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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 39

Liebe Freund:innen,

wenn ich dieser Tage mit meinen Freunden im politischen Berlin spreche, höre ich einen Satz sehr oft: Schade, dass der Wahlkampf schon vorbei ist. Für viele kommt jetzt die große Leere, das Loch danach: Wie verdient ein Triell-Moderator wie Oliver Köhr beispielsweise in den 4 Jahren zwischen einer Bundestagswahl sein Geld? Was macht das mit einem, wenn die Lichter ausgehen und du erst einmal nicht mehr gebraucht wirst? Auch ich hätte gefühlt noch ein paar Schlussrunden im ZDF vertragen können, bevor meine beiden Kreuze vergangene Woche bei "Team Todenhöfer - Die Gerechtigkeitspartei" gelandet sind, aber Demokratie ist am Ende vor allem eines: Eine Kompromissmaschine, ein gesamtgesellschaftliches Debattencamp, das ständig unbefriedigende Ergebnisse produziert, mit denen wirklich niemand gut und gerne leben kann.

Einer, der auf den ersten Blick auch nicht gut mit Ergebnissen leben kann, ist mein Ministerpräsident Armin Laschet. Und geht deswegen den aus meiner Sicht einzig richtigen Weg: Daran arbeiten, es besser zu machen. Was ist denn, wenn die Ampel plötzlich doch nicht mehr leuchtet? Für uns im ländlichen NRW nach 22 Uhr ohnehin schon lange brutale Realität. Niemand möchte Ja-Sager und Unterordner, die sich nur das zu sagen trauen, was ohnehin alle schon immer denken. Letztes trauriges Beispiel: Der Noch-Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, erregte die konservativen Gemüter, als er den Ostdeutschen vorwarf, diktatursozialisiert und demokratieunfähig zu sein.

"Würdelos" sei Laschets Performance am Wahlabend gewesen, ein "unwürdiges Schauspiel", so ließen sich diese Woche einige Kommentator*innen hinreißen, ins Internet zu schreiben. Wird nicht genau andersherum eine Aachener Printe daraus? Nämlich dann, wenn man den Unionskandidaten zu lesen lernt als einen Mann, der ähnlich wie Frank Thelen oder Elon Musk in schwindelerregenden Möglichkeitsräumen, weit weg von uns Normalsterblichen, denkt? So wird auch noch einmal zu reden sein über das denkwürdige Aufeinandertreffen von Laschet und Musk im Herbst des Wahlkampfes. Während in einer ersten Welle mal wieder kräftig über Laschets scheinbare Unkenntnis in Sachen Mobilität der Zukunft abgeLOLt wurde, haben die beiden am Ende doch mehr gemeinsam als man denkt: So kommen beide im Prinzip vom Bergbau (Laschets Vater Heinrich war Steiger auf der der Grube Anna des Eschweiler Bergwerks-Vereins in Alsdorf, Errol Musk soll Gerüchten zufolge die Hälfte einer Smaragdmine in Sambia gehört haben), haben Spaß an ausgefallenen Namen für den Nachwuchs (Joe Laschet, X AE A-XII Musk), doch vor allem eint sie, dass sie als Visionäre gegen jeden Widerstand für ihren jeweiligen Traum kämpfen: Musk für die Besiedlung des Weltalls, Laschet von der Jamaika-Koalition unter Laschet.

Jeder sucht sich seinen ganz eigenen Kampf im Leben.

Einen affenstarken Sonntag euch noch: Euer Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 38 – Bundestagswahl Edition

Liebe Freund_innen,

nach fest kommt locker: Wo ich letzte Woche noch auf der letzten Wahlkampfrille röchelte, fühle ich mich heute wieder spritzig und motiviert wie der junge Christian Lindner nach der letzten Haartransplantation. Vielleicht handelt es sich jedoch auch um genau jenes Phänomen, das wir aus den Erzählungen derer kennen, mit denen es wenig später zu Ende ging: Kurz vor Schluss tut's nicht mehr weh.


 

In der ansonsten unaufgeregten ARD-Quizstrecke am Vorabend gab es am Freitag plötzlich richtig Stress: Für wenige Sekunden war ein Laufband mit nach ARD-Angaben "fiktiven Hochrechnungszahlen" für Sonntag zu sehen. Wirklich nur eine "technische Panne", wie der Sender eilig verlautbarte? Oder ein geschickter Promo-Move für die Quizsendung "Gefragt – Gejagt", die sich in den vergangenen Monaten immer mehr von ihrer Zuschauerbasis zu entfremden scheint. Die letzte Google-Bewertung von Katrin Mause spricht dahingehend Bände: "Früher gut, heute Schrott. Fremdschämen bei Moderation und der Auswahl der Kandidaten. Die werden alle vorgeführt... peinlich. Wirkt jetzt alles altbacken, unmodern, düster, nebst der Fragen, die unspannend sind […] Geht mal zu Kai Pflaume, da könnt ihr was lernen. 1/5 Sterne." Mic drop.


