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Fabian Lichters Economy Class

Offen gesagt  

Dass ein offener Brief im Zeitalter des Dauerdiskurses nun doch etwas antiquiert daherkommt, das hielt "28 Intellektuelle und KünstlerInnen" längst nicht auf, Olaf Scholz auf diese Weise aufzufordern, statt auf die Bitten aus Kiew einzugehen, doch besser einem Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland zuzuarbeiten und die Verhandlungen nicht zu vergessen, es drohe der 3. Weltkrieg. Praktisch auch, wenn man sich gar nicht erst auf die Website der Emma bemühen muss, wo das Ganze veröffentlicht wurde, um zu wissen, wer unter die mahnenden Worte seinen Namen gesetzt hat. Denn man kennt sie ja, die Berufsgockel des Landes. Ob nun Dieter Nuhr, Martin Walser, Alice Schwarzer oder Juli Zeh. Letztere ist immerhin gestandene Offene-Briefe-Autorin. 2013, man erinnert sich, verfasste sie anlässlich des "größten Abhörskandals in der Geschichte der Bundesrepublik" sogleich einen Brief an Angela Merkel. Unterstützt wurde sie, Zeh, dabei von etlichen Unterzeichnern, die bis 2013 offensichtlich noch keine Vorstellung davon gehabt haben, was Geheimdienste so treiben. So oder so ähnlich ging das damals jedenfalls vonstatten und so oder so ähnlich stellt man sich Intellektuelle und Künstler hierzulande nun mal vor: als engagierte Betriebsnudeln, die sich in regelmäßigen Abständen mit Beschwerdeschreiben an die Politik wie an ihr Publikum richten. Nur Putin muss bislang noch ohne Brief aus Deutschland auskommen. Er dürfte am gewünschten Kompromiss aber ohnehin kaum mehr Interesse haben als an einem neuen Zeh-Roman oder dem nächsten Jahresrückblick mit Dieter Nuhr. 

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Und wenn eine Entschuldigung …    

Was man mit Xavier Naidoos Entschuldigung anfangen möchte, bei der er sich vor kurzem doch eher abstrakt von seiner Vergangenheit distanziert hat, beschäftigte die Halböffentlichkeit bei Twitter und den Journalismus jüngst sehr. Dass man skeptisch dahingehend ist, ob Jahrzehnte der Wirrnis und Hetze mit jenen wenigen Minuten, um die es geht, als passé und aufgearbeitet gewertet werden können, ob auch nur ein Satz aus Naidoos Mund ernst gemeint ist, lässt sich verstehen. Ebenso der Gedanke, es Menschen, die es aus solch einem Universum der Verblendung herausgeschafft haben, nicht schwerer machen zu wollen, als es für sie ohnehin schon ist. Es ist eben alles kompliziert, nicht nur die Sache mit der Wahrheit. 
Glücklicherweise arbeitet man anderswo aber schon fleißig gegen diese Problematik an: "Eine Entschuldigung besteht im Idealfall aus mehreren Komponenten", weiß zum Beispiel die taz:    

"1. 'Es tut mir leid, dass'    

2. Eine klare Benennung des Fehlers oder der Tat    

3. Eine Erklärung, weshalb man den Fehler oder die Tat begangen hat    

4. Eine Absichtserklärung: 'In Zukunft möchte ich …, um mein Verhalten wiedergutzumachen.'"    

"Diese Entschuldigungskette hält Naidoo bisher nicht durch", heißt es weiter. Besonders der letzte Punkt fehle schmerzlich in seinem Video. Und während man das so liest, stellt sich einem unweigerlich die Frage, ob ein solch gleichsam infantiles wie technisches Verhältnis zu Sprache und Wirklichkeit nicht Ausdruck einer Verblendung verwandter Art ist. Der Entschuldigungsleitfaden in 4 Schritten, der auch die Dramaturgie eines Xavier-Naidoo-Songs sein könnte, soll also Licht ins Dunkel bringen und die lästige Uneindeutigkeit hinwegzaubern. Und nun? Muss er noch einmal nachlegen? Dann aber die 4 Punkte bedenken. Wenn einer erst die richtigen Worte weiß, kann sein Anliegen schließlich nur noch identisch mit seinem Gesagten sein. Selbstverständlich ist es mit einem kurzen Video nicht getan, diesem Irrglauben dürfte nicht einmal der für Irrglauben nachweislich anfällige Xavier Naidoo erliegen, meinte er es denn wirklich ernst. Diejenigen, die sich inzwischen hauptberuflich auf das ritualisierte Einfordern von Entschuldigungen und Distanzierungen eingeschossen haben, noch ernst zu nehmen, fällt jedenfalls nicht weniger schwer.  

