Newsticker

Nur diese Kategorie anzeigen:Aus Eugen Egners Püppchenstudio Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Aus Eugen Egners Püppchenstudio

Eine sehr schöne Detektivgeschichte (Schulbuchlektüre)

Detektiv Brimlock war blind, gelähmt und komplett blödsinnig, deshalb konnte er auch keinen einzigen Fall lösen. Seine Detektei ging, wie sich denken lässt, nicht besonders gut. Seit Jahren war die Miete für das Büro überfällig, Strom, Gas und Telefon waren längst abgestellt worden. Hätte Lelia Rifkin, die Sekretärin, nicht alle Tage Strom, Gas und Telefon von zu Hause mitgebracht, wäre der Betrieb gänzlich zusammengebrochen. Ein Gehalt konnte der Detektiv seiner Sekretärin natürlich nicht zahlen, und sie musste sich ihren Unterhalt verdienen, indem sie nach Feierabend teure Knochen ausgrub. Brimlock interessierte sich ausschließlich für seine Bassetthörner, die er sich jedoch genauso einbildete wie die Misslichkeit, dauernd ums Leben zu kommen. Ungezählte Male spielte sich tagtäglich folgende Szene ab:
»Rifkin! Rifkin! Kaufen Sie mir schnell ein Ersatzleben! Mein Gott, dauernd komm ich ums Leben! Gehen Sie, Rifkin, gehen Sie! Mein Gott, wenn ich in dieser bösen Zeit meine Bassetthörner nicht hätte! Und sehen Sie, Rifkin!« Die Sekretärin machte pflichtschuldigst kehrt, um sich anzusehen, was der Chef ihr zeigen wollte.

»Hier, Rifkin: meine Bassetthörner. Die sind nicht aus Hartgummi. Meine Bassetthörner sind nicht, wie heute üblich, aus Hartgummi, sondern aus hochdruckgepressten Fischresten. Und, Rifkin, sie haben umstrittene Siemens-Mund­stücke mit Ziegenmelkermehl-Intarsien, wenn ich das einmal in der Maske einer halb liegenden Kommissarin hinzufügen darf.« Er kam schon wieder ums Leben, Lelia Rifkin mußte sich mit der Beschaf­fung eines Ersatzlebens ganz schön beeilen.
»Besser wird es sein«, rief der blinde, gelähmte und komplett blödsinnige Detektiv ihr nach, »wenn Sie gleich einen ganzen Arm voll Ersatzleben auf Vor­rat kaufen, Rifkin. Kaufen Sie einen ganzen Arm voll Ersatzleben auf Vor­rat. Aber machen Sie schnell!« Rifkin hatte kaum den Raum verlassen, als Brimlock kreischte:

»Halt! Halt! Rifkin! Warten Sie! Mich befallen kuhgroße Zweifel. Was, wenn bei dem Ersatzleben-Vorrat, wie's der Zufall will, das Verfallsdatum zu knapp sitzt? Ausgerechnet dann komm ich garantiert wochenlang nicht ums Leben. Nein, kaufen Sie nur ein Ersatzleben, Rifkin, nur eins. So, wie ich's ursprünglich bestellt habe. Aber machen Sie schnell!« Lelia Rifkin pflegte sich sodann in die kleine Teeküche zurückzuziehen, um ihrem Chef einen Tee mit Sauerbraten-Aroma zu kochen. Den gab sie ihm gegenüber als Ersatzleben aus.
Nach dem Einschlürfen des Ersatzlebens lag Brimlock völlig mente captus da und träumte, Rifkin habe ein musikalisches Collegium ausfindig gemacht, bei dem er als Bassetthornist mitwirken konnte. Natürlich dachte er gar nicht da­ran, vorher zu üben. Ihn hatte von jeher die ideelle Seite des Musizierens mehr interessiert denn die praktische. Handwerk war ihm zuwider. Zum Vorspiel­ter­min fuhr Brimlock mit einer auf Kufen montierten hochbeinigen Holzkiste, hinter der er auf einer Bank saß. Mittels zweier vor ihm aus der pultartigen Kistenoberseite ragender Steuerknüppel manövrierte er das Vehikel. In der Kiste lagen seine Bassetthörner. 

