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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Was zu sehen ist

Gerade einmal ein Vierteljahr ist es her, dass ich mich an dieser Stelle ausführlich gefreut habe, und was soll ich sagen, ich freue mich schon wieder: „Bundeskanzlerin Merkel (CDU) mahnte über eine Sprecherin zum sorgsamen Umgang mit Sprache“, aber der Satz ging noch weiter, und die Kanzlerin, von der ich immer gesagt habe, dass wir sie noch vermissen werden, ließ ausrichten: „Sprache kann zu Hetze, Hetze zu Taten werden“, und das, darf man sagen, stimmt.

Wie Sprache als Gegenteil von Hetze funktioniert, bewies Merkel dann bei einem Termin in Goslar, wo sie mit der Jugend über die Zukunftsfreitage und natürlich Rezo sprach: „Wir müssen die Wege zueinander noch besser finden. Wir sind alle noch mit ARD und ZDF aufgewachsen. Und heute ist eben Youtube sehr viel mehr in.“ Und das, darf man sagen, stimmt wiederum und ist nicht nur wunderhübsch gesprochen, sondern geradezu wahr, wenn das Feuilleton, geht es um ein unbekanntes (und ganz und gar läppisches) Liebesgedicht aus dem Nachlass Rio Reisers, bloß wieder von einem „unbekannten Liebesgedicht aus dem Rio-Reiser-Nachlass“ grunzt; und solche Sprache – nehmen wir es, was sich in Angelegenheiten der Sprache ja empfiehlt, ein wenig genauer – ist die der Sportreporter, Brüllaffen und Effizienzhansel, und auch aus deren Hetze werden Taten, und was sie anrichten, liegt vor aller Augen.

Doch was wir sehen sollen, steht in der Zeitung, und als es im Morgenblatt um Nolde ging und wie man mit Kunst von Leuten verfährt, die Nazis oder sonstwie Arschlöcher waren, standen die Autorinnen nicht an, den geradezu grotesk komplizierten Fall – ein führertreuer Antisemit stilisiert sich nach dem Krieg als Opfer – fürs geneigte Publikum aufzubereiten: „Auf das Ende der DDR-Diktatur bezogen, könnte man sagen: Es ist, als wäre das Stasi-Opfer Nolde als IM enttarnt, als hätte jemand in einem Keller den zweiten Teil seiner Akte gefunden, in der Täter-Kartei.“ Weil, in diesem ganzen Nazidurcheinander da, da kennen wir uns ja gar nicht mehr aus, wer da nun wie sehr schuld dran war und warum, der Unglücksfriede von Versailles z.B. spielte da ja eine spannende Rolle, und Täter und Opfer, das ging schon ziemlich durcheinander; sinnvoll also, für uns Spätgeborene, die wir vom Serienglotzen und Quatschbestellen halt auch etwas schwer von Kapee sind, die Sache auf den Punkt zu nageln: Nolde, das war ein Nazi-IM, und es ist, als hätte Honecker Auschwitz befohlen.

„Schau lieber weg / Die Gefahr ist viel zu groß“ Frank Schöbel, 1966

Die Sprache und die Hitze, pardon: Hetze, pardon: doch Hitze: „Sonne satt: Wetterdienst erwartet neue Hitzerekorde für Juni“, freut sich DPA, denn Hitze und Sonnenrekorde sind heute sehr viel mehr in, als sie sein dürften, und das ist dann immer das Dilemma, einerseits Sonne melden zu können, anderseits Sonne melden zu müssen; aber da tatsächlich 80 bis 95 Prozent aller journalistischen Fachkräfte trotz Abi und Studium keinen Schimmer haben, was so ein Dilemma eigentlich ist, und spätestens vorm Wort „Rekord“ auch keine Lust mehr haben, darüber nachzudenken, kriegen wir jetzt Sonne satt und freuen uns aufs Grillen. Dass irgendwelche Wissenschaftler irgendwo dem Planeten, wie wir ihn kennen, nur noch zehn Jahre geben, gehört dann zu diesem frömmelnden Tugendterror, von dem die Zeitung, die Nolde zu einem IM umlügt, neulich so überzeugt war; eine „große Scham“, unter der wir alle leiden und die sich dann so äußert, dass die Pfingstferiengrüße nicht aus dem Opel-Zoo oder dem Wisentgehege Springe kommen, sondern aus Kos und Chicago, und wenn es dann soweit ist und nämlich vorbei, sind wieder alle Opfer und haben von nichts etwas gewusst.

