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Gärtners kritisches Ostersonntagsfrühstück: Luft, Luft

Mit irgendwas muss man die Zeitung in monothematischen Zeiten ja vollmachen, und viel ist zu lesen darüber, dass die Leute jetzt Gelegenheit haben, zur Besinnung zu kommen, zu merken, „was wirklich zählt“. Glaube ich freilich keine Sekunde dran. Denn wahrlich, ich sage Euch: Kaum ist der Spuk vorbei, geht es weiter wie immer, ja holen die Leute alles nach, was sie betr. Konsum und Remmidemmi unterlassen mussten, und im SZ-Magazin, dem Zentralorgan für Besinnung und Konsumverzicht, durfte Avon- oder wenigstens Lebensberaterin Johanna Adorján die Zentralfrage der Zeit beantworten: ob es okay sei, „zur Demonstration von Fridays for Future zu gehen und im Sommer trotzdem drei Wochen lang nach Spanien zu fliegen“.

Das sind so Fragen, und das sind so die Antworten: „Individuelle Anstrengungen werden den Klimawandel nicht aufhalten, es braucht einen Systemwandel. Die Politik muss im großen Stil handeln. Zugfahren muss viel billiger werden als Fliegen, und alles, was schädlich ist, muss enorm teuer sein. Im Moment wird versucht, dem Einzelnen zuzuschieben, die Welt zu retten. Das ist eine sehr faule und verheerende Haltung“, nämlich laut Adorjáns Gewährsleuten Slavoj Žižek und Naomi Klein eine kapitalistisch-konsumistische. „Wie aber verändert man das System? Die Politik muss begreifen, dass große Teile der Bevölkerung (= ihrer Wähler) Veränderung wollen. Deshalb ist es wichtig, seine Haltung öffentlich zu zeigen. Ob man fliegt oder nicht.“

Es wird Johannes S. aus Münster und die übrige Kundschaft freuen zu hören, dass sie, solang es billig ist, fliegen dürfen, was das Zeug hält, solange sie hin wieder dafür demonstrieren, dass Fliegen sehr viel teurer wird. Ihr demonstrativ geäußerter Wille ist nämlich wichtiger, als freiwillig das zu lassen, wozu sie doch gezwungen sein wollen, falls sie das denn wirklich wollen und wir uns das überhaupt leisten können. Die Lufthansa, sagt die Lufthansa, verliert, solange die Flotte geparkt ist, jede Stunde eine Million Euro. Diskussionen um die Verteuerung des Flugverkehrs wird es also zunächst noch weniger geben als ohnehin schon, was natürlich im Doppelsinn günstig ist, denn nicht zu fliegen ist geradezu das Gegenteil von Weltrettung, und es wird zu den erfreulichen Folgen von Corona gehören, dass sich Klimaschutz und Standortrettung spätestens nächstes Jahr wieder in einem erledigen lassen.

„Es gibt aus der Verstricktheit keinen Ausweg. Das einzige, was sich verantworten lässt, ist, den ideologischen Missbrauch der eigenen Existenz sich zu versagen und im übrigen privat so bescheiden, unscheinbar und unprätentiös sich zu benehmen, wie es längst nicht mehr die gute Erziehung, wohl aber die Scham darüber gebietet, dass einem in der Hölle noch die Luft zum Atmen bleibt.“ Adorno, 1944

Von Lichtenberg stammt die Einschätzung, Halbwahrheiten seien schlimmer als Lügen, und die Hälfte der Wahrheit ist, dass Konsum nicht Teil der Lösung ist, sondern Teil des Problems. Gleichwohl hat das, was „Flugscham“ heißt, in Schweden die Zahl der Flüge immerhin etwas reduziert, während sie in SUV-Deutschland immer noch zugenommen hat, und kann es in einem System, das weder die SZ noch sonst jemand diesseits der DKP ändern will, um überhaupt noch etwas gehen, dann darum, sich nicht jene Scham abmarkten zu lassen, die unter der institutionalisierten Schamlosigkeit vielleicht bloß eine Geste, aber doch wenigstens das ist. Wer sich schämt, weiß, es ist was falsch; Schamlosigkeit aber ist, nach Freuds bekanntem Wort, der Schwachsinn selbst.

„Es fliegen ja auch nur noch Proletarier nach Neuseeland“, schreibt mir der Freund, der selbst erst da war, wie zerknirscht, und in dem Satz liegt alle Wahrheit: Was teuer sein müsste, wird nicht teurer werden, damit das, was es die Leute kostet, nicht vom Glauben abzufallen, auch weiterhin a conto der noch Schwächeren sowie einer Zukunft geht, die erst dann eine wäre, wenn sich kein Proletarier mehr schadlos halten müsste, weil alles für alle dasselbe kostet. Bis zu diesem Systemwandel, den Adorján nicht meinen kann, wird die zweite Zentralfrage der Zeit bleiben, „wie man mit Menschen umgehen soll, von denen man weiß, dass sie Faschisten wählen.“ Die Antwort könnte lauten: Die Faschisten weiter zum Abendessen einladen, denn individuelle Anstrengungen werden den Faschismus nicht aufhalten, es braucht einen Systemwandel. Und auf den wartet man doch besser bei einer guten Flasche Rotwein; oder sogar am Ninety Mile Beach.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: You Name It

