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Fabian Lichters Economy Class

Angst und Schrecken

Kritische Stimmen werden hierzulande gerne als apokalyptisch abgetan, wer den Normalbetrieb infrage stellt, gilt schnell als Panikmacher. Mit Begriffen wie Hysterie wehrt man etwa Ergebnisse der Klimaforschung ab, während man doch schon längst live Zeuge solcher Ergebnisse werden kann. Es ist alles einigermaßen bizarr und klingt beinahe so, als ob man es hier sonst nicht auf eine ganz besondere Art und Weise mit der Angst halten würde: Da fürchtet man sich in diesem Land seit Oswald Spenglers Zeiten vor dem Untergang des Abendlandes und wird nicht müde, den alten Schmu alle paar Jahre in neuer Form zu verkaufen (Angst vor dem Euro, Angst vor Überfremdung, Angst vor den Gendersternchen – auch in unsicheren Zeiten immer eine sichere Bank) und die Panikpropheten sollen doch immer die anderen sein. Dabei ist die Angst vor Aktivisten und politisch Engagierten selbst wieder eine spezielle Kategorie der Angst geworden, die täglich bedient werden will. Kein Tag vergeht ohne neue Schreckensmeldungen von der Abschaffung der Wissenschaft und dem Ende der Meinungsfreiheit, nur weil irgendwo ein paar Studenten eine Veranstaltung blockiert haben oder sich im Netz ein Shitstorm ereignet hat, manch einem beschert selbst die Vorstellung einer dritten Toilette noch schlaflose Nächte. Panik überall: Laut Boulevard herrscht seit 2015 Bürgerkrieg in deutschen Freibädern und die Grünen stehlen einem gerade aus purem Hass noch den letzten Groschen aus der Tasche. Wahlweise auch um Putin zu ärgern oder die Wirtschaft zu zerstören. Die Angst ist da flexibel. Dass der Wahn in dieser Welt stets schon um die Ecke linst, das zeigt schon ein Blick auf das entsprechende journalistische Personal oder die täglichen Social-Media-Debatten. Die eigentliche Angst vieler dürfte in diesen Tagen aber auch die sein, mit ihrem Programm nicht mehr durchzukommen, das da heißt: "Nach mir die Sintflut".

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Bots  

In grauer Vorzeit bedeutete Technik immer auch Verheißung, war Sinnbild für die Befreiung von Mühen und Plackereien, sie würde, so die Hoffnung, die Menschheit schon ganz von selbst auf den Pfad in eine bessere Welt führen, in der Glück und Muße im Vordergrund stehen und sich alles Unschöne nach und nach von selbst regeln würde. Dass auch die ausgefeilteste Technik in dieser Welt zum Mittel verkommen muss, sich gegenseitig für die erbrachten unterbezahlten Dienstleistungen kritisch zu bewerten oder noch im Urlaub bzw. nach Feierabend ackern zu müssen, hat dem Fortschrittsoptimismus nicht unbedingt gutgetan. Nichtsdestotrotz möchten Unternehmen wie Tesla den alten Traum wieder aufleben lassen und versprechen eine Zukunft, in der humanoide Roboter gefährliche, unliebsame Arbeit übernehmen und einem im Alltag assistieren. Erfolgsmeldungen sollen die Leute bis dahin bei Laune halten: In regelmäßigen Abständen liest man von Entwicklern, die über die eigens geschaffene Künstliche Intelligenz derart erstaunt sind, dass sie nicht anders konnten, als sich umgehend an die Presse zu wenden, um zu berichten. KI-Technologie kann demnach längst über Stunden einen mittelmäßig unterhaltsamen Chatpartner auf Facebook simulieren oder wissenschaftliche Arbeiten über sich selbst schreiben, kurz, sie hat sich bewundernswert an eine redundante und gänzlich sinnbefreite Welt angepasst. KI-Systeme werden schlauer, besser, schneller, besiegen uns im Captcha-Spiel und verwehren uns den Download, wissen mehr über unsere geheimsten Wünsche als wir selbst und halten dennoch zu uns. Die Erfolgsmeldungen überschlagen sich. Tatsächlich: Die Maschinen werden, es ist faszinierend, immer menschenähnlicher. Fairerweise sei dazugesagt: Man kommt ihnen aber auch recht rasant entgegen.

