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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Neues aus der Haustadt

Diese Kolumne trägt ja den stillen Untertitel „Aus Deutschland und aller Welt“, und deshalb hier eine hübsche Posse aus den USA. Der Bürgermeister einer kleinen Universitätsstadt im Mittleren Westen gibt ein Interview und erklärt, er finde New York ganz furchtbar: Es sei ihm da zu laut und zu voll, in der U-Bahn rieche es, auch habe er da Obdachlose und Drogenkranke gesehen, und vieles sei kaputt. Schrecklich! Kaum wird das Interview bekannt, stürzt sich die gesamte New Yorker Presse …

Nein, Schluss, das ist so abwegig, dass es mir nicht einmal Spaß macht, diese Annahme als Witz auszuformulieren, der auch dann nur ein schlechter ist, wenn er gar keiner ist. Der Tübinger OB-Esel Palmer hat in einem Interview mitgeteilt, Berlin liege aus seiner Sicht nicht mehr im „funktionierenden Teil Deutschlands“, und weil Palmer so ein wichtiger Mensch ist und das Berliner Überlegenheitsgefühl so unerschütterlich, war, ich folge hier der Zusammenfassung der „Süddeutschen Zeitung“, presse- und twitterseits kein Halten mehr: „Wenn Du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst Du woanders die Kehrwoche zelebrieren“, meldete Palmers Parteikollegin und Wirtschafts- und Energiesenatorin mit dem schön berlinisch klingenden Namen Ramona Pop; der Regierende Bürgermeister Müller fühlte sich zu dem Hinweis verpflichtet, Berlin sei eine Vier-Millionen-Stadt („Wie oft soll ich’s sagen?“), die nun einmal ihre Probleme habe; die „Berliner Zeitung“ schrieb an den „lieben Boris Palmer“: „Was diese Stadt 40 Jahre ausgehalten und nach der Wende geleistet hat, ist außerordentlich, bis heute.“ Die „Morgenpost“ unterzog ihre Heimat sofort einem Faktencheck („Boris Palmer behauptet, dass in der Hauptstadt nichts funktioniert: Stimmt das?“), die „Taz“, die, wird’s dumm, natürlich keinesfalls fehlen will, empfahl dem schwäbischen Alternativ-Grünen: „... dann geh doch nach Paris!“ Der „Tagesspiegel“ gab eine fügliche „Antwort aus der Hauptstadt“ und frug Palmer, der aus derselben Ecke Deutschlands wie die Hälfte der Berliner Stadtbevölkerung stammt: „Spricht daraus am Ende die enttäuschte Liebe eines Freigeistes, der dem kleingeistigen Muff seiner Heimat gerne schon mit 18 nach Berlin entflohen wäre …?“ und stand nicht an, aus der Nichtigkeit eine Titelseite zu basteln, darauf ein Sektorengrenzenschild: „Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands.“

„Berlin vereint die Nachteile einer amerikanischen Großstadt mit denen einer deutschen Provinzstadt. Seine Vorzüge stehen im Baedeker.“ Tucholsky, 1919

„Das ist dümmer, als nötig wäre“ (K. Kraus, Wien), und dass die spezifische deutsche „Hauptstadt“-Liebe Teil des nationalen Großdefekts ist, der in der Identifikation mit dem Oben, dem Zentrum, der Macht besteht, ist gelegentlich vermutet worden, und zwar, sehe ich recht, von mir, wobei, Moment, die Zürcher „Wochenzeitung“ es ebenfalls gemerkt hat: „Klügere Völker begegnen ihren Metropolen ja mit Skepsis, und die Nichtpariser Franzosen hassen Paris, wie die Nichtzürcher Schweizerinnen Zürich hassen, denn da sitzen, wie in jeder Zentrale, die Macht und die Arroganz. Zu Berlin sind der deutschen Illustrierten ,Stern’ hingegen innert drei Jahren die Jahrhundert-Titelzeilen ,Die Magie unserer Hauptstadt’ und ,Die coolste Hauptstadt der Welt’ eingefallen, weil in Deutschland alles Gute stets von oben kommt, und oben, das war Berlin, ist Berlin, bleibt Berlin.“ Und das war halt ebenfalls von mir. Muss man denn immer alles selber machen?

Kein Zweifel, dass aus derlei die enttäuschte Liebe eines Freigeistes spricht, der, statt dem kleingeistigen Muff seiner Heimat mit 18 nach Berlin zu entfliehen, lieber sein linksrheinisches Studentenappartement gestaubsaugt hat. Kein Zweifel aber auch, dass die Aufregung über ausgerechnet diesen Vorwurf, nämlich nicht zu funktionieren, kaputt zu sein, gar deviant, nicht Metropole, Vielfalt, Tempo indiziert, sondern jene Kehrwoche im Kopf, die im Vaterland überall dieselbe ist. (Ausnahme: Hannover. Hier ist schon auf der Straße keine.)

