosen Leben Franz Huchels eine ebenso jähe wie folgenschwere Wendung geben sollte.“ Das Salzkammergut, das eine Wendung gibt, die ohne Folgen gar keine richtige wäre – lesen wir solch exquisiten Murks, wissen wir sofort: Gottseidank keine Literatur, gottlob nix, was vorgäbe, irgend klüger zu sein, und dann geht’s auch rasant stiluninteressiert mit zunehmend und nachvollziehbar (im Jahr 1937!) weiter, so dass niemand fürchten muss, etwa zurückgelassen zu werden.

Das liegt auch dem Tobias Haberl vom SZ-Magazin fern, der eine Meinung zu Margarete Stokowski loswerden musste in Zeiten, wo sich „fast alle … tiefe Gedanken über das Binnen-I (machen) und überhaupt keine darüber, wie man den sechs Millionen Analphabeten in unserem Land das Lesen und Schreiben beibringen könnte“, außer im SZ-Magazin natürlich, das regelrecht dafür auf der Welt ist, sich zwischen Anzeigen für 20 000 Euro-Möbel und 30 000 Euro-Uhren um die Nöte der sechs Millionen Analphabeten zu besorgen. „Tatsächlich hat sie“, die einen Auftritt in einer Buchhandlung hatte platzen lassen, die Bücher der sog. Neuen Rechten anbietet, „nichts dagegen, wenn ihre Bücher auf Amazon einen Mausklick von rechter Propaganda entfernt sind. Tatsächlich liest sie in der Roten Flora in Hamburg, einem autonomen Kulturzentrum, von dem auch gewalttätige Aktionen ausgehen.“ Widersprüche, wie sie nur knallharter Wahrheitsjournalismus ans Licht zu zerren vermag, der weiß, wie das geht mit dem Abholen, nämlich mittels jener halben Wahrheiten, die schon Lichtenberg für so viel gefährlicher hielt als die glatten Lügen. Und überhaupt schön, wie das werbefreundliche Umfeld, das da „Magazin“ heißt, immer gleich schmallippig wird, wenn eine „exzellente Autorin“ mit links Geld verdient, denn Geld verdienen, das darf man nur, wenn man die Ordnung der Geldverdiener aus vollem Herzen unterstützt, sonst ist es nämlich ein Widerspruch, und das ist der gewaltigste Vorteil an der Konformität, dass sie die eigenen Widersprüche so gut aushält, weil sie weiß (und schätzt), dass alles immer bloß ein Riesenkompromiss ist.

„Come as you are“ Nirvana, 1992

Drum müsste Stokowski, zitiert Haberl gern den verwandten Esel Fleischhauer, weniger kompromisslos sein und „unabhängiger von der Meinung ihres Herkunftsmilieus denken“, und das wäre dann der Vorwurf aller Vorwürfe: dass hier eine ihre Leute bloß abholt, ein Vorwurf, vorgetragen von Leuten, die im Leben nichts anderes gemacht haben. Haberl: „Zu viele Männer sind sich ihrer Privilegien nicht mal bewusst oder ahnen nicht, was in Frauen vorgeht, wenn sie nachts allein am Bahnsteig stehen“, Disclaimer; „zu viele Frauen verstehen nicht, dass es Männer nicht nur nerven, sondern auch verstummen lassen kann“, sagen sie keinen Mucks mehr, die Männer, „wenn sämtliche Großbaustellen vom Klimawandel über den Rechtsruck bis zur Krise der westlichen Welt jeden Tag und auf sämtlichen Kanälen“, SZ, FAZ, „Heute Journal“, „den ,alten, weißen, heterosexuellen Männern’ in die Budapester geschoben werden, wo die doch längst von einer aufgeschlossenen Generation junger Männer abgelöst werden“, nämlich vom Haberl oder seinem Kollegen Scharnigg, der vor zwei Wochen eine ganze Zeitungsseite mit der Halluzination vollmalen durfte, Großstadtbewohner könnten vor lauter Korrektheits-„Frömmelei“ weder Fleisch mehr essen noch Auto fahren, oder nur in blanker Angst.