Das Collegium traf sich freitagabends im Jagdschloss des Oberförsters. Von zwei Dienern in den Musiksalon geleitet, gewahrte Brimlock im Schein der Tranlampe eine Gesellschaft von haarigen Berserkern. Sie keuchten und schno­ben wildbewegt. Zuerst war es dem Neuankömmling nicht möglich, sie zahlenmäßig zu erfassen bzw. auseinanderzuhalten. Wo hörte das Tranlicht auf, wo begannen die Physiognomien der Versammelten? Brimlock begriff nur, wie unterentwickelt seine Frisur war (vom langen Liegen). Er fasste sich ein Herz und klappte die Holzkiste auf. Mit fester Stimme sprach er:
»Hier, Herrschaften: meine Bassetthörner. Die sind nicht aus Hartgummi, wie heute leider üblich. Nein, meine Bassetthörner sind aus hochdruckge­preß­ten Fischresten. Und, geschätzte Anwesende, sie haben umstrittene Siemens-Mundstücke mit Ziegenmelkermehl-Intarsien.«

Letzteres hatte er, wie gewohnt, in der Maske einer halb liegenden Kommis­sarin gesagt. Dann sei es ja gut, wurde einstimmig geantwortet. Es schlossen sich ausführliche Erörterungen an, ob Musik sechseckig oder würfelförmig sei. Darüber verging die Zeit, vorzuspielen brauchte der Detektiv nicht. Die übrigen Mitglieder des Collegiums schätzten die praktische Musikausübung ebenso wenig wie er. In langen, mit Begeisterung geführten Gesprächen entwickelten sie unerhörte Theorien und gerieten außer sich. Brimlocks Frisur durchlief paradoxe Stadien einer konvulsivischen Metamorphose. Er erwachte mit dem Gefühl, schon wieder ums Leben zu kommen.

Nur diese Kategorie anzeigen:Aus Eugen Egners Püppchenstudio Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Aus Eugen Egners Püppchenstudio

Klumpiges aus vielen Ländern

 

 


 

 

Weltpremiere:

Not und Rat in dunkler Zeit  (2. Teil)

Zum ersten Mal in seinem Leben mußte er die Hilfe eines professionellen Ratgebers in Anspruch nehmen. Der einzige Ratgeber auf dem ganzen verdammten abscheulichen Mond war aber ein zierliches blondes Mädchen, von dem man ohne Brille nichts Genaueres erkennen konnte. Auf für den Ratgeberberuf typisch geheimnisvolle Weise empfing das blonde Mädchen den Anwalt unter der Radarstation, wo es sehr staubig und, ehrlich gesagt, etwas unaufgeräumt war. Klumpiges aus vielen Ländern lag herum. Interessant war die Sprachregelung, der das Ratgeber-Mädchen folgte. Es sagte nämlich nicht "Klumpiges aus vielen Ländern", sondern (nach der jüngeren Übersetzung) "Stück von viel des Landes". Als Älterer konnte der Anwalt darüber nur den Kopf schütteln.

"Schildern Sie mir Ihre Not", sprach das Mädchen dann aber gut verständlich. Dadurch etwas entspannter, begann der Anwalt: "Entgleiste jugendliche Güterballons tauchten im Scheinwerferlicht auf." Schon unterbrach ihn das Mädchen und verbesserte: "So drückt man sich nicht mehr aus. Heute sagt man: 'Fehlgeleitet der Ballone von Waren der Jugend entstand im Bündel des Projektors.' Aber ich verstehe, was Sie meinen. Fahren Sie fort." Auf der Grundlage ihres bilingualen Verständnisses erteilte sie dem Anwalt dann den Rat: "Lassen Sie weg die Linie der Ballone der Waren von Jugend im Strahl des Lichtes des Projektors, wenn die Notwendigkeit ist."