PS: Das Gegenteil von Kehrwoche und aktuell wie nie: Das Buch zur (Noch-)Kanzlerin und ehem. CDU-Chefin! Jetzt schenken (aber bitte über den lokalen Buchhandel)!

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Von Vorteil

Wer Kinder hat, weiß, dass das einzige, was noch schlechter ist als zuwenig Schlaf, unterbrochener Schlaf ist. Sechs Stunden am Stück, meinetwegen, aber wenn wegen irgendwelcher Verdauungsinfekte die Stunden zwischen drei und fünf fehlen, ist es geradezu unverantwortlich, nächsten Tags eine Kolumne zu verfassen. Von Stadtbus fahren oder Herzen transplantieren mal zu schweigen.

Trotzdem wird’s, darf man annehmen, gemacht, weil man muss, während andere Sachen auch ausgeschlafen gemacht werden, weil man’s kann, und ob das eine unverantwortlicher ist als das andere, ist eine unausgeschlafene Frage wert. In China hat ein Wissenschaftler erstmals Menschen genetisch verändert, ein Zwillingspärchen, das, sein Vater ist HIV-positiv, nun HIV-immun sein soll, und das ist, finden die meisten, unverantwortlich und ein Eingriff in die Evolution. Ein paar Tage früher hat die deutsche sog. Staatsministerin für Evolution, halt: Digitalisierung (normalerweise mach’ ich derlei, weil ich’s für lustig halte, diesmal war’s ecriture automatique), nachdem ihre Kollegin vom Forschungsressort ein sog. 5G-Handynetz für im ländlichen Raum nicht vordringlich gehalten hatte, mitgeteilt, im Gegenteil müsse „jede Ackerfurche vernetzt“ werden. Nun weiß man aber, dass es die höchsttechnisierte Landwirtschaft ist, der kein Unkraut und kein Strauch mehr auskommt, die also satellitengestützt jene Nischen ausräumt, die Insekten und Vögel lebensnotwendig benötigen. Sterben die aus, ist das was? Vielleicht ein Eingriff in die Evolution?

Wer nicht gerade Anti-Speziezistin ist, wird trotzdem finden, dass es beim Menschen nun aber aufhöre mit dem Eingreifen, und das Morgenblatt berichtet, außer dem chinesischen Doktor hätten nun alle entsetzliche Bauchschmerzen und sähen im Traum gar Adolf Hitler. Nun hat man diese Genschere aber doch entwickelt, und natürlich will dann irgendwann einer der erste sein, der sie am Objekt ausprobiert. Alle rufen sie jetzt nach Regeln und Vorschriften mit auch internationaler Gültigkeit, aber die wird es sowenig geben wie eine Welt ohne Steueroasen. In dieser Welt gilt nämlich das Vorteilsprinzip, und ob man seinen Vorteil jetzt bloß nutzen kann oder aber nutzen muss, ist unserer Eingangsfrage eng verwandt.

„Rationalität / klar übern Markt gesteuert / Produzenten und Produkte / die Gewinne weisen aus / was läuft und was verschwinden muss / einfach ist das / deutlich / jeder muss das einsehn“ Degenhardt, 1977 

Nichts jedenfalls liegt dem umfänglich waltenden Gesellschaftsprinzip querer als die Idee der Selbstbeschränkung oder Selbstverpflichtung, und kein Gesetz der Welt wird verhindern, dass sich die, die sich’s leisten können, irgendwann und irgendwo gegen bar diese oder jene Veranlagung herausschneiden oder eine andere implantieren lassen, und weil die, die das Schneiden beherrschen, das wissen, werden sie ihr Handwerk zur Anwendbarkeit hin entwickeln. (Das muss nicht mal aus Geldgier sein, wissenschaftliche Neugier reicht.) Es gibt eine Nachfrage, also wird es ein Angebot geben, und das Angebot wird die Nachfrage stimulieren.

