Inhalt der Printausgabe

Titanic-Büro, Mittagskonferenz. Wie so oft rätselt die Redaktion über die Bedeutung der Kritzelzeichnungen auf Seite 4 der Süddeutschen Zeitung. Kann denn niemand erklären, was das alles zu bedeuten hat?

Oder wenigstens zum Telefonhörer greifen, sich als harmloser Gymnasiallehrer ausgeben und den Verantwortlichen ein paar Fragen stellen?

TITANIC Schönen guten Tag, Wagner, Siemens-Gymnasium Magdeburg. Ich unterrichte Deutsch und Geschichte, und wir befassen uns im Unterricht mit der Süddeutschen und ihren Karikaturen. Aus der Karikatur vom Montag sind wir aber nicht schlau geworden, das war diese Fußball-Karikatur. Es waren kastenförmige Männchen zu sehen und Frauen, die durchwinken, und ein Fußball, der wohl das Weiblichkeitssymbol darstellen soll…

SZ Mmmh. Also, wenn Sie uns eine Mail schicken, leite ich das weiter…

TITANIC Von Ihnen kann das niemand erklären?

SZ (unsicher) Da müssen Sie sich mit der Chefredaktion in Verbindung setzen. Das wird dort entschieden. Der Diensthabende schaut sich das an und sagt: »Paßt so. Könnte man doch so machen« – oder so.

TITANIC Auch wenn man es nicht versteht?

SZ Ähm, ja. Sehr unterschiedlich. Künstler sind auch sehr empfindlich manchmal. (lacht) Aber da müssen Sie wirklich mit dem Diensthabenden sprechen! Das war diese Woche der Herr Prantl.

Doch Heribert Prantl ist ein vielbeschäftigter Mann; auf Folgeanrufe reagiert er nicht, läßt sich von seiner Sekretärin verleugnen (»Der hat gar keine Zeit heute, und morgen fährt er zwei Wochen in Urlaub!«). Aber kein Problem! Klassenlehrer Wagner wendet sich einfach direkt an den Künstler – Wolfgang Horsch im württembergischen Niedernhall.

Wolfgang Horsch:
»Ich weiß es nicht,
Herr Wagner,
ich weiß es nicht!«

TITANIC …fußballspielende Männer und Frauen, das habe ich aber nicht ganz verstanden…

Horsch Die war nicht von mir.

TITANIC (überrascht) Ah, die war nicht von Ihnen?

Horsch Nee, ich war am Dienstag drin. Das ist der Kollege Oliver Schopf in Wien.

TITANIC Ach, das kann sein! Weil, äh… (ranschmeißerisch) weil Sie mir gegenwärtiger sind als der Kollege – wie heißt er? – Schopf? Aber vielleicht können Sie mir trotzdem helfen, als Mann vom Fach…

Horsch (lacht verlegen) Ähm, ich schau grad mal, ob ich die Zeitung finde. (Rascheln im Hintergrund) So, ich habe es jetzt vor mir. Es geht um Männer- und Frauenfußball, das ist klar.

TITANIC Das ist klar. Aber ist das ein Frauenbein oder ein Männerbein?

Horsch Da fragen Sie mich jetzt auch zuviel. Das ist wahrscheinlich ein Frauenbein, wenn es auch recht kräftig gezeichnet ist…

»Das hat wahr-
scheinlich keinen
tieferen Sinn.«

TITANIC So richtig schlau wird man nicht daraus…

Horsch Nee, nee. Also es sind ja die Männer, der Mann steht im Tor, die Männer machen die Freistoßmauer, die die Frauen durchbrechen. Einen Freistoß schießen durch den Männerfußball.

TITANIC Also, die Frauen spielen gegen die Männer? Dann müßten die aber einander gegenüberstehen!

Horsch (belehrend) Das ist ja die Freistoßmauer! Das ist ja beim Fußball so, daß die sich auch in die Mauer vom Gegner reinstellen und sich dann wegducken, und der Ball geht dann zwischendurch.

