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Verdacht

Im Kühlschrank fand ich eine »Milchschnitte«, deren rot-weiße Plastikverpackung so stark aufgebläht war, daß sie ­einem Daunenkissen mit dem blauen Aufdruck »Milchschnitte« glich. Das auf dem Kissen aufgedruckte Haltbarkeitsdatum unter dem Hinweis »Bitte zügig aufbrauchen« war schon seit Monaten überschritten, und jetzt habe ich einen schreck­lichen Verdacht: Kann es sein, daß in »Milchschnitte« tatsächlich Milch enthalten ist?

Nils Heinrich

Sprachexperiment

Wenn man noch konsequenter als der ­Autor Wolf Haas die Verben einfach. Dann man doch, daß irgendwas.

Michael Höfler

Machiavelli

Machiavelli für Frauen, Machiavelli für Manager – wo bleibt der Nischen-Niccolò für mich? »Machiavelli für Antriebslose« fände meinen begeisterten Zuspruch. Nun ja. Eventuell würde ich den Kauf ­erwägen. Denn siehe: Ein weiser Fürst kennt zweier­lei Formen klugen Einkaufens. Die ­eine, welche hmpf. Und dann noch die ­andere.

Leo Fischer

Mein Ödipus-Komplex

Der Vater, sonst ein eher humorverständiger Mensch, konnte so recht nicht ­drüber lachen, als ich ihn an seinem Geburtstag besuchte, welcher in diesem Jahr ­etwas ungünstig auf den Tag vor der längst ­fälligen Darmspiegelung fiel, ihm artig gratulierte – und anschließend die hinter mir wartende Gästeschlange mit einem an Dutzenden amerikanischen Polizei­serien erübten lakonischen Wink auf­forderte: »Abführen!«

Frank Schäfer

Ellenbogenpessimismus

Heutzutage muß jeder selbst schauen, wo er auf der Strecke bleibt.

Matthias Sohr

Kultureller Unterschied

Während meines Studiums half ich ge­legentlich in einem kleinen chinesischen Restaurant aus. Nach der Schicht wollten mich die Köche regelmäßig in die Disco einladen. Aber nicht mit mir! Ich halte nämlich überhaupt nichts von diesen ­Afterwokpartys.

Thea Unangst

Gegen die Langeweile

Wenn mir langweilig ist, rufe ich ge­legentlich Freunde an und schreie auf­geregt in den Hörer: »Du, ich sitze hier gerade im Quiz-Taxi von Kabel 1!« Im Anschluß stelle ich eine beliebige Frage, die mir auf der Seele liegt. Mehr Aufmerksamkeit geht nicht!

Max Holzgraf

Unbequeme Wahrheit

Langsam reicht’s aber mit der Al-Gore­isierung der Gesellschaft: Als neulich ­irgendwo der Song »Stand By Your Man« lief, dachte ich sofort: »Das ist doch Stromverschwendung!«

Sven Sakowitz

Alltagsmathematik

Ein lieber Bekannter berichtete mir , daß er im örtlichen T-Punkt in einen unerklärlichen Kaufrausch verfallen sei und ein Heidengeld für irgendwelchen T-Schnickschnack ausgegeben habe. Feixend fügte er an, daß er sich hinterher nicht einmal mehr eine der osteuropäischen Prostituierten hätte leisten können, die, wie Ortskundige wissen, in einer nahegelegenen Seitenstraße ihren Dienst verrichten. Mir führte dieser Bericht vor Augen, wie einfache mathematische Regeln unseren Alltag bestimmen: Punktrechnung geht nun mal vor Strichrechnung.

Thorsten Mausehund

Bärenspaß

Wenn man, wie ich, einem Studentenjob im Servicebereich einer Luxusherberge nachgeht, bemerkt man schnell, wie ­viele Manager-Typen Stofftiere aller Art ins Schlafgemach mitnehmen. Neulich kam ich auf der vorabendlichen Tour in ein Zimmer mit laufendem TV-Gerät. Davor thronten, auf zwei Sitzmöbel verteilt, ein ganz großer Elch, ein mittelgroßer Elch, ein kleiner Teddy auf dem Kopf des ganz großen Elchs und artig nebeneinanderhockend etwa zwei Dutzend unterschiedlich große, aber eindeutig der gleichen Familie angehörige Teddybären mit verschiedenfarbigen Zipfelmützen und gestreiften Strickschals. Sie sahen sich ­einen Film auf Premiere an, der mir für Teddys allerdings nicht geeignet schien. Wenigstens hatte ihr Besitzer ihnen die Fern­bedienung griffbereit plaziert; nebst ­einigen Schoko-Riegeln, maulgerecht in Reiter zerteilt und vom Papier befreit. Und einem Zettel, der sich offenbar an mich richtete: »Den Fernseher bitte anlassen, wegen der Bären!«

Melanie Kranz

Erfahrungswerte

Die von Jugendlichen mit Dreadlocks ­gegenüber Polizeibeamten an der deutsch-holländischen Grenze getätigte Aussage »Ich hab keine Drogen bei mir, Sie ­können mich ruhig durchsuchen« zieht in der ­Regel eine Durchsuchung nach sich. Die ­Aussage »Natürlich habe ich Drogen bei mir! Ich komme schließlich aus Amsterdam!« ­übrigens auch.