 

Als letztes Bundesland steigt nun auch Rheinland-Pfalz so richtig in den Bundestagswahlkampf ein. Der Instagram-Kanal von Julia Klöckner verzeichnet allein in den letzten 24 Stunden fast 30 neue Posts, darunter einen – die Älteren erinnern sich vielleicht – sogenannten "Boomerang". Da fällt mir ein alter Spruch aus meiner Agentur-Zeit ein: "Boomerang heißt Boomerang, weil das auch der Boomer kann!" Eine schreckliche Zeit, wenn ich so darüber nachdenke. Ein anderer Kanal-Post vom selben Tag lässt mich etwas ratlos zurück: Markus Lüttger aus Bad Kreuznach wirbt unter dem Hashtag "#HeimatHerz” für Julia Klöckner: "Ich unterstütze Julia Klöckner, weil sie bodenständig, bürgernah und ‘geländegängig’ geblieben ist.” Warum spricht Lüttger von Klöckner wie von einem SUV? Und wo gibt es diese Brillenfassung zu kaufen? Feel free to mail me, Markus Lüttger!


 

Als Kolumnist für eines der reichweitenstärksten Wochenmagazine auf dem Markt bin ich natürlich auch mit der linksliberalen Politprominenz bestens vernetzt. Nur einer blockt hartnäckig jeden noch so locker-flockigen Kontaktversuch ab. You may not like this, aber das ist eben echte Polit-Professionalität aus, so geht Kanzlerkandidat 2025.


 

Und auch im nächsten Ticker geht es um Robert Habeck. Warum auch nicht? Eine Frage, die wohl nicht nur ich mir in den letzten Wochen oft gestellt habe, ist nun endlich beantwortet: Welche Musik pumpt Nordlicht Habeck eigentlich im E-Tourbus? "Sexual Healing" von Marvin Gaye? "Liebficken" von Sofaplanet? Weder noch: Habeck himself hat nämlich gestern seine Top-3-Tracks durchgefunkt: "What a Life" (Scarlet Pleasure), "For Evigt" (Volbeat) und "Every Breaking Way" (U2). Den U2-Songtitel hat er zwar falsch geschrieben (gemeint war wohl "Every Breaking Wave"), aber von meiner Seite gilt auch hier: Schwamm drüber! Die Kult-Brausebacke mit dem Verführer-Blick hat gerade Wichtigeres zu tun, zum Beispiel mal eben die Welt retten. Für alle Normalsterblichen, die den sinnlichen Habeck-Soundtrack heute auf dem Weg zum Wahllokal nachfühlen wollen, haben wir eine Spotify-Playlist mit allen drei Songs erstellt. Einschalten, Kreuzchen machen und genießen <3


 

In den letzten Tagen erreichen mich viele E-Mails und Direktnachrichten auf TikTok, alle mit dem mehr oder weniger gleichen Wortlaut: Dax, du als Polit-Maniac, wie sieht deine Prognose für Sonntag aus? Aus meiner Sicht ist vollkommen klar, was heute passieren wird: Um 18 Uhr werden wir Armin Laschet und die CDU mit 0,2 Prozent vor der SPD sehen, beide Parteien roundabout der magischen 23-Prozent-Marke. Um 18:03 schaltet die ARD dann ins KAH (Konrad-Adenauer-Haus), dort spielen "Die Atzen" live das "Wir holen die Kanzlerschaft"-Lied, während Tilman Kuban bereits oben ohne auf die Gesangsanlage klettert. Weiter geht's ins Willy-Brandt-Haus: Mixed feelings in der mixed zone, Scholz ist laut SPD-Kreisen "noch auf dem Weg", fürs Erste stellen sich Saskia Esken, Malu Dreyer und – Überraschung! – Andrea Nahles auf die Bühne und bedanken sich für den starken Wahlkampf. Und noch während der schüttere Applaus im WBH verhallt, sehen wir schon Christian Lindner, der laut erster Hochrechnung mit 15 Prozent einfährt. Seine Message ist klar: Neben dem Finanzministerium will er jetzt auch das Außen- und Innenministerium. Volker Bouffier spricht dann bei Anne Will angesichts des 0,2-Prozent-Vorsprungs von einem klaren "Regierungsauftrag der Wählerinnen und Wähler", aus dem Hintergrund setzt ihm Armin Laschet feixend einen Bierhelm auf, bevor er den berühmten Bergmannstaler aus seiner Hosentasche nestelt und ihn zärtlich zu liebkosen beginnt.

So in etwa wird es laufen.

Gut Kreuz! Euer Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 37 – Bundestagswahl Edition

Liebe Leser_innen,

Jesus, Maria und Josef, hochgelobt und gebenedeit sei der 26. September, ein Sonntag, so wollten es die Mütter und Väter des Grundgesetzes: Nur noch eine Woche. Dieser erste Post-Merkel-Wahlkampf zieht sich wie ein völlig unvorbereiteter 5-Kilometer-Volkslauf, der als harmloser Quatsch ("Die paar Meter krieg' ich doch wohl noch hin!") beim small talk at the water cooler begann, dann, hard cut, schon 5 Minuten nach dem Start besorgniserregend nach Luft geschnappt wird und die folgende Dreiviertelstunde zu solch einer existenziellen, alles in Frage stellenden Tortur für Leib und Leben werden, dass man, während das Licht am Ende des immer deutlicher Kontur annehmenden Tunnels heller und heller wird, sich stumm von seinen Liebsten zu verabschieden beginnt: Sagt ihr, dass ich sie immer geliebt habe.