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Kinderkram

Wer seinen Kindern früh das nötige Rüstzeug für den Wettbewerb mitgeben möchte, der hat Glück: Mit Carsten Maschmeyers Kinderbuch "Die Start-up Gang" etwa, verfasst zusammen mit Google-Manager Axel Täubert, gibt es nun endlich ein Gründerkompendium in erzählter Form schon für Zehnjährige. Der Klappentext: "Es ist Projektwoche in der Schule und Nele, Carl, Aliyah und Mehmet landen im selben Team. Thema ist 'Wir gründen ein Start-up', und am Ende der Woche sollen die Gewinner gekürt werden. Die Vier rechnen sich keine Chance aus, denn ihr Team ist einfach zu verschieden, was Interessen und soziale Herkunft anbelangt. Doch genau das - ihre unterschiedlichen Talente - erweist sich als große Stärke, als Ihnen (sic!) plötzlich eine geniale Geschäftsidee kommt …". So einfach geht Diversität in neoliberal. Mehmets Vater ist selbstverständlich trotzdem Dönerverkäufer und Aliyah, vor kurzem aus Syrien geflüchtet, möchte nun als Gründerin die Welt verändern. Carl wiederum liest gerne. Sein Lieblingsbuch: "Die Millionärsformel" von Carsten Maschmeyer. Maschmeyers Vorwort klingt dann so: "Ich vermute, die meisten deiner Freunde - du selbst womöglich auch - wollen Influencer, Fußballprofi oder am besten gleich Superstar werden. Aber erstens kann das nicht jeder sein und zweitens, was wäre das für eine Welt, in der es nur solche Berufe gibt? Wer würde dann zum Beispiel die nächste Social-Media-Plattform erfinden, auf der alle ihre Bilder posten? Dafür braucht es Unternehmen und mutige Menschen, die sie gründen." Wem ein Buch zu altbacken ist, der hole einfach das iPad herbei; schon für Kleinkinder stehen auf YouTube und den gängigen Streamingplattformen schließlich etliche Animationsfilmchen bereit, die von so grotesk schlechter, liebloser und bizarrer Machart sind, als habe eine minderwertige KI sie zusammengebastelt: ohne Charaktere oder Handlungsstränge, ein Universum, das verspielt, gar phantastisch ist, gibt es gar nicht erst, dafür findet man sich in einem Niemandsland wieder, in dem Konstruktionsteile auf dem Boden liegen, die unter Anleitung von Roboterstimmen und bei Fahrstuhlgedudel zu Gabelstaplern oder Kränen montiert werden. Auch die dingliche Welt soll schließlich dereinst geplant und beherrscht werden. Im beinahe schon kultverdächtigen Video "Bob der Zug" hingegen, immerhin über 90 000 000 Klicks, tuckert eine grenzdebile Bimmelbahn durch eine computeranimierte Landschaft, die eher an einen Horrortrip erinnert, denn an ein Kinderparadies, und bringt den Kleinen Buchstaben, Zahlen und Fahrzeuge näher, ehe sich, haben die Eltern sich erst verzogen, Kampfjet, Kriegsschiff und Flugzeugträger vorstellen dürfen und als wichtige Helfer im Alltag präsentiert werden, die das Land verteidigen. Mit so einer Bilderwelt im Nacken freut man sich dann auch aufs Existenzgründerseminar.