Aber nachdenken ist heute einfach nicht so sehr in, und man sieht nur, was man sehen will: „Die Behörden haben die Gefahr von rechts offenbar übersehen“ (FAZ.net, 21.6.). Und dass wir die von links nicht übersehen, dafür sorgt die Zeitung.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Taxi

Man wird im Leben ja viel häufiger bestellt als abgeholt, und wohl deshalb sehnen sich die Leute so sehr danach, abgeholt zu werden. Und darum lesen sie auch den Robert Seethaler, der seinen Riesenerfolgsroman „Der Trafikant“ (Christine Westermann: „Großartig!“, Spon: „wunderbar erzählt“, FAZ: „wohltuend“) also beginnen lässt: „An einem Sonntag im Spätsommer des Jahres 1937 zog ein ungewöhnlich heftiges Gewitter über das Salzkammergut, das dem bislang eher ereignislosen Leben Franz Huchels eine ebenso jähe wie folgenschwere Wendung geben sollte.“ Das Salzkammergut, das eine Wendung gibt, die ohne Folgen gar keine richtige wäre – lesen wir solch exquisiten Murks, wissen wir sofort: Gottseidank keine Literatur, gottlob nix, was vorgäbe, irgend klüger zu sein, und dann geht’s auch rasant stiluninteressiert mit zunehmend und nachvollziehbar (im Jahr 1937!) weiter, so dass niemand fürchten muss, etwa zurückgelassen zu werden.

Das liegt auch dem Tobias Haberl vom SZ-Magazin fern, der eine Meinung zu Margarete Stokowski loswerden musste in Zeiten, wo sich „fast alle … tiefe Gedanken über das Binnen-I (machen) und überhaupt keine darüber, wie man den sechs Millionen Analphabeten in unserem Land das Lesen und Schreiben beibringen könnte“, außer im SZ-Magazin natürlich, das regelrecht dafür auf der Welt ist, sich zwischen Anzeigen für 20 000 Euro-Möbel und 30 000 Euro-Uhren um die Nöte der sechs Millionen Analphabeten zu besorgen. „Tatsächlich hat sie“, die einen Auftritt in einer Buchhandlung hatte platzen lassen, die Bücher der sog. Neuen Rechten anbietet, „nichts dagegen, wenn ihre Bücher auf Amazon einen Mausklick von rechter Propaganda entfernt sind. Tatsächlich liest sie in der Roten Flora in Hamburg, einem autonomen Kulturzentrum, von dem auch gewalttätige Aktionen ausgehen.“ Widersprüche, wie sie nur knallharter Wahrheitsjournalismus ans Licht zu zerren vermag, der weiß, wie das geht mit dem Abholen, nämlich mittels jener halben Wahrheiten, die schon Lichtenberg für so viel gefährlicher hielt als die glatten Lügen. Und überhaupt schön, wie das werbefreundliche Umfeld, das da „Magazin“ heißt, immer gleich schmallippig wird, wenn eine „exzellente Autorin“ mit links Geld verdient, denn Geld verdienen, das darf man nur, wenn man die Ordnung der Geldverdiener aus vollem Herzen unterstützt, sonst ist es nämlich ein Widerspruch, und das ist der gewaltigste Vorteil an der Konformität, dass sie die eigenen Widersprüche so gut aushält, weil sie weiß (und schätzt), dass alles immer bloß ein Riesenkompromiss ist.

„Come as you are“ Nirvana, 1992

Drum müsste Stokowski, zitiert Haberl gern den verwandten Esel Fleischhauer, weniger kompromisslos sein und „unabhängiger von der Meinung ihres Herkunftsmilieus denken“, und das wäre dann der Vorwurf aller Vorwürfe: dass hier eine ihre Leute bloß abholt, ein Vorwurf, vorgetragen von Leuten, die im Leben nichts anderes gemacht haben. Haberl: „Zu viele Männer sind sich ihrer Privilegien nicht mal bewusst oder ahnen nicht, was in Frauen vorgeht, wenn sie nachts allein am Bahnsteig stehen“, Disclaimer; „zu viele Frauen verstehen nicht, dass es Männer nicht nur nerven, sondern auch verstummen lassen kann“, sagen sie keinen Mucks mehr, die Männer, „wenn sämtliche Großbaustellen vom Klimawandel über den Rechtsruck bis zur Krise der westlichen Welt jeden Tag und auf sämtlichen Kanälen“, SZ, FAZ, „Heute Journal“, „den ,alten, weißen, heterosexuellen Männern’ in die Budapester geschoben werden, wo die doch längst von einer aufgeschlossenen Generation junger Männer abgelöst werden“, nämlich vom Haberl oder seinem Kollegen Scharnigg, der vor zwei Wochen eine ganze Zeitungsseite mit der Halluzination vollmalen durfte, Großstadtbewohner könnten vor lauter Korrektheits-„Frömmelei“ weder Fleisch mehr essen noch Auto fahren, oder nur in blanker Angst.

Wir dagegen fahren Taxi, am liebsten mit Haberl und Kollegen; denn die kennen nicht nur das Ziel, die kennen auch den Weg. Nicht dass man am Ende falsch abbiegt; oder überhaupt. 