 

Auch wenn noch 7 Tage respektive 168 Stunden "zu gehen" sind, ist hier vielleicht Raum für ein kleines Zwischenfazit. Meine Analyse lautet, dass bedingungslos alles in diesem Bundestagswahl-Jahr nicht mehr nur gehäuft, sondern recht eigentlich potenziert auftaucht: Plagiatsdebatten, Naturkatastrophen, Laschet-Auftritte mit Luft nach oben, Comebacks der großen Stars der Babyboomer-Generation (Friedrich Merz, ABBA, Jürgen Todenhöfer), Wahlarenas und last but not least: Trielle. Die Moderation des letzten Dreikampfs mit Maybrit Illner und Oliver Köhr, ausgerichtet von ARD und ZDF, war im Nachgang Gegenstand einiger Diskussionen. Grund dafür ist, wie vieles andere in diesem Land auch, ein kurioses Gesetz, das der gute Bismarck noch 1883 eingeführt hatte: Demzufolge entsendet jedes öffentlich-rechtliche Landesstudio sogenannte "Wahlmänner", die dann im Anschluss auf dem Lerchenberg feierlich die Triell-Moderation ausfechten. Ein kompliziertes Verfahren, für dessen genaue Erklärung an dieser Stelle weder Platz noch Lust vorhanden sind. Und damit zurück nach Mainz!


 

Parallel hat Rezo sein bereits dritte großes Video in diesem Wahlkampf im Youtube Studio hochgeladen. Sorry lieber Rezo, nichts Persönliches, aber ich habe – Stand jetzt – keine Kraft mehr für noch ein Video.


 

"Den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen": Armin Laschet und Markus Söder suchen gemeinsam den Dialog mit dem Unternehmer-Flügel der CDU und kehrten unter der Woche in Tommy Frencks "Gasthaus Goldener Löwe" im thüringischen Kloster Veßra ein. Demokratie kann so einfach sein.

 


 

Ein anderer Unternehmer, Frank Thelen, hat seine Auswanderung angekündigt, sollte es zu Rot-Rot-Grün im Bund kommen. Man soll vorsichtig sein mit DDR-Vergleichen, hier jedoch scheint er mir gerechtfertigt: Der durch den linksradikalen SPD-Kanzler Scholz befürchtete brain drain hat bereits begonnen. Es geht los.


 

Apropos DDR. Am Freitagabend tauchte ein Clip auf, in dem der CDU-Kanzlerkandidat noch einmal die Bedeutung des vereinten Deutschlands herausstellt: "1990, als die Mauer bröckelte und fiel, hat Helmut Kohl direkt erkannt, dass wir das Ziel der deutschen Einheit haben. Das hatten andere aufgegeben." Und, wie meine historisch versierten Leser_innen sicher wissen, war diese spezielle historische Konstellation ja letztendlich der Auftakt für die Wiedervereinigung im Jahr 1995. Manchmal verheddert man sich eben auch im Mantel der Geschichte.

 


 

Der oft unterschätzte Laschet spielte dieses Sujet am Vorabend des letzten Triells nicht ohne Grund an, erinnert seine Partei doch im Augenblick stark an die DDR im Endstadium: Nachrichten erreichen ihr Ziel nicht mehr, Akten werden geschreddert und auf den Straßen verkaufen Soldaten Waffen und Munition zu Spottpreisen. Ein Weckruf durch die Blume? Oder ein ziemlich waghalsiger Take meinerseits? Darüber möchte ich mit euch diskutieren, heute Nachmittag ab 16 Uhr in meinem Twitter Space (Ticket: 19,90 €).



Immer wieder Widmann-Mauz. Ihr Instagram-Account lässt mich in den letzten Wochen nicht los. Doch trotz des digitalen Wahlkampfeuerwerks inmitten von Lebensmittelversorgern in Burladingen-Killer, Vor-Ort-Terminen im Medical Valley Hechingen und einem Haustürwahlkampf, in dessen klaren Zentrum eine mysteriöse Papiertüte mit dem Konterfei der Integrationsbeauftragten steht, wird es eng mit dem Direkteinzug in den nächsten Bundestag. Nicht nur für sie, sondern auch für eine ganze Reihe anderer CDU-Abgeordneter, wie zum Beispiel Peter Altmeier. Überlegung: Wenn wir die vielen engagierten Demokraten in der CDU mit unserem Wahlverhalten solchen Zukunftsängsten aussetzen, wundert es mich nicht, dass wir manche von ihnen geradewegs in dubiose Maskendeals oder in die Arme osteuropäischer Autokraten treiben. Ein merkwürdiger Gedanke, ich weiß.

Wie seht ihr das? Und wo schaut ihr heute Abend das dritte Triell? Bitte schreibt es mir auf gar keinen Fall in die Kommentare.

Herzliche Grüße: Euer Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 36 – Bundestagswahl Edition

Liebe Leser_innen,

aktuell mehren sich die Stimmen, die da sagen: Freund_innen, der Drops namens Bundestagswahl ist gelutscht, die Messe ist gelesen, der Kuchen gegessen, die Würfel jeworfen. Besonderes Geschmäckle: Nicht selten gehören diejenigen, die das sagen, über Umwege zum SPD-Wahlkampfteam. Ich für meinen Teil bin mir da noch nicht so sicher: Erleben wir noch den "september surprise"? Drehen Laschet oder Baerbock das Ding nochmal auf den letzten Metern mit einem Überraschungsangriff im zweiten Triell heute Abend? Wer patzt bei Illner und Köhr? Oder siegt am Ende doch die Olafliebe? Der Debattenrückspiegel in der BTW-Edition.