Wir dagegen fahren Taxi, am liebsten mit Haberl und Kollegen; denn die kennen nicht nur das Ziel, die kennen auch den Weg. Nicht dass man am Ende falsch abbiegt; oder überhaupt. 

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Gärtners kritisches Pfingstsonntagsfrühstück: Ein kurzer Brief zum langen Abschied

Ich bin, was Entscheidungen betrifft, eher unlustig und nur ausnahmsweise in der Lage, ohne weiteres eine Präferenz zu äußern: Beim Zahnarzt lieber mit Betäubung, lieber einkehren als weiterwandern, diese Liga. Müsste ich’s aber wissen, wäre ich lieber Wulf Schmiese (ZDF) als Claus Kleber (ebenfalls ZDF), denn erstens ist Schmiese ungleich besser angezogen, und zweitens steht er, als Redaktionsleiter des Heute-Journals, nur ausnahmsweise im Fernsehen herum, nämlich dann, wenn es einen Kommentar aufzusagen gibt. Dann steht Wulf Schmiese erst etwas unabgeholt am Nachrichtendesk, bis Claus Kleber sagt, dass jetzt Wulf Schmiese etwas kommentiert, und dann ist Wulf Schmiese richtig im Fernsehen. Unter diesem Gesichtspunkt wäre ich lieber ein Tagesthemen-Kommentator als Wulf Schmiese, weil die nicht so linkisch am Desk stehen müssen, bis sie dran sind, aber Tagesthemen-Kommentator will ich natürlich auf keinen Fall sein, und Wulf Schmiese ja auch nur dann, wenn ich andernfalls Claus Kleber sein müsste.

Wulf Schmiese hat sich jetzt bei Andrea Nahles bedankt, die uns nämlich die Große Koalition beschert habe, als es anders nicht weitergegangen wäre, und dass es weiter- und immer weitergeht, dafür steht Wulf Schmiese ja ein, auch wenn ihm vermutlich nie wer dafür dankt. Aber für ein Dankeschön kann man sich ja auch nicht viel kaufen, nicht wahr: „Dank half der SPD selten. Seit 100 Jahren ist sie immer wieder als Helfer in der Not eingesprungen, hat Vaterland vor Partei gestellt und musste dafür stets schwerste innerste Kämpfe aushalten. Nahles ging es da nicht besser als zig ihrer Vorgänger seit Friedrich Ebert.“ Wulf Schmiese ist klug, sonst wäre er nicht Redaktionsleiter beim ZDF, und also hat er gesagt: Seit 100 Jahren, und nicht etwa: Seit 105 Jahren, auch wenn die SPD da erstmals im ganz großen Rahmen Vaterland vor Partei gestellt hat. Aber vor 100 Jahren tat sie’s so, dass Wulf Schmiese und wir ohne weiteres dafür dankbar sein können, hätten wir doch ohne den Einsatz Friedrich Eberts den Bolschewismus bekommen und dann diese VEB-Anzüge anhaben müssen, wie sie Claus Kleber bis heute bevorzugt.

„Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen.“ Hegel, 1807

So klug ist Wulf Schmiese aber dann wieder nicht, darauf zu kommen, dass dieses ständige Vaterland-vor-Partei am Ende der Grund ist, weshalb die SPD ihrem Ende ins Gesicht sehen muss, denn eine sozialdemokratische Partei müsste ja die kleinen Leute vor dem Vaterland in Schutz nehmen, welches eine Veranstaltung und Erfindung der Bourgeoisie ist. Das aber hat die SPD nun wirklich in nahezu bewunderungswürdiger Sturheit falsch und im engen Sinn verkehrt gemacht: Kriegskredite, Ebert, Radikalenerlass, Nachrüstung, Jugoslawien, Hartz – wenn’s drauf ankam, ging es ums Vaterland und nicht um die, um derentwillen die SPD doch eigentlich auf der Welt war. Soviel sieht Wulf Schmiese richtig: Die SPD war immer da, wenn das Vaterland sie rief, und jetzt ist es aber so, dass das Vaterland die SPD nicht mehr recht benötigt, denn Bergleute gibt es bald nicht mehr, und die Interessen der anderen zu aggregieren gibt es genügend andere Angebote. Wäre Wulf Schmiese nicht Redaktionsleiter beim ZDF und bestünden also seine Kommentare nicht notwendig aus „Jetzt muss …“-Appellen, hätte er sagen (oder wenigstens nachsagen) können, dass das sozialdemokratische Zeitalter zu Ende ist, weil der Kapitalismus nichts mehr von jenem Bolschewismus zu fürchten hat, den Ebert aufzuhalten müssen glaubte, obwohl’s da gar nichts aufzuhalten gab.