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Gärtners kritisches Pfingstsonntagsfrühstück: Ein kurzer Brief zum langen Abschied

Ich bin, was Entscheidungen betrifft, eher unlustig und nur ausnahmsweise in der Lage, ohne weiteres eine Präferenz zu äußern: Beim Zahnarzt lieber mit Betäubung, lieber einkehren als weiterwandern, diese Liga. Müsste ich’s aber wissen, wäre ich lieber Wulf Schmiese (ZDF) als Claus Kleber (ebenfalls ZDF), denn erstens ist Schmiese ungleich besser angezogen, und zweitens steht er, als Redaktionsleiter des Heute-Journals, nur ausnahmsweise im Fernsehen herum, nämlich dann, wenn es einen Kommentar aufzusagen gibt. Dann steht Wulf Schmiese erst etwas unabgeholt am Nachrichtendesk, bis Claus Kleber sagt, dass jetzt Wulf Schmiese etwas kommentiert, und dann ist Wulf Schmiese richtig im Fernsehen. Unter diesem Gesichtspunkt wäre ich lieber ein Tagesthemen-Kommentator als Wulf Schmiese, weil die nicht so linkisch am Desk stehen müssen, bis sie dran sind, aber Tagesthemen-Kommentator will ich natürlich auf keinen Fall sein, und Wulf Schmiese ja auch nur dann, wenn ich andernfalls Claus Kleber sein müsste.

Wulf Schmiese hat sich jetzt bei Andrea Nahles bedankt, die uns nämlich die Große Koalition beschert habe, als es anders nicht weitergegangen wäre, und dass es weiter- und immer weitergeht, dafür steht Wulf Schmiese ja ein, auch wenn ihm vermutlich nie wer dafür dankt. Aber für ein Dankeschön kann man sich ja auch nicht viel kaufen, nicht wahr: „Dank half der SPD selten. Seit 100 Jahren ist sie immer wieder als Helfer in der Not eingesprungen, hat Vaterland vor Partei gestellt und musste dafür stets schwerste innerste Kämpfe aushalten. Nahles ging es da nicht besser als zig ihrer Vorgänger seit Friedrich Ebert.“ Wulf Schmiese ist klug, sonst wäre er nicht Redaktionsleiter beim ZDF, und also hat er gesagt: Seit 100 Jahren, und nicht etwa: Seit 105 Jahren, auch wenn die SPD da erstmals im ganz großen Rahmen Vaterland vor Partei gestellt hat. Aber vor 100 Jahren tat sie’s so, dass Wulf Schmiese und wir ohne weiteres dafür dankbar sein können, hätten wir doch ohne den Einsatz Friedrich Eberts den Bolschewismus bekommen und dann diese VEB-Anzüge anhaben müssen, wie sie Claus Kleber bis heute bevorzugt.

„Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen.“ Hegel, 1807

So klug ist Wulf Schmiese aber dann wieder nicht, darauf zu kommen, dass dieses ständige Vaterland-vor-Partei am Ende der Grund ist, weshalb die SPD ihrem Ende ins Gesicht sehen muss, denn eine sozialdemokratische Partei müsste ja die kleinen Leute vor dem Vaterland in Schutz nehmen, welches eine Veranstaltung und Erfindung der Bourgeoisie ist. Das aber hat die SPD nun wirklich in nahezu bewunderungswürdiger Sturheit falsch und im engen Sinn verkehrt gemacht: Kriegskredite, Ebert, Radikalenerlass, Nachrüstung, Jugoslawien, Hartz – wenn’s drauf ankam, ging es ums Vaterland und nicht um die, um derentwillen die SPD doch eigentlich auf der Welt war. Soviel sieht Wulf Schmiese richtig: Die SPD war immer da, wenn das Vaterland sie rief, und jetzt ist es aber so, dass das Vaterland die SPD nicht mehr recht benötigt, denn Bergleute gibt es bald nicht mehr, und die Interessen der anderen zu aggregieren gibt es genügend andere Angebote. Wäre Wulf Schmiese nicht Redaktionsleiter beim ZDF und bestünden also seine Kommentare nicht notwendig aus „Jetzt muss …“-Appellen, hätte er sagen (oder wenigstens nachsagen) können, dass das sozialdemokratische Zeitalter zu Ende ist, weil der Kapitalismus nichts mehr von jenem Bolschewismus zu fürchten hat, den Ebert aufzuhalten müssen glaubte, obwohl’s da gar nichts aufzuhalten gab.