Der Einwand sei nicht mit genereller Technikfeindschaft verwechselt. Eine Gesellschaft der Freien und Gleichen kann sich ebenso entschließen, dass es Mukoviszidose, Krebs oder Parkinson sowenig mehr zu geben bräuchte wie die Pocken, die ausgerottet zu haben ja ebenfalls ein Eingriff in die Evolution ist. Aber vielleicht müsste da, wo das Vorteilsprinzip außer Kraft gesetzt wäre, niemand mehr Angst vor Designerbabys oder Übermenschen haben, denn die Angst davor ist ja bloß die Angst, noch einmal und immer wieder kürzer zu kommen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Besser als je zuvor

„Rekord bei Treibhausgasen“, meldet dasselbe Morgenblatt, aus dem die Reklamebeilage „Australiens wilde Seiten“ herausfällt, auf deren Rückseite ich die „Singapore Airlines Premium Economy Class“ beworben finde, und mehr ist dazu nicht zu sagen, Thema durch oder jedenfalls fast; denn im selben Blatt prangt die Anzeige für „Hörzu Wissen“: „Klimaerwärmung, Flutkatastrophen, Waldbrände: Wann bringt uns die Erde um?“

Dieses Miststück; dabei sind wir doch so gut zu ihr und bemühen uns, ihr nah und immer näher zu sein, indem wir uns als Naturwesen fühlen bzw. Outdoor-Trottel kleiden und, kriegen wir eine „Auto-Bild“ in die Finger, mit Redakteur Stefan Voswinkel zu einhundert Prozent einer Meinung sind: „Diese neuen SUV-Modelle werden den Abstand von VW zu den Konkurrenten verringern. Der kompakte T-Cross passt perfekt ins Leben, der I.D. Crozz löst die E-Probleme, das T-Roc Cabrio werden Fans des offenen Golf lieben. Und der Tiguan wird besser als je zuvor.“

Hätte sich nicht neulich erst ein „Streiflicht“ darüber beschwert, dass „... hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ zur Phrase werde, ich müsste finden, dass der Erwerb, Besitz und Betrieb von etwas, das nicht nur T-Roc oder I.D. Crozz heißt, sondern auch genau so aussieht, diese Formulierung durchaus erzwingt; und wie bestellt latschen wir, sehr ausnahmsweise auf dem Weg zu einem Auto, das noch „Passat“ heißt, an einem noch viel älteren vorbei, das „Scirocco“ heißt, und hießen Volkswagen früher wie der warme Wind, wie eine Sehnsucht, klingen sie heute nach einem bitterkalten und passen perfekt ins Leben von Leuten, die, haben sie eine National Geographic-Doku übers Universum, über Supernovae und Sternenkollisionen zu betexten, unablässig und in exemplarischer Projektion von „Gewalt“, ja „Brutalität“ faseln.

„In was für einer Sch... wir herumwaten, mein Gott!“ Flaubert, 1859

Und landet der Faktenchecker googelnd beim Schweizer „Blick“, geht es gleich gewaltsam weiter:  „Video von National Geographic sorgt für Hype um Rhätische Bahn. Nach dem Gasthaus Aescher kommt dank ,National Geographic’ eine neue Schweizer Sehenswürdigkeit zu weltweiter Bekanntheit. Für einen Ansturm ist die Rhätische Bahn gewappnet. Was es zur Folge haben kann, wenn ,National Geographic’ über herausragende Sehenswürdigkeiten berichtet, haben die ehemaligen Wirte des Bergrestaurants Aescher erfahren müssen. Nachdem es ihre Beiz aufs Cover des weltweit bekannten Fachmagazins geschafft hatte, war der Hype nicht mehr aufzuhalten. Der Ansturm wurde zu groß, die Aescher-Betreiber warfen entnervt das Handtuch“. – „Das Publikum wird mir immer unverständlicher; ich begreife überhaupt nichts mehr“ (Gustave Flaubert, Brief v. 20.8.1866), aber nicht einmal das stimmt: „Es gibt einen Fundus an Dummheit in der Menschheit, der ebenso ewig ist wie die Menschheit selbst. Unterricht für das Volk und Sittlichkeit der armen Klassen sind, glaube ich, Dinge der Zukunft. Doch die Intelligenz der Massen bestreite ich, was immer auch kommen mag, eben weil sie immer Massen sein werden“ (23.1.1866) und weil die, deren Macht auf der Masse beruht, den Menschen als Masse brauchen und Unterricht und Sittlichkeit entsprechend einrichten.  