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Das Timing der Jungs und Mädels von der Ericusspitze wirft in den letzten Wochen Fragen auf, denn auch wenn die SPD gerade einmal 5 Prozentpunkte vor der Union liegt, macht das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL diese Woche bereits mit einem Nachruf auf Armin Laschet auf. Angeblich komme Laschet regelmäßig zu spät zu seinen Wahlkampf-Terminen, weil er unterwegs immer anhalten lässt, um zu rauchen. Quelle: "Manche erzählen". Peinlich! Vorbei die Zeiten, in denen ein Markus Feldenkirchen mit Martin Schulz auf dem Schoß noch quer durch die Republik düste, ihn in meiner Vorstellung hier und da auch inhaltlich beraten, Interviews freigegeben und zum Ende hin auch in seinem Namen Termine zu- und abgesagt hat. Goodbye embedded journalism, welcome Hörensagen-Berichterstattung!

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Aufstand im CDU-Ortsverband Limbach-Altstadt im Saarland: Nein, so das Verdikt, hier werden dieses Jahr keine Armin-Laschet-Poster plakatiert, der Vorsitzende Carsten Baus schließt im Interview sogar nicht aus, den gesamten Parteivorstand nach der Wahl "zum Teufel zu schicken". Egal, wie das Ding am 26. ausgeht: Ich rate der Union zu einer anschließenden angeleiteten Mediation mit ihren saarländischen Verbänden, bevor das Schreckgespenst deutscher Trump aus Limbach-Altstadt Realität wird.

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On a personal note: Ich habe in diesem Wahlkampf Auftritte von Olaf Scholz, Annalena Baerbock (Support: Eckart von Hirschhausen) und nun gestern Jürgen Todenhöfer verpasst. Immer war ich eigentlich ganz in der Nähe des "gigs", immer habe ich genau einen Tag später erst erfahren, dass der "gig" überhaupt stattfand. Auch wenn ich erkennbar Schwierigkeiten habe, diese Anekdote irgendwie auszudeuten, sicher ist: Auch sie gehört zur Geschichte dieser Bundestagswahl dazu

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Auch in Zollernalb-Sigmaringen überschlagen sich einmal mehr die Ereignisse: CDU-Kandidat Thomas "Baku" Bareiß hat hier gestern sein Wahlkampfvideo aus dem heimischen Computer-Keller ins Internet hochgeladen (248 Aufrufe). Main talking point: In den vergangen Jahren konnte er 300 Mio. Euro Fördermittel in die "#Heimat" bewegen. Klasse! Auch der gelungene Einsatz gemafreier Motivations-Musik aus der Youtube-Musikdatenbank ringt mir ein gerüttelt Maß Respekt ab, dennoch hätte ich mir deutsche Untertitel sowie eine Aufschlüsselung, wie viel Fördermittel aus Brüssel und wie viel aus Baku geflossen ist, gewünscht. Urteil: Schon viel Schönes dabei, aber immer noch Luft nach oben.

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Remember Norbert Röttgen? Der schöne Rechtsanwalt aus Meckenheim hat sich aus der aktiven Politik zurückgezogen und verdingt sich nun im Multi-Level Marketing. Beweisfoto vom Wochenende:

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Nach der Razzia im Finanzministerium Ende der Woche wollen es die Gesetze des Wahlkampfs, dass nun auch SPD-Kandidat Olaf Scholz "unter Druck" gerät. Die Schlagzeilen vom Wochenende wirken trotzdem bestenfalls bemüht, den insgeheim wissen wir’s doch alle: Der Kult-Hamburger hat schon ganz andere Dinger ausgesessen und mit strategischen Erinnerungslücken pariert. Und die alte Regel gilt noch immer: Mit einem Skandal, der sich nicht seniorengerecht in einem Satz durch den Hausflur pitchen lässt, ist kein Wahlkampf zu machen.

In diesem Sinne: Keep fighting Armin!

Euer: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 35 – Bundestagswahl Edition

Liebe Leser_innen,

eines gehört sicher auch zur Wahrheit dieses Wahlkampfes dazu: Er wird gewiss nicht nur vor den 500 Zuschauer_innen bei Bild TV geführt. Sondern eben auch in der Provinz, also der eigentlichen, inzwischen in unzähligen Juli-Zeh-Romanen besungenen Arena der Zukunftsideen.

Und so führt uns der erste Ticker auch direkt nach Mecklenburg-Vorpommern, genauer: Nach Rostock. Das Wahlplakat des FDP-Kandidaten René Domke weicht erkennbar von der CI der Bundes-FDP ab: Ein dreifarbiges Ausrufezeichen direkt aus der Data Becker-Clipart-Sammlung beansprucht fast ein Drittel der gesamten Fläche. Meine Presseanfrage zur Geschichte hinter dieser Design-Entscheidung blieb leider unbeantwortet, doch auch keine Antwort ist eine Antwort: Reicht Christian Linders parteiinterne Macht noch in den Nordosten der Republik?