Früher oder später erwischt es ja viele, und bei mir war es jetzt soweit: CDU zu werden. Ich bin nun CDU, denn die CDU immerhin hat Bedenken angemeldet, ob inskünftig, wie von Bundesjustiz- und Bundesinnenministerium vorgesehen, sich alle zehn Jahre sowohl Familien- als auch Vorname „anlasslos“ wechseln lassen sollen. Zwar sei, lauten die Bedenken, das Namensrecht in der gegenwärtigen Fassung „unübersichtlich“ und trage der wachsenden Zahl von Patchworkfamilien nicht Rechnung, aber aus Gründen der „Rechtsklarheit und Rechtswahrheit“ sei es besser, „dass Namen nicht beliebig oft und aus beliebigem Grund gewechselt werden können.“

Die SPD dagegen lobt das Ganze, sie hält es für eine Stärkung der persönlichen „Autonomie“, und dass die Verkommenheit dieser wunderbaren Partei immer neue Gipfel erklimmt, sei hier wieder mal gelobt. Denn wo gäb’s Autonomie denn anders als simulierte, und kennen „Individualitäts-“ und Wettbewerbsgesinnung eh schon keine Grenzen mehr, wenn Eltern ihren Nachwuchs Tusnelda-Marie Jolante oder Ron John Don nennen, macht die SPD das, wozu einzig sie noch da und nütze ist: Öl ins Feuer kippen.

An dieser Stelle hieß es neulich, gesellschaftlicher Fortschritt sei, nichts als „Schicksal“ hinzunehmen, und es gibt diesen schönen jüdischen (freilich auch realsozialistisch und vermutlich noch vielfach sonstwie adaptierten) Witz, wo ein Jude 1933 auf dem Amt mit dem Wunsch nach Namensänderung vorstellig wird: „Wie heißen Sie denn?“ „Adolf Stinkfuß.“ „Na, so möchte ich auch nicht heißen! Wie lautet Ihr Namenswunsch?“ „Moritz Stinkfuß.“ Wer sein Lebtag mit seinem Vornamen gehadert hat, für den mag’s jetzt eine Erleichterung sein, dass er ihn ändern darf; und nach zehn Jahren wieder, je nach kurrenter Lust und Mode.

„Die Individualität ist von der Besonderheit zu unterscheiden“ Hegel, 1821

Könnte man nun sagen: Was regt sich Gärtner auf, soll doch jeder heißen, wie er will. Vielleicht stimmt’s, und ich muss mich gar nicht aufregen. Was aber mit Sicherheit nicht stimmt, ist, dass derlei „Ferz“ (frankfurterisch für: Hirnfürze) die freie Entwicklung des einzelnen wären, die für die freie Entwicklung aller einsteht. „Sich neu erfinden“ im Dezenniumstakt ist bloß Teil totaler Selbstvermarktung und überdies ein aufschlussreiches Komplement: Denn einerseits brauchen wir Identität und Wurzeln und derlei, andererseits dürfen wir unsere Vergangenheit nach eigenem Ratschluss tilgen und statt Jakob dann Günter, statt Günter Rasputin und statt Rasputin Müller-Westernhagen Marius Maria Grönemeyer heißen. Und immer wieder anders: der Triumph reiner Gegenwart, und immer schreien alle „Orwell!“, aber wenn er mal einschlägig ist, sieht es niemand.

„Namen“, lautet ein bekanntes Dekret des Sozialdemokraten Carlo Schmid, „sind Realitäten erster Ordnung“, und das war natürlich damals schon Quatsch. Namen sind nämlich Schall und Rauch, und wer heute noch auf einer Lohnliste steht, von dem weiß morgen keiner mehr, wie er gestern hieß; es sei denn, er hieße Ingoflur Blühdorn, ein Name, den man sich merken muss (im Sinne von: man kann nicht anders!) und der, es gibt ihn wirklich, vielleicht nicht der beste, aber auch nicht der letzte Grund ist, das neue, prima Buch von Freundin Kathrin Hartmann zu kaufen, die nämlich weiß, dass kapitalistische Auswege meist bloß Sackgassen sind.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Ein Sinngeber

Dass die gegenwärtige Viruskrise das Kleingewerbe besonders trifft, sei mit Blick auf mein eigenes nicht zum Witz gemacht, besteht doch mein Problem bloß darin, wie in derart monothematischen Zeiten eine Kolumne zu bewirtschaften ist; oder ja sogar deren zwei; oder, rechnen wir die (übrigens sehr guete) in der (ebenfalls sehr gueten) „Wochenzeitung“ (Zürich) hinzu, drei, wobei da die lokalen, wunderbaren Kolleginnen und Kollegen helfen. Bei der Gelegenheit und weil grad Zeit ist möchte ich das Urheberrecht auf den WOZ-Kolumnenwitz vom vergangenen Donnerstag anmelden, falls ihn, was ich gar nicht glauben mag, nicht schon wer gemacht hat: „Das bayerische Abitur lässt sich letztlich ohne Hochschulabschluss gar nicht bewältigen“, und im letzten Jahr hat das sogar gestimmt.