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Auf Zeit  

Es soll ein neues Eckpunktepapier geben, so liest man. Was das eigentlich schon wieder sein soll, es wäre noch einmal gründlich zu klären, jedenfalls plant die SPD diesem Papier nach Entlastungen für Mieter. Heißt: Wer die nach oben schnellenden Nebenkosten nicht mehr stemmen kann, soll nicht sofort auf der Straße landen. Eine temporäre Maßnahme also, man kennt es inzwischen. Wie mit den Corona-Maßnahmen ergeht es einem schließlich längst auch mit dem Flickwerk der Ampelkoalition zu Inflation und Co.: ein Rabatt hier, ein vergünstigtes Ticket auf Zeit da, ein Tweak in der Steuer für den Herbst und hier und dort ein wenig an der Subventionsschraube gedreht. Längst fällt es schwer, den Überblick zu behalten inmitten all der Ausnahmefälle, schwerer noch fällt es lediglich, sich ein Ende all dessen vorzustellen. In Zeiten, in denen Krise auf Krise folgt, ist dankbarer Weise auch stets ein Schuldiger für die nächste gesellschaftliche Wackelpartie auszumachen, so dass man beinahe vergessen könnte, was das zugrunde liegende Problem ist: dass der neoliberale Kahlschlag der letzten Jahrzehnte ein System geschaffen hat, das keiner Erschütterung mehr standhält und eine lange Reihe an Existenzen hervorgebracht hat, die eine Nachrichtenmeldung entfernt sind, nach ganz unten durchzurutschen. Zum Glück wissen sie dank Scholz jetzt immerhin: "You'll never walk alone". Das mag nun beruhigen oder nicht beruhigen, so mancher würde sicherlich gerne eines Tages wieder alleine gehen können. Der Winter, er wird also die große gemeinsame Kraftanstrengung, und es erscheint einem beim Gedanken daran schon beinahe von selbst das Bild des Kanzlers, der da vor dem Fest Rewe-Gutscheine in die Menge feuert. Das Weihnachtsfest, es wäre – zumindest temporär – gerettet. 

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Fahrzeugeltern

Große Sorgen bereitet einem in diesem Land traditionell der Nachwuchs. War er eben noch zu lasch, zu antriebslos, politikverdrossen gar, ist er wenig später wiederum zu aktivistisch und fordernd. Irgendwie ist aber auch der Wurm drin bei den Jungen. Mit ganz eigenen ausgefallenen Vorstellungen fahren die Vertreter der jüngeren Generationen plötzlich auf; Wahnideen vom Feierabend bis zur gerecht bezahlten Arbeit treiben sie um, und weit und breit niemand mehr in Sicht, der ihnen diesen Zahn ziehen könnte. Das gute alte Buckeln bis zum Umfallen, es scheint aus der Mode gekommen zu sein. Und es könnte noch schlimmer werden. Das vermitteln einem jedenfalls die Aufschreie vermeintlicher Experten, weshalb man mit Argusaugen auf die Eltern der Nation blickt. Von Helikopter- oder U-Boot-Eltern ist dann die Rede, die den Nachwuchs verweichlichen, ihn bis zur Lebensunfähigkeit päppeln und alle und jeden in ihrem Umfeld terrorisieren. Die Folgen sind klar: kleine Tyrannen und Narzissten, wohin man blickt. Und weil mit derlei Panikmache hierzulande der Erfolg auf dem Experten- und Ratgebermarkt garantiert ist, muss das Angebot ständig erweitert werden. Rasenmäher-Eltern heißt also die neue große Gefahr für die kommende Generation, soll heißen die Wirtschaft und darf nun als Aufhänger für allerlei populärwissenschaftlichen Kokolores herhalten. Rasenmäher-Eltern, bisweilen auch Schneepflug-Eltern genannt, beseitigen im Vorfeld alle Hindernisse für die Kinder, statt sie, wie es sich gehört, ins offene Messer laufen zu lassen. So oder so ähnlich lautet die Klage, die sich, wie alle Klagen dieser Art, hervorragend dafür eignet, von den Stümpereien der Generation abzulenken, die gegenwärtig an den Hebeln sitzt. Und weil einen aus den Warnungen vor Helikopter-Eltern und kleinen Tyrannen die gesamtgesellschaftliche Lieblosigkeit geradezu anspringt, kann man sie doch nur mit einem gewissen Mitleid entgegennehmen. Schwer muss es schließlich einmal gehabt haben, wer sich heute Fahrzeug-Eltern ausdenkt.