Wir bleiben in Mecklenburg-Vorpommern, denn auch Manuela Schwesigs Plakatierung wirft Fragen auf. Mit "Die Frau für MV" ist ihrem Team zwar ein catchy Slogan gelungen, einen Hinweis auf die zugehörige Partei sucht man jedoch vergebens. Die Linke? Team Todenhöfer? Die Basis? An einer Google-Recherche führt kein Weg mehr vorbei. Siehe da, offenbar gehört Schwesig zur SPD! Sie hat sich also für das Merkel-Prinzip entschieden und präsentiert sich im Landtagswahlkampf MV nun weitestgehend parteilos. Ein Weg, den nicht alle Sozialdemokraten "hier oben" mitgehen wollen: Ralf Mucha, SPD-Kandidat in Rostock, bietet auf der Heckscheibe seines SPD-Mobils kurzerhand zwei Versionen (mit und ohne SPD-Logo) an. Ein schönes Beispiel für Hands-on-Mentalität, von der sich so manch andere in der Landespolitik etwas abschneiden können, und dazu ein klasse Icebreaker auf dem Wochenmarkt in Warnemünde!

 



Das Nachrichtenmagazin Spiegel setzt diese Woche einmal aus und veröffentlicht stattdessen ein 140-seitiges "Geo Epoche: Angela Merkel". Meine Klartextmeinung dazu: Unter der Erde ist sie ja nun noch nicht.



Er ist wieder da! Martin Schulz (rechts im Bild), seit seinem Roadtrip mit Markus Feldenkirchen Zwosiebzehn in der Partei weitestgehend isoliert, ist sich für nichts zu schade und macht im Wahlkreis Wuppertal I Stimmung für Parteibuddy Helge Lindh: Grimmig, entschlossen, ein echter Teamplayer. Statt Rasenheizung und Flutlicht jetzt also wieder Ascheplatz. Im Amateurfußball sagen wir dazu: Der hat mal höher gespielt.

 


 

Mittwoch: Obwohl ich die Fragen beim Wahl-O-Maten pupileicht finde, errechnet mir dieses Teufelsding 56,8 Prozent Übereinstimmung mit "Team Todenhöfer". Ich verbringe den Rest des Tages damit, mein gesamtes Leben zu hinterfragen.


 

Für Armin Laschet geht eine weitestgehend unfallfreie Woche mit stabilen 20 Prozent für die CDU in der "Wahlkampfarena" der Jungen Union in Hannover zu Ende. Technisch wurde aufgefahren, was das Parteikonto hergibt: Krankamera, Outdoor-Bühne, Youtube-Livestream (46 Zuschauer_innen). Ein gut gelaunter Laschet versucht sich in Box-Metaphern und probiert neue Bits aus seinem Standup aus: "Ich war gestern in Ostdeutschland: Eisenach, Erfurt, Apolder." Dann, das kennt man nicht von ihm, richtet er den Zeigefinger auf jemanden in der ersten Reihe: "Erfurt, Eisenach oder Apolder? Erfurt. Gut." Es liegt ein bisschen Fernsehgarten in der Luft, fast wirkt es, als kämen gleich Armin Roßmeier und Peter R. Neumann auf die Bühne, um gemeinsam mit Laschet ein Rindsfilet an Rotweinjus zu zaubern, bevor Friedrich Merz als Falkner verkleidet ein bisschen etwas über Riesenseeadler erzählt. Sonnenuntergang, Andreas Gabalier entlässt die Partymeute mit "Hulapalu" in die After Show, wo sich Laschet, Neumann und Tilman Kuban den Klaren (was trinkt man in "Hannover"?) reinfahren: Saufen, um zu vergessen. Wahlkampf könnte so schön sein, wenn man ihn mal lässt.



Paukenschlag am Samstagabend: Rezo veröffentlicht ein neues Youtube-Video, diesmal zum Thema Klimawandel. Ohne mir die 32 Minuten angeguckt zu haben: Das war’s dann wohl endgültig für Laschet.

Euch eine erfolgreiche KW 36,

euer: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 34 – Bundestagswahl Edition

Liebe Leser_innen,

es sind nur noch rund 700 Stunden bis zur Bundestagswahl. Deswegen erscheint der Debattenrückspiegel ab heute in leicht verändertem Gewand: als Ticker, der die sich überschlagenden Ereignisse aus Berlin und der Welt in mundgerechte Häppchen (sogenannte "Snacks") übersetzt, gleichsam chronologisiert und einordnet. Ab heute wird hier der einfache Pass gespielt. Let’s get it!


Während die Sozialdemokraten eigenen Angaben nach schon an über einer Million Haustüren geklingelt haben und zum ersten Mal seit 600 Jahren in einer Sonntagsfrage vor der Union liegen, lädt CDU-Mann Thomas Bareiß – vielen besser bekannt als Baku-Thommy – via Instagram zur dritten politischen Sommerwanderung. In Zollernalb-Sigmaringen ticken die Uhren eben noch anders, hier geht es um Kennernlernen auf Augenhöhe, hier gilt ein Handschlag noch was. Muss natürlich am Ende jede Partei individuell für sich entscheiden.


Habe einen Vertipper in Thomas Bareiß' Insta-Bio entdeckt: "Staatssekretär beim @bmwi_bund - Energie, Tourismus, Mittlestand!" Überlege kurz, ihn per DM darauf hinzuweisen. Lasse es dann bleiben.


Im SPD-Spot beschwört Olaf Scholz kraft seiner hanseatischen Langeweile den Geist von Helmut Schmidt. Ein starkes Motiv, welches mich an diverse Szenen aus der bekannten Filmreihe "Der Herr der Ringe" erinnert. Dynastisches Denken at work: Im Kampf und die Kanzlerkrone positioniert sich Scholz als Quasi-Erbe des Über-Hanseaten Schmidt, zieht eine Linie vom Held der Sturmflut ‘62 bis zu sich: Olaf Scholz. Sauber gearbeitetes Ding, da bleibt was hängen.