Dass in Zukunft „wieder mehr übers Erwirtschaften als übers Verteilen“ zu reden sei, hat die BDI- bzw. CDU-Politikerin Kramp-Karrenbauer mitgeteilt. Wenn ich jetzt evendöll Anarchist werde, dann soll sie sich nicht wundern.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Zeitung für Deutsche

Udo Tellmann, befreiter DDR-Bildungsbürger, Buchpreisträger („Turmel aus dem Eis“) und Kämpfer wider den linken Moralmainstream, hat sich im Edelnazi-Periodikum „Sezession“ als Innenarchitekturkritiker hervorgetan und, in Reaktion auf die „Erklärung der vielen“, den deutschen „Gesinnungskorridor“ verurteilt, und die FAZ, die auch als FAZ.net will, dass es rechts von Altenbockum nichts gebe, hat die Grazie besessen, das von einem Volontär abbügeln zu lassen: „Auch wiederholt Tellkamp seine Kritik an der Flüchtlingspolitik. Die Kultur Deutschlands werde preisgegeben, sollte die Einwanderung weiterhin so hoch bleiben wie aktuell. Dass diese seit 2015 stark zurückgegangen ist, will er nicht glauben. Im Grunde genommen alles beim Alten also. Tellkamp nutzt die Meinungsfreiheit aus, kommt trotz des vermeintlichen Gesinnungskorridors zu Wort – und wird auch zitiert, sogar von den klassischen Medien.“

In Zeiten der Pressekrise ist es wichtig, auf sein Publikum zählen zu können, und sehen wir in die Kommentarspalte, muss der FAZ da nicht bang sein (Lesbarkeit durch Verf. hergestellt): „Höchst wichtiger Protest eines namhaften Kulturträgers … U. Tellkamp hat recht … linksgerichtete Deutungshoheit … Dass ein Gesinnungskorridor existiert, errichtet von den Mainstream-Medien und u.a. von ,Kulturschaffenden’ und deren Dunstkreis, sollte bei nüchterner Betrachtung unstrittig sein … Uwe Tellkamp ist ein Aufrechter, ein Kämpfer, eine ehrliche Haut. Er steht dem ,fucking mainstream’ entgegen, weil er Format und Stil hat und dieser ganzen Sülze die Akzeptanz verweigert … Tellkamp hat in allem recht, sowohl sachlich als auch intellektuell … Der Mann verdient Respekt. Sich im neuen, anti-nationalen, kosmopolitischen Deutschland als politisch Rechter zu outen, dazu gehört beachtliche Zivilcourage … Tellkamp kann man in allen Punkten nur zustimmen. Dass gerade diejenigen, die die ,Vielfalt’ und ,Buntheit’ wie eine Monstranz vor sich hertragen, jeden in die Ecke stellen, der eine andere Meinung hat als sie selbst, ist schlicht beschämend. ,Meinungsvielfalt’ ist in diesem ,Vielfalts’-Begriff offenbar explizit nicht vorgesehen, bzw. nur für die, die FÜR Massen-Migration sind … Alles, was auch nur halbwegs nach AfD aussieht, wird außerhalb des noch Diskussionswürdigen gestellt … Klima der Gesinnungsnötigung von links ... Ihr alle, die es wagt, sich zu einer anderen politischen Überzeugung zu bekennen: Lasst alle Hoffnung fahren, wenn selbst die FAZ sich mit solchen Artikeln gegen Euch stellt!“

„Der Weg zur Verwandlung des Innen führt über das verwandelte Außen.“ Hacks, 1965

Selbst die FAZ hält aber bekanntlich ein Feuilleton, das dem Kosmopolitismus nicht vollends ablehnend gegenübersteht, und sich zweierlei Bourgeoisie warm: Die Generäle a.D., Rechtsprofessoren und Fabrikanten auf der einen und die Citoyens auf der anderen Seite, die jenes sog. bessere Deutschland verkörpern möchten, von dem auch die Fabrikanten so schön profitieren. Die Irren aus der Kommentarspalte („Vulgärmarxistische, ,autonome’, kommunistische etc. pp. Kreise dagegen genießen jede denkbare Wertschätzung; niemand grenzt sich davon ab“) sind also bloß das Komplement zum liberalen Volontär und dasselbe Kaliber, das früher dankbar war, wenn Johann Georg Reißmüller den Nazi Waldheim gegen die Juden in Schutz nahm.

Der FAZ müssen die Beiträge nicht peinlich sein. Sie sind sehr nützlich, lassen sich doch Meinungen, die von der eigenen vielleicht nur graduell abweichen, aggregieren und als (noch) deviant, aber möglich verkaufen, was seinen Charme hat in Zeiten, wo die politische Redaktion, trotz Homophobie und Ablehnung des Verbotsstaats, noch keinen Grund hat, Trump und Orbán gut finden zu müssen; und um so besser fürs plurale Profil, wenn inmitten von Projektion, plemplem und Paranoia sich einzelne Stimmen finden, deren Besitzern das Pudern mit dem Klammerbeutel erspart geblieben ist: „[Tellkamps Ruhm verdankt sich] weniger der Meisterschaft seines preisgekrönten Romans ,Der Turm’ … als seinem dort ausgebreiteten Narrativ der Spät-DDR, das der gängigen Vorstellung im siegreichen Westen entsprach, also ein ideologisches Bedürfnis befriedigte. Hätte er es bereits damals beim ,reinen Literatentum’ ohne Rücksicht auf geistige Marktförmigkeit belassen, hätte wohl kein Feuilleton-Hahn nach ihm gekräht. In die ,traurige Gesellschaft’ musste sich Tellkamp nicht erst hineinbegeben: Das war schon immer sein Zuhause.“

Was zu beweisen war. 