Jasper von Altenbockum, ein sicherer Banker in Saure-Virus-Zeiten wie diesen, hat, das wird aus Wikipedia nicht recht klar, entweder ein achtbares rheinland-pfälzisches oder ein unschlagbares baden-württembergisches Abitur, was ihn zu allerlei berechtigt, etwa zu einer ungetrübten Spargelsaison: „Die Corona-Krise schreibt ihre ersten leicht widersinnigen Geschichten. Um doch noch die benötigten dreihunderttausend Saisonhelfer für die Gemüse-Ernte in Deutschland zu organisieren, wird es nicht ohne Improvisationskunst abgehen können – es sei denn, das Gemüse verdirbt auf den Feldern.“ Andersrum, Jasper: Das Gemüse wird auf den Feldern verderben, es sei denn, es gelingt ein Improvisationskunststück, das den Ausfall der ausländischen Erntehilfe kompensiert. Ein „Katastrophenfall de luxe“ ist nämlich eingetreten, und „der Katastrophenfall erlaubt es durchaus, inländische Arbeitskräfte dort einzusetzen, wo es dringend nötig ist, auch wenn sie davon nicht begeistert sind“.

Ihm wird doch nicht fad geworden sein in der Frankfurter Redaktion? Er wird sich doch nicht sehnen nach Sonnenschein, frischer Luft und Rückenschmerzen? Für einen Stundenlohn, der auf der Fressgass für einen Cappuccino reicht? „Aber schon wird bis in das Bundeslandwirtschaftsministerium vor der Rekrutierung von ,Zwangsarbeitern’ gewarnt, etwa Studenten. Das mag daran liegen, dass Julia Klöckner aus eigener Erfahrung weiß, dass sich Soziologie-Studenten für schwere Landarbeit einfach nicht eignen. Geschweige denn zum Spargelstechen.“

„Er war bei ihnen gesessen / In der Zeit ihres Kampfes / Wo sie jeden nahmen / Der ihnen half. / Später dann, in der Zeit nach dem Kampf / … Blieb er plötzlich aus.“ Brecht, 1933

Sowenig wie ehemalige solche der Geschichte, die auch gar keine Zeit hätten, den Spargel, den sie verzehren, auch noch selbst zu ernten, es wäre dies ja auch ein Verstoß gegen das eherne Frankfurter Prinzip von oben und unten: Sich von der harten Arbeit anderer ernähren, das ist soziale Marktwirtschaft oder, in „Notzeiten“ (Jasper), sogar „Solidarität“, die „einzufordern“ (deutsch: zu fordern) „nicht nur heiße Luft“ bedeuten darf, sondern auch, jawoll: „Zumutungen“.

Wenn auch nicht für einen Frankfurter Allgemeinen Zeitungsredakteur, für den die Grenzen der Zumutbarkeit bereits dann weit überschritten sind, wenn in der Kantine der Pudding alle ist oder ein Frühling ohne Spargelgericht stattfinden soll, was zu verhindern jede Zumutung wert ist; sofern sie bloß arme Schlucker oder potentielle Diversantinnen trifft, die, wo Solidarität und harte Arbeit nottäten, sich mit „irgendeiner Soziologie“ (Gunnar Homann) die Zeit vertreiben. Dass man nicht mal faule Hartzer zur Spargelernte pressen kann, wird Jasper da so bedauern wie die von Missgünstigen wie mir gezogene Parallele zum sog. Ernteeinsatz in der Deutschen Demokratischen Republik, deren Unrechtscharakter aber gerade hier sehr deutlich sichtbar wird, denn da fehlten die billigen Bulgaren halt immer. Mangelwirtschaft, widerlich.

Gemüsebauer, der Angst um seine Ernte hat, möchte man nicht sein; doch um wieviel weniger ein Erzähler allzu sinniger Geschichten, bei dem „Solidarität“ noch im Frühjahr klingt wie Winterhilfswerk.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Richtig falsch

Das einzige, was noch langsamer ist als eine Wochenkolumne, ist eine monatliche, und das Unbehagen, das der Virusnotstand im Feuilleton auslöst, lässt sich bis Ende April nicht konservieren. Es muss mithin schnell, umfassend und ggf. auch hart gehandelt werden, aber was ich hier treibe, bedroht die sog. offene Gesellschaft ja sowieso nicht.

Es ist also auch egal, ob mir das wer glaubt, dass ich es gesagt habe, bevor es z.B. im Morgenblatt stand: dass Corona der Herrschaft gerade recht kommt, weil sie hier exerzieren kann, was sie exekutieren müssen wird, wenn’s mal dicke kommt, ohne dass es aus China kommt, und sich etwa Unter- und erschöpfte Mittelschicht auf jene Barrikaden begeben, die sich per Ausgangssperre wertlos machen lassen. Dass die Bundeswehr bereitsteht, wie die Verteidigungsministerin wissen lässt, und zwar ausdrücklich auch, um „polizeiliche Aufgaben“ zu übernehmen, lässt die Erfüllung des alten Traums vom Armee-Einsatz im Inneren in jene Nähe rücken, die uns anderen verboten ist, und dass der Polizist, vom Fernsehen befragt, ganz arglos mitteilte, er müsse, gehe es um die Durchsetzung des Versammlungsverbots, auch „Widerstände brechen“, klang wie Zukunfts- und Vergangenheitsmusik zugleich.