Moritz Veltmann

Abstinenzler

»Ich heiße Friedrich und bin Workaholic.« Das ­­sage ich jedesmal wieder, Woche für Woche, obwohl ich seit Jahren keinen Handgriff mehr getan habe. Aber Workaholic bleibt man ein Leben lang; man hat eine äußerst verwundbare Stelle, derer man sich jederzeit bewußt sein sollte, wenn es wieder einmal gilt, der Versuchung zu widerstehen.

Friedrich Krautzberger

Schock

Eines meiner äußerst ausgewaschenen ­T-Shirts ist, warum auch immer, rück­seitig mit der sensationellen Erkenntnis ­»IMPOSSIBLE IS NO­THING« bedruckt.

»Paßt zu dir«, meinte neulich ein Bekannter und bemerkte schnell das totale Entsetzen, das sich ob seiner Bemerkung in meinem Gesicht breitmachte. Hastig ­ergänzte er: »Nach unten, meine ich, nach unten ist alles möglich bei dir!«

War das eine Erleichterung! So sehr hatte ich mich lange nicht erschrocken!

Dirk Warnke

Zu Hause glaubt’s wieder kein Schwein!

Auch wenn es sich auf den ersten Blick wie schlechte Provence-Folklore nach Art des Peter Mayle liest: Das folgende Mini­a­turdrama zwischen mehreren Sicherheitsfachkäften (Spezialgebiet Hand­gepäck) und einer deutschen Reisenden (die einem 600-Gramm-Stück Hartkäse die Welt von oben zeigen wollte) hat sich, am Flug­hafen Marseille, tatsächlich so zugetragen. Der Autor hat es lediglich mitangesehen und fachmännisch übersetzt.

 

Sicherheitsfachkraft: Ja, was haben wir denn da?!

Reisende: Käse.

Fachkraft: Ziemlich groß. Da könnten Flüssigkeiten drin versteckt sein.

Reisende: Und nun?

Fachkraft: Den müssen wir zerschneiden!

(Ein Messer wird herbeigeschafft und der Reisenden überreicht)

Reisende: Wie soll ich denn schneiden?

Fachkraft: Na, in Würfel halt.

(Die Reisende tut wie befohlen, auf dem unter den Messerschnitten leidenden Einwickelpapier entsteht eine ­kleine Käsepyramide)

Reisende: Und jetzt?

Fachkraft: Jetzt haben wir ­Käsewürfel. Und Sie ein Verpackungsproblem. Am ­besten, wir essen sie auf.

Reisende: Das glaub’ ich auch.

(Der Strom der übrigen Passagiere wird kurzfristig in die nächste Schlange umgeleitet, mehrere Fachkräfte und die Reisende entsorgen gemeinsam das Gefahrgut)

Ende

Hans Kantereit

Yakultbuch

»Ein Buch mit Yakultpotential: wäßrig, säuerlich und macht irgendwas Selt­sames mit der Verdauung.« Suche für ­diese von mir verfaßte Rezension noch das ge­eignete Werk.

Ernstgemeinte Angebote bitte an die Redaktion, z. Hd.

Mark-Stefan Tietze

20 Kreuze zuviel

Eine Freundin gab mir aus dem ­Sekretariat des Professors die Fragen des Multiple-­Choice-Tests frisch von der ­Kopiervorlage durch. Im Nachhinein hat mich nur ge­ärgert, daß ich mir das lästige Ankreuzen ebenfalls hätte sparen können, da just diese Freundin das Geschmiere letztlich auch korrigierte.

Florian Haymann

Guido Knopp

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft also wieder eine Fernsehserie im ZDF und das passende Buch bei C. Bertelsmann. Folgende Titel vermisse ich allerdings sogar im gut sortierten Buchhandel: »A. Hitler, J. Goebbels, H. Himmler u.a.: Guido Knopp – Eine Bilanz«, »Knopps ­Manager«, »Knopps Helfer«, »Knopps Frauen« etc.