Die Not des Anwalts wurde dadurch indessen nicht gelindert, sondern griff sogar aufs Vorhemd über. Und zur vorbestehenden Not kam dann zu allem Überfluß noch der pausenlose Schneefall auf dem abscheulichen Mond hinzu. Oder, wie das Ratgeber-Mädchen gesagt hätte: "Der Rechtsanwalt fügte noch ununterbrochenen Schnee im schrecklichen Mond hinzu."

"Der Schnee bestand aus Fleisch", berichtete der Anwalt später, "aus klumpigem Fleisch." Dann zog er sich in sein enges Badezimmer zurück, um auf einem kleinen Schwarzweiß-Monitor die Nachfahren der entgleisten jugendlichen Güterballons zu überwachen. Denn das war inzwischen seine Profession. So jedenfalls sprachen die Glühbirnen zu einander, als es dunkel war.

Nur diese Kategorie anzeigen:Aus Eugen Egners Püppchenstudio Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Aus Eugen Egners Püppchenstudio



Es geht immer besser


 

Auf vielfachen Wunsch zum neunten Mal:

Not und Rat in dunkler Zeit (1. Teil)

Es fing an an zur Zeit der Mondprojektionen. Für diejenigen, die zu jung sind, um sich daran erinnern zu können, möchte ich dankenswerterweise hinzufügen, daß die Zeit der Mondprojektionen auch die Zeit der Diskussionen über Glühbirnen war. Oder der Diskussionen unter Glühbirnen, denn nicht wenige Menschen gebrauchten damals, dem neuen Sprachgebrauch entsprechend, die uns heute unsachlich anmutende Formulierung "das Gespräch der Glühbirnen, als es dunkel war". Schon damals konnte sich niemand etwas darunter vorstellen, deshalb wurde zur endgültigen Klärung des Begriffs sowie der Folgen ein Rechtsanwalt hinzugezogen. Am Rande sei noch angemerkt, daß die Zeit, um die es hier geht, auch die Zeit der ungezügelten Rechtsanwaltsvermehrung war. Nun ist hiermit also erschöpfend dargelegt worden, wann es anfing. "Und dann?" werden diejenigen fragen, die zu jung sind, um sich daran erinnern zu können. Dann ging es weiter, antworte ich. Entgleiste jugendliche Güterballons tauchten im Scheinwerferlicht auf. Ihr Anführer trat vor und verlangte mit dampfendem Atem, einen Anwalt zu sprechen. In einer Zeit der ungezügelten Rechtsanwaltsvermehrung schien es ganz selbst verständlich, daß es auch einen für die Belange entgleister jugendlicher Güterballons geben mußte. Der einzige Anwalt auf dem ganzen verdammten Projektionsmond war aber der, den man zur weiter oben erwähnten Begriffsklärung hinzugezogen hatte. Und der war deshalb nichts weniger als entzückt, sondern nichts mehr als entsetzt. Nun auch noch entgleiste jugendliche Güterballons vertreten zu müssen, war einfach zu viel für ihn. Nachts lief er in seinem engen Badezimmer auf und ab, immer wieder denselben Satz wiederholend: "Ich wiederhole: Es ist alles viel zu viel!" Daran werden sich einige der jüngeren Leute gewiß noch erinnern (Es gibt aus jüngerer Zeit auch ein Bild mit dem Titel: "Jüngere Leute tauchen im Scheinwerferlicht auf und erinnern sich", Maler unbekannt). An diesem Punkt wußte sich der Anwalt nicht mehr allein zu helfen.

Fortsetzung folgt

Grundlage der ungezügelten Rechtsanwaltsvermehrung

Nur diese Kategorie anzeigen:Aus Eugen Egners Püppchenstudio Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Aus Eugen Egners Püppchenstudio

Verhalten bei Gesang


 