Das Schlimme (oder, je nach Perspektive, Glückliche) daran ist, dass es wenig Anlass gibt zu glauben, dies alles sei unnötig, wenn sie in Italien die Leichen schon per Lastwagen aus der Stadt karren müssen. Der Rest ist Mathematik, und wer die Corona-Party steigen lässt, streitet vielleicht für das demokratische Recht auf Versammlungsfreiheit, tötet aber um sieben Ecken die Oma am Stadtrand, was, wer mag, als Metapher lesen kann dafür, dass das demokratische Recht auf Versammlungsfreiheit, als nämlich kapitalistisches, sowieso tötet, wenn auch anderswo. Möchte also sein, dass sich hier zwei Wahrheiten so überlagern, wie sie es in jenem Fall tun, der an dieser Stelle zuletzt verhandelt worden ist. Denn von dem, was ich zum Fall Allen gesagt habe, muss ich nichts wegnehmen, um nicht doch festzustellen, dass, wer mir zustimmte, sehr viel häufiger männlich als weiblich war, was die Kolumne nicht falsch macht, sondern Licht auf Verhältnisse wirft, in denen eine Vergewaltigung noch immer das annähernd perfekte Verbrechen ist. Es ist völlig richtig, auf dem ordentlichen Verfahren zu bestehen; es ist ebenso richtig, sich klarzumachen, wie selten es zu dem ordentlichen Verfahren kommt. Dem „Rechtsstaat so viel Ehre und Raum geben, wie er es für angemessen hielte, wenn er selbst beschuldigt würde, ein Monster zu sein“, verlangt auf Spiegel.de Richter Fischer von jedem, der seine Empörung ins Praktische verlängern will. Richtig wiederum; aber solange die Dunkelziffern so hoch sind, wie sie sind, und bei Verurteilungsquoten im einstelligen Prozentbereich ist auch das  (weibliche) Gefühl der Ohnmacht plausibel, wenn sich der Eindruck einstellt, es komme wieder einer davon.

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Adorno, 1944

Es ist nicht falsch, wenn die Armee Zelte für Schwerkranke aufstellt; falsch daran ist, dass es die Armee jenes Kapitals ist, das, beim geldzentrierten Gesundheitssystem angefangen, erst Verhältnisse schafft, in denen diese Zelte nötig werden. Es ist nicht falsch, Widerstände zu brechen, wo sie eine Gefahr für die Allgemeinheit sind; falsch ist, dass die Definitionsmacht, was eine solche Gefahr sei, die der (falschen) Herrschaft bleibt. Dass ein Land, dem die Alten, Kranken, Schwachen eher egal sind, jetzt näherungsweise stillsteht, um die Alten und Kranken zu schützen, ist vielleicht Ironie; aber die Fabriken stehen nicht still, um die Arbeiterinnen zu schützen, sondern weil gerade niemand den Quatsch kaufen mag. Falsche Gesellschaft wird nicht richtig dadurch, dass sie je und je das Richtige tut, und das Patriarchat ist nicht weniger im Unrecht, nur weil auch Männer manchmal recht haben.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Der Mob

Diese Kolumne hat sich vermutlich nicht den Ruf erworben, auf der Seite des alten weißen Mannes zu stehen, und deshalb wird man es nicht missverstehen, wenn sie den offenen Brief, den Autorinnen und Autoren an ihren Hausverlag Rowohlt geschrieben haben, als die Dummheit bucht, die er zweifellos ist; wenn nicht gar Schlimmeres.

„Wir sind enttäuscht über die Entscheidung des Rowohlt-Verlags, die Autobiographie von Woody Allen zu veröffentlichen. Wir haben keinen Grund, an den Aussagen von Woody Allens Tochter Dylan Farrow zu zweifeln. Ihr Bruder Ronan Farrow hat sich nachdrücklich gegen die Veröffentlichung im Verlag Hachette ausgesprochen, in dem auch seine eigenen Bücher erschienen sind … Unter anderem hat Farrow kritisiert, dass Allens Buch in den USA ohne Prüfung der darin enthaltenen Fakten erscheinen sollte. Nach gängiger Praxis müssen wir annehmen, dass ein ,fact checking’ des Buches auch in Deutschland nicht erfolgen wird. Wie Ronan Farrow sind wir der Ansicht, dass dieses Vorgehen unethisch ist und einen Mangel an Interesse für die Belange der Opfer sexueller Übergriffe zeigt … Es geht uns nicht darum, die Veröffentlichung grundsätzlich zu unterbinden. Allen mangelt es nicht an Möglichkeiten, sich mitzuteilen. Aber der Rowohlt Verlag muss ihn darin nicht unterstützen.“

Man weiß schlicht nicht, wo beginnen; beginnen wir also von vorn.

Der Streit um den Vorwurf, Woody Allen habe seine Adoptivtochter Dylan missbraucht, währt nun bald dreißig Jahre, und es ist keine obskure Auffassung, dass sich die Wahrheit nicht mehr wird ermitteln lassen. Allen, der juristisch unbelangt und durch zwei Untersuchungen entlastet ist, hat stets beteuert, seine Expartnerin Mia Farrow habe das Kind aus Sorgerechts- und Eifersuchtsgründen aufgehetzt, ähnlich (und noch deutlicher) äußert sich beider Adoptivsohn Moses, der seine Mutter für „extrem manipulativ“ hält. Ronan Farrow hält dagegen streng zur Mutter und seiner Schwester, die ihre Vorwürfe nach „Me Too“ erneuert hat. Sie war zum Zeitpunkt der Tat, die sie Allen vorwirft, sieben Jahre alt.

