Inhalt der Printausgabe

Heinz Strunk
Intim­scha­tulle 46

»Er trank Wodka, sie stand so da«

1.12. 8° Celsius, bedeckt. Das milde Wetter soll sich in den nächsten Tagen halten. Statt Weihnachtseinkäufen auf »eine schnelle Wurst« zu »Willis Schwenk Grill«. Willi hatte (wie so oft) einen guten Witz auf Lager: »Was haben eine Handgranate und eine Frau gemeinsam? Machst du den Ring ab, ist das Haus weg.« Ich konnt nicht mehr.

2.12. Nur schwer überzeuge ich mich davon, dass, wenigstens für mich, Müßiggang kein Ausruhen ist. Es genügen manchmal ein paar Augenblicke, einen Tag vor dem Untergang zu retten. Wichtig ist, sich nicht der Verzweiflung zu überlassen.

3.12. Mein neues Programm (Strunk 2019) wird den programmatischen Titel »Bis keiner mehr kommt!« tragen. Über Jahre, sehr viele Jahre, wird es die gleichen formalen Elemente beibehalten, nur die Inhalte werden immer mal wieder (teilweise, in homöopathischen Dosen) ausgetauscht werden. Lediglich Begrüßung und Schluss unterscheiden sich, und dann soll es noch eine Art »Überraschungsmoment« in der Mitte des Sets geben, ansonsten Altbewährtes. Das zieh ich dann so lange durch, bis tatsächlich keiner mehr kommt.

4.12. Karriereschatulle: 1) Lass dir dein Leuchten nicht nehmen, nur weil es andere blendet. 2) Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige. 3) Wenn der Plan nicht funktioniert, dann ändere den Plan. Aber niemals das Ziel.

5.12. Da ich öfter mal gefragt werde, wie ich so »drauf« bin, was für ein Typ ich bin, ein kleiner Steckbrief »für Fans«. HEINZ STRUNK IN ZAHLEN. GRÖSSE: 1,71. HAARFARBE: schlohweiß. Feste Fuß- und Fingernägel, kräftige Fesseln, Leberflecke. Albino und Frührentner (Vorruhestand), Starkesser. Hobbys: TV, Geld zählen, geile SMS, Bundeswehr. Sport: Schwimmen (Rücken). Führerschein: Lkw, Boot/ Binnengewässer. Besondere Kennzeichen: Vierfüßler.

6.12. Ein Diätbuch könnte heißen: »NOCH SIEHT MAN NICHTS«. Der Titel ist sehr gut, allerdings ist das bislang auch schon alles, habe noch kein einziges Wort geschrieben.

7.12. Schnaps.

8.12. Liste der Dinge, über die ich mich zur Zeit freue: 1) Dass ich nun bereits im zweiunddreißigsten Jahr unfallfrei fahre. 2) Dass ich weder an Haarausfall noch an einem Tropfglied oder Zehschnecken leide. Auch das Tragen eines Urindämpfers ist (noch) nicht erforderlich. 3) Gelegentlich reichen auch Alltäglichkeiten wie eine frisch gestrichene Wohnung, eine nette Begegnung oder ein Lotteriekleingewinn.

9.12. Leise, leise, nur ja immer nur leise sein! »Der Strunk, dieser Buchautor, ist der eigentlich ausgezogen? Seit Monaten nichts gesehen, nichts gehört. Oder ist der gestorben?« Nein, der lebt (auf kleiner Flamme) schon noch, verhält sich aber denkbar unauffällig. Wenn überhaupt, verlässt er die Wohnung erst, wenn schon alle weg sind. Ich möchte meinen Mitmenschen nicht zur Last fallen, Kinder sollen sich an meinem Anblick nicht stören, mein Ziel ist es, unsichtbar zu sein, noch zu Lebzeiten zu verschwinden. Eine wirklich quälende Angst, die Nachbarn zu stören, die mit dem Alter größer und fast krankhaft wird. Gedanke: Wie kommt es, dass mir die Tage so tragisch kurz erscheinen und ich doch nicht weiß, wie ich sie füllen soll?

10.12. Google-Suchverlauf der vergangenen Woche: entfernung stuttgart heidelberg – sowas von da Film zuschauerzahl – du bist ein free willy – franklin tv moderator – rapper sänger der wolf – faisal kawusi – das triest umbau – an welchem terminasl fliegt austaian airline in hamnurg – lottozahlen aktuell – apfelpfannkuchen – villa schmidt – werner pinzner – döner – hubert fichte die palette inhaltsangabe – atze schröder fritz wepper – taxi marburg – band camel.

