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Fabian Lichters Economy Class

Respekt

Respekt – so lautete das Wort, mit dem Scholz sich im Wahlkampf ein menschliches Antlitz schaffen wollte. Und ob er das jetzt wohl schon ist, der unlängst mit so viel Emphase herbeigelobte Antiklassismus? In den Sondierungsgesprächen haben sich SPD, Grüne und FDP ja immerhin darauf geeinigt, das Bürgergeld einführen zu wollen. Mit dem, zumindest nach aktuellem Stand, zwar dann auch keine allzu einschneidenden Änderungen zu erwarten sind, der Antragsteller bzw. Empfänger allerdings qua Begrifflichkeit ganz offiziell zurück zum Bürger geadelt wird, na, und wenn das nichts ist? Heißt auch, Mitwirkungspflichten bleiben bestehen sowie die Bereitschaft, ggf. umzuziehen. Irgendwie digitaler soll das alles am Schluss dann noch werden und das war er dann auch schon, der Linksrutsch. Dabei dürfte es selbstverständlich nicht zuletzt im Interesse der SPD liegen, die sich den Clou ja einst ausgedacht hat, das von ihnen ebenfalls in die Welt gesetzte, längst nach Krankheit und Diagnostik, nach Aussatz und Vereinsamung klingende Wortungetüm Hartz IV endlich und endgültig in die Tonne treten zu können. Leid genug ist schließlich darunter geschehen, welch Schmach, welch Pein brachte es über die Menschen, nicht zuletzt über jene armen Gestalten in der Partei, hat es an ihrem Ruf doch nun wirklich lange genug genagt. Dass das eigens angerichtete Elend so auf einen zurückfallen würde, wer hätte es damals geahnt? Dankenswerterweise weiß man aber heute um die Kraft der Worte sowie die Macht des Rebrandings. Darum, dass man die unschöne Realität dieser Tage am besten an der Oberfläche bekämpft. Postmoderne Sprachmagie für die Ampelära, eine Win-Win-Situation, so gesehen, vielleicht aber auch ein Beispiel dafür, dass man sich mit Respekt besser nicht abspeisen lassen sollte.

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Kinderspiele

Man sieht es mir nicht immer an, aber auch ich hege durchaus Sympathien für Umsturz und ein Ende aller Gemeinheiten dieser doch eher mangelhaft eingerichteten Welt. Folglich habe auch ich mir natürlich unlängst die Serie Squid Game angesehen, jene viel gepriesene Kapitalismusparabel aus Südkorea, und praktisch ist es zweifelsohne, dass man sich seine Kapitalismuskritik nun also auch einfach bequem nach Hause streamen lassen kann, statt noch in tristen Lesekreisen zu verkümmern, sonoren Vorlesestimmen im kritischen Jour fixe zu lauschen oder schlecht kopierte Exzerpte zu pauken. Gegen Bequemlichkeit sei an dieser Stelle also nichts gesagt, das wäre ja noch schöner. In so ziemlich jedem Wohn- oder Studierzimmer flimmerten, flimmern oder werden ganz sicher noch die neun Folgen der Serie über den Bildschirm flimmern. Die Insights in die Totalität kapitalistischen Unheils für zwischendurch, bequem zum Wegbingen nach dem Feierabend, analog zum in die Jahre gekommenen angenehmen Wochenendgrusel beim Slasherfilm, der einen das immerhin doch noch unblutige eigene Dasein nach dem Abspann umso schöner erscheinen lässt. Fragt sich, welcher Theoretiker auf eine solche Verbreitung zurückblicken könnte wie die Macher von Squid Game, immerhin derzeit die meist gesehene Serie auf Netflix, hätte man also auch einmal früher draufkommen können und man sollte natürlich keine voreiligen Schlüsse ziehen, vielleicht dauert es einfach seine Zeit, bis die Massen wirklich, also in Gänze erfasst sind. Gut gemacht, da ist man sich von der WG-Küche bis ins Feuilleton einig und dazu selbstverständlich auch an dieser Stelle keine Widerrede, ist das Ganze ja zweifellos. Wenn nun aber wider Erwartens doch nicht die Revolution kommt, dann hoffentlich wenigstens eine zweite Staffel?