TITANIC (versteht) Eine Unisex-WM!

Horsch Genau.

TITANIC Die Frauen schießen mit Männerbeinen und weiblichen Fußbällen auf Männer. (Pause) Was kann man da für einen Gedanken ableiten?

Horsch (lacht) Das hat wahrscheinlich keinen tieferen Sinn, außer daß der Frauenfußball den Männerfußball über-tönt oder im Moment halt überspielt. Schade, ich hätte das anders gezeichnet.

TITANIC (gespannt) Wie denn?

Horsch Ich weiß nicht, aber so nicht. Mir ist das auch nicht eingängig gewesen so kurzfristig.

TITANIC Meine Schüler wußten auch nicht so richtig etwas damit anzufangen. Wir haben noch überlegt, ob der Ball jetzt der Reichsapfel ist…

Horsch (angetan) Aber das ist eine gute Idee!

TITANIC (abwehrend) Ja doch, auch wenn es nirgendwohin führt. Wie hätten Sie es denn gezeichnet?

Horsch (erschöpft) Ich weiß es nicht, Herr Wagner, ich weiß es nicht! Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, das gegeneinander auszuspielen, Männer- und Frauenfußball. Aber er ist ein anderer Mensch als ich, das ist einfach so…

Nicht ganz schlüssige Freistoßmauern ohne tieferen Sinn? Wolfgang Horsch kann uns nicht helfen – aber er ist ja auch ein anderer Mensch als sein Kollege Schopf. Wenigstens dessen Wiener Telefonnummer hat er für uns parat.

Oliver Schopf: »Absolut okay, daß man nachfragt«

TITANIC …»Freistoß« hieß die, und wir sind nicht ganz klargekommen, zu keinen Ergebnissen.

Schopf (schallend) Kommt auch vor!

TITANIC Kommt das vor?

Schopf Naja, klar. Ist ja nicht so… (fokussiert) Sie wollen wissen, was eigentlich die Kernaussage ist. Die Kernaussage ist schlicht und einfach, äh, äh: Es geht praktisch hier um die Gleichberechtigung der Frauen, diesbezüglich auch im Fußball. In dem Fall spielen die Frauen, die in dem grünen Dreß sind sozusagen, gegen die Männer, die praktisch ja die Mauer machen, daher auch das männliche Symbol auf den Trikots drauf… Also, die Männer machen die Mauer und die Frauen mit dem Frauenfußball mit dem Frauenzeichen, die schießen jetzt den Freistoß und versuchen durch diese Männerbastion praktisch durchzukommen und eben ein Tor zu landen. (holt Atem) Das ist die Aussage.

TITANIC (unsicher) Ah so. Und wieso haben die Frauen einen Freistoß bekommen?

Schopf Da kann man natürlich weiter zurückphilosophieren. (weiter zurückphilosophierend) Vielleicht ist einmal eine Frau von einem Mann gefoult worden, und das ergibt jetzt einen Freistoß wegen der Ungleichbehandlung.

TITANIC (genauso wirr) Ist die gerade stattfindende Frauen-WM sozusagen der Freistoß?

Schopf Das war der Anlaß. Mir ging es praktisch um die Auseinandersetzung zwischen den Männern und Frauen natürlich auf allen Berufsgebieten. Sie kennen ja auch die ganze Diskussion, ob man Frauen jetzt in die Chefetagen wählen soll. Jetzt haben wir jüngst wieder eine neue IWF-Chefin bekommen, was ja auch sehr erfreulich ist. Also, es geht im Grunde genommen um dieses Problem, aber ich hab’s praktisch aufgehängt auf den Fußball. Und es ist auch bei der Frauen-WM so, daß die eine gewisse Aufmerksamkeit bekommt, was ja auch gut ist.

»Es geht um
diese Problematik schlechthin.«

TITANIC Gut, dann werde ich mal versuchen, das meinen Schülern zu vermitteln.