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Knirsch  

Dass der Kapitalismus ein Nepp ist, ist nun längst keine exotische Meinung mehr. Auch mit dem Fortschrittsoptimismus ist es so eine Sache, so richtig will jedenfalls keiner mehr daran glauben, dass dieser Welt in absehbarer Zeit noch Wunder entspringen könnten, die das Leben einfacher und schöner, idealerweise gar ökologischer machen. Was auch die Politik vor neue Herausforderungen stellt. Hat man Kritik am Status quo früher mit dem Versprechen von Wohlstand für alle und Bildern von Flüssen aus Sonnenblumenöl o.Ä.versucht abzubügeln, muss man heute auf andere Mittel setzen. Inzwischen bleibt selbst Regierenden nichts weiter übrig, als ihre eigene Vulnerabilität und Betroffenheit angesichts der Verzwicktheit der Lage auszustellen. Mit der unausgesprochenen Bitte, man möge ihnen ihr Engagement zu Gute halten, das nun mal dann und wann an den Mauern aus Sachzwängen zerschellt. Man muss mitansehen, wie Robert Habeck zerknirscht – denn das ist das Adjektiv, auf das sich die Presse bei ihm geeinigt hat – seine Runden dreht, um in Katar nach Alternativen zu russischem Gas zu suchen, die Leute darauf einstimmt, dass sie künftig noch ein wenig verzichten werden müssen, und wünscht ihm ja doch nur, dass er bald wieder die Jeans auf 6/8 krempeln und umringt von Fotografen barfuß durch das Watt stapfen kann. Der Gesundheitsminister warnt indessen auf Twitter in gewohnter Manier vor einer Pandemie und ihren Spätfolgen, während unter seiner Ägide gerade die letzten Maßnahmen zur Eindämmung abgebaut werden, ganz so, als könne niemand weniger in derlei Belangen ausrichten als ein einfacher Minister. Ein Twitteraccount als Appell an die Leser, doch bitte auszubaden, was man im Namen der Wirtschaft angerichtet hat. Und unter all dem leidet dann auch noch das Tischtennisspielen mit Freund Günter Wallraff, weiß jedenfalls die dpa.  

Es ist eben hart für alle.

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Zur Sonne, zur Freiheit    

In regelmäßigen Abständen muss hier über das Hantieren mit dem Begriff Freiheit gesprochen werden, der längst für alles und jeden herhalten muss, sei es für Gaucks pathetische Sonntagsrede, in der es hieß, man könne auch einmal "frieren für die Freiheit", – grandios, welch Spielräume einem Jahrzehnte freiheitsgetriebenen Wirtschaftens also nun eröffnen – sei es für Lindners "Freiheitsenergien". Entscheidend ist eben das richtige Wording, mit dem man – in Lindners Fall – die Klientel aus Wirtschaft und Industrie adressiert, also auch hier mal wieder: Freiheit. Freiheit, die hierzulande gemeinhin so fragil ist, dass man sie mit Tempo 230 und dem stets noch größeren Hubraum demonstrieren muss und die keine ist, wenn in ihr nicht zwangsläufig die Chance auf Selbstzerstörung und Gefährdung anderer mitschwingt. Freiheit, das klingt hier nun aber plötzlich besänftigend in Richtung einer grenzparanoiden Wirtschaft geflüstert, ein bitternötiges Sedativum, man nehme sich nur einmal das Titelblatt der Wirtschaftswoche vor, es könnte aber auch Compact sein: Robert Habeck thront dort als "König Planwirtschaft" mit Photovoltaikkrone und Windrad-Reichsapfel als Insignien der drohenden neuen Welt, weil ja eh längst alles wurscht ist. Als wäre in jenem Wahn, der sich immerzu kurz vor dem staatlichen Großeingriff, wenn nicht dem Sozialismus wähnt, nähme man ihn ernst, nicht auch etwa die Autoindustrie vor allem ein gigantisches planwirtschaftliches Projekt – mit Unsummen subventioniert, die Abhängigkeit zu fossilen Brennstoffen künstlich gefördert, ein Tempolimit durch ideologisches Dauerfeuer ins Reich der gefährlichen Utopien verbannt. Nichts anderes bei der Energieversorgung und der gezielten Zerstörung ungewünschter Märkte, das weiß man bei der Wirtschaftswoche natürlich am besten. Lindner hingegen weiß um den Pawlowschen Reflex und hofft also, dass das Wort Freiheit bei seiner Kundschaft wieder einmal seinen Zauber wirkt, während es draußen ja auch schon wieder wärmer wird. Manches regelt sich eben doch noch ganz von allein.