Etwas stört mich doch am Kanzlerspot der SPD: Das "Wir" bei "Wir haben manches erreicht" (0:49) wird von der darunter ausklingenden Motivationsmusik nahezu "verschluckt". Oder sagt Scholz etwas anderes, nämlich: "Haben manches erreicht"? Wäre vom Wording her gleichermaßen "nah dran" an den "Menschen da draußen". Ich fertige eine Spektrumanalyse an, doch auch diese liefert keine klare Antwort, so dass ich dem Willy-Brandt-Haus eine gepfefferte Presseanfrage reinfaxe, mit Bitte "um eine kurzfristige Stellungnahme bis morgen um 12 Uhr."


Annette Widmann-Mauz postet auf Instagram eine Veranstaltungsankündigung (38 Likes) für nächste Woche: Unter dem Motto "Vom Hof auf den Teller – Regional ist erste Wahl!" lädt die CDU Ammerbuch auf den Bauernhof der Familie Eißler. Mit dabei: Julia Klöckner. Schade, aber da kann ich leider nicht.


Auch Hans-Georg Maaßen teilt Fotos einer Wahlkampf-Wanderung mit Christiane Lieberknecht auf Twitter. Mit Maaßen ist ganz offenbar etwas passiert, eine Art Makeover, aus Hans-Georg ist nun "Schorch" geworden, der Schorch von nebenan. Schöne Arbeit an der brand: Der signature Dreiteiler wurde gegen Karohemd und Weste getauscht. Maaßen erinnert jetzt eher an den Typ Landwirt, der seinen Landkreis-Abgeordneten seit 10 Jahren mit kompromittierenden Fotos erpresst.


E-Mail aus dem Willy-Brandt-Haus. Man bedankt sich für die Anfrage, Scholz sage "Wir haben manches erreicht", so ein SPD-Sprecher. Dann aber der Hammer. Auf meine Frage, warum sich Scholz in dem Video gerade für das Indefinitpronomen "manches" entscheide (und nicht etwa für die attraktiven Synonyme "Verschiedenes" oder "Dies und das"), sagt man mir: "Nachdem wir bei der Bundestagswahl 2017 bekanntermaßen Probleme mit dem Wort 'manche' hatten (Vgl. 'Schulz-Story'), wollten wir dieses Mal unter Beweis stellen, dass wir in der Lage sind, ein solches Wort fehlerfrei auf Hochdeutsch auszusprechen." Was für ein übles Nachtreten gegen Martin Schulz. Eine boden- und stillose Frechheit. Einem Mann, der in einer mehr als schwierigen Situation für die SPD den Kopf hingehalten hat und gegen massive innerparteiliche Widerstände zu kämpfen hatte, einem so großen Aachener und Europäer so noch einen mitzugeben, das lässt mich dann doch wieder an der Regierungstauglichkeit der SPD zweifeln. Für diese Woche bin ich draußen.


Bestürzte, fast wütende Grüße: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW33

Liebe Leser_innen,

Michael Sack, CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, nestelt im delfingrauen Sommersakko unentschieden an einer Wahlkampfbroschüre herum, sein Kompagnon Georg Günther wartet noch zwei Sekunden, bis die Leitung ins Berliner Tempodrom steht. Dann wirft er wahllos Kugelschreiber und Luftballons in ein christdemokratisches Goodiebag. Er ist Direktkandidat in Wahlkreis 15, jawohl, im Merkel-Wahlkreis, den sie seit 1990 ununterbrochen gewonnen hat. Günther und Sack erinnern in dieser Sekunde eher an zwei Typen, die in hektische Geschäftigkeit verfallen, wenn der Chef ins Büro lugt, ansonsten aber den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Von Beginn an sendet der Wahlkampfauftakt der Union mixed signals: Mal erinnert das Tempodrom mit Moderatorin Rebecca Mir an das GNTM-Finale, dann wieder an das fünfundzwanzigjährige Dienstjubiläum eines Maschinenbauers aus dem Hochsauerlandkreis. Manchmal sind die Grenzen fließend ...

Plötzlich sieht man Doro Bär auf der Leinwand: rosa T-Shirt, Beach-Club-Atmo, hinter ihr Menschen, die die junge Union aus Überzeugung leben. Warum wackelt die Kamera so und warum sehen wir Doro Bär lediglich in 640 x 480-Auflösung? Ist das diese Internet-Ironie, Kennzeichen der inhalts- und politikmüde gewordenen globalen Klasse mit 3 Netflix-Accounts? Auch diese Frage wird nie geklärt, stattdessen wird‘s blitzschnell wieder ernst: "Trotzdem ist das Umarmen, der Mensch als soziales Wesen, etwas das uns wichtig ist." Moment mal, war dieses ganze Körperlichkeitsding nicht das Steckenpferd des neuen politischen Endgegners der Union – Robert Habeck?