Schopf (setzt noch mal an) Wie gesagt, es ist jetzt keine Kommentierung der Frauen-WM an und für sich. Die eigentliche Aussage ist praktisch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, daß die Frauen zum großen Teil noch immer nicht die Rechte haben, Löhne usw. – Sie kennen das alles –, die die Männer haben, und eben jetzt hier sozusagen den Angriff starten, weil sie auch einmal gefoult wurden. Es geht um diese Problematik schlechthin. Man hätte natürlich ein anderes Bild nehmen können, man könnte es auch mit Baseball machen oder mit Basketball. Man könnte es auch in eine andere Geschichte umtransponieren. Also das war praktisch nur das Bild.

TITANIC Da sind wir jetzt leider nicht drauf gekommen, aber das hilft uns ja jetzt weiter.

Schopf (gönnerhaft) Kommt vor. Aber das ist ja auch absolut okay, daß man nachfragt.

Frauen, die praktisch durch eine Männerbastion hindurch ein Tor zu landen versuchen, zeigen sozusagen praktisch die Auseinandersetzung auf allen Berufsgebieten, die man sozusagen auch in Baseball hätte umtransponieren können – erklärt das alles? Wenn es okay ist, nachzufragen, sollten wir Oliver Schopf sicherheitshalber noch einmal verwechseln, diesmal mit seinem Münchner Kollegen Pepsch Gottscheber.

Pepsch Gottscheber:
»Kollegen, die am
sogenannten Desk sitzen«

TITANIC (erneut überrascht) …ach, das war nicht von Ihnen?

Gottscheber Das ist der Oliver Schopf.

TITANIC Der Herr Schopf, ach so… Aber vielleicht können Sie mir helfen, Sie sind ja selber vom Fach…

Gottscheber (zurückhaltend) Das war ein bißl ein Rätsel, irgendwie! (lacht) Da wollte er wohl diese – ich weiß nicht – diese ganze Diskussion, diese alten Aussagen und das Neue, daß sie jetzt so athletisch sind… so dunkel erinnere ich mich an die Zeichnung. Normalerweise macht der Schopf ja eigentlich schon Sachen, die man verstehen kann, aber die habe ich auch nicht ganz kapiert. (zusammenhanglos) Die war in Farbe, ne?

TITANIC Die Männer sind blau und die Frauen sind grün! Sie könnten mir interpretatorisch nicht weiterhelfen?

Gottscheber Ich glaube, es ging da irgendwie um diese Vorurteile gegenüber dem – daß man dem begegnen muß. Ich wußte auch nicht, was der Schopf mir so erzählt damit. (vertraulich) Ich sag ja, er ist eigentlich ein guter Kollege, aber in dem Fall … Wir haben ja alle immer mal so Momente, wo wir etwas machen, wovon wir eigentlich überzeugt sind, aber… (bremst sich) Aber ich finde es generell schön, daß sie mit Ihren Schülern über Karikatur plaudern!

»Der Zwang
zur Lustigkeit ist
derartig groß«

TITANIC (großzügig) Ja, wir werden auch eine von Ihnen wahrscheinlich mal dabeihaben. Dann kann ich mich ja wieder melden, für Erklärungen.

Gottscheber (beginnt zu fachsimpeln) Das würde mich insofern interessieren, weil ich stelle ja einen Trend zur totalen Veralberung fest. Durch immer mehr Sprechblasen, immer mehr… Also, daß auch ernste Themen meistens irgendwie auf eine sehr merkwürdig alberne Sache… (kommt ins Schwimmen) Also, der Hang, der Zwang zur Lustigkeit ist derartig groß, daß die Ernsthaftigkeit manchmal verlorengeht…

TITANIC Das muß in der Karikatur nicht sein, meinen Sie?