Die Fabrik stand in einem ganz abgelegenen Landstrich, am Rand einer kleinen Stadt. Schon aus der Ferne machte das Gebäude einen maroden Eindruck, offenbar wurde seit langem nichts mehr darin produziert. Durch eine defekte Tür gelangte ich ins Innere, wo ich mit total verwüsteten Räumlichkeiten konfrontiert wurde. Alles war verschimmelt, der Boden übersät mit Glassplittern und Schrott, mitten in der Halle, zwischen eingestürzten Mauern, breitete sich ein See aus. Es stank nach Moder und Verwesung.
Ich war froh, wieder ins Sonnenlicht hinauszutreten. Da sprach mich jemand an, ein Mann in Zivilkleidung, der sich als Kriminalkommissar auswies. Er wußte erstaunlicherweise nicht nur meinen Namen und daß ich jetzt hier anzutreffen war, sondern auch, daß ein Freund von mir vor seinem Tod irgendwo im Ort eine Wohnung angemietet, dieselbe jedoch nicht bewohnt hatte. Gleichwohl war er in eben dieser Wohnung tot aufgefunden worden. Bevor ich mich erkundigen konnte, woher ihm all das bekannt war, teilte der Kriminalkommissar mir mit: „Ich muß Ihnen etwas zeigen, das in direktem Zusammenhang mit dem Tod Ihres Freundes steht.“ Damit machte er mich ausgesprochen neugierig. Also willigte ich ein, ohne Fragen zu stellen. Vor einem langweilig aussehenden Haus in der kleinen Stadt hielten wir und stiegen aus. Ein alter Mann, der anscheinend zufällig vorbeikam, blieb stehen und sagte zu uns: „Entschuldigung, ich habe früher einmal in diesem Haus gewohnt. Jetzt sehe ich, daß da eine Wohnung leersteht. Wird das Haus abgerissen?“ Der Kriminalkommissar antwortete nur ganz kühl, davon sei ihm nichts bekannt. Ich entsinne mich, daß er dann die Haustür aufschloß, und daß wir beide ein paar Treppen hinaufstiegen. Im zweiten oder dritten Stockwerk öffnete der Kommissar die Etagentür, dann betraten wir die Wohnung, diese ungeheuerliche, völlig abwegige Wohnung. Mir stand der Mund offen. Mein Begleiter sah auf seine Uhr. „Wir dürfen nicht zu lange bleiben“, erklärte er mir, „es ist noch immer wirksam.“ Er führte mich in das Zimmer, wo die Leiche in einem allen Naturgesetzen spottenden Zustand gefunden worden war.
Nachdem wir die Wohnung wieder verlassen hatten, gestand ich, absolut nichts begriffen zu haben. „Kein Mensch begreift hier etwas“, erwiderte der Kommissar kopfschüttelnd, „aber ich dachte, ich zeige es Ihnen einmal.“

Nur diese Kategorie anzeigen:Aus Eugen Egners Püppchenstudio Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Aus Eugen Egners Püppchenstudio

Pfingsten mit Gummihandschuhen

 


 

Die Antarktis-Gegner („Die Antarktis muss weg!“) verbünden sich, alles Trennende überwindend, mit den Feinden der Arktis. Gemeinsam schaffen sie Nord- und Südpol ab.


 

Das Allernötige (Gedicht aus von DLF und WDR 3 gesendeten Originalblüten)

Werfen wir einen Fokus auf die Sorge vor dem Allernötigen.
Sie ist hoch.
Hoch wie die Faszination am Sozusagenen.
Sie steckt allen noch in den Kleidern.
Zum Archiv über das Leben haben wir keine Übersicht,
Doch die Gefangenen sind auf freien Füßen,
Und es fallen Schauer und Gewitter.


 

Himmlische Macht des Plattenspielens

Nur diese Kategorie anzeigen:Aus Eugen Egners Püppchenstudio Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Aus Eugen Egners Püppchenstudio

 


 

Eine, wie sagt man, Verkehrskontrolle (2. Folge und Beschluß)

Widerwillig sich in sein Schicksal ergebend, ließ Zimmerwald die Scheibe der Fahrertür hinunter. Die beiden Spielverderber in Verkehrspolizistengestalt steckten die Köpfe ins Wageninnere. Der erste sagte: "Guten Morgen, wir sind die, na, wie heißt das noch gleich?"
"Polizei?" schlug Zimmerwald, trotz allem hilfsbereit, vor. Erfreut rief der seines Berufs nicht ganz Sichere: "Genau! Woher wissen Sie das?" Aufs bewundernswerteste antwortete der von mir bereits seit Jahrzehnten bewunderte Zimmerwald ohne zu zögern: "Wir sind selbst Polizisten." "Echt?" riefen die beiden simultan. "Nein", gab Zimmerwald bescheiden zu, "ich hab nur Spaß gemacht."
Jetzt waren sie allerdings wachsam geworden. Man merkte es an der sogleich folgenden spitzfindigen Frage des Beamten: "Haben Sie was getrunken?"
"Nur ein Vorsorgeschnäpschen", erwiderte Zimmerwald. 