Nennen wir’s Ironie der Geschichte; oder List der Vernunft.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Mein Ruin

Kritisches Kolumnieren ist gewiss anfällig für Selbstgerechtigkeit, denn es geht nun einmal darum, dass man wirklich der einzig Zurechnungsfähige in einer Welt voller Verrückter ist, und das ist solange schön und komfortabel, wie es nicht stimmt, denn wenn es stimmt, wirdʼs wirklich schlimm: „Weg mit den Bauklötzen! Eine Kita ohne Spielzeug – klingt widersinnig. Tatsächlich aber kann die fehlende Ablenkung Wunder wirken und wichtige Fähigkeiten für das spätere Leben ausbilden“, und mir fehlt leider die wichtige Fähigkeit, derlei Kram, der von der fähigkeitsaffinen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ freilich gern berichtet wird, nicht zu lesen. „Was mit einem Kind passiert, das sich ohne Spielzeug beschäftigen muss, stärkt die Persönlichkeit und fördert damit die viel beschworene Resilienz, die psychische Widerstandskraft eines Kindes“, damit es später, wennʼs im Büro einmal hakt, gleichwohl fanatisch dranbleibt und nicht etwa das einzig Richtige tut, nämlich mit dem Saufen anfängt.

„Das Projekt ,Spielzeugfreier Kindergartenʼ wurde 1991 vom Jugendamt Weilheim-Schongau in Bayern entwickelt und kommt aus der Suchtprävention“, denn „der beste Schutz gegen problematische Entwicklungen seien gut entwickelte Lebenskompetenzen, und die Weichenstellung dafür finde in der frühen Kindheit statt“, wie ja die Weichenstellungen für schlechterdings alles; weshalb die FAZ-Bloggerin, die sich mit bloß halbem Augenzwinkern „Helikoptermutter“ nennt, von der ersten „Kita-Reise“ berichtet, weil der Planet auch in Zukunft Leute benötigt, die irgendwo hinfahren, ohne dass sie wüssten warum. Aber zurück in den Nichtschongau: „Das Projekt schafft durch einen zeitlich begrenzten Wegfall gewohnter Strukturen und Angebote den Rahmen, die eigenen Lebenskompetenzen und die der anderen wahrzunehmen, weiterzuentwickeln und zu erprobenʼ, erläutert Strick“, und den mag man nehmen wollen, wo die guten (oder nicht so guten) alten Bauklötze – noch einmal und gern kursiv: Bauklötze – dafür herhalten müssen, „dass man Fehler macht und Enttäuschung aushalten muss, ohne dass dies gleich von Erwachsenen ausgeglichen werde.“

„Mein Ruin ist weiterhin / Eine Arbeit ohne Sinn / Etwas, das man nie bereut / Eine Abgeschiedenheit“  Tocotronic, 2007

Genau. „Frustrationstoleranz, Herr Frevert!“ (Niels Frevert), und da lehne ich mich gern aus dem Fenster und behaupte: Je mehr Lebenskompetenz, desto weniger Leben oder allenfalls das, was im SZ-Magazin als solches verkauft wird, wo jetzt der Chef des „besten Restaurants der Welt“, ein Italiener, der gern Maserati fährt, zum Interview war und ein Dessert im Angebot hat, das so aussieht und so aussehen soll wie frisch vom Teller gefallen: „Der beste Koch der Welt serviert mit Absicht eine zerbrochene Tarte. Aber als perfekte Rekonstruktion des nicht Perfekten. Wir sind alle fehlbar, darum geht es. Grundschüler aus Sydney, die diese Nachspeise im Unterricht behandelten, haben mir hinreißende Briefe geschrieben: ,Du bist ein sehr inspirierender Mann. Ich liebe es, dass du Fehler machst, aber trotzdem nicht aufgibst!ʼ“

Wir sind alle fehlbar, darum geht es, aber wir dürfen es nur sein, sofern aus unserer Fehlbarkeit das Perfekte wächst, denn „letztlich geht es um den Kampf gegen die Alltäglichkeit – der Tod jeder Kreativität“, und das sollen halt Grundschüler schon begreifen, dass Alltäglichkeit das Letzte und Kreativität Trumpf ist. Und ich könnte jetzt natürlich wieder dumm fragen: Wie gelangt eine postmoderne Drei-Sterne-Nachspeise in den Unterricht australischer Grundschulen?, aber solche Fragen sind ganz nutzlos, denn hier lassen sie die Bauklötze weg und da gehtʼs um postmoderne Puddings, es wird etwas mit dem zeitlich begrenzten Wegfall gewohnter Strukturen und Angebote zu tun haben. Lieber frage ich Sachen, auf die ich eine Antwort weiß: Warum kann es, geht es um ein Dessert, nicht schlicht darum gehen, dass es prima schmeckt? Warum kommen Achtjährige angesichts einer Süßspeise darauf, diese „inspiriere“ sie, und zwar bloß zu den allerkaputtesten Konkurrenz- und Selbstoptimierungsgedanken? Und was hat sie alle bloß so ruiniert?

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Empört Euch

Es gab eine Zeit, da kiffte ich noch und hätte was darum gegeben, einen Kinofilm zu sehen, der nie die Kinos erreicht hat, weil ein „Big Brother“-Esel namens Zlatko wohl doch nicht so kinotauglich war, wie man gedacht hatte; und das Peinigende daran war, dass es den Film tatsächlich gab, aber gibt es einen Film, der nirgends zu sehen ist?