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Sylt  

Ein Rätsel, warum ausgerechnet die Insel Sylt den Ruf genießt, der ihr vorauseilt, als idyllische, luxuriöse Vorzeigeinsel für Leistungsträger und Bessermenschen, als besonders strahlendes Fleckchen Deutschland. Das jedenfalls fragt sich, wer Westerland einmal schaulustig betreten hat und dort von einer Fußgängerzone begrüßt wurde, die jeder beliebigen deutschen Vorstadthölle entnommen sein könnte. Dass so viele Deutsche ihr 9-Euro-Ticket nun ausgerechnet für eine Reise nach Sylt verwenden wollten, man kann es nur als Ergebnis einer hartnäckigen Legendenbildung erklären. Einmal sein, wo sich HP Baxxter, Ulla Kock am Brink und Jürgen Klopp gute Nacht sagen. Die bekannten Reetdächer und Goschs Krabbenparadies am nördlichsten Zipfel, das, dank Krachts Faserland zwar irgendwie zum Kultort erhoben, doch allenfalls den Charme einer Raststätte auf der A8 versprüht. Aber immerhin mit Meerblick. Drumherum: Steppe und besteppwestete Urlauber beim Inselgang. Luxuriös an Sylt ist ausschließlich seine Exklusivität, man weiß eben, wessen Insel es ist und wessen nicht, wer sich hierher zu verirren hat oder allenfalls als Tagesausflügler geduldet ist. Und natürlich hat Christian Lindner seine Hochzeit auf Sylt weder abgesagt noch um Nachsicht gefleht, angesichts der Empörung darüber, dass etwa Gäste cool mit dem Privatflugzeug anreisen, während so mancher auf dem Festland schon Schweißperlen beim Gedanken an die kommende Nebenkostenabrechnung auf der Stirn stehen hat. Dass Lindner seine Sause also nicht samt Fritz "Maverick" Merz und Pfarrer Sloterdijk aus Solidarität mit den Werktätigen in ein Vereinsheim in Wuppertal verlegt hat, es war abzusehen. Und wem hätte es schon genützt? Niemandem zumindest, dem an Transparenz mehr gelegen ist als an symbolpolitischen Verschleierungsmanövern. Dass auf Sylt gefeiert wird wie eh und je, es sollte vielmehr als Geste mit Durchhaltesymbolik, als Mutmacher in finsteren Zeiten gesehen werden, denn als Ausdruck eines Mangels an Empathie. Als Zeichen, das sagen möchte: Es ist noch immer alles irgendwie gut gegangen und das wird es auch in Zukunft. Zumindest für manche.

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Ideologisches  

Ein Verbrennerverbot – ideologisch motiviert, Argumente gegen die Nutzung von Kernenergie – sind ebenfalls Ideologie, na klar. So klar, dass es in der Regel auch keiner Begründung mehr bedarf, warum und wieso es sich gerade dabei um Ideologie handeln soll. Aktivismus, Journalismus – alles wird nach Belieben und im Handumdrehen als ideologisch abgetan. Ob im wirtschaftsfreundlichen Politbetrieb oder in der Kommentarspalte. Ein Leichtes wäre es, dagegen anzuführen, die Angewohnheit, jede Motivation als ideologisch zu verbuchen, außer der, Kapital und Industrie unmittelbar zuarbeiten zu wollen, koste es, was es wolle, deute selbst auf einen gewissen ideologischen Einschlag hin. Vielleicht sollte man den Begriff nach all den Strapazen, denen er ausgesetzt war, aber auch einfach ein wenig abkühlen lassen, wenn man es denn gut mit ihm meint. Gegenwärtig dient er jedenfalls kaum noch dazu, gesellschaftliche Verhältnisse und Widersprüche ins Bewusstsein zu rufen, mehr schon der Diffamierung, wenn nicht der Verdrängung. Dass man sich hierzulande über Habecks saloppe Duschtipps weit mehr echauffiert, als etwa über die 42-Stunden-Woche, die zur gleichen Zeit schon mal vorsichtig aus der Ferne winkt, zeigt eindrücklich, dass das Dauerfeuer wirkt. Keine Debatte um ein erhöhtes Renteneintrittsalter, keine Studie über Altersarmut könnte die Gemüter so erhitzen wie eine Aktivistin in einer Talkshow, die daran erinnert, dass das Verheizen fossiler Brennstoffe seine Folgen hat. Alles, was darauf hinweist, dass nicht alles so bleiben kann wie es ist, muss Ideologie sein. Ideologien, das ist ja das Praktische an ihnen, bewegen sich im Bereich des Ausgedachten. Man kann sie ganz einfach zurückweisen, stellvertretend für all den unschönen Mist, auf den man gerade wirklich überhaupt keine Lust hat. Kein Wunder also, dass es gerade nur so von ihnen wimmelt.