11.12. Wenn Sie zufällig Föhn heißen und einen Kaminofenbau betreiben: KAMINOFENBAU FÖHN – HITZE ANGENEHM WIE FÖHN-LUFT.

12.12. Generationswechsel im Hause HIPP (Babynahrung). Der Lotse (Claus Hipp) ist von Bord gegangen, das Ruder hat Sohn Stefan übernommen. Der Claim ist allerdings (Gott sei Dank) der gleiche geblieben: »Dafür stehe ich mit meinem Namen…«. Das ist an und für sich auch gut und richtig so, ich empfehle jedoch eine kleine, aber feine Ergänzung: »…mit wichtigem Omega 3, das ist wichtig für die Gehirn- und Nervenzellen Ihres Babys. Dafür stehe ich mit meinem Namen. MIT DEUTSCHEM GRUSS, Ihr Stefan Hipp.« Bitte machen! Ich will dafür kein Geld! Fancy slogan for free, for Nottingham! Hallooo?! Noch jemand zu Hause?

13.12. Schlagzeilen, die man nicht so schnell »verdaut«: 1) SCHWIEGERMUTTER GETÖTET, WEIL SIE RÜLPSTE 2) SEXPRIESTER MIT REGENSCHIRM ERSTOCHEN 3) RENTNER NIEST SICH LOCH INS HIRN.

14.12. Gute Frage: Bist du (Sind Sie) ein Apple- oder ein Opel-Typ?

Schwerer Rechtschreibfehler, gesehen in Erfurt, DDR.

15.12. Verkackte Sauschüsseln, aus denen die Ficksahne gleich literweise tropft: Opel Anus, Nissan Cedric, Ford Zwieback.

16.12. Alltagsfrage: Warum lösen eigentlich so viele Menschen ihre Wertmarken oft nicht richtig ein?

17.12. 1) Seit langer Zeit mal wieder mikroskopiert. Hat »Bock« gebracht. 2) Doppelnamen mit »Schmackes«: Laurenz-Joshua, Abigail-Sofie, Bastian-Joel, Jasmin-Aurelie, Jenny-Seline, Juli-Malina, Lara-Marie, Lea-Christine, Leon-Luca.

18.12. B., der zu so vielen Hoffnungen berechtigte und jetzt in einem Büro arbeitet. Tut sonst nichts, kommt nach Hause, legt sich hin und wartet rauchend, bis es Zeit wird fürs Abendessen, legt sich dann wieder hin und schläft bis zum nächsten Morgen. Er wartet auf den Tod wie ein Alter.

19.12. Nach dem gigantischen Erfolg der italienischen, griechischen, asiatischen und russischen Speisekarte nun die österreichische Speisekarte (fantastischer »Weihnachtsschmaus«):

Vorweg eine Suppe mit Schwammerln und Fisolen, schöne leichte Speise, Suppe wunderbar.

Danach einen Eintopf mit Speck und Leberknödeln, ist ein nahrhaft Bissen, Eintopf wunderbar.

Herzhaft-zünftig Vorspeis sind Schlutzkrapfen mit Füllung, Parmesan und Schnittlauch, Krapfen wunderbar.

Gefolgt von Wurstsalata mit Bergkäs und viel Zwiebeln, lecker frisch Salata, Salata wunderbar.

Jetzt ein Wiener Schnitzel mit frische Preiselbeeren, dazu Polentalaiberl, Schnitzel wunderbar.

Der nächste Gang für Kenner, Schweinskarree mit Pilzsoß, schöne, dicke Pilzsoß, Karree wunderbar.

Zwischendurch was Süßes, vielleicht Marillenknödel, oder Kaiserschmarren, Süßspeis wunderbar.

Jetzt trinken wir ein Obstler aus der Vogelbeere, tut gut in de Magen, Obstler wunderbar.

Dann gefüllte Kalbsbrust mit Serviettenknödel, Apfelkren und Spitzkohl, Kalbsbrust wunderbar.

Wer mag, isst noch ein Hendl mit Kässpätzle und Weinkraut, gegrillt oder gebacken, Hendl wunderbar.

Dazu ein Glaserl Zweigelt, schmeckt zu jedem Essen, fruchtig roter Zweigelt, Zweigelt wunderbar.

Jetzt eine Linzertorte mit Himbeerkonfitüre, oder einen Mohnschmarrn, Süßspeis wunderbar.

Zum Schluss ein Steirerkrapfen, dazu ein Seidl Starkbier, lass dir auf Zung zergehen, Krapfen wunderbar.

Refrain: Österreich, o Österreich, ein bergig Land auf meiner Zung.