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Weiter    

Natürlich ist der Versuch der Rationalisierung einer Welt, in der die Irrationalität waltet und wirtschaftet, zum Scheitern verurteilt. Nichts wirkt in Zeiten, in denen einen keine Krise mehr schocken kann, so grotesk wie die buchhalterische Routiniertheit, mit der man heute etwa noch einen über Jahrzehnte heruntergewirtschafteten Kahn namens Standort Deutschland durch die Unruhen der Gegenwart schippern möchte, von denen man offensichtlich immer noch im Inneren zu glauben scheint, es handle sich nur um einige vorübergehende Böen. Man hantiert mit Daten und Kurven, im Schlepptau ein Heer von Beratern und Kontrolleuren in Wirtschaftsteilen und Talkshows. Mit aller Ruhe der Welt beseelt, von der Frage umgetrieben, wie viel Schulden man der nächsten Generation wirklich auflasten will und kann, kontrolliert man vom Standpunkt nüchterner Kalkulation aus Haushaltspläne, Etats und Defizite, während Regionen unbewohnbar werden, wacht mit Argusaugen über Schuldengrenzen, Gebote und Spielregeln des Marktes, die man jetzt doch bitte nicht über Bord werfen sollte. Über Meldungen wie "Deutschland trocknet aus“ (tagesschau.de) oder "Permafrost taut unweigerlich auf“ (Spiegel) geht der in Rationalität geübte Blick hinweg, wie sonst nur bei Bekanntmachung der nächsten 300 000 Ansteckungsfälle mit einer Krankheit, die nachweislich die Gehirnmasse schrumpfen lässt. Es passt alles nicht ins System, egal wie aufdringlich es sich in unseren Alltag schiebt. Ein Krieg gleich nebenan? Hier kommen die geupdateten ETF-Guides. Jahrzehnte hat man sich energiepolitisch an einen autoritären Tyrannen und veraltete Technologien gebunden? Jetzt muss eben neu justiert werden. Wer hätte es ahnen können? Es gab Befürchtungen, sicher, aber mit Befürchtungen lässt sich nun mal schlecht arbeiten. Wenn nur jeder nach bestem Gewissen weiterwurschtelt, lösen sie sich irgendwann schon auf, all die Probleme   