Das Video, in dem der junge CDU-Esel Philipp Amthor den jungen Youtuber Rezo zu stellen beabsichtigte, gibt es dagegen ganz physisch nicht, und das ist wiederum schade; denn auch ohne von der CDU-Zerstörung mehr zu kennen, als allüberall zu lesen war, wär’s doch zu schön gewesen, einen prototypisch unwilden Jungen den Anwürfen mit, natürlich, „Argumenten“ kommen zu sehen, damit alles im Talkshowsumpf aus Rede und Gegenrede versinke. Das sah im Morgenblatt ja sogar die Constanze v. Bullion, dass es sich hier um eine Polemik gehandelt habe, und da ist es nur recht, wenn aus Frankfurt Jasper von Altenbockum genauso scharf zurückschießt, der nämlich „die neue Form von Propaganda“ erkannte, „die der rechtspopulistische Drang nach ,Wahrheit’ und ,Freiheit’ geschaffen hat. Nur handelt es sich in diesem Fall um ein linkspopulistisches Machwerk – und schon heißt es, wie toll es doch sei, dass sich die Jugend in Deutschland mit Politik beschäftige. Aber ist es wirklich ,Recherche’, wie Rezo uns glauben machen will, oder auch nur ,Beschäftigung’ mit Politik, wenn Politiker pauschal als dumm, inkompetent, korrupt und verlogen dargestellt werden? Es ist pure Demagogie, die Methode der AfD, nur eben linksherum.“

Und nur eben so, dass es nicht darum geht, Grenzen zu schließen und Kopftuchmädchen zu hassen, sondern dass die Armut mit dem Reichtum wächst und ein 26jähriger, und sei’s einer aus dem Internet, die Phrase von der „sozialen Gerechtigkeit“ zu oft gehört hat, um nicht irgendwann das Kotzen zu kriegen und sinngemäß zu sagen: Am Arsch.

„Der Ton in den sozialen Netzwerken ist gnadenlos, unerbittlich, ohne Anstand und Hemmschwelle“, weiß Jasper, und da hat er sogar recht. „Mit ,Diskurs’ hat das alles nichts zu tun“, denn der findet hinten im Feuilleton statt oder beim Bundespräsidenten, wenn er, das Grundgesetz zu feiern, zu Kaffee und Kuchen lädt und sich ausgewählte Bürgerinnen und Bürger unter Moderation von Sandra Maischberger und Giovanni di Lorenzo über „Gesundheit, Pflege, Rente“ unterhalten dürfen, so die Gelegenheit erhaltend, Politik „nah zu erleben“ (SZ, 24.5.): „Die Distanz wurde überwunden. Das dürften insbesondere jene Gäste gespürt haben, die noch ein Selfie mit der Kanzlerin ergattern konnten.“ Und dann mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, Politik sei weder dumm noch verlogen, sondern im Gegenteil eine zum Anfassen.

„Jedes Reden wiederholt das Schweigen.“ Luhmann/Fuchs, 1989

Dabei ist doch Distanz das, worum es zu gehen hätte – angefangen bei der Distanz zum dämlich-konformen Selfietum und zu bundespräsidentiellen PR-Terminen –, und ist die eiserne Linksliberalität auch längst dabei, die junge Wut zu vereinnahmen: „Es werden täglich Entscheidungen auf Kosten nachwachsender Generationen gefällt, im Privaten wie in der Politik. Sie betreffen nicht nur den rücksichtslosen Verschleiß des Planeten, sondern auch Renten, Bildung, globale Gerechtigkeit. Eine Jugend, die da ungemütlich wird, gehört nicht verächtlich gemacht. Das Land sollte stolz auf sie sein“ (Bullion) – dasselbe Land, in dem die Rede von der „sozialen Gerechtigkeit“ eine Phrase bleiben wird und das globale Gerechtigkeit, aus gut ökonomischen Gründen, überhaupt gar nicht nicht wollen kann. Da ist es, wieder einmal, nützlich, wenn sich die Illusion nähren lässt, durch etwas schön Ungefährliches wie „kommunikatives Handeln“ (Habermas) gerieten die Dinge in Bewegung, wenn, wie der liberale Leitartikel singt, die Jungen „nachdenken, mitfühlen, sich einmischen, wählen gehen. Was für politischen Nachwuchs kann sich eine Demokratie eigentlich wünschen, wenn nicht solchen?“

Nämlich die Demokratie von und für Constanze v. Bullion, die bitte nicht mit der Bouillon-Demokratie verwechselt sei, in welcher das Fett immer oben schwimmt, egal wie sehr man rührt.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Die groben Unterschiede

Keine Regel ohne Ausnahme, und der Einzelfall, wir wissen es, ist ohnehin nicht von Belang; weshalb man das Tattoo als Massenphänomen nicht begrüßen muss, um nicht doch finden zu können, dass das Slide vom Schuster (doch, heute haben Schuster Slides statt Lederschürzen, jedenfalls da, wo Doofis wie ich wohnen) von Geschmack zeugt: sehr aufgeräumt, sorgfältig bedachte Farben, viel eher arty als stumpf, und so lange und genau konnte ich da jetzt nicht hinsehen, aber wirklich vollkommen ausnahmsweise hatte ich nicht das Gefühl, da gäb’s auch nix zu sehen, oder nur was Deprimierendes.