Dass 15 (mittlerweile: 13) deutsche Schriftsteller und Schriftstellerinnen keinen Grund sehen, an Dylans Aussage zu zweifeln, wird die Erwachsene freuen, aber die Gerichtspsychologie wird gern bestätigen, dass Aussagen (oder Erinnerungen) von Kindern nicht eben ein Vorbild an Gerichtsfestigkeit sind. Vor ein paar Jahren schloss eine Mainzer Kindertagesstätte nach angeblichen schweren sexuellen Übergriffen; später stellte sich heraus, dass nichts davon stimmte, sondern bloß aus Hysterie und Suggestivfragen zusammengesetzt war. Das heißt nicht, dass das Stereotyp der hysterischen Mutter/Frau nicht nach wie vor gern genommen wird, wenn es darum geht, Vorwürfe von Gewalt gegen Frauen zu diskreditieren; das heißt bloß, dass Verdacht und Urteil grundsätzlich zweierlei sein sollten. Das ist keine Parteinahme für Allen, sondern eine gegen den Mob, der sich, geht’s um Kindsmissbrauch, besonders leicht zusammenfindet.

„Vor allem kein Gedanke! Nichts ist kompromittierender als ein Gedanke!“ Nietzsche, 1888

Dass eine Autobiographie sich einem Faktencheck unterziehen müsse, ist mir ebenfalls neu. Eine Autobiographie ist vielleicht nicht notwendig Literatur, aber auch kein Sachbuch, und wenn ich in meine schreibe, ich sei der Don Juan der Oberstufe gewesen, kann mich das Feuilleton gern auslachen; aber es ist meine Sache, wie mindestens Profis (selbst wenn sie „enttäuscht über“ etwas sind) ja mal davon gehört haben könnten, dass autobiographische Texte nicht plan als non-fiction gebucht werden dürfen, falls das Verhältnis zu Fiktion allgemein nicht mittlerweile derart gestört ist, dass sich derlei propädeutische Hinweise erübrigen. Im übrigen darf einen doch gerade in solch unentschiedenen Fällen die Aussage des Angeklagten interessieren; wenn das Urteil nicht schon feststeht.

Dass Allen schreiben dürfe, was er wolle, aber nicht im Verlag der Unterzeichneten, berührte das Feld der Infamie selbst dann, wenn das Buch in den USA denn noch erscheinen könnte, wonach es nicht aussieht. Denn wenn er seinen unethischen Kinderschänderschund (falls es im Buch denn darum gehen sollte) anderswo veröffentlichen darf, ist der ja nicht aus der Welt; und falls er ihn, außer vielleicht bei Facebook, besser nirgends veröffentlichen soll, lautet die Übersetzung: Das Schwein, verurteilt oder nicht, soll keinen Fuß mehr auf den Boden kriegen. Das ist, ganz formal betrachtet, Selbstjustiz. Ob Allen in den USA für seine Filme noch mal einen Verleih findet, ist ja bereits fraglich, und Schauspieler und Schauspielerinnen, die sich eilfertig für ihre Zusammenarbeit entschuldigt haben, interessieren sich mehr für ihren Marktwert als dafür, wie schuldig der Beschuldigte wirklich sei. Sie kapitulieren vorauseilend vor jenem Teil des Internets, der seine Meinung immer schon hat.

Auf Ruhrbarone.de, wo sich einer der Unterzeichneten vorsichtig und teils mit den Argumenten, die ja nun wirklich auf der Hand liegen, vom Brief distanziert (er hat seine Unterschrift mittlerweile zurückgezogen), fragen sie schon: „Das Prinzip ,im Zweifel für den Angeklagten’ ist ja zunächst eines der Rechtsprechung. Es bedeutet nicht, dass nicht jeder persönlich seine Konsequenzen ziehen kann, wenn er selbst von der Schuld einer Person überzeugt ist. Denken Sie, dass dieses Prinzip im öffentlichen Diskurs überbewertet wird? Sollte es leichter sein, auch ohne Beweise oder rechtskräftige Verurteilung gesellschaftliche Konsequenzen für mutmaßliche Straftäter durchzusetzen, etwa durch Ächtung oder Boykott?“ Diese Kolumne hat sich vermutlich nicht den Ruf erworben, auf der Seite derer zu stehen, die vor linker Moraldiktatur warnen. Sie warnt aber gern vorm Größenwahn derer, die sich für links halten.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Von der Graswurzel

Diese Kolumne ist ja durchaus dafür da, das Gras wachsen zu hören, und durchaus nicht immer muss sie dafür das Ohr an den Boden legen: „Viele Eltern sind unsicher, wie sie ihre Kinder am besten beim Sprechenlernen unterstützen. Zu Unrecht, sagen Experten. Denn das Wichtigste machen sie meist intuitiv richtig“ – so wie ich es jetzt intuitiv richtig mache, wenn ich sage, dass für eine Welt, die scheint’s genügend Zeit und Ressourcen für derart groben Schwachsinn, für solch ebenenübergreifend schamlosen Scheißkram hat, die eine oder andere Extramillion Flüchtlinge doch überhaupt gar kein Problem sein sollte. Zufall, dass das Morgenblatt ein paar Tage später ein Buch der Stunde rezensiert und den darin umhergeisternden Millennials vorsichtig „ein paar Kinder“ empfiehlt, „damit sie es mal mit Problemen zu tun bekommen, die nicht alle unmittelbar mit ihrer eigenen Empfindsamkeit zu tun haben“. Sieht aber so aus, dass auch die Leute mit Kindern keine Probleme mehr haben, oder nur die völlig falschen. Mit abermals dem Freund und Kollegen Gunnar Homann zu seufzen: „Eltern, furchtbare Leut’.“