Der andere Polizist, der bisher noch nicht viel geäußert hatte, erkundigte sich unvermittelt ausgerechnet bei mir: "Dann sind Sie wohl der … na, der Dings … der Beifahrer?"
"Ich lenke", sagte ich, vielleicht gab ich aber auch an, Gas, Kupplung und Bremse zu bedienen. In der nächsten Sekunde dämmerte mir, wie problematisch eine derartige Auskunft aus dem Mund eines möglicherweise auf der Rückbank Sitzenden war, doch schien das gar nicht aufzufallen. Vielmehr fragte der Polizist, der die Unterhaltung eröffnet hatte, nun ganz unverblümt: "Können Sie uns fünftausend Euro geben?" Mir stockte der Atem, indessen Zimmerwald vergnügt konterte: "Nehmen Sie auch zehntausend?" Wie aus einem Munde riefen da die beiden: "Diese Antwort ist richtig!"

Unsere angedeutete Zahlungsbereitschaft schien ihnen auszureichen, ans Eintreiben des Geldbetrags dachten sie nicht. Im Gegenteil, sie wiesen uns mit vornehmen Gebärden an, unsere Reise fortzusetzen. Der erste Polizist rief uns geradezu liebevoll nach: "Gute … na, wie heißt das gleich wieder?"
"Fahrt!" ergänzte der zweite.

Nur diese Kategorie anzeigen:Aus Eugen Egners Püppchenstudio Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Aus Eugen Egners Püppchenstudio

 


Eine, wie sagt man, Verkehrskontrolle (1. Folge)

Nachdem wir bei der blöden Party Wurstscheiben in die Bücher des Gastgebers gesteckt und allen Alkohol ausgetrunken hatten, fuhren Zimmerwald und ich, wie wir das bei solchen Gelegenheiten immer taten, in Zimmerwalds Kleinwagen heim, das heißt, er übernahm Lenkrad und Gangschaltung, ich vom Rücksitz aus mit einem Stock die Pedale, weil der Fahrer ihnen ihre jeweilige Funktion nicht mehr korrekt zuordnen konnte und überdies seine Unterschenkel kaum noch spürte. Doch will ich mich da im Rückblick nicht einseitig festlegen, es ist nämlich ebenso gut möglich, dass ich es war, der lenkte, weil Zimmerwald nichts mehr sah und lediglich noch auf Zuruf die Pedale zu treten vermochte. Wie es nun tatsächlich gewesen ist, dürfte sich wohl nicht mehr feststellen lassen. Es ist für das hier zu Berichtende auch nicht wichtig, geschweige denn entscheidend. Wir rollten oder fuhren also dahin, gar nicht recht wissend wie. Unsere Stimmung war weit davon entfernt, "gedrückt" oder "niedergeschlagen" genannt werden zu müssen. Zimmerwald für seine Person wirkte beschwingt, er phantasierte kreischend von etwas, das, wenn ich mich zutreffend erinnere, klang wie "Lubrikation nach Gutsherrenart". Ich selbst stellte bei einer spontanen Überprüfung meines Gemütszustands fest, dass ich gar nicht an Suizid dachte, also musste ich erheblich betrunken sein. Darauf hätte ich gern mit Zimmerwald angestoßen, aber leider war nichts Geeignetes zur Hand. In der trostreichen Gewissheit, immerhin schon einiges verzehrt zu haben, reisten wir wohlgemut immer weiter, wenn auch unklar war, wer dabei welche Funktion ausübte (s.o.). Doch mit einemmal wurde unsere so reibungslos funktionierende Fahrverrichtung empfindlich gestört, wenige Augenblicke später kam sie gar völlig zum Erliegen. Wir prallten gewissermaßen gegen den Umstand, jählings mit einer Verkehrskontrolle konfrontiert zu sein! Ich kann mich sogar erinnern, dass einer von uns, vielleicht sogar beide, das Wort aussprachen: Verkehrskontrolle. Zwei uniformierte Polizeibeamte, die bis jetzt gelangweilt neben ihrem Einsatzwagen gestanden hatten, hielten uns an. Sofort wünschte ich wieder, tot zu sein, Zimmerwald knurrte: "Hier irrt Gott!" – kein Zweifel, die Stimmung war dahin. Auf unsere wie auch immer im Detail geartete, jedenfalls aber arbeitsteilige Weise brachten wir den Wagen an der Bordsteinkante zum Stehen.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Philipp Amthor!