Das ist ja immer das Problem mit dem Selbstausdruck, dass es so schwer ist, ihn vom schlechten Allgemeinen freizuhalten, und wenn es bspw. ein Rezept fürs massenwirksame Schriftstellern gibt, dann lautet es, der Kundschaft nach dem Mund zu schreiben, idealiter sogar genau diesen Mund zu haben. Ungünstigstenfalls klingt der Selbstausdruck nicht einmal nach Mainstream, sondern nach der Decke, die zu kurz ist, und wer im Fernsehen singt, obwohl er es nicht kann, findet sich bloßgestellt, und ob man nun gratulieren soll, falls er das gar nicht merkt, ist die Frage. Die vielleicht Zwanzigjährige im Hallenbad nun ist, auch wenn man über Geschmack nicht streiten soll, ein einziger Tätowierunfall: Ohne Sinn, Konzept oder Idee hat sie Tattoos, die in keiner erkennbaren Beziehung zueinander stehen, über sich verteilen lassen, dahin, wo gerade Platz war, und so genau konnte ich auch da nicht hinsehen, aber auf dem Oberschenkel ein riesiger schwarzer Fleck, vielleicht ein zu dunkel geratener Pferdekopf, sie tut mir leid, sie wird weitermachen, und es ist natürlich völlig klar: Wer so aussieht, hat keine Kanzlei und arbeitet auch in keiner.

„Ich bin außerordentlich empfindlich gegen alles Getöse, allein es verliert ganz seinen widrigen Eindruck, sobald es mit einem vernünftigen Zwecke verbunden ist.“ Lichtenberg, ca. 1793

Denn das ist das Fiese, dass der Tätowiertrend die feinen bis gröberen Unterschiede biologisiert und die Akzidenz so zur Substanz macht wie der gymnasiale Leserbriefschreiber das Schulversagen von erblich Asozialen. Mag sein, im Alltag ist es egal, ob sich die Kassiererin mit CD- vom veganen Taschendesigner mit Plattensammlung nun durch Klamotten und Sprache oder die Elaboriertheit der Tätowierungen unterscheidet; aber ein Stigma ist das, was nicht weggeht, was sich nicht ändern lässt, und das ist dann der Triumph der sog. freien Gesellschaft: dass die, die ihr angehören, es geradezu nicht erwarten können, sich ihre unveränderlichen Rangabzeichen einbrennen zu lassen und ihren Sozialstatus, den niedrigen zumal, nicht mal mehr trotzig, sondern bloß modisch auszustellen. Denn es ist ja Popkultur, und was da einmal Selbstbehauptungszeichen des Randständigen war (und ausnahmsweise noch ist: Die hemmungslos tätowierten „Trucker Babes“ auf D-Max müssen in einer Umgebung, in der Frauen Babes sind, die harten Mädels, genau: markieren), ist jetzt Kulturindustrie; und die schlägt zwar alles mit Ähnlichkeit, lässt aber noch genügend Raum für jene Unterschiede, die die Chancengesellschaft als eine auszeichnen, die keine Zweifel daran lässt, wer seine Chance genutzt hat.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Drum prüfe

Überraschungen sind im Kolumnistenberuf ja eher selten, denn „wie groß ist der soziale Horizont eines Menschen –? Er ist doch wohl viel kleiner, als man glaubt. Die große Menge der Urteile beruht auf Überlieferung“ (Tucholsky), und die geht bei der FAZ nun einmal so, dass, ist in der Schule was zu schwer, der Schüler zu doof sein muss, und zwar insonderheit der, der sowieso nicht Abitur ist: „Dass es aber offensichtlich eine enorme Diskrepanz zwischen dem Niveau der Abituraufgaben und jenem des Unterrichts gibt, gehört zu den verheerenden Folgen der Inflationierung der Allgemeinen Hochschulreife und der Abwertung niedriger Bildungsabschlüsse. Wenn jeder das Abitur erlangen soll, die Anforderungen im Unterricht dafür gesenkt, in den Abituraufgaben aber wieder hochgeschraubt werden, kann diese Rechnung nicht aufgehen“, weiß die Berliner Feuilletonkorrespondentin Bethke, deren Kinder garantiert keinen niedrigen Bildungsabschluss haben und deren vorzügliche Hochschulreife freilich ausschließt zu wissen, dass es verheerende Folgen außerhalb des Journalphrasenlands nicht gibt, allenfalls die Verheerung als Folge von etwas. Die SZ hat immerhin das Nächstliegende getan und einen Mathelehrer gebeten, das umstrittene Abi mal durchzurechnen, und er hat es zwar geschafft, aber nicht annähernd in der gegebenen Zeit.