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Büro, Büro

Es ist ja gar nicht so, dass alles nur dumm wäre, und man darf und soll ruhig Augen und Ohren offen halten für das Schöne, ja Numinose, das im Kot des Alltags um so tröstlicher leuchtet.

Ob sie „bereit und auch willens“ wäre, Kanzlerin zu werden, frug Slomkas Marietta Annegret Kramp-Karrenbauer am 7.11. d.J. im Heute-Journal, und Annegret Kramp-Karrenbauer sagte nicht einfach ja. Sie sagte: „Also wenn man sich um den Vorsitz der CDU Deutschlands, der größten Volkspartei in Deutschland bewirbt, dann ist das natürlich explizit immer auch sozusagen mit der Tatsache verknüpft, dass man eines Tages in diese Rolle kommen kann. Aber, in Deutschland ist es so und das ist richtig so, es entscheidet der Wähler, es entscheidet die Wählerin, darüber, wer Kanzlerin oder wer Kanzler wird. Die Aufgabe einer Parteivorsitzenden ist es, gemeinsam mit den Verantwortlichen dafür sorgen, dass die Partei inhaltlich, organisatorisch, personell so aufgestellt ist, dass sie, wann immer Neuwahlen sind, mit wem immer Neuwahlen sind, ein so gutes Ergebnis erreicht, dass sie überhaupt in die Verlegenheit kommt, über eine Nachfolge von Angela Merkel dann nachzudenken.“

Eigentlich sind ja alle drei spitze: Merz, weil er das hässliche Gesicht des Kapitalismus ist und es wirklich interessant wäre zu sehen, wie ein Alphamann aus der altbundesrepublikanischen Mottenkiste den postdemokratischen, vertwitterten Laden auf Trab bringt; Spahn, weil das Gruselmonster Spahn als Kanzler so was wunderbar Wahnsinniges wäre; und eben „AKK“, weil sie Merkel ohne deren ästhetische Qualitäten ist, also gar nichts.

„Dann heirat’ doch dein Büro, / dann heirat’ doch dein Büro / stell dir ein Bett dort hinein / und schlaf mit Akten und Computern ein“ Katja Ebstein, 1980

Merkel hätte in ähnlicher Situation auch nicht einfach ja gesagt. Sie hat vermutlich außerhalb eines Standesamts noch niemals einfach ja gesagt; sie hätte vermutlich begonnen mit „Dazu muss man wissen“ oder, jovial, „Ach, wissen Sie“, und dann wäre es womöglich gleichfalls weitergegangen mit etwas, was immer auch sozusagen mit der Tatsache verknüpft ist. Aber man hätte seinen Spaß daran haben können, so wie man an Lübke (gemeinerweise) seinen Spaß haben konnte. Merkel war, wie Kohl, der trost- und gnadenreiche Ausblick ins Vorsprachlich-Naturhafte, ins Kalmierend-Erlöse letztlicher Sinnzersetzung, war schopenhauerhafte Weltüberwindung in der Suspendierung des Erkenntnisvermögens; oder wenigstens Bachtinscher Karneval. Was AKKs Sprechwerkzeuge produzieren, ist bloß und immer noch Mitteilung, und zwar bürokratische, ist das Aufsagen als Nichtsagen, Unnatur im Subjekt, eine Materialschlacht ums Minimum.

Merkel, das war in den besten Momenten Dada, war De- als Rekonstruktion; AKK, die tatsächlich als Paraphe geführt werden will, ist die ewige Wiedervorlage und die Widerlegung der strukturalistischen Idee, dass Bedeutung sich aus dem ergibt, was notwendig ungesagt bleibt. Denn nichts bleibt ungesagt, wenn soviel mehr gesagt wird, als nötig wäre, und nichts falscher, als auch hier den Kleistschen Gliedermann zu sehen, dessen Bewusstlosigkeit jenes Paradies ist, aus dem uns Merkel huldvoll winkte. Der Marionette eignet ja noch Menschliches, indem keine ihrer Bewegungen genau absehbar und, mäße man nur ganz genau, sogar einzigartig ist. AKK dagegen ist das, von dem man weiß, dass es kommt, und dann kommt’s.