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In Fahrt

Diese Kolumne wird nicht von mächtigen Schlüsselindustrien querfinanziert, der Autor hegt auch keine einflussreichen Kontakte zu Ölmagnaten, Tankstellenbesitzern oder Christian "Graf Zahl" Lindner. Unter diesen Voraussetzungen soll nun mit Vollgas in die Mobilitätsdebatte gebrettert werden. Denn nicht nur die Unverbesserlichen, die ihren Diesel auch dann noch für heilig halten werden, wenn auf der Erde kein Kraut mehr wächst, gerieren sich beim Thema Auto äußerst unwirsch und realitätsfern, auch auf der Gegenseite verbeißt man sich nur zu gerne in sein Feindbild, den rücksichtslosen Autofahrer, der noch im Jahr 2022 mit dem Auto zum Bäcker um die Ecke fährt und plötzlich gibt es nur noch skrupellose Sportwagenfahrer, die lachend die letzten Tropfen fossilen Brennstoffs in ihren Tank schütten. Daher können, so der Ton in etwaigen Kommentaren, die Preise an Tankstellen gar nicht hoch genug sein. Sogar bei den derzeitigen Rekordpreisen, so eine Meldung jüngst, waren keine messbaren Veränderungen im Straßenverkehr spürbar, und da schnaubt mancher gleich noch einmal, denn die Autos fahren so zahlreich wie zuvor. Was daran liegen könnte, dass ein Großteil der Menschen dann eben doch nicht rein aus Jux und Tollerei tagtäglich mit dem Verbrenner durch die Gegend ballert und dafür Raffinerien, Versicherungen und Schweineindustrie noch das letzte Geld in den Rachen wirft, sondern daran, dass man außerhalb einer Großstadt in Deutschland ohne Auto so dumm aussieht wie in der Stadt mit. Wer beim Tankrabatt Klientelpolitik schreit, hat sicher Recht, verkennt aber in der Regel auch, dass die Mehrheit der Autofahrer trotzdem weder Porsche-SUV fährt noch FDP wählt. Wer berufstätig ist und Kinder hat, ist auf dem Land mit einem Lastenfahrrad schneller am Herzinfarkt als am Ziel, wenn der nächste Arzt etliche Kilometer entfernt praktiziert und der Supermarkt dank Dörfersterben irgendwo weit hinter dem Horizont steht. Der öffentliche Nahverkehr war dort immer schon eine rein behauptete Alternative. Heißt auch, dass etliche ihr Auto nur mit Mühe unterhalten und dann vor allem, um den Alltag bewerkstelligen zu können. Darüber zu spotten oder großzügig hinwegzusehen hilft niemandem. Die künstlich hochgetriebenen Sprit-Preise machen nun die Falschen reicher und die Falschen ärmer und schreien eigentlich nach Maßnahmen ganz anderer Natur. Projektionen und das Ausblenden der Wirklichkeit abseits der Innenstädte sind aber nun mal auch keine geeigneten Mittel, eine Welt zu erkämpfen, die überhaupt einmal ohne Auto funktionieren kann.

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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hut ab, »Star Insider«!

Unsere Aufmerksamkeit war Dir sicher, als Du Deinen Artikel »Kluge Köpfchen: Das sind die intelligentesten Promis« mit den Gesichtern von Rowan Atkinson, Emma Watson und nun ja … Wladimir Putin bebildertest.

Du scheinst ein wirklich erfrischend offenes Verständnis davon zu haben, was einen Promi zum Promi macht: Ob mit Grimassen schneiden oder Angriffskrieg führen, alle können es schaffen, wenn sie sich nur anstrengen und eben ein kluges Köpfchen sind. Das macht uns Mut!

Stets mit Köpfchen: Titanic

 Ihren Senf, Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin,

zum Umstand, dass Ihr 30 Jahre altes Pony Dolly offenbar von einem Wolf gerissen worden war, gaben Sie schon dazu, als das Tier noch nicht mal die Chance hatte, Wurst zu werden. »Die ganze Familie ist fürchterlich mitgenommen von der Nachricht«, ließen Sie mitteilen. Klar, von dem Pony können Sie logischerweise nicht mehr mitgenommen werden.

Sendet Ihnen diese Nachricht mit dem Pony-Express: Titanic

 Namenloses australisches Känguru!

Du zeichnest für die erste tödliche Känguru-Attacke auf einen Menschen seit 85 Jahren verantwortlich: Dein 77jähriges Opfer hatte Dich offenbar illegalerweise als Haustier gehalten. Das darf man nur, wenn man eine spezielle Ausbildung nachweisen kann. Aber deswegen gleich töten? Hat der Mann Dich nicht artgerecht gehalten? Hat er verlangt, dass du neunmalkluge Sprüche, Binsenweisheiten und halbgare politische Witze von Dir gibst? Dich am Ende sogar verfilmen wollen?

Schön und gut, aber Gewalt sollte dennoch nicht die Lösung sein, findet Titanic

 Dein Kindersport-Angebot, Hannover 96,

bietet laut Deiner Webseite »Sport ohne Leistungsdruck«, seine Basis bestehe aus Spaß und der Entwicklung persönlicher und kognitiver Eigenschaften. Toll, das hätten wir von einem Verein aus dem Profifußball-Kapitalismus wie Dir gar nicht erwartet! Antizipiert, wie es im Kommentatoren-Sprech heißt, hätten wir eher Internate für Fußballtalente im Grundschulalter und Sportleistungskrippen für Hoffnungsträger ab drei Monaten.