Nachdem Olaf Scholz mit seiner SPD in den Umfragen zuletzt gleichauf lag, war schon spekuliert worden, ob sich Markus Söder in puncto Kanzlerkandidatur möglicherweise doch noch selbst einwechselt wie weiland Günther Netzer im Pokalfinale 1973. Nichts da, auch der Bajuvare bläst plötzlich ins selbe versexte Horn, will die Union "sexy und solide" aufstellen. Auch der CSU-Wahlwerbespot, im Prinzip ein 30-sekündiger Closeup auf Söder, trieft vor erotischer Energie und feiert in Berlin Weltpremiere. Pro-Tipp: Den Ton ausmachen, dann könnte es sich auch um eine Parship-Werbung handeln. Als Söder doch noch die Kurve bekommt und in seiner Rede inhaltlich wird, klingt er plötzlich fast so linksradikal wie Olaf Scholz: "Diese Welt zu erhalten, sie ein Stück weit auch zu retten." Verkehrte Welt im Tempodrom.

Dann betritt er die Bühne. Armin Laschet, dead man walking, so meinen ja einige. Er wirkt entschlossen, vorbereitet, hochmotiviert, wissend, dass das hier eine All-or-Nothing-Rede werden muss. Er muss liefern. Wird er wieder den Bergmannstaler aus der Hosentasche grabbeln? Nein, der neue Armin Laschet klingt anders: "Ich war mit Elon Musk in Brandenburg." Was für ein Satz. Hier hätte ich an seiner Stelle ein paar Sekunden innegehalten und die Reaktionen abgewartet. Laschet stürmt jedoch durch, nichts kann ihn halten: "Ich hab’ ihn gefragt ‘Warum denn hier?’, da hat er gesacht: ‘Weil hier so gut ausgebildete Leute sind!'" Rumms! Das sitzt. Kann ja nicht alles scheiße gewesen in den letzten 16 Jahren, wenn Elon Musk in Brandenburg baut, oder? Laschet hat jetzt die richtige Temperatur, auf seiner Stirn bilden sich winzige Schweißtropfen, so viel Energie habe ich das letzte Mal bei den Jürgen-Höller-Power-Days 2017 gespürt. Der Mann hat noch was vor. "Armin, Armin!"-Rufe in der Halle, standing ovations, und während ich mich frage, wo eigentlich sein Teamkollege Jens Spahn steckt, meldet sich schon Sophia Thomalla mit einer Videobotschaft für die Partei. So viel Energie, so ein Aufbäumen kenne ich eigentlich nur von Fußballclubs, wenn der Klassenerhalt 5 Spieltage vor Schluss nur noch theoretisch möglich ist.

Ich glaube, der Wahlkampf hat gerade erst begonnen.

Euer: Dax Werner

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Was ist da los, deutsche Medien?

»Die radikalen Impfgegner vom Alpthal« besuchte der Spiegel und fragte dazu mit brennendem Reporterehrgeiz bereits im Teaser: »Nun verweigerte ein Dorf gar dem Impfbus die Einfahrt. Was ist da los?« Gute Frage. Der auch die Taz nachgeht: »Im Schwarzwaldkreis Rottweil sorgen Impfgegner für gereizte Stimmung. Was ist da los?« Womöglich Ähnliches wie im Nordosten. Die B.Z.: »Was ist da los? Corona-Lage in Brandenburg doppelt so schlimm wie in Berlin«. Aber nicht nur im Zuge der Pandemie verlangt überraschender Tumult nach unverzüglicher Aufklärung: »Was ist da los? Bei Bella Hadid fließen Tränen« (N-TV); »Was ist da los? Anouar wurde bei The Voice disqualifiziert« (Berliner Kurier); »Was ist da los? NFL-Superstar schon wieder verletzt«. Gut, dass Bild sich der Sache annimmt, denn die FAZ ist gerade mit Wichtigerem beschäftigt: »Die neue Apple Watch 7 ist angekündigt, aber Garmin hält sich bei seinem Top-Produkt zurück. Was ist da los?«

Der, die, das, / wer, wie, was / wieso, weshalb warum? / Wer nicht fragt, bleibt dumm – sicherlich. Wer allerdings immer dasselbe fragt, auch.

Überfragt: Titanic

 Sänger Max Mutzke!

Sänger Max Mutzke!

Zum Thema Klimawandel und Verkehr klagten Sie im Interview: »Es gibt bei uns eine Verbindung, da fahr ich 10-12 Minuten mit dem Auto hin. Weil der Ort aber auf dem Berg liegt, fährt der Bus mehrere Stationen an und es dauert fast zwei Stunden. Aber da arbeiten Leute.«

Wir wissen nicht, wie der Berg, auf dem Sie wohnen, beschaffen ist und wer dort die Busrouten plant. Aber mal angenommen, Sie würden wegen der langen Busfahrt den einen oder anderen Auftritt verpassen, wäre das nicht ein weiterer Grund für die »Öffis«?

In diesem Sinne: Go green!

Titanic

 Liebe Alte,

»Drogenhandel und Abzocke von Senioren« titelte kürzlich die Braunschweiger Zeitung. Also, dass Ihr abgezockt werdet, finden wir natürlich echt doof, aber: Wie läuft es denn so mit der Rentenaufbesserung durch den Drogenhandel?

Fragt schon mal prophylaktisch: Titanic

 Sylt Marketing Gesellschaft!

Du machst auf dem Festland mit dem Slogan »Sylt macht sychtig« auf die umrissbekannte Nordseeinsel aufmerksam. Und ja, sie hat noch mehr negative Eigenschaften! Sylt ist syndhaft teuer, das Publikum dort verhält sich dynkelhaft. Ja, die ganze Ynsel ist bei genauerer Betrachtung das reinste Shythole, ein Besuch dort kompletter Unsynn!