Österreich, o schönes Österreich, trag’s auf dem Gaumen mit mir rum.

20.12. Arbeit an zwei verschiedenen Konzepten des gleichen Themas: JÜRGEN DOSE. Pitchen der Serie und Treatment, Plot für einen Langfilm, etwa zehn Seiten. Plot, Pitch, abstoßende Begriffe, allein schon die Worte. Da kann ja nichts bei rauskommen, möchte man annehmen.

21.12. Schatulle für Kinder: »Küss mich, ich bin ein Süßkoreaner«.

22.12. Auf einem Grabstein steht: HIER RUHT MEINE LIEBE FRAU. Frage an den trauernden Mann: »War Ihre Frau ihrem Sohn nicht auch eine liebende Mutter?« Antwort: »Er hat zum Kauf des Steins nichts dazugegeben.« Gute Antwort!

23.12. Der Sexus ist eine große und reine Energie, solange wir physisch dazu imstande sind, sonst nur Ferkelei.

24.12. Wie die vergangenen Jahre schon den Heiligen Abend allein verbracht. Gefällt mir ganz gut. Bereits um die Mittagszeit mich mit »Omas Rumtopf« vergnügt. Festmahlnudeln mit Tomatensoße und Scampi, zum Nachtisch das heißgeliebte Snickers-Eis. Dazu Rotwein, Champagner, Ziegler »Himbeere-Exquisit« (40%). Mir alberne Sprüche, Slogans, Titel etc. ausgedacht. Kleine Auswahl: »Bums bums komma Strich, fertig ist die Bumsgeschicht.« – »Rente vergeht, Hektar besteht.« – »Schmuckstück ohne Schnickschnack.« – »Triumph des Todes – Gerippe spielen zum Tanz«. Alles Sätze, die auch noch nüchtern Bestand haben.

25.12. Zwei Frauen mit sehr grellen Schreistimmen, die wohl gerade ihr Jurastudium begonnen hatten, schrien sich ihr Neuwissen gegenseitig ins Gesicht, als müsste der ganzen U-Bahn mitgeteilt werden, dass sie (wie sie glauben) zur künftigen Elite zählen.

26.12. Ich bin nun bereits 56, werde also bald sterben. Denke oft darüber nach, worum es denn überhaupt noch geht. Antwort: Genauigkeit. Wenn ich mir meine früheren Sachen anhöre/durchlese/ansehe: ganz gut, teilweise; aber es wimmelt von Fehlern: Flüchtigkeitsfehlern, handwerklichen Fehlern, Mangel an Disziplin und Selbstzucht, schlampig eben. Bemerke das auch oft bei den heute Jungen: Produzieren Mittelmaß, gebärden sich aber wie Graf Koks. Also, Zusammenfassung: Älter werden heißt (idealerweise, die meisten verkalken ganz normal) genauer werden. Etwas anderer Zusammenhang: Jürgen Bartsch in Selbstbildnis eines Kindermörders (Paul Moor/Rowohlt): »Ich wurde immer ehrlicher, bis ich zum Schluss ganz ehrlich geworden bin.«

27.12. Neues, leider sehr langweiliges Buch von DDR-Buchautor Ingo Schulze: »Zwischen Aschersleben und Quedlinburg – meine Jugend in der DDR«.

28.12. Geil: Er trank Wodka, sie stand so da.

29.12. Verschiedene Romanideen durchdekliniert: Zum Beispiel einer über die Verkehrsmeldungen eines einzigen Tages. Oder: In Windräder kommt eigenes Leben, und sie versklaven die Menschheit. Oder über jemanden, der Körper und Gesicht den Menschen in seiner direkten Umgebung anpassen kann. Mögliche Titel (Auswahl): Millionär im Pyjama. Bits und Brezeln. Frau ohne Ersparnisse.

30.12. Abends auf eine Partie Schach mit Meyer-Schulau. Seine beständige Nervosität ansteckend. Er verfügt über diese vogelartige Ökonomie, die man bei kleinen, behenden Dicken oft vorfindet. Partie endet gegen Mitternacht mit einem erneuten Remis. Dann zieht er wieder über seinen aktuellen Lieblingsfeind Leyendiecker her. Kleinliches, seelenloses Geseiere, klatschspaltenhaft, tonlos wie Wasser ohne Druck.

31.12. Vergessen bedeutet, sich von einer Last zu befreien, und die Erinnerung zieht uns nach hinten, hindert uns am Vorwärtskommen. Feuerwerk von der Dachterrasse aus beobachtet. Fiel heuer besonders schwach aus.