Mitunter bedarf es aber auch eines feineren Ohres, eines wacheren Auges: „Ramelow am Ziel“, überschrieb mein alter Siezfreund Jasper von Altenkirchen in seiner FAZ seinen Aufmacherkommentar zur Thüringer Lage, und ich sah’s am Bahnhofskiosk, machte, ganz empfindsamer Prä-Millennial, ein schnelles Foto und dachte: So geht also Missgunst. Missgunst in einem Augenblick, wo sich in einem ostdeutschen Bundesland die sog. Demokraten doch noch auf einen demokratischen Ministerpräsidenten haben einigen können, nachdem nicht wenige der sog. Demokraten kein Problem damit gehabt hatten, einen sog. bürgerlichen Ministerpräsidenten mit den Stimmen von Nazis zu wählen, also mit Leuten, die diesen sog. Demokraten, wie es aussieht, allemal näher sind als linke Sozialdemokraten mit realsozialistischer Vergangenheit. Nach all dem darf nicht einmal die bürgerliche FAZ durchatmen: Schön, ein MP, der sich nicht dem rechten Rand verdankt, aber um welchen Preis! „Ramelow am Ziel“, denn darum, man darf es nicht übersehen, geht es den Kommunisten doch, die Macht, „reine Macht“ (Orwell, „1984“), und nun ist einer ihrer Obersten am Ziel, hat es geschafft, hat sich durchgebissen, und die bürgerlichen Kräfte der mehr oder minder radikalen Mitte, die sich weißgott alle Mühe gegeben haben, das zu verhindern, müssen zusehen, wie der Bolschewismus unsere Kinder vergiftet.

„Jedes Wort, jeder Gedanke will nur in seiner Gesellschaft leben: das ist die Moral des gewählten Stils.“ Nietzsche, 1880

Möchte sogar sein, uns’ Jasper ist ebenfalls erleichtert, ich hab den Quatsch, der drunterstand, nicht gelesen und denke nicht mal dran; aber Jasper hat es nicht und nicht über sich gebracht zu schreiben: „Ministerpräsident Ramelow“ oder „Erleichterung in Thüringen“ oder wenigstens „Viel Lärm um nichts“, nein, er muss sich und der Kundschaft bestätigen, was sie weiß und was die Polizei und der Verfassungsschutz wissen und was man aber in diesem linksgrünen Siffland nicht laut sagen darf: dass der Feind immer noch links steht. Links, links, links! Und dass er, wenn wir uns nicht vorsehen und über den Höckes und Gaulands die Stalins vergessen, plötzlich am Ziel ist. Nie wieder, ruft es da in uns, nie wieder!

Dann doch lieber Graswachsen in Zimmerlautstärke: „In der gut besuchten U-Bahn saßen sie nebeneinander und küssten sich mit geschlossenen Augen … darin erkannte sie ein strukturelles Problem, das eng mit der globalen Ökonomie verwoben war“ (Leif Randt, „Allegro Pastell“, lt. SZ „das Dokument einer ästhetischen Zeitenwende“). Wenn mal wieder wo Skins die U-Bahn besuchen, werde ich darüber nachdenken, wie eng verwoben die FAZ mit ihnen ist. Und überhaupt alles mit allem.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Die Korrektur

Mit dem fortschreitenden Erwachsensein setzt ja die sog. Lebenserfahrung ein, und eine meiner Lebenserfahrungen lautet, dass Dienstag ein sehr guter Arzttag ist. Montag ist ein schlechter Arzttag, weil am Wochenende alle merken, dass sie krank sind, am Freitag gehen sie noch einmal, damit sie das Wochenende gut überstehen, aber am Dienstag sitze ich selbst als Kassenpatient und beim Facharzt nur genau so lange im Wartezimmer, wie es braucht, um zwei Ausgaben der „Bunten“ durchzublättern. Das ist genau die richtige Länge, denn mein Friseur ist einer von denen, die statt der „Bunten“ „Lucky Lucke“ ausliegen haben, und wenn man wissen will, was an dieser Welt falsch ist, ist die „Bunte“, „Burdas gruseliges Schmodderblatt“ (Gerhard Henschel), ja nun genau das Richtige.