Gottscheber (verheddert sich) Nein, die kann schon – die soll – Karikatur hat ja Unterhaltungsfaktor auch, aber… mir geht es so – nicht bei der Süddeutschen, das muß ich extra betonen, für die ist es nach wie vor wunderbar zu arbeiten – aber (entschlossener). Es gibt andere Zeitungen in Deutschland, da ist man abhängig von schreibenden Kollegen, die am sogenannten Desk sitzen. Die oft überhaupt keinen Zugang haben, die ganz glücklich sind, wenn sie viele Worte in einer Karikatur finden, weil sie dann eher etwas damit anfangen können! Das finde ich ein bißl schad. (kühn) Meiner Ansicht nach tragen viele schreibende Kollegen dazu bei, daß es mit der Karikatur qualitativ ziemlich nach unten geht.

TITANIC Hm, auch eine Fachmeinung. Aber der betreffenden Karikatur hätte vielleicht eine Sprechblase nicht geschadet, um sie zu erklären!

Gottscheber Jaha! (fröhlich) Das ist natürlich auch immer blöd, wenn man einen Text braucht, um zu erklären. (einsichtig) Aber wenn es dadurch deutlicher wird, dann ist es natürlich schon einfacher. Ich mache ja auch Sprechblasen. Aber inzwischen gibt es ja Karikaturen, da sind die Sprechblasen schon fast länger als der Leitartikel daneben.

So ist das also: Die schreibenden Kollegen vom sogenannten »Desk« zwingen Gottscheber und Schopf zu albernen Sprechblasen in Leitartikellänge, so daß es mit der Karikatur qualitativ nach unten geht! Weiß denn wenigstens Gustav »Ironimus« Peichl Rat? Immerhin zeichnet der Mann schon seit 1954!

Gustav Peichl:
»Weil sie ja keinen
Penis haben!«

Peichl (abwehrend) …nein, nein, die war nicht von Ironimus. Ich bin Ironimus, aber diese Zeichnung ist nicht von mir! Die Zeichnung ist von einem anderen Kollegen – und ich fand’s ganz lustig, die Zeichnung! (professionell) Aber wenn Sie mich was fragen: Ich geh darauf ein, ich kann Ihnen schon antworten!

TITANIC Sie haben diese Zeichnung verstanden?

Peichl (selbstsicher) Ich hab sie schon verstanden! Schau, das Wesentliche ist ja die Auseinandersetzung oder der Gleichklang, oder wie man es nennen will, zwischen Männerfußball und Frauenfußball. Jetzt weiß man, daß, wenn ein Elfmeter – nein, ein Elfmeter nicht – ein Strafstoß geschossen wird…

TITANIC Ein Freistoß.

Peichl Freistoß heißt das, ja, ich bin kein Fußballer. In diesem Freistoß machen dann die Männerfußballer immer eine Mauer. Und da halten sie sich mit ihren Händen bei den Geschlechtsteilen, daß, wenn ein scharfer Schuß kommt, die da nicht getroffen werden beim Fiffi – oder wie nennt ihr das?

TITANIC Penis.

Peichl Ja, beim Penis. Ja, das hat er gezeichnet, und dazwischen die Frauen, wie sie jubeln und wie die das nicht notwendig haben, daß sie sich schützen müssen beim Penis, (fachmännisch) weil sie ja keinen Penis haben!

TITANIC (nicht ganz überzeugt) Ah, okay – so war das gemeint.

Peichl So meine ich. Ich kann einen Kollegen nicht interpretieren. (gekonnt überleitend) Ich hab heute in der Süddeutschen eine Zeichnung mit den Griechen, daß sie die Hürde genommen haben…

TITANIC (mäßig interessiert) Wie sieht die denn aus? Ich hab noch nicht in die Zeitung gesehen, ich war mit Unterrichten beschäftigt…

Peichl Das ist natürlich schlecht! Es ist schon halb drei, und Sie haben die Süddeutsche noch nicht gesehen! Also: Da ist eine Hürde, die ist genommen. Mit dem Sparpaket hüpft er grad mit Müh und Not drüber, hat aber links davon schon wieder die nächste Hürde, wo man nicht weiß, ob er die schafft.