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Christian-Lindner-Superstar

Die Jugend, heißt es, habe ein Recht, wenn nicht die Pflicht, Dummheiten zu begehen, was ich gemeinhin gerne zu unterstützen bereit bin, nicht zuletzt, da ich mir auf meinige rückblickend keine andere Haltung erlauben wollte. Weil es manch jungem Menschen heute aber längst nicht mehr genügt, zu tun, was junge Menschen heute auch immer tun, Zumba tanzen, Bärte pflegen oder die möglichst giftigsten Hustensäfte craften, wählen sie also, wie man einer Umfrage sei Dank nun weiß, FDP.
Christian Lindner avanciert zum Role Model, überwiegend für junge Männer, was der Gesellschaftswissenschaftler Noah Schöppl im Spiegel u.a. Lindners Präsenz in den sozialen Netzwerken zuschreibt, gleichwohl spiele die Klimafrage immer noch eine wichtige Rolle, es soll nur nicht zu Lasten der Wirtschaft gehen. Ein Erstwähler gesteht, es sei ihm nicht zuletzt darum gegangen, Rot-Rot-Grün zu verhindern. Allein, 2017 waren es 25 Prozent Jungwählerstimmen für die Union, viel ist also nicht zu Bruch gegangen. Dazu ließe sich fragen, woher es denn auch kommen sollte, das kritische Bewusstsein, das einen gelb gepinselte Freiheitsbotschaften noch in ihrer Doppeldeutigkeit wahrnehmen ließe. Wo selbst der kümmerlichste Reformeifer dieser Tage im Chor zur linken Bedrohung deklariert wird und schon die Grünen als Gefahr gelten, als hätten sie ein grundlegend anderes Angebot als das übliche marktfixierte Einerlei in der Hinterhand.
Schnell wurden Vermutungen laut, die auf Selbstmonetarisierung und Selfmade-Sprüchen basierende Welt auf Portalen wie YouTube und Twitch sei schuld. Wo die Junganleger sich in ihrer Hoffnung auf den Aktienmarkt gegenseitig empowern, dass ein Jürgen Höller Freudentränen weinen würde, und Influencer empört darüber sind, ihre Werbeeinnahmen versteuern zu müssen. Dass Geld nicht mehr mit Arbeit verdient wird, ist jedenfalls nicht die falscheste Beobachtung. Alles eine neue Qualität der Verrohung? Damit würde man der Vergangenheit zu sehr schmeicheln, ist es dafür doch zu offensichtlich das, was 24/7 gebetsmühlenartig aus allen Kanälen gepredigt wird, und am freshsten augenscheinlich jüngst von den FDP-Plakaten herunter: alles wie immer, nur digital.

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The Merkel years

An ihr und mit den auf sie gerichteten Projektionen sind rechte Kräfte dieses Landes vollends wahnsinnig geworden, andere vergaßen darüber gerne einmal, dass es sich bei ihr immer noch um eine Politikerin handelte, die für den Status Quo nicht unwesentlich verantwortlich zu machen war und es natürlich noch ist, die eben nicht einzig zur Repräsentation beordert wurde, so sehr sie einige in der Rolle als deutsche Queen bisweilen überzeugt haben mag. Kein Geheimnis ist, dass Sozialpolitik Merkels Sache nicht war und die Zahlen in Sachen Altersarmut und Kinderarmut seit Jahren beständig steigen. Der neueste Trend lautet überdies Arbeitsarmut (working poor) und verbindet gleich zwei Übel miteinander, von denen beide für sich schon unschön genug sind. Und was die Sache mit der "Klimakanzlerin" angeht – ein alter Hut. Die Ahnung, dass es nach Angela Merkel nicht besser werden würde, dürfte so manchen sonst kritischen Blick getrübt haben, die Fronten gegen sie lagen quer, das tat seinen Teil dazu. Jeder trägt eben sein ganz eigenes Merkelbild mit sich und wird es hinübernehmen in die Nach-Merkel-Welt. Wer es ruhig ausklingen lassen möchte, für den bietet sich derzeit das jener niedlich-naiven Papageien-Oma aus der Stock-Foto-Datenbank an, die sie selbstredend nie war. Bleibt die Frage, ob es in 30 Jahren eine ähnliche Welle an kulturindustrieller Verklärung geben wird, wie sie derzeit den gesetzten Mid-Agern der Gen X verabreicht wird, die in Literatur und Film doch immer noch ihren golden years unter Kohl nachhängen. Werden altgewordene Millennials sich eines Tages noch nach der Ära Merkel zurücksehnen? Die Gefahr besteht. Beim einsetzenden Nostalgiekick dürfte dann allerdings ja auch schon eine lange Scrollminute durch die eigene Timeline genügen. Etwas Fortschritt fand schließlich, wenn auch ohne Merkels Zutun, doch statt in den letzten 16 Jahren.