Nach Notat im Bett.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Glückwunsch, Bill Kaulitz,

Glückwunsch, Bill Kaulitz,

zu Ihrer Autobiografie »Career Suicide«! Mit deren Erscheinen haben Sie im Alter von 31 Jahren – ob Sie wollen oder nicht – Ihren Lebensabend eingeläutet. Folgende Tätigkeiten stehen Ihnen somit noch zur Verfügung: Sentimental aus dem Fenster schauen; über die Zeitläufte sinnieren; im Ohrensessel sitzend ein Glas Cognac schwenken; imkern; Leute, die an Ihrem Haus vorbeigehen, böse anstarren; in Talkshows über Social Media und Gendersterchen schimpfen; Pfeife rauchen; im Hunsrück wandern; mit der Armbrust auf leere Erbsendosen schießen.

Jedenfalls nicht: Ihre Karriere als Musiker weiterverfolgen. Und dafür möchten wir uns im Voraus herzlich bedanken.

Ihre Jungspunde von Titanic

 Annalena Baerbock!

»Die CDU hat kein Abo aufs Kanzleramt«, konstatieren Sie im Stern-Interview. Sind Sie sich da auch wirklich sicher? So ein Abo wird, wenn es einmal abgeschlossen wurde, nämlich gerne vergessen und automatisch verlängert. Die letzten Bundestagswahlergebnisse sprechen zumindest dafür. Lassen Sie vorsichtshalber prüfen, ob die Merkel auch fristgerecht gekündigt hat!

Rät Ihr Abo-Service von Titanic

 Nicht die Bohne, Rowohlt-Verlag,

interessieren uns Kalauer, und für Witze mit Namen und für Alliterationen haben wir bekanntlich auch nichts übrig. Deshalb ist es uns auch komplett egal, ja, wir nehmen es nicht mal ansatzweise zur Kenntnis, dass Du Dein für März als »Spitzentitel« angekündigtes Werk »Die Botschaft der Pflanzen. Was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt« unbedingt von einem Autor hast anfertigen lassen müssen, der laut Deinen Angaben »Burkhard Bohne« heißt. Schon klar, Rowohlt, Burkhard Bohne, wie Benjamin Blümchen. Oder Arnfried Astel. Wir haben’s kapiert. Sehr, sehr witzig. Aber uns geht’s zum Glück ja nichts an!

Naturgemäß ohne Botschaft: Titanic

 Als Generalbundesanwalt, Dr. Peter Frank,

sollten Sie sich in Zukunft lieber doch wieder auf Ihre dröge Amtssprache beschränken und bildliche Ausdrücke strikt vermeiden. Denn wenn Sie in einem Interview mit dem SWR behaupten, dass Terroristen nicht vom Himmel fallen, sind Sie ja fast schon selbst ein Fall für den Generalbundesanwalt. Manchmal – Stichwort »11. September« – tun Terroristen nämlich genau dies.

Grüßt ohne Metaphern: Titanic

 Ein paar Gedanken, Ex-Eiskunstläuferin Kati Witt,

mussten wir uns nach einem Ihrer Facebook-Einträge neulich schon über Sie machen. Nicht nur, weil Sie in dem nicht enden wollenden Text extra darauf hinwiesen, keine »Corona-Verleugnerin« oder »Lockdown-Gegnerin« zu sein. Dünnes Eis. Dann schrieben Sie, dass Ihre Trainerin Frau Müller früher aus Solidarität bzw. »Teamwork!« immer mit Ihnen gehungert habe, wenn sie meinte, Sie seien zu dick fürs Eis. Wenn wir es richtig verstanden haben, fordern Sie das jetzt auch von »der Politik«, aber nur im übertragenden Sinne, also zastermäßig.

Mit den Kufen vom Eis haute es uns jedoch bei diesem Satz: »Wenn ich, die wirklich das Glück hat, hier und da einen fröhlichen TV-Auftritt absolvieren zu dürfen, langsam immer mehr den Kopf hängen lasse, mache ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen.« Fernsehauftritte sind für Sie Glück? Quizshows halten Sie für fröhliche Angelegenheiten? Ist Ihre Birne jetzt total vereist?