TITANIC (begriffsstutzig) Und was bedeutet das?

Peichl (geduldig) Na ja, daß man feststellen muß, daß die Hürde genommen wurde, aber daß das noch lange nicht das Ende ist für die griechische Regierung und die griechischen Bürger!

TITANIC Ach so, das ist auch wieder eine Sportmetapher.

Peichl Das ist eine Sport… – aber, na ja, das ist (immer noch geduldig) ka-ri-kiert. Eine Karikatur macht ja Dinge sichtbar, die die Schreiberlinge, also die Journalisten der schreibenden Zunft, nicht schaffen. Die drucksen und schreiben immer umeinander, machen aber nicht sichtbar, was die Karikatur machen soll!

TITANIC Aber wenn man dann anrufen muß, weil man nicht weiß, was das bedeutet…

Peichl (einsichtig) Mein Gott, das ist halt so. Ich kriege oft Leserbriefe von Kollegen – äh, von Lesern, die sich auch nicht auskennen und fragen mich dann was, oder rufen mich an, so wie Sie. Ich möchte ja, daß die Leser Freude haben und daß sie auch verstehen, was ich zeichne.

»Aber der Schopf
ist ein sehr guter Zeichner!«

TITANIC Die vom Herrn Schopf, die war doch komplizierter. Es hat auch der Fußball so ein Kreuz unten dran, wie der Reichsapfel.

Peichl Ach, der Ball. (wieder dozierend) Das Zeichen des Männlichen ist ja der Pfeil, das Weibliche ist ein Kreuz nach unten. Da hat der halt geglaubt, er muß das noch deutlicher machen. Find’ ich unnötig. Hätt’ er gar nicht machen müssen.

TITANIC Hätten Sie nicht gemacht?

Peichl (wirr, beharrlich) Aber der Schopf ist ein sehr guter Zeichner!

TITANIC Und das Bein vorne, ist das ein Frauenbein oder ein Männerbein?

Peichl Das wird von einer Frau sein, glaube ich.

TITANIC (bestimmt) Es ist aber sehr muskulös.

Peichl Na die Frauen, schauen Sie an – die sind ja im Spiel sehr muskulös!

TITANIC (trotzig) Also, die auf der Zeichnung sind sehr dünn!

Peichl Na ja, das ist eben die Karikatur. Darf ich Sie fragen, wie alt sind Sie denn?

TITANIC Ich bin dreißig.

Peichl Ah so. Na sehr gut. Da hab ich Kinder mit dreißig. Mit fünfzig hab ich Kinder schon. Ich bin ein alter Herr.

TITANIC Ja, sind Sie schon?

Peichl (vage) Ja ja, ich fühl’ mich sehr wohl. Ich möchte in meinem Alter, ich bin jetzt dreiundachtzig, nur Dinge haben, die mich interessieren. Alles andere will ich nicht mehr.

TITANIC Und Zeichnen interessiert Sie noch?

Peichl (erschöpft) Na ja. Muß ja. (reißt sich zusammen) Macht mir ja Freude!

TITANIC Das ist schön. Dann vielen Dank für die Interpretation!

Peichl Viel Erfolg. Grüßen Sie die Schüler, die sollen weiter gute Karikaturen lernen!