Daniel Nierwetberg

Für alle Winterdepressiven

Bevor die ägyptischen Zwillingsgott­heiten Schu und Tefnut die Erde und den Himmel hervorbrachten, wurde der ­erstere vom höchsten Schöpfer Atum ausgeniest, wohingegen letztere von Atum aus­gespieen wurde. Und jetzt sehen Sie sich doch bitteschön mal um: Eigentlich gar keine so schlechte Welt, wenn man ­bedenkt, daß sie aus Rotze und Auswurf gemacht wurde.

Thomas Winkler

Kunstszene aktuell

In meinem jüngsten Werk überwinde ich die Grenzen zwischen Rauminstallation und Malerei. Der malerische Gestus läßt den abstrakten Expressionismus wieder aufleben, es finden sich aber auch Anklänge an die schwungvollen Rakelzüge eines K.O. Götz: »Stochastische Farbverteilung«, in Dispersionsfarben auf Heizkörpern, Möbelstücken und Teppichen; wäre mit einer handelüblichen Abdeckfolie (Baumarkt, € 1,99) vermutlich leicht zu vermeiden gewesen.

Helge Möhn

Öhm

Ein Bekannter führt eine Nervenarzt­praxis und heißt Dr. Öhm. Wenn er in seinem pico­bello eingerichteten und das offene Wort geradezu herausfordernden Sprechzimmer einen neuen Patienten empfängt, beginnt er das Gespräch mit den Worten »Öhm. Was führt Sie zu mir?« oder »Öhm. Was kann ich für Sie tun?« Nahezu jeder Patient fragt ihn höchstens zwei Sätze später, wie er denn eigentlich heiße. Jetzt überlegt er, den Namen seiner Frau anzunehmen.

Christof Goddemeier

Nichts dazugelernt

Mittlerweile ist mein knapp zweijähriger Sohn in der Lage, sämtliche ihm gestellten Fragen zumindest mit »Ja« oder »Nein« zu beantworten. Daß er sich, laut eigener Aussage, eine spätere Tätigkeit als Jurist bei einem großen Chemie­konzern genausogut vorstellen kann wie das Entfernen großer, dampfender Kothaufen aus dem Elefantengehege eines ­bekannten norddeutschen Zoos: Damit kann ich umgehen. Daß er aber, wie er mir heute früh um sieben Uhr ­versicherte, immer noch uneingeschränkte ­Sympathien für Kaiser Wilhelm II. und die Monarchie als solche hegt, hat mich dann doch ­wütend gemacht.

Jörg Schedlinski

Tutorium für Ethnologen

Bei der Abfassung einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Wahrsagerei sollte im Literaturverzeichnis auch der Kaffeesatz eingeklebt werden, und zwar unter Angabe der Sorte, des Anbaugebiets und des Jahrgangs; und in genau dieser Reihenfolge.

David Schaible

Groovy

Als meine Freundin heute morgen die Treppe im Hausflur runterfiel und auf jeder dritten Stufe mit dem Kinn aufschlug, klang das erfreulicherweise wie der Anfang von »We Will Rock You«.

Frank Scheller

Praktisch

Natürlich sind die dicken Staubflocken, die sich in jeder Ecke meiner kleinen Wohnung befinden, nicht unbedingt eine Augen­weide. Macht man aber mit einem großen Glas und einem Blatt Papier Jagd auf eine Spinne, die sich auf ihrer Flucht in immer dickeren grauen Flusen verfängt und somit so langsam wird, daß sie problemlos einzufangen ist, dann muß man schon zugeben: Ganz schön praktisch, so Hausstaub!

Christian Martin

Erinnerungsarbeit

Ich hasse es, unleserliche Schrift ent­ziffern zu müssen. Darum finde ich es wirklich gut, daß in Berlin nun endlich der Bau der Gedenkstätte »Typographie des Terrors« beginnt.

Katharina Greve

 

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Das schreiben die anderen
Titanic unterwegs
06.02.2012 Frankfurt, Moseleck
  Trinker fragen - Politiker antworten. Mit OMS.
07.02.2012 Frankfurt am Main, Club Voltaire
  TITANIC-Peak-Preview
16.02.2012 Leipzig, Conne Island
  TITANIC-Boygroup
17.02.2012 Dresden, Schauburg
  TITANIC-Boygroup
Briefe an die Leser

 Hey, McDonald’s-Werbung,

wer ist eigentlich dieses »Ich« in Eurem Slogan »Ich liebe es«? Ist es dasselbe dicke Dummchen, dem auch RTL (»Mein RTL«) gehört?

