|
|
Am häufigsten verschickt:
Sagt mal ehrlich, Italiener,
wie lange wollt Ihr dem Rest der Welt eigentlich noch das Trauerspiel eines Volks bieten, das sich von einem selbstverliebten neureichen Medienfuzzi mit cäsarischen Allüren und allzeit offenem Hosenstall regieren läßt?
Ist nur so eine Frage.
Titanic
Das ist, verehrte Fa. Wrigley,
ja schon so eine Sache, wenn man seit über einem Jahrhundert den immer gleichen Kauklumpen unters Volk bringen muß. Und da so ein Kaugummi nun letztlich nicht als kulinarischer Höhepunkt eingeschoben wird, sondern aus Gründen, die insgesamt wenig werbeträchtig sind (Zwangsverhalten, Macke, Mundgeruch), gehst Du jetzt in die Offensive und bringst ein neues »Lifestyle-Kaugummi« auf den Markt, nämlich »5 GUM«, das so heißt, weil es alle »fünf Sinnesbereiche« anspricht: »Look, Smell, Hear, Taste und Touch.« Denn heutzutage entstehen »in der Re-Kombination von Tradition und Technologie, von analog und digital, andauernd neue Sensationen«, z.B. auf dem Smell-Sektor: »Das avancierte Duft-Design transzendiert das angestammte Feld blumiger Wohlgerüche in Richtung einer komplexen Duftsprache.« Und auch beim Touch tut sich so einiges: »Produktdesigner verwandeln mittels neuer Materialien und intelligenter Oberflächen High Tech in High Touch« usf. Und das alles wegen zweier Kaugummis, die »als sensorische Besonderheit ein aufregendes Prickeln auf der Zunge« resp. »ein spezielles Knuspern« erzeugen.
Aber bei aller »Re-Kombination« der »fünf klassischen Sinnesfelder« – eines, Wrigley, bleibt doch beim alten: Deine alten Gummis sind, wenn man an irgendeiner Tisch- oder Stuhlunterseite versehentlich hineinfaßt, sensorisch so eklig wie eh, die Flüche, die man dabei ausstößt, sind altmodisch immanent, und die Verursacher der analogen Sauerei sind dieselben unterkomplexen, nicht ganz knusperen Ferkel wie schon immer.
Und dafür nu’ der ganze Aufwand!?
Avancierte Grüße:
Titanic
Und was, Veit Medick c/o »Spiegel online«,
ersehnt Ihrer Meinung nach die SPD? »SPD ersehnt ein Schröder-Wunder«, denn: »Die Partei ist gelähmt« – aber haben Sie da nicht zwei Wunderheiler miteinander verwechselt? Vom Vater verlassen wurden zwar beide, aber es war der Nazarener Zimmermannssohn, der Lahme wieder gehend gemacht hat. Der Hannoveraner Putzfrauensohn hingegen hat mit Hilfe der Sozialstaatabrißbirne namens Hartz IV das Wunder vollbracht, in kürzester Zeit die Wählerschaft der SPD so stark zu reduzieren, daß die von nur fünf Broten und zwei Fischen satt werden kann.
Und das wollen die wirklich noch mal haben?
Von uns aus gern!
Wasser zu Barolo:
Titanic
Rudi Assauer!
Daß trotz Ihrer Handgreiflichkeiten (»Simone Thomalla und Rudi Assauer: Prügelei auf Sylt«) Ihr Werbevertrag mit Veltins weiterläuft, hat uns nicht überrascht. Denn was harmoniert besser mit einem Bier zuviel als ein beherzter Schlag ins Gesicht einer nervenden Ex? Höchstens noch die anschließende Lektüre der Bild-Zeitung. Und von der liegt doch wohl immer ein Belegexemplar griffbereit!
Paßt doch wie die Faust aufs Auge, das alles.