Steht fürs nächste Brainstorming gerne bereit: Titanic

 Wie viele Achtundsechziger, Udo Knapp,

bist auch Du, je älter Du wurdest, politisch immer weiter von links nach rechts marschiert: Du warst der letzte Vorsitzende des SDS, anschließend in einem Verein namens »Proletarische Linke«, um dann in den Achtzigern auf dem rechten Flügel der Grünen zu landen und schließlich bei der SPD, und zwar eigentlich nur, damit Du was in den Kolonien werden konntest, am Ende stellvertretender Landrat. Heute kritisierst Du die Gewerkschaften dafür, dass sie nur immer wieder Lohn fordern, wie man das als einer, der nichts gelernt hat bis aufs Lamentieren, halt so macht.

Dieser Weg verbindet Dich mit dem wohl dümmsten deutschen Sänger, Wolf Biermann, weshalb Du dem »alten weisen Mann« (Dein O-Ton) auch neulich so kenntnisfrei wie pathetisch zum Geburtstag gratuliertest: »Biermann hat den größten Teil seines Lebens in zwei furchtbaren deutschen Diktaturen verbracht. In beiden hat er gelitten, aber beide hat er mutig streitend und widerstehend überlebt.«

Wie man nun aber jeder Biermann-Bio entnehmen kann, hat der walrossbärtige Dödelbarde nur acht Jahre unter den Nazis und 23 Jahre in der DDR gelebt; die restlichen 53 jedoch im goldenen Westen (britische Besatzungszone, BRD und Gesamtdeutschland). Daher nun unsere Frage: Bist Du Dir, Udo Knapp, sicher, dass Du auf Deine alten Tage die Bundesrepublik Deutschland, in der Du so schöne Posten innehattest, wirklich als furchtbare Diktatur bezeichnen willst?

Wie meinen? Es stand doch bloß in der Taz, und in keiner richtigen Zeitung? Und rechnen konntest Du noch nie? Na dann, weitermachen, Udo, aber vielleicht demnächst doch ein bisschen, he, he, knapper.

Kurz angebunden: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Fünfzehn Zeichen Ruhm

Es hat wohl niemand je den Wunsch, um jeden Preis berühmt zu werden, heftiger kritisiert als meine Urgroßmutter. Ich kann mich gut erinnern, dass mein Vater einmal beim Lesen der Zeitung aufschreckte und Uroma ihn fragte: »Was ist denn?« – »Der Franz ist gestorben. Ich habe gerade seine Todesanzeige gelesen.« Sie schüttelte bloß genervt den Kopf und sagte: »Die Leute machen heutzutage wirklich schon alles, um in die Zeitung zu kommen.«

Jürgen Miedl

 Schicksalhafte Wendung

Brüche im Leben gibt es bei allen Menschen. Öfter ist es so, dass jemand nach überstandener schwerer Krankheit das bisherige Streben nach Geld und Ruhm infrage stellt und beschließt, den sinnentleerten Job im Reisebüro, in der PR-Agentur (sehr viel seltener vielleicht auch im Schlachthof) hinzuschmeißen, um nur noch zu malen, zu töpfern, zu fotografieren, einen Gemüsegarten anzulegen oder zu schreiben. Es erfolgt allerdings nicht zwangsläufig eine Neuausrichtung zum Kontemplativen, Musischen. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Fall, in dem der genesene junge Künstler seine Erfüllung als skrupelloser Miethai fand.

Miriam Wurster

 Notgedrungen einfallsreich

Mein Nachbar vergisst seit einigen Jahren regelmäßig seine Bank-Pin. Auf die Karte kann er die Pin natürlich nicht schreiben. Wie er mir vor Kurzem berichtete, hat er eine clevere Lösung für sein Problem gefunden: Um sich die Pin nicht mehr merken zu müssen, aber trotzdem nicht sein Geld zu riskieren, hat er seine Pin einfach auf den einzigen von ihm genutzten Bankautomaten geschrieben.

Karl Franz

 Trost vom Statistiker

Wenn du wieder einmal frustriert bist und denkst, du bist nur durchschnittlich begabt und mittelmäßig erfolgreich, dann wechsele doch einfach in eine andere Stichprobe!

Theobald Fuchs

 Alles richtich

Jüngst wurde ich darauf angesprochen, dass das Wort »richtig« aus logopädischer Sicht korrekterweise »richtich« ausgesprochen werden muss. Um mir meine Verwunderung darüber gar nicht erst anmerken zu lassen, entgegnete ich nur ein lässiges »selbstverständlig«.

Fabian Lichter

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo:&nbsp;117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80&nbsp;EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 02.11.:

    "Keinmal um die ganze Welt - Ein Pauschalreiseabend für Zurückgebliebene" - so heißt das WDR-5-Spezial mit Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert.

  • 29.10.:

    Das Bornheimer Wochenblatt berichtet vom TITANIC-Normalitätswettbewerb.

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

Titanic unterwegs
17.01.2022 Mannheim, Alte Feuerwache Max Goldt
21.01.2022 Braunschweig, Staatstheater Max Goldt
26.01.2022 Dresden, Staatsschauspiel Max Goldt
26.01.2022 Hamburg, Polittbüro Thomas Gsella