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Geschäftliches, Allzugeschäftliches

Irgendwo muss ich falsch abgebogen sein in meinem Leben, zumindest in dem von Algorithmen bestimmten Teil davon, denn ich werde verfolgt. Von jungen Männern mit dem innigen Wunsch, mir zu erklären, wie sie sich einen Sportwagen leisten können, den ich doch niemals besitzen möchte, die mir via Youtube Lösungen und Tools anpreisen, mit Hilfe derer sich Online-Einkäufe auf otto.de nochmals billiger tätigen ließen, Coaches, die ein Coaching in Sachen Coaching heute schlicht für unabdingbar halten und mir die erste Million innert weniger Steps versprechen. Erstaunlich, wie schnell man sich doch daran gewöhnt hat, dass derlei halsabschneiderische Unterfangen dieser Tage nicht einmal mehr mit einem Hauch falscher Seriosität verschleiert sein wollen, aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles. Was auch Rezo in und mit seinem jüngst veröffentlichten Korruptions-Video nur ein weiteres Mal vorführt.

Transparenz und Information allein führen eben keinesfalls zwangsläufig dazu, dass als Reaktion auf etwa die organisierte Kriminalität einer Union oder eines Olaf Scholz gesellschaftlich noch irgendetwas ins Wanken geriete. Zu tief ist das Gerede von Alternativlosigkeit und Konkurrenz ins gemeine Bewusstsein gesackt. Man hätte Rezo noch, das dazu, nahelegen können, dass die CDU sich geradezu und seit jeher durch ihre Wirtschaftsliebeleien konstituiert. Alles längst in Struktur und Alltag übergegangen, egal, wie viel Skandälchen alleweil ans Tageslicht kommen. So mag der Begriff Verblendung es wohl auch nicht mehr ganz treffen, macht man sich heute bezüglich der Verhältnisse, in denen man lebt, doch auch keine größeren Illusionen mehr als die, dass man mittels irgendeines Tricks eines Tages womöglich doch noch zumindest zu etwas schnellem Geld gelangen könnte. Der Money-Mindesttip für den finanziellen Erfolg kann an dieser Stelle folglich nur lauten: What would Philipp Amthor do?

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Frage-Antwort-Spiele

Für große Belustigung sorgte AfD-Chef Tino Chrupalla jüngst, dem auf Nachfrage des Kinderreporters von "logo!" spontan aber auch so gar keines jener deutschen Gedichte einfallen wollte, von denen er ja doch zumindest zu wissen meint, sie kämen im heutigen Schulunterricht zu kurz. Ausgerechnet Heinrich Heine nennt er auf weiteres Nachhaken des Jungen, sicherlich mehr Griff nach dem rettenden Strohhalm, einem gerade dankbarerweise im Hirn herumspukenden Namen, als glaubhafte Auskunft über seinen Lieblingsdichter.

Jedenfalls stehen Chrupalla und seine Partei dem, was in Deutschland als Sommermärchen verkitscht und verehrt wird, der Restauration deutschen Selbstbewusstseins und der trotzig-stolzen Rückbesinnung auf das dummerweise niemals ganz greifbare Eigene, wesentlich näher als Heines Wintermärchen. Inwieweit die AfD Kind jener Versöhnung mit sich selbst ist, lässt sich freilich schwer sagen, der Anstieg ganz und gar nicht weltoffener nationalistischer Gesinnung nach dem Sommermärchen, der WM 2006, wurde zumindest wissenschaftlich nachgewiesen.

Das Chrupalla-Interview zeigt ganz nebenbei aber auch, dass hiesige Kinderreporter wohl immer noch mehr auf dem Kasten haben, als der zugrunde professionalisierte Journalismus hierzulande, der die Störung, die er vorgibt, nötigenfalls herbeiführen zu wollen, doch vor allem vermeiden möchte. Ein regelrechter Skandal wurde etwa kurz zuvor daraus, dass Jan Böhmermann bei einer Podiumsdiskussion mit Giovanni die Lorenzo und Markus Lanz das allgemeine Geplänkel damit durchbrach, auf das Thema False Balancing in u.a. auch ihrem Journalismus zu sprechen zu kommen. Worauf sowohl di Lorenzo als auch Lanz sichtbar verärgert angesichts so viel Ungemütlichkeit nichts als herumzueiern wussten und halblahme Gegenbeschuldigungen ("gefühlt verengte Meinungskorridore" etc.) zurückwarfen. Die "Verwandlung von Politik in Blödelei, die beherrscht er wie kein Zweiter", brachte Kollege Leo Fischer die Formel Lanz einst auf den Punkt. Darüber hinaus ist dann wiederum sehr schnell Schluss mit lustig. Weil Professionalität im deutschen Journalismus dieser Tage eben vor allem meint, um Himmels Willen niemanden vor den Kopf zu stoßen, wo doch gerade alle so gut miteinander können.