Meine Lieblingsgeschichte war die eines jungen Prominenten, der sich ein Öko-Tiny-House aufs von der Oma geerbte Grundstück gebaut hat, weil wir uns, sagt er, nämlich alle ändern müssen, und sein nächster Plan, sagt er, ist „ein Elektroauto, am liebsten von Porsche“. Ich hab sogar noch mal zurückgeblättert, ob ich da ein Ironiesignal übersehen hätte („und lacht“), aber nix, zum Öko-Tiny-House gehört ein Elektroporsche wie die „Bunte“ ins Wartezimmer. Dass im Vermischten (also: im Vermischten vom Vermischten, vermischt ist in der „Bunten“ ja nun alles) plötzlich Jonathan Franzen auftauchte, war erst mal weniger plausibel, aber das muss er als Anführer der „Spiegel“-Bestsellerliste Sachbuch („Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen? Gestehen wir uns ein, dass wir die Klimakatastrophe nicht verhindern können“) nun einmal aushalten; wie er es ebenfalls aushalten muss, zum Kaufobjekt von „Bunte“- und „Spiegel“-Kundschaft zu werden, die es gern liest, dass Nichtstun letztlich dasselbe ist wie nicht Nichtstun, auch wenn Franzen das nicht schreibt, sondern dafür plädiert, nicht quasireligiös die Weltrettung zu betreiben, sondern lieber den einen oder anderen Apfelbaum zu pflanzen und die Welt bis zu ihrem sicheren Untergang zu einem besseren Ort zu machen. Bzw. gerade deswegen.

Wäre Franzen nun nicht in der „Bunten“ aufgetaucht, ich hätte es nicht wieder ausgegraben: wie ich vor Monaten noch einmal „Die Korrekturen“ in der Hand hatte und gar nicht mehr verstehen konnte, was ich daran, wie alle Welt, mal gefunden habe, so quälend akribisch ausgemalt war das alles, ein All-inclusive-Angebot aus Psychologie und Detailbesessenheit, das zum ächzenden Querlesen geradezu einlud. Als wär’ Literatur nicht Kondensat, sondern bloß jener Positivismus, den Spezialbeobachtungen wie „Das Licht hatte die Farbe von Reiseübelkeit“ weniger unterlaufen denn verstärken.

„Waldmann saß und hat hinaufgesehn, / und er sah die Welt wie sie verdorrte. / Plötzlich spürte er die Macht der Worte. / Später ist dann gar nichts mehr geschehn.“ Ror Wolf, 2015

Nee, da soll, auch wenn die Dialoge in Ordnung sind, von Lovenberg mit glücklich werden, ich finde ja Philip Roth schon überschätzt. Aber das macht auch nichts; Franzen ist natürlich immer noch viel besser als Neu-Star und Gurkenkönigin Raphaela Edelbauer („Das Loch übte eine mesmerisierende Gewalt aus, ein kollektives Begehren, das das wirtschaftliche Hymen zu durchbrechen strebte, welches das Land von seiner Bevölkerung getrennt hatte“), der Kollege Michael Ziegelwagner im Januarheft ihren mesmerisierenden Murks gerechterweise um die Ohren hat fliegen lassen. Aber weshalb ich überhaupt darauf komme: Mir ist ein altes Franzen-Interview in Erinnerung, in dem der passionierte Vogelfreund sinngemäß sagte, gewiss lasse er sich das passionierte Vogelbeobachten in aller Welt nicht ausreden („Sie wollen jetzt sicher von mir hören, dass ich in kein Flugzeug mehr steige“), und nun also: think local, act local. Und klar, wenn sein Agent oder seine Agentin sagt, komm, wir lassen deinen im New Yorker erschienenen Aufsatz in Deutschland als Buch binden, gibt noch mal was extra, sagt er natürlich nicht nein. Ich finde trotzdem, dass man nie schreiben soll, was die Leute hören wollen, schon gar nicht die falschen, und dass es einen unter Qualitätsgesichtspunkten noch heikleren Platz gibt als auf der „Spiegel“-Bestsellerliste: auf der „Spiegel“-Sachbuch-Bestsellerliste.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Metallica-Drummer Lars Ulrich!

Metallica-Drummer Lars Ulrich!

Bei einem Auftritt in der sog. »Trunk Nation«-Show gaben Sie, wie der »Rolling Stone« berichtete, zum Besten, was Sie derzeit gedanklich umtreibt: der Snare-Sound auf Ihrem Album »St. Anger« von 2003.

»Ich höre St.Anger, das sind eineinhalb Schläge, und da ist eine Menge unglaublicher, roher Energie, und es ist so ›Woah!‹. Es ist ein bisschen herumgeschlagen worden. Aber die Snare-Sache, das war super-impulsiv, kurzzeitig …«

Einmal im Flow, flowen Sie weiter: »Ja, das ist cool, das ist anders. Das wird einige Leute verrückt machen. Das klingt, als gehöre das zum Prügeln dazu. Heilige Scheiße! Das haben wir nicht kommen sehen …«

Heilige Scheiße, Ulrich, was man allerdings durchaus kommen sehen kann: Wenn ein stinkreicher Trommelfell-Quälix wie Sie nach geschlagenen 17 Jahren glaubt, immer noch über den Klang seiner Schnarr-Trommel schwadronieren zu müssen, dann dürfte es langsam an der Zeit sein, sich in die Heavy-Metal-Rente zu verabschieden.

Weil: Something else matters. Titanic

 Polizei Nürnberg!