Um weiter an Ihrem konservativen Profil zu feilen, machten Sie – wie einfallsreich! – einen Jagdschein und ließen es sich nicht nehmen, sich auf der Jagd vom »Spiegel« begleiten zu lassen: »Wenn Philipp Amthor über die Jagd redet, spricht er gern in Jägerdeutsch.« Was unter anderem so klingt: »Natürlich ist .300 Winchester Magnum jagdlich ein relativ großes Kaliber.« Oder: »Ein Maisfeld, sagt Amthor, sei für einen Jungjäger keine einfache jagdliche Situation.« Einmal klagen Sie über das Fehlen von »jagdbarem Wild« und bezeichnen irgendeinen Stephan als Ihren »jagdlichen Mentor«.

Täuscht das, oder besteht Ihr Jägerdeutsch vor allem im Voranstellen des Wortes »jagdlich«?

Und wie kann es sein, dass ein ach so gewiefter Jägerjunge einen solchen Bock schießt wie Sie mit Ihrer Affäre um Augustus Intelligence? Ach, das Wortspiel machten Sie im Interview selbst? Dann lassen wir Sie dieses Mal noch davonkommen!

Bleibt Ihnen satirlich auf den Hufen: Titanic

 Dass Sie, Frau Dr. med. Irene Jung,

als praktische Ärztin im altehrwürdigen Städtchen Detmold neben »Naturheilverfahren« und »ästhetischer Dermatologie« als »besonderen Schwerpunkt« Ihrer Tätigkeitspalette »Altersprävention« anbieten, ist naheliegend, können Sie doch ganz überzeugend mit sich selbst als Vorbild werben: Sie zumindest bleiben ja forever Jung.

Kalauert heute etwas altbacken: Titanic

 Susanne Viernickel!

Sie sind Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Leipzig. Die jetzt durchgeführte OECD-Befragung von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung enthält zum ersten Mal internationale Vergleichsdaten zu deren Selbstverständnis und Arbeitsbedingungen.

Im Deutschlandfunk benannten Sie als ein wesentliches Ergebnis der Studie den Fachkräftemangel in Deutschland: »Personal, Personal, Personal.« Und: »Auch Leitungskräfte klagen, denn sie können nicht leiten.« Soweit klar; wenn niemand da ist, der sich führen lässt, können Führungskräfte nicht führen. Aber statt darüber zu klagen, könnten diese beispielsweise vorübergehend aufs Leiten und Führen verzichten und direkt in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung tätig werden. Die Kinder tät’s womöglich freuen.

Tipp von Ihrer Titanic

 »Soester Anzeiger«!

Wenn es laut Ausgabe vom 3.7. in Deinem Wirtschafts-Ressort heißt: »Edeka schluckt Netto komplett«, hätte es dann nicht genügt, der Einfachheit halber zu titeln: »Edeka schluckt Brutto«?

Fragen die Betriebswirtschaftsgelehrten von Titanic

 Mary Trump!

Mary Trump!