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Anarchie und Alltag

Dem Prinzip Arbeitskampf steht man in Deutschland bekanntlich skeptisch, wenn nicht argwöhnisch gegenüber, wird hier doch, verglichen mit dem europäischen Umland, geradezu lächerlich wenig gestreikt. Umso mehr wird ein Streik, was in der Regel gleich Bahnstreik bedeutet, zum Megaereignis, das alles in Wallung und zum Ausdruck bringt, was in Land und Leuten so schlummert. So muss man als Claus Weselsky und Gewerkschaftschef dann einfach damit leben, dass die Bild, wie 2014 geschehen, die Büronummer veröffentlicht, auf dass der vor Wut schnaubende Leser sein Ziel findet, oder damit, dass sie beim Focus kaum verschlüsselt den Wohnort preisgeben. Das hat sich einer schon verdient, der die Bahnfahrer "in Geiselhaft" hält (focus.de). Bei Bild jüngst derselbe Wortlaut, man kämpft diese Schlacht seit jeher gemeinsam, nur, dass man bei Springer bereits das ganze Land in Gefangenschaft wähnt. Und nur weil einer dem über Jahre standhält, muss er sich dann auch nicht allzu viel Anerkennung aus der Bevölkerung erhoffen. Den Betrieb lahmlegen fürs schnöde Geld, das ist dann doch zu viel Anarchie für die deutsche Seele. Das bisschen Solidarität, das unter Werktätigen in Deutschland einst vorhanden gewesen sein mag, hat der Neoliberalismus noch zuverlässig beiseitegefegt, wenn nicht in Missgunst verkehrt. Regelrecht abstrus die Idee, seinen Frust auf diejenigen zu richten, gegen die eine Lohnsteigerung erkämpft werden muss, die immer noch himmelweit unter der Inflationsrate liegt. Wie schön, heißt es dann, wenn der ganze Spuk vorbei ist und alles wieder seinen geregelten Gang geht. Nämlich von unten nach oben.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Servus, Horst Seehofer!

Servus, Horst Seehofer!

Sie erzählten dem Stern, Sie würden Ihre Rentenzeit gern nutzen, um die Programmiersprache C++ zu lernen. Was wollen Sie denn damit programmieren, Seehofer? Eine Fernsteuerungsapp für Ihre Modelleisenbahn im Keller? Ein Handyspiel mit dem Namen »Angie Birds«, in dem man die Kanzlerin mit einer Schleuder durch die Gegend schießen kann? Oder gar ein Game mit dem komplizierten Titel »(De)Portal(tion)«, bei dem man Menschen per Teleportation abschieben muss?

Hofft auf nichts davon: Titanic

 Hä, »Spiegel«?

Zum Ende der Amtszeit Angela Merkels schreibst Du, diese sei das Gegenteil von Donald Trump: »Sie redete viel und sagte wenig, während Trump viel sagte und wenig meinte.« Du jedoch redest Sachen, von denen weder klar ist, wie Du sie meinst, noch was Du damit sagen möchtest.

Verwirrte Grüße Titanic

 Jens Spahn!

Mit der Bunten sprachen Sie über Ihren Umgang mit Häme und Kritik: »Auch wenn es mal Gegenwind und Kritik gibt. Sich beleidigt ins Schneckenhaus zurückzuziehen, bringt nichts.« Frage: Auch nicht, wenn es ein Vier-Millionen-Euro-Schneckenhaus in Berlin-Dahlem ist?

Glitschige Grüße Titanic

 Ganz entzückend, Polizeipräsidium Mittelfranken,

finden wir den Zeugenaufruf, den Du Mitte Juni ins (echte) Internet stelltest: Es ging um eine Betrugsserie durch »falsche Wunderheilerinnen«. Das ist ja ein dickes Ding! Was sagt denn der Bundesverband der staatlich geprüften Wunderheilerinnen dazu? Und hat sich die Landeszentrale der zertifizierten Wahrsager schon zu Wort gemeldet?