Falls nicht doch eher Merz kommt.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: &

Eigentlich schade, dass es den Zeitungen so schlecht geht, finden sich in ihnen doch immer wieder interessante, lustige, anrührende Geschichten. Im Morgenblatt durfte sich ein Schriftsteller, der zwar den schönen Namen Leander Scholz trägt, vorm Material aber eher wenig Respekt hat („nachvollziehen“, „zeitgleich“), sich als unverbesserlicher Sozialdemokrat outen, der „sich nicht vorstellen kann, eine andere Partei zu wählen“, und dem es ein Herzensanliegen war, unter der Überschrift „Riskante Vielfalt“ mal ganz was Originelles vorzuschlagen: Mehr Gleichheit statt immer bloß Vielfalt. Uff: „Die Gesellschaft besteht inzwischen aus einer Vielzahl von Communitys, die sich ethnisch, kulturell, religiös oder sexuell definieren. In dieser Hinsicht hat sich Deutschland den Vereinigten Staaten angeglichen. Der Preis für den Verzicht auf eine stärkere Gemeinschaft ist allerdings die Schwierigkeit, einen Konsens für soziale Reformen zu finden.“

Verstehe: Die „Bürgerversicherung“ und „eine Rentenkasse, in die alle einzahlen“, die hätten wir längst, wenn nicht die Türken, Veganerlesben und sonstig Minoritären mit ihren Ansprüchen auf Vielfalt dafür sorgten, dass – ja, was eigentlich: dass keine Zeit für den Sozialismus bleibt? Man lese genauer, als der Scholz evtl. zu schreiben versteht: Der Preis, den wir zahlen – das beschreibt eine Kausalbeziehung. Wenn ich heirate, ist der Preis, den ich zahle, dass ich nicht mehr ungestraft in der Gegend herumpoussieren kann. Wenn ich Vielfalt will, ist der Preis mehr Ungleichheit, und das klingt solange einleuchtend, wie ich auf das Adjektiv „sozial“ verzichte. Denn warum sind Vielfalt und soziale (als schlicht materielle) Gleichheit Gegensätze? In der freien Assoziation, die Marx und Engels vorschwebten und in der die freie Entwicklung des einzelnen Voraussetzung für die freie Entwicklung aller ist, warum sollte da eins, „unerpressbar“ (Dath), nicht morgens trans, mittags cis und abends Steuerzahlerin, Autofahrer oder Carnivore sein?

Aber auf Marx und Engels beruft sich ein leidenschaftlicher Sozialdemokrat zuletzt, weshalb wir da landen, wo man immer landet, wenn Vielfalt, selbst wenn sie als selbstredend „wichtig“ etikettiert wird, als Hemmschuh fürs große Ganze gelten muss: „Die Nation, die im 19. Jahrhundert die demokratische Gleichheit aller Bürger verkörpert hat, ist etwas für Verlierer geworden … Ohne Ausbildung eines demokratischen Patriotismus werden auch die Einrichtungen der Demokratie keinen dauerhaften Bestand haben.“ Andere Möglichkeit: Establishment und BDI gewähren die Bürgerversicherung und die Rentenkasse, in die alle einzahlen. Aber da das zugegebenermaßen abwegig ist, muss die Nation es richten, der gegenüber der Einzelwille, bitte sehr, zurückstecken muss, zumal der, der sich in einer Community dem Volksganzen verweigert.

„Gas! – Und durch! – Und vorwärts mit Gewinn. / Zugegeben, wie bereits vor zwanzig-dreißig-Jahren – /
A b e r: immerhin!“ Rühmkorf, 2008

Aber man muss die Sozialdemokratie verstehen: Da strampelt sie sich seit anderthalb Jahrhunderten ab, die Interessen von Kapital und Arbeit zu versöhnen, obwohl die sich zueinander wie Öl und Wasser verhalten und sich, wie Salatfans wissen, nur unter Zugabe jenes Senfs vermischen, den nationale Schriftsteller dazudrücken. Und was hat sie davon? Dass die Grünen ihr den Rang ablaufen, und der Leitartikel weiß auch, warum: „Für ihre Sache zeigen sie seit Jahrzehnten Leidenschaft, Verantwortung, Augenmaß. Was jetzt offenbar so vielen Menschen imponiert, ist das auf Unterbau und Haltung fußende Selbstbewusstsein, Antworten zu riskieren, statt lediglich Fragen zu stellen“, etwa auf die Frage: Beteiligen wir uns an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg? „Neulich auf der Frankfurter Buchmesse diskutierte ihr baden-württembergischer Ministerpräsident Kretschmann über sein neues Buch. Darin definiert er einen Konservatismus aus Humanität und Ordnung, Freiheit und Sicherheit, Ökonomie und Ökologie. Das Publikum am überfüllten Messestand verhielt sich auf eine Weise, für die der Ausdruck ,an den Lippen hängen’ erfunden worden ist“, denn da wurde alles gut und konnte alles so bleiben. Und statt sich, wie verzweifelte Sozialdemokraten, über Gleichheit und Vielfalt wenigstens den Kopf zu zerbrechen, begnügen sich Grüne mit Weichheit und Einfalt, in Verantwortung für die Schöpfung und den Profit, und zwar mit klarer Präferenz fürs Kapital (Kretschmann/Daimler).