Jetzt ist alles klar: Gute Karikaturen können Dinge sichtbar machen, z.B. Hürden. Schreiber brauchen dafür viele Worte und Leitartikel, die manchmal so lang sind wie Sprechblasen. Und in denen kann man dann kryptische Zeichnungen prima erklären:

Wolff / Ziegelwagner

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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

 Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

 Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

 Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

 Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Filmkunde

In Zeiten von Zoom-Konferenzen kann es nicht schaden, der Leserschaft ein wenig Nachhilfe in filmischen Fachtermini zu geben. Eine sogenannte Text-Bild-Schere zum Beispiel kann für einen visuellen Bruch und Komik sorgen. Während der Video-Sprechstunde mit meiner Internistin erzählte ich ihr zum Beispiel, dass ich seit vier Monaten nichts trinke, während sie auf eine Galerie leerer Weinflaschen hinter mir starrte. Wichtig ist auch, dass man sich bereits vor jeder Zoom-Konferenz im Klaren ist, auf welches Genre man hinaus will, sich dabei aber genug Raum offenlässt für spontane Änderungen. Meine Video-Sprechstunde hatte ich zum Beispiel eher als »Komödie« gepitcht (aktuelle Blutwerte), am Ende wurde dann aber ein ziemlich bombastischer High-Budget-Horrorstreifen daraus (Privatbehandlung).

Jürgen Marschal

 Zieleinlauf eines Dialogs

Kundin (alte Dame): »Das ist dann schon sehr anstrengend.«
Kassiererin (ältere Dame): »Nein, ich könnte das nicht!«
Kundin: »Aber es macht auch Spaß.«
Kassiererin: »Das ist die Hauptsache.«
»Ja.«
»Ja. 14,60 bitte.«

Worum auch immer es sich dreht, das Gespräch ergibt Sinn.

Theobald Fuchs

 Verwöhnt

Meinen Lebensstil muss man sich erst mal leisten können. Ich zum Beispiel konnte es noch nie.

Tanja Schmid

 Deutsch, wie es singt und kracht

Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird zunächst naiv annehmen, dass sich hinter einem Wort wie »Scheiblettenkäse« etwas unsagbar Absurdes, in der Muttersprache nur unter Zuhilfenahme sperrigster Umschreibungen Wiederzugebendes verbirgt, ähnlich gewissen japanischen oder isländischen Vokabeln, die zum Beispiel die mundwässernde Wirkung eines seit sechs Monaten im eigenen Sperma marinierten Walhodens bezeichnen. Um dann, mit wachsendem Sprachverständnis, zu begreifen, dass diese Ahnung nicht getrogen hat.

Jasper Nicolaisen

 Idee für 2021: Spargelernte per Silvesterrakete

Die jungen Feuerwerkskörper werden im April ins Spargelbeet gesät, wachsen dort bis zur erntereifen Rakete. Am 5. Mai heißt es dann: DER SPARGEL SCHIESST, und zwar uns unter großem Hallo und Funkenregen direkt in die Münder. Tradition (Spargel) trifft auf Tradition (Feuerwerk), bzw. »Volksspeisung mal anders«. Noch eine kleine Gegendemo (Querfront) dazu, einem Kind fliegt ein Spargel direkt ins Auge, im Folgejahr wird es Einschränkungen geben müssen, fertig ist DAS DEUTSCHE NEUJAHR.

Elias Hauck

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
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Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
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Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
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Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 20.05.:

    Mark-Stefan Tietze schreibt in der Taz über die vielen Deutschen, die vor der Merkel-Diktatur ins Weltall fliehen.

     

  • 18.05.:

    Das Neue Deutschland rezensiert Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod", ein Interview dazu gibt es auf Deutschlandfunk Kultur.

     

  • 14.05.:

    Marlen Hobrack bespricht im "Freitag" Christian Y. Schmidts "Der Kleine Herr Tod".

  • 13.05.:

    RTL, die »Hessenschau« und die SZ berichten über die Aktion "Torona: TITANIC hilft der DFL".

  • 05.05.:

    Im Kaput Mag gratuliert Tim Wolff TITANIC-Legende Thomas Hintner zum 60.

     

Titanic unterwegs
03.06.2020 Hachenburg, Hähnelsche Buchhandlung Gerhard Henschel
04.06.2020 Berlin, Buchhändlerkeller Gerhard Henschel
10.06.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve
14.06.2020 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »Beste Beste Bilder – Die Cartoons des Jahrzehnts«