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Agitprop Kassel  

Schon die Documenta 2017 stand ganz im Zeichen der politischen Botschaften, die ganz ohne lästige Subtilität oder künstlerischen Tand in Auge und Hirn des Betrachters springen sollten; unter antikolonialistischer Flagge ist 2022 dann auch machbar, das dachte man zumindest, was sonst zurecht als verkitsch, schmerzhaft verkürzt oder eben antisemitisch zurückgewiesen werden würde. Von Agitprop ist längst die Rede, wenn es um die Documenta 2022 geht, und dass hier Inhalt vor Form kommt, das zeigen die inzwischen schon ikonographischen Bilder der einschlägigen Exponate in aller Deutlichkeit. Politik geht vor Ästhetik. Wo aber Politik schon auf der Verpackung steht, das ist kein Geheimnis, ist in der Regel mit der Kunst nicht allzu viel los. Vom politischen Gehalt ganz zu schweigen. Allein das Schlagwort Globaler Süden: "Wenige Begriffe haben gerade derart Konjunktur, überall taucht er auf, eine Konstruktion, die so vieles zusammenbindet, dass sie eigentlich gar nichts beschreibt", weiß auch der Spiegel. "Wer diesen Begriff ins Zentrum einer Ausstellung wie der Documenta stellt, behauptet, eine Verständigung herstellen zu wollen – und schafft in Wirklichkeit erst die Distanz, die dann überbrückt werden soll." Der Rückzug ins Identitäre, das zeigt die Documenta immerhin, ist für die Kunst ganz offensichtlich eine Sackgasse. Nicht zufällig erinnert alles fatal an den Kitsch alter antiimperialistischer Bewegungen. "Wir haben aus unserem Fehler gelernt und erkennen jetzt, dass unsere Bildsprache im historischen Kontext Deutschlands eine spezifische Bedeutung bekommen hat", heißt es in einer Entschuldigung der Gruppe Taring Padi auf der offiziellen Seite der Documenta. Sie hatten auf ihrem inzwischen entfernten Bild People’s Justice u.a. eine raffzähnige Figur mit Schläfenlocken und SS-Emblem auf der Mütze präsentiert. Dank der Documenta kann man jetzt also über Lesarten und Perspektiven diskutieren.

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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Unangenehm, »Spiegel«!

In Deinem Porträt der Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker weißt Du uns das Folgende zu berichten: »Wenn man ein paar Stunden mit Decker verbringt, kann man sich gut vorstellen, warum sie viele Freunde hat. Man kann mit ihr aufs Klo gehen und neben ihr pinkeln, ohne dass es sich komisch anfühlt.«

Damit hast Du, Spiegel, einen neuen Lackmustest für Freundschaften etabliert. Nach vielen Litern Bier haben wir unsere Freund/innen antanzen lassen und müssen nun traurig zugeben, dass es sich jedes Mal komisch angefühlt hat, vor ihnen zu pinkeln.

Leergepisst und schrecklich einsam: Titanic

 Vonovia!

In einem Schreiben an Deine Mieter formulierst Du hilfsbereit: »Uns ist bewusst, dass die Mieterhöhung für einige Mieter finanziell sehr belastend sein kann. Falls dies bei Ihnen der Fall ist, wenden Sie sich bitte an das Vonovia Mietenmanagement. Vielleicht können wir bei der Suche nach einer Lösung behilflich sein, zum Beispiel, indem wir Ihnen eine kostengünstigere Wohnung anbieten.«

Wie gutherzig, Vonovia! Du scheinst in Sorge zu sein, Du könntest zahlende Kundschaft, die sich Deine Miete nicht mehr leisten kann, endgültig verlieren. Aber kostengünstigere Wohnungen? Ernsthaft? Vermietest Du noch keine Parkbänke und Schlafplätze unter Brücken, die von ihres Wohnraums Beraubten bald aufgesucht werden müssen?