Nennen wir’s Ironie der Geschichte; oder List der Vernunft.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Mein Ruin

Kritisches Kolumnieren ist gewiss anfällig für Selbstgerechtigkeit, denn es geht nun einmal darum, dass man wirklich der einzig Zurechnungsfähige in einer Welt voller Verrückter ist, und das ist solange schön und komfortabel, wie es nicht stimmt, denn wenn es stimmt, wirdʼs wirklich schlimm: „Weg mit den Bauklötzen! Eine Kita ohne Spielzeug – klingt widersinnig. Tatsächlich aber kann die fehlende Ablenkung Wunder wirken und wichtige Fähigkeiten für das spätere Leben ausbilden“, und mir fehlt leider die wichtige Fähigkeit, derlei Kram, der von der fähigkeitsaffinen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ freilich gern berichtet wird, nicht zu lesen. „Was mit einem Kind passiert, das sich ohne Spielzeug beschäftigen muss, stärkt die Persönlichkeit und fördert damit die viel beschworene Resilienz, die psychische Widerstandskraft eines Kindes“, damit es später, wennʼs im Büro einmal hakt, gleichwohl fanatisch dranbleibt und nicht etwa das einzig Richtige tut, nämlich mit dem Saufen anfängt.

„Das Projekt ,Spielzeugfreier Kindergartenʼ wurde 1991 vom Jugendamt Weilheim-Schongau in Bayern entwickelt und kommt aus der Suchtprävention“, denn „der beste Schutz gegen problematische Entwicklungen seien gut entwickelte Lebenskompetenzen, und die Weichenstellung dafür finde in der frühen Kindheit statt“, wie ja die Weichenstellungen für schlechterdings alles; weshalb die FAZ-Bloggerin, die sich mit bloß halbem Augenzwinkern „Helikoptermutter“ nennt, von der ersten „Kita-Reise“ berichtet, weil der Planet auch in Zukunft Leute benötigt, die irgendwo hinfahren, ohne dass sie wüssten warum. Aber zurück in den Nichtschongau: „Das Projekt schafft durch einen zeitlich begrenzten Wegfall gewohnter Strukturen und Angebote den Rahmen, die eigenen Lebenskompetenzen und die der anderen wahrzunehmen, weiterzuentwickeln und zu erprobenʼ, erläutert Strick“, und den mag man nehmen wollen, wo die guten (oder nicht so guten) alten Bauklötze – noch einmal und gern kursiv: Bauklötze – dafür herhalten müssen, „dass man Fehler macht und Enttäuschung aushalten muss, ohne dass dies gleich von Erwachsenen ausgeglichen werde.“

„Mein Ruin ist weiterhin / Eine Arbeit ohne Sinn / Etwas, das man nie bereut / Eine Abgeschiedenheit“  Tocotronic, 2007

Genau. „Frustrationstoleranz, Herr Frevert!“ (Niels Frevert), und da lehne ich mich gern aus dem Fenster und behaupte: Je mehr Lebenskompetenz, desto weniger Leben oder allenfalls das, was im SZ-Magazin als solches verkauft wird, wo jetzt der Chef des „besten Restaurants der Welt“, ein Italiener, der gern Maserati fährt, zum Interview war und ein Dessert im Angebot hat, das so aussieht und so aussehen soll wie frisch vom Teller gefallen: „Der beste Koch der Welt serviert mit Absicht eine zerbrochene Tarte. Aber als perfekte Rekonstruktion des nicht Perfekten. Wir sind alle fehlbar, darum geht es. Grundschüler aus Sydney, die diese Nachspeise im Unterricht behandelten, haben mir hinreißende Briefe geschrieben: ,Du bist ein sehr inspirierender Mann. Ich liebe es, dass du Fehler machst, aber trotzdem nicht aufgibst!ʼ“