Nachdem Du mehreren Radaktivisten die Luft aus den Reifen gelassen hattest und dies als geeignete Maßnahme gegen unbelehrbare Teilnehmer der Critical-Mass-Bewegung deklariertest, appelliertest Du just darauf »an die Vernunft der Verantwortlichen im Sinne des fairen Miteinanders im Straßenverkehr.«

Vorbildlich, gute Polizei; wir wollen in Zukunft noch mehr Engagement von Dir sehen! Was hältst Du davon, all den unbelehrbaren Rasern, die Radfahrer und Fußgänger tödlich überfahren, die Räder von der Karosserie zu montieren und erst wieder zurückzugeben, wenn sie ihr dauerhaft rücksichtsvolles Verhalten im Straßenverkehr unter Beweis stellen?

Hoffnungsvoll: Titanic

 Holy shit, Katharina Wolff,

Personalstrategieberaterin für die digitale Wirtschaft, Ex-CDU-Politikerin und Podcasterin! Auf der Webseite Meedia, die wir vor Urzeiten mal als echtes Medienmagazin wahrgenommen hatten, sabbelten Sie: »Fehl-Hires im Executive Bereich kosten bis zu 500 000 Euro.« Weiter wussten Sie, praktisch nicht zu vermeiden, einen »Headhunter« in Ihren Text zu basteln, teilten mit, was »der CMO eines Grown Up« durchschnittlich im Jahr verdiene, wie viel so ein »Onboarding durch die HR« koste, wovon »mehr als »6000 HR Professionals« sprächen, und gaben sodann »6 Hiring-Hacks«.

Schon ganz lustig soweit. Aber angenommen, jemand hielte sich an Ihre ganzen Advices, das hieße dann ja, dass die sich damit befassenden Berufe bzw. Jobs bzw. Employees bzw. Consultants usw. usf. sich selbst abschaffen würden, gell? Und wollen Sie uns diesen Gefallen nicht tun? Please! Titanic

 Da Du, sackclevere Commerzbank,

jeglichem Vorwurf der Vetternwirtschaft dadurch vorbeugst, dass Du einen gewissen Herrn Vetter zum neuen Chef Deines Aufsichtsrats machst, rechnen wir fest mit weiteren bemerkenswerten Neuzugängen in Deinem Hause. Frau Miss und Frau Schatte sollen derzeit ja ebenfalls auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit sein. Und die beiden ehemaligen Wirecard-Banditen Braun und Marsalek haben zwar keine glorreichen Namen, können dafür aber mit starken Referenzen glänzen.

Bestätigen offiziell: die Wirtschaftsprüfer von Titanic

 En passant gefragt, Laufsportmagazin »Aktiv laufen«:

Wie macht man’s denn passiv? Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Herrgott noch mal

Gottes Wege sind unergründlich? Pah! Regen ist zum Beispiel Gottes Weg, zu sagen: »Dusch endlich.«

Felix Scharlau

 Trinklustig,

ja durstig hatten wir die Hotelbar aufgesucht. Der Barkeeper allerdings kam hartnäckig nicht zu uns, um dann, nach endlich erfolgter Bestellung, für ziemlich lange Zeit spurlos zu verschwinden. Aber warum wunderten wir uns? Schließlich nannte sich die Wellnessabsteige, in der wir gelandet waren, nicht nur »Resort«, sondern eben auch »Hideaway«.

Irmtraud Hnilica

 Kommt ’ne Frau beim Arzt …

… macht etwas Smalltalk in beider heimatlichem Dialekt, wird korrekt behandelt und geht nach Hause.

Jasper Nicolaisen

 Die Jugend von heute

weiß, mit ausgereifter Selbstreflexion zu überzeugen. So konnte ich heute Morgen beobachten, wie ein Halbstarker auf einen anderen, der schon am Boden lag, einschlug und rief: »Der Klügere gibt nach! Bin ich aber nicht.«

Nick Hertzberg

 China

Vor einigen Jahren machte ich eine geführte Tour durch Peking. Verbotene Stadt, Mauer und Tempel, das war alles sehr eindrücklich, doch die Rückfahrt zum Hotel in dem kleinen Reisebus war mindestens ebenso einprägsam. Die Mitreisenden sahen interessiert oder abwesend aus dem Fenster, einige plauderten mit den Sitznachbarn, doch kaum jemand nahm Notiz von unserem Reiseführer, der auf dem Monitor seinen Lieblingsfilm »Kung Fu Panda« vorführte, simultan übersetzend, glücklich versunken, gestikulierend, in verschiedenen Stimmlagen und auch mit Gesang.

Miriam Wurster

Vermischtes

Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
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Das schreiben die anderen

  • 09.09.:

    Die "Abendzeitung" interviewt Rudi Hurzlmeier.

     

  • 04.09.:

    Ella Carina Werner klärt in der "Taz" über den Alterskult im westlichen Sumatra auf.

  • 03.09.:

    Moritz Hürtgen spricht mit ZDFheute über Satire nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo".

  • 02.09.:

    Über eine Regenlesung der TITANIC BoyGroup berichtet die FAZ.

     

  • 19.08.:

    Oliver Maria Schmitt war für die FAZ auf großer Büßer-, Pilger- und Fürbittfahrt für alle Pest- und Seuchenopfer.

Titanic unterwegs
23.09.2020 Melle, Theater Martin Sonneborn
24.09.2020 Hamburg, Schauspielhaus Max Goldt
24.09.2020 Braunschweig, Kulturzelt Martin Sonneborn
25.09.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten TITANIC-Taskforce