Doch schon angesichts des Mottos der Abteilung stellt sich Ernüchterung ein: »Fördern und fordern«. Damit führst Du Deine Kindersport-Sparte unter dem gleichen Leitbild wie Hartz IV, das bekanntlich alles andere als »Arbeitslosengeld ohne Leistungsdruck« ist.

Aber, Hannover 96, wo sich der Vater von Hartz IV, Gerhard Schröder, vor einigen Monaten aus dem Verein zurückgezogen hat, um einem Ausschluss zuvorzukommen, wäre es da nicht an der Zeit für ein neues Motto?

Empfiehlt Dir ein paar Einheiten Denksport: Titanic

 Scharf, Frankreich!

Aufgrund von Dürreausfällen gibt es kaum mehr Senf in Deinen Supermarktregalen. Vor allem der beliebte Dijon-Senf wird derzeit knapp. Da kommt ein Gastronom wie Pierre Grand-Girard in Douarnanez aus
der Bretagne schon mal in die »Bredouille«, wie die Tagesschau uns mittelscharf aufs Baguette zu schmieren versucht. Und ein Ende der Geschmacklosigkeit ist noch lange nicht in Sicht! Es wird wohl Jahre dauern, bis die Landwirtschaft so umgestellt ist, dass das goldfarbene Gold endlich wieder in Strömen fließt.

Vielleicht kannst Du Dich bis dahin ja mit etwas Ketchup über Wasser halten.

Deine pommes de terre von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Alttestamentarisch

Führende Theologen bestreiten, dass die Bibel Selbstjustiz rechtfertigt. Aber war nicht Moses im Grunde der Erste, der das Gesetz in die Hand nahm?

Wieland Schwanebeck

 Grüner Daumen

Manches im Leben fällt einem einfach in die Hände, z. B. ein umfallender Kaktus, während man morgens das Rollo hochzieht.

Ferri Bueller

 Künstliche Idiotie (KI)

Seit Youtube mir vor dem Abspielen meiner Suchanfrage »Give Peace a Chance – John Lennon« eine Werbung für den freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr zeigte, mache ich mir keine Sorgen, dass intelligente Maschinen bald schon die Macht übernehmen. Außer das war bereits ein Anzeichen für Humor.

Jürgen Miedl

 Nicht nur für Cineasten

Um unprofessionelle Anschlussfehler zu vermeiden (»Mist, schon wieder eine Videokonferenz! Welches Hemd hatte ich heute Morgen an? Mit welchem Videofilter habe ich noch mal den Wäschehaufen im Hintergrund übermalt?« oder eben auch: »Huch, wieso sind Sie denn auf einmal nackt?«), könnte man direkt eine Continuity-Agentur für Heimarbeiter gründen. Schnapsidee oder innovatives Geschäftsmodell? Oder hatte ich das im letzten Meeting schon mal vorgeschlagen?

Alexander Grupe

 Für Facebook

Vorschlag eines tiefgründigen Denkspruchs für Tierärzte: Real eyes realize real lice.

Karl Franz

Vermischtes

Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
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Das schreiben die anderen

  • 05.09.:

    TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen spricht bei 1LIVE Stories vom WDR über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" und liest daraus vor (auch bei Spotify und sonstigen Podcast-Plattformen).

  • 02.09.:

    Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet über das aktuelle Editorial der neuen TITANIC-Intendantin Patricia Schlesinger.

  • 17.08.:

    DLF Kultur spricht mit Bernd Eilert über sein Buch »Meine Île de Ré«

  • 08.08.: Moritz Hürtgen und Dax Werner sprachen mi dem hr zum Thema "Sind wir alle zu ironisch?!"
  • 25.07.:

    Merkur.de fasst die Reaktionen auf einen Uwe-Seeler-Cartoon von TITANIC zusammen.

Titanic unterwegs
08.10.2022 Baden-Baden, Kurhaus Max Goldt (mit einer Laudatio von Bernd Eilert)
08.10.2022 Köln, Klüngelpütz Ella Carina Werner
10.10.2022 Darmstadt, Centralstation Martin Sonneborn
11.10.2022 Frankfurt am Main, Club Voltaire TITANIC-Tucholsky-Gala