Titanic
Und Ihnen, Raab,
hat es an Selbstbewußtsein ja noch nie gefehlt, weshalb Sie sich via Spiegel online der Republik gleich als Fußballmannschaftsleiter andienten: »Ich kann mir durchaus vorstellen, Teamchef einer Profi-Mannschaft zu sein. Fußball ist doch kein so komplexer Sport, daß ein aufnahmefähiger Mensch wie ich das nicht durchschauen könnte … Das ist alles eine Frage des Delegierens. Fußballspieler sind Fußballspieler, weil sie Fußball spielen können. Daß die fit sind, dafür sorgt jemand anders. So eine Mannschaft braucht wie ein Unternehmen jemanden, der sagt: ›Leute, vorwärts. Ich will etwas erreichen, und das ist meine Idee.‹ Man muß die Leute begeistern können, und dann geht alles« – schon klar und tausendmal gehört, aber wissen Sie, Raab, mit der Komplexität ist das so eine Sache: Die einen besitzen sie, die anderen erkennen sie nicht. Die einen haben schon mal vom »Projekt Klinsmann« und seinem Ausgang gehört, die anderen offenbar nicht. Und Wichtigtuer sind Wichtigtuer, weil sie wichtigtun können; für die geistige Fitneß sorgt jemand anderes, nämlich Ihr Alleskönner-Magazin
Titanic
Protestantische Ethik
Als ich einst meine Auslandssemester auf einer tropischen Insel verbrachte, erreichte mich Post meiner Großmutter. Sie schrieb, sie fände es gut, daß ich meine jungen Jahre zum Entdecken der Welt nutzen würde. Für sie wäre so eine weite Reise aber nichts mehr, »schließlich muß man in meinem Alter auch schon so langsam an den Tod denken. Und dann wird die Überführung so teuer.«
Hanno Schmidt
Haß im Netz
Gestern in der Jungschar ist es passiert: Die Internetkriminalität, die ja immer neue Felder erobert, hat nun auch mich erreicht. Zwei Zehnjährige liegen auf dem Boden, der eine heult: »Er hat mich geschlagen!« – »Er hat meinen Account bei Seafight sperren lassen!« – »Und er hat meinen Account gehackt!«
Paul Hubrich
Kurort
Als ich unlängst in einem hessischen Traditions-Heilbad nächtigte, war ich durchaus geschmeichelt, als man mich an der Rezeption des Kurhotels mit unverhohlener Freude, einem Blumenstrauß und bunten Luftballons begrüßte: »Herzlichen Glückwunsch. Sie sind seit langem unser jüngster Gast!« Den bunten Lolli nahm ich ja noch ganz gern, aber den Kinderteller im Restaurant des Hauses lehnte ich dankend ab, auch wenn sich das Küchenpersonal schon sehr darauf gefreut hatte, ihn mal wieder zuzubereiten. Wir einigten uns darauf, daß man den Kinderteller etwas größer machte und ich statt der Spaghetti eine gebratene Jakobsmuschel bekäme. Endgültig zuviel wurde es, als ich mit meinen 36 Jahren in der Hotelbar noch den Ausweis herzeigen sollte. Zwei Stunden lang tobte ich: »Ich will aber Whiskey! Ich will, ich will, ich will!« Dann rief man meine Eltern an.
Volker Surmann
Einladung zum Diskurs
Nachdem sich ein guter Freund wochenlang nicht bei mir gemeldet hatte, schickte ich ihm eine Email: »Na, du Arschloch!« Ruckzuck hatten wir wieder Kontakt.
Uwe Becker
Musical Hairsplitting
Wer mir genauer erklären kann, was mein im Prenzlauer Berg wohnender Gesprächspartner auf einer Party zu beschreiben gedachte, als er versuchte, mir seine neue »Lieblings-Chillout- Musik« Minimal Piano näherzubringen, der schicke bitte eine Mail an die Redaktion. »Alle meine Entchen« war es seiner Reaktion nach zu urteilen jedenfalls nicht.
Moritz Veltmann
|