Trotzdem wird man vermutlich nie wissen, was an dieser Prüfung nun zu schwer war oder nicht und ob an allem, wie ein Anwurf lautete, die Kompetenzbetrunkenheit modernen Unterrichts schuld hat, obwohl zu der doch gerade jene Texterfassungsfähigkeit gehört, die vor den als zu elaboriert inkriminierten Textaufgaben einmal nützlich gewesen wäre. Was man jedenfalls wissen kann, ist, dass die allermeisten Prüflinge das Allermeiste, was sie im Abi wissen müssen, schleunigst wieder vergessen, sofern sie’s in Studium oder Beruf nicht brauchen, und dass das Abitur ein formaler Bildungsabschluss ist und die Abiturnote die Leistungsfähigkeit beurteilt und nicht eine Bildung, die man mit 18 nicht hat.

„Das eine der Blätter, im halben Format, bescheinigte sachlich, dass der Schüler am heutigen Tag die Reifeprüfung bestanden habe. Unterschrift und Siegel. Ich barg es in der Brusttasche, denn das brauchte ich zum Studieren. – Das andere, große Blatt aber war das Zeugnis (…), und andächtig zerriss ich es in viele kleine Schnipsel, bis es Konfetti war, legte es in die hohle Hand und pustete es zum geöffneten Fenster hinaus.“ Alexander Spoerl, 1950

Dass diese Leistungsfähigkeit vom Elternhaus abhängt, ist immer noch wahr, und solange das wahr ist, ist der Vorwurf, das Abitur werde inflationiert, notwendig ein klassenpolitischer. Dass auf dem Gymnasium zu viele seien, die da nicht hingehörten, ist natürlicherweise die Beschwerde derer, die keinen Zweifel daran haben, ihre Kinder täten es, und dass das Abitur um so weniger wert ist, je mehr es machen, liegt weniger an sozialdemokratischen Lehrplänen denn in der Logik der Sache. Dass Kollegin Bethke, die nicht die banalste Nullstelle mehr wird ausrechnen können, ins Keifen gerät, wo doch der Nachwuchs, der die Logik der Sache verinnerlicht hat, nur auf fairen Wettbewerb besteht, ist nichts als die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, als das Abitur noch was wert war, und dass es heute weniger wert ist, müssen die bedauern, die es sich immer schon haben leisten können.

Dann sollen sie uns aber nicht damit in den Ohren liegen, Konkurrenz belebe das Geschäft. 

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Da Du, sackclevere Commerzbank,

jeglichem Vorwurf der Vetternwirtschaft dadurch vorbeugst, dass Du einen gewissen Herrn Vetter zum neuen Chef Deines Aufsichtsrats machst, rechnen wir fest mit weiteren bemerkenswerten Neuzugängen in Deinem Hause. Frau Miss und Frau Schatte sollen derzeit ja ebenfalls auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit sein. Und die beiden ehemaligen Wirecard-Banditen Braun und Marsalek haben zwar keine glorreichen Namen, können dafür aber mit starken Referenzen glänzen.

Bestätigen offiziell: die Wirtschaftsprüfer von Titanic

 Metallica-Drummer Lars Ulrich!

Metallica-Drummer Lars Ulrich!

Bei einem Auftritt in der sog. »Trunk Nation«-Show gaben Sie, wie der »Rolling Stone« berichtete, zum Besten, was Sie derzeit gedanklich umtreibt: der Snare-Sound auf Ihrem Album »St. Anger« von 2003.

»Ich höre St.Anger, das sind eineinhalb Schläge, und da ist eine Menge unglaublicher, roher Energie, und es ist so ›Woah!‹. Es ist ein bisschen herumgeschlagen worden. Aber die Snare-Sache, das war super-impulsiv, kurzzeitig …«

Einmal im Flow, flowen Sie weiter: »Ja, das ist cool, das ist anders. Das wird einige Leute verrückt machen. Das klingt, als gehöre das zum Prügeln dazu. Heilige Scheiße! Das haben wir nicht kommen sehen …«

Heilige Scheiße, Ulrich, was man allerdings durchaus kommen sehen kann: Wenn ein stinkreicher Trommelfell-Quälix wie Sie nach geschlagenen 17 Jahren glaubt, immer noch über den Klang seiner Schnarr-Trommel schwadronieren zu müssen, dann dürfte es langsam an der Zeit sein, sich in die Heavy-Metal-Rente zu verabschieden.

Weil: Something else matters. Titanic

 En passant gefragt, Laufsportmagazin »Aktiv laufen«:

Wie macht man’s denn passiv? Titanic

 Polizei Nürnberg!