Wir sind alle fehlbar, darum geht es, aber wir dürfen es nur sein, sofern aus unserer Fehlbarkeit das Perfekte wächst, denn „letztlich geht es um den Kampf gegen die Alltäglichkeit – der Tod jeder Kreativität“, und das sollen halt Grundschüler schon begreifen, dass Alltäglichkeit das Letzte und Kreativität Trumpf ist. Und ich könnte jetzt natürlich wieder dumm fragen: Wie gelangt eine postmoderne Drei-Sterne-Nachspeise in den Unterricht australischer Grundschulen?, aber solche Fragen sind ganz nutzlos, denn hier lassen sie die Bauklötze weg und da gehtʼs um postmoderne Puddings, es wird etwas mit dem zeitlich begrenzten Wegfall gewohnter Strukturen und Angebote zu tun haben. Lieber frage ich Sachen, auf die ich eine Antwort weiß: Warum kann es, geht es um ein Dessert, nicht schlicht darum gehen, dass es prima schmeckt? Warum kommen Achtjährige angesichts einer Süßspeise darauf, diese „inspiriere“ sie, und zwar bloß zu den allerkaputtesten Konkurrenz- und Selbstoptimierungsgedanken? Und was hat sie alle bloß so ruiniert?

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ach, Peter Tauber!

Ach, Peter Tauber!

Als Sie in Ihrer Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium sagten, die Bundeswehr bekomme nun, »was sie verdient«, da fingen wir sofort an zu träumen: eine komplette Neustrukturierung angesichts unzähliger Naziumtriebe? Einen ordentlichen Einlauf wegen der kriegsverherrlichenden Sprüche auf ihren Werbeplakaten? Oder gar eine zünftige Tracht Prügel für das Abfackeln von gut 1000 Hektar Moor in Meppen und den dabei verursachten Schaden von 100 Millionen Euro?

Aber nein, Sie sprachen natürlich nur von irgendwelchen modernisierten Panzern – die die Bundeswehr also noch mal womit verdient hat?

Will es lieber gar nicht wissen: Titanic

 Auf die Plätze, fertig, los, niederländische Sprinterin Madiea Ghafoor!

Und zwar zum Haftantritt. Sie sind wegen Einfuhr von Drogen und Beihilfe zum Drogenhandel vom Landgericht Kleve zu einer achteinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Laut Ihrem Verteidiger wollen Sie die Entscheidung jedoch anfechten, weil Sie davon ausgegangen waren, lediglich illegale Dopingsubstanzen im Auto gehabt zu haben, mit denen Sie sich für die diesjährige Leichtathletik-WM in Doha aufputschen wollten.

Das mag jetzt für Ihre weitere Karriere als Rundendreherin auf dem Knasthof ein echter Downer sein, aber Speed ist eben nicht gleich Speed!

Gefangen im Satirerausch: Titanic

 Neuseeländische Supermarktkette »Countdown«!

Das ist mal eine schöne Nachricht, die Du in diesen kalten und ungemütlichen Zeiten von Dir hören lässt: Jeden Mittwochnachmittag bieten Deine Märkte fortan eine »ruhige Stunde« für Autisten und sensible Kunden an, mit gedimmtem Licht, leiserer Musik und leiseren Piep-Geräuschen an der Kasse. So löblich und unterstützenswert dieser Vorstoß ist, fragen wir uns doch, ob er nicht noch um andere Zielgruppen erweitert werden könnte: Eine zehnmal so große Supermarktvariante mit fußballfeldbreiten Gängen für Klaustrophobiker schwebt uns da vor; eine mit sehr engen Gängen und 20 Prozent Gefälle ausgestattete für Maniker; eine für Menschen mit multipler Persönlichkeit, in der es viel mehr Einkaufswagen gibt; sowie schließlich eine mit komplett leeren Regalen und defekten Kassen – für Kaufsüchtige.