Das macht die Sache freilich leicht.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Fast

Langweilige Nachricht: Der sog. Schulerfolg hängt in Deutschland lt. Pisa-Forschung immer noch stärker vom Elternhaus ab als sonst in Europa. Nicht so langweilige Nachricht: Die Schule für alle, die gibt es schon, wenn etwa im bürgerlichen Tübingen der Anteil der Gymnasiasten und Gymnasiastinnen bereits bei 70 Prozent liegt. „Es ist die womöglich größte Ironie der jüngeren Bildungsgeschichte: Das Ideal der Gesamtschulverfechter, die Oberschule für (fast) alle, existiert. Es heißt Gymnasium“ (SZ, „Schule und Hochschule“, 22.10.).

Für Ironie sind wir natürlich immer, und vergessen wir also alles, was hier und andernorts über Staat, Welt und Gesellschaft gesagt worden ist. Es ist nämlich sowieso alles prima, oder immerhin fast, und wenn zwei Drittel mit allen auf die richtige Schule gehen und ein Drittel auf die geht, die es auch noch gibt, dann ist eben (fast) alles in Ordnung und hat sich die Zweidrittelgesellschaft, von der zu sprechen einst als Vorwurf gemeint war, als Ziel und Zweck, ja geradezu als Erfüllung menschlicher Assoziation etabliert. (Nebenbei: Je mehr auf die richtige Schule gehen, desto stigmatisierender die falsche. Deshalb lag im örtlichen Buchhandel zum Schulbeginn auch das exemplarische Buch für beginnende Viertkläßler: „Sicher aufs Gymnasium“. Statt nämlich auf die Resterampe.)

Auf FAZ.net neulich immerhin ein Bericht aus Estland, wo die sog. digitale Schule vorbildliche Fortschritte macht, und auf dem Foto sahen wir sehr sinnreich eine Digitaltafel, über eine klassische aus Schiefer gehängt, und die digitale hat halt viele Vorteile: Sie ist ein Bildschirm/ein Suchtmittel, geht irgendwann kaputt und ist gottlob auch nicht nachhaltig. (Wie von Leuten, die damit Umgang haben, zu hören ist, ist bereits das sog. Whiteboard der letzte Quatsch: Die Stifte stinken, landen irgendwann auf dem Müll, und um es richtig sauberzukriegen, braucht es Chemie. Statt einfach Wasser.) Aber so geht nun mal der Fortschritt, und den Fortschritt brauchen wir, damit niemand merkt, dass keiner ist; was solange gutgehen mag, wie das Drittel, das bereits offiziell nicht mehr vorkommt, mit Teilen des nächsten Drittels, das Angst hat, nicht mehr vorzukommen, und einer Oberschicht, der nichts passieren kann und die will, dass das so bleibt, plötzlich Leute wählt, die „mit dem Faschismus liebäugeln“ (Quelle vergessen, irgendein liberales Spitzenblatt), also (fast) Faschisten sind: die die Folter wieder einführen wollen, Schießbefehle wider alles Linke ausstellen, die Justiz entmachten und das Land gegen jüdische Milliardäre aufhetzen und außerdem natürlich lügen, wenn sie den Mund aufmachen.

 „Auf die Frage nach dem Ziel der emanzipierten Gesellschaft erhält man Antworten wie die Erfüllung der menschlichen Möglichkeiten oder den Reichtum des Lebens. So illegitim die unvermeidliche Frage, so unvermeidlich das Abstoßende, Auftrumpfende der Antwort, welche die Erinnerung an das sozialdemokratische Persönlichkeitsideal vollbärtiger Naturalisten der neunziger Jahre aufruft, die sich ausleben wollten. Zart wäre einzig das Gröbste: dass keiner mehr hungern soll.“ Adorno, 1945

„Knapp vorbei ist auch daneben.“ Volksweisheit

Die Zweidrittelgesellschaft, finden unsere Demokraten, ist da noch die beste unter den schlechten Möglichkeiten, und solange sich beim Ausräubern der Welt noch soviel Profit machen lässt, dass in den Metropolen (fast) alle was davon haben, kann (fast) alles so weitergehen. Sinken die Profite, muss man sich was einfallen lassen, und das sieht dann so aus, dass man den Massen zu ihrem Ausdruck statt zu ihrem Recht verhilft.