Tapeziert bereits die Hundehütte: Titanic

 Winfried Kretschmann!

Winfried Kretschmann!

Bei einer Debatte über Künstliche Intelligenz und Ethik beim Katholikentag in Stuttgart sagten Sie: »Ich schaue mir gern Opern auf Youtube an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt uns ja nach kurzer Zeit, sie weiß, wo mein Geschmack liegt.« Und über den Algorithmus befanden Sie: »Und dann ist er noch so raffiniert, weil er wahrscheinlich rausgefunden hat, dass ich ein Mann bin, denn ab und zu kommt ein Porno dazwischen. Und ich denke, was ist jetzt das?«

Bon, Kretschmann, aber verhält es sich nicht anders herum? Sie sind ein Mann und schauen gern Pornos auf Youporn an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt Sie ja nach kurzer Zeit und weiß, wo Ihr Geschmack liegt. Und dann ist sie noch so raffiniert und hat wahrscheinlich rausgefunden, dass Sie Opernfreund sind, denn ab und zu kommt »Tosca« oder »Fidelio« dazwischen. Und Sie denken, was ist jetzt das?

Da nicht für: Titanic

 Hotel Detva, Detva, Slowakei,

in Deiner Hausordnung schreibst Du: »Das Umssstellen der Mobel ist verboten. Bei Zuwiderhandlung Berechnen wir EUR 3,32.« Und, Hotel Detva, für EUR 6,64 darf man auch das Nachbarzimmer umräumen?

Frage für die Urlaubsplanung von Titanic

 Computercracks der ersten Stunde!

Als wir neulich die Oma ins Sanitätshaus begleiteten, vertrieben wir uns die Wartezeit mit dem Lesen der Namen von Rollatoren und staunten nicht schlecht: Es gab ein Modell »Pixel«, eins hieß »Server«, ein drittes war nach dem Prozessor »Athlon« benannt.

Da die Benennung von Gehhilfen vermutlich wie bei allen anderen Waren auch auf der Basis von Zielgruppenanalysen entsteht, fragen wir uns nun und hier auch Euch: Ist es schon so weit mit Euch? Gerade noch die Wochenenden im WDR Computerclub durchgemacht und anschließend gleich weiter zu den Kumpels, um bei den Summer Games den Joystick im Staffellauf zum Glühen zu bringen, und nun schiebt Ihr Euch nur mühsam vorwärts? Bei »Civilisation« einen Kontinent nach dem anderen erobert, jetzt inkontinent? Den ehemaligen Königen im Assembler-Programmieren musste ein Chirurg den gesplitterten Oberschenkelhals wieder zusammensetzen? Statt »Resident Evil« zocken in der Seniorenresidenz hocken?

Und kommt es Euch eigentlich auch so vor, als sei die Lebenszeituhr ziemlich übertaktet? Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Der Fehler im Rogen

Ich kann mir nicht helfen: Jedes Mal, wenn ich Kaviar esse, habe ich ein Störgefühl.

Lukas Haberland

 Selbsterkenntnis

Dass ich dann doch ein ziemlich verwöhntes Arschloch bin, habe ich gemerkt, als ich neben einem schlafenden Obdachlosen eine geschenkte Tüte Nachos sah und ganz kurz dachte »Was soll er damit? Er hat doch gar keinen Dip.«

Karl Franz

 Fragment

Kafka war schon deshalb ein größerer Autor als Proust, weil dieser zu Lebzeiten nur einen einzigen Meisterroman nicht vollenden konnte, Kafka hingegen gleich drei unabgeschlossen ließ? Äußerst reizvolle These! Aber irgendwie unfertig …

Andreas Maier

 Kein Mitgefühl

In Leute, die keine Empathie empfinden, kann ich mich einfach nicht hineinversetzen.

Laura Brinkmann

 Frühwarnsystem

Aufgrund meines spärlichen Haupthaars merke ich stets als Erster, dass es zu regnen beginnt.

Fabio Kühnemuth

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
19.08.2022 Zeven, Volksbank Gerhard Henschel
24.08.2022 Chemnitz, Villa Esche Tim Wolff
25.08.2022 Erlangen, Poetenfest Thomas Gsella
26.08.2022 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Festival der Komik X«