Eher selbstverliebt:

Titanic

 Sie aber, Christine Neubauer,

haben aufgrund eines Werbevertrags mit der Firma Weight Watchers rund fünfzehn Kilo abgenommen und sich so Ärger mit Ihren Fans eingehandelt. Um Ihren guten Ruf als »Vollweib« nicht zu verlieren, wehrten Sie sich nun in der Bunten: »Ich fühle mich extrem wohl in meinem drahtigen Körper, denn er ist immer noch kurvig. Das einzige, was ich bedaure, ist, daß meine Oberweite leider auch etwas abgenommen hat. Aber ich bin noch immer ein Vollweib, weil ich mit Leib und Seele Frau bin und zu meiner Weiblichkeit stehe.« Herrje! Wissen Sie, Frau Neubauer, welch drahtig-kurviger Verdacht uns beschleicht? Daß Sie unabhängig vom jeweiligen Zustand Ihres offenbar hochkomplexen, wenn nicht gar widersprüchlichen Weiblichkeitsleibes weniger ein »Vollweib« als vielmehr ein »Vollpfosten« sind.

Nein? Ach, kommen Sie: Stehen Sie dazu!

Titanic

 Rummenigges Karl-Heinz!

Als Sie kürzlich im Pay-TV in der »LIGA total! Lounge« zu Gast waren, haben Sie als persönlichen Wunsch angegeben, bei »Ice Age 4« mitspielen zu dürfen. Hm, warum denn »Ice Age«? Der Esel spielt doch bei »Shrek« mit!

Um I-a wird gebeten.

Titanic

 Antidiskriminierungsstelle des Bundes!

Hältst Du das wirklich für eine so gute Idee, überall Plakate aufzuhängen, auf denen »Kein Mensch paßt in eine Schublade!« steht? Also wirklich: Schublade? Singular? Werden da nicht die anderen Schubladen, in die so ein Mensch auch noch paßt, nun ja, diskriminiert?

Immer wachsam: die Schubladenschwengel von der

Titanic

 Lieber Marcel Reich-Ranicki,

in Ihrer Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fragt ein Hubertus Simmelring: »Was halten Sie von dem neuen Buch von Mathias Döpfner? Es gibt darin auch ein Kapitel über die Meistersinger. Damit kennen Sie sich doch bestens aus. Er auch?« Und Sie: »Mathias Döpfner hat einige Bücher publiziert, ja, unter anderem einen Essay über die Meistersinger.« Fertig. Aber schließlich heißt Ihre Rubrik bloß »Fragen Sie Reich-Ranicki«. Fürs Antworten sind Sie halt nicht zuständig.

Fragen Sie:

Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Eine Frage des Anstands

Vor dem Bürogebäude, das meinen Arbeitsplatz beherbergt, beschuldigte unser Hausmeister einen leicht heruntergekommenen Herrn, in den Eingangsbereich uriniert zu haben. Dieser bestritt die Tat vehement. Doch die Indizien sprachen gegen ihn: Die Stelle, an der er gestanden habe, sei jetzt naß, beharrte der Hausmeister, außerdem habe er den Beschuldigten an seinem Hosenstall herumnestelnd vorgefunden. Derart in die Ecke gedrängt, stemmte der nun Überführte die Hände in die Hüften und empörte sich: Das könne man aber ja wohl auch freundlicher sagen. Der Mann wußte eben, was sich gehört.

Saskia Wagner

 Position 169

Ich fühle mich in der Rolle des unbeteiligten Beobachters in der Regel recht wohl.

Aiko Kempen

 Gender Buddies

Nach einem Besuch bei »Best Worscht in Town«, diversen Cocktails in diversen Gastronomien, mehreren Rausschmissen aus ebendiesen und einigen Bieren von verschiedenen Kiosken äußerte meine Freundin nach einem raumerschütternden Rülpsen im Morgengrauen: »Lecker! Schmeckt immer noch nach Currywurst!« Seitdem trägt die Dame an meiner Seite stolz den ihr von allen Anwesenden spontan verliehenen Titel »Mann ehrenhalber«.

Jens Peter Gust

 Gutmensch

Diese bigotten Arschlöcher! Millionen von Menschen kaufen bei KIK ein, wo die Klamotten von Kindern in Bangladesch produziert werden, unter schlimmsten Bedingungen. Und alle schauen weg. Und keiner sagt was. Aber wenn ich die Kinder aus Bangladesch holen will, um hier, im schönen Deutschland, Klamotten unter weit unschlimmeren Bedingungen zu produzieren, ist die Aufregung groß. Da vergeht einem die Freude an karitativen Projekten so sehr, daß ich meinen nächsten Kampf gegen Kinderarbeitslosigkeit in thailändischen Bordellen am liebsten abblasen würde.

Björn Högsdal

 Architekturkritik

Am sogenannten »Renaissanceportal« des Freiburger Münsters stehe ich neben zwei amerikanischen Paaren. Die Frauen betreten das Münster. Nach einer halben Minute kommen sie wieder heraus, und die eine sagt: »It’s only a church.« Was sie hinter diesen Mauern wohl erwartet haben?

Christof Goddemeier