Es ist (fast) langweilig.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

 Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

 Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

 Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

 Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Verwöhnt

Meinen Lebensstil muss man sich erst mal leisten können. Ich zum Beispiel konnte es noch nie.

Tanja Schmid

 Filmkunde

In Zeiten von Zoom-Konferenzen kann es nicht schaden, der Leserschaft ein wenig Nachhilfe in filmischen Fachtermini zu geben. Eine sogenannte Text-Bild-Schere zum Beispiel kann für einen visuellen Bruch und Komik sorgen. Während der Video-Sprechstunde mit meiner Internistin erzählte ich ihr zum Beispiel, dass ich seit vier Monaten nichts trinke, während sie auf eine Galerie leerer Weinflaschen hinter mir starrte. Wichtig ist auch, dass man sich bereits vor jeder Zoom-Konferenz im Klaren ist, auf welches Genre man hinaus will, sich dabei aber genug Raum offenlässt für spontane Änderungen. Meine Video-Sprechstunde hatte ich zum Beispiel eher als »Komödie« gepitcht (aktuelle Blutwerte), am Ende wurde dann aber ein ziemlich bombastischer High-Budget-Horrorstreifen daraus (Privatbehandlung).

Jürgen Marschal

 Idee für 2021: Spargelernte per Silvesterrakete

Die jungen Feuerwerkskörper werden im April ins Spargelbeet gesät, wachsen dort bis zur erntereifen Rakete. Am 5. Mai heißt es dann: DER SPARGEL SCHIESST, und zwar uns unter großem Hallo und Funkenregen direkt in die Münder. Tradition (Spargel) trifft auf Tradition (Feuerwerk), bzw. »Volksspeisung mal anders«. Noch eine kleine Gegendemo (Querfront) dazu, einem Kind fliegt ein Spargel direkt ins Auge, im Folgejahr wird es Einschränkungen geben müssen, fertig ist DAS DEUTSCHE NEUJAHR.

Elias Hauck

 Zieleinlauf eines Dialogs

Kundin (alte Dame): »Das ist dann schon sehr anstrengend.«
Kassiererin (ältere Dame): »Nein, ich könnte das nicht!«
Kundin: »Aber es macht auch Spaß.«
Kassiererin: »Das ist die Hauptsache.«
»Ja.«
»Ja. 14,60 bitte.«

Worum auch immer es sich dreht, das Gespräch ergibt Sinn.

Theobald Fuchs

 Deutsch, wie es singt und kracht

Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird zunächst naiv annehmen, dass sich hinter einem Wort wie »Scheiblettenkäse« etwas unsagbar Absurdes, in der Muttersprache nur unter Zuhilfenahme sperrigster Umschreibungen Wiederzugebendes verbirgt, ähnlich gewissen japanischen oder isländischen Vokabeln, die zum Beispiel die mundwässernde Wirkung eines seit sechs Monaten im eigenen Sperma marinierten Walhodens bezeichnen. Um dann, mit wachsendem Sprachverständnis, zu begreifen, dass diese Ahnung nicht getrogen hat.

Jasper Nicolaisen

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 20.05.:

    Mark-Stefan Tietze schreibt in der Taz über die vielen Deutschen, die vor der Merkel-Diktatur ins Weltall fliehen.

     

  • 18.05.:

    Das Neue Deutschland rezensiert Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod", ein Interview dazu gibt es auf Deutschlandfunk Kultur.

     

  • 14.05.:

    Marlen Hobrack bespricht im "Freitag" Christian Y. Schmidts "Der Kleine Herr Tod".

  • 13.05.:

    RTL, die »Hessenschau« und die SZ berichten über die Aktion "Torona: TITANIC hilft der DFL".

  • 05.05.:

    Im Kaput Mag gratuliert Tim Wolff TITANIC-Legende Thomas Hintner zum 60.

     

Titanic unterwegs
03.06.2020 Hachenburg, Hähnelsche Buchhandlung Gerhard Henschel
04.06.2020 Berlin, Buchhändlerkeller Gerhard Henschel
10.06.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve
14.06.2020 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »Beste Beste Bilder – Die Cartoons des Jahrzehnts«