Vielleicht machen Sie sich doch besser mal Gedanken über einen heißen Grog, empfehlen Ihnen wärmstens Ihre Ernährungsberaterinnen von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Redensarten und woher sie kommen

»Einen Zahn zulegen«: Wenn eine Person »kein D-Zug ist«, obwohl sie »die Düse machen« oder »Rennwasser trinken« soll – dann fragen wir uns auch heute noch ganz unwillkürlich, ob besagte Person nicht »einen Zahn zulegen« könnte. Diese Redensart geht zurück auf die Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg. Kurz nach seiner Erfindung kam Gutenberg mit der Produktion kaum nach; Martin Luther schrieb seine beliebten antisemitischen Pamphlete schneller, als sie gedruckt werden konnten. Gingen den Setzern wichtige Buchstaben aus, wurden sie deshalb oft nicht aufwendig nachgegossen, sondern durch einen der stets reich vorhandenen Lehrlingszähne ausgetauscht (ihnen hatte man zuvor »die Fresse poliert«, wie eine andere Wendung aus jener Zeit lautet). Obwohl das Schriftbild durch den Zahn deutlich litt, beschleunigte der in den Setzkasten »zugelegte« Zahn die Produktion erheblich und half den Setzern bei der Aggressionsabfuhr. Wenn Sie also heute jemandem auf die Sprünge helfen wollen, sollten sie ihm zunächst ordentlich aufs Maul geben – vielleicht legt er ja auf diese Weise selbst einen Zahn zu. Oder mehrere!

Leo Fischer

 Kreativ beleidigen

Neues Schimpfwort für Urdeutsche in Jack-Wolfskin-Jacken: Mandarinenpeller!

Alexander Thiemann

 Zeitumstellung

Jedes Jahr im Frühling, kurz nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen, dringen überall aus der Umgebung vertraute Geräusche und Gerüche in Ohr und Nase. Und man weiß: Es ist wieder angekärchert!

Markus Berger

 Pee-Bottle

Aus Insiderkreisen weiß ich, was für Polizisten auf Demos das Schlimmste ist: stundenlang nicht auf Klo können. Da stehen sie, Reih in Reih, mit ihren Schlagstöcken, Visieren und Wasserwerfern, und gucken gequält. Klar, dass man da mal aggressiv wird. In Polizisten-Foren wird geraten, die Stunden vorher nichts zu trinken, das ist aber schwer: Wie auf den morgendlichen Mutmach-Korn verzichten? Praktikabler: Viele Einsatzkräfte gestehen in Foren, sich eine Urinflasche bzw. Pee-Bottle oder auch »Uriwell, die Notfall-Toilette« unterzuschnallen. Deshalb Tipp für Protestler: einfach die eigenen Demosprüche daran anpassen und Kennerschaft beweisen. »Bullenschweine, lauft jetzt schnell / sonst klau’n wir euer Uriwell!« oder irgendwas mit »Trottel / Pee-Bottle«. Reimtechnisch und metrisch noch nicht perfekt, aber in der Sache clever.

Ella Carina Werner

 Enjoy the screening!

Den Ausfall der Berlinale in diesem Winter habe ich ganz gut verkraftet. Ich habe ja alles hier daheim: viele schlechte und einige wenige gute Filme (Netflix), das überlegene Gefühl, Filme im Originalton und mit Untertitel sehen zu können (dito Netflix), drinnen stickige Luft und wenig Sonnenlicht, draußen Kälte und ungeräumte Gehwege, Besserwissergetue aus der Reihe hinter mir (wegen dünner Wände zum Nachbarn), schlechtes überteuertes Essen aus Einmalverpackungen. Sogar auf den obligatorisch einsetzenden Harndrang zehn Minuten nach Beginn des Films kann ich mich verlassen, und den Weg zum Klo lege ich natürlich im Dunkeln zurück, durch einen mit aufgereihten Amazon-Kartons gelegten Parcours von nachgeahmten Kinohipster-Käsemauken.

Tina Manske

Vermischtes

Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURGerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURThomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Martin Sonneborn & Benjamin Schiffner: "Quatsch und mehr" (signiert)
Das hat der Menschheit noch gefehlt: ein einziges Buch mit sämtlichem Quatsch der Geschichte – oder zumindest aus 15 Jahren "Partner TITANIC", der beliebt-kultigen TITANIC-Nonsensrubrik. Fotorätsel, Pflegehinweise, Antwort ohne Frage, unberühmte letzte Worte, Kochen mit Tieren, Kerzen-Fakten, Ediotiral, Tinas Strumpfband und tausend weitere schöne Rubriken – erstmals versammelt auf nicht weniger als 256 vielfarbigen Seiten.
Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
05.03.2021 Frankfurt, Buchhandlung Schutt Thomas Gsella im Livestream
20.03.2021 Frankfurt, Mousonturm Oliver Maria Schmitt & Jürgen Kuttner (Livestream)
25.03.2021 Kiel, Kulturforum Max Goldt
04.04.2021 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hauck & Bauer: »Cartoons«