In diesem Sinne: Mach »ruhig« weiter! Titanic

 »Heidegger Studies«!

Als wir erfuhren, dass Ihr in Eurer aktuellen Ausgabe einen Aufsatz mit dem Titel »Seinlassen des Mitdaseins aus dem Sein-zum-Tode?« veröffentlicht habt, stellte sich uns eine grundstürzende fundamentalontologische Frage: Könnt Ihr so was nicht einfach sein lassen?

Gruß vom mannigfaltigen Dasein auf der Titanic

 Brrr, Tilman Kuban!

Von der »Zeit« gefragt, welches Tier das politischste sei, wieherten Sie: »Als Niedersachse sage ich: das Pferd. Weil es sturmfest und erdverwachsen ist.«

Nun kann ein erdverwachsenes Pferd ja weder traben noch galoppieren. Streng genommen kann es sich gar nicht vom Fleck bewegen, tritt nur auf der Stelle. Damit haben Sie ein Bild geschaffen, das wahlweise als exemplarisch für den Zustand von CDU, SPD oder der Groko durchgehen könnte, was wiederum für einen Nachwuchspopulisten wie Sie gar nicht mal so schlecht ist.

Will jetzt trotzdem nicht weiter darauf herumreiten: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Sehr kleine Gastronomiekritik

Diese Street-Food-Trucks sind auch nur die Tiny Houses der Restaurantwelt.

Julia Mateus

 Amtlicher Claim

Slogan-Fragment für deutsche Bürgerämter: »Willkommen im Meldorado. Der Ort, an dem Sie uns Ihre neue Adresse geben – und wir sie mit zwei Fingern abtippen.«

Felix Scharlau

 Kundenbindung

Endlich den nie gelesenen Newsletter dieses Uhrenherstellers abbestellt. Und direkt bestätigt worden, ohne Moment-mal-Klickorgie, Bitte-nicht-Rumgejammer oder Warum-nur-Fragenkatalog. Einfach nur Danke und Tschüs. Da konnte ich nicht anders, als mich direkt wieder anzumelden.

Teja Fischer

 Kulturkritik

Typisch – im Internet die Songs vorhören und dann doch die Vinyl-Platte beim kleinen Einzelhändler kaufen. Verratzte Hipsterbande!

Tina Manske

 Knapp vorbei

Als Herr H. letztens aus einer Laune heraus die Unterpfaffenhofener Kathedrale betreten hatte, unternahm Gott einen erneuten Versuch, Herrn H. zu erleuchten, verfehlte jedoch sein Ziel. Dafür traf er ein paar der zum Altar führenden Stufen und einen Mülleimer, die seitdem mit naseweisen Bemerkungen den Gottesdienst stören. Das Pfarramt hat freilich eine Eingabe gemacht, die jedoch wie stets unbeantwortet blieb.

Tibor Rácskai

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 03.12.:

    China Radio International berichtet u.a. über die Pre-Premiere des Buches "Der kleine Herr Tod" von Christian Y. Schmidt.

  • 03.12.:

    Die Taz über die gesammelten TITANIC-Kolumnen von Walter Boehlich.

  • 03.12.:

    40 Jahre endgültige Satire in circa zwei Minuten bei der "Deutschen Welle".

  • 27.11.:

    MDR Kultur empfiehlt das Hörbuch zu 40 Jahren TITANIC.

  • 26.11.:

    Martin Sonneborn erklärt in einem Gastbeitrag im "Tagesspiegel", warum er die EU-Kommission ablehnen wird.

Titanic unterwegs
09.12.2019 Frankfurt, Henscheid TITANIC-Adventslesung
09.12.2019 Gilching, Monis Brettl Thomas Gsella
09.12.2019 Berlin, Das ERNST Elias Hauck und Paula Irmschler
12.12.2019 München, Heppel und Ettlich Moritz Hürtgen