Sie sind die Nichte des amtierenden US-Präsidenten und haben ein Enthüllungsbuch veröffentlicht, das wir aus Sorge um unser Seelenheil leider nicht lesen können. Trotzdem nett, von Ihrer Existenz erfahren zu haben. Und die nächsten beiden Bücher über Onkel Donald schreiben dann Ihre Schwestern Miry und Mury, ja?

Quak-quak! Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Wo das wahre Outdoor beginnt

Dass du dich in einer echten Wildnis aufhältst, merkst du spätestens dann, wenn du im lichtlosen Gestrüpp stolperst und dir während des Fallens in Sekundenbruchteilen überlegst, ob es sicherer wäre, den Sturz aufzufangen oder die Hände in den Hosentaschen stecken zu lassen. Brennnesseln, Nacktschnecken, Jauchepfützen, das sind alles extrem schwer einzuschätzende Landezonen. Profis fallen übrigens erst gar nicht hin.

Theobald Fuchs

 Beauty-Tipp

Jüngst wollte ich Wimperntusche im Schönheitssalon kaufen. Die Visagistin nahm sich viel Zeit, empfahl ein gutes Produkt, auch noch den passenden Lidschatten dazu und fragte dann: »Kennen Sie weißen Kajal? Nein? Probieren Sie den doch mal am unteren Lidrand.« Ich machte den Versuch, fand das Ergebnis aber irgendwie sonderbar: Der Blick wirkte starr, glubschig-wässrig, die Tränensäcke schwollen an, wurden durch breite Schattenringe untermalt, und als die Kosmetikerin erläuterte: »Horst Tappert, Sie wissen schon, der Derrick, der schwor auf weißen Kajal. Niemals stellte er sich ohne weißen Unterlidstrich vor die Kamera«, entschloss ich mich, fürs erste auf diesen Stift zu verzichten.

Miriam Wurster

 Fahrt in den Urlaub

Wer schon mal auf der Autoroute unterwegs war, dem ist es bestimmt aufgefallen: In Frankreich und nur in Frankreich überholt man alle paar Kilometer ein einsam auf der rechten Spur vor sich hin blinkendes Auto. Wo ist man mit seinen Gedanken, fragen wir Deutschen uns da entzückt, wenn man nach dem Spurwechsel nicht nur vergisst, den Blinker auszuschalten, sondern es sogar schafft, sein enervierendes Klacken dauerhaft aus der Wahrnehmung zu verdrängen? In jedem Fall nicht auf der Straße, das verdient schon mal Bewunderung. Vielleicht sogar überhaupt nicht unterwegs, sondern auf Seite 93 der buchstäblich fesselnden Ménage-à-trois, die zu Hause aufgeschlagen vor dem Kamin liegt und sich bereits darauf freut, am Abend wieder einen Tropfen Chardonnay abzubekommen? Oder bei den zwei kleinen Töchtern und ihrer bezaubernden Mutter, von der man in genau diesem Moment angerufen wird, aber nur, weil sie sich am Piano auf das Telefon gesetzt hat und einem jetzt unbemerkt ein Ständchen spielt? Es wird wohl immer ein süßes Geheimnis bleiben.

Teja Fischer

 Körpereigene Alarmanlage

Mittlerweile gibt es ja allerhand Smartwatches und Apps zur Überwachung und Optimierung des Schlafes auf dem Markt. Dass aber auch die natürliche Schlafregulation ganz gut funktioniert, merkt man, wenn man nach versehentlichem Wegdösen am Nachmittag vom eigenen Schnarchen prompt wieder geweckt wird.

Julia Mateus

 Ethische Frage

Gesetzt den Fall, der Bandwurm wäre vom Aussterben bedroht –, sollte man ihn dann retten? Und wenn ja: Wer meldet sich freiwillig?

Katharina Greve

Vermischtes

Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EUR
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 10.08.:

    Martin Sonneborn gibt der "Berliner Zeitung" ein großes Sommerinterview.

     

Titanic unterwegs
14.08.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Christian Y. Schmidt
20.08.2020 Düsseldorf, Zakk Paula Irmschler
26.08.2020 Berlin, Pfefferberg Theater Max Goldt
26.08.2020 Hamburg, Kampnagel Paula Irmschler mit Linus Volkmann