Dass am Ende noch die Diplom-Hochstaplerinnen unschuldig in Verdacht geraten, möchte unbedingt verhindern: Titanic

 Spanische Stierkämpfer!

Welche gesellschaftlichen Werte Ihr als Traditionalisten so vertretet, ist den meisten ja bekannt. Nun habt Ihr den Bogen aber überspannt beziehungsweise den Spieß zu tief gerammt: Bei einem Kampf in Gijón habt Ihr zwei Stiere »Nigerianer« und »Feminist« getauft, um sie dann von einem Star-Torero, der außerdem Unterstützer der rechtsextremen Vox-Partei ist, erlegen zu lassen. Empört hat die Bürgermeisterin von Gijón der Stierkampf-Tradition in ihrer Stadt ein jähes Ende gesetzt.

Auch wir sind schockiert, ja geradezu angewidert! Diese Übertragung gesellschaftspolitischer Themen auf Objekte und Tiere erinnert uns an miefige Polit-Karikaturen der alten Bundesrepublik (und der Süddeutschen Zeitung von heute) – einfach grausam und ekelhaft!

Außerdem bleibt die Frage, wofür der Torero in dem Zusammenhang eigentlich steht. Für »linker Irrsinn« oder »Identitätspolitik« oder so? Oder doch schlicht für »dummer Haufen ultrakonservativer Faschisten«?

Olé! Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Meinung

Dass Leichenspürhunde bei einem Fund mit dem Schwanz wedeln, ist ja schon ziemlich pietätlos.

Julia Mateus

 Autofahrer sind Schweine

Wenn ich als Kind mit meinen Eltern im Auto fuhr, kritisierte meine Mutter manch einen anderen Verkehrsteilnehmer, der, so fluchte sie, fahre »wie eine gesengte Sau«. Dass man in grauer Vorzeit Schweine mit Lötflammen zu enthaaren pflegte, und dass jene, jedenfalls wenn sie zuvor nur unzureichend getötet worden waren, regelmäßig der brutalen Behandlung in wildem Galopp entflohen, hatte mir damals noch niemand eröffnet. Ja, ich zweifle bis heute daran, dass diese Anekdoten überhaupt der Wahrheit entsprechen. Als Kind verstand ich stattdessen »wie eine gesenkte Sau«, und ich finde, das macht allemal mehr Sinn, schließlich ist da »tiefergelegt« nicht weit von entfernt.

Theobald Fuchs

 Hey, Google!

In meiner Meditation bin ich mittlerweile auf einem solch hohen Level der Gelassenheit angelangt, dass sich die Cookies-Abfrage bei mir erübrigt. Alles akzeptieren – check.

Tina Manske

 Kunstrasen

Im Garten den gesamten Rasen mähen bis auf ein kleines Quadrat etwas unterhalb der Mitte – welcher Mann hat kurz vor Beendigung jener Gartenarbeit noch nicht schelmisch hineingegrinst, in sein Hitler-Gärtchen?

Andreas Lugauer

 Egozyklopädist

»Alleine die Auswahl, wer einen Wikipedia-Artikel bekommt und wer nicht, ist schrecklich! Jeder Soap- und Schlagerstar hat einen, während echte Geistesgrößen leer ausgehen.« »Und was willst du dagegen machen?« »Selbst aktiv werden, den Wiki-Autoren-Zirkel infiltrieren und neue Perspektiven einbringen – zur echten Demokratisierung des Wissens!« »Und worüber willst du deinen ersten Artikel schreiben?« »Über mich.«

Jürgen Miedl

Vermischtes

Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!
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Das schreiben die anderen

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

  • 20.09.:

    In der Jungen Welt würdigt Stefan Gärtner den 80jährigen Eckhard Henscheid.

  • 14.09.:

    NDR Zeitzeichen zum 80. Geburtstag von Eckhard Henscheid.

Titanic unterwegs
20.10.2021 Frankfurt, AusstellungsHalle 1a Thomas Gsella
20.10.2021 Kiel, Hansa 48 Paula Irmschler
20.10.2021 Bremen, Lagerhaus Ella Carina Werner und Miriam Wurster
20.10.2021 Frankfurt, Buchmesse Thomas Gsella