Nachdem Du mehreren Radaktivisten die Luft aus den Reifen gelassen hattest und dies als geeignete Maßnahme gegen unbelehrbare Teilnehmer der Critical-Mass-Bewegung deklariertest, appelliertest Du just darauf »an die Vernunft der Verantwortlichen im Sinne des fairen Miteinanders im Straßenverkehr.«

Vorbildlich, gute Polizei; wir wollen in Zukunft noch mehr Engagement von Dir sehen! Was hältst Du davon, all den unbelehrbaren Rasern, die Radfahrer und Fußgänger tödlich überfahren, die Räder von der Karosserie zu montieren und erst wieder zurückzugeben, wenn sie ihr dauerhaft rücksichtsvolles Verhalten im Straßenverkehr unter Beweis stellen?

Hoffnungsvoll: Titanic

 Holy shit, Katharina Wolff,

Personalstrategieberaterin für die digitale Wirtschaft, Ex-CDU-Politikerin und Podcasterin! Auf der Webseite Meedia, die wir vor Urzeiten mal als echtes Medienmagazin wahrgenommen hatten, sabbelten Sie: »Fehl-Hires im Executive Bereich kosten bis zu 500 000 Euro.« Weiter wussten Sie, praktisch nicht zu vermeiden, einen »Headhunter« in Ihren Text zu basteln, teilten mit, was »der CMO eines Grown Up« durchschnittlich im Jahr verdiene, wie viel so ein »Onboarding durch die HR« koste, wovon »mehr als »6000 HR Professionals« sprächen, und gaben sodann »6 Hiring-Hacks«.

Schon ganz lustig soweit. Aber angenommen, jemand hielte sich an Ihre ganzen Advices, das hieße dann ja, dass die sich damit befassenden Berufe bzw. Jobs bzw. Employees bzw. Consultants usw. usf. sich selbst abschaffen würden, gell? Und wollen Sie uns diesen Gefallen nicht tun? Please! Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Herrgott noch mal

Gottes Wege sind unergründlich? Pah! Regen ist zum Beispiel Gottes Weg, zu sagen: »Dusch endlich.«

Felix Scharlau

 Kommt ’ne Frau beim Arzt …

… macht etwas Smalltalk in beider heimatlichem Dialekt, wird korrekt behandelt und geht nach Hause.

Jasper Nicolaisen

 Die Jugend von heute

weiß, mit ausgereifter Selbstreflexion zu überzeugen. So konnte ich heute Morgen beobachten, wie ein Halbstarker auf einen anderen, der schon am Boden lag, einschlug und rief: »Der Klügere gibt nach! Bin ich aber nicht.«

Nick Hertzberg

 Trinklustig,

ja durstig hatten wir die Hotelbar aufgesucht. Der Barkeeper allerdings kam hartnäckig nicht zu uns, um dann, nach endlich erfolgter Bestellung, für ziemlich lange Zeit spurlos zu verschwinden. Aber warum wunderten wir uns? Schließlich nannte sich die Wellnessabsteige, in der wir gelandet waren, nicht nur »Resort«, sondern eben auch »Hideaway«.

Irmtraud Hnilica

 China

Vor einigen Jahren machte ich eine geführte Tour durch Peking. Verbotene Stadt, Mauer und Tempel, das war alles sehr eindrücklich, doch die Rückfahrt zum Hotel in dem kleinen Reisebus war mindestens ebenso einprägsam. Die Mitreisenden sahen interessiert oder abwesend aus dem Fenster, einige plauderten mit den Sitznachbarn, doch kaum jemand nahm Notiz von unserem Reiseführer, der auf dem Monitor seinen Lieblingsfilm »Kung Fu Panda« vorführte, simultan übersetzend, glücklich versunken, gestikulierend, in verschiedenen Stimmlagen und auch mit Gesang.

Miriam Wurster

Vermischtes

Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
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Das schreiben die anderen

  • 09.09.:

    Die "Abendzeitung" interviewt Rudi Hurzlmeier.

     

  • 04.09.:

    Ella Carina Werner klärt in der "Taz" über den Alterskult im westlichen Sumatra auf.

  • 03.09.:

    Moritz Hürtgen spricht mit ZDFheute über Satire nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo".

  • 02.09.:

    Über eine Regenlesung der TITANIC BoyGroup berichtet die FAZ.

     

  • 19.08.:

    Oliver Maria Schmitt war für die FAZ auf großer Büßer-, Pilger- und Fürbittfahrt für alle Pest- und Seuchenopfer.

Titanic unterwegs
23.09.2020 Melle, Theater Martin Sonneborn
24.09.2020 Hamburg, Schauspielhaus Max Goldt
24.09.2020 Braunschweig, Kulturzelt Martin Sonneborn
25.09.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